Unzumutbare Verhältnisse in Berliner Wohnhaus – nach Erwerb durch die Stadt
Was passieren kann, wenn Berlin vom Vorkaufsrecht Gebrauch macht, lässt sich aktuell in Mitte beobachten. Von Ann-Kathrin Hipp
„Ist die Stadt als Vermieter vielleicht doch nicht so toll, wie alle immer denken?“, fragt ein Mieter der Gotzkowskystraße 33 und beschreibt die Lage so: Ende 2019 übte Berlin das Vorkaufsrecht für das Haus aus. Im Januar 2020 übernahm die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) die Hausverwaltung. Was seitdem geschah: Das Heizöl ging aus, die Kellertür wurde aufgebrochen (und nicht repariert), Obdachlose haben im Keller ihren Schlafplatz gefunden und seit gut sechs Wochen gibt es kein Gas (kaltes Wasser, kein Herd). „Das ist dumm für die Mieter gelaufen, aber auch für uns“, sagt WBM-Sprecher Christoph Lang und erklärt die Situation, die „natürlich eine Zumutung“ sei, wie folgt:
„Im Rahmen des kommunalen Vorkaufsrechts haben wir keine Möglichkeit, das Objekt vor dem Kauf eingehend zu besichtigen und zu untersuchen, wir kaufen quasi die Katze im Sack. Lasten-Nutzen-Wechsel erfolgte zum 1. Februar 2020. Wie in vielen ähnlichen Fällen hat sich hier schnell jahrelang vernachlässigte Instandhaltung und Bewirtschaftung bemerkbar gemacht. Dass der Öltank leer war, hatte der Verkäufer uns verschwiegen, wir hatten nicht einmal einen Schlüssel zum Ölkeller. Daher musste diese Tür geöffnet werden, damit der Brennstoff möglichst schnell nachgefüllt werden konnte. Der Keller wurde provisorisch verschlossen, danach kamen wiederum Mieter nicht mehr an ihre Keller, sodass die Tür wieder geöffnet werden musste. Es wurde von uns ein Schlüsseldienst beauftragt, eine Schließanlage einzubauen, das hat sich – offenbar coronabedingt – leider verzögert. Am 28. Mai meldete uns ein Mieter Gasgeruch. Der sofort alarmierte Notdienst sperrte und verplombte die Hauptleitung, sodass nun das ganze Haus ohne Gas war. Die Hauptleitung ist mittlerweile saniert, es gibt aber noch Verdacht auf weitere Leckagen in Verteil-Leitungen bzw. einzelnen Wohnungen. Dies muss aus Sicherheitsgründen erst zweifelsfrei ausgeräumt sein, bevor die Gaszufuhr wiederhergestellt werden kann. Es tut uns sehr leid, dass die Mieter diesen Mängeln ausgesetzt sind.“ Checkpoint-Problemanalyse: ein bisschen Erblast und ein bisschen Berlin.