sollten Sie Ihren morgendlichen Kaffee samt Checkpoint gerade in Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg oder Steglitz-Zehlendorf genießen: herzlichen Glückwunsch. Sie gehören zumindest was die medizinische Versorgung angeht zum privilegierten Teil der Stadt. Obwohl in Berlin mehr als 8.000 niedergelassene Ärzte arbeiten (eine bessere Versorgung pro Einwohner gibt’s nur in Bremen und Hamburg), teilen sich die Bezirke in arztreiche und arztarme Gegenden und die arztarmen liegen vor allem im Osten und am Rand. Um das zu ändern, will die Kassenärztlichen Vereinigung künftig Zuschüsse für Niederlassungen in wenig beliebten Bereichen zahlen. Bis zu 8.000 Euro pro Quartal und Praxis sollen fließen. Es gilt: Geld regiert die Gesundheitswelt.
Eine detaillierte Übersicht, wie gut Ihr Bezirk mit Haus-, Augen-, Frauen- und Kinderärzten versorgt ist, lesen Sie als AbonnentIn hier mit Tagesspiegel Plus.
„Benimm’ Dich!“ – unter diesem Motto hat die Initiative „wirBerlin“ am Mittwoch gemeinsam mit Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) in der Hasenheide Berlins ersten Park-Knigge vorgestellt. „Früher zu Oma’s Zeiten war ein rücksichtsvolles Benehmen noch selbstverständlich. Schaut man sich heutzutage die Situation in den Berliner Parks und Grünanlagen an, dann scheint offenkundig von solch einem Benehmen keine Spur mehr zu sein“, sagen die Macher. „Wie die meisten von uns will ich diese Verwahrlosung nicht mehr ertragen“, sagt Hikel. Acht Verhaltensregeln in sechs Sprachen sollen’s richten (u.a. Grillverbot, Mülltrennung, Mehrweg statt Einweg und ein Mülleimer ist voll, wenn er voll ist!). Die goldene Regel ist die siebte: „Parks und Ufer sind keine Müllhalden, sondern Erholungsorte für uns ALLE.“ Insgesamt 5.000 Knigge-Flyer wurden zum Auftakt gedruckt und sollen in den kommenden Wochen verteilt werden. Hoffentlich nicht für die Tonne.
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Ein Schauspiel aus der Shakespeare-Zeit steht ab 9. Juli auf dem Programm des Theatersommers Sanssouci. Erleben Sie im historischen Potsdamer Heckentheater die aberwitzige Komödie „Der Ritter von der flammenden Mörserkeule". Das Theater Poetenpack erzählt die Geschichte einer Künstlertruppe und deren Kampf, eine Aufführung auf die Bühne zu bringen.
Alles umsonst? Das Landgericht Berlin hat am Mittwoch das autonome Jugendzentrum Potse verurteilt, die von ihm seit anderthalb Jahren besetzten Räume in der Potsdamer Straße zu räumen. Der Anwalt des Trägervereins will Einspruch einlegen. Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) sagt: „Ich suche weiterhin nach Räumlichkeiten und hoffe nach wie vor, dass so schnell wie möglich ein geeigneter Ort für das Jugendzentrum gefunden wird.“ Was er nicht sagt: „Schnell ist relativ, weil ergebnislos gesucht wird schon seit Jahren.“
Corona-Time to say Goodbye – an dieser Stelle führen wir unsere (unvollständige) Insolvenz- und Abschiedsliste fort (und fort und fort). Heute mit dabei sind: das Restaurant Feliz (ChaWi), das Restaurant Go-Gärtchen (Friedenau), der Fischknabbersalon Fußfetifisch (Prenzlauer Berg), der Dessousladen Nouvelle (ChaWi) mit Totalräumungsverkauf bis zum 29. August und das Reisebüro Reiseprofi & Theaterkasse (Mitte & ChaWi). Letztere schreiben an ihre KundInnen: „Die Insolvenz ist ein sehr bitterer Schritt, der auch elf langjährigen Fachkräften den Job kostet. Viele unserer Kunden sind in dieser Zeit zu Freunden geworden, leiden und trauern mit uns und unseren Familien. Wir bedanken uns für mehr als 25 erfolgreiche und vertrauensvolle Jahre mit Ihnen/Euch!“ Sie kennen weitere Einrichtungen, Restaurants, Kneipen oder Läden, die coronabedingt schließen mussten oder bald schließen? Schreiben Sie uns: checkpoint@tagesspiegel.de.
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Grisebach versteigert am 9. und 10. Juli insgesamt 666 Kunstwerke.
Fasanenstraße 27, 10719 Berlin
grisebach.com
Kommt nach der Corona-Krise die Corona-Klagewelle? Der Bund der Gastfreundschaft und die Kanzlei Gansel Rechtsanwälte haben sich zusammengetan, um finanzielle Entschädigungen für die Gastronomie- und Hotellerie-Wirtschaft durchzusetzen. Ziel ist eine Sammelklage, die sich gegen die Bundesländer richtet. Die Kosten will man über eine vorhandene Rechtsschutzversicherung oder einen Prozessfinanzierer abdecken. Dem Checkpoint sagte ein Sprecher: „Unsere interne Linie liegt bei etwa 1.000 Mitstreitenden, um die erste Welle loszutreten. Bisher sieht es sehr gut aus, ich denke, dass wir die Anzahl noch im Juli erreichen werden.“ 500 Betriebe aus ganz Deutschland sollen sich bis dato angeschlossen haben, 30 davon aus Berlin.
„Ist die Stadt als Vermieter vielleicht doch nicht so toll, wie alle immer denken?“, fragt ein Mieter der Gotzkowskystraße 33 und beschreibt die Lage so: Ende 2019 übte Berlin das Vorkaufsrecht für das Haus aus. Im Januar 2020 übernahm die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) die Hausverwaltung. Was seitdem geschah: Das Heizöl ging aus, die Kellertür wurde aufgebrochen (und nicht repariert), Obdachlose haben im Keller ihren Schlafplatz gefunden und seit gut sechs Wochen gibt es kein Gas (kaltes Wasser, kein Herd). „Das ist dumm für die Mieter gelaufen, aber auch für uns“, sagt WBM-Sprecher Christoph Lang und erklärt die Situation, die „natürlich eine Zumutung“ sei, wie folgt:
„Im Rahmen des kommunalen Vorkaufsrechts haben wir keine Möglichkeit, das Objekt vor dem Kauf eingehend zu besichtigen und zu untersuchen, wir kaufen quasi die Katze im Sack. Lasten-Nutzen-Wechsel erfolgte zum 1. Februar 2020. Wie in vielen ähnlichen Fällen hat sich hier schnell jahrelang vernachlässigte Instandhaltung und Bewirtschaftung bemerkbar gemacht. Dass der Öltank leer war, hatte der Verkäufer uns verschwiegen, wir hatten nicht einmal einen Schlüssel zum Ölkeller. Daher musste diese Tür geöffnet werden, damit der Brennstoff möglichst schnell nachgefüllt werden konnte. Der Keller wurde provisorisch verschlossen, danach kamen wiederum Mieter nicht mehr an ihre Keller, sodass die Tür wieder geöffnet werden musste. Es wurde von uns ein Schlüsseldienst beauftragt, eine Schließanlage einzubauen, das hat sich – offenbar coronabedingt – leider verzögert. Am 28. Mai meldete uns ein Mieter Gasgeruch. Der sofort alarmierte Notdienst sperrte und verplombte die Hauptleitung, sodass nun das ganze Haus ohne Gas war. Die Hauptleitung ist mittlerweile saniert, es gibt aber noch Verdacht auf weitere Leckagen in Verteil-Leitungen bzw. einzelnen Wohnungen. Dies muss aus Sicherheitsgründen erst zweifelsfrei ausgeräumt sein, bevor die Gaszufuhr wiederhergestellt werden kann. Es tut uns sehr leid, dass die Mieter diesen Mängeln ausgesetzt sind.“ Checkpoint-Problemanalyse: ein bisschen Erblast und ein bisschen Berlin.
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„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Den Auftakt dieser Woche machte Annett Gröschner (hier zu lesen). Heute folgt Teil vier.
Destination
Von Annett Gröschner, Jan-Gunnar Franke, Manfred Füger und (heute) Gerda Klehr
Und mit entschlossener Miene braust der Fahrer sogar bei Rot über die nächste Ampel... Sie lässt sich auf einen Sitz in einer Vierer-Bucht fallen und reißt endlich die Schutzmaske herunter. Wen soll sie hier schon anstecken? Erst jetzt spürt sie ihre Anspannung und eine beängstigende Verwirrtheit. Der Bus schaukelt weiter durch die beginnende Nacht. Nach einem letzten Blick auf ihr erloschenes Handy schließt sie ein wenig die Augen und wiederholt ganz leise, mantramäßig „Wird schon werden...“ In diesem Zustand überkommt sie ein sonderbares Gefühl der Vertautheit, fast der Geborgenheit. Skeptisch öffnet sie wieder die Augen und bemerkt, dass der Busfahrer sie im Rückspiegel eindringlich beobachtet. Gleich würde er rufen: „Mädel, Maske uff!“ Aber nichts dergleichen, stattdessen: „Na Kleene, hast et ooch nich leicht, wa?“ Erst jetzt schaut sie ihn genauer an. Moment mal: Das ist doch Stefan!...
Morgen lesen Sie an dieser Stelle das Ende der Geschichte von Annett Gröschner und am Wochenende nochmal den gesamten Text im Tagesspiegel und auf Tagesspiegel.de.
Berliner Schnuppen
Telegramm
+++EIL+++ Wir suchen noch immer einen Tauschpartner für unseren Checkpoint-Hochgetauscht-Deal der Woche! Wir bieten: eine Flasche selbstgebrannten Orangenschnaps (italienisches Originalrezept; getestet und für gut befunden). Wir nehmen: alles. Schicken Sie uns jetzt noch schnell Ihr Angebot an checkpoint@tagesspiegel.de und stoßen Sie schon morgen an.
Happy Pay Day: Von heute an arbeiten Sie für den Rest des Jahres in die eigene Tasche. Rein rechnerisch ist die bisherige 2020-Arbeitsleistung dem Steuerzahlerbund zufolge komplett für Steuern und Sozialabgaben draufgegangen (Q: dpa). Von 17.30 Uhr an bleibt bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalt von Lohn und Gehalt etwas übrig.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Geld fürs Tricksen: Berlin startet ein neues Förderprojekt für die digitale Film-Produktion. Zwei Millionen gibt es von August an für den visuellen Einsatz von wahlweise Tieren („Känguru-Chroniken“), Konzert-Publikum („Gundermann“) oder historischen Kulissen („Babylon Berlin“).
Das Museum Schöneberg öffnet kommenden Sonnabend die Sonderausstellung „Wege aus der Wohnungsnot“. In diesem Fall geht’s allerdings um die Zeit nach der Gründung Groß-Berlins.
Wer zahlt, wenn die Wohnung beim Einzug unrenoviert ist? Beide, sagt der Bundesgerichtshof. Mieterschützer und Vermieter finden das beide falsch. Immerhin geteiltes Leid.
Zwei Polizeimeldungen, die einen nicht nur am Anstand, sondern auch am Menschenverstand zweifeln lassen: „Mann beißt Frau im Görlitzer Park ins Gesicht“ und „Betrunkener leistet massiven Widerstand“ und versucht einen Polizisten zu beißen. Berlin, manchmal kannst du hässlich sein.
Urteil „schuldig“: Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist am Mittwoch nach acht Verhandlungstagen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden. Er wird in der Psychiatrie der Maßregel untergebracht.
Bei dem mutmaßlichen Vergewaltiger aus Kleinmachnow soll es sich um einen Serientäter handeln. Der Mann soll nach Aussagen der Ermittler dringend verdächtig sein, im Juni sieben Vergewaltigungen beziehungsweise versuchte Vergewaltigungen begangen zu haben. Die Polizei ein Video aus einer Überwachungskamera veröffentlicht und bittet um Hinweise.
„Sind die Corona-Regeln klar genug formuliert?“, haben wir Sie gestern gefragt. 1.414 Mal wurde abgestimmt. 74 Prozent sagen: nein.
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Aus der Kategorie „Rhetorische Bezirksanfragen“ (I): Philipp Wohlfeil (Linke) fragt das Bezirksamt Treptow-Köpenick nach der Einführung von Trinkwasserspendern an fast allen Grundschulen: „Was können die Trinkwasserspender im Unterschied zu Wasserhähnen?“
Aus der Kategorie „Rhetorische Bezirksanfragen“ (II): Mike Szidat (SPD) fragt das Bezirksamt Pankow, nachdem im Juni 2019 mehrere Gehwegschäden in Französisch-Buchholz über das Meldeportal „Ordnungsamt Online“ angezeigt und nun als „erledigt“ markiert wurden, ohne behoben zu sein: „Ist das Bezirksamt der Meinung, dass das dargestellte Verfahren den meldenden Bürger*innen den Eindruck vermittelt, dass ihr Anliegen umfassend, kompetent und transparent bearbeitet wird?“
Zum Abriss der maroden Elsenbrücke vergibt der Senat den Auftrag „Ersatzneubau Elsenbrücke-Behelfsbrückenkonstruktion“. Der Bewerbungszeitraum läuft bis zum 06.08.20. Wenn’s mit der Ausführung genauso schnell geht, sind wir begeistert.
Kurios: „Der Polizeipräsident in Berlin“ vergibt laut Vergabeplattform einen Auftrag für 98 neue Dienstfahrräder (inklusive Zubehör). Dabei gibt’s den doch gar nicht mehr?
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Schnipsel für den nächsten Smalltalk: Bekloppte Radwege gibt’s nicht nur in Berlin, sondern auch in Bayern. Bei Kirchdorf an der Amper findet sich aufgrund eines Planungsfehlers im Landratsamt jetzt das 500 Meter lange Modell „Wellengang“ (Q: SZ).
Wer in Berlin (wie ein Anwohner in Zehlendorf) einen Fuchs sonnend auf der Gartenliege entdeckt, muss sich nicht wundern: Katrin Koch vom Naturschutzbunds findet das „ganz normal“. „Unsere Stadtfüchse sind frech und dreist, sie liegen gern erhöht auf gepolsterten Gartenmöbeln oder Hollywoodschaukeln, schleppen Schuhe weg oder Spielzeug. Sie haben gelernt: Berlin ist befriedeter Bereich, hier werde ich nicht beschossen.“
Was für ein (Floh-)Zirkus: Die Reinickendorfer Grundschule am Schäfersee ist aktuell flohbedingt geschlossen. Aus dem Gesundheitsamt heißt es: „Wir hatten mit der Schule engen Kontakt und die sind ziemlich verzweifelt, weil niemand so richtig weiß, was da los ist. Flöhe sind ja nichts richtig Gefährliches, sie sind halt lästig.“ Die Schließung selbst sei nicht durch das Gesundheitsamt veranlasst worden.
Wenige Monate vor der Eröffnung des BER am 31. Oktober 2020 ist wieder ein neuer Technikchef im Anflug: Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Ingenieur und Baumanager Christoph Schäfer (für ein Jahresgehalt von 230.000 Euro) übernehmen. Große Teile der 2000-FBB-Mitarbeiter bleiben unterdessen weiter in Kurzarbeit.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die BVG und die S-Bahn sorgen immer wieder dafür, dass sich die Leute diese Stadt neu erschließen. Guck mal, dieser schöne Ersatzverkehr: Da läuft man einfach den Hinweisen hinterher und im schlimmsten Fall haben über Nacht irgendwelche Spaßvögel die Füße woanders hin geklebt und dann landet man vielleicht in einem illegalen Porno-Club oder so.“
Berlins ältester Hipster und Sonntags-Berghaingänger Günther Anton Krabbenhöft im Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ (auf dem Weg zum Ringbahnersatzverkehr). Die neue Folge erscheint in der Nacht zum Samstag (genau um Mitternacht) – überall, wo es Podcasts gibt.
Tweet des Tages
Wer in Berlin auf die Idee mit den Pop-up-Fahrradwegen kam, kann jedenfalls behaupten, er/sie habe was Bleibendes geschaffen. Paradox. #ditisberlin
Stadtleben
Lesereise – Bookstagrammerin Nicole Kiendl (@buecherwurm_in) nimmt uns heute mit auf eine Reise nach „Hawaii“, das im gleichnamigen Roman von Cihan Acar (2020, Hanser Berlin) allerdings näher an Berlin liegt, als der Titel vermuten lässt: „Kemals Traum von der großen Fußballkarriere ist geplatzt, er muss zurück in seine Heimatstadt. Die LeserInnen begleiten ihn ein Wochenende lang auf seiner mitreißenden Reise zurück nach Hawaii – dem Heilbronner Kiez seiner Kindheit. Acar gibt in seinem Roman nicht nur Teilen seiner Generation eine Stimme, die sonst gesamtgesellschaftlich überhört werden. Ihm gelingt auch eine vielschichtige Momentaufnahme des ersten großen Scheiterns im Leben und der neuen Suche nach sich selbst. Ein großartiger Debütroman, der wegen der Coronakrise unterzugehen droht, aber definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.“ – weshalb wir vorsichtshalber ein Exemplar verlosen (bis 12 Uhr).
Urlaub ganz nah – Ein Ort, wo Fußballkarrieren starten und wie Träume zerplatzen ist definitiv der Wedding. Er kommt bekanntlich seit Jahren und wer einmal dort war, meint zu wissen: Das bleibt auch so. Der Wedding schafft es besser, als andere Bezirke sperrig und charmant zugleich zu bleiben. Am besten zu erleben im Sommerbad Humboldthain. Wer die 256 Seiten von Acars Buch zwischen Köpper und – echt guten – Pommes durch hat, kann in Michael Horenis Buch „Die Brüder Boateng“ nachlesen, wie es mit der Fußballkarriere doch was werden kann. Zu kalt fürs Freibad? Dann auf ins silent green Kulturquartier – den ganzen Tag im Mars verbummeln. Im Pförtnerhaus des ehemaligen Krematoriums gibt es neuerdings Eis und Smoothies. Gerichtstraße 35 (S-/U-Bhf Wedding)
Mehr Ideen für den Urlaub vor der Haustür finden Sie auf tagesspiegel.de.
Essen kochen – Wenn schon die heutige Lesereise (Abo) nicht wirklich nach Hawaii führt, dann wenigstens der nächste Einkauf fürs Abendessen. Unsere Genuss-Redaktion hat da ein formidables Rezept für Poke mit Lachs parat, das vor allem eins ist: einfach und lecker.
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„Impfraten bei Erwachsenen erhöhen – das ist die beste Vorbereitung auf eine neue Pandemie“, so Dr. Jens Vollmar, Leiter des medizinisches Fachbereichs Impfstoffe bei GlaxoSmithKline. Im Podcast Agenda Spezial: Impfen spricht der Experte mit Philipp Eins über Impfstoffe der Zukunft und Pandemic Preparedness.
Jetzt reinhören!
Essen & Trinken gehen – Auch bis nach Mexiko ist es nicht weit: In der Markthalle Neun tischt das Pop-Up Señor Lehmann noch bis zum 18. Juli mexikanische Hausmannskost auf. Die temporäre Taqueria wird von Foodtruck-Caterer Eddielicious und der Craftbierbrauerei Heidenpeters bespielt – eine Kombi, die gut werden kann. Tostadas de Aguacate, Elote und Tlacoyos finden Sie in der Pücklerstraße 34 in Kreuzberg (Mi-Sa 17-22 Uhr).
Ferienbespaßung – Kaum ist das Homeschooling vorbei, lungert der Nachwuchs schon wieder im Homeoffoce rum. Aber dieses Mal gibt es einen ziemlich praktischen Beschäftigungsgenerator: den Berliner Sommerferienkalender 2020. Einfach mal reinklicken und spontan was buchen oder für die kommenen vier Wochen vorsorgen. Wir empfehlen einen Ausflug – mit Powerparcours – in den ehemaligen Flughafen Tempelhof mit den M*UFO5s (17. Juli) oder gleich das Klimagerechtigkeitseminar der BUNdjugend (18.+19. Juli).
Wieder hingehen – Am 1. Juli hat die Urania ihre Pforten wieder geöffnet und zeigt bis zum 29. August eine Ausstellung über die Artenvielfalt Berlins, die zu den wald- und seenreichsten Metropolen der Welt gehört. Die Schau ist der Auftakt zum Veranstaltungsprogramm, das am 1. September wieder losgehen soll und sich vertiefend der Stadtnatur widmet. An der Urania 17 (Schöneberg), U-Bhf Willtenbergplatz, Di-Sa 12-20 Uhr, Eintritt frei, Maske und Abstand sind Pflicht
Neu in Mitte ist „The Wall“ – ein privates Museum, das die Geschichte der Mauer in den Mittelpunkt stellt. Angefangen hat alles mit einem eigenen DDR-Wachturm, mittlerweile gehören Panzersperren, Grenzerausrüstung und viele Fotos zum Fundus von Initiator Jörg Moser-Metius, der schon mehrere Ausstellungen zu deutsch-deutscher Geschichte auf die Beine stellte. Das neue Museum soll auch einige Legenden um die Berliner Mauer geraderücken, wie er meinem Kollegen Andreas Conrad verriet. Leipziper Platz 11, tgl. 11-18 Uhr, Tickets online ab 5 Euro
Karten sichern – Wir gehen mal davon aus, dass sich das Wetter noch bessert und das „Draußen“ für die Kulturstätten tatsächlich alternative Bühne sein kann. Das HKW plant „20 sunsets“ auf der Dachterrasse mit Konzerten, Filmen, Lesungen und Gesprächen. Los geht es am 16. Juli mit einer performativen Lesung von Werken Clarice Lispectors und dem Film „Two days at the Falls“. Teil des Festivals sind Filme aus der Sammlung des Arsenal, die das Publikum ins Draußen führen. Tickets gibt es hier.
Last-Minute-Vernissage – Einblicke in das Selbstverständnis und das Geschichtsbewusstsein einer jungen chinesischen Künstlergeneration gibt es heute Abend in der Galerie EIGEN + ART in Mitte. Der 1981 in der chinesischen Provinz Zhejiang geborene Künstler Li Qing ist Professor an der China Academy of Art in Hangzhou und befasst sich in seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland mit den kosmopolitischen Idealen, die sich im Zuge der Modernisierungsbewegung in seiner Heimat manifestierten. 17-20 Uhr, Auguststraße 26 (U-Bhf Weinmeisterstraße), Maske erforderlich

Rausfahren – Nur ein wenig mehr als eine Stunde von Berlin entfernt liegt: Cottbus. Grund genug, sich die grüne Stadt in der Niederlausitz, nicht weit von Spreewald und polnischer Grenze entfernt, genauer anzuschauen. Dort warten Fürst Pückler, untypische Pyramiden und ein Café in der alten Orangerie auf neugierige Ausflügler. Für Kunst und Kultur sorgt das Brandenburgische Landmuseum in einem ehemaligen Dieselkraftwerk. Auch am Staatstheater Cottbus kommt man ohne Staunen nicht vorbei: Die architektonische Skulptur des großen Hauses wirkt wie ein frei schwingendes Monument in der Stadt. Noch bis Sonntag findet im Kasernenhof ein Sommertheater statt, außerdem lädt das Philharmonischen Orchester zu kleinen Konzerten an unterschiedlichen Orten der Stadt ein. Für einen längeren Wochenendtrip empfehlen die Slow-TravelerInnen vom draussen-magazin, die Cottbus für uns ausgecheckt haben, die Alte Flachsfarm – mit Sauna und Weitblick. (Foto: Caterina Rancho)
Das Stadtleben heute von: Stefanie Golla.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Ihren Namen hat das Inselchen Imchen von der alten Bezeichnung für Biene („Imme“). Man geht davon aus, dass das Eiland, das direkt vor dem Hafen von Kladow liegt, früher nicht bewaldet war und Menschen dort Bienen züchteten. Heute ist Imchen von Seerosen bewacht und das Betreten strengstens verboten! Während auf dem Wasser Ausflugsboote (zum Beispiel wir mit einem Floß vom NIXE Bootsverleih) und BVG-Dampfer vorbeischippern, gilt zu Land seit 1933 die höchste Naturschutzschutzstufe. Mehr als 50 Kormoranpaare und einige Graureiher leben und brüten hier in aller Vogelruhe. Gestört werden sie allein von den Waschbären, die rüber schwimmen, zu den Nestern in die Weiden und Erlen klettern und die Komoran-Jungen und Eier fressen. Natürlicher (Überlebens-) Kampf auf 2,5 Hektar.
Berlin heute
Verkehr – Spittelmarkt (Mitte): Die Beseitigung von Gefahrstellen auf der Gertraudenbrücke werden im Laufe des Tages abgeschlossen und für den Verkehr freigegeben.
Sterndamm (Niederschöneweide): Für den Neubau einer Straßenbahnlinie ist der Sterndamm ab dem Morgen in Richtung Stubenrauchstraße zwischen Michael-Brückner-Straße und Südostallee gesperrt (bis Ende 2021), Fuß- und Radverkehr frei.
Stresowstraße (Spandau): In der Zeit von 9-15 Uhr finden auf der Charlottenbrücke Bauwerksprüfungen statt. Für beide Fahrtrichtungen steht während der Arbeiten nur ein gemeinsamer Fahrstreifen zur Verfügung.
Tiergarten – Mitte: Am Bundeskanzleramt versammeln sich bis 11 Uhr die Teilnehmenden einer Demonstration. Der Zug führt bis nachmittags über Paul-Löbe-Allee, Scheidemannstraße, Wilhelmstraße, Unter den Linden, Glinkastraße und Französische Straße zum Werderschen Markt.
Demonstration – Um auf die „Menschenrechtsverletzungen in Äthopien“ aufmerksam zu machen, ziehen von 11 bis 16 Uhr ca. 300 Demonstrierende vom Bundeskanzleramt zum Auswärtigen Amt am Werderschen Markt 1. Zu einer „Mahnwache zum Gedenken an den 10. getöteten Radfahrenden 2020 in Berlin“ werden ca. 200 Menschen in der Paul-Schneider-Straße Ecke Malteserstraße in Lankwitz erwartet (17.15-18.30 Uhr). Im Anschluss startet von dort aus eine Fahrraddemo „zum Gedenken an die tödlich verunglückten Radfahrenden“ zur Invalidenstraße 44 (bis 20 Uhr). „Lassen wir nicht zu, dass sich die Diktatur von einer Epidemie zu einer Pandemie umwandelt. Lehne die Aliyev-Diktatur ab!“ ist das Motto einer Kundgebung vor der Botschaft Aserbaidschans in der Hubertusallee 43 mit ca. 70 Teilnehmenden (15.30-16.30 Uhr). Schon vorher (12-13 Uhr) versammeln sich ca. 70 Demonstrierende zum gleichen Thema auf dem Pariser Platz und ziehen im Anschluss zum Auswärtigen Amt.
Gericht – Der Prozess gegen einen 23-Jährigen, der seinen Vater (45) während eines Streits auf einem Laubengrundstück mit einem Baseballschläger attackiert und ihm dann ein Messer in die Schläfe gerammt hatte, geht weiter. Der Sohn hat den Vorwurf des versuchten Totschlags gestanden (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 217).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Dr. Motte, bürgerlich Matthias Roeingh (60), DJ und Mitgründer der Loveparade / Stefan Gelbhaar (44), Rechtsanwalt, Strafverteidiger und Bundestagsabgeordneter (Grünen) / Julia Hartmann (35), Schauspielerin / Kurt Kister (63), ehem. Chefredakteur Süddeutsche Zeitung (2011-20)
Gestorben – Hannah Bernicke, * 15. April 1931 / Wolfgang Klähn, * 5. Oktober 1937 / Dietrich Masteit, * 19. Januar 1923, ehem. für die SPD im Abgeordnetenhaus
Stolperstein – Der Kaufmann Jakob Julius Michalowski (Jg. 1867) lebte mit seiner Frau Klara, geborene Strenger, in Moabit am Bundesratufer 4, bis die Nationalsozialisten ihn enteigneten. Er und seine Frau wurden am 9. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo Jakob Julius Michalowski am 4. Mai 1944 ermordet wurde. Klara Michalowski überlebte das Konzentrationslager und emigrierte später in die USA.
Encore
Die beste Nachricht des Tages: Neukölln wird zur Fahrradstraße. Zumindest wenn’s nach Google geht. Der Suchmachinenriese schlägt genau diese Zeile vor, wenn man „Neukölln wird“ in das Suchfeld eingibt. Und was werden die anderen Bezirke (oder auch nicht)? Eine Übersicht:
Kreuzberg wird das neue Ischgl / tempelhof-schöneberg / Wird Mitte großgeschrieben? / Aus Ku’damm Karree wird FÜRST, Kurfürstendamm, Charlottenburg-Wilmersdorf Berlin / BERLINER AKADEMIE für weiterbildende Studien e. V., Steglitz-Zehlendorf Berlin / Morgen wird besser, Hagenstraße, Lichtenberg Berlin / marzahn-hellersdorf.de / wirDesign communication AG, Berliner Straße, Pankow Berlin / Bei Spandau, Reinickendorf und Treptow-Köpenick blieb das Vorschlagsfeld leer.
Der Checkpoint wird... morgen definitiv wieder in Ihr digitales Postfach flattern. Felix Hackenbruch übernimmt! Machen Sie’s gut.