Techno und Rap sind keine Kultur: Mitte geht gegen Freiluftpartys vor

Senat und BVV wollen Open Airs ermöglichen, der Bezirksbürgermeister weigert sich. Die Senioren-CDU in Mitte will indes andere Kultur erhalten. Von Julius Betschka.

Techno und Rap sind keine Kultur: Mitte geht gegen Freiluftpartys vor
Foto: Fabian Sommer/dpa

Prüderie am Plötzensee II: Das Bezirksamt Mitte stellt sich weiter gegen Partys am Strandbad am „Plötzi“ im Wedding. Am Wochenende rückte das Ordnungsamt an und drehte dort um 20.30 Uhr die Musik ab. Die Betreiber, die Senatskulturverwaltung und die Bezirksverordneten von Mitte wollen das Feiern dort ermöglichen, fordern Ausnahmen. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) ist dagegen: „Der Charakter des Strandbades muss erhalten bleiben“, argumentiert er – und hatte deshalb schon eine Pornceptual-Party abblasen lassen. Kultur könne er sich im Strandbad zwar vorstellen. Technopartys oder Rap-Konzerte schließt der grüne Bürgermeister aber aus.

Die Senioren-Union im Bezirk ist indes weiter auf Krawall-Kurs, weil sie die Kultur in Gefahr sieht: Angesichts des seit Jahren vor sich hin rottenden Parkcafés Rehberge will die alte Garde der CDU nun „wegen leichtsinniger Verschwendung öffentlichen Vermögens per Gerichtsverfahren Schadensersatz“. So steht es in einem Antrag, von den Verantwortlichen. Die Bezirksführung habe weder „den Klimaschutz noch die Finanzen, noch die Politik im Griff“, argumentieren die Senioren um Wolfram Wickert. Und haben auch gleich einen historischen Vergleich parat: „Wilhelm Voigt, der Hauptmann von Köpenick, wurde im Jahr 1900 wegen seines Griffs in die Stadtkasse ebenso zur Rechenschaft gezogen.“ Öffentlichkeitsarbeit können sie.