Wie Kreuzberg zum „Wein ohne Namen“ kam

Das Einmaleins der Bezirkspolitik ist ja manchmal zum Weinen. Aktuelles Beispiel: die Umbenennung des Kreuzberger Bezirksweins. Aus dem Checkpoint. Von Robert Ide und Matthieu Praun

Wie Kreuzberg zum „Wein ohne Namen“ kam
Bislang hießen die Weine, die aus den Reben hergestellt werden, „Kreuz-Neroberger“ und „Kreuz-Ingelberger“. Die Namen verweisen auf die Städtepartnerschaften mit Wiesbaden und Ingelheim am Rhein. Foto: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

Das Einmaleins der Bezirkspolitik ist ja manchmal zum Weinen. Zum Beispiel beim Kreuzberger Wein: Der sollte 01001011 heißen, also nach dem Binärcode für den Buchstaben K, was einerseits für Kreuzberg stehen sollte und andererseits für Konrad Zuses ersten Computer der Welt, der am Kreuzberg entwickelt wurde. Doch dann zeigten sich die Städte Wiesbaden und Ingelheim am Rhein, Stifter des Weins und Partner des Bezirks, irritiert darüber, dass der neue Wein aus alten Schläuchen nicht mehr „Kreuz-Neroberger“ oder „Kreuz-Ingelberger“ heißen sollte. Dann fielen Zuses Verstrickungen mit dem NS-Regime nachträglich auf. Also wurden die Jahrgänge 2020 und 2021 erneut umetikettiert: berlinisch trocken in Wein ohne Namen. Der CDU-Verordnete Timur Husein wollte nun vom Bezirksamt wissen, wer bei dieser Posse eigentlich zu tief ins Glas geguckt hatte. Werfen wir ganz nüchtern einen Blick in die Anfrage:

Frage: „Welche weiteren Namen wurden in der Sitzung des Bezirksamts am 13.04.2021 diskutiert?“
Antwort von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann: „Keine.“

Frage: „Gab es eine Abstimmung über den Namen in der Sitzung des Bezirksamts am 13.04.2021?“
Antwort „Ja.“

Frage: „Wurden die Namensvorschläge vor dem 13.04.2021 mit den zuständigen Vertretern der Städtepartnerschaften diskutiert?“
Antwort: „Nein.“

Nachfrage: „Wenn nein, warum nicht?“
Antwort: „Dies wurde pandemiebedingt versäumt.“

Nachfrage: „Wenn ja, mit welchem Ergebnis?“ 
Antwort: „Entfällt.“

Zeit für die Rechnung: Zahlen, bitte – für den Wein ohne Buchstaben.