Bauernproteste unter antisemitischer Flagge

Am Holocaust-Gedenktag blockierten Bauern Berlins Straßen. Dabei trugen sie ausgerechnet antisemitische Symbole zur Schau. Von Robert Ide

Bauernproteste unter antisemitischer Flagge
Foto: Imago/JeanMW

Auf dem weiten Feld der Corona-Proteste säen die Bauern, die in diesen Tagen Berlins Straßen blockieren, Zweifel in eigener Sache. Sie sind unter anderem in der „Landvolk“-Bewegung organisiert, die ihre zweifelhafte Geschichte nicht unterpflügen kann. Gegründet 1929, hatte die einst völkische und auch antisemitische Gruppe zahlreiche NSDAP-Unterstützer in ihren Reihen und verübte Anschläge auf öffentliche Gebäude. Heute werden im „Landvolk“-Telegram-Kanal Beiträge von nationalistischen Gruppen geteilt.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sprach am Mittwochabend vor ihrem Ministerium eine Stunde lang mit den protestierenden Landwirten, die fairere Preise für Lebensmittel verlangen – und dabei „Landvolk“-Mützen und -Fahnen trugen; am Holocaust-Gedenktag in Berlin. Von der Ministerin fiel dazu währenddessen kaum ein einordnendes Wort. Nach der Gesprächsrunde twitterte Klöckner jedoch, sie habe die Veranstalter „als erstes“ darauf hingewiesen, dass die Fahnen „hochproblematisch“ seien als Symbol einer „gewaltbereiten völkisch-nationalistischen Bewegung“; deren Reaktion, es handle sich um eine „Unterstellung“, verurteilte die Ministerin als „geschichtsvergessen“.