Viele wollen nicht aus dem Homeoffice zurück

Eine Umfrage zeigt: Drei von bier Beschäftigten wollen zumindest teilweise weiter von zu Hause arbeiten. Im Bundestag hingegen herrscht Präsenzpflicht. Von Robert Ide

Viele wollen nicht aus dem Homeoffice zurück
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Falls Ihr Büro gleich neben dem Bett steht und Sie immer noch home-sweet-homeofficen, trösten Sie sich: Im Zu-Groß-Raumbüro wartet, außer Ihrem Chef vielleicht, niemand auf Sie. Nach einer neuen Umfrage der IG Metall wollen 78 Prozent der Beschäftigten gern weiterhin zu Hause beschäftigt bleiben, zumindest zeitweise (via dpa). Das Bügelbrett als verstellbarer Schreibtisch und die heimische Mikrowelle als Kantine bieten vielen offenbar noch genug Abwechslung. „Am starren Dogma der ewig notwendigen Präsenz ganzer Belegschaften festzuhalten ist nach Corona nicht mehr das Modell“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel dazu dem Checkpoint. „Für viele Beschäftigte bedeutet freiwilliges Homeoffice trotz aller Abgrenzungsprobleme mehr Flexibilität und Selbstbestimmung.“ Allerdings brauche es Betriebsvereinbarungen, damit die Heimarbeit „nicht zu Erreichbarkeit rund um die Uhr mit unbezahlten Überstunden ausartet“. Immerhin, auch drei von vier Arbeitgebern wollen künftig häufiger Online-Konferenzen einberufen oder dauerhaft Dienstreisen einschränken. Und es hat Zoom gemacht.

Nur im Bundestag, der womöglich bald mit einem Graben gegen Gemeinheiten des gemeinen Volks abgeschirmt wird, zieht man noch nicht ganz mit der neuen Zeit mit. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Zu-Klein-Raumbüros der mehr als 700 Abgeordneten berichten, dass sie mehr und mehr dazu angehalten werden, auch wieder physisch in den Parlamentsbetrieb zurückzukehren; in mancher Fraktion gelte in Sitzungswochen grundsätzlich Präsenzpflicht. Stefan Koch, Sprecher der CDU/CDU-Bundestagsfraktion, sagt dazu auf Checkpoint-Anfrage, man versuche, die „Arbeitsfähigkeit durch eine gewisse Flexibilität sicherzustellen“. Was das heißt? „Außerhalb der Sitzungswochen arbeiten wir öfter im Homeoffice als während der Sitzungswochen.“ Hoffentlich ist das Virus auch so flexibel. Sonst sitzt im Hohen Haus bald der Schrecken tief.