Pfarrerin distanziert sich scharf von Coronaleugner-Protesten in Prenzlauer Berg
Nach ungenehmigten Versammlungen musste die Polizei einschreiten. Pfarrerin Bellmann wehrt sich gegen die Vereinnahmung ihrer Gemeinde durch die Coronaleugner. Von Robert Ide.
Gebannt blickt Deutschland weiterhin auf die sich weiter überschlagenden Corona-Nachrichten. Während es auch in Europa erste Tote zu beklagen gibt, die der ansteckenderen Virusvariante Omikron erlegen sind (alle Infos hier), protestierten am Montagabend auch in Berlin selbsternannte Coronaleugner gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie (Infos hier). So gab es Blaulicht-Alarm an der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg (Foto hier), einst ein wichtiger Ort der friedlichen Revolution in der DDR. Anlass war offenbar eine "nicht genehmigte Versammlung" gegen die Corona-Maßnahmen.
Die Polizei forderte per Lautsprecher dazu auf, einen Versammlungsleiter zu benennen, Maske zu tragen und Abstand zu halten. Nachdem dies nicht geschah, wurden mehrere Platzverweise erteilt. Als die Protestler später am Abend zurückkamen, rückte die Polizei erneut an und räumte den Platz vor der Kirche, in der sich einst die DDR-Opposition friedlich versammelt hatte. Anwohnerinnen und Anwohner lieferten sich Wortgefechte mit Coronaleugnern, die meinten, sich bei ihrem Eintreten für Eigensinn auf die Solidarität der friedlichen Revolution berufen zu können.
Almut Bellmann, Pfarrerin der Gemeinde, distanzierte sich auf Nachfrage scharf von den Protesten. „Wir beten jeden Tag in unserer Kirche für zu Unrecht Inhaftierte“, sagte Bellmann am Checkpoint-Telefon. „Viele unserer Gemeindemitglieder haben eine Diktatur noch erlebt, in unserem Land heute herrscht keine.“ In der Gemeinde gibt es seit Jahren Fürbitten für politische Häftlinge, unter anderem auch für den in den Türkei verhafteten Menschenrechtler Peter Steudtner, der selbst in der Gemeinde aktiv ist. Zuletzt sei eine Andacht von Coronaleugnern gestört worden, erzählt Bellmann, „da wurden Menschen bespuckt und ihnen wurde die Maske runtergerissen“. Deshalb habe sie sich auch an die Polizei gewandt – sie sei sehr froh, dass diese jetzt Präsenz zeige. „Und wir werden uns auch als Gemeinde überlegen, wie wir uns öffentlich distanzieren können.“ Kiezhausen bleibt stabil.
(Foto: Robert Ide)