Ohne Hüftgold und Marmelade
In den Kliniken könnte man sich derweil an die Ausnahmesituation durchaus gewöhnen – zumindest, was das Besuchsrecht angeht. Wirtschaftlich fehlt zwar das Hüftgold (lukrative geplante OPs zum Beispiel an Hüfte und Knie), dass allgemein weniger Menschen im Krankenhaus sind, wird allerdings dankbar angenommen. Keine Randalierer mit eingewachsenen Zehennägeln in den Rettungsstellen, weniger jammernde Hypochonder und keine nörgelnden Cousinen, die nach einem zweiten Marmeladenbrötchen für Papa verlangen. Derzeit sind nur etwa 55 Prozent der Betten belegt (normalerweise sind es rund 90 Prozent) und Besuche streng limitiert. Doch wer hoffte, die Ruhe würde noch eine Weile anhalten, dem schenkte Kalayci gestern einen lauwarmen Hagebuttentee ein: Die Krankenhäuser sollen langsam wieder für normale Fälle öffnen. Bis der Sturm vielleicht doch noch kommt (Danke, Kreuzberg!).
Auch die Situation der niedergelassenen Ärzte hat sich deutlich entspannt, nur noch eine Praxis ist derzeit geschlossen (Ende März waren es mehr als 100). Die Ärztekammer warnt allerdings, dass in den Praxen noch immer die Schutzkleidung fehle. Und die hält offenbar nicht immer, was sie verspricht (Viren ab): Wegen befürchteter Mängel hat die Charité das Personal in der letzten Woche aufgefordert, Masken zurückzugeben. Sie werden nun in einem Labor untersucht. Unklar ist, wie viele Masken es sind, und wie viele Menschen damit in Kontakt kamen. Und wieder heißt es: Testen, testen, testen...