Katastrophenschutz in Berlin katastrophal

Die Krisentage offenbarten noch ein grundsätzlich beunruhigendes Problem: Bisher ist unklar, wer für was wann zuständig ist in einer Großlage. Der Katastrophenschutz ist katastrophal organisiert – ein schweres Versäumnis nicht nur des aktuellen Senats (Einen Kommentar dazu hören Sie heute ab 6 Uhr im „Berliner Rundfunk“).

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf war schnell von der Lage überfordert. Im Bezirksamt war nach Checkpoint-Informationen am Anschlagstag zunächst keine Liste aller Sportvereine abrufbar, die Betroffenen ihre Hallen oder Vereinsheime hätten zur Verfügung stellen können, und auch keine Datei mit alten Menschen, die alleine leben. Der Senat unter dem im Homeoffice und auf dem Tennisplatz agierenden Wegner schaltete sich viel zu spät ein: Ein zentraler Krisenstab wurde erst am Samstagabend einberufen; die Großschadenslage erst am Sonntagmittag ausgerufen. Da hatten 45.000 betroffene Haushalte bereits die erste kalte Nacht durchlebt.

Zu diesen folgenreichen Verzögerungen wollte so gar nicht das wahlpolitische Wettrennen am Mittwochnachmittag passen, wer als Erster die reparierte Stromzufuhr verkündet. Die zuletzt zupackende Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ließ von der Baustelle wissen: „Die Vermuffung hat stattgefunden.“ Wegner gab zu Protokoll: „Ich war live dabei, als die Stromzufuhr wieder freigeschaltet wurde, und es war sehr bewegend.“ Wenigstens hier war er dabei, möchte man nachträglich fast anfügen.

Indes verkündete Innensenatorin Iris Spranger (SPD), in deren Bereich der unzureichend organisierte Katastrophenschutz fällt, fast stolz: „Die Großschadenslage ist erst beendet, wenn ich das offiziell bekannt gebe. Ich habe die Großschadenslage ausgerufen und ich werde es auch beenden.“

Ja, es ward Licht. Nun werde es möglichst schnell Erkenntnis! Denn die Großschadenslage geht weiter: für den Berliner Senat.