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Die Welt steht still – was ein Zeitforscher zum Coronavirus sagt

Ein Großteil der Welt steht still. Was macht das mit uns? Der Checkpoint hat nachgefragt – bei einem, der sich seit 30 Jahren mit der Zeit beschäftigt und ohne Uhr durchs Leben geht. „So schnell war Entschleunigung noch nie“, schreibt Karlheinz Geißler vom Münchner Institut für Zeitberatung „times and more“. „Die Selbstvergewisserung: ‚Ich eile, also bin ich‘ funktioniert nicht mehr und die zur Demonstration der eigenen Bedeutsamkeit oft und gerne eingesetzte vorgestanzte Floskel: ‚Tut mir leid, keine Zeit!‘ läuft nun auch ins Leere. (…) ‚Tempo rausnehmen!‘ lauten die eindringlichen Appelle und Mahnungen der Politiker an ihre Landsleute. Keine schlechte Idee! Die ihnen folgen werden die Erfahrung machen: ‚Dass es so leicht ist, nichts mehr tun zu wollen. Dass es uns so schwerfällt, wirklich nichts zu tun‘ (E. Bloch). Jetzt, da wir gezwungen sind, im Haus zu bleiben, abzuwarten und auszuhalten, ist die Zeit kein knappes Gut mehr. Sie ist nicht mehr wie bisher vor allem Geld. (…) Ausprobieren sollten wir einmal, ob das Leben nicht auch dann ganz schön ist, wenn man nicht jeden Morgen im Eiltempo die Wohnung verlässt um anschließend im Stau, da der erste Termin des Tages zu platzen droht, ins Schwitzen zu kommen. Heute, wo die Erkenntnis zugemutet wird, dass Leben nicht später, sondern jetzt stattfindet, ist es an der Zeit, sich an die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu machen: Wie will ich eigentlich leben? Wann ist es genug? Was tut mir gut, was macht mich zufrieden? Schluss mit der Ausrede: ‚Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur so selten dazu‘ (Horváth). Zeit haben wir genug.“