Das Kurzzeitwunder von Friedenau

Es gibt sie noch, die kleinen Wunder von Berlin. Dass am Ku’damm-Karree endlich weitergebaut wird, ist nicht nur fürs West-Berliner-Theaterpublikum eine erleichternde Nachricht. Denn wer hätte erklären wollen, dass man zwei 100 Jahre alte Theater abgerissen hat, um eine Investitionsruine in bester Lage zu ermöglichen? Der Steglitzer Kreisel reicht als prominentes Mahnmal beschränkter Baupolitik.

Diesen Schwung nehmen wir mit nach Tempelhof-Schöneberg, denn siehe da: Es bewegt sich was am Friedenauer Geisterhaus. Nur was? In der Odenwald-/Ecke Stubenrauchstraße wurden in der vergangenen Woche Bauarbeiter gesichtet, die das Gerüst an der Fassade abgebaut haben. Das stand dort immerhin rund fünf Monate, eine Riesenentwicklung für das Haus, an dem sich seit 15 Jahren sonst so gut wie gar nichts bewegt. Es schimmelt in begehrtester Wohnlage fröhlich vor sich hin. Zuletzt hatte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg den Einsatz eines Treuhänders angekündigt – auch um einen Präzedenzfall bei solchen Immobilien zu schaffen. Geht da jetzt etwa was voran?

Leider nein, schreibt das Bezirksamt auf Checkpoint-Anfrage: wegen „Personalmangels und hoher Arbeitsbelastung“ ist der Treuhänder noch immer nicht eingesetzt worden. Wofür das Gerüst dann gut war? Keiner weiß es. Offenbar sei auch nach der Einrüstung des Hauses keine Umsetzung der angeordneten Maßnahmen erfolgt. Und auf wundersame Weise ist das Wunder wieder verschwunden. Hoffentlich nicht für weitere 15 Jahre.

Um das Haus ging es übrigens auch am Rande in unserer Podcastfolge zum Geisterhaus am KaDeWe („Direkt hinter dem Lukuskaufhaus: Warum steht hier ein Geisterhaus seit sechs Jahren leer?“)

Und wenn Sie gerade dabei sind, hören Sie doch auch mal in unsere aktuelle Folge rein: „Warum sind so wenige Straßen nach Frauen benannt?“ Und ist das überhaupt sinnvoll? Nachzuhören unter diesem Link oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen.