Rassismus gegen Chinesen 2.0
Seit sich das Coronavirus ausbreitet, hat mein Kollege Marvin Ku ziemlich unangenehme Erfahrungen gemacht. Weil er nun mal chinesisch aussieht, weichen andere Menschen ihm aus, meiden den Kontakt, halten sich kurz. Nachdem er das alles wunderbar nüchtern und reflektiert für den Tagesspiegel aufgeschrieben hatte, erhielt er noch viel unangenehmere Reaktionen: Zuschriften, die sich den Rassismus-Vorwurf verbitten – und dadurch einen noch viel tiefer sitzenden Rassismus dokumentieren. Zum Beispiel diese hier von einem Mann namens Bernd Wohlers:
„Wertes, armes Opfer des allgegenwärtigen deutschen Rassismus, dear Marvin Ku,
in vielen Lebensjahren wurden mir von diversen Zeitungen erstklassige Artikel und erlesener Blödsinn vorgesetzt. Mit der Zeit meinte ich, es gibt keinen neuen gedanklichen Mist, der den alten, gewachsenen Misthaufen abdecken könnte. Irrtum, Ihnen Herr Ku bescheinige ich gerne den allergrößten Müll im beginnendem Jahr 2020 im Tagesspiegel fabriziert zu haben.
Auf die Idee zu kommen, jemandem der Angst vor einer Virenansteckung hat und Ihnen deshalb fern bleibt als Rassisten zu bezeichnen, dazu gehört schon eine gehörige Portion förderungsfähiger Denkleistung. Als Gewinn für uns Leser des Tagesspiegel möchte ich Sie nicht gerade bezeichnen. Schade um jeden Ast, der für solchen Schund zu Papier verarbeitet wird.
Jeder Arzt wird Ihnen bestätigen, dass Abstand von Virenträgern die Gefahr einer Ansteckung mindert. Das machen wir Deutsche gerne auch mal in der Familie, da heißt das dann schlicht und einfach: „Bleib mir von der Pelle“. So einfach ist das, keiner möchte gerne angesteckt werden und das Abstandhaltegebot kennen wir hier auch, von Kindesbeinen an.
Ist doch klar, wenn eine Epidemie in einem bestimmten Verbreitungsgebiet, hier China, auftritt und uns ein Mensch begegnet, der rein vom Äußerlichen von dort kommen könnte, macht ein gesundheitsbewusster Mensch rein reflexartig einen großen Bogen um diese mögliche Virenschleuder.
Ohne jeden Gruß, den verwehre ich Ihnen
Bernd Wohlers“
Marvin Ku ist übrigens in Nordhessen geboren. In China war er das letzte Mal im Herbst 2018. Er hat mit dem Coronavirus so wenig zu tun wie Michael Müller und Bernd Wohlers.