Der Bargeldlosen Kaffeedurst bleibt ungestillt im Reuterkiez
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Ein Café in der Friedelstraße hat offenbar kürzlich entschieden, kein Bargeld mehr zu anzunehmen, was einen „Bewohner aus der Nachbarschaft“ zu einem wütenden Aushang animiert hat. „Die Einschränkung des Zahlungsverkehrs ist eine massive Einschränkung der Freiheit“, ist dort zu lesen, es garantiere Privatsphäre und „elementare Grundrechte, wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“. Bemerkungen über Privatsphäre in Cafés verkneifen wir uns jetzt mal, zumal die ja in Berlin meist das umgekehrte Problem aufweisen: Cash only! Bei meinem Lieblingsgriechen steht beispielsweise seit 15 Jahren (samt Umzug!) im Menü, man könne aus technischen Gründen vorübergehend keine Kartenzahlung annehmen. Ich weiß nicht, wie viele ouzogetränkte Gestalten (Schnapsglas voll!) schon auf der Hauptstraße den nächsten Automaten gesucht haben – von Touristen gar nicht erst zu sprechen, die American-Expressi halten diese Bargeld-Marotte bestenfalls für Berlin-Folklore. (Siehe dazu auch aktuell Enno Lenze.) Der erboste Nachbar beendet seinen Jura-Aufsatz überraschenderweise mit einem Gedicht:
Der Knecht mit seiner Karte prahlt /
der freie Mensch noch bar bezahlt.
Als häufig bargeldlos rumlaufender Mensch (Gruß an die Kollegen: Rückzahlungen werden alphabetisch abgearbeitet), möchte ich an dieser Stelle aber hinzufügen:
Der freie Mensch, der freut sich auch /
über regen Kartengebrauch.
Und, kleiner Tipp an den freiheitsliebenden Briefeschreiber: Cafés in Neukölln soll es ja geben wie einst Pfennige im Brunnen.