Tübingen gegen die Grünen: Die Wahl von Boris Palmer ist Chance auf Versöhnung
Zum Schluss bleiben wir zwar im Bürgermeisterbusiness, verlassen aber ausnahmsweise Berlin: Der grüne Partei-Rebell Boris Palmer hat in Tübingen gegen eine Kandidatin der eigenen Partei die Wahl mit 52,4 Prozent im ersten Wahlgang für sich entschieden. Damit bleibt Palmer acht weitere Jahre Bürgermeister der 90.000-Einwohner-Stadt. Im SWR wurde Palmer daraufhin gefragt, ob er nach der erneut erfolgreichen Wahl nun seinen provokanten Politik-Stil ändern würde, woraufhin Palmer gewohnt provokant zurückfragte, ob der SWR nach seiner dritten erfolgreichen Wahl nicht lieber darüber nachdenken sollte, die Frage zu ändern.
Diese Argumentation hat einiges für sich. Palmers Bilanz in Tübingen ist brillant, wie Stephan-Andreas Casdorff schreibt. Was zählt also mehr in der Politik: Anschein oder Wirkung? Landwirtschaftsminister Cem Özdemir jedenfalls hat sich am Abend für „herzliche Glückwünsche“ an den Partei-Pariah entschieden. Vielleicht steht ja ein Prozess des gegenseitigen Verzeihens an, der auch Palmers Lust am verbalen Ausfall einzuhegen vermag. Dann heißt es vielleicht schon bald: Tübingen, warum bist Du so hyggelig?