Was Sie an diesem Wochenende in Berlin erleben können
In Prenzlauer Berg Erntedank feiern, auf Festivals in Tegel ein letztes Mal Flughafen-Luft schnuppern – oder in Mitte Gitarren aus Konserven bauen: Die besten Tipps. Von Thomas Wochnik
Die Gebäude des ehemaligen Flughafen Tegel spiegeln sich in einer Wasserpfütze. In den ehemaligen Abflughallen hat die Klangkunstveranstaltung „sonambiente berlin txl“ begonnen. Foto: Paul Zinken/dpa
Samstagmorgen – Wo war eigentlich der Sommer dieses Jahr? Einen Nachgeschmack dessen, was hätte sein können, sollen die kommenden Tage laut Wetterbericht bei moderaten 20°C nachliefern. Ein passender Ort für die Passage in den Herbst ist das Kiez- und Erntedankfest in den Bornholmer Gärten von 11 bis 18 Uhr. Hier wird nicht nur der Blick zurück geworfen – auf 125 Jahre Geschichte der Anlage nämlich – sondern auch nach vorn: Zum politischen Gipfeltreffen werden alle Spitzenkandidierenden der Parteien zum Talk erwartet. Kinderfeste, Feuerwerk, Führungen, Konzerte und nicht zuletzt der Blick hinter Maschendrahtzaun und Hecke der „offenen Gärten“ runden das Programm nach allen Richtungen ab.
Samstagmittag – Zur Geschichte der Bornholmer Gärten gehört natürlich auch der altehrwürdige TXL-Sound mit seinem besonderen Ambiente. Apropos: Heute und morgen ist die letzte Gelegenheit, den Flughafen als Spielstätte des Sonambiente-Festivals zu erleben. Um 16 Uhr gibt Turner-Preisträgerin und teilnehmende Künstlerin Susan Philipsz einen Talk zu ihrer Arbeit „ambient air“, für die sie mit einer kleinen Propellermaschine den Luftraum über dem Flughafen umkreist hat, Brian Enos „Music for Airports“ summend. Zeitfenstertickets kosten 7 / 3 Euro.
Samstagabend – Auch die Spätsommer-Ausgabe des ctm-Festivals im Vollgutlager (Rollbergstraße 26, Neukölln) bewegt reichlich Luft: Von 12 bis 22 Uhr erklingen hier über ein imposantes Sound-System Arbeiten der Viva-2-Veteranen Mouse on Mars mit Louis Chude-Sokei, des Soundwalk Collective mit Charlotte Gainsbourg, AtomTM, Lyra Pramuk, des Philosophen Paul B. Preciado und Willem Dafoe, Marcin Pietruszewski und Alex Freiheit sowie der Berliner Radiopiratin Jessica Ekomane mit Rully Shabara.
Sonntagmorgen – So ziemlich das Gegenteil von luftigem High-End-Sound bietet das Festival für selbstgebaute Musik von 12 bis 0 Uhr am Holzmarkt: In Workshops können Besucher:innen hier etwa Gitarren aus Konservendosen oder singende Bleistifte bauen, und so kurzerhand alles Alltägliche zu Musik erklären. Dass damit mehr als nur beliebige Geräuscherzeugung möglich ist, demonstriert das gesamte Skulpturenpark gewordene Holzmarktgelände. Wer sich darüber hinaus die Beine vertreten will, findet hier eine topografische Klangkarte, die zahlreiche Bahnhöfe, Straßenlaternen und Kulturorte der Stadt kurzerhand zu selbstgebauter Musik erklärt, die es wert ist, gehört zu werden – in der Regel aber überhört wird.
Sonntagmittag – Statt einer Reise durch das weite Draußen verspricht das Licht- und Klang- und Performancetheater Inside Partita eine in das Innerste des Selbst: Johan Sebastian Bachs Partiten werden hier als musikalische Introspektion zeitgenössisch interpretiert, in Klang-, Bild- und Tanz-Ebenen zerlegt, die zwischen Zuständen der inneren Zerrissenheit und großen Klarheit oszillieren. Damit nichts Äußeres ablenkt, tönt das Stück streckenweise in völliger Dunkelheit. 13 Uhr in der St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3. Tickets 20 / 12 Euro.
Sonntagabend – Wo war denn nun der Sommer dieses Jahr? Sicherlich irgendwo, wo gutes Wetter war. Apropos: Ums Wetter geht es peripher auch beim Climate Care Festival in der Floating University. Von 14 bis 22 Uhr drehen sich diverse Vorträge und künstlerische Beiträge um die „Wiederverwilderung“, auf Englisch: Rewilding der allzu domestizierten Natur, um Vielfalt und Fülle der wildlebenden Tierwelt und die natürliche Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen. Noch bis 12. September in der Lilienthalstraße 32.