Überwiegend sonnig bei 20°C

Gold, Silber, Bronze, Blech – und zwei Sonderpreise für die Berliner*innen der WocheWochniks Wochenende: Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum Wer hat den längsten Stimmzettel? 2,19 Meter sind zu überbieten

willkommen an diesem freundlichen Spätsommerwochenende. Auch an diesem Sonnabend gilt es, die Berlinerinnen und Berliner der Woche mit angemessenen Medaillen zu versehen – Gold, Silber, Bronze, Blech.

Armin Laschets Zukunftsteam mit Medaillen zu behängen, läge nahe, aber wäre verfrüht und ließe obendrein den Berlin-Bezug vermissen. Also schweigen wir dazu und vergeben zunächst zwei nachträgliche Sonderpreise: Die Xhainer Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann erhält eine Ehrennadel für den besten Live Act: Wie sie während eines Pressetermins am Hohenstaufenplatz spontan ihre Ausführungen über die allgemeine Missachtung der StVO unterbrach, um einem illegal durchfahrenden Paketboten die Absperrbake aus den Händen zu nehmen und wieder an den korrekten Platz zu stellen, war großes Kino. Und Klaus Lederer erhält einen Publikumspreis: Ein Senator, dem seine Klientel (konkret: 101 Künsterinnen und Künstler) eine Fan-Annonce in die Zeitung setzt, muss seinen Job wirklich gut gemacht haben.

Anzeige

Das Vinos Rotwein Paket für einen goldenen Herbst: 6 abwechslungs­reiche Rotweine für nur 29,99€ + Gratis Gläser-Set von Schott Zwiesel. Ob Tempranillo, Cabernet Sauvignon oder Monastrell – das Vinos Rotwein Paket präsentiert Ihnen die ganze Bandbreite der beliebtesten Rebsorten Spaniens. Freuen Sie sich auf 6 außerge­wöhnliche Weine und entdecken Sie die abwechslungs­reichen Facetten der unterschiedlichen Rebsorten in diesem Paket. Als Geschenk erhalten Sie zudem zwei hochwertige Rotwein-Gläser von Schott Zwiesel.
Zum Paket.
 

Für Bronze als Berliner*in der Woche kann man sich durch grundsolide Leistungen qualifizieren, mit denen man die Welt ein wenig verschönert oder vorangebracht hat, ohne gleich etwas vom Kaliber der Kernspaltung oder -fusion zu vollbringen. Entsprechend bunt ist das Bewerberfeld. Da wäre beispielsweise die ältere türkische Berlinerin, die CP-Kollegin Kathrin Maurer diese Woche bei der Physiotherapie damit überraschte, dass es Desinfektionsmittel mit angenehmem Zitronengeruch gibt.

Hausintern qualifiziert hat sich Kollege Boris Buchholz, der für den wöchentlichen Leute-Newsletter aus Steglitz-Zehlendorf bisher 34 Artikel in leichter Sprache verfasst hat, um möglichst viele Menschen übers politische Geschehen zu informieren (Übersicht der Texte hier).

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Wo war eigentlich der Sommer dieses Jahr? Einen Nachgeschmack dessen, was hätte sein können, sollen die kommenden Tage laut Wetterbericht bei moderaten 20°C nachliefern. Ein passender Ort für die Passage in den Herbst ist das Kiez- und Erntedankfest in den Bornholmer Gärten von 11 bis 18 Uhr. Hier wird nicht nur der Blick zurück geworfen – auf 125 Jahre Geschichte der Anlage nämlich – sondern auch nach vorn: Zum politischen Gipfeltreffen werden alle Spitzenkandidierenden der Parteien zum Talk erwartet. Kinderfeste, Feuerwerk, Führungen, Konzerte und nicht zuletzt der Blick hinter Maschendrahtzaun und Hecke der „offenen Gärten“ runden das Programm nach allen Richtungen ab.

Samstagmittag – Zur Geschichte der Bornholmer Gärten gehört natürlich auch der altehrwürdige TXL-Sound mit seinem besonderen Ambiente. Apropos: Heute und morgen ist die letzte Gelegenheit, den Flughafen als Spielstätte des Sonambiente-Festivals zu erleben. Um 16 Uhr gibt Turner-Preisträgerin und teilnehmende Künstlerin Susan Philipsz einen Talk zu ihrer Arbeit „ambient air“, für die sie mit einer kleinen Propellermaschine den Luftraum über dem Flughafen umkreist hat, Brian Enos „Music for Airports“ summend. Zeitfenstertickets kosten 7 / 3 Euro.

Samstagabend – Auch die Spätsommer-Ausgabe des ctm-Festivals im Vollgutlager (Rollbergstraße 26, Neukölln) bewegt reichlich Luft: Von 12 bis 22 Uhr erklingen hier über ein imposantes Sound-System Arbeiten der Viva-2-Veteranen Mouse on Mars mit Louis Chude-Sokei, des Soundwalk Collective mit Charlotte GainsbourgAtomTMLyra Pramuk, des Philosophen Paul B. Preciado und Willem DafoeMarcin Pietruszewski und Alex Freiheit sowie der Berliner Radiopiratin Jessica Ekomane mit Rully Shabara.

Sonntagmorgen – So ziemlich das Gegenteil von luftigem High-End-Sound bietet das Festival für selbstgebaute Musik von 12 bis 0 Uhr am Holzmarkt: In Workshops können Besucher:innen hier etwa Gitarren aus Konservendosen oder singende Bleistifte bauen, und so kurzerhand alles Alltägliche zu Musik erklären. Dass damit mehr als nur beliebige Geräuscherzeugung möglich ist, demonstriert das gesamte Skulpturenpark gewordene Holzmarktgelände. Wer sich darüber hinaus die Beine vertreten will, findet hier eine topografische Klangkarte, die zahlreiche Bahnhöfe, Straßenlaternen und Kulturorte der Stadt kurzerhand zu selbstgebauter Musik erklärt, die es wert ist, gehört zu werden – in der Regel aber überhört wird.

Sonntagmittag – Statt einer Reise durch das weite Draußen verspricht das Licht- und Klang- und Performancetheater Inside Partita eine in das Innerste des Selbst: Johan Sebastian Bachs Partiten werden hier als musikalische Introspektion zeitgenössisch interpretiert, in Klang-, Bild- und Tanz-Ebenen zerlegt, die zwischen Zuständen der inneren Zerrissenheit und großen Klarheit oszillieren. Damit nichts Äußeres ablenkt, tönt das Stück streckenweise in völliger Dunkelheit. 13 Uhr in der St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3. Tickets 20 / 12 Euro.

Sonntagabend – Wo war denn nun der Sommer dieses Jahr? Sicherlich irgendwo, wo gutes Wetter war. Apropos: Ums Wetter geht es peripher auch beim Climate Care Festival in der Floating University. Von 14 bis 22 Uhr drehen sich diverse Vorträge und künstlerische Beiträge um die „Wiederverwilderung“, auf Englisch: Rewilding der allzu domestizierten Natur, um Vielfalt und Fülle der wildlebenden Tierwelt und die natürliche Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen. Noch bis 12. September in der Lilienthalstraße 32.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Wie Sie sicherlich wissen, legen Chantal, die edle Sau von Nebenan, und ich großen Wert auf gewisse Umgangsformen. So empfinde ich persönlich es zum Beispiel als ausgesprochen unhöflich, wenn mir Zweibeiner, denen man in der freien Wildbahn doch recht häufig begegnet, auf meine freundliche Begrunzung hin plötzlich Unverständliches entgegen schreien und hastig davonrennen, als fiele ihnen gerade ein dringender Termin ein. So viele Termine können die doch gar nicht haben. Überstürztes Handeln ist zudem sowieso keine Tugend, sieht äußerst ungalant aus und führt im schlimmsten Fall gar zum Gesichtsverlust – etwa beim Stolpern auf waldigem Boden, das habe ich schon beobachtet. Zurück bleibt zumeist auch noch all das, was sie in der Eile nicht mitgenommen haben – kurz: Müll. Und Müll schätze ich in von mir gestalteten Wäldern absolut nicht. So denken Chantal und ich darüber nach, ein Exemplar zu domestizieren, damit es seinen Artgenossen etwas Anstand vermitteln könne, scheuen aber noch ein wenig die Verantwortung für so ein kippeliges Wesen. Sollten wir uns dazu durchringen, würden wir es aus Sicherheitsgründen auf Moorboden halten, der ist nämlich recht weich. Zum Beispiel bei Stechlin, nahe des wunderbaren Moorerlebnispfades – einer der letzten noch intakten Moorlandschaften der Mark. Bei einer informativen Führung könnte man ihm auch vermitteln, weshalb es sich gar nicht ziemt, in der Natur Spuren zu hinterlassen. Mit nachdenklichen Grunzen, ich empfehle mich.“

Lese­empfehlungen

Der Künstler Harf Zimmermann fotografierte 25 Jahre lang Brandmauern. Was die Bilder über die Stadt erzählen, erzählt er Susanne Kippenberger (Abo).

Adolf Hitler wollte bekanntlich einmal Künstler werden – mehr als ein Kunstliebhaber mit rassistischen Vorlieben wurde er dann doch nicht. Kunst, die er besonders gern mochte, ließ er in Kriegszeiten verstecken – so auch die Pferdeskulpturen von Josef Thorak. Nach einer ziemlich spektakulären Geschichte kommen diese jetzt in die Zitadelle Spandau, André Görke (Abo) hat mit der Burgchefin gesprochen.

Wer Kunersdorf noch nicht auf der inneren Landkarte abgespeichert hat, sollte das schnell ändern. Hella Kaiser (Abo) weiß, warum. Theodor Fontane wusste es übrigens auch.

Wer viel Rad fährt, tut nicht nur seinem Herz-Kreislauf-System Gutes. Radkolumnist Michael Wiedersich (Abo) entdeckt den Gesetzeshüter in sich.

Wochen­rätsel

Zur Feier der Wiedereröffnung des Innenbereichs der Kantine im Abgeordnetenhaus gab es...

a) Gulasch aus der Kanone samt halber Schrippe
b) Kasselerbraten mit Soße und Sättigungsbeilage
c) Falscher Hase an Möhrchengemüse
 

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

Jetzt mitmachen

Encore

Wenn es Superwahljahre gibt, muss es auch Superduperwahltage geben; in drei Wochen ist es soweit: Bund, Land, Bezirk, Volksentscheid. Briefwahl ergibt schon deshalb Sinn, weil man zu Hause in Ruhe das ganze Angebot studieren kann. Wer glaubt, dass das in der Kabine ebenso locker zu schaffen sei, kennt die Stimmzettel noch nicht. CP-Leserin Simone R. hat ihr Überraschungspaket von der Landeswahlleitung bereits erhalten und gleich den Zollstock gezückt: „Spandau meldet eine Länge von 2,19 Meter“, schreibt sie. „Ich bin gespannt, ob das noch überboten wird.“ Einer ist schon mal raus: Chef-Checkpointer Lorenz Maroldt bemerkte gestern anerkennend: „Das ist länger als ich, und das will was heißen.“ Also: Wer bietet mehr? Wo hängt der Stimmzettel von der Decke bis auf den Boden oder reicht gar von der Haustür bis vors Wahllokal? Schicken Sie Ihre Maße an checkpoint@tagesspiegel.de – oder Spandau gewinnt.

Den Medaillenspiegel in diesem CP hat heute früh Cristina Marina poliert. Am Montag begrüßt Sie hier wieder Lorenz Maroldt in voller Länge. Genießen Sie das Wochenende!

Stefan Jacobs