Männlichkeit, ein Showdown unter Frauen und zu viele Köche in der eigenen Küche
Samstagmorgen bricht klassisch die Zeit an, in der sich Herren zunehmend ihrem Modelleisenbahner-Hobbie zuwenden, Glühbirnen wechseln, Rohre verlegen oder das Auto waschen. Wie so vieles, kann sich auch die Männlichkeit als unbequemes Klischeekorsett erweisen, das zudem die vielen tatsächlichen Formen, die da gar nicht hineinpassen wollen, ausdünnt. Wer es einmal ablegen, sich darüber ärgern, amüsieren oder etwas über die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe der vielen verschiedenen Männlichkeiten erfahren möchte, schaue sich die online-Foto-Ausstellung zum Thema, Masculinities, im Gropiusbau an, die dieses Wochenende endet.
Samstagmittag – Wenn wir schon beim Hinterfragen normativer Korsette sind, ist der Schritt zum Theater nicht weit. Wer die realen Bühnen vermisst, besuche doch ihre virtuellen Auftritte. Volksbühne und Schaubühne etwa haben umfangreiche Mediatheken aufgebaut, auf denen Aufführungen abgerufen, aber auch Blicke hinter die Kulissen des Theaterbetriebs gewährt werden. Um 18 Uhr findet heute zudem eine digitale Premiere auf der Schaubühnen-Seite statt: Die Anderen von Anne-Cécile Vandalem thematisiert das Kommen des Neuen und Fremden in ein solide wirkendes, aber vor inneren Spannungen strotzendes Dorfgefüge.
Samstagabend – Spricht man die Städtenamen Detroit, London und Berlin einfach so hintereinander aus, geraten manche Leute in helle Aufregung. Verbindendes Element ist die elektronische Tanzmusik, der jede der drei Städte einen eigenen, typischen Sound hinzugefügt hat. Ab 19 Uhr strömen bei Junction 2: Connections die Sets prägnanter Vertreter:innen ihrer lokalen Stile in den globalen Netzraum, schon um 15 Uhr beginnt die Übertragung des Vorprogramms, das ein wenig Kontext liefert. Das Ganze ist übrigens als Festival angelegt, über dessen virtuelles Gelände man von Bühne zu Bühne schreiten und so die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Musiken erkunden kann.
Sonntagmorgen – Apropos Erkunden: Im Stadtbild sichtbare Spuren hinterlässt vieles Geschichtliche eigentlich kaum und selbst an den Stolpersteinen im Bezirk Köpenick ist es kaum zu erkennen: Zwischen dem 21. und 26. Juni 1933 verhafteten und folterten dort Nazis an die 500 Gegner:innen des Nationalsozialismus, von denen einige ermordet wurden oder an den Folgen der Folter verstarben. Ein Audiowalk durch die Siedlung Elsengrund und die Dammvorstadt erinnert an dieKöpenicker Blutwoche, erzählt Schicksale von Opfern und beleuchtet Tatorte und Täter. Auf den Spuren der Geschichte wandelt, wer die App Radio Aporee auf sein smartes Telefon installiert und vor Ort startet. GPS-Ortung sorgt dafür, dass automatisch die richtige Audiodatei am richtigen Ort abgespielt wird.
Sonntagmittag – Tänzerin Judith Förster und Filmemacherin Stella Horta wollen den Lockdown zum Showdown machen, die Grenzen zwischen Duett und Duell verschwimmen und die für die beiden viel zu kleine Bühne zur Wildwest-Kulisse werden lassen. Statt einer abgefilmten Bühnenperformance handelt es sich beim Showdown-AV um einen Tanzfilm, getanzten Film, filmischen Tanz – um ein getanztes Format jedenfalls, das bewusst für Bildschirm und Leinwand gestaltet wurde und auf die Live-Bühne getrost verzichten können will.
Sonntagabend – Wer keine Lust hat, an dunklen Frühjahrs-Wochenenden in trister Einsamkeit für sich allein zu kochen, kann sich über grouking.de lauter fremde Köche in die eigene Küche holen. Die verderben auch nicht den Brei, denn alle kochen zwar das gleiche Gericht, aber alle für sich, in der eigenen Küche, über einen Videochat verbunden und unter mutmaßlich kompetenter Anleitung von Küchenprofis. Gerade wer in der Küche auf seine eigenen Methoden besteht, etwa die Sahne zu schlagen oder Gemüse zu schneiden, darf hier entspannen. Gegen 100 Euro erhält man nicht nur den Online-Kochkurs nebst Gruppen-Erlebnis, sondern auch einen Korb mit allen für das Drei-Gänge-Menü benötigten Zutaten. Gespeist wird anschließend natürlich auch gemeinsam einsam.