Von Äpfeln, Kürbissen und anderen runden Sachen
Samstagmorgen – Wer ganz genau wissen möchte, wo das Gemüse herkommt, das auf seinem Teller landet, ziehe festes Schuhwerk an und begebe sich nach Dahlem. Frische Luft am Morgen und beherztes Zupacken auf dem Acker der Stiftung Domäne Dahlem (Königin-Luise-Straße 49, Dahlem) ergeben nicht nur einen munteren Geist, sondern einen Vorrat an Kürbissen der Sorten „Red Kuri“, „Red Hokkaido“, „Red Solor“, „Waltham“ und „Nutterbutter“. Irgendwie hat sich auch die Speisekartoffel „Linda“ unter die Kürbisköpfe gemischt. Wem das der Selbstbedienung zu viel erscheint, findet hier auch Marktstände mit vorgeernteter Bio-Ware. Ob als Süppchen, Taco-Füllung oder Halloween-Spukgespenst, das Anwendungsportfolio des Kürbisses ist breit gefächert. Dass Kürbisse außerdem gut klingen können, beweisen seit jeher die Inder: Klangkörper der Sitar bestehen traditionell aus ein oder zwei getrockneten Kürbissen. Achten Sie auf Abstände zu ihren Nachbarn – mit den nächtlichen Sperrzeiten sollen Superspreader ihre Superspreader-Aktivitäten jetzt vermehrt in den Tag hinein verlegt haben. Um die Verbreitung von Aerosolen durch Sprache zu begrenzen, kursiert zurzeit diese unterhaltsame Anleitung.
Samstagmittag – Wer das alles zu stressig findet, bestelle sich seinen Kürbis einfach im schmackhaften Tacogewandt. Der vermeintlich einfache Maisfladen kann – mit der entsprechenden Füllung – mächtig was her machen. Die vermutlich größte Taco-Auswahl in Berlin hat Genuss-Kollege Felix Denk im Tacoriño in der Knesebeckstraße 18-19 ausgemacht. Neben gegrilltem Steak und geschmortem Hühnchen kommen hier auch marinierter Blumenkohl oder Bacalao im Bierteig mit Chili-Mayo zwischen die hausgemachten Tortillas aus Bio-Maismehl. Geöffnet ist Mo - Do 17-22 Uhr, Fr - So 15-22 Uhr, alle Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen.
Samstagabend – Derart gestärkt fiebert man am Abend schon der… nun ja, Sperrstunde entgegen. Da der Tag mit ihr zur Nacht wird, bietet der Samstagabend Gelegenheit zum Nachdenken über das Geschehen (und Nicht-Geschehen), so ähnlich hat das schon Hegel formuliert. Ob zu Hause, beim Spaziergang oder Sport, von jedem Smartphone aus kann man in den Podcast „Politics of the Dance Floor“ des HKW hinein hören, dessen aktuelle Ausgabe sich um das Thema Nachhaltigkeit in der Clubkultur dreht und Fragen zu Greenwashing und Umweltgerechtigkeit, Diskriminierung und Inklusion, Marginalisierung und Solidarität streift.
Sonntagmorgen – Der heutige Apfel fällt nicht weit vom gestrigen Kürbisgemüse: Mit einem um das beste Obst der Welt konzipierten Programm feiert das Schloss Britz (Alt-Britz 73, Neukölln) die Kulturgeschichte des Apfels mit apfeligen Bühnenshows, Äpfeln in Märchen und Akrobatikeinlagen, Äpfel halten schließlich auch fit. Das Programm finden Sie auf der Homepage, der Eintritt für einen der Slots von 10 bis 14.30 Uhr oder 14.30 bis 19 Uhr beträgt 6 Euro, 3 ermäßigt.
Sonntagmittag – Während die Fachwelt seit geraumer Zeit debattiert, ob ein umfallender Baum ein Geräusch macht, wenn keiner da ist, der es hört, gehen die Schüler:innen des Hermann-Ehlers-Gymnasiums einfach hin. Allerdings gehen sie, um den pflanzlichen Schwerpunkt dieses Wochenendes nicht überzustrapazieren, statt in den Wald, in die Stadt, wo neben Geräuschen auch eine Menge Sprache stattfindet, die Geschichten erzählt, die wiederum etwas über die Mediatisierung urbaner Lebenswelten aussagen. Die Funde dieser Erkundung sind in Soundcollagen eingeflossen, die das Märkische Museum (Am Köllnischen Park 5, Mitte) in einer Art Piratensender-Ausstellung zeigt. 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist auch am heutigen, letzten Tag der Show frei.
Sonntagabend schien die Sonne, da sie keine Wahl hatte, nicht auf Berlin. So ähnlich hat Samuel Beckett einmal einen Roman begonnen. Heute Abend erklingen seine Texte neben Schönbergs Komposition Pierrot Lunaire in der Komischen Oper, die passenderweise einen engen Bezug zu Nacht und Mond aufweist. Mit etwas Glück bekommt man noch Restkarten. Da die Dunkelheit außerdem die perfekte Leinwand für Lichtspiele bietet (und für alle, die keine Restkarten für die Oper bekommen haben), bietet sich der Besuch der Taborkirche (Taborstraße 17, Kreuzberg) an, und das nicht nur weil Sonntag ist. „Die Sphäre“ nennt sich die dort gezeigte Licht und Klanginstallation, was nach einer runden Sache klingt, womit der Kreis zu Kürbis, Apfel, Sonne und Mond geschlossen wäre. Geöffnet bis 0 Uhr, sollte man vielleicht nicht bis nach 23 Uhr warten, wenn die Kirche der einzige Kreuzberger Veranstaltungsort ist, der am absoluten Wochenendeende noch geöffnet hat. Eintritt 5 Euro.