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Opposition warnte früh vor WahlpannenErste Sondierungsgespräche in BerlinDas sind die Berlinerinnen und Berliner der Woche

Bevor wir zur Ehrung der Berlinerinnen und Berliner der Woche kommen, werfen wir einen Blick auf die zwei wichtigsten politischen Themen: die Wahlpannen und die Koalitionsverhandlungen.

Beginen wir mit den Wahlen:

Das Protokoll einer Hauptausschusssitzung im Januar 2021 zeigt, dass die Opposition schon sehr früh und genau auf die absehbaren Probleme hingewiesen hatte – so zweifelte der CDU-Abgeordnete Christian Goiny angesichts der außergewöhnlichen Anforderungen (1 Abstimmung, 3 Wahlen, 5 Zettel, 6 Stimmen, dazu Pandemie und Marathon) an der notwendigen „personellen Umorganisation“.

Doch Innenstaatssekretärin Sabine Smentek wiegelte ab:

Zunächst möchte ich Ihre Sorge, dass es zu Schwierigkeiten bei der Durchführung der Wahlen kommen könnte, zerstreuen. Wir haben die Zeit seit den letzten Wahlen natürlich auch auf andere Art und Weise genutzt. Wir haben das ganze IT-Thema reorganisiert. Wir sind sehr gut vorbereitet auf alles, was an diesem Abend noch geschehen kann.“

Wir, wir, wir … wer damit wohl gemeint ist? Etwa die Innenverwaltung, deren Senator Andreas Geisel jetzt, nach der chaotischen Wahl, so tut, als habe er damit rein gar nichts zu tun?

Schlimmer noch ist allerdings, dass eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle von dieser Stelle kaum zu erwarten ist – im Senat verkündete Geisel am Dienstag, was er von den Berichten über chaotische Zustände bei den Wahlen in Berlin hält: medial aufgebauscht.

Vielleicht sollte der Innensenator mal einen Blick in unsere Checkpoint-Mailbox werfen – da reißt der Strom von Berichten frustrierter Wahlhelfer/innen und Vorständen über verfälschende Vorfälle nicht ab.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Zum Start ins Einheitswochenende gleich ein Riss: Metabolic Rift heißt die Kernausstellung des Festivals Atonal Berlin im Kraftwerk, die eigentlich mehr einer Geisterbahn als einer Ausstellung gleicht – aus dem Nichts soll die Kunst hier in entlegenen Winkeln des Baus auftauchen und wieder dorthin verschwinden. Und das ohne Schreckensmoment, dafür aber mit einer immersiven Erfahrung für das Publikum. Wer bei solchen Erscheinungen wegen Derridas Aufsatz an „Marx’ Gespenster“ denkt (wer nicht?), liegt gar nicht mal daneben – der Ausdruck „Metabolic Rift“ bezeichnet nämlich klassisch die irreparable Entzweiung von Mensch und Natur, wie sie eben schon Marx thematisiert.

Samstagmittag – Eine gewisse Entzweiung empfindet auch der in Berlin lebende Musiker Jemek Jemowit. Der gebürtige Pole schaut schon seit geraumer Zeit mit Sorge auf die Tendenzen in seiner Heimat, queere Menschen zu diskriminieren und veranstaltet nun zum zweiten Mal eine Polophobia-Party, diesmal im Club der polnischen Versager, 18 Uhr. Anlass ist das Erscheinen seines vierten Albums „Legenda Zygmunta Blask“ – „Die Legende des Zygmunt Blask“. Der Namensgeber ist übrigens ein polnischer Glamrock-Star der Siebziger, den Jemowit durch Mimikri (nicht zu verwechseln mit mimimi) in die Gegenwart versetzt. Eintritt: 10 Euro.

Samstagabend – Versöhnlich dagegen soll die Musik von Joep Beving sein, dessen Klavierspiel, wie man liest, selbst das kaltblütigste Publikum mitten ins Herz treffen soll. Etwas Wärme auf Vorrat also, für die immer kälter werdenden Tage, gibt es um 19 Uhr in der Passionskirche zu 29,80 Euro.

Sonntagmorgen – Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat lauten die Namen der vom NSU mit rassistischer Motivation getöteten Menschen – in den Räumen des Gorki Theaters kann man zurzeit nicht nur lernen, sie richtig zu schreiben und auszusprechen. Die Ausstellung Offener Prozess mit umfangreichem Rahmenprogramm thematisiert auch kritisch kulturelle Bedingungen des menschenverachtenden Gedankenguts sowie den gesellschaftlichen Umgang mit dem Prozess. 12 bis 22 Uhr, Eintritt frei.

Sonntagmittag – Wenn die Geschichte der DDR selbst im Humboldt Forum nur zur Randerscheinung taugt, müssen eben andere die Erinnerung pflegen. Zum Beispiel „Wir“, was kein Appell an Checkpoint-Leser:innen sein soll. Wir ist der Titel eines Projekts von Künstlerin Michaela Schweiger und dem Kino International, bei dem nach Vorbildern aus der DDR-Modezeitschrift „Sibylle“ sozialistisches Modebewusstsein in Formaten wie Lesung, Tanz, Film, Fotografie und Spaziergang reinszeniert wird. Um 16.30 Uhr beginnt die Tour de Style in der Karl-Marx-Allee 33.

Sonntagabend – Für Dialog und Vermittlung zwischen den Kulturen stand auch der palästinensische Maler, Literat und Theoretiker Kamal Boullata, der am 6. August 2019 unerwartet in seinem Berliner Exil verstarb. Weltweit für seine Kunst und seinen Einsatz bekannt, ist er hierzulande noch immer nur wenigen ein Begriff – eben das will die Galerie Pankow mit der Ausstellung „Geometrie des Lichts“ nun ändern. Di bis Fr 12-20 Uhr, Sa und So 14-20 Uhr, Eintritt frei.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Chantal, die ungeduldige Sau von Nebenan, bat mich neulich, die Zeit schneller verstreichen zu lassen, sie langweile sich furchtbar und alles ziehe sich wie Kaugummi am Huf. Sie könne es außerdem nicht erwarten, endlich einmal am „achtsamen Waldbaden mit Picknick in Begleitung eines Akita oder Shiba Inu“ teilzunehmen. Bei den beiden mysteriösen Ausdrücken handelt es sich übrigens um japanische Hunderassen – und mit denen will Chantal also baden gehen? Wie dem auch sei, ich tat das einzig Logische und rief da an, wo die Zeit gemacht wird: In Braunschweig, in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Da werkelt nämlich die Atomuhr, an deren Takt sich hierzulande alles hält. Einen wertvollen Hinweis konnte man mir dort auch geben: „Beim nächsten Ton ist es 15.09 Uhr“, sagte die freundliche Stimme am Telefon, und „Piep“. Und tatsächlich, plötzlich war es 15.09 Uhr. Wenn ich mich also auf die Zeit konzentriere, wird der Resttag, mit jeder Minute, die vergeht, eine Minute kürzer. Jetzt muss ich diesen Vorgang nur noch beschleunigen – ich glaube, ich bin da an etwas dran. Chantal aber hat seit ihrer Rückkehr vom Achtsamkeitsbaden im Wald das Interesse an meinem Beschleunigungsvorhaben verloren. Ich solle sie nicht mit Zeitfragen langweilen, sagt sie, sie sei jetzt ganz im Hier und Jetzt angekommen und die einzige Uhrzeit, die sie noch interessiere, sei die auf der Turmuhr des Doms St. Marien in Fürstenwalde angezeigte – der Besuch war Teil des Achtsamkeitsbadeprogramms –, die sei nämlich schön anzusehen. Ich dagegen empfehle, wie immer, mich. Mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Mit Franziska Giffey und Bettina Jarasch stehen auch endlich einmal zwei Frauen an der Spitze Berlins – willkommen im 21. Jahrhundert! …will man ausrufen, aber halt, schon im 20. hatte Berlin einige Politikerinnen in den vordersten Reihen. Diese ersten Frauen an der Spitze Berlins haben Felix Hackenbruch und Farangies Ghafoor (Abo) eruiert.

Gleich noch ein historisches Stück: Das ikonische Kraftwerk Wilmersdorf, eine der, äh, strahlenden Marken in der, öh, „Skyline“ Berlins, soll abgerissen werden. Henning Onken (Abo) hat sich das mal angeschaut und sogar im Archiv gekramt.

Treffen sich eine Burg und eine Brücke… nein, es ist nicht, was Sie denken. Es sei denn, Sie denken: Klare Sache, das ist nur in Spandau möglich! Dann haben Sie ganz recht. André Görke (Abo) erklärt es genauer.

Wochen­rätsel

In Berlin gibt es 2135 Ampeln  wo wurde im Jahr 1924 die erste, damals noch von einem Verkehrspolizisten händisch bediente Ampel aufgestellt? 

a) am Potsdamer Platz
b) an der Friedrichstraße
c) am Bahnhof Zoo

 

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Encore

Zum Schluss schauen wir heute noch mal bei der Polizei vorbei – die verbreitet in diesen Tagen bei Twitter vermeintliche Notrufe, die unter der 110 eingehen. So wie diesen hier: „Aus dem Stabholzgartenpark in Spandau dröhnt überlaute Musik. Das muss aufhören.“ In Spandau? Spandau bei Berlin? Und so fragte die Berliner Polizei vorsichtshalber bei den Kollegen jenseits der Stadtgrenze nach: „Hey Polizei Brandenburg, wie wollen wir verfahren? Ist das schon Brandenburg oder noch Berlin?“ Die Antwort, versehen mit einem Tränen lachenden Smiley: „Speckgürtel?“ Es kommentiert Ingo Insterburg: „Ich liebte ein Mädchen in Spandau, von der war immer der Mann blau.“ Und im Hintergrund erklingt ein Lied von Marianne Rosenberg: „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür …

Und mit dieser kleinen grammatikalischen Unschärfe (er/sie/es) verabschieden wir uns beschwingt ins kurze Wochenende. Mitrecherchiert haben heute Julius Betschka, Alexander Fröhlich und Thomas Lippold, die Stadtleben- und Ausflugstipps hat Thomas Wochnik zusammengestellt, und Cristina Marina hat das Ganze auch heute früh wieder produziert. Wir sehen uns hier am Montagmorgen wieder – bis dahin,

Lorenz Maroldt