„auch auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird: Hier kommt noch ein Foto vom Wannsee. Das Foto habe ich während der Fahrt auf der Fähre gemacht“. Liebe Elke Rosztok, Berlin wird uns nie langweilig! Vielen Dank für dieses schöne letzte Ferienbild.

Das Wahljahr treibt kuriose Blüten: Im Saarland wurde die Landesliste der Grünen nicht anerkannt, in Berlin die Landesliste der Pinken. Während die Partei um Kanzlerkandidatin Baerbock vor allem an sich selbst scheiterte, scheiterten „Die Pinken“ nur knapp an Berlins Bürgerämtern. Die Kurzfassung: 500 „Unterstützerunterschriften“ braucht es laut Bundeswahlgesetz, um als Partei zugelassen zu werden. Da „Die Pinken“ allerdings nur zehn Tage vor Abgabeschluss überhaupt erst als Partei anerkannt wurden, wurd’s mit dem Stimmen-Sammeln knapp. Erst am finalen Wochenende hatte man alle zusammen. Am Montag wurden sie zur Gültigkeitsprüfung ins Bürgeramt Treptow-Köpenick gebracht. „Schaffen wir heute nicht“, hieß es da. Weil man es allerdings noch „heute“ schaffen musste, wurden die Unterschriften kurzerhand auf mehrere Bürgerämter verteilt. Ende der Geschichte: Das Auszählen (+ Transportweg) dauerte trotzdem zu lange, die Unterschriften landeten elf Minuten zu spät auf dem Zulassungstisch und die Zulassung wurde abgelehnt. Immerhin: Bei der AGH-Wahl darf die Partei antreten. Da mussten die Stimmen erst einen Tag später abgegeben werden.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag startet in Berlin das große Kleben. Wer zuerst kommt, hängt am besten. Und wie immer gilt: Wer Wahlplakate vor Mitternacht aufhängt, verstößt gegen das Gesetz. Mit etwas Verwunderung haben wir deshalb zur Kenntnis genommen, dass Linke, SPD, Grüne, CDU und FDP in Tempelhof-Schöneberg eine „Fair-Wahlplakatekleben-Vereinbarung“ verkündet haben, um ja nicht früher loszulegen (Kollegin Sigrid Kneist berichtete im „Leute“-Newsletter). Gleich mal auf Landesebene bei den Parteien nachgefragt, ob das nicht selbstverständlich für ganz Berlin gelten sollte. Ja, offiziell gelte das „berlinweit“, heißt es da. Man appelliere auch an alle Wahlkämpfer:innen, „Fairness und Chancengleichheit“ zu wahren. Allerdings sei es aufgrund der dezentralen Organisation „immer wieder vorgekommen, dass die Richtlinien nicht eingehalten wurden“. Heißt: Schöneberg ist nicht überall. Allein die FDP betonte, dass sie sich „selbstverständlich“ in allen Bezirken an die offizielle Regelung halten werde.
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Das Theaterereignis des Jahres! Ein 7-stündiger Abstieg in die Hölle, ein monumentales Simultandrama, und das Publikum ist mittendrin.
Regie: Paulus Manker.
20. August - 12. September 2021,
jeweils Fr. / Sa. / So., Beginn 18:00 h
Tickets: 115.- EUR
(inkl. Essen + Getränke)
Belgienhalle, Gartenfelder Str. 28, 13599 Berlin-Siemensstadt.
Mehr unter: letztetage.com
„Wahlkampf 2021: Worüber zu wenig gesprochen wird“, titelt heute der Tagesspiegel und schreibt über Themen (Migration, Bildung, Rente, Pflege, Steuern), die in den aktuellen Debatten zu kurz kommen. Uns interessiert dazu vor allem Ihre Berlin-Meinung: Welche Schwerpunkte fehlen Ihnen in der bisherigen Berichterstattung? Auf welche Fragen haben Sie bis dato noch keine Antwort gefunden haben? Wonach sollen wir die Wahlprogramme nochmal besonders durchforsten und mit welchen Fragen die Politik konfrontieren? Schreiben Sie uns: checkpoint@tagesspiegel.de.
Viel diskutiert wurde am Donnerstag die vom Bezirk Mitte beschlossene nächtliche Schließung des James-Simon-Park. „Wir haben uns bei unserer Entscheidung auf das Lagebild der Polizei verlassen, die von organisierten Besäufnissen und einem stetig steigenden Aggressionspotenzial inklusive Messern oder sogar Macheten spricht“, sagt Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). „Es wäre gut, wenn der Bezirk hier ein Konzept vorlegen würde, aus dem weitere Details hervorgehen, zum Beispiel, wie das Verbot genau durchgesetzt werden soll oder die Aufgabenverteilung zwischen Ordnungsamt Mitte und der Polizei Berlin“, sagt die Innenverwaltung. „Wir helfen dem Bezirk vorübergehend und im Rahmen unserer Möglichkeiten“, sagt die Polizei Berlin. Fest steht: Die Stadt hat nicht nur einen Park.
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Bei den Fahrradtoten sei 2020 „zu einem großen Teil auch das Eigenverschulden unfallursächlich“ hatte Berlins oberster Verkehrspolizist Frank Schattling vergangene Woche gesagt – und war damit auf viel Kritik gestoßen. „Mein Mann Bernd Wissmann wurde von einem rücksichts- und hemmungslosen Fahrer mit mehr als 80 km/h getötet. Und ich fordere Sie auf, Herr Schattling, diese falsche Aussage öffentlich zu korrigieren“, hatte Sabine Speiser im Checkpoint geschrieben. Die Verdrehung führe „zu einer strukturellen Verursacher-Opfer-Umkehr innerhalb der Polizei“, kommentierte der ADFC und forderte ebenfalls eine Richtigstellung. Am Donnerstag kam die via Twitter: Man habe darlegen wollen, dass „im Sinne der Verkehrsunfallprävention alle Unfallursachen und damit auch dieser Teil“ betrachtet werden müsse, schreibt die Berliner Polizei. Weder sollte „vermittelt werden, dass es sich um den überwiegenden Teil handelt“, noch sollten „die Hauptunfallursachen, insbesondere das gefahrenträchtige und in Teilen tödliche Fehlverhalten beim Abbiegen, verharmlost oder relativiert werden“. Auch sei es nicht die Absicht gewesen, das „Andenken der Verstorbenen zu beschädigen und den Angehörigen zu nahe zu treten, sie zusätzlich zu verletzen.“ Was Kleines mit großer Wirkung fehlte: das Wort „Entschuldigung“.
Tatütata – die Feuerwehr ist da. Oder auch nicht? So schnell die Retter in Notsituationen auch sind, so langsam sind sie in der Verwaltungsarbeit. „Trotz meines Dankes an die Feuerwehr, die 2017 bei uns einen überfluteten Keller leergepumpt hat (kostenpflichtig, gar keine Frage) habe ich mich schon geärgert über den nach 3,5 Jahren eintreffenden Gebührenbescheid“, schreibt CP-Leser Uwe Goetze. „Unsere Versicherung hat jedenfalls die Akten schon lange geschlossen, sodass eine Abrechnung dort nicht mehr möglich ist.“ Die Feuerwehr selbst verweist auf Nachfrage auf die „angespannte Personalsituation im zuständigen Fachbereich“. Eine Statistik über die durchschnittliche Bearbeitungszeit werde nicht geführt. Allerdings befänden sich – Stand jetzt – allein im Bereich der Technischen Hilfeleistung rund 13.287 Feuerwehreinsätze aus den Jahren 2017 bis 2020 „in der Bearbeitung und Prüfung, ob für diese Einsätze Gebühren erhoben werden müssen“. Da bleibt sich Berlin verwaltungstreu.
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Noch ein Nachklapp zum „Plansche-Gate“: Nachdem eine Frau Ende Juni aufgrund ihrer nackten Brüste vom Wasserspielplatz verwiesen worden war, haben sich Marc Oliver Ram (SPD) und Philipp Wohlfeil (Linke) beim Bezirksamt Treptow-Köpenick nach Konsequenzen erkundigt. Das teilt mit: 1) Der Vorfall sei hinsichtlich „der kommunikativen Handhabung und dem grundsätzlichen Ziel einer Eskalationsvermeidung“ ausgewertet worden. 2) Das Straßen- und Grünflächenamt habe die Nutzungsregeln „im Sinne von Eindeutigkeit und Klarheit für alle Beteiligten überarbeitet“. Und 3) werde in der Plansche „mit der Ausnahme von Kindern bis 8 Jahren das Tragen der auch in öffentlichen Schwimmbädern üblichen Badekleidung, wie es auch in der Nutzungsordnung niedergelegt ist, erwartet“. Kurzer Blick in die Nutzungsordnung für den Wasserspielplatz „Plansche“: Beim Aufenthalt ist „handelsübliche Badekleidung zu tragen wie z.B. Badehose, Badeshorts, Bikini, Badeanzug, Burkini“. Wer hier was zu tragen hat, steht da allerdings nicht.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wie weit kann / darf / muss Widerstand (gegen rechts) gehen? Gemeinsam mit dem „Yorck“-Freiluftkino am Schloss Charlottenburg veranstalten wir kommende Woche Samstag (14.08.) endlich mal wieder einen Kinoabend samt Checkpoint-Talk. Gezeigt wird der Film „Und morgen die ganze Welt“ von Regisseurin Julia von Heinz, der sich mit genau dieser Frage auseinandersetzt. Zu Gast ist Hauptdarstellerin & Wahlberlinerin Mala Emde, mit der wir über ihre Rolle, politisches Engagement und das „radikale“ Berlin sprechen wollen. Für alle Interessierten verlosen wir 3 x 2 Tickets: checkpoint@tagesspiegel.de. Zum weiteren Kontingent geht’s hier.
Berliner Impfnächte sind lang: Im Impfzentrum Arena gibt’s am 09., 11. und 13. August neben einem DJ Line up kostenfreie Biontech-Dosen für alle Ü16-Jährigen. Einlass ist ab 19:45 Uhr. Wichtig: Auch Menschen ohne Papiere können sich dort impfen lassen. Spread the word. And let the Impfparty get started.
Noch immer Neuland? 95 Prozent der Berliner:innen sind einer Umfrage zufolge mit Berlins „digitaler Bildung“ unzufrieden (Q: Civey für „eco“). Der Verband der Internetwirtschaft fordert, man müsse sich schnellstmöglich von einem „Weiter so“ abkehren.
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Seit über 20 Jahren erzählt die Nachrufe-Kolumne jeden Sonntag im Tagesspiegel die Lebensgeschichten verstorbener Berlinerinnen und Berliner. Sie gehen ans Herz, erheitern aber auch mit Anekdoten und geben spannende Einblicke in viele bewegte Leben. „46 Berliner Leben“ vereint Nachrufe aus den Jahren 2010 bis 2021. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich!
Im Bereich der Digitalisierung „bewegen wir uns noch in der Steinzeit“, sagt auch Jana Borkamp, Leiterin der LAF-Abteilung Unterkünfte. Insgesamt 46.831 Menschen aus 110 Ländern hat das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten seit seiner Gründung im Jahr 2016 betreut. 1.800 beantragten im Juli Asyl, darunter ungewöhnlich viele Menschen aus Moldawien. Die Polizei verfolgt derzeit Hinweise auf „Schleuserkriminalität“.
Zurück in die Zukunft: Europas größtes High-Tech-Quartier soll in TXL entstehen. Am Donnerstag ging das Areal vom Bund an Berlin und gleich weiter an den Chef von „Tegel Projekt“. „60.000 Schlüssel für 60 Gebäude“ wurden übergeben.
Queerfeindlicher Hass in Lichtenberg: „Toto Stoffels“, Berliner Künstler*in und Fotograf*in, ist am Mittwochnachmittag offenbar beleidigt und mit einer Waffe bedroht worden. Ob es sich um eine „echte“ gehandelt hat, ist unklar. So oder so zeigt das: Berlin kann extrem hässlich sein. Dreckig und grau.
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Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“, Folge 29: Selbstbestimmung auf dem Gynstuhl. Was macht meine Ärzt*in mit mir? Gynäkologische Untersuchungsinstrumente, wie das Speculum, lernen viele Patientinnen erst in der Praxis kennen. Was die Geräte tatsächlich können und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie in der neuen Folge der unzensierten Sprechstunde. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
In Tempelhof-Schöneberg wollte Sebastian Richter (AfD) wissen, welche Graffitis im Jugendclub „Drugstore“ vor dem Auszug hinterlassen wurden. Die Antwort: „Zu erkennen sind Graffiti wie: ‚Surprise Überraschung‘, ‚Wir sind …‘, ‚OUR TOWN NOT INTOWN‘ und ‚Manager – Ärsche‘. Laut Bezirksamt entspricht „die Art der Grafiken jugendlicher Ausdrucksform“.
„Etwas Angst ist ganz in Ordnung“: Lea Dohm, Gründerin von Psychologists for Future, sagt im „Gradmesser“, wie man mit Klimaignoranten ins Gespräch kommt und was hilft, wenn einen die ganz persönliche Klimakrise packt. Zur neuen Podcast-Folge geht’s hier.
Sonst noch was? Achja: Am Montag setzte der Berliner Autor Paul Bokowski folgenden Tweet ab: „Neukölln. Minutenlang läuft ein Mann die Weserstrasse auf und ab & brüllt in einer Tour: ‚WHAT TIME IS IT?‘ Ein Streifenwagen rollt vorbei, als eine Polizistin aus dem Wagen ruft: ‚Its 14 Uhr!‘ Der Mann nickt & geht davon. Sie macht mich fertig, diese Stadt. Es ist nicht 14 Uhr.“ Jetzt sucht die Berliner Polizeiakademie zum nächstmöglichen Zeitpunkt unbefristet mehrere Lehrer:innen für Deutsch – Englisch. Maybe a Zufall.
Zitat
„Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus und sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug und keiner weiß, wie weit.“
1931 schrieb Erich Kästner seinen Berlin-Roman „Fabian“. Die Verfilmung (jetzt im Kino und ebenfalls sehr zu empfehlen!) eröffnet Dominik Graf mit diesem Satz und einer Sequenz, in der er von der heutigen Hauptstadt in die damalige reist.
Tweet des Tages
Man könnte so ein Neukölln-Jump 'n' Run machen, bei dem man Sperrmüll ausweicht, weggeworfene Matratzen dabei als SuperBoost verwendet und im Weg stehende E-Scooter und Leihräder mit altem Fladenbrot abwirft. Ich nenne das jeden Morgen ‚joggen‘.
Stadtleben
Stadt – Zum Ferienende nehmen wir ein „Z“ wie das „Zschhhhh“ der Dampflock, die an einem kalten Wintertag 1921 durch das Brandenburger Dorf Klein Ziescht zischte. Eben der Ortsname wurde kurzerhand in die Geburtsurkunde des Malers Kurt Mühlenhaupt eingetragen. Dabei war der eigentlich an Bord eben jener Eisenbahn zur Welt gekommen, von Prag kommend, mit Ziel Berlin. Berühmt wurde er als Kreuzberger Milieu-Maler und weil die Kreuzberger Milieu-Maler:innen wesentlich an der Erfindung Kreuzbergs beteiligt waren, widmet ihnen die Kurt Mühlenhaupt Stiftung jetzt eine Ausstellung, passenderweise im Kunstquartier Bethanien. Mit über 400 Originalen – Druckgrafiken, Ölgemälden, Zeichnungen und Aquarellen, Fotos und Original-Filmmaterial – wird hier die Entstehung der Kreuzberger Alternativkultur in den 60ern und 70ern nachgezeichnet. Um 19 Uhr ist Vernissage, die Eröffnungsrede hält Hannelore Mühlenhaupt. Um Anmeldung per Mail an post@muehlenhaupt.de oder telefonisch unter 030/61627505 wird gebeten.
Land – Von der Erfindung Kreuzbergs zur Erfindung Berlins: Die Stadt soll ja „aus dem Kahn erbaut“ worden sein, wie ein geflügeltes Wort vermeint. Gemeint ist damit, dass Berlin ohne seine zahlreichen Wasserstraßen gar nicht an das nötige Baumaterial für sein explosionsartiges Wachstum um 1900 gekommen wäre. Allein aus Zehdenick, etwa 60 Kilometer nördlich von Berlin gelegen, kamen jährlich bis zu 200 Millionen Ziegel- und Kalksandsteine die Havel herauf geschippert, die unter Hochdruck von mehreren Tausend Arbeiter:innen gebrannt wurden. Der Ziegeleipark Mindenberg erinnert daran – auf der Havel lässt sich noch der Großfinowmaßkahn „Carola“ von 1916 bestaunen, der zwanzig Jahre lang als Schiffermuseum ein Aushängeschild der Stadt war. Heute ist zwar auch er verfallende Geschichte – dafür gibt es reichlich hübsche Boote im Sonnenuntergang zu sehen und zu chartern, Radtouren entlang der Havel zu fahren und ab Bahnhof Dannenwalde sogar den einzigen Barfußpfad Deutschlands zu gehen.
See – Wer so nah dran ist, aber doch nur von Weitem zusieht, ist Zaungast. Ein solcher ist ganz klar, wer schon in Zehdenick unterwegs ist, aber keinen naturkundlichen Abstecher mit Feldstecher in den nördlich gelegenen Naturpark Uckermärkische Seen unternimmt – am besten paddelnd. Über die malerische, von unzähligen Wasserwegen durchzogene Landschaft kreisen Fischadler, an Ufern betätigen sich Fischotter architektonisch und rasen über 150 Libellenarten um die Wette.
Familie – Dass die Miniaturisierung erst mit der Industrialisierung begonnen haben soll, ist übrigens ein moderner Mythos, über den Mammut, Riesenhirsch, Riesenfaultier oder der Brachiosaurus nur lachen würden, wären sie nicht ausgestorben. Ein eigenes Bild von den Größenverhältnissen kann man sich im Freizeitpark Germendorf bei Oranienburg machen, wo nicht nur lauter Saurier in der Landschaft herumstehen, sondern auch Tiere unserer Zeit zwischen ihren baumgroßen Beinen umherlaufen – etwa Ziegen, Zebras, Straußen, Rehe und Antilopen. Manchen kommen Besucher:innen im Streichelzoo zudem besonders nah.
Tier – Dass Statur nichts mit Kompetenz zu tun hat, beweist der Zaunkönig. Schon in einer äsopischen Fabel erhält der kleine Vogel den Ruf eines gerissenen Schwindlers: Im Wettbewerb der Vögel um die größte Flughöhe gewinnt nämlich eigentlich der Adler. Was der Adler allerdings nicht merkt, ist, dass sich einer der kleinen Stimmakrobaten heimlich in seinem Gefieder versteckt. Als der Adler zum Sinkflug ansetzt, flattert der Zaunkönig hervor und steigt noch ein wenig höher. Blöderweise fliegt der Schwindel auf und aus dem vermeintlichen König der Lüfte wird eben der Zaunkönig. Nach ihm benannt ist ein süßes Familiencafé in Wedding mit bodennahem Indoor-Spielplatz – schließlich gelten auch Zaunkönige als äußerst flugfaule Vögel. Zur Beflügelung der Sinne gibt es dagegen Kuchen (auch vegane), Kaffeevariationen (auf Wunsch geeist), Waffeln und Frühstück – alles auf Bio- und Nachhaltigkeit ausgelegt.
Genuss – Zitrone! Die spielt zwar nur eine kleine Nebenrolle im „beherzt angegrillten Secreto vom Eichelschwein“, aber sie beginnt mit einem „Z“ und wirkt erfrischend. Für Frische steht eben auch das Sawito in Falkensee, und zwar bezüglich seiner bewusst aus der Region gewonnenen Zutaten wie der Rezeptideen seines undogmatischen Chefs Marco Wahl. Zur Wahl steht das Vier-Gänge-Menü zu 59 Euro (Weinbegleitung 36 Euro) oder leicht zugängliche Teller à la carte wie Caesar Salad, Beef Tartar, Hummersuppe, Short Rib mit Falkenseer Grüner Sauce und Crème brûlée (8 bis 28 Euro) – Tagesspiegel-Kollege Ulrich Amling hat sich hier eine kleine Stadtflucht genehmigt und seine gustatorischen Eindrücke zu Papier gebracht.
Soundtrack des Tages – Im Jazz steckt das „Z“ zwar am Ende, dafür gleich doppelt. Außerdem kommen gerade die freien Spielarten des Genres nicht selten an tierische Laute und damit an den naturnahen roten Faden dieses Stadtlebens heran, weshalb heute Die Enttäuschung den Sound zum Tagesausklang liefern. Das Berliner Quintett, vom Downbeat Magazin zur besten Kombo unserer Tage gekürt, spielt heute Abend als Quartett – weil aus unerklärlcihen Gründen der Posaune beraubt. Und zwar um 20 Uhr im Sowieso. In etwa so klingt das Ganze.
Berlins Spitzenkandidat:innen-Check
5 x 1: Bis zur Abgeordnetenhauswahl stellen wir den Spitzenkandidat:innen von CDU, FDP, Grüne, Linke und SPD jede Woche eine Frage, die sie mit nur einem Foto beantworten dürfen. Diese Woche: Was tun Sie gegen Verdrängung? Das letzte Bild kommt von Sebastian Czaja (FDP).
Foto: FDP Berlin
Berlin heute
Verkehr – Kreuzung Landsberger Allee/Danziger Straße/Petersburger Straße (Friedrichshain): Verkehrsbehinderungen wegen Baustelle.
Hellersdorf: Von 17.30 bis 22 Uhr behindert ein Fahrzeugkorso den Verkehr entlang der Strecke Alte Hellersdorfer Straße, Blumberger Damm, Landsberger Allee, Alle der Kosmonauten, Rhinstraße, Landberger Allee, Danziger Straße, Am Friedrichshain, Otto-Braun-Straße, Karl-Liebknecht-Straße, Werderscher Markt, Unter den Linden, Friedrichstraße, Oranienburger Straße und Anna-Louisa-Karsch-Straße zur Spandauer Brücke.
Wendenschloßstraße (Köpenick): Vollsperrung zwischen Charlottenstraße und Mayschweg.
Prenzlauer Berg: Behinderungen des Verkehrs ab 17 bis 19 Uhr wegen eines Umzugs ab Topstraße über Schönhauser Allee, Torstraße, Friedrichstraße, Weidendammer Brücke, Am Weidendamm, Am Kupfergraben, Dorotheenstraße, Wilhelmstraße, Reichstagsufer, Friedrichstraße, Mittelstraße, Neustädtische Kirchstraße, Unter den Linden, Wilhelmstraße, Dorotheenstraße, Ebertstraße, Potsdamer Platz und Stresemannstraße zur Möckernstraße.
Heerstraße (Staaken): Verengung auf einen Fahrstreifen stadtauswärts zwischen Magistratsweg und Pillnitzer Weg ab ca. 9 Uhr.
Demonstration – „Aufmerksamkeit zum Thema Verkehrswende mit Europäischen Vorbildern“ möchte die Partei Volt Deutschland erreichen, und das mit 100 Teilnehmenden bei einem Umzug von 17.30 bis 20.15 Uhr ab Topsstraße 1 bis Möckernstraße 43. „Wir informieren die Bevölkerung über Daten und Fakten sowie Entwicklungen und Auswirkungen der CORONAMaßnahmen und decken Hintergründe im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz auf“, behauptet der Autokorso Berlin beim Autokorso von der Hellersdorfer Straße zur Spandauer Brücke mit 100 Teilnehmenden zwischen 17.30 und 22 Uhr. Etwa 100 Personen erwartet die Klimaliste Berlin Neukölln von 18 bis 20 Uhr zur Kundgebung „Neuköllner Klimagipfel. Kundgebung für ein klimapositives Neukölln“. Fridays for Future erwarten 100 Personen von 12 bis 13 Uhr am Platz der Republik. Bis 17.30 Uhr sollen 100 Teilnehmende ebenda weiter für Klimaschutz demonstrieren. Samstag: Unter dem Motto „Syndikat lebt! Kiezkultur bleibt erhalten!“ werden von 10 bis 0 Uhr 500 Personen in der Weisestraße 9 bis 15 erwartet. Zur „SOLIAKTION GEGEN TRANSPHOBIE – Unterstützung der Red Comunitaria Trans Colombia“ werden in der Wiener Str. 36 von 12 bis 22 Uhr 250 Teilnehmende erwartet.„Seenotrettung ist #unverhandelbar“, lautet das Motto eines Aufzugs von der Konrad-Adenauer-Straße/Paul-Löbe-Allee bis Rosa-Luxemburg-Platz, 15 bis 20 Uhr mit 500 erwarteten Teilnehmenden. Zwischen 14 und 19 Uhr erwartet die Partei Die Basis 2000 Teilnehmende unter dem Motto „Frieden ist die Basis – Gedenken an Sascha“ zum Umzug ab Tempelhofer Ufer/Am Technikmuseum bis Klosterstraße 47 an der SVW für Inneres und Sport. 250 Teilnehmende werden zwischen 14 und 19 Uhr zum Umzug „Reclaim your Kiez! Kein Raum für Rassismus in Treptow-Köpenick!“ vom S-Bhf Köpenick zum S-Bhf Adlershof erwartet. Von 14 bis 19 Uhr wollen am Platz der Luftbrücke 500 Personen „Gegen Rassismus und Transfeindlichkeit“ demonstrieren. Zum Umzug „Generation Miteinander – Herzensangelegenheit“ vom Neptunbrunnen in der Spandauer Str. zur Rosenstraße erwartet Generation Miteinander 100 Personen von 14 bis 18 Uhr. Sonntag: In der Crellestraße werden 150 Personen von 11.30 bis 22.30 Uhr zur Kundgebung „Kiezkultur von unten – für eine solidarische Nachbarschaft“ erwartet. 400 Personen werden von 12.30 bis 19.30 zur Kundgebung „Solidarität mit Rojawa“ am Oranienplatz 15 erwartet. 200 Personen erwartet der Verein Belarusische Gemeinschaft „Razam“ am Bebelplatz von 13 bis 18 Uhr unter dem Motto „Ein Jahr seit Wahlbetrug in Belarus“.
Gericht – Der Prozess um den Diebstahl von 242 Tablets im Wert von insgesamt rund 100 000 Euro aus einer Schule geht weiter. Angeklagt ist ein 27-Jähriger, der als Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in dem Gebäude tätig war. Die Geräte waren während des pandemiebedingten Lockdowns für Schüler aus sozial benachteiligten Familien als eine Hilfe im Homeschooling angeschafft worden (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 101.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Liebe Alexandra, alles Gute zum Geburtstag! Liebe Grüße nach Bremen, Julia“ / Sebastian Bönig (40), ehem. Fußballer, Co-Trainer von Union / Lea Elisa Becker (36), Regisseurin und Drehbuchautorin / Erhard „Puma“ Grabow (80), „Säbelfechter und Katzenliebhaber“ / Andreas Knieriem (56), Veterinärmediziner und Berliner Zoodirektor / Sven Kohlmeier (45), für die SPD im AGH / Martin Johannes Lohse (65), Humanmediziner, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte / Ute Luig (77), Ethnologin, ehem. Professorin an der FU / Die große Liebe von Helga und Karl Martini: „‚Echte Liebesgeschichten gehen nie zu Ende‘. (Marie von Ebner-Eschenbach) Unseren Eltern herzliche Glückwünsche zur Goldenen Hochzeit!!!“ / Birgit Paul (56), „die wunderbare Stimme von rbb und DLF Kultur – von Herzen Glückwunsch und gute Besserung, auf dass du bald und gut wieder auf die Beine kommen mögest!“ / „Una bella estate, Pontow, und ein schönes Jahr möge es für dich werden! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und liebe Grüße unserem jung gebliebenen Freund und Paten! GHL“ / Saskia Valassis (47), im Kurzurlaub mit Ihrer Familie / Konrad Wartenburg, „hervorragender Boulespieler/Feinmechaniker bei boule devant Berlin e.V., engagierter Gärtner und Frühsportler sowie herzensguter Freund. Alles, alles Liebe zum Geburtstag!“
Sonnabend – Lutz-Werner Brandt (83), Architekt, Designer, Grafiker, Bühnenbildner und Fassadenkünstler / Sabine Hark (59), Soziologin, leitet das Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU / Helga Jahrmann (90), herzliche Gratulation und alles Gute wünscht Petra / Steffen Krach(42), Politiker (SPD), Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung der Senatskanzlei / Gesine Lötzsch (60), für die Linke im BT / Robert Seethaler (55), Schriftsteller und Schauspieler / Jordan Torunarigha (24), Fußballer bei Hertha BSC / „Vincent, wir wünschen Dir alles, was man mit 25 so braucht: Eine Menge Glück, einen Eimer voll Geld, Tatendrang und Lebensmut; Es gratulieren Deine Eltern Guido & Angela“
Sonntag – Elke Bahrs-Discher, „AG-Leitung Rheumaliga AG Kleinmachnow – Alles Liebe zum Geburtstag und danke für Dein Engagement!“ / Sören Benn (53), Bezirksbürgermeister von Pankow (Linke) / Vladimir Darida (31), Mittelfeldspieler bei Hertha BSC / „Meine Schwägerin Gudrun kommt auch in die Jahre. Herzlichen Glückwunsch im fernen Oststeinbek bei Hamburg, Achim Melchior“ / Uwe Heinelt (53), Illustrator und Comiczeichner / Frank Lammers, Autor / Jan Josef Liefers (57), Schauspieler / Markus Pauzenberger (56), ehem. für die SPD im AGH (2006-11) / Dietmar Peters (72), ehem. Eishockeyspieler / Bernd Pohlenz (65), Zeichner und Cartoon-Künstler / Lena Stolze (65), Schauspielerin / Philipp Teschke, "Wow! Das ging irgendwie schnell: 18 Jahre schon – freue mich, dass Du heute Deinen Geburtstag feierst und wünsche Dir unendlich viel Glück und Erfolg für das neue Lebensjahr. Schön, dass es Dich gibt!, Dein Papa."/ Gernot Wolfram (46), Journalist und Schriftsteller
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Doris Graf, * 24. Juni 1941 / Dr. med. Gertrud Gumlich, * 29. Januar 1930 / Elke Hartmann, * 24. März 1969 / Michael Hetmann, * 24. September 1946 / Dr. Rolf Hosfeld, * 22. Juni 1948, Direktor des Lepsiushauses Potsdam / Michael Löber, * 23. September 1946
Stolperstein – Erna Wohl lebte in der Tile-Wardenberg-Straße 26 in Mitte. Am 3. August 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Drei Tage später – heute vor 79 Jahren – wurde sie dort ermordet.
Encore
Unsere vorerst letzte Reise zu den Berlins weltweit führt nach Jamaika (danke für den Hinweis an CP-Leser Uli Schrag). Berlin liegt hier in den Santa Cruz Mountains, in kurzer Distanz zu dem kaum größeren Potsdam. 2005 schickte die Berliner Zeitung zwei Reporter auf die karibische Insel, die bilanzierten: „Da ist nichts. Kein Laden, keine Kirche, keine Schule, kein Schild.“ Das gesamte Inventar von Berlin bestände allein aus ein paar vereinzelten Häusern mit Gemüsegärten und einer Telefonzelle ohne Hörer. Was es allerdings zu erwähnen gibt: Ein Stück weiter liegt das Munro-College, das u.a. der frühere jamaikanische Präsident Donald Sangster oder der Reggae-Star Protoje als Schüler besuchten. Der frühere Name ziert hier noch eines der Gebäude: „Berlin Basic School“. Und damit zurück nach Berlin, genießen Sie die letzten Ferientage, Montag geht die Schule los!
Für den Checkpoint Berlin studiert haben heute Thomas Lippold und Matthieu Praun (willkommen im Team!). Das Stadtleben hat Thomas Wochnik verfasst, den Frühdienst Florian Schwabe übernommen. Am Montag steht hier Lorenz Maroldt wieder auf der Matte! Machen Sie’s gut.