das ist wieder so ein Tag. Wieder so ein Morgen, an dem man die Verkehrswende in zu kurzen U-Bahnen und zu vollen S-Bahnen erleben kann (ab heute verstärkt durch den auf der Stadtbahn unterbrochenen Regionalverkehr). Wieder so ein Tag, auf dem man sich auf zu engen Radwegen nicht sicher sein darf, nicht doch von einem Zweiten-Reihe-Parker oder einem rechtsabbiegenden Lkw in einen wahrhaft toten Winkel abgedrängt zu werden. Wieder so ein Abend, bei dem man selbst auf dem Bürgersteig von einer rasenden gepanzerten Maschine um sein Leben gebracht werden könnte. Der plötzliche Tod von vier Fußgängern beim dramatischen Unfall in der Invalidenstraße, ausgelöst durch einen zu schnellen SUV, hat die Stadt zu Nachdenken gebracht – darüber, wie viel Blechmasse wir noch durch unsere Straßen hin- und herschieben wollen. Darüber, ob die „rücksichtslose Mobilität in der Ego-Kapsel“ (Jutta Maier im Tagesspiegel) nicht wenigstens teurer werden muss – auch wenn als Unfallursache ein epileptischer Anfall des Fahrers stärker in Betracht kommt und die Polizei weiter nach Unfallzeugen zur Aufklärung sucht. Unabhängig davon zeigt der Fall dieses Unfalls aber, warum Berlin sich so schwertut, Stadtverkehr in geregeltere Bahnen zu lenken. Selbst an der schrecklichen Unfallstelle.
Einen ganzen Montag lang brauchte es, um an der gefährlichen Kreuzung Invalidenstraße Ecke Ackerstraße eine Behelfsampel zu installieren, nachdem der Unfallwagen die bisherige Lichtmastanlage zerstört hatte. Die Ämter hatten derweil alle verfügbaren Hände voll zu tun, um sich gegenseitig die Verantwortung für die fahrige Verkehrspolitik zuzuschieben.
Unser Leser Wolf-Dietrich Braun schrieb am Montagvormittag folgende Mail an Mittes Bezirksbürgermeister:
„Sehr geehrter Herr von Dassel, natürlich kenne auch ich die genaue Ursache des Unfalls in der Invalidenstraße noch nicht. Allerdings kenne ich die Kreuzung seit langem und wir als Familie haben sie schon seit längerem als gefährlich eingestuft. Nun, ohne funktionierende Ampel, ist die Kreuzung noch gefährlicher geworden als sie es vorher schon war. Daher mein dringender Appell, dass Sie die maximal zulässige Geschwindigkeit kurzfristig auf 30 km/h reduzieren. Zudem bin ich dringend dafür, dass dort eine vollwertige Ampel installiert wird (und nicht lediglich wieder eine Fußgängerampel). Beste Grüße!“
Die Antwort aus dem Büro des Bezirksbürgermeisters kam so prompt wie pampig:
„Sehr geehrter Herr Braun, da sich der Bezirksbürgermeister von Dassel derzeit im Urlaub befindet, möchte ich Ihnen in aller Kürze antworten. Bezüglich der gewünschten Ampelinstallation und der Geschwindigkeitsreduzierung in der Invalidenstraße ist das Bezirksamt leider nicht zuständig. Für Ampeln ist allein die VLB (Verkehrslenkung Berlin), also Sen UVK (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz) zuständig. Die Zuständigkeit für die Anordnung von sog. Lichtsignalanlagen und die Änderung von Ampelschaltungen liegt bei der Verkehrslenkung Berlin. Dem beigefügtem Link sind weitere Informationen zu entnehmen. Mit freundlichen Grüßen!“
Das ist wieder so ein Tag.
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Eine Milliarde Jahre Berufserfahrung
Und immer noch hungrig wie am ersten Tag. Seit über einer Milliarde Jahren ernähren sich Mikroorganismen davon, im Wasser gelöste Stickstoffe in feste Biomasse umzuwandeln. Klar, dass wir auf so viel Know-how in Sachen Abwassereinigung nicht verzichten wollen: Mehr dazu auf bwb.de
Ein Rad ab hat Berlins Verwaltung auch bei der Radpolitik. Wenn man aber danach fragt, wie gerädert die Verkehrswege inzwischen sind, stößt auf Radlosigkeit. Beispiel ist eine Anfrage von FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja, der wissen wollte, wie viele Radwege in den vergangenen zwölf Monaten gebaut worden sind und wie viele im kommenden Jahr folgen sollen. Die dem Checkpoint vorliegende Antwort von Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese fällt berlinisch bestimmt, also gänzlich unbestimmt aus: „Eine entsprechend genaue und nach Bezirken unterscheidende Radwegebaustatistik in Berlin wird nicht geführt.“ Lediglich für die Einrichtung von Fahrradstraßen gibt es laut Streese "eine relativ zeitnahe statistische Erfassung". Demnach hätten die Bezirksämter seit Beginn der Legislaturperiode vier Fahrradstraßen neu eingerichtet. Das sind immerhin 1,3 im Jahr. Aber bestimmt kommen bald ganz viele Radwege dazu, oder? Keine Ahnung, weiß die Verkehrsverwaltung; schließlich gebe es hier "verschiedenste, nicht voraussehbare Faktoren". Nikolas Linck vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub kippt bei dieser Antwort aus dem Sattel. Er glaubt: „Da die Länge der neuen Radwege bislang überschaubar ist, kommt es der Senatsverwaltung vielleicht auch gelegen, sie nicht auf den Meter genau zu kennen." Erst recht nicht, wenn man nur millimeterweise vorankommt.
„Ach Ben, Ben, wo bist Du vor einem Jahr gewesen, wo vor drei Jahren? Welche Straßen bist Du gegangen, in welchen Flüssen hast Du gebadet, mit welchen Frauen hast Du geschlafen? Wiederholst Du nur eine geübte Geste, wenn Du mein Ohr küßt oder die Armbeuge?“ So rasant wie ein reißender Strom beginnt „Franziska Linkerhand“, der ungealterte und doch unvollendete Roman der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann. In jeder Zeile, fast schon leichtsinnigerweise von der Staatsführung 1974 postum zur Veröffentlichung freigegeben, war hier Leidenschaft zum Leben zu lesen, und hinter vielen Buchstaben viel Kritik herauszuhören am halben Deutschland, dass weder demokratisch noch eine Republik war und 1989 endlich über sich selbst fiel. Da war Brigitte Reimann längst schon zu früh gestorben. Doch ihre Texte leben weiter, wie auch sonst eine Menge DDR-Literatur das Land ihres Entstehens überdauert hat – mit feinen Beobachtungen, die die Revolution oft vorwegnahmen.
Aus solch freien Stücken lesen am Donnerstagabend im Schloss Schönhausen, dem einstigen Gästequartier der DDR-Führung, Schriftstellerinnen wie Daniela Dahn und Franziska Hauser. Auch Winfried Völlger und Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) sind beim musikalisch-literarischen Abend dabei, mit dem das Bezirksamt und der Tagesspiegel ein weiteres Mal gemeinsam „Geschichte von unten“ erzählen wollen. Ich selbst darf dabei aus Brigitte Reimanns Liebesroman vorlesen. Der Eintritt ist frei, aber frei sind auch nur noch wenige Plätze. Für Checkpoint-Leser verlosen wir fünf mal zwei Platzkarten – einfach per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. Wir freuen uns auf Sie – und auf einen reißenden Strom an Worten, die man am besten zwischen den Zeilen zu fassen bekam.
Auch wenn in Berlin nicht wenige Quartalsirre rumlaufen, die quartalsweise Entwicklung der Stadt ist eigentlich irre gut. Das zeigen die aktuellen Wirtschaftszahlen für das zweite Jahresquartal, die die Verwaltung von Senatorin Ramona Pop (Grüne) heute vorstellen wird und die dem Checkpoint bereits vorliegen. Demnach gab es in der Digitalbranche, genauer: der Informations- und Kommunikationstechnik, im Juni zehn Prozent mehr Beschäftigte als vor einem Jahr; auch der Onlinehandel machte mit einem Umsatzanstieg von mehr als 6 Prozent gut Kasse. Selbst in der sich verunsichert wandelnden Industrie lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 3,9 Prozent über dem Vorjahresstand; und die Beschäftigtenzahl in Berlin bleibt stabil. Wirtschaft kann Berlin also langsam gut. Nun muss die Stadt nur noch gut wirtschaften lernen.
Schwarz ärgern tut sich nicht nur die Wirtschaft über Schwarzarbeit. Erst recht nicht, wenn sie vom Bezirksamt Reinickendorf schwarz auf weiß gefördert wird. 90 Millionen Euro hoch ist der Schaden, der laut der Finanzkontrolle Schwarzarbeit im vergangenen Jahr durch illegale Beschäftigung in Berlin entstanden ist. Besonders oft betrogen wird am Bau, in Restaurants, im Transportgewerbe und bei der Reinigung. Nicolae Caraus, 39, kam aus Moldawien, um in Berlin im Sommer Schulen zu putzen - Arbeiten, die das Bezirksamt Reinickendorf ausgeschrieben hatte. Tagsüber schrubbte er, nachts schlief er in einem heruntergekommenen Haus in Brandenburg. Geld verdiente er nicht, Caraus landete auf der Straße und dann in einer Flüchtlingsunterkunft. Seine Geschichte hat er Ann-Kathrin Hipp und Julius Betschka erzählt – nachzulesen hier. Danach fällt es schwer, die Welt nicht so schwarz zu sehen wie sie manchmal doch ist.
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Zusammen mit der GESOBAU beliefert Vattenfall rund 13.500 Wohnungen im Märkischen Viertel mit Wärme aus regionaler Biomasse. Es ist damit das größte zusammenhängende Wohngebiet Deutschlands, das komplett klimaneutral beheizt wird. Für ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation. Begleiten Sie uns auf dem Weg dorthin: vattenfall.de/fossilfrei
Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ‘ne kleine Trance. Zumindest im verwilderten Spreepark, in dem man einst mit dem Sozialismus Achterbahn fahren konnte und in dem sich heute Fuchs und Feldhase Guten Morgen sagen. Auf dem weiten Feld im Plänterwald rostet nicht nur das Riesenrad vor sich hin, hier rasten auch Menschen, die in spirituellen Workshops als Ameisen herumkrauchen – bezahlt von der landeseigenen Parkgesellschaft „Grün Berlin“, die hiermit „Wahrnehmungen von Raumimpressionen“ erkunden will. Am Wochenende werden die Ergebnisse im dann mal geöffneten Spreepark präsentiert. Damit dem Publikum dabei kein Ameisenbär aufgebunden wird, warnt Insektentänzer David beim Workshop: „Vorsicht, hier liegt Waschbärenkot.“ Endlich mal Bürgerbeteiligung, die sich gewaschen hat.
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Vom 12.-15. September 2019 können auf der POSITIONS Berlin Art Fair im Hangar 4 des Flughafens Berlin-Tempelhof herausragende Positionen der zeitgenössischen und modernen Kunst bei 70 internationalen Galerien während der Berlin Art Week entdeckt werden. Die Kunstmesse wird von einem vielseitigen Rahmenprogramm begleitet: https://positions.de
Klar, die D-Mark war am Ende eine Währung auf Bewährung. Aber nun schlägt der T-Euro selbst bei „dm“ zu. Der beliebte Drogeriediscounter hat in den letzten drei Wochen heimlich, still und gar nicht weise die Preise von mehr als 1000 Produkten erhöht – insbesondere im Onlineshop haben sich die Rechnungen für Waschmittel und Seife ordentlich gewaschen (via „Lebensmittelzeitung“ und dann auch „Wirtschaftswoche“). „Wir haben uns dazu entschieden, unsere Preisstrategie stationär und online neu auszurichten“, lässt Konzernchef Erich Harsch seifig wissen. Für welche Filialen welche Preise gelten, bleibt allerdings klar wie Waschmaschinenbrühe. Hier sollte der Konzern auf jeden Fall bald Rossmann und Reiter nennen.
Und damit schalten wir um zur allseits unbeliebten Serie: Kann Annegret Kramp-Karrenbauer Kanzlerin werden? Hören wir doch mal rein, was die Selbstverteidigungsministerin zu folgender Zuschauerfrage der ARD zu sagen hat: „Warum werden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer?“ Antwort der CDU-Chefin: „Das ist zumindest gefühlt so, nicht jede Statistik gibt das her. Ich würde mir als CDU-Vorsitzende wünschen, und das ist auch Ansatz unserer Politik, dass wir mehr Menschen in Deutschland in die Lage versetzen, selbst Eigentum zu bilden – zum Beispiel insbesondere Wohneigentum. Denn wenn man das mit anderen Ländern in Europa vergleicht, haben wir eigentlich eine relativ geringe Quote von Eigenheimbesitzern. Ich würde mir wünschen, dass es wesentlich mehr werden.“ Armut in Deutschland – offenbar ein bloßes Immobilienproblem. Haste mal ‘ne Wohnung?
Berliner Schnuppen
Telegramm
Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. Bauen. So viele, viele Wohnungen hat der Bund gebaut in dieser Legislaturperiode. Schließlich war ja bezahlbarer Wohnraum für die Beamten in Berlin versprochen worden beim Wohnungsgipfel der Regierung vor einem Jahr. Wie bitte, Sie haben nachgezählt? Es waren tatsächlich ganze 40. Das ist tatsächlich der Gipfel.
Knallköpfe sollen in Berlin nicht mit Feuer werken. Deshalb gilt dieses Jahr in der Schöneberger Pallasstraße und am nördlichen Alexanderplatz ein Böllerverbot. Am Alex allerdings werden Jahreswechsel längst nicht mehr gefeiert - hier präsentiert sich der herbstliche Weihnachts-Frühlingsmarkt-Sommerbasar in zeitlos bretterbudiger Unschönheit. Zum Glühweinen.
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Sebastian Krämer ist laut Stilbruch, dem Kulturmagazin des rbb Fernsehens, „der größte Kleinkünstler Deutschlands“. Und bevor ihm nach 25 Bühnenjahren schon wieder Neues einfällt, ergreift Krämer die Gelegenheit, die Magie der halbrunden Zahl werbetechnisch auszuschlachten: 25 Lieder aus irgendwelchen 25 Jahren aus seinem unüberschaubaren Werk.
17. - 22. September | BAR JEDER VERNUNFT
Kommen wir zu den Weichen-Themen. Und einem knallharten Arbeiterlied, gesungen am Montag vom morgendlichen Pendlerproletariat:
„S-Bahn, hör die Signale /
Auf zum letzten Gefecht /
Die nächste Signalstörung /
ist kein Berliner Recht.“
Dann laufen wir eben nach Kiezhausen. Im Kinderkaree an der Wichertstraße liegt am Wegesrand ein Babyschnuller auf einem liegen gelassenen Frauen-Absatzschuh (Beweisfoto hier). Da hat wohl jemand kehrt gemacht.
Als ob das mit den AfD-Erfolgen nicht schon genug wäre. Nun wurde sogar ein namhafter NPD-Vertreter als Ortsvorsteher gewählt – unterstützt von CDU, SPD und FDP. Das ist wirklich mal wieder typisch Ostdeutschl…, ach nee: war ja Hessen.
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Tagesspiegel IFA-Gewinnspiel
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Ganz schön matt, die olle Scheibe. Nach einem gähnenden Tatort, bei dem zum Einschlafen KI-Tropfen verabreicht wurden, gab es gestern im Fernsehen Rumpelfußball vom Gröbsten mit der Fußball-Nationalmannschaft. Wird Zeit, dass der Verträge mit Kommissarin Lena Odenthal und Bundestrainer Joachim Löw vorzeitig bis 2030 verlängert werden, damit da wieder Schwung auf den Schirm kommt.
Drei schlechte Nachrichten für Berlin:
1. Ein israelischer Tourist ist vor dem Klub Matrix in Friedrichshain angegriffen worden, nachdem er mit seinen Freunden hebräisch gesprochen hatte. „Mittlerweile muss man den Eindruck bekommen, dass sich in Berlin verabredet wird, um Jagd auf Juden zu machen“, beklagte Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde.
2. Eine Rollstuhlfahrerin kam am Bahnhof Alexanderplatz nicht in die U-Bahn, weil die dauerhaft drängelnden Menschen es nicht vermochten und nicht vermögen wollten, ihr genügend Platz zum Einstieg zu verschaffen (dokumentiert von Friederike Busch). Auch beim Einstieg mit dem Rollstuhl mochte niemand helfen.
3. Das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten ist offenbar beschädigt worden. Das Sichtfenster, durch das man einen Kuss-Szene sehen kann, sei „intensiv mit weißer Farbe beschmiert“ worden, teilte der Lesben- und Schwulenverband mit und erstattete Anzeige. Nicht zum ersten Mal.
Drei gute Nachrichten für Berlin:
1. Acht Passagiere eines Eurowings-Fluges aus Italien kamen gestern nach Turbulenzen zum Teil schwer verletzt in Tegel an. Hier wurden sie aber umgehend und umfassend versorgt. Immerhin in dieser Hinsicht bietet Berlin einen sicheren Flughafen.
2. Klimawandel in Berlins Politik: Die Verwaltung schafft sich Technik für Videokonferenzen an, um sich sinnlose Flüge zu innerdeutschen Konferenz-Ausflügen zu sparen. Hoffnung ist im Anflug.
3. Bitte nach dem heutigen Tag selbst ausfüllen.
London’s last calling: Großbritannien ist weiterhin Mitglied der EU und hat weiterhin keine handlungsunfähige Regierung, weiß aber immer noch nicht, wieso, weshalb, warum und wie lange.
Und auch das noch: Neandertaler waren früher größer als gestern noch gedacht. Nach der Untersuchung urmenschlicher Fußabdrücke in der Normandie wissen Forscher heute: Der Mensch war anfangs ungefähr 1,89 Meter groß. Wahre Größe hat er allerdings bis heute nicht erreicht.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die Zugabe-Rufe klingen auf jeden Fall anders: Sugobä!“
Tobias Künzel von der Popband „Die Prinzen“ über das Publikum in Berlin und Leipzig
Tweet des Tages
Die S-Bahn fährt nicht, und in der rappelvollen U-Bahn zieht sich gerade jemand nackt aus und hält einen Vortrag über 'die drei Plagen'. Guten Morgen, Berlin
Stadtleben
Essen – Der Spätsommer macht erst mal Pause und man kann seine Freizeit endlich wieder guten Gewissens in geschlossenen Räumen verbringen, z.B. in der Alten Schönhauser Straße 6. Dort gibt es bei Yamyam das vermutlich beste koreanische Essen Berlins. Das Restaurant strahlt mit seinen eng beieinanderstehenden Holztischen und -bänken, den hohen Decken und der hellen Beleuchtung zwar eher etwas von der Gemütlichkeit eines Imbisses aus und lädt weniger dazu ein, den ganzen Abend dort zu verbringen. Aber der Service ist freundlich und das Essen großartig. Auf der Speisekarte steht natürlich der koreanische Klassiker Bibimbap (ab 9 Euro) in verschiedenen Variationen, es gibt aber auch Suppen, Kleinigkeiten wie Gimbab (koreanisches Sushi) oder Spinatsalat und Wraps, die man selbst befüllen kann. Außerdem sollten Sie den hausgemachten Eistee mit frischer Minze oder eines der koreanischen Biere probieren. U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz, tgl. 12-23 Uhr, Fr/Sa bis 24 Uhr
Trinken – Ein paar Meter weiter, in der Torstraße 68, hat kürzlich die „Emi Wynehouse“-Pop-up-Bar eröffnet, die es nur für ein Jahr geben wird. Sie ist die kleine Schwester der Sharlie-Cheen-Bar. Die Barkeeper seien zwar auf den ersten Blick sehr „mittig“, schreiben die Kollegen von Mitvergnügen, dann aber doch sehr nett und vor allem kompetent. Es gibt verspielte Eigenkreationen, selbst gemachte Liköre und Limos, die Spirituosen kommen von Manufakturen aus der Umgebung wie Berliner Brandstifter. Klingt nach richtig guten Drinks. Allein: Wer bei der Assoziation mit dem Namen Amy Winehouse Rock’n’Roll und eine leicht schmuddelig-gemütliche Pub-Atmosphäre à la Camden Town erwartet, wird enttäuscht werden. Die Bar verfolgt eher einen urbanen Look mit schwarzen Tischen, neonfarbener Tape Art und Projektoren, die Bilder an die Wände werfen. U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz, tgl. 18-2 Uhr
Berlinbesuch die Zukunft zeigen. Nicht bei einer Handleserin oder im Kaffeesatz, sondern im neu eröffneten Futurium nahe dem Hauptbahnhof. In dem Museum soll sich alles um die Frage „Wie wollen wir leben?“ drehen, dazu gibt es Workshops, Führungen und Diskussionsveranstaltungen. Präsentiert werden zukunftsrelevante Themen wie grüne Städte, Essen aus dem Labor oder vertikale Bauernhöfe, nachwachsende Baustoffe und Kunststoffe aus der Natur. Im Lab können die Besucher mit 3D-Druckern arbeiten oder Roboter programmieren. Alexanderufer 2, Berlin Hbf, Mi-Mo 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Eintritt frei
Geschenk – Wer das Besondere sucht, ist mit Shopping-Centern in der Regel schlecht beraten, weshalb wir Ihnen auch nie und nimmer leichtfertig eines empfehlen würden. Tun wir auch nicht – es ist vielmehr so, dass wir, wie immer, auf das Besondere hinweisen. Und das kommt heute von sich aus ins Potsdamer Stern-Center. Es geht um die Ausstellung „Möbel und Mehr“, eine Werkschau des Landeswettbewerbs „Die Gute Form“. Dabei werden 14 Gesellen- und ein Meisterstück von Brandenburger Tischlerinnen gezeigt, die von der Jury das Prädikat „herausragend“ erhalten haben. Alles Unikate natürlich, wie ihre Macher. Und die freuen sich über Aufträge für neue Unikate – besondere Geschenke. Tramhalt Stern-Center/ Gerlachstr.
Last-Minute-Tickets – In der Gestaltung von Stadtraum spielt die Akustik eine untergeordnete Rolle: Während in visuelle Ideen Unmengen an Zeit und Geld investiert werden, ist die akustische Seite meist auf die Einhaltung von Lärmschutzverordnungen beschränkt. Dabei hat die Beschaffenheit von Geräuschkulissen einen wesentlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden, die Lebensqualität und sogar die Leistungsfähigkeit. Kreative Möglichkeiten, die urbane Akustik lebendig und trotzdem gut zu gestalten, vermittelt der Künstler und Klangforscher Sam Auinger seit Jahrzehnten in künstlerischen Interventionen wie Seminaren, zwischen UdK, Ars Electronica und Harvard University. Heute gibt er ab 19.30 Uhr im KM28 eine Präsentation seiner Arbeit, anschließend bespricht Åsa Stjerna Herangehensweisen an das Feld Stadt und Klang mit ihm. U-Bhf Hermannplatz
Noch hingehen – Beim „Cogito ergo sum“-Gedanken hatte René Descartes das größte Heureka!-Erlebnis seines Lebens. Einen Augenblick lang hatte er sich von Sophia, der geliebten Weisheit (bekannt aus Philo-Sophia), zurückgeliebt gefühlt. Danach kam der Absturz: Wie man seiner Brief-Korrespondenz entnehmen kann, sehnte er sich für den Rest seines Lebens nach einer Wiederholung der Ekstase und wurde darüber unglücklich. Bei Albert Einstein ist es besser gelaufen: Sein „glücklichster Gedanke“ (die Relativität) hielt länger vor und sorgte für unzählige Folge-Höhepunkte im Verlauf seines Lebens. Jacques Derrida beschrieb solche Momente einmal als Masturbationen weißer Männer, aber das ist ein anderes Thema. Für die Künstlerin Agnieszka Polska ist Einsteins glücklichster Gedanke jedenfalls der Ausgangspunkt für eine Performance-Séance, die seit einigen Tagen auf dem Mariannenplatz (je von 11-15 sowie 16-21 Uhr) eine prähistorische Tabula-rasa-Welt heraufbeschwört. Heute zum letzten Mal, danach wieder die Sehnsucht. Eintritt frei.
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Nur für kurze Zeit.
Das Stadtleben heute von Jana Weiss und Thomas Wochnik
Berlin heute
Verkehr – Zwischen 21 und 5 Uhr ist der Tiergartentunnel in beide Richtungen gesperrt. Auf der Zehlendorfer Clayallee ist stadteinwärts zwischen Berliner Straße (B1) und Riemeisterstraße/ Winfriedstraße nur eine Spur frei, vsl. dauern die Arbeiten bis Mai 2020. Ebenfalls nur einen Fahrstreifen gibt's auf dem Weißenseer Weg (Fennpfuhl) in Richtung Hansastraße zwischen Konrad-Wolf-Straße und Fritz-Lesch-Straße, hier aber nur bis Freitag. In Friedrichshain ist Rigaer Straße von 7 Uhr an bis in den Abend hinein in beiden Richtungen zwischen Voigtstraße und Waldeyer Straße gesperrt, Rad- und Fußverkehr ist möglich. Außerdem staut es sich ab ca. 18 Uhr rund um die Mercedes-Benz-Arena, wo Muse aufspielen. Die S8 ist von 22 Uhr an bis ca. 1.30 Uhr zwischen Baumschulenweg und Greifswalder Straße unterbrochen, es lässt sich auf die Linien S9, S41 und S42 ausweichen. Bis 14. Oktober ist außerdem der Abschnitt Zoologischer Garten <> Berlin Hauptbahnhof für Fern- und Regionalzüge gesperrt – betroffen sind RE1, RE2, RE4, RE6, RE7, RB14, RB21, RB22 sowie der IRE Berlin-Hamburg. Weitere Informationen finden Sie hier.
Demonstration – Zwischen 11 und 12 Uhr versammelt sich das Inkota-Netzwerk mit ca. 50 Personen am Platz der Republik zu einer „Kundgebung mit Pressefotoaktion zum Auftakt zahlreicher NGOs und Gewerkschaften für ein deutsches Lieferkettengesetz“. Etwa 300 Demonstrierende fordern mit dem Verein ALS-mobil vor dem Bundesgesundheitsministerium an der Friedrichstraße 108: „Finger weg von der Selbstbestimmung –lasst Pflegebedürftigen ihr Zuhause“ (15-18 Uhr).
Gericht – Gegen einen 20-Jährigen beginnt der Prozess um drei körperliche Angriffe. In einem Fall soll der Mann an einer Haltestelle ein fünfjähriges Mädchen, das in Begleitung seiner Mutter war, auf den Arm genommen und gebissen haben. Der Mann gilt als psychisch krank (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 736).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Jossif Gofenberg (70), „,Familienvater' von Gofenberg&Chor, die Pflege jiddischen Liedguts hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht“ / Lutz Hachmeister (60), Medienforscher, Publizist und Filmemacher / Markus Kringel (50), „Referent in SenBildJugFam und Kringelfamilie, Hofpunk und Spandauer im Exil“ / Elke „Käthe“ Kruse (61), Künstlerin, Performerin und ehem. Schlagzeugerin der „Tödlichen Doris“ / Alina Levshin (35), Schauspielerin / Heinz Landwehr (64), Chefredakteur der Verbraucherzeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest / Dagmar Lipper, „Kommunalpolitikerin, Nachtigall Zuhörerin, ,Transport Strategy'-Visionärin: Eine runde Sache. Alles Liebe von Uli“ / Mama Marianne (85), „Bis gleich!“ / „Besser spät als...: Laura Hofmann, Checkpointerin, Leute-Autorin und Tagespiegel-Redakteurin für Landes-und Bezirkspolitik, nachträglich alles Gute wünscht Team Checkpoint!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Nicola Draheim, * 6. Juni 1962 / Carola Enke-Langner, * 24. Juni 1955 / Hans Rainer Lange, * 7. September 1938 / Helmut Poetter, * 22. Mai 1938
Stolperstein – Bevor sie am 29. Oktober 1941 von Grunewald nach Łódź/ Litzmannstadt deportiert wurde, lebte die Buchhalterin Marie Hamburger (geb. Jentes, Jhg. 1884) in der Köpenicker Straße 28. Heute vor 77 Jahren wurden sie nach Chełmno/ Kulmhof verlegt, wo sie noch am selben Tag ermordet wurde.
Encore
So, letzte Ausfahrt Spandau, nee, Berlin, huch, wieder Spandau, Moment mal, doch Berlin. Was das soll? Das fragen Sie mal die Einwohner der niederländisch-belgischen Grenzstadt Baarle, die nach gerade mal 40 Jahren Bauzeit eine gemeinsam geplante Ortsumgehung fertiggestellt haben (via „Tagesschau“). Wer hier langfährt, wechselt auf fünf Kilometern acht Mal das Land. Aber niemals die Straßenseite. Und die gute Laune sowieso nicht. Wie in Spandau eben.
Okay, das war jetzt doch ein Scherz.
Morgen geht’s hier witzig und hitzig weiter mit Lorenz Maroldt. Und ich? Ich grüße Sie,
