Heute erreichen die beiden endlich Berlin, der Sommer und die Ferien – und zwei Strahlegäste landen gleich mit und bleiben bis zum Herbstanfang (also bis morgen Abend). Das royale Paar William und Kate – der senilen Euro-Flucht im eigenen Königreich entflohen – verzichtet auf hoheitlichen Glamour und fährt lieber zu den Straßenkindern von Marzahn. Da ist heute Zeugnistag, und das ist in prekären Familien nicht immer ein feierliches Ereignis. Was das Paar sonst so erlebt im Sommer vorm Brexit, steht ab heute Mittag in unserem Liveblog auf www.tagesspiegel.de – und abends leuchten Europas Sterne am Himmel über Berlin.
Pommes Schranke kennt jeder – aber wer kennt schon Schranke rot-weiß-nicht? Mehr als 120 lange Minuten lang blinkte und tutete der Schlagbaum am S-Bahnhof Buckower Chaussee, nachdem er sich wegen einer vorbeifahrenden Bahn mittags gesenkt hatte und nicht wieder erhob. Hunderte Menschen sammelten sich am Gleis, Autos und Laster stauten sich auf vier Spuren, dutzende Busse wurden umgeleitet, vorbei an der tutenden Schranke, welche mittlerweile einen größeren Polizeieinsatz auslöste. Bis ein Techniker am Nachmittag kam, sich die Barriere schließlich hob und wieder senkte – für weitere viele Stunden bis in den Dienstagabend, wo weitere Techniker kamen, vergeblich. Heute wird weiterrepariert; eine Erklärung hat die Bahn dafür nicht. Vielleicht fehlt schlicht eine Schrankerlaubnis.
Das wäre mit Videoüberwachung nicht passiert: Heimlich, still und gar nicht weise hat die Initiative für mehr Videoüberwachung ihre umstrittene Webseite geändert – und tut nun so, als führe sie dort eine Debatte über den Sinn von Kameras auf öffentlichen Plätzen. Wie von Chef-Checkpointer Lorenz Maroldt aufgedeckt, wehrt sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller mit anwaltlichem Geschütz gegen die Verbreitung eigener Zitate für diesen Zweck. Die Initiative wiederum wehrt sich dagegen mit dem Argument, sie habe ja auch kritische Stimmen auf der Seite abgebildet. Die allerdings hat sie – wie man nachverfolgen kann – erst nachträglich eingefügt. Gut, dass es für diese Show schon die passende Begleitmusik von Rudi Carrell gibt: „Lass Dich überwachen, schnell kann es gescheh’n...“
In Tegel kriegt man als Passagier ja gerne einen vorgekoffert. Und es muss nicht mal ein Hochzeitsanzug sein (Checkpoint von gestern), der in den ewigen Jagdgründen von Aeroground verschwindet, dem in Berlin am Boden liegenden Bodendienstleister. Hier in Kurzform eine unfreiwillige Eigenrecherche nach einem Eurowings-Flug, durchgeführt von Germanwings: Ohne Gepäck in Berlin angekommen, landet man schließlich am überfüllten Hilfeschalter in Tegel und kriegt dort die Auskunft: Man solle sich lieber online melden bei der Wisag, dem in diesem Falle zuständigen Bodendienstleister. Online heißt es bei der Wisag: Für diesen Flug sei man nicht zuständig; man solle bei Eurowings fragen. Da kommt man telefonisch gar nicht durch. Also Anruf in Tegel, wo man denn nun anrufen soll: bei der Lufthansa, heißt es - wegen Germanwings. Nach vielen Schleifen in langen Warteschleifen heißt es von der Lufthansa: Für Germanwings sind wir nicht zuständig. Also noch mal in Tegel nachgefragt und die Nummer von der Wisag bekommen. Wie es weitergeht, erfahren Sie gleich nach einer kurzen Wartezeit, Moment mal…
Wo waren wir? Ach ja, bei der Gepäckvermittlung der Wisag: Hier kann man 50 Mal anrufenund immerhin vier verschiedene Gesprächsvarianten erleben: Eine automatische Männerstimme sagt, man solle später anrufen. Dann tutet es. Oder: Es klingelt ohne Ende. Oder: Eine automatische Frauenstimme nimmt scheinbar ab, sagt: „Wisag Gepäckermittlung“ und legt wieder auf. Oder: Ein echter Mensch geht ran, „kleinen Moment bitte“, und schon ist man in der Warteschleife, aus der man nie wieder herausfindet. Also ein letztes Mal nachgefragt beim Flughafen Tegel: Was nun noch? Einfache Antwort: Einfach weiter bei der Wisag anrufen, „da reichen 50 Mal nicht“. Und wenn auch 500 nicht reichen? Dann solle man es eben bei Germanwings versuchen. Stimmt, die Warteschleife gibt’s ja auch noch.
Heiteres Berufewarten herrscht auch im Senat. Denn gegen die nominierte Lieblings-Generalstaatsanwältin Margarete Koppers wird nicht nur wegen möglicher Verwicklungen in die Schießstandaffäre der Berliner Polizei ermittelt, der Widerstand gegen die Durchdrück-Kandidatin von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) in den Reihen von Justiz und SPD wächst. Brandenburgs Generalstaatsanwalt und SPD-Bundestagskandidat Erardo Rautenberg teilt heute im Tagesspiegel aus gegen das Auswahlverfahren von Behrendts Vorgänger Thomas Heilmann (CDU) - „nicht sachgerecht“ - und gegen die nicht weniger seltsame Neuauslese von Behrendt - „sachwidrige Erwägungen“. Zum Schluss stellt Rautenberg eine nicht gerade sachfremde Frage: Warum soll in Berlin eine Frau Generalstaatsanwältin werden, die nie als Staatsanwältin tätig war? Wie es aussieht, sieht man sich wohl in dieser Sache vor Gericht. Auf hoher und in schwerer See.
Telegramm
Geiselgangster Erdogan ist immer noch auf freiem Fuß. Nachdem der türkische Staatschef nahezu all seine Landsleute verhaftet hat, greift er verstärkt auf deutsche Journalisten und internationale Menschenrechtler zurück. Der Friedensarbeiter Peter Steudtner, Familienvater aus Prenzlauer Berg, wurde am Dienstag in Untersuchungshaft gesteckt, weil er sich erdreistet hatte, in einem Workshop von „Amnesty International“ in Istanbul über Menschenrechte zu sprechen. Im Sultanat Erdogan gilt das schon als Aufruf zum Putsch.
1 + 1 = 3. Diese Gleichung geht nur an Berliner Flughäfen auf. Während der Senat noch davon träumt, in Schönefeld die Brandschutzanlage abzudichten, um in Tegel das Terminal dicht zu machen, verdichten sich Hinweise auf einen ganz neuen Plan: Europas größte Fluglinie Ryanair verlangt jetzt einen dritten Airport für das boomende Berlin. Damit wäre dann der Volksentscheid Tempelhof endgültig am Ziel: Hier werden bestimmt keine Wohnungen mehr gebaut.
Bevor wir hier abheben, schnell noch ein paar Ideen der Checkpoint-Leser zur Zukunft der Gartenschau-Seilbahn. „Die SPD sollte sie betreiben, damit es da mal wieder aufwärts geht“, meint Harry Sebekrow. Einen Berg mit Alpin-Bahn regt dagegen Carola Enke-Langner fürs Tempelhofer Feld an. Wenn hier allerdings tatsächlich Berlins dritter Flughafen hinkommen sollte, muss man wohl auf den BER ausweichen. Marion Uhrig schlägt dort eine Hochbahn für den Koffertransport vor. Von unten könnte dann jeder sein verlorenes Gepäckstück sehen.
Schlimme Enthüllung in Spanien: Hier wurden hohe Fußballfunktionäre vorläufig verhaftet; wegen möglicher Korruption. Gut, dass das in Deutschland nicht passieren kann – das mit der Korruption.
Halb so Wild – dachte sich die AfD in Berlin zu lange, obwohl ihr Rechtsaußen Andreas Wild ein ums andere Mal mit Parolen provozierte. Nun stimmte eine große Mehrheit der Fraktion für seinen Rauswurf. Wild ist fortan fraktionslos, doch los ist ihn die Partei nicht. Da will er bleiben, am rechten Rand.
Am salafistischen Rand ist Berlin auch eine wachsende Stadt. Fast 900 radikale Anhänger zählt der aktuelle Verfassungsschutzbericht.
Kommen wir zu den Rausschmeißern: „Macht’s jut! War knorke.“ So berlinisch verabschiedet sich das alte Kantinenkollektiv der untergehenden Ost-Berliner Volksbühne (Foto via Matthias Rau). Heute gibt’s die letzten Küchenreste. Auf ost-berlinisch heißt das wohl: Soljanka für alle.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Natürlich würden wir es begrüßen, wenn man in der Schule Tanz fördern könnte, anstatt zu sagen: Gertrud und Otto laufen jetzt 100 Meter und wenn Gertrud langsamer ist als Otto, bekommt sie eine schlechtere Note.“
Fabian Blume, Generalsekretär der Partei „Die Urbane – eine HipHop-Partei“, die in Berlin zur Bundestagswahl antreten wird.
Wenn Sie sich noch an Ihre erste Wahl erinnern können, am besten in den 80ern oder 90ern, dann können Sie bald Tagesspiegel-Videostar werden – vielleicht sogar mit HipHop-Musik im Hintergrund. Schreiben Sie einfach an checkpoint@tagesspiegel.de.
Stadtleben
Die Schlange ist länger, als man in Berlins veganisierter Mitte erwartet, denn aus dem Imbissanhänger in der Invalidenstraße 5 (S-Bhf Nordbahnhof) wird Wurst statt Tofu gereicht. Im Winter verkauft Betreiber Niko Wild für den Weihnachtsbraten und Nordmanntannen, im Sommer Wildbratwurst mit Fleisch aus Rügener Jagdgründen. Den Berlinern, Touristen und hungrigen Start-Upplern, die sich für gewöhnlich um zwei Stehtische und zwei Holzbänke an Ketels Grill drängen, mundet aber vor allem die Currywurst (gegrillt, nicht frittiert). Ganz Verwegene bestellen eine Käsekrainer – wie die schmeckt, hat Julia Prosinger getestet. Di-Sa 12-21 Uhr
Früher Haus des Reisens, heute House of Weekend – beides passt. Denn ein Ausflug auf die Roof Garden im 17. Stock des Hochhauses am Alexanderplatz ist wie eine kleine Reise ins urbane Berlin. Und ein Drink zum Sonnenuntergang auf der Dachterrasse fühlt sich an wie Wochenende – auch wenn es erst Mittwoch ist. Heute mit Korean BBQ. Alexanderstraße 7, tgl. ab 19 Uhr