365 Tage ohne Anklage, ohne Akteneinsicht und ohne Gerichtsbeschluss: Seit genau einem Jahr sitzt der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel im Gefängnis, weil Erdogan Journalismus für Terrorismus hält. Kein Einzelfall. In der Türkei wird Pressefreiheit klein geschrieben. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 wurden mehr als 100 Journalisten verhaftet, rund 150 Medien geschlossen und 700 Presseausweise annulliert (Q: „Reporter ohne Grenzen“). Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte der Checkpoint an dieser Stelle eine Liste aller in der Türkei inhaftierten Journalisten. Gebessert hat sich seitdem nichts. Die aktuelle Version der Plattform „P24“ zählt 157 Namen. Jeder einzelne Grund genug, weiter für die Freiheit zu kämpfen: #FreeDeniz #FreeThemAll.
Abdulkadir Turay, Abdullah Kaya, Abdullah Kılıç, Abdullah Özyurt, Abdulvahap İş, Ahmet Altan, Ahmet Feyzullah Özyurt, Ahmet Memiş, Gazeteci, Ahmet Metin Sekizkardeş, Ahmet Şık, Ahmet Turan Alkan, Ahmet Yavaş, Akın Atalay, Alaattin Güner, Ali Ahmet Böken, Ali Aşikar, Ali Babür Boysal, Ali Bulaç, Ali Sönmez Kayar, Ali Ünal, Ali Yüce, Arafat Dayan, Aslı Ceren Aslan, Ayhan Demir, Ayşe Nazlı Ilıcak, Ayşenur Parıldak, Aytekin Gezici, Aziz İstegün, Barış Ceyhan, Bayram Kaya, Behram Kılıç, Beytullah Özdemir, Burak Ekici, Burçin Dokgöz, Cemal Azmi Kalyoncu, Ceren Taşkın, Cuma Kaya, Cuma Ulus, Cüneyt Seza Özkan, Çağdaş Erdoğan, Deniz Yücel, Emin Demir, Emre Soncan, Ercan Gün, Erdal Süsem, Erdal Şen, Erdoğan Alayamut, Erol Yüksel, Erol Zavar, Fahrettin Kılıç, Faruk Akkan, Ferhat Çiftçi, Fevzi Yazıcı, Gökçe Fırat Çulhaoğlu, Gurbet Çakar, Gültekin Avcı, Habip Güler, Hakan Aksel, Hakan Ergün, Hakan Taşdelen, Halil İbrahim Mert, Hamit Dilbahar, Hamza Günerigök, Hanım Büşra Erdal, Hasan Duman, Hatice Duman, Havva Cuştan, Hayati Yıldız, Haydar Ergül, Hidayet Karaca, Hüseyin Aydın, Hüseyin Turan, İbrahim Kareyeğen, İdris Okur, İdris Sayılgan, İdris Yılmaz,İshak Karakaş, İsmail Efe, İsmail Ersan, İsminaz Temel, Kamuran Sunbat, Kemal Demir, Kemal Özer, Kenan Karavil, Mehmet Ali Ay, Mehmet Altan, Mehmet Baransu, Mehmet Dener, Mehmet Güleş, Mehmet Gündem, Mehmet Kuru, Mehmet Özdemir, Meltem Oktay, Mete Cem Bahtiyar, Mikail Barut, Miktat Algül, Mizgin Çay, Muhammet Taşçılar, Muhsin Pilgir, Murat Avcıoğlu, Murat Çapan, Murat Dağdeviren, Murat Sabuncu, Mustafa Erkan Acar, Mustafa Gök, Mustafa Ünal, Mutlu Çölgeçen, Mutlu Özay, Mümtazer Türköne, Nadir Yücel, Nedim Türfent, Nizamettin İzgi, Nuh Gönültaş, Nur Ener, Nuri Durna, Nuri Yeşil, Nurullah Kaya, Oğuz Usluer, Osman Yakut, Ömer Oruç, Özcan Keser, Rabia Özkaya, Ramazan Alkan, Resul Cengiz, Sadık Demir, Sait Gürka Tuzlu, Salih Erbekler, Sami Tunca, Seda Taşkın, Semiha Mete, Serhat Şeftali, Serkan Aydemir, Seyid Kılıç, Seyithan Akyüz, Şahabettin Demir, Şahin Alpay, Şeref Yılmaz, Şerife Oruç, Tahsin Kürklü, Togay Okay, Tuncer Çetinkaya, Turgut Usul, Ufuk Şanlı, Ünal Tanık, Vahit Yazgan, Veli Büyükşahin, Veli Haydar Güleç, Yakup Çetin, Yakup Şimşek, Yalçın Güler, Yasir Kaya, Yener Dönmez, Yetkin Yıldız, Yılmaz Kahraman, Zafer Özsoy, Zehra Doğan, Ziya Ataman
Die Polizei, unser Freund und Helfer, braucht in Berlin dringend selbst Unterstützung. Die dienstlichen Gebäude sind von Schimmel und Ratten befallen, die Schießanlagen marode, viele Stellen nicht besetzt und die Beamten immer wieder Angriffen ausgesetzt. Kein Wunder, dass der Krankenstand auf Rekordniveau steigt. Durchschnittlich sieben Wochen war 2016 jeder Polizeibeamte arbeitsunfähig (Q: Anfrage Marcel Luthe). Ähnlich sieht es bei der Feuerwehr aus. Statt weiterhin damit zu werben, dass die Beamten immer für uns da sind, sollten die Behörden vielleicht anfangen, für ihre Angestellten da zu sein. Neue Mission: Retter retten.
„Zum Höhepunkt der Karnevalszeit“ führten die Berliner Beamten am vergangenen Wochenende stadtweit verstärkte Verkehrsüberwachungs-maßnahmen durch. Die Bilanz von 4.820 Überprüfungen: 45 alkoholisierte Fahrer, ein Spitzenwert von 2,02 Promille, 60 Fahrer unter Drogeneinfluss, 44 ohne gültige Fahrerlaubnis, 15 Fahrzeuge ohne Versicherungsschutz und 832 Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen sonstiger Verkehrsvorschriften. Bleibt die Frage: War das wirklich Fastnacht oder ist das einfach Berlin?
Während die Hauptstadt am Rosenmontag auf das Motto „Lieber gar nicht feiern, als falsch feiern“ setzte, versammelten sich in Mainz, Köln und Düsseldorf Hunderttausende. Mit dabei: Angela Merkel als schwarze Witwe, Martin Schulz, der sich selbst zu Hackfleisch verarbeitete, und Andrea Nahles, die verkündete: „Genossen, das ENDE ist NAHles!” (Beweisfotos hier) Sollte es bei der SPD einmal nicht anders kommen, als man denkt, wird die Fraktionschefin heute als erste Frau in 153 Jahre SPD-Geschichte kommissarisch das Amt der Parteivorsitzenden übernehmen.
Weiter geht’s mit einer Meldung aus der Rubrik „Amt, aber unglücklich“: Nachdem Friedrichshain-Kreuzberg bereits verkündete, aktuell keine Unterstützung bei der Kitasuche anbieten zu können (Platzmangel!), untersagt der Bezirk jetzt auch noch bezirksfremden Kindern die Tageseltern: Anne Fromm und Kersten Augustin aus Neukölln (stehen in ihrem Bezirk bereits seit einem Jahr auf etwa 30 Wartelisten) dürfen ihren Sohn nicht bei einer Tagesmutter am Kottbusser Tor unterbringen, weil „die Verträge vorsehen, dass Eltern des Bezirks bevorzugt werden“. Die Solidarität mit den Kleinsten endet in Berlin an den Grenzen der bezirklichen Bürokratie.
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hält „jede Überlegung, den BER ohne das Fluggastterminal an den Start zu bringen“, für „unternehmerischen Selbstmord“ und würde eine Kiste „guten Wein“ darauf wetten, dass der Flughafen nach sechs geplatzten Terminen tatsächlich im Oktober 2020 eröffnet. Die Fertigstellung des BER habe „oberste Priorität“, der Termin 2020 sei verlässlich, realistisch und extrem gegengecheckt. Klingt doch vielversprechend: Entweder gibt es ein Wunder oder Wein. Top, die Wette gilt.
Telegramm
Der Landesvorstand der Berliner SPD hat sich für ein „faires Verfahren beim Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag“ ausgesprochen. Befürworter und Gegner der GroKo müssten gleichermaßen zu Wort kommen, Mitglieder ausgewogen informiert werden. Aus Gründen hier der Checkpoint-Hinweis an alle Genossen: Fairness, die = anständiges Verhalten; gerechte, ehrliche Haltung andern gegenüber.
Die Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde sucht einen Vervielfältiger/eine Vervielfältigerin für die kommenden sechs Monate (Q: Amtsblatt). Zu den Aufgaben gehören, wie der Name vermuten lässt, die Vervielfältigung von Unterrichtsmaterialien, Zeugnissen und Schulprospekten, die Betreuung der Kopiergeräte, die Beaufsichtigung und Ausgabe von Lernmitteln und die Überwachung des Papier-, Toner- und Bücherbestands. Checkpoint-Prognose: Vielfältiger wird’s nicht mehr.
Straßenbahnen der M4 und Busse der Linie 186 werden bald sprechen. Die BVG testet ab Montag Ansagen für blinde oder sehbehinderte Fahrgäste. Das System nennt auf Knopfdruck die Abfahrtszeit und kündigt ankommende Fahrzeuge an. Als Update freuen wir uns schon jetzt auf besänftigende Worte, wenn das Dreiergespann des M29 mal wieder auf sich warten lässt.
Nachdem ein 79-Jähriger Ende Januar mit seinem Fahrrad gegen eine LKW-Tür geprallt war, erlag er am Wochenende seinen Verletzungen. Der Volksentscheid Fahrrad veranstaltet zum Gedenken an den Getöteten am heutigen Dienstag eine Mahnwache.
Allein in Berlin verloren im vergangenen Jahr drei Fahrradfahrer durch sogenannte „Dooring-Unfälle“ ihr Leben. Um das zu verhindern, lernen Fahrschüler in den Niederlanden, die Fahrertür mit der rechten Hand zu öffnen. Der Blick geht dabei automatisch nach hinten. Auch hierzulande kann der „holländische Griff“ Leben retten.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erhält den vollständigen Nachlass von Leni Riefenstahl. Weil die 2003 verstorbene Regisseurin ihre Kunst in den Dienst der NS-Propaganda gestellt hatte, übernimmt die SPK „nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk“, sondern auch die zentrale Aufgabe der Aufarbeitung.
Gute Neuigkeiten für die Hipster der Hauptstadt und alle, die es noch werden wollen: Euro-Paletten müssen künftig nicht mehr geklaut werden. Das Bauhaus geht mit dem Trend und verkauft hübsch lackierte Modelle mit passenden Sitzkissen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Saufen, morgens, mittags, abends, ich will saufen. Der Hahn muss laufen, morgens, mittags abends, er muss laufen.“
Mit seinen eingängigen Zeilen dominiert Berlins Partykünstler Ingo ohne Flamingo in diesem Jahr die Liste der bundesweit beliebtesten Fastnachtslieder, wie GfK Entertainment am Rosenmittag mitteilte. Berlins Beitrag zur fünften Jahreszeit.
Tweet des Tages
„An die Person, die meine Schuhe versteckt hat, während ich auf der Hüpfburg war: Werd Erwachsen!“
Antwort d. Red.: Dazu Erich Kästner: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“
Stadtleben
Manchmal geht nichts über eine gute Stulle – innen weich und fluffig, außen dunkel und knusprig. Genauso gehen sie im 100Brote in Prenzlauer Berg über die Ladentheke. Besitzer Karsten Greve setzt dabei ganz auf Minimalismus. In der Hufelandstraße 2 gibt es drei verschiedene Brotsorten aus zwei Hauptzutaten – Dinkel- und Roggenmehl: Das Jungsbrot mit extra dunkler Kruste (ist aber explizit auch was für Mädchen), den Hungry Shepard und eine wechselnde Teigkreation. Natürlich gibt’s auch was oben drauf, selbstgemachte Marmelade etwa, oder Camembert und Paprika. Besonders beliebt ist auch das Kiezbrot mit Ei, Frischkäse, Senfsauce und frischem Schnittlauch. Tram-Station Hufelandstraße, Mo-Sa 8-20 Uhr, So 9-18 Uhr
Wer sich den rustikalen Industrie-Charme, der in vielen Berliner Lokalitäten Einzug gefunden hat, auch ins heimische Wohnzimmer wünscht, ist bei Works Berlin genau richtig: Hier werden alte Fabriklampen und diverse Industriemöbel restauriert und deko-tauglich gemacht. Aber auch wer sich des ein oder anderen Möbelstücks entledigen will, findet hier willige Käufer. Bestellungen laufen über den Online-Shop, werktags können Sie nach Vereinbarung aber auch persönlich an der Industriebahn 12-16 in Weißensee (Bus- & Tram-Station Pasedagplatz) vorbeischauen.