noch dreieinhalb Wochen sind es bis zur Landtagswahl in Brandenburg („Wahl-O-Mat“ hier). Noch dreieinhalb Wochen SPD-Land – was dann kommt, weiß keiner so genau. Die Zeichen stehen auf Zäsur. In der PNN, wie auch im Tagesspiegel und im Checkpoint, werden wir die Tage bis zur Wahl intensiv begleiten , uns durch Wahlprogramme wühlen, Fakten checken, PolitikerInnen zu Wort kommen lassen, genauso wie die, die sonst vielleicht nicht gehört werden. Den Start macht heute das Thema Bildung, insbesondere die frühkindliche. Kitaplätze und Erzieher fehlen, die Gebühren sind chaotisch. „Die Elternbeiträge sollten komplett abgeschafft werden“, fordert Stephanie Löbe, Erzieherin aus Cottbus, im großen Interview – und wünscht sich gleichzeitig mehr Anerkennung für ihre Arbeit. „Wir sind nicht nur die Basteltanten. (…) Wir legen schließlich bei den Kindern den Grundstein für ihr späteres Leben.“
In Berlin fordert die CDU nur einen Tag nach den Sommerferien den Rücktritt von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD): „Diese Bildungskrise ist schon lange eine Scheereskrise. (…) Die Senatorin hat das Vertrauen der Elternschaft endgültig verloren“, twittert der Landesvorsitzende Kai Wegner. Und Fraktionschef Burkard Dregger fordert die Entlassung via Brief an den Regierenden.
„Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis“ – oder eine Qualitätskommission. Weil sie irgendetwas machen musste, hat die Bildungssenatorin am Dienstag Experten einberufen, um den Berliner Qualitätspakt dauerhaft zu begleiten und fortzuentwickeln. Einbezogen werden sollen unter anderem Mitglieder aus dem Landesschulbeirat, den Gewerkschaften und dem Landeselternausschuss (sprich alle Kritiker). Den Vorsitz übernimmt Bildungsforscher Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel. Sein Ziel: Bis zum Frühjahr 2020 Vorschläge vorlegen.
Während alle darauf warten, dass der Wedding kommt, war er vielleicht schon längst da – und geht bereits wieder. Der Immobilienkonzern „Vandenberg“, selbsternannter „Spezialisten für Eigentumswohnungen“ hat dem Stadtteil einen eigenen Imagefilm gewidmet. Zu sehen sind Plötzensee, Leopoldplatz und Gesundbrunnen, begleitet von englischer Moderation und sanftem Sonnenlicht. Zu lesen ist auf der Website des Unternehmens: „Eine Eigentumswohnung in Berlin kann mehr sein als die eigenen vier Wände: Durch die Mieteinnahmen haben Sie beispielsweise ein stabiles Renditeobjekt in einer wachsenden und pulsierenden Stadt (…).“
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Der Mietendeckel kommt – und bevor er überhaupt da ist, geht die Zahl der Neubauten bereits zurück. Wie das Amt für Statistik meldete, erteilten Berlins Ämter im ersten Halbjahr 2019 Genehmigungen für den Bau von 11.346 Wohnungen (2,2 Prozent weniger als im Vorjahr). 1.400 Wohnungen entstanden allein durch „Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden“ – etwa den Ausbau von Dachgeschossen oder einer Änderung der Nutzung von Immobilien. Platzmangel macht kreativ.
Mehr bauen und schneller bauen will bekanntlich Berlins Regierender höchstpersönlich und hat – wir erinnern uns – deshalb vor wenigen Wochen seinen Urlaub unterbrochen, um den für ihn unzureichenden Stadtentwicklungsplan Wohnen zu stoppen. Die Linke fordert Informationen der „Berliner Zeitung“ zufolge jetzt eine Erklärung im Koalitionsausschuss. „Wir haben bisher keinen vernünftigen Grund gehört“, sagt Fraktionschef Udo Wolf. Nur die Stadtentwicklungssenatorin zu ärgern, sei kein Ausweis für gutes Regieren.
Kostengünstiger regieren muss der Senat in den kommenden Jahren. 2021 weist der Landeshaushalt zum ersten Mal seit zehn Jahren ein Finanzierungsdefizit auf. Auch in den beiden Folgejahren ist mit roten Zahlen zu rechnen. Um die Vorgaben der gesetzlichen Schuldenbremse einzuhalten, wird die nächste Regierungskoalition sparen müssen. Senator Kollatz forderte „konkrete Maßnahmen“ (SPD) – und hat leicht reden. Wer weiß ob seine Partei dann noch dabei ist.
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Wussten Sie, dass es ein Kinderspielplatzgesetz gibt, dass nach § 4 Absatz 1 vom 15. Januar 1979 (GVBl. S. 90) in der Fassung vom 20. Juni 1995 (GVBl. S. 388), geändert durch Art. XI des Gesetzes vom 17. Dezember 2003 (GVBl. S. 617) die Zielvorgaben für bezirkliche Spielplatzflächen im Verhältnis zur Einwohnerzahl regelt? Spätestens jetzt! Der Richtwert: 1 m² nutzbare Fläche je Einwohner und zwar netto. Erreicht hat das in Berlin übrigens kein Bezirk. Die Quote: Marzahn-Hellersdorf 0,45 / Charlottenburg-Wilmersdorf, 0,47 / Tempelhof-Schöneberg 0,57 / Mitte 0,59 / Treptow-Köpenick 0,58 / Spandau 0,59 / Steglitz-Zehlendorf 0,59 / Friedrichshain-Kreuzberg 0,63 / Neukölln 0,64 / Reinickendorf 0,67 / Pankow 0,68 / Lichtenberg 0,71 /. (Q: Anfrage Maik Penn / MdA CDU)
Während Schweden Anfang Juli ein Rauchverbot auf Spielplätzen erlassen hat, druckst Berlin weiter rum. „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor dem Passivrauchen ist in Berlin sehr wichtig“, heißt es aus der Gesundheitsverwaltung. Trotzdem liegt der Gesetzesentwurf, der das Rauchen auf Berliner Spielplätzen verbieten soll, seit fast einem Jahr im Parlament vor – und wurde noch immer nicht zur Abstimmung gebracht.
50.000 UnterstützerInnen hat eine Petition, die Pfand auf Zigaretten und Schachteln fordert. 20 Cent pro Kippe, also etwa vier Euro pro Packung.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die Berliner Polizei hat ein Sicherheitsproblem: Zum wiederholten Mal haben sich Unbekannte Zutritt in ein Gebäude der Behörde beschafft – und hochsensible Funktechnik gestohlen. Eigentlich sollten solche Server- und Funktechnikräume Beamten zufolge mit einer Alarmanlage gesichert sein. Ausgelöst wurde nichts. Wäre der Einbruch nicht trotzdem bemerkt worden, hätten die Täter mit etwas Know-How die Kommunikation der Polizei lahmlegen können.
Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat die „dreizehnte Verordnung zur Änderung der Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Entschädigung der Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlungen, der Bürgerdeputierten und sonstiger ehrenamtlich tätiger Personen“ zur Kenntnis genommen und an den Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme weitergeleitet. Anders gesagt: Es wird dafür gesorgt, dass EhrenämtlerInnen künftig eine angemessene Aufwandsentschädigung bekommen.
Ingo Senftleben, CDU-Oppositionschef und Spitzenkandidat in Brandenburg, bleibt BER-skeptisch und will sich nach der Landtagswahl für einen Sonderermittler am BER einsetzen. „Ich habe einfach das Gefühl, dass ein bisschen versucht wird, vor einer nicht unwichtigen Landtagswahl die Öffentlichkeit zu beruhigen", sagt er dem rbb. Will er mit seinem Vorschlag natürlich nicht.
„Lachen, um nicht zu weinen“ – das ist das Motto des Berliner Kleinunternehmens „mindsweets“, das ab September die „BerlinBärchen – Flughafen Bärlin“ (vegane BioFruchtsaftbärchen) auf den Markt bringt. Konfektioniert werden die Süßigkeiten in einer Berliner Behindertenwerkstatt in Weißensee. Gespendet werden pro verkauftem Gummibärenbeutel 10 Cent an den Berliner Sozialverein Karuna e.V. Die Großbaustelle hat damit ihren ersten kleinen positiven Effekt.
Technologiezentrum Tegel: Für den Fall, dass der BER irgendwann doch noch eröffnet, treibt der Berliner Senat seine Planungen für die „Nachnutzung Tegel“ voran. 365 Millionen Euro sollen in den Umbau der Terminalgebäude investiert werden. Terminal A soll denkmalgerecht als neuer Standort der Beuth-Hochschule umgestaltet werden. Terminal B ein Gründungs- und Innovationszentrum mit Kongress- und Veranstaltungsräumen. Und D ein Technologiezentrum mit Laboreinrichtungen. (Q: rbb)
Verwaltungszentrum Tempelhof: Beim bereits geschlossenen Flughafen ist sich die Koalition weniger einig über das Nutzungskonzept. Die SPD will im historischen Gebäude mehr Platz für Behörden. Das Nachsehen hätten Kunst und Kultur.
Die unendliche Klo-Geschichte von Tempelhof: Seit dem 25. März sind die Toiletten am Haupteingang des Felds gesperrt. Eigentlich sollten die Anlagen einem Aushang zufolge bis Ostern ersetzt werden (ehrlicherweise steht darauf nicht, in welchem Jahr). Auf Nachfrage schreibt „Grün Berlin“ jetzt: „Es gab Verzögerungen beim Hersteller der neuen WC-Anlage.“ Die Arbeiten sollen noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Ziel sei es, aus den Mitteln der laufenden Bewirtschaftung „möglichst jedes Jahr“ eine der alten Bestandstoiletten durch eine neue zu ersetzen (+ eine neue Anlage zu bauen). Auf der Neuköllner Seite können sie gleich weitermachen.
„Licht Luft Scheiße“ heißt eine Veranstaltungsreihe im Botanischen Museum Berlin, in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst und in der Nachbarschaftsakademie Prinzessinnengarten. Allein aufgrund des Titels lohnt der Besuch.
Rattenalarm im Fluss: Mehrere tote Tiere trieben am Donnerstagmittag in Charlottenburg in der Spree (dokumentiert von Twitteruser @DuveKay). Freude auf das künftige Bad.
Berlin ist, wenn die Feuerwehr E-Scooter von den Straßenlaternen retten muss (gesehen von Ulrike Schenka am Reuterplatz). „Irgendjemanden hat es wohl besonders genervt.“ Sollte es Fragen zur Arbeitssicherheit geben: Die Helfer haben die Roller letztlich mit einer Leiter runtergeholt.
„Wir wollen keine Spaßbremsen sein, aber so geht's dann doch nicht“, twittert derweil das Bezirksamt Mitte und zeigt eine Ordnungsamt-Fotogalerie von falsch geparkten Leihrädern und E-Scootern (zu sehen hier). Am heutigen Mittwoch wollen Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), Polizeipräsidentin Barbara Slowik sowie die BezirksbürgermeisterInnen von Mitte, Friedrichshain und Neukölln mit Vertretern der E-Scooter-Firmen reden. Mögliche Auflage (Berliner Art): eine Obergrenze.
Hallo Leitboys: 301 Poller sollen Autofahrer in der Tamara-Danz-Straße künftig vom Falschparken abhalten und dafür sorgen, dass der Radweg auch tatsächlich für Radfahrer nutzbar ist.
Tschüss Parklets: Die gelben Sitzgelegenheiten sollen ab dem 23. September abgebaut und die grünen Punkte auf der Fahrbahn entfernt werden. Zurück aus dem Wunderland.
Barkeeper*in gesucht: Bereits Ende Juni hatte die Moritz Bar im Wedding ihre Regenbogenpforten geschlossen. Noch immer hoffen die ehemaligen Betreiber, dass ihr einstiger Laden „ein queerer Ort im Wedding bleibt“. Eine*n Nachmieter*in können sie der Hausverwaltung vorschlagen. Weil bisher keiner geeignet war, wird gesucht. Einfach eine kurze Mail an booking@moritzbar.com.
Bratsche gesucht: Die kleine Pia hat ihr Instrument am Südstern kurz bei den Fahrrädern liegen lassen und würde sich „seeehr freuen“, es wiederzusehen (Foto hier).
Noch vor dem ersten Saisonstart in Liga 1 ist der 1. FC Union bereits Meister: Mit den günstigsten Preisen für Bier und Stadionwurst (Q: Berliner Kurier). Die Kombi kostet 6,50 Euro. Am teuersten ist die Allianz-Arena mit 8,60 Euro. Derby-Konkurrent Hertha liegt bei 7,90 Euro.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Irgendwie beruhigend, all die Kinder kurz vor acht mit ihren Schultaschen durch Berlin flitzen zu sehen. Egal, was sonst so läuft.“
Tagesspiegel-Schulexpertin Susanne Vieth-Entus
Tweet des Tages
Ich war heute in einem Waschsalon, der gleichzeitig eine Kneipe ist, aber für Berliner Investoren liegt die Zukunft immer noch in veganen Hundefutterfachgeschäften.
Stadtleben
Essen – Ohne gegebenen Anlass gibt es heute Tiramisu. Obwohl, wer weiß… Der Legende nach stammt der Name der weltberühmten geschichteten Süßspeise mit Espresso, Schuss und rohem Ei vom begeisterten Ausruf eines Gastes der „Trattoria Al Vetturino“ in Venezien, die Speise habe ihn „hochgezogen“ (tirato su), aufgepeppelt, wieder auf die Beine gestellt, woraus der Wirt den Infinitiv „Tireme su“ in die kulinarische Weltgeschichte eingeschrieben habe. Genau die Art Power-Meal also, die sich auch heute noch überall größter Beliebtheit erfreuen dürfte – und das ist dann vielleicht doch ein gegebener Anlass für die Tiramisu Days, die Luisa Feinkost gerade begeht. Bis Freitag, 12-19 Uhr, 5 Euro die Portion, Danziger Straße 49, U-Bhf Eberswalder Straße
Trinken – In vino veritas, heißt es. Und auch, dass Schweigen manchmal Gold sei. Wer also mal wieder ausgehen und mit anderen trinkend Zeit verbringen möchte, aber Grund zu vorsichtigem Umgang mit der silbernen Rede hat, begebe sich doch ins Donau115. Da wird nämlich durchaus getrunken, drumherum allerdings auch laut Musik gemacht – und um die geht es hier eigentlich. Immerhin ist mit Greg Cohen am Bass ein Musiker auf der Bühne, der „From A (Woody Allen, Laurie Anderson, Fiona Apple) To Z (John Zorn, Tom Ze)“ schon mit allen Kleinen und Größen des Biz gespielt hat, quasi ein Stück leibhaftiger Musikgeschichte – und ein großartiges Alibi dafür, selber schweigend am Glas zu nippen. Donaustraße 115 (U-Bhf Rathaus Neukölln)
Vernünftiger Berlinbesuch erwartet zurecht weit mehr vom Leben als hiesige Sehenswürdigkeiten, Souvenirshops und Hiesigkeit überhaupt – die Hauptstadt sei ein Tor zu Welt, Kunst und Geschichte! Schon wer hier nur nutzlos herumsteht, spürt sogleich, wie sich sein Geist fast von allein in die entlegensten Winkel des Wissens unserer Zeit zu verästeln und mit dem Weltgeist zu verschmelzen beginnt. Zugegeben, die Erfahrung ist mitunter belastet durch Großstadtlärm und Verkehrspolitik, aber es gibt auch förderliche Winkel. Etwa das Haus am Waldsee, grün, abgelegen und mit einem prächtigen Garten gegen alle Ablenkung gerüstet, zeigt es mit „Biester der Zeit“ Skultpturen des britischen Bildhauers Lynn Chadwick, der in einer Linie mit Marcel Duchamp und Alexander Calder steht, mit seinen metallenen Arbeiten ins urbane rückkoppelt und tatsächlich so wenig Hiesigkeit versprüht, dass man fast schon gar nicht mehr in Berlin ist. So ist das in Berlin. Argentinische Allee 30 (U-Bhf Krumme Lanke)
Geschenk – Aus gegebenem Klatsch-Anlass: Die Zeit der Einwegartikel ist längst vorbei, wie wir wissen. Folglich ist es unentschuldbar, dass Brautkleider, die oftmals teuersten aller Einwegartikel, in dunklen Mottenkugellandschaften vor sich hin gilben, während unzählige werdende Bräute* unbewältigbare Rechenakrobatiken angesichts begrenzter Gesamtheiratsbudgets beim Schneider vollführen. Wer sein Kleid partout nicht weitergeben mag, sollte wenigstens mehrmals heiraten, um es häufiger anzuziehen – das gebietet der Anstand. Ob man es nun selber tut oder doch weiterreicht – eine Änderungsschneiderei dürfte in den meisten Fällen in der Planung auftauchen. Eine vielfach empfohlene Adresse ist das Atelier Jaap, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr. Stargarder Straße 68, U-Bhf Schönhauser Allee
Last-Minute-Tickets – Die Idee, Musik über weite Distanzen hinweg in Echtzeit gemeinsam zu machen, ist in der Welt, seit es Netzwerktechnologien gibt. Und von Anfang an gab es Vorreiter, die sich weder von technischen noch situativen Unzulänglichkeiten haben abschrecken lassen. Heute Abend ist das in entsprechenden Kreisen schon legendäre GOO aus dem französischen Nantes zu hören. Die ältesten im Netz zu findenden Aufnahmen des „Grand Orchestre d'Ordinateurs“ (Ordinateur ist frz. für Computer, ergo Computerorchester) stammen von 2002 und 2005. Heute Abend ab 20 Uhr im Loophole gegen 4/3 Euro. Boddinstraße 60 (U-Bhf Rathaus Neukölln)
Noch hingehen – Die Berliner Mauer war vieles, und wenn man sich die auf Ostseite zugemauerten Fenster vor Augen führt, auch schlicht Sichtschutz vor den Verlockungen des Kapitalismus. Das Thema Sehen ist also keineswegs weit hergeholt in der laufenden Ausstellung Sprechende Bilder in der Gedenkstätte Berliner Mauer, in der 14 mit Audiotranskriptionen unterlegte Fotografien der Mauer in verschiedenen Stadien ihrer Existenz zu sehen und – das ist das Besondere – zu hören sind. Eine sehbehinderten Menschen zugängliche Fotografie-Ausstellung, die die Frage nach Sehen und Hören generell in den Raum stellt. Und das noch bis 11. August, Bernauer Str. 119 (U-Bhf Bernauer Straße)
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen schönen Tag.
Berlin heute
Verkehr – Die A 113 (Schönefeld-Zubringer) ist stadteinwärts zwischen den AS Schönefeld-Nord und AS Adlershof gesperrt (21-5 Uhr) und in Schöneberg steht auf der Hedwig-Dohm-Straße gegen Mittag in Richtung Kolonnenstraße zwischen Sachsendamm und Hildegard-Knef-Platz bis Mitte 2020 nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Demonstration – Die „Scientists for Future“ versammeln sich zwischen 13 und 14 Uhr an der Rudower Chaussee 24, erwartet werden ca. 10 Personen. Etwa 21 Demonstrierende finden sich zur „Versammlung für Frieden, Verständnis und Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas“ am Pariser Platz ein (16-18 Uhr).
Gericht – Zweiter Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der vor fast 13 Jahren verschwundenen Georgine Krüger. Der 44-jährige Ali K. soll die damals 14-Jährige in seinen Keller gelockt, niedergeschlagen, vergewaltigt und zur Verdeckung der Tat erwürgt haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Universität – Trotz Semesterferien ist heute um 18.15 Uhr im Hauptgebäude der HU der Vortrag „Kastenräume. Zur Geschichte eingefriedeter Pflanzen“ von Prof. Dr. Anke te Heesen zu hören, der im Rahmenprogramm der Ausstellung unnatural stattfindet. Unter den Linden 6, Hörsaal 3075, der Eintritt ist frei
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Gerald Bielfeldt (53), „Blaues Blut gratuliert Finanzboss“ / Lutz-Werner Brandt (81), Architekt, Designer, Grafiker, Bühnenbildner und Fassadenkünstler / Gerhard Bubel (90), „ehem. Berliner Abgeordneter und Bezirksstadtrat“ / Maria Fiedler (30), politische Korrespondentin im Tagesspiegel Hauptstadtbüro und Team Morgenlage / Sabine Hark (57), Soziologin, leitet das Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU / Steffen Krach (40), Politiker (SPD), Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung der Senatskanzlei / Gesine Lötzsch (58), für die Linke im BT / Robert Seethaler (53), Schriftsteller und Schauspieler / Jordan Torunarigha (22), Fußballer bei Hertha BSC
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Peter Fromlowitz, * 30. April 1937, Architekt und Bildhauer / Dr. Gisela Greulich-Janssen, * 12. Mai 1937 / Hannelore Jauer, * 23. August 1943 / Toni Morrison, * 18. Februar 1931, erste afroamerikanische Literaturnobelpreisträgerin (1993) / Jörg-Uwe Quandt, * 7. April 1944 / Roland Sockel, * 30. Dezember 1953
Stolperstein – Moses Strauss (Jhg. 1866) stammte aus Essen und war in der Thomasiusstraße 18 wohnhaft, bevor er am 28. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort 11 Tage später, heute vor 77 Jahren, von den Nazis ermordet wurde.
Encore
„Welches Schulfach fehlt?“, haben wir gestern gefragt. Die Antworten: bunt wie Berlin. Die Vorschläge: Wirtschaft, Spielerisches Unternehmertum, Projektseminar „Wir gründen“, „Wie mache ich meine Steuererklärung?“, Programmieren, Medienkompetenz, Soziale Medienkompetenz, Recht (unter anderem wie lese ich AGBs und Sonderkurs StVO für Fahrradfahrer), Verkehrsunterricht, Führerschein- und Erste-Hilfe-Kurs, Ernährung und Gesundheit, Klimakunde, Natur‚ Dart, Gewaltfreie Kommunikation, Soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein, Selbstliebe, Nächstenliebe und Empathie.
Das ein oder andere lässt sich sicher auch im Alltag üben. Einfach mal ausprobieren. Morgen übernimmt hier wieder Lorenz Maroldt mit Berlins Lach- und Sachgeschichten. Bis bald!