was wollen wir machen in der Zwischenzeit, in der wir gerade leben? Die Infektionszahlen steigen und steigen weiter, die Kliniken steigern weiterhin ihre Limits, viele Kitas und Klassen sind längst weit darüber hinaus. Warten füllt die neue Zwischenzeit – auf den Frühling und seinen holden, belebenden Blick; auf die nächste Hoffnungs-Berlinale, mal irgendeinen Hertha-Sieg, ein bisschen neue alte Leichtigkeit, auf jeden Fall auf ein Ende der Omikron-Welle, die sich womöglich irgendwann selbst bricht, um der nächsten Ungewissheit Platz zu machen. Bis dahin allerdings wird die Impfpflicht zerredet, das genaue Corona-Testen in Berlin aufgegeben und wegen hoher Krankenstände der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt. Wir geben uns der Pandemie hin. Und dürfen uns trotzdem nicht von ihr schaffen lassen. Weil Zwischenzeiten auch was Gutes haben: ein Ende.
Am Anfang war das liebe Wort: „Hundertmal hab ick Berlin verflucht.“ So sang sich Helga Hahnemann erst in die Herzen von Ost- und dann von West-Berlin. Doch eine Straße ist nach der beliebten Volkssängerin noch immer nicht benannt. In Mitte war das mal versprochen und verkündet worden – direkt am Friedrichstadt-Palast, in dem „Henne“ Hahnemann oft den „Kessel Buntes“ mit ihrer Berliner Schnauze würzte. Nun aber haben sich hinterm vertriebenen Kulturgelände „Tacheles“ private Baupläne geändert und der Bezirk das Vorhaben irgendwie vergessen, wie meine Kollegin Julia Weiß herausgefunden hat (Details hier). In Treptow-Köpenick, wo Hahnemann zuletzt lebte, wird noch hin und her überlegt. In Pankow, wo Hahnemann aufwuchs und auch begraben liegt, ist man bisher nicht auf die Idee gekommen. Vielleicht kann Berlin die Zuneigung zu seiner alten Liebe wiederfinden. So wie Helga Hahnemann immer verliebt in Berlin geblieben ist (tolles Ost-Berlin-Musikvideo hier): „Hundertmal hab ick jesacht: Mit dir ist Schluss. / Hundertmal kam ick von dir nicht los. / Hundert Pillen hau‘n dagegen nich‘ hin. / Dit sitzt zu tief, dit sitzt hier drin.“
Kurzer Ausflug zum Verfluchthafen BER (wo es immerhin eine Helga-Hahnemann-Straße gibt). Hier läuft gerade das Online-Dialogforum zur Flughafenregion rund um Schönefeld – mit allerdings bisher eher unschönen Landungen auf Brandenburger Boden. Rainer Mischke etwa beklagt eine „kulturelle Verödung“ rund um den BER – vor allem zu Faschingszeiten: „Ein Beispiel ist der Karnevalsverein aus Zeuthen. Nach der Schließung des Restaurants ‚Rosengarten‘ in Zeuthen zog der Verein nach Rotberg, nach der Schließung der Gaststätte in Rotberg zog der Verein nach Waßmannsdorf. Inzwischen hat er sich aufgelöst, da man, um von Zeuthen nach Waßmannsdorf zu gelangen, eine gefühlte Weltreise antreten muss.“ Und ein Kurzstreckenflug wäre ja inzwischen eine olle Kamelle.
Den Abflug aus Berlin-Berlin nach Bundes-Berlin macht der Mahlsdorf-Berliner Mario Czaja. Am Wochenende wird er zum neuen CDU-Generalsekretär aufsteigen – und vielleicht etwas Berliner Bodenständigkeit in die Bundespolitik bringen. Auch wenn Czaja selbst sagt: „Berlin sollte nicht glauben, dass es immer für alle in Deutschland alles besser weiß.“ Auf die Checkpoint-Frage, was die CDU von der Stadt lernen kann, fallen ihm zwei Antworten ein: einerseits „unfassbare Schwierigkeiten der öffentlichen Verwaltung und eine fast aussichtslose, schwierige Organisation wie am BER“ und andererseits „beispiellose Innovationen wie den Technologiepark in Adlershof“. Für seine Partei bedeute das: „Es gibt doch immer eine Sonnenseite, auch wenn die Probleme unfassbar groß scheinen." So sonnig gelaunt war man in der CDU schon lange nicht mehr.
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Wer baut nicht ab in diesen anstrengenden Zeiten? Aber aufgebaut wird auch nicht mehr viel, zumindest nicht in Treptow-Köpenick. Hier hat sich das Stadtentwicklungsamt selbst offiziell krankgemeldet: wegen Überlastung. Viele Bauanträge treffen auch im Berliner Südosten auf zu viele ausfallende Mitarbeitende, was auch noch zu „überlastungsbedingten Krankheitsausfällen“ führt, wie das Amt an die Bezirksverordnetenversammlung schreibt (mehr im neuen Bezirks-Newsletter von Thomas Loy – zu bestellen hier). Zudem zieht die Behörde gerade um und kündigt daher an: „Die Mitarbeitenden des Stadtentwicklungsamts werden in einer Vielzahl von Vorgängen zur Bearbeitung von Bauanträgen die gesetzlich festgelegten Fristen nicht halten.“ Amt, aber unglücklich.
Glücklich bis zu ihrem letzten Tag sind Uwe und Jörg in Halensee. Ihr Leben lang haben sich beide viel um andere gekümmert und ihre Liebe unerschütterlich gegen alle Krisen verteidigt – jetzt brauchen sie einander mehr denn je. Weil Jörg sterbenskrank ist, holt Uwe ihm das Leben in die Bude. Und hat sogar in ihrer Wohnung wochenlang einen Weihnachtsmarkt betrieben – mit blinkenden Tannenbäumen, Bratwurstgrill, Glühwein, Salmi-Lollis, Kartoffelpuffer. Für unsere Liebeskolumne „Ins Herz“ war ich zu Besuch und habe eine berührend-anrührende Lebensgeschichte vorgefunden – zu lesen am Sonntag im Tagessspiegel und online schon hier. Uwes Geheimnis für ein gutes Leben ist seine Gabe zum Geben: „Wenn Leute mich fragen, was sie mir mitbringen dürfen, sage ich immer: Bring dein Herz mit, das reicht mir.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Schnee – weißt Du noch? Dann guck‘ mal aus dem Fenster! Da taut der Rest vom nächtlichen Fest.
Die gute Nachricht: 111 Studierende und Uni-Angestellte der Freien Universität bieten Berliner Laboren ihre Hilfe an, um PCR-Tests auszuwerten. Das Beruhigende dabei: Sie stammen aus dem Fachbereich Biologie, Chemie und Pharmazie. So geht Konvergenz in Reagenz.
Die schlimme Nachricht: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat einem neuen Gutachten zufolge in seiner Amtszeit als Münchner Erzbischof Kleriker in der Seelsorge geduldet, die des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt waren, und dies später zu vertuschen versucht. Natürlich kann der Ex-Papst nicht mehr zurücktreten. Aber er sollte wenigstens mit seiner Lüge aufräumen, damals von nichts gewusst zu haben. Die Katholische Kirche muss sich endlich ehrlich machen – und Verantwortung übernehmen für ihren Missbrauch von Macht und Menschen.
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Wenn ein Leben in einem Gesicht viele Spuren hinterlässt, dann war es vielseitig lebendig. So wie das von Hardy Krüger. Der legendäre Schauspieler, Schriftsteller und Weltenbummler schaffte es vom Berliner Wedding, wo er 1928 geboren wurde, bis nach Hollywood. Was viele nicht wissen: Seine Kindheit verlebte Krüger in Biesdorf am östlichen Stadtrand – das Haus seiner Eltern lag direkt neben dem kleinen Capitol-Kino. Hier zeigte ein Filmvorführer dem Jungen heimlich Streifen, die die Nazis verboten hatten. Es war dieses Kino, das Hardy Krüger „über alle Maßen glücklich machte“, wie er später schrieb. Nun ist er mit 93 Jahren in Kalifornien gestorben. Als Kinostar von Welt.
Und auch er hat Fußspuren in Berlin hinterlassen: Dixie Dörner, der eleganteste Fußballer der DDR, traf für Dynamo Dresden im Pokalfinale 1984 im inzwischen abgerissenen Stadion der Weltjugend am Nordbahnhof beim lange legendären 2:1-Sieg über den BFC Dynamo. Zwei Jahre später beendete er seine dribbelnde Laufbahn mit einem Erfolg gegen den 1. FC Union. Jetzt ist der 70-Jährige dem Krebs erlegen. Als einer der letzten Liberos von Welt.
So schnell kann’s gehen. Nach 5679 Tagen auf dem Abstellgleis fährt am Sonntagmorgen wieder ein ICE vom Bahnhof Zoologischer Garten ab. West-Berlin muss nicht mehr zurückbleiben. Wenn man vom Fahrtziel absieht: Bonn.
Fisch muss schwimmen. Deshalb sucht Berlin für seine offenen Gewässer jetzt per Ausschreibung nach europäischen Aalen (Anguilla anguilla). Die Anzahl der zu besetzenden Flussstellen ist fließend. Wichtig ist laut Fischereiamt allerdings, „dass sich das Aalbesatzmaterial in einem guten, einwandfreien Gesundheitszustand befindet“. Nur die Aalglatten kommen durch.
Kurze Frage zwischendurch: Wann kommen denn nun die Fahrradparkhäuser an Pankower Bahnhöfen? Das will sicher nicht nur FDP-Verkehrsexperte Felix Reifschneider wissen. Antwort des Bezirks: „Die Zuständigkeit für den Bau von weiteren Fahrradabstellanlagen an den S+U-Bahnhöfen in Berlin liegt bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bzw. bei dem landeseigenen Unternehmen GB infraVelo GmbH. Die politische Anfrage ist dementsprechend direkt an die Senatsverwaltung zu richten.“ Antwort der Senatsverwaltung: „Der Berliner Senat kann keine Angaben über Pläne über die Umsetzung von Fahrradabstellanlagen im Jahr 2022 machen, weil für das Fahrradparken im Land Berlin die Bezirke als Straßenbaulastträger zuständig sind.“ Jetzt ist guter Rad teuer.
Huch, da ist ‘ne Wohnung frei: Ein möbliertes Studio/Single-Apartment ist im Kollwitzkiez für nur 1600 Euro Warmmiete zu haben. Für die hochwertige Einrichtung (Foto von Jenni Wu hier) dürfte allerdings noch Abstand fällig werden. Ach ja, vielleicht geht es doch nur um eine Kaltmiete.
Mitte bleibt nicht nur bei den Corona-Zahlen deutschlandweit unerreichbar. Auf unsere Fragen nach der Gesundheitslage reagierten gestern weder Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) noch die Pressestelle des Bezirks noch Gesundheits-Stadtrat Christoph Keller noch Amtsarzt Lukas Murajda. Immerhin am späten Abend schrieb Keller noch, dass die zahllosen hier registrierten Infektionen auch mit den jeweils vielen Krankenhäusern, Laboren sowie Kultureinrichtungen im Bezirk zusammenhängen würden. Wo viel Leben ist, kann gerade nicht wenig Corona sein.
Wichtiges Thema: Eine von sieben Schwangerschaften endet mit einer Fehlgeburt – oft mit einem Abort eines nicht lebensfähigen Babys vor der 24. Schwangerschaftswoche. Im Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“ (zu hören hier) reden Esther Kogelboom und Anna Kemper mit der Gynäkologin Mandy Mangler darüber, wie man sensibel mit diesem Schicksal umgehen kann. Und dass eine Fehlgeburt nie ein Fehler der Betroffenen ist.
Wird das noch ein kleines Happy End? Das Kino Colosseum in Prenzlauer Berg, eines der ältesten Filmtheater der Stadt, könnte vielleicht noch ein wenig erhalten bleiben, nachdem es die Erben von Filmlegende Atze Brauner schon verstoßen hatten. Nach dem Skandal rund um die Schließung und die nahezu heimliche Erteilung eines Bauvorbescheids für einen Bürokomplex, den der Checkpoint aufgedeckt hatte, soll das Kino nun an die Hamburger Firma Values verkauft werden. In ihrem neuen Bürokomplex soll die Kultur nicht unterkomplex vorkommen. Der historische Kinosaal, vor knapp 100 Jahren in eine alte Wagenhalle der Pferde-Straßenbahn mit Schmiede und Ställen hineingebaut, wird wohl doch erhalten bleiben. Berlins Kino kommt wieder auf die Rolle.
Ach so, heute ist Tag der Jogginghose. Zurück geht das auf vier österreichische Gymnasiasten, die am 21. Januar 2009 ihre Schule in bequemer Kleidung betreten wollten und als Unbequeme nach Hause geschickt wurden. Inzwischen gilt das Schlabberbeinkleid als Berufsbekleidung im Homeoffice. Karl Lagerfeld hatte am Ende vergeblich gewarnt: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Tja, wer will das schon – also: Kontrolle über sein Leben.
Zitat
„Wir haben alle so viel aufzuholen.“
Bürgermeister und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) im Tagesspiegel-Interview über die Zeit nach der derzeitigen Zwischenzeit der Pandemie.
Tweet des Tages
Frage den Sohn in Englisch ab: ‚Was heißt ‚tower‘?‘ – ‚Turm.‘ – ‚Super. Wie schreibt man es?‘ – ‚T-U-R-M.‘
Stadtleben
Essen – Seit über zehn Jahren betreibt Familie Wang in dieser ruhigen Ecke von Prenzlauer Berg schon das fantastische Restaurant „Wok Show“. Spezialität sind hier die lecker gefüllten, chinesischen Teigtaschen Jiaozi (z.B. mit Chinakohl und Schweinefleisch), entweder gebraten oder gekocht und mit Chili und schwarzem Essig serviert. Ein großer Teller macht eine Person satt und glücklich, dazu gibt es leckere Vorspeisen, z.B. Gurkensalat mit Knoblauch. Authentische nordchinesische Küche, die man anderswo schwer findet. Besonders hervorzuheben ist auch das Interieur: Herr Wang ist bildender Künstler und seine modernen Ölbilder zieren den hinteren Speisesaal. Mo, Mi, Do 17-21 Uhr, Fr-So 12.30-21 Uhr, Greifenhagener Straße 31, S-Bhf Schönhauser Allee
Last-Minute – Am Freitagabend wird es im Hebbel am Ufer politisch. Vertreter*innen führender Organisationen der Klimabewegung diskutieren unter dem Titel „Burning Futures: On Ecologies of Existence“ über die strategische Herausforderung, vor der sie stehen. Diese begründe sich aus der Tatsache, dass nach Jahren der Appelle und Proteste Politik und Wirtschaft bei Lippenbekenntnissen in Sachen CO2-Reduktion bleiben. Mit dabei sind u.a. Annemarie Botzki (Extinction Rebellion), Carla Reemtsma (Fridays for Future) und Esteban Servat (Shale Must Fall). Ab 19 Uhr, Tickets 5 Euro hier. HAU1, Streesemannstraße 29, U-Bhf Hallesches Tor
Karten sichern – Unter der Regie von Nis Søgaard kommt in der Schaubude ein Klassiker von Ingmar Bergman als Schattenspiel auf die Bühne. In „Fanny und Alexander“ wachsen zwei Kinder in einer schrulligen Theaterfamilie auf, müssen sich aber vielen Kämpfen stellen, als ihr Vater verstirbt und die Mutter einen hartherzigen Bischof heiratet. Die Eigenproduktion der Schaubude wird als bühnenumspannende Laterna magica inszeniert, die Schauspieler*innen sitzen an einem magischen Videotisch und erzählen diese universale Geschichte über die Suche zweier Kinder nach ihrem Platz in der Erwachsenenwelt. Fr/Sa um 20 Uhr, 16,50/ 11,50 Euro, Tickets hier. Greifswalder Straße 81-84, S-Bhf Prenzlauer Allee
Grübelstoff – Wenige Themen sind in Berlin so emotional belegt wie alles rund ums Wohnen. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wo in dieser Stadt wären Sie gerne zu Hause?
„Wir sind die Neuen“
60 der insgesamt 147 Parlamentarier sind in dieser Legislaturperiode neu im Berliner Abgeordnetenhaus. Im Checkpoint stellen wir sie vor.
Name: Orkan Özdemir (SPD)
Beruf: Dipl.-Politologe, Grundsatzreferent
Alter: 39 Jahre
Wahlkreis: Tempelhof-Schöneberg (WK 3)
Berliner Lieblingsort: Der Weiher in der Lindenhof-Siedlung und der Breslauer Platz in Friedenau
Eine Sache, auf die ich mich 2022 in Berlin freue: „Im Jahr 2022 freue ich mich ganz besonders auf eine Reihe toller Veranstaltungen mit den Berlinerinnen und Berlinern in meinem Friedenauer Bürgerbüro, sobald es die Pandemie zulässt.“
Berlin heute
Verkehr – Alt-Buckow (Buckow): In Höhe des Buckower Dorfteichs regelt für ca. zwei Wochen eine Baustellenampel den Verkehr.
A114 (Französisch-Buchholz): Die Ausfahrt der Anschlussstelle (AS) Bucher Straße auf der A114 in stadtauswärtiger Richtung wird am Vormittag wieder geöffnet. Ebenso wird die Sperrung der Bucher Straße zwischen Pankgrafenstraße und AS Bucher Straße aufgehoben. Lediglich die bereits gesperrte Einfahrt an der AS Bucher Straße auf die A114 stadteinwärts bleibt weiterhin bis 29. April 2022 bestehen.
Schnellerstraße (Niederschöneweide): Auf der Schnellerstraße steht ab 9 Uhr in beiden Richtungen nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Das Linksabbiegen ist nicht möglich.
Grunewaldstraße (Steglitz): Freigabe für den Verkehr im Laufe des Vormittags.
Demonstration – Die „Vernunftkraft Schleswig Holstein“ hat für 10.30 Uhr eine Versammlung mit 15 Teilnehmenden angemeldet, der Titel lautet, Achtung: „Robert Habeck, Robert Habeck, Schläfst Du noch? Schläfst Du noch? Hörst Du nicht das Windrad, hörst Du nicht das Windrad? WUMM WUMM WUMM WUMM WUMM WUMM“ am Invalidenpark angemeldet, dahinter verbirgt sich eine „Mahnwache gegen Verharmlosung der Folgen des Windkraftausbaus“. Um 12 Uhr veranstaltet „Fridays for Future Deutschland“ eine Aktion zu Landwirtschaftsforderungen an der Wilhelmstraße 54 mit 50 Personen. Die Initiative „Erhaltet unsere grünen Friedrichshainer Innenhöfe“ startet um 16 Uhr einen Protest mit 30 Personen für „Baumschutz und wie es städtepolitisch umgesetzt werden kann“ an der Pintschstraße.
Sonnabend – Um 9.30 Uhr gibt es eine Traktordemo mit 50 Teilnehmenden, angemeldet durch die Initiative „Meine Landwirtschaft“, Motto: „Wir haben Agrarindustrie satt!“, Route ist von der Paul-Löbe-Allee u.a. über Straße des 17. Juni, Wilhelmstraße, Ebertstraße, Reichstagsufer. Um 13 Uhr äußern 100 Personen „Solidarität mit Mali“ am Kurfürstendamm 72. Wieder gibt es zwei Autokorsos an diesem Sonnabend, beide um 13 Uhr. Die „Freien Geister“ starten mit 70 Personen ab Am Feuchten Winkel, von dort u.a. über Breite Straße, Wollankstraße, Schönhauser Allee, Friedrichstraße zum ZDF Hauptstadtstudio (Unter den Linden 36-38). Der „Auto- und Fahrradkorso Berlin“ mit 100 Personen fährt an der Karl-Marx-Allee vor dem Kino International los, u.a. über Friedrichstraße, Yorckstraße, Kurfürstendamm, Budapester Straße, Wittenbergplatz. Ab 15.15 Uhr gibt es zudem einen „Coronakritischen Aufzug“ an der Blankenburger Chaussee 86.
Sonntag – Heute ist es viel ruhiger, um 11.30 Uhr hat die „Katholische Kirchengemeinde St. Mauritius“ mit 25 Personen am Annemirl-Bauer-Platz einen Open-Air-Dialog angemeldet, Motto: „In einer Zeit der gesellschaftlichen Spaltung und der existenziellen Krise vieler Menschen ein Zeichen setzen“.
Gericht – Der Prozess wegen Einbruchs in die Asservatenstelle des Hauptzollamtes Berlin gegen einen 38-Jährigen geht weiter. Er soll am Abtransport der Beute – laut Anklage etwa fünf Millionen beschlagnahmte Zigaretten und acht Tonnen Wasserpfeifentabak – beteiligt gewesen sein (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Lars Eidinger (46), Schauspieler / Sergei Jurjewitsch Grankin (37), Volleyballspieler bei den Recycling Volleys / Günter Hans Lamprecht (92), Schauspieler und Autor / Günter Nooke (63), ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, Politiker (Bündnis 90, CDU) / Oskar Roehler (63), Autor, Filmregisseur und Journalist / Theresa Winkler (37), „beste Tochter, Schwester, Ehefrau und nun auch noch Mutter von Martha. Reichlich Grund zum Feiern!“ / Nachträglich: Dr. Christine Hoffarth-Hartmann, „Wir wünschen dir neben all den üblichen Dingen vor allem Eines: Ganz viele 1erPutts. Deine Flightpartnerinnen Rosi, Ute und Lore“
Sonnabend – Marianne Birthler (74), ehem. Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen / Anja Freese-Binder (57), Schauspielerin / Manfred Gentz (80), Präsident der Internationalen Handelskammer (ICC), ehem. Vizepräsident der Berliner IHK / Katharina Löwel, aka Kitty Kat (40), Rapperin / „Meinem Sohn Moritz, Berlin-Flüchtling, eigenwilliger Gesprächspartner und allerbester Berater, herzlichen Glückwunsch zum 35. Geburtstag von seiner Mutter in Köln.“ / Fenja Rühl (59), Schauspielerin / Angela Winkler (78), Schauspielerin / Piko Ingrid Woelky (69), „ehem. Leiterin der Kreuzberger Otto-Wels-Grundschule, heute Kleinkunstkönnerin/Farbholzschnitte“
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Eva Regina Bodemann-Birkenmaier, * 6. Juni 1949 / Rosemarie Emmler, * 24. März 1927 / Karl-Heinz Gürtler, * 15. April 1927, Lehrer und Grundschulrektor i.R. / Ursula Klös, * 22. August 1933
Stolperstein – Am Kurfürstendamm 22 in Charlottenburg erinnert ein Stolperstein an Marry Hanna Veit (Jg. 1929). Sie war die jüngste Tochter von Adolf und Selma Veit, die an dieser Stelle das koschere „Speisehaus Veit“ betrieben. Am 6. März 1943 wurde die Familie zusammen mit 665 anderen Menschen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. „Vor 72 Jahren hat mein Vater mich hier vor unserem Haus verabschiedet. Wir wussten beide, wir würden uns nie mehr wiedersehen. Mein Vater sagte zu mir: ‚Junge, bleib gesund und bleib ein guter Jude!‘“, berichtete Siegbert Veit, der als einziger den Holocaust überlebte, bei der Stolperstein-Verlegung 2011.
Encore
Zum Schluss noch Musik: Am Wochenende tröstet sich Berlin mit dem „Ultraschall“-Festival über die stille Zwischenzeit der aktuellen Pandemie-Welle hinweg. „Neue und extra für das Instrument geschriebene Kompositionen auf der Schalmei zu spielen, ist ein Abenteuer, von dem ich nicht genug bekommen kann“, erzählt Katharina Bäuml, die am Sonntag mit ihrem Duo „Mixtura“ im Radialsystem auftritt. Hat sich Musik in Zeiten von Corona verändert? Bäuml sagt dazu auf Checkpoint-Nachfrage: „Für mich hat sich nicht die Musik verändert, aber die Art, wie wir sie wahrnehmen. Die gemeinsamen Momente sind noch kostbarer geworden.“ Kosten wir sie aus – mit unseren Ohren, Augen und Sinnen.
Geben Sie sich auch heute einen Sinn! Morgen sinn‘ wir wieder für Sie da, dann mit Nina Breher. Mit mir durchgemacht haben Thomas Lippold (Recherche), Sarah Borufka (Stadtleben) und Kathrin Maurer (Produktion). Halten Sie durch bis zum Wochenende – und immer weiter! Ich grüße Sie,

