stellen Sie sich vor, es ist Pandemie und keinen juckt’s. So wirkt es zumindest bei einer Fahrradtour gestern Nachmittag quer durch Berlin: Schöneberger Spielplätze, auf denen vor lauter Kindern die Sandkiste nicht mehr zu sehen war, Schüler, die in Gruppen durch Kreuzberg zogen und ihre unverhofften Ferien feierten, lange Schlangen vor Eisläden in Prenzlauer Berg, gut gefüllte Cafés in Mitte, selbst in Brillengeschäften und Nagelstudios mächtig Betrieb. „Wir haben es in der Hand, ob Solidarität nach innen und nach außen die Oberhand gewinnt – oder der Egoismus des Jeder-für-sich“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Videobotschaft und appellierte weiter: „Ihre Selbstbeschränkung heute wird morgen Leben retten“.
Viele Trümpfe hat die Politik in Sachen Coronavirus so langsam nicht mehr in der Hand. Nach Großveranstaltungen, Schulen, Kitas, Fitnessstudios, Bars und Clubs in Berlin, sollen nun deutschlandweit Geschäfte ganztägig geschlossen, Gottesdienste verboten und Aktivitäten in Vereinen, Sportanlagen sowie Musik- und Volkshochschulen eingestellt werden. Offen bleiben sollen: Supermärkte, Apotheken, Drogerien, Banken, Poststellen und Waschsalons. Politik kommt da an ihre Grenzen, wo sich die Gesellschaft versperrt. So bleibt ihr vielleicht bald nur noch ein Mittel, zudem Spanien, Italien und nun auch Frankreich gegriffen haben: Ausgangsperren. Frei nach Goethe: Und bist du nicht willig, so brauch ich Staatsgewalt.

Wohin die Verantwortungslosigkeit jedes Einzelnen für die Gemeinschaft führen kann, zeigt sich immer deutlicher in Italien. Über 25.000 Infizierte und rund 2000 Tote gibt es dort bereits. Die Krematorien arbeiten rund um die Uhr. Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps, Schutzmaterial fehlt, zehn Prozent aller Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern haben sich selbst infiziert. „Wir halten nicht mehr lange durch“, sagt ein Arzt.
In Berlin liegt die Zahl der bestätigten Infizierten aktuell bei 332. Ärzte betreuen 20 Erkrankte, drei davon intensivmedizinisch. Tausende sind in Quarantäne, darunter (als Vorsichtsmaßnahme) auch Xhains Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Um weitere soziale und damit virale Kontakte zu verhindern, will sich der Senat nach Tagesspiegel-Informationen heute dazu entscheiden, Shopping-Malls zu schließen, Restaurants nur noch bis 18 Uhr zu öffnen und Kundgebungen mit mehr als 50 Personen unter freiem Himmel zu verbieten. Unterdessen reisen in Schönefeld und Tegel noch immer Menschen aus Corona-Krisenländern ein. Ohne Fieber-Screening, ohne Gesundheits-Check. Und keinen juckt’s.
„Die Stadt wird anders sein – aber es bleibt unser Berlin“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montagabend in einer Fernsehansprache im RBB. Schon jetzt wirkt alles anders: Keine Schule, keine Kita, keine Schlange bei Mustafas. Innensenator Andreas Geisel (SPD) will derweil – anders als in Bayern – noch nicht den Katastrophenfall ausrufen. „In Berlin funktionieren die Strukturen zur Bewältigung der Krise.“
Wie gut Berlin die Krise meistert, wird auch eine finanzielle Frage sein. Mit einer dreistelligen Millionensumme im Monat rechnen Berlins Finanzpolitiker und wollen die gesetzliche Schuldenbremse aussetzen. Für normale Menschen geht das leider nicht. Egal, ob Künstler, Einzelhändler oder Gastronom – das Coronavirus wird für sie auch ohne Infektion existenzbedrohend. Was hilft: Solidarität. Eine Initiative bittet zum Beispiel um den Verzicht von Rückerstattungen bei abgesagten Veranstaltungen. Stattdessen gilt das Motto: „Meine Karte für meine Bühne“.
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Solidarität verdienen auch die heimlichen Helden des Alltags (weiter unten stellen wir stellvertretend eine Heldin vor), wie Supermarkt-Mitarbeiterin Farina Kerekes. Sie berichtet, über den Wahnsinn, der sich seit Tagen zwischen den Regalen abspielt: „Eigentlich liebe ich meinen Beruf. Obwohl es mich schon immer traurig gemacht hat, dass viele weder „Hallo“ noch „Danke“ oder „Bitte“ sagen. Aber seit Kurzem hat es eine neue Dimension: Wenn ich den Kunden erkläre, dass sie bestimmte Waren nur in handelsüblichen Mengen kaufen dürfen, fangen sie an, mich zu beschimpfen.“ Das ganze Protokoll lesen Sie hier.
Stichwort Supermärkte: Checkpoint-Leserin Britta von Helden bat uns, eine Idee aus Australien vorzustellen. Dort öffnen mehrere Supermärkte ihre Türen für Senioren eine Stunde früher, damit diese möglichst virenfrei einkaufen können. An Lidl, Aldi, Rewe und Co: Das wäre super, Märkte!
Weil man es gar nicht oft genug empfehlen kann: Unser Service-Stück zur aktuelle Lage in Berlin, mit allen Adressen, allen Telefonnummern und allen Entwicklungen gibt es
+ auf Deutsch
+ auf Englisch
+ auf Arabisch
+ und auf Türkisch.
Außerdem informieren wir Sie weiterhin auf unserer Website über alle Entwicklungen in zwei Liveblogs:
+ Alle wichtigen Meldungen aus Berlin und Brandenburg
+ Alle wichtigen Meldungen aus Deutschland und der Welt.
Eine Meldung aus der Nacht: Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind die für heute geplanten Präsidentschaftsvorwahlen im US-Bundesstaat Ohio kurzfristig abgesagt worden. Das teilte Ohios Gouverneur Mike DeWine am Montagabend (Ortszeit) mit. Wahlen inmitten der Corona-Krise abzuhalten, würde sowohl Wähler als auch Mitarbeiter in den Wahllokalen einem „inakzeptablen Gesundheitsrisiko aussetzen“, schrieb DeWine auf Twitter. Einen Nachholtermin nannte er noch nicht.
Alle Infos über die Richtungswahlen in den USA erhalten Sie jeden Donnerstag im Tagesspiegel-Newsletter „twenty/twenty“.
Die letzte Corona-Meldung macht Mut: Im Standesamt Tempelhof-Schöneberg führt das Virus zum Bürokratieabbau. Zwei Paare entschieden zuletzt beim Anmeldetermin für die Eheschließung direkt vor Ort zu heiraten. Was sonst Monate benötigt, dauerte nur Minuten. „Wir können nicht garantieren, dass die Termine in den kommenden Wochen stattfinden“, sagt der Leiter des Standesamtes, Gordon Holland, dem Checkpoint. Bislang gelten alle Termine, allerdings mit Einschränkungen. Paare dürfen nur noch Trauzeugen und einen Fotografen zur Trauung mitbringen. „Auch zum Schutz meiner Standesbeamten“, sagt Holland. Dass nun Paare direkt heiraten können, sei kein zusätzlicher Service, sondern Flexibilität. „Wir wollen, dass hier alle mit einem Lächeln rausgehen.“ Klarer Fall von Amt, aber glücklich.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Würden wir uns nur halb so entschlossen für die Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze einsetzen, wie bei der Bekämpfung des Coronavirus, gäbe es diese Meldung wahrscheinlich nicht. Auf der Insel Lesbos ist bei einem Brand im völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria ein sechsjähriges Mädchen gestorben. In der vergangenen Woche hatten mutmaßlich Rechte bereits ein Gebäude einer Hilfsorganisation angezündet.
Berlins grünster Bezirk ist zu grau: Xhain hat die höchste Einwohnerdichte Berlins (14.172 Einwohner/km²) und einen Versiegelungsgrad von 64,4 Prozent (Berlin-Durchschnitt: 32,8%). Eine Studie schlägt deshalb vor, wie das bestehende Grün gesichert und überflüssiges Grau abgebaut werden kann. Der spektakulärste Vorschlag: Die Nordseite des Halleschen Ufers soll zur Promenade werden, der Autoverkehr nur noch am Südufer rollen. Auf fast fünf Kilometer könnte so zwischen Urbanhafen und Kulturforum eine Flaniermeile entstehen. Umweltstadträtin Clara Herrmann (Grüne), die die Studie in Auftrag gegeben hat, kommentiert: „Wenn unser Bezirk einen lebenswerteren öffentlichen Raum bekommen soll, dann müssen wir radikal umdenken und umbauen.“ Gilt nicht nur für Xhain.
Radikal, aber reizvoll sind weitere Vorschläge aus der Studie: Das RAW-Gelände soll begrünt werden und einen Spielplatz bekommen, Friedhofsflächen umgenutzt und die begehbaren Uferwege von 9 auf 18,5 Kilometer ausgebaut werden – notfalls mit Stegen. Die Stellplätze am Urbankrankenhaus und Rathaus Kreuzberg, sowie die versiegelten Freiflächen der Polizei im Bergmannkiez könnten entsiegelt werden und Kunstrasenplätze sollen wegen Mikroplastik aus umweltfreundlicherem Material hergestellt werden. Ideen über Ideen, nur Geld sei dafür noch gar keins da, sagte Herrmann der taz. Doch auch Utopien haben ihren Preis.
Apropos Geld – die gute Nachricht zum heutigen Equal Pay Day: Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – der unbereinigte Gender Pay Gap – war 2019 um ein Prozentpunkt geringer als in den Vorjahren. Die schlechte: Frauen haben in Deutschland noch immer 20 Prozent weniger verdient. (Q: Statistisches Bundesamt)
Erst das Amtsgericht, jetzt Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne): Man habe „Vorbehalte“ beim Mietendeckel, teilte Justizstaatsekretärin Daniela Brückner auf eine parlamentarische Anfrage der FDP mit (Q: „Morgenpost“). Offenbar geht in der Verwaltung die Angst vor einer Flut an Klagen um. „Im Bereich der Justiz erscheint eine Mehrbelastung der Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit sowie der Verwaltungsgerichtsbarkeit als möglich“, sagt Brückner. Da brodelt was…
Christian Gräff (MdA CDU) wollte vom Senat wissen: „Wie lassen sich die Berliner Mittelwerte zum MietenWoG pro qm/monatlich in der Tabelle auf Seite 32 der AGH Drucksache 18-2347 v. 28.11.2019, Spalte 2, Zeilen 3-14 mathematisch mit Hilfe einer Formel aus dem Mietspiegel 2013 herleiten?“ Antwort des Senats: „Eine mathematische Herleitung mit Hilfe einer Formel war grundsätzlich nicht notwendig.“ Mathe mit dem Checkpoint entfällt deshalb heute.
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Hören Sie jetzt den Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ bei Spotify, Apple Podcasts oder überall sonst, wo’s Podcasts gibt! Tagesspiegel Checkpoint-Autorin Ann-Kathrin Hipp nimmt sich einmal im Monat ein Thema vor, eine Berlinerin oder einen Berliner mit und fährt eine Runde Ringbahn. Los geht’s in der ersten Folge mit Autor Jens Bisky.
Frage für BerlinkennerInnen: Worum handelt es sich bei „First Mover“, „Pole Position“, „See-Meile“, „Safari“, „Intelligente Parkplatzsuche“, „STIMULATE“, „RAMONA“ und „Shuttles& Co“? Die Antwort gibt die Antwort auf eine Anfrage von Danny Freymark (MdA CDU): Es sind „Smart-Region-Projekte“ zur Verkehr- und Parkraum-Steuerung. Für den smarten Warenverkehr gibt es übrigens auch ein Projekt: „Kabelsalat-Berlin“.
Happy St. Patrick‘s Day an die rund 4000 Iren in Berlin! Partys fallen wegen Corona aus, Pubs bleiben zu, aber Guinness hamstert der Berliner zum Glück nicht. Der irische Trinkspruch passt aktuell noch besser als sonst: Sláinte – Gesundheit!
Frankfurter Allgemeine statt Frankfurter Tor: Die Verkehrsverwaltung wirbt für ihre sogenannte Mobilitätswende mit den Worten „Umdenken und Umlenken“ – auf der Website der FAZ. Da ist scheinbar jemand auf dem Irrweg.
Leseempfehlung, wenn Sie keine Lust auf schlechte Laune haben: Vor 30 Jahren fanden die ersten freien Wahlen in der DDR statt. Mein Kollege Lothar Heinke erinnert sich an eine „neue Zeit“ und ein „wunderbares Jahr der Anarchie“.
Letzte Meldung aus dem Tagesspiegel, Seite 10, Überschrift: „Am BER wird gearbeitet“.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Gesunde Mobilität in Krisenzeiten soll einfach sein.“
Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) über das vom Land geförderte Leihradsystem nextbike, das von heute an bis zum 19. April kostenlose Fahrten für bis zu 30 Minuten pro Ausleihe anbietet.
Tweet des Tages
Am Halensee sitzt der erste FKK-Freund in der Sonne, Berlin bleibt Berlin.
Stadtleben
Erste Erfahrungen aus dem Homeoffice mit Schul- und Kita-Kind: Jeder Newsroom ist ein Ort der Besinnung dagegen! Da müssen Wortfamilien erklärt und Tränen getrocknet werden, während der Computer ständig Nachrichteneingang meldet. Deshalb: Deaktivieren Sie zuerst alle Alarmsignale ihrer digitalen Arbeitsgeräte. Tipp Nummer zwei: Werden Sie Prepper! Damit meine ich nicht, zu HamsterkäuferInnen, sondern Meal Prepper. Was am Abend vorgekocht wurde, spart mittags wertvolle Zeit. Außerdem: Manchmal ist weniger mehr. Lieber eine Stunden intensiv mit dem aufmerksamkeitshungrigen Nachwuchs spielen, als zwei Stunden lang auf doppelten Hochzeiten tanzen. Holt man mit konzentrierter Arbeit schnell wieder rein, während Mini und Maxi zusammen die Elefanten-App durchkämmen.
Wer noch Übungsmaterial sucht: Der Grundschulkönig stellt kostenlos Arbeitsblätter bereit. Meine große Tochter übt gern und freiwillig mit der Anton-App, die ist super nah an den Lehrplänen dran (Klasse 1-10). Bloggerin und Digital-Beraterin Verena Pausder hat eine sehr ergiebige Linksammlung über Lernportale zusammengestellt, darunter sogar welche, wo Kinder programmieren lernen können. Tipps zur Organisation von Homeoffice und Homeschooling finden Sie bei Kika. Weitere – analoge und digitale – Empfehlungen für das häusliche Klassenzimmer haben meine KollegenInnen vom Wissen-Ressort hier gesammelt.
Nach einem Tag wie diesem, der, trotz – oder wegen – der Homeoffice-Situation, voller kleiner Dramen steckte, lässt mich eine Folge des Podcasts „Meditation, Coaching & Life“ gut runterkommen. Die sonore Stimme von Curse, den man auch als Rapper kennt, reflektiert gegenwärtige Denk- und Verhaltensmuster auf humorvoll-entspannte Weise, mit einer guten Prise Buddhismus und kleinen Meditationseinheiten, die nicht unbedingt im Schneidersitz absolviert werden müssen. Auch wenn meine Gedanken beim Hören manchmal abschweifen: Ich liebe seine Stimme!
Mehr Entertainment verspricht die Unerhörte Musik, die heute Abend im BKA vor verwaisten Plätzen gespielt und ab 20.30 Uhr live auf Facebook gestreamt wird. Das Duo im Goldrausch, bestehend aus mit Sabina Matthus-Bebie (Klarinette/ Bassklarinette) und Felix Kroll (Akkordeon), spielt skandinavische Musik u.a. von Simon Steen Andersen, Mela Meierhans und Magnus Lindberg. Das Kammermusikprojekt „In Nacht und Eis“ war ursprünglich für ein Konzert in Island geplant und soll „Klänge zusammenführen, welche in irgendeiner Form mit dem hohen Norden Europas zu tun haben“.
Apropos Musik: Die Philharmoniker bieten derzeit 30 Tage lang einen kostenlosen Zugang zur kompletten Digital Concert Hall an – das heißt Zugriff auf mehr als 600 Konzerte aus über zehn Jahren, darunter alleine 15 mit dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko sowie die Projekte des Educationprogramms. Ebenfalls bald dort zu finden: das Konzert mit Sir Simon Rattle vom letzten Donnerstag mit Werken von Berio und Bartók, das schon fertig geprobt war, als Kultursenator Klaus Lederer alle staatlichen Konzerthäuser, darunter auch die Philharmonie, vorerst schloss. Das Angebot gilt bis zum 31. März, Registrierung erforderlich.
Zum Schluss noch ein Tipp von Checkpoint-Leserin Sabina Wronski gegen eventuell aufkommende häusliche Langeweile: „Reaktivieren oder erlernen (youtube!) alter Handarbeitstechniken. Stricken, häkeln, sticken... sehr entspannend!“
In diesem Sinne: Lassen Sie die Nadeln klappern! Stefanie Golla wünscht einen tiefenentspannten Dienstag.
Berlins heimliche HeldInnen
Seit 1978 ist Astrid Meier Erzieherin, viele tausende Kinder hat sie über die Jahrzehnte gehütet und großgezogen. Von heute an kümmert sich die 63-Jährige, die den „Kinderhorst Gropiusstadt“ leitet, erstmal nur noch um zwei Kinder. Notversorgung. Für Meier Ehrensache: „Ich mache mir keine Sorgen um mich, ich habe gute Abwehrkräfte.“ Trotz aller Anstrengungen und der überschaubaren Entlohnung, hat Meier ihren der Job immer gerne gemacht. Nun werden ihr die Kinder fehlen, befürchtet sie. „Deshalb habe ich mir vorgenommen, ihnen regelmäßig zu schreiben.“
In den kommenden Tagen wollen wir an dieser Stelle Menschen vorstellen, die Berlin aktuell am Laufen halten. Wem wollen Sie danke sagen? Schreiben Sie uns gerne: checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
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Frühjahrsauftakt 2020: 10% Frühjahrsrabatt
Zum siebten Mal in Folge freuen wir uns, Sie und Ihre Familie zum großen Frühjahrsauftakt einladen zu dürfen. Am 28. März 2020 von 8 bis 18 Uhr erwartet Sie in allen drei Niederlassungen ein Blumenpräsent für die ersten 1500 Besucher und tolle Highlights bei Party, Gewinnspiel und Produkten. Holz Possling
Verkehr – Schönerlinder Straße (Buch): Bis Ende April ist die Schönerlinder Straße zwischen Schönerlinder Chaussee und der Landesgrenze in beide Richtungen für Autofahrer gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet.
Potsdamer Straße/Ebertstraße (Mitte): Mit Einschränkungen bei der Zufahrt ist bis Montag zu rechnen.
S-Bahn - Vorab: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (22-1.30 Uhr) verkehrt die S46 nicht wie gewohnt zwischen Südkreuz und Westend. Alternativ kann die Ringbahn genutzt werden.
Schiffsverkehr: Wer heute zwischen 6-16 Uhr den Charlottenburger Verbindungskanal zu Wasser passieren möchte hat leider Pech – der Kanal ist für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt.
Demonstrationen – Heute ist Equal-Pay-Day! Im Anbetracht der Umstände finden dazu heute keine Kundgebungen statt. Das Bezirksamt Schöneberg setzt aber auf stille Weise ein Zeichen: am Rathaus-Vorplatz wird eine Fahne gehisst.
Gericht – Lebenslange Haft oder Freispruch? Mit Spannung wird das Urteil im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der vor mehr als 13 Jahren verschwundenen Georgine Krüger erwartet. Ali K. (44) soll die damals 14-Jährige vergewaltigt und getötet haben. Die Leiche wurde nie gefunden (13.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Universität – Jeder kennt sie, fast jeder hat sie zuhause: Brettspiele. Bei Monopoly oder dem Spiel des Lebens geht es vor allem um Konsum. Nicht verwunderlich also, dass sie in der DDR verboten waren. Doch wie so vieles schafften auch sie es über die Mauer, ob kopiert oder auf die eigenen Lebensverhältnisse angepasst. Mit der Spielkultur der DDR beschäftigt sich der Vortrag „Von Monopoly bis Bürokratopoly“ von Maren Röger (Geschichtswissenschaftlerin) und Martin Thiele-Schwez (Spieleentwickler und -sammler). Gehalten wurde er im Zuge der Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung im Dezember am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Nachzuhören ist er im Hörsaal-Podcast von Deutschlandfunk Nova.
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"Berlin heute" präsentierte Ihnen Holz Possling
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Sabine Baumeister, „München leuchtet. Alles Liebe aus Berlin zum runden Ohne-Party-Geburtstag von Thea.“ / Christoph Heusgen (65), Ökonom und Diplomat / „Die herzlichsten Glückwünsche zu Deinem 66.ten, lieber Michael in Lindelbach, von deiner Berliner Sippe.“ / Armin Petras (57), Regisseur und ehemaliger Intendant des Maxim-Gorki-Theaters / Florian Schweiger (59), „Happy Birthday & alles Liebe vom Sohn“ / „Herzlich gratulieren wir unserer uns immer wieder inspirierenden Freundin Sybilla Zaumseil zum Geburtstag Monika und Rosemarie“ / Korrektur: Gestern haben wir hier leider den Namen eines Geburtstagskindes falsch geschrieben. Liebe Hannelore Koard, wir entschuldigen uns für diesen Fehler und wünschen nachträglich alles Gute!
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Horst Borasch, * 4. März 1930, langjähriger Produktionschef Fernsehen des Senders Freies Berlin / Ulrich Henneberg, * 28. Juli 1927 / Hans-Joachim (Jochen) Werbke
Stolperstein – Heute vor 78 Jahren, am 17. März 1942, starb Minna Joelsohn im Ghetto Łódź/Litzmannstadt an den katastrophalen Lebensbedingungen. Ein Jahr zuvor, am 1. November 1941, musste sie ihre letzte Wohnung in der Rosa-Luxemburg-Straße 18 in Mitte verlassen und wurde gemeinsam mit Ehemann Jacob im 18. Osttransport deportiert. Beide waren erst sieben Jahre zuvor aus Polen nach Berlin gekommen.
Encore
Sex sells – auch in Krisenzeiten. 40 Prozent über den Erwartungen liegt der Umsatz beim Sexspielzeughersteller „Womanizer“ allein in Deutschland. Offenbar gibt es eine Korrelation zwischen der Ausbreitung des Coronavirus und den Verkaufszahlen. In Italien wurden die Prognosen sogar um 60 Prozent überboten. Klingt logisch, schließlich fanden Forscher unlängst erst heraus, dass Masturbation das Immunsystem stärke. Bei „Womanizer“ freut man sich. Johanna Rief, Head of Sexual Empowerment: „Die Aussicht, potentiell mit oder ohne Partner eine längere Zeit zu Hause bleiben zu müssen, verleitet viele Menschen wohl dazu, Mittel und Wege zu finden, um das Beste aus der verfügbaren Zeit zu machen.“
Machen Sie ebenfalls das Beste aus Ihrem Tag, am besten aber ohne größere Gesellschaft. Morgen beglückt Sie hier wieder Ann-Kathrin Hipp mit allen Neuigkeiten aus Berlin und der Welt. Bleiben Sie gesund!