wir sollten die Definition von „Mitte“ nochmal klären. Als Mitte [die] bezeichnet man „einen Punkt oder Teil von etwas, der von allen Enden oder Begrenzungen gleich weit entfernt ist“ bzw. politisch betrachtet eine „Partei, Gruppierung zwischen rechts und links“. Ein FDP-Ministerpräsident, der mit den Stimmen einer rechtsradikalen Partei ins Amt gewählt wird, kann und darf sich niemals zur Mitte zählen. Auch dann nicht, wenn die Thomas Kemmerichs und Mike Mohrings dieser Welt es gebetsmühlenartig behaupten.
Was sich gestern in Thüringen abgespielt hat, ist eine politische Zäsur. Der 05.02.2020 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem die Fünf-Prozent-FDP unterstützt von CDU und AfD einen neuen Ministerpräsidenten stellen konnte. Als der Tag, an dem die AfD samt faschistischem Spitzenpersonal jubeln, Hände schütteln und auf allen Kanälen den gemeinsamen Erfolg einer „bürgerlichen Allianz“ gegen links feiern konnte. Wir gegen die – eigentlich waren das in erster Linie immer die Demokraten gegen die Antidemokraten. Wir gegen die… Gegen das Vergessen!
Und jetzt? In Berlin und anderen Städten haben am Mittwochabend tausende Menschen demonstriert. Die Bundes-SPD fordert schnelles Handeln. Die CDU-Bundesparteispitze will den Fehler korrigieren und plädiert geschlossen für Neuwahlen. CSU-Chef Markus Söder ebenso. FDP-Chef Christian Lindner überlässt dem Landesverband die Verantwortung. Die Thüringer Landesvorsitzenden sind gezwungen, ihre Beschlüsse nochmals zu überdenken und ggf. zu rechtfertigen. Fest steht: „Wir haben von nichts gewusst“ und „Wir sind nicht verantwortlich“ zählt nicht. Die politischen Amtsträger werden sich an ihren Entscheidungen messen lassen müssen.
Rechts weiter geht es mit einer Meldung aus dem Sport. Hertha BSC-Verteidiger Jordan Torunarigha ist beim Pokal-Aus auf Schalke am Dienstagabend von Zuschauern mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden. „Um nur ansatzweise annähernd eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich ein 22-jähriger Mensch fühlen muss, der in Deutschland geboren wurde, der nie in einem anderen Land gelebt hat, dessen Muttersprache Deutsch ist, der seit bald zehn Jahren für deutsche U‑Nationalmannschaften seine Knochen hinhält – obwohl sein eigener Vater noch in den 90ern von Rassisten mit Messern durch Chemnitz gejagt wurde – und der dann mit Affenlauten beleidigt wird, sollte man sich die Bilder anschauen, die gestern während des Spiels entstanden sind“, schreibt Max Dinkelaker (11 Freunde). Zu sehen ist, dass Torunarigha weint. Dass seine Mitspieler versuchen, ihn zu trösten. Deutschland hat ein Rassismusproblem – auch auf dem Platz.
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Podiumsgespräch
Kurator David Blankenstein im Gespräch mit Hazel Rosenstrauch und Jutta Weber über die privaten Kontakte und wissenschaftlichen Netzwerke der Brüder Humboldt.
MI 12.2., 18.30 Uhr, Pei-Bau
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich: https://events.dhm.de
Dazu: Die Zahl der rechtsextremen Gefährder ist deutschlandweit gestiegen. 53 sind es laut BKA – und damit doppelt so viele wie vor zwei Jahren.
Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei, aber wenn er sowieso schon verdorben ist, muss man eben nochmal ran. Und so haben sich am Mittwoch unter anderem Vertreter der Wirtschaftsverwaltung, Bildungsverwaltung und Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Integration getroffen, um über Lösungen im Schulessensausschreibungsstreit zu diskutieren. Man WILL ja eine, man muss sie nur noch finden.
Dass die Verträge neu ausgeschrieben werden, ist unwahrscheinlich (die Frist für den Abschluss der Vergabe bis zum Schuljahresbeginn Anfang August wäre kaum zu halten; außerdem könnten bereits Angebote eingegangen sein). Einen Kurzzeitvertrag (bis das Vergabegesetz beschlossen ist) sieht man skeptisch. Eine mögliche Option: den Vergabemindestlohn per Verordnung anpassen (funktioniert, wenn ein Gesetz schnell folgt). Müsste dann aber auch schnell folgen!
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Wer gewinnt den OSCAR® für den besten Film?
Bald ist es wieder soweit – in Hollywood werden die Oscars® verliehen. Stimmen Sie jetzt ab, wer den begehrten Filmpreis mit nach Hause nimmt. Als Dankeschön erhalten Sie den Tagesspiegel 4 Wochen gratis und die Chance auf 1 von 50 Jahreskarten der Yorck Kinogruppe. Jetzt mitmachen!
Manche Dinge muss man einfach gut verkaufen! „Acoustic Shell“ könnte ein neue Indie-Popband sein, eine Soundperformance im HAU oder eine Aktion von Lars Eidinger. Tatsächlich ist es eine „mobile Konstruktion zur Schallreduktion“, die der gemeinnützige Verein „Freunde des Mauerparks e.V.“ künftig sonntags aufstellt, um AnwohnerInnen vor dem Karaoke-/ Künstler-/ Gute-Laune-Lärm zu schützen. Getestet wird der Prototyp entlang der Schwedter Straße, funktioniert’s, werden weitere angeschafft. „Wir brauchen solche innovativen Experimente zu Ausbalancierung der zunehmenden Nutzungskonflikte“, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). Gehört zu einer wachsenden Stadt.
Zur wachsenden Stadt I: Die „Community“ lifeX bietet WG-Zimmer in Mitte, Moabit und Tiergarten ab monatlich 1.200 Euro – und damit Zugezogenen aus ihrer Perspektive eine einmalige Chance. „Obwohl die Wohnkosten immer noch niedriger sind als in Paris und London, ist Berlin einer der am schnellsten wachsenden Wohnungsmärkte der Welt. Infolgedessen haben anspruchsvolle Vermieter es insbesondere Expats unglaublich schwer gemacht, sich in der Stadt niederzulassen“, heißt es auf der Webseite. „Bis jetzt.“ Naja… immerhin den Flatscreen gibt’s inklusive.
Zur wachsenden Stadt II: In Berlin-Lankwitz wird aktuell eine Wohnung per Gewinnspiel vergeben. Für 10.000 Euro gibt’s ein Los, alle Teilnehmenden bekommen via Mail Aufgaben aus Klassenarbeiten der achten bis zehnten Klasse (Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Erdkunde und Sprachen, sowohl als Textaufgaben als auch Ankreuzfragen) zugeschickt, die es zu erledigen gilt. Die Arbeit mit der geringsten Fehlerrate (Lösung der Aufgaben, Form, Rechtschreibung = höchste Punktzahl) gewinnt. Bei gleicher Punktzahl entscheidet die kürzeste Bearbeitungszeit. „Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.“
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Der größte Kongress für Mobilitäts-Entscheider in der Hauptstadt feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum und findet vom 23. bis 24. März statt. Treffen Sie 1.500 Entscheider aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik sowie Kommunen und diskutieren Sie über die Zukunft der Mobilität. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket für 259 Euro (regulär 395 Euro).
Alte Führerscheine adé: Laut EU-Richtlinie müssen Papiere, die vor dem 19.01.2013 ausgestellt wurden, vom nächsten Jahr an umgetauscht werden.Vorbereitungen in der Verwaltung! Auf welchem Stand ist da Berlin? „Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) ist bereits seit einiger Zeit gemeinsam mit den zuständigen Senatsverwaltungen in Gesprächen, um die Umsetzung der Aufgabe zu klären“, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage von Stefan Ziller (MdA Grüne). Schon im Jahr 2021 würden 120.000 zusätzliche Umtauschanträge erwartet – macht eine „Verdopplung der bislang jährlich in der Fahrerlaubnisbehörde zu bearbeitenden Anträge“.
Ganz schönes Brett für die Berliner Verwaltung. Das weiß auch das LABO selbst und hat deshalb „die Programmierung einer Schnittstelle zur digitalen Übermittlung der in den Bürgerämtern angenommenen Führerschein- und Fahrerlaubnisanträge in Auftrag gegeben“. Die Inbetriebnahme soll noch dieses Jahr erfolgen. Der Checkpoint wünscht gutes Gelingen!
Berliner Schnuppen
Telegramm
Kurzer Blick in die USA: Das Impeachment-Verfahren gegen US-Präsident Donald Trump ist gescheitert. Der Senat hat in keinem der Anklagepunkte ein Vergehen erkannt.
Fridays for Future Berlin macht Schule: Die Jugendbewegung wird künftig enger mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zusammenarbeiten: Geplant sind u.a. gemeinsame Klimakonferenzen. Außerdem sollen Schulen Klimaverträge abschließen. Gegen Flüge bei Klassenfahrten oder Plastikbesteck in Mensen.
Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat die Durchführung der Studie „Berlin Paris-konform machen: Aktualisierung der ‚Machbarkeitsstudie Klimaneutrales Berlin 2050‘“ ausgeschrieben. Ziel ist es, auf Grundlage einer zu aktualisierenden und ggf. ergänzend zu ermittelnden Datenbasis (Phase 1) Szenarien und Zielpfade zum Erreichen der Klimaneutralität zu bestimmten Zieljahren (2030, 2035, 2040, 2045 und 2050) zu entwickeln und auszuwerten (Phase 2), um letztlich Strategie- und Handlungsempfehlungen „für einen ambitionierteren Klimaschutzfahrplan und das Identifizieren möglicher Sofortmaßnahmen“ zu schaffen (Phase 3). Die Ausschreibung läuft bis zum 23.03.2020, 12 Uhr. Dabei ist es eigentlich ja schon fünf nach.
Wie viel (oder wenig) Sinnvolles die AfD in einem Landtag zum politischen Geschehen beiträgt, zeigt immer wieder ein Blick in die parlamentarischen Anfragen. Heute: Gunnar Lindemann, MdA in Berlin. Anlässlich der beschlossenen Klimanotlage fragt er, welche Maßnahmen der Senat ergreift, um a) „Menschen mit Fluchterfahrung und Asylbewerber aus diesem Notlagegebiet Berlin zu evakuieren“ und b) „die Berliner Bevölkerung zu schützen und aus dem Notlagegebiet Berlin zu evakuieren?“ Antwort des Senats: Man nimmt erstmal die Verantwortung wahr, „globalen Fluchtursachen vorzubeugen und Berlin als lebenswerte Stadt für alle Einwohnerinnen und Einwohner zu erhalten“. Betonung liegt auf alle.
37.000 Liter Wasser soll die Tesla-Fabrik in Brandenburg verbrauchen – pro Stunde. Die Anwohner protestieren, das brandenburgische Wirtschaftsministerium sieht erstmal keine Gefahr. „Das Projekt ist insgesamt auf einem guten Weg. Wir sind optimistisch, dass die Ansiedlungen klappen werden“, sagt Regierungssprecher Florian Engels.
Die Verkehrswende rollt langsam, aber sie rollt! Vom achten März an fahren die neuen Intercity-Doppelstockzüge zwischen Rostock-Berlin-Dresden. „Mit ausreichend Platz für Gepäck, acht Fahrräder sowie zwei Rollstuhlstellplätze.“ Hoffentlich pünktlich!
Und tschüss! Seit gut einem Monat schleppt die BVG Fahrzeuge ab, die fälschlicherweise auf Haltestellen und Tramgleisen parken. Die Bilanz: rund 150 Fahrzeuge wurden entfernt. Drei FahrerInnen hatten das Glück, rechtzeitig loszufahren, bevor der Wagen eintraf. (Q: Berliner Morgenpost)
Aus Angst vor dem Coronavirus meiden BerlinerInnen das Dong Xuan Center oder asiatische Restaurants. Checkpoint-Analyse: nicht sinnvoll.
Personalmangel, öffentlicher Druck und der politisch gewollte Anspruch, zur medizinischen Weltspitze zu gehören – die Charité kämpft derzeit mit ihrem Image. Um ihre Standards einzuhalten, werden zusätzlich zu den 4.500 Pflegekräften mindestens 100 gebraucht. „Das deutsche Gesundheitssystem hat ein ernsthaftes Problem“, sagt Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD). „Auch die beste Hochschulklinik Deutschlands ist nicht gegen den bundesweit herrschenden Personalmangel immun.“
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl tritt nicht mehr als SPD-Kreisvorsitzende in Mitte an. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, will sich die Politikerin auf ihr Mandat im Bundestag konzentrieren. NachfolgekandidatInnen gibt’s offiziell noch nicht.
Alle Jahre wieder: Das Berliner Olympiastadion, das 2000 bis 2004 komplett umgebaut und modernisiert wurde, ist sanierungsreif. Laut Innen- und Sportverwaltung werden bis 2029 rund 70 Millionen Euro für Instandhaltungen und Modernisierungen benötigt. Und das bei einem Hertha-Auszug bis 2025.
4.188.000 Besuche haben die Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam mit dem Musikinstrumenten-Museum 2019 gezählt. Macht einen Zuwachs von mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und den höchsten Wert seit 2013 – Kultur gut!
382 Mal musste die Berliner Polizei im vergangenen Jahr allein „im Kampf“ gegen die Clan-Kriminalität ausrücken. 972 Strafanzeigen wurden gestellt, die meisten aufgrund von Drogendelikten (Q: Berliner Zeitung). Wie oft Rapper involviert waren, wurde nicht erfasst.
Auf dem Spielplatz am Arnswalder Platz (Prenzlauer Berg) wurde erneut eine Rasierklinge gefunden – von einem sechsjährigen Kind. Die Polizei prüft Zusammenhänge zu früheren Fällen.
Die Veranstalter der Fusion haben die auf dem Festival illegal aufgenommenen Nacktvideos (CP von gestern) löschen lassen.Sie wollen nach eigener Aussage herausfinden, wer der Urheber ist und dann über weitere Schritte entscheiden.
Tatütata – drei neue Ausschreibungen der Berliner Feuerwehr sind da. Gebraucht werden: Strickmützen, 288 Sonnenschutzhüte und 500 Feuerschutzhauben sowie „Jugendfeuerwehrstiefel“ (wetterunabhängig).
Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg sucht eine/n „Werkstudent ORAT Flughafenumzug“ (ORAT = Operational Readiness and Airport Transfer und bezeichnet die Generalprobe für einen neu erbauten Flughafen), Aufgaben sind u.a.: Mitwirkung bei Vergaben und Beschaffungen zum Flughafenumzug, Unterstützung bei der Erstellung der Umzugsrichtlinien und anderer Unterlagen für den Flughafenumzug und Mitwirkung im Aufbau und der Durchführung von Umzugsaudits für externe Umzugspartner. Die Stelle ist befristet: bis 31.12.2020.
Zum Schluss: „Ich ruf' da mal an“, das hat Hans Nibbrig immer gesagt. Am Sonntag ist der Berliner Journalist im Alter von 62 Jahren gestorben. Er war seit 1995 Gerichts- und Polizeireporter der „Morgenpost“. Die Kollegen haben einen Nachruf veröffentlicht (hier) – unser herzlichstes Beileid.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die Hoffnung, dass Investoren den Wohnungsmangel in Berlin beheben könnten, scheint ungefähr so gut begründet wie die Hoffnung, die Unmengen an Ratten in Berlin – es sind wirklich sehr viele – mit Globuli zu bekämpfen.“
Autorin Margarete Stokowski in ihrer Spiegel-Kolumne
Tweet des Tages
Habe mir heute 3h Digital-Detox mit top Ausblick gegönnt. Oder wie man auch sagen kann: Regionalbahn Brandenburg.
Stadtleben
Essen – Dass The Bread Station jetzt Die Brodstätte heißt und neben einer Filiale in Kreuzberg (Planufer 92D) auch eine in Prenzlauer Berg (Christinenstraße 19A) eröffnet hat, dürfte mittlerweile bei jedem angekommen sein. Jedenfalls bestätigt die omnipräsente Vermeldung des Standortwechsels die Beliebtheit der Natursauerteigbrote, Zimtschnecken und Croissants. Dabei gibt es noch mehr Läden mit überzeugender Brot- und Brötchenexpertise. Tagesspiegel-Genuss-Experte Kai Röger rät zum unbedingten Abstecher in die portugiesische Bekarei im Helmholtzkiez, deren „Pasteis de nata“ selbst Kenner überzeugen und von den Kindern im Kiez wegen der „Tosta mista“ geschätzt würden. Prädikat: Auch nach Tagen noch genauso frisch wie am ersten – ganz ohne Chemie. Zu finden in der Dunkerstraße 23 (S-Bhf Prenzlauer Allee), Mo-So 7.30-18.30 Uhr.
Trinken – Es muss ja nicht immer die Simon-Dach-Straße sein, aber die Richtung stimmt schon mal, denn in der Niederbarnimstraße 23 bietet die Sohnemann Bar entspanntes Fine Drinking in familiärer Atmosphäre. Die Drinks tragen Namen wie „Tante Käthe“ oder „Opa Willy“, auch ein „Friedrich“ befindet sich darunter: Als Reminiszenz an den Namensgeber des Bezirks kommen „Whisky, Chartreuse, selbstgemachter Biersirup und ein Hauch von Angostura“ ins hochstielige Glas. Ganz neu auf der Karte: „Mein Martini“, bestehend aus Vodka, Wermut, Whisky und saurer Gurke. Sirups und Liköre kredenzt Inhaber Samir El-Khatib gern selbst, darunter auch ein Brombeer-Likör, der gerade zur kälteren Jahreszeit mundet. So durchkomponiert wie die Drinks ist auch die Einrichtung aus Holz und schwarzen Kacheln, die genau richtig mit Kerzen- und dezenten Oberlichtern ausgeleuchtet werden. Fehlt nur noch der Blumenstrauß auf dem Tresen. Ach, da steht es ja. U-Bhf Frankfurter Tor oder Samariterstraße, Mo-Sa ab 18 Uhr
Berlinbesuch – Er ging freiwillig ins KZ, um den Internierten Mut zu machen und die Vernichtung in Auschwitz zu dokumentieren: Witold Pilecki. Die wenig bekannte Geschichte des polnischen Widerstandskämpfers, der das KZ, aber nicht den Kommunismus überlebte, würdigt eine Ausstellung bis zum 31. März im Pilecki Institut am Pariser Platz 4a. Di-So 10-18 Uhr, Eintritt frei
Geschenk – „Bio“, „öko“, „nachhaltig produziert“ – das alles sind Label, die den Konsumenten Orientierung geben sollen und nicht zuletzt ein gutes Gefühl. Aber was genau bedeutet Nachhaltigkeit in der Mode? Ohne die Bedeutung von Bio-Baumwolle und Öko-Klamotten in Abrede zu stellen, klärt Dominique Ellen van de Pol in ihrem Ratgeber „Achtsam Anziehen – Nachhaltigkeit im Kleiderschrank“ auf, das nachhaltige Produktion vielschichtig und nicht unumwunden umweltfreundlich sein muss. Ihr Buch enthält daher keine Tipps für die besten Bio-Siegel, sondern Ratschläge und Denkanstöße, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Erschienen im Christian Verlag, 160 Seiten, 19,99 Euro
Noch hingehen – Vor mehr als 100 Jahren nahmen die ersten Frauen ein reguläres Studium an der Berliner Kunstakademie auf und schafften es trotz aller Widrigkeiten in die Öffentlichkeit. Einige Werke der Malerinnen und Bildhauerinnen sind noch bis zum 8. März in der Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit – Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ zu sehen. Alte Nationalgalerie, täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro.
Verlängert – Die 360°-Sound-Installation im Botanischen Garten, mit der Künstlerin Maria Thereza Alves und der Komponistin Lucrecia Dalt die „Natur. Nach Humboldt“ im Großen Tropenhaus hörbar macht, wurde wegen des großen Publikumsandrangs bis zum 16. Februar verlängert. Unter den Eichen 9-10, Mo-Do 14-19 Uhr, Fr-So ab 11 Uhr.
Last-Minute-Tickets – Wir haben alle eine Vorgeschichte. Auch der Joker. Wie der psychisch labile Möchtegern-Comedian Arthur Fleck zu Batmas Erzfeind wurde, zeugt heute um 20 Uhr das Kino Arsenal. Der Film von Todd Philipps (2019) wird in der Originalfassung im analogen Großbildformat gezeigt (Potsdamer Straße 2, Eintritt: 8 Euro). Oder Sie gehen ins HAU, wo „Die Kränkung der Menschheit“ noch vertieft wird (19 Uhr, Hallesches Ufer 32, Restkarten an der Abendkasse, wieder am 8. und 9. Februar).
Karten sichern für On Music im HKW. Mit dem neuen monatlichen Format will Detlef Diederichsen vom Haus der Kulturen der Welt dem hiesigen Diskurs über Musik neue Impulse geben. Nachdem drei der führenden deutschsprachigen Popmusik-Magazine (Spex, Groove, Juice) ihre Printausgabe einstellten, soll die „Analyse und Kritik von Musik“ on stage mit „Live-Worten, Live-Musik und Film-Screenings“ fortgesetzt werden. Los geht es am 5. März unter anderem mit Musik- und Kulturjournalistin Theresa Beyer, die über den Neustart der Musik-Online-Plattform Norient berichtet. Karten für diesen Auftakt unter dem Motto „Life after Music Magazines“ kosten 8 Euro und können hier bestellt werden.
Verlosung – Na, gehen Ihnen langsam die Ideen aus, wie Sie den Nachwuchs in den Winterferien bei Laune halten können? Schlittenfahren fällt ja leider wieder Mal aus, aber Zaubern geht: Noch bin Sonntag ist das FEZ ein großes Zauberschloss, auf dem alle Muggelkinder magischen Unterricht erhalten und in den Pausen Quidditch spielen dürfen. Tickets kosten 6 Euro p.P. (Familien ab 3 Personen zahlen 4,50 Euro p.P.) – wir haben 6 Freikarten für den morgigen Freitag organisiert. Wer möchte? Straße zum FEZ 2, S-Bhf Wuhlheide, für Kinder ab 6 Jahren
Mit diesem Stadtleben wünscht Stefanie Golla einen zauberhaften Donnerstag.
Berlin heute
Verkehr – A10: Von 7 bis 19 Uhr ist an der Anschlussstelle Michendorf-Nord die Auffahrt von der B2 in Fahrtrichtung AD Potsdam gesperrt. Der Verkehr in Fahrtrichtung AD Potsdam wird über die AS Michendorf-Süd, A10 und A115 zur AS Saarmund und von dort zurück zur A10 in Fahrtrichtung AD Potsdam geführt.
Seelenbinderstraße (Köpenick): In beiden Richtungen sind in Höhe Brandenburgplatz bis Ende Februar die Fahrstreifen verschwenkt. Die Anbindung Brandenburgplatz ist nur eingeschränkt befahrbar.
Körtingstraße (Mariendorf): Zwischen Fritz-Werner-Straße und Forddamm ist die Straße bis vsl. Ende Februar in beide Richtungen gesperrt. Fußgänger sind nicht betroffen, Radfahrende müssen schieben.
Mercedes-Benz-Arena (Friedrichshain): Alba dribbelt gegen Real Madrid, die Straßen im direkten Umfeld können vor Beginn des Spiels (20 Uhr) voll werden.
Charlottenburg, Tiergarten und Mitte: Wegen eines Autokorsos zwischen 12 und 18 Uhr (siehe Demonstration) kann es sich auf Heerstraße, Kaiserdamm, Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni, Yitzhak-Rabin-Straße und Heinrich-von-Gagern-Straße bis zum Platz der Republik stauen.
Tegel und Mitte: Ein Fahrradkorso fährt von der Holzhauser Straße über Seidelstraße, Scharnweberstraße, Müllerstraße, Chausseestraße, Invalidenstraße, Robert-Koch-Platz, Luisenstraße, Reinhardtstraße, Friedrichstraße, Unter den Linden und Spandauer Straße zum Roten Rathaus (17.30 bis 20 Uhr, siehe Demonstration). Auch hier ist mit Verkehreinschränkungen zu rechnen.
Wedding: In der Mittagszeit findet eine Demonstration zwischen Mittelallee und Charitéplatz Platz, hier ist ebenfalls Vorsicht geboten.
Demonstration – Um 12 Uhr startet im Brandenburgischen Premnitz aus „Protest zum Wohl unserer Kinder“ ein Autokorso, der mit ca. 300 Teilnehmenden über Charlottenburg, Tiergarten und Mitte bis zum Platz der Republik fährt, von dort aus geht es bis 18 Uhr zur Glinkastraße zu Fuß weiter. Am Neptunbrunnen in der Rathausstraße 1 versammeln sich ca. 40 Demonstrierende, um zwischen 14.30 und 17 Uhr eine „Mahnwache für die Gestorbenen an den europäischen Außengrenzen“ abzuhalten. Um 17.30 Uhr ruft der ADFC zur Mahnwache mit anschließender Fahrraddemo zum Gedenken an die am 3. Februar in Tegel getötete Radfahrerin auf. Start ist in der Holzhauser Straße, die Demo mit ca. 200 Teilnehmenden endet um 20 Uhr vor dem Roten Rathaus. Etwa 300 Menschen werden zu der von Verdi angemeldeten Demonstration unter dem Motto „Warnstreik Charité Facility Management“ erwartet. Start ist um 12.30 Uhr auf der Mittelallee am Virchow-Klinikum, Schlusspunkt der Charitéplatz um 14.10 Uhr.
Gericht – Ein 25-Jähriger, der wahllos Passanten beschimpft und Polizisten mit einer Bierflasche beworfen haben soll, kommt auf die Anklagebank. Der Mann gilt als psychisch krank. Es kommt seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 736).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Dem TopKämmerer Berthold Benterbusch zu 77. Geburtstag alles Gute und Glückwunsch von WiföMann Armin“ / Hans Otto Bräutigam (89), ehem. Diplomat und Politiker, ehem. Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland der DDR (1982-1989), ehem. Justizminister in Brandenburg (1990-1999) / Rolf Eden (90), Geschäftsmann und Alt-Playboy / Bärbel Freudenberg-Pilster (66), Juristin und ehem. FDP-Politikerin / Margitta Heinecke (70), „Alles Gute für ein gesundes Jahr und weiterhin erfolgreiche Tätigkeit“ wünscht Harald Günther / John Kornblum (77), Diplomat und Manager, ehem. amerikanischer Botschafter in Deutschland (1997-2001) und ehem. Deutschland-Chef der Investmentbank Lazard / Sibylle Möllering-Kaldewey (73), Schriftstellerin und Illustratorin / „Liebe Rosmarie, viel zu schnell ist ein Jahr vergangen, herzliche Glückwünsche, sei umarmt, Ute“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Horst Axel, * 13. März 1934, Kriminaldirektor a.D. / Harald Helmut Hassenpflug, Bürosachbearbeiter im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit / Philipp Krisch, * 19. Februar 1962 / Roland Pohl, * 13. Oktober 1942 / Stephan Karl Paul Strehlow, * 27. Mai 1960
Stolperstein – In der Curtiusstraße 108 in Lichterfelde erinnert ein Stolperstein an Paul Meyerheim (Jhg. 1896). Er arbeitete im Zentralausschuss der Juden für Hilfe und Aufbau, ab 1934 war er Finanzdezernent der Reichsvereinigung der Juden, die unter direkter Kontrolle der Gestapo stand. Am 10. Juli 1943 wurde die Geschäftsstelle in Berlin geschlossen, die Reichsvereinigung aufgelöst, das Vermögen beschlagnahmt und alle verbliebenen Mitarbeiter deportiert. Paul Meyerheim wurde bereits im Mai 1943 nach Theresienstadt deportiert, im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz und Dachau. Am 6. Februar 1945, heute vor 75 Jahren, wurde er in Flossenbürg ermordet.
Encore
Wir beenden den Checkpoint an diesem Donnerstag kurz und knapp mit einem Satz des Comiczeichners „Krieg und Freitag“: „Ich weiß, es ist hier nicht populär, das zu schreiben, aber ich liebe Berlin.“ Dem gibt es heute nichts hinzuzufügen.
Morgen übernimmt hier Laura Hofmann und berichtet aus der besten Stadt. Wir lesen uns am Samstag wieder. Bis dahin!