Der Tag beginnt mit einer schlimmen Nachricht. Bei einem schweren Verkehrsunfall ist in Charlottenburg gestern Abend eine Radfahrerin gestorben, sechs weitere Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Offenbar auf der Flucht vor der Polizei rammte ein Pkw an der Kreuzung Kantstraße und Windscheidstraße zwei unbeteiligte Fahrzeuge und erfasste die Radfahrerin, die bei grün ihr Fahrrad über die Ampel geschoben haben soll. Die Polizei hatte die drei Männer bei einem Diebstahl ertappt, daraufhin waren sie geflohen – offenbar mit sehr hoher Geschwindigkeit. Auch ein Polizist, der das Auto stoppen wollte, wurde verletzt. Alle drei Verdächtigen konnten, ebenfalls verletzt, festgenommen werden. Es ist bereits der neunte Mensch, der in diesem Jahr im Berliner Verkehr das Leben verlor, das Amt für Statistik hatte gestern mitgeteilt, dass es schon im ersten Quartal zwei mehr als im Vorjahr gewesen sind. Dass die Zahl der Verletzten von 3346 auf 3183 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenso leicht sank wie die Zahl der Unfälle insgesamt, kann da kaum ein Trost sein.
Zumindest ein wenig besser soll der Verkehr durch das deutschlandweit erste Mobilitätsgesetz werden, das heute im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beraten wird. Ende des Monats, noch vor der Sommerpause, soll es im Parlament verabschiedet werden – mit inzwischen knapp 50 Änderungen. Eine dieser Änderungen sieht auch vor, dass die BVG Falschparker künftig selbst von den Busspuren schleppen darf (und nicht mehr die Polizei rufen muss, die dann den Abschleppwagen ruft). 5144 Autos wurden im vergangenen Jahr abgeschleppt bei 8738 von der BVG gemeldeten Behinderungen. Fast genauso viele Anzeigen gab es im selben Jahr bei einer gezielten Polizeiaktion gegen Falschparker – in fünf Tagen (6795 Anzeigen, 282 Autos wurden umgesetzt). Dabei ging es allerdings zusätzlich um Falschparker auf Radspuren und in zweiter Reihe. Noch bis morgen läuft eine ähnliche Aktion der Polizei, Bilanz wird nächste Woche gezogen.
Die VIZ hat jedenfalls ihre Anzeigetafeln („Mo - Fr Polizeikontrollen: Rad- und Busspuren freihalten“, CP von gestern) noch einmal überdacht. Auch nach Ende der Aktion am Samstag soll auf ihren Hinweistafeln am Straßenrand stehen: „Busspuren und Radfahrstreifen freihalten!“ – ohne zeitliche Begrenzung, doch hoffentlich nicht ganz ohne Polizei.
Seit gut zwei Monaten ist Barbara Slowik Polizeipräsidentin, wer ihr ab September als Vize zur Seite steht, ist nun wohl auch geklärt. Dem Vernehmen nach gibt es nämlich nur einen Bewerber: Michael Lengwenings, 56, seit Ende 2014 Leiter der Polizeidirektion 6 (Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick). Er ist ein alter Bekannter von Innensenator Andreas Geisel aus dessen Zeit als Lichtenberger Bürgermeister. Und, welch ein Zufall: Ihren ersten öffentlichen Termin hatte Slowik Mitte April – auf U-Bahn-Streife mit Lengwenings in Lichtenberg.
Eine ganz andere Bedeutung bekommt die Bezeichnung Helikoptereltern in der Geschichte von CP-Leserin Antonia Stolz. Die fragt sich, ob sie einen solchen bekommt, um ihr Kind in die mehr als sechs Kilometer entfernte Grundschule zu bringen, die ihr von der Website der Bildungsverwaltung als Einzugsschule angegeben wird. Seit Wochen versucht sie beim zuständigen Bezirksamt Mitte jemanden zu erreichen, das Schulamt habe wegen der vielen Anfragen sogar eine Telefonsprechstunde eingerichtet, Ergebnis: dauerbesetzt oder Dauerklingeln. Emails werden nicht beantwortet. Vielleicht sind die Mitarbeiter gerade mal wieder beim Filmdreh?
Denn Mitte will nun bekanntlich auch ein bisschen was von der #weilwirdichlieben-Coolness der BVG abbekommen, Bürgermeister Stephan von Dassel hat gestern in seinem Bezirks-Newsletter nochmal Werbung für sein Werbefilmchen gemacht (CP vom 28. Mai). Zugegeben, der ist recht flott und der Slogan #wirmachenmitte auch nicht schlecht, doch wie wäre es zur Abwechslung mal mit #BerlinmachtSchule? Oder #Kitafüralle?
Nicht nur Mitte versucht sich neuerdings an die Hipster heranzutasten, auch Pankow ist nun offiziell in der Zukunft angekommen. In der BVV wurde gestern Abend ein elektronisches Abstimmungssystem eingeführt. Statt Zettelchen ankreuzen, in die Urne werfen, auszählen, geht nun alles per Knopfdruck. Zack, wird die Wand grün oder rot wie bei der richtigen Antwort in einer Fernseh-Quizshow. Und, oh Wunder, es klappt sogar alles gleich beim ersten Mal, was ja in Berlin durchaus eine Nachricht wert ist. Nur Walkie-Talkies dürfen im Saal weiterhin nicht verwendet werden (Beweisfoto: hier)
Die Länge der Veranstaltung hat das allerdings nicht beeinflusst: Knapp fünf Stunden hat die BVV gedauert, Ergebnisse gibt es heute im Pankow-Newsletter von Constanze Nauhaus – ebenfalls ganz einfach per Knopfdruck.
Wie auf Knopfdruck werden in den vergangenen Wochen immer wieder Vorschläge für einen weiteren Feiertag in Berlin abgespult, bald ist das Jahr voll: 27. Januar (Befreiung von Ausschwitz), 18. März (Revolution 1848), 8. Mai (Tag der Befreiung), 9. Mai (Europatag), 23. Mai (Tag des Grundgesetzes), 17. Juni (Volksaufstand in der DDR), 9. November (Reichspogromnacht und Mauerfall). Neuester Vorschlag: 8. März, Internationaler Frauentag. Dafür hat Iris Spranger (SPD) nun eine Online-Petition gestartet.
Stand der Unterstützer: 102. Ihre SPD hat schließlich am Wochenende auf dem Parteitag den Feiertag beschlossen. Mein Kollege Ulrich Zawatka-Gerlach erinnert allerdings daran, dass selbige 1967 schon mal den Reformationstag zum Feiertag erklären wollte, „was darauf hinweist, dass politische Feiertagsversprechen nicht der Rede wert sind“. Die Grünen halten es mal wieder basisdemokratisch und wollen, dass sich jeder seinen Tag selbst aussuchen kann.
Und die FDP? Erweist sich mal wieder als Partypuper. Stellungnahme des wirtschaftspolitischen Sprechers im AGH, Florian Swyter: „Wir sind grundsätzlich gegen einen zusätzlichen Feiertag in Berlin. Berlin mag zwar bei den Feiertagen Schlusslicht in Deutschland sein. Das ist das Land aber auch bei den wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen, wie z.B. bei der Arbeitslosenquote. Solange wir da nicht aufgeholt haben, brauchen wir auch bei den Feiertagen nicht nachziehen. Der Regierungschef von Berlin sollte sich besser um die wirklich drängenden Probleme dieser Stadt, wie die Fertigstellung des BER oder das Verwaltungsdesaster kümmern, statt mit Feiertagsversprechen sich beliebt machen zu wollen.“ Checkpoint-Kompromiss-Angebot: Das eine tun und das andere nicht lassen. (Aber bitte mit Feiertag im Sommer!)
Telegramm
Bleiben wir noch kurz bei den Spaßbremsen. Das Bäderkonzept des Senats ist zwar gerade mal vier Jahre alt, soll aber schon wieder überarbeitet werden: Weniger Spaß, mehr Grundversorgung. Mit ersterem hatte man vor allem Brandenburg Konkurrenz machen wollen, doch das klappt nicht: Die neuen Bäder in Pankow und Mariendorf eröffnen frühestens 2025. Sonstige Bilanz: Sanierungsstau von 170 Millionen Euro und Besucherschwund.
Zuletzt haben vor allem die Öffnungszeiten die Besucher verärgert – bzw. die Schließzeiten. Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann stellt allerdings klar, dass der Mai ihn „gar nicht überrascht“ (CP vom Montag) habe, wie er uns in einer Mail schreibt. „Die Vorbereitung eines Sommerbades bis zur Freigabe durch das Gesundheitsamt dauert 6-8 Wochen. Anfangen können wir nach dem Frost – wer erinnert sich noch an das Wetter Ostern? Da wir auch im Frühjahr 2019 nicht wesentlich mehr Beschäftigte haben werden, können Sie Ihre Texte ja recyceln – obwohl, auf so einen Mai werden wir ja wieder 100 Jahre warten müssen.“ Da ist ja dann doch etwas Spaß im Becken. (Noch mehr Schwimmspaß – mit Promifaktor – gibt’s im Encore)
Wir sind All. Deutschland liebt Astro Alex, und das nicht nur weil sich sein Name so wunderbar mit seinem Beruf alliterieren lassen. Letzter Tweet: „Nächster Halt #ISS in zwei Tagen, wenn alles glatt geht. Passt auf euch auf meine Freunde!“
Während der Rest der Republik sich noch darüber Gedanken machte, wie man ein halbes Jahr ohne Dusche auskommt, hat die Polizei Oberbayern Süd mal ausgerechnet, was Alexander Gerst auf der Erde der Tatsachen erwarten würde: „Bei uns wärs bissl teuer geworden: Bei erlaubten 100km/h entspricht eine Überschreitung von 27.900km/h ca. 500.000€ Geldbuße, 1120 Punkten in Flensburg und ca. 70 Jahren Fahrverbot. Guten Flug Alex!“
Mit ähnlicher Spannung war Merkels erste Regierungsbefragung im Bundestag erwartet worden. Wie sie sich gemacht hat, lesen Sie hier. Kleiner Hinweis: Am Ende stand sie lachend da und sagte: „So schade wie es ist, es ist halt zu Ende.“
Der Regierende ist derzeit in London, um sich mit seinem Amtskollegen Sadiq Khan auszutauschen, gestern stand für Michael Müller auch ein Besuch in Oxford auf dem Programm – es soll um Kooperationen mit den Berliner Universitäten gehen. Kein schlechter Partner: In einem neuen Uni Ranking hat Oxford das erste Mal Cambridge überholt und liegt international auf Rang fünf. (1. Stanford, 2. Harvard, 3. Caltech). Die Berliner Unis schneiden mittelmäßig ab, wenn auch im deutschen Vergleich ganz gut: Die HU liegt auf Platz fünf der deutschen Unis (international: Platz 121), gefolgt von der FU auf Platz sechs (international 130) und der TU auf Platz acht (international: 147). Deutsche Nummer eins ist die TU München (Platz 61), vor LMU München (62) und Uni Heidelberg (64).
Das schlechtere Ergebnis vieler deutscher Hochschulen im Vergleich zu den Vorjahren wird übrigens unter anderem auch das schlechtere zahlenmäßige Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden zurückgeführt. Sollten sich die Bildungspolitiker dieser Stadt vielleicht mal genauer anschauen.
Die Mariendorfer Ludwig-Heck-Grundschule wird heute in Mascha-Kaléko-Schule umbenannt. Die Dichterin und Holocaust-Überlebende hätte heute ihren 111. Geburtstag gefeiert. Kaléko lebte von 1918-1938 in Berlin und kurzzeitig in Tempelhof.
Anfang der Woche gab es das Gerücht, dass Vattenfall seine Deutschlandzentrale (gut 2000 Mitarbeiter) von der Chausseestraße nach Hamburg verlegt, nun können wir allerdings entwarnen: Der Neubau entsteht am Südkreuz (Schöneberger Linse) – von dort ist man ja auch schnell in Hamburg.
Aber halten wir doch noch kurz an der Chausseestraße: Ein besonders schönes Beispiel verfehlter Verkehrsplanung ist gerade vor dem BND-Gebäude entstanden. Ein toller Radweg, nur leider wurde der Anschluss an den alten Straßenabschnitt vergessen, die Folge: Alles zugeparkt. Da hat wohl jemand nicht zu Ende gedacht.
Schnell in Leipzig ist man vom Südkreuz übrigens auch, allerdings noch nicht mit dem Rad. Die Bauarbeiten für den Fernradweg Berlin-Leipzig stocken nicht nur wegen des Dauerstreits um die Yorckbrücken. Auch im Gemeindepark Lankwitz steht vorerst alles still, wie mein Kollege Boris Buchholz heute im Steglitz-Zehlendorf-NL berichtet. Der Bagger hat die Baumwurzel einer mehr als achtzig Jahre alten Linde erwischt. Das weitere Vorgehen muss nun erstmal besprochen werden, die zuständigen Bauleiter sind gerade im Urlaub. Solange wird das große Loch nun von einem rot-weißen Baustellenzaun geschützt.
Nochmal schnell zurück zum BND (wo es da doch jetzt so einen schönen Radweg gibt): Erinnern Sie sich, dass dort vor Jahren mal Wasser ausgelaufen ist? Ähnlich feucht, wenn auch ohne erkennbare kriminelle Energie, ist es derzeit in der Tiefgarage des Kanzleramtes. Der Bild-Zeitung ist aufgefallen, dass immer mehr Limousinen entlang der Straße parken – und die Bäume am Seiteneingang sind auch weg. Sie mussten vorrübergehend entfernt werden, um die Sache wieder abzudichten; Dauer 2 Jahre, Kosten: 5,5 Mio Euro.
Der Hauptausschluss hat gestern beschlossen: Tegel wird wie geplant ein halbes Jahr nach BER-Eröffnung schließen. Sebastian Czaja, FDP, Mitinitiator des erfolgreichen Volksentscheids für die Offenhaltung Tegels, will das Verfassungsgericht anrufen (Q: Abendschau). Besteht ja aber erstmal kein Grund zur Eile.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
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„Wir haben uns fürs Überleben entschieden.“
Gaby und Manoel, deren Tochter sich vor einem Jahr, an ihrem 16. Geburtstag, das Leben nahm. Bis heute fragt sich Gaby, ob es gut war, in der Großstadt, in Kreuzberg, Kinder großzuziehen. Unseren Autoren Pepe Egger haben sie sehr nah an sich herangelassen, auch, um anderen zu helfen.
Zitat
„Ist doch genug, war doch schön.“
So hat sich Wolfgang Völz, großer Volksschauspieler, Stimme von Käptn Blaubär, von seiner Frau Roswitha verabschiedet. Die beiden waren seit 1955 verheiratet (für den Tagesspiegel haben sie vor drei Jahren ihr Hochzeitsfoto nachgestellt). Gestern Vormittag ist Wolfgang Völz auf dem Städtischen Friedhof Wilmersdorf beigesetzt worden, er wurde 87 Jahre alt.
Tweet des Tages
Geburt international: Finnland: „Glückwunsch! Hier, eine Baby-Box im Wert von über 200€!“ Schweden: „Hej! Hier, ein garantierter Kita-Platz für maximal 126€ im Monat.“ Deutschland: „Sehr geehrtes Baby, mit diesem Schreiben erhalten Sie Ihre Steueridentifikationsnummer.“
Stadtleben
Das kleine Bistro Vielfalter in Mitte ist nicht nur optisch in frischem Grün gestaltet, sondern zeichnet sich auch auf der Speisekarte durch grüne Kost aus: das täglich wechselnde Angebot aus Suppen, Salaten und warmen Gerichten ist durchgehend vegetarisch, dienstags sogar ausschließlich vegan. Auch die größtenteils regionalen Produkte im Sortiment des angeschlossenen Bio-Ladens entsprechen den Grundsätzen yogischer Ernährung. Im Innenhof gibt es einen Außenbereich, wo man sich im Sommer direkt selbst am Kräutergarten bedienen kann. Brunnenstraße 147 (U-Bhf Bernauer Straße), Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Trinken im Park geht im Berliner Sommer immer und überall. In voller Blüte stehende Rosen zur Rechten und das Klingeln der Tram, die zur Linken den Hügel hinaufkriecht, hat man aber nur auf der Terrasse des Rosengarten in Mitte. Oft finden hier auch Lesungen und Konzerte im Licht der über Brunnenstraße und Weinbergspark untergehenden Sonne statt, einige Veranstaltungen regelmäßig: An jedem zweiten Sonntag im Monat wird Swing getanzt, an jedem vierten das Wochenende mit entspanntem DJ-Set beschlossen. Bei gutem Wetter geöffnet Mo-Fr 16-0 Uhr, Sa+So 13-2 Uhr. Gegenüber dem Weinbergsweg 13 (U-Bhf Rosenthaler Platz)
Geschenke für der anglophile Literaturliebhaber findet man bei Curious Fox in Neukölln. Der Buchladen führt englische Bücher aller Genres - sowohl neu, als auch secondhand. Auf der Suche nach einem Geschenk verliert man sich da schnell selbst zwischen den Regalen. Zum Glück wird als Stöbertreibstoff Kaffee, Tee oder Mate serviert. Jeden ersten Dienstag im Monat veranstalten die Betreiber eine englischsprachige Open-Mic-Poesielesung. Flughafenstraße 22 (U-Bhf Rathaus Neukölln), Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr