Berlins Corona-Ampel ist von grün-grün-grün auf rot-grün-grün gewechselt und Rot-Rot-Grün mahnt bereits. „Das kann tatsächlich ein Indiz dafür sein, dass es einen Trendwechsel gibt“, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Der R-Faktor, also die Zahl, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, liegt in Berlin seit drei Tagen über dem Grenzwert von 1,2. Da aber Neuinfektionen (am Montag zählte die Verwaltung stadtweit nur zehn neue Fälle) und die Auslastung der Intensivbetten niedrig bleiben, gibt es vorerst keine Rücknahme der Lockerungen. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte Kalayci. Burkhard Kieker, Visit-Berlin-Geschäftsführer, sorgt sich angesichts solcher Aussagen um das nötige Vertrauen potenzieller Berlin-Besucher. „Was das Ampelsystem angeht, müssen wir mit der Kommunikation aufpassen.“
Kiekers Erwartungen an den Berlin-Tourismus lesen Sie weiter unten, zunächst aber ein Blick auf die Wirtschaft.
Damit der angeschlagene Kranich nicht abstürzt, füttert der Staat kräftig zu. Der Lufthansa wird mit neun Milliarden Euro Steuergeld geholfen. Im Gegenzug bekommt der Bund zwei Aufsichtsratsplätze und 20 Prozent des Unternehmens, das rund 138.000 Beschäftigte hat.
Damit folgt die Krise weiter dem Gesetz der größten Lobby. Beispiele? In der Bundesliga rollt der Ball, während andere Sportler auf die Couch gezwungen werden. In Baden-Württemberg wird von einem grünen (!) Ministerpräsidenten eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor gefordert, Nordrhein-Westfalen erklärte sich zum Land der Küchenbauer, Bayern schafft die Mehrwertsteuer für Gastronomen ab.
Die Corona-Politik folgt mitunter dem Motto, wer am lautesten schreit, wird am ehesten gehört. Doch wer hilft den Gruppen ohne Sprachrohr? Eltern, Kulturschaffende, Kinobetreiber, Reisebüros (s. weiter unten!), Schausteller, Prostituierte – so bunt, so unvollständig die Aufzählung. Sie alle verbindet die Perspektivlosigkeit.
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Immer bedrohlicher wird die Lage für Berlins Kneipenbesitzer. Anders als Restaurants (für deren Tische die Straßen geräumt werden sollen) dürfen reine Schankbetriebe nicht öffnen. Doch getrunken wird immer und so sitzen nun abends viele Menschen vor Lokalen. Ohne Essen, aber mit Getränken. Und nebenan sind die Kneipen verrammelt – vielleicht für immer, befürchten immer mehr Kneipiers und haben am Montag für Lockerungen demonstriert. Stellvertretend haben wir drei von ihnen gefragt, wie es ihnen geht und welche Forderung sie an die Politik haben:
Günter Windhorst von der Windhorst-Bar in Mitte schreibt: „Die Mitarbeiter sind gekündigt, da die Geschäftsgrundlage fehlt, die Reserven sind verbraucht, ab nun wird privat finanziert, der Mietvertrag – leider – ist nicht verhandelbar. Es fällt mir schwer, die Differenzierung der einzelnen Betriebstypen nachzuvollziehen.“
Norbert Raeder vom Kastanienwäldchen in Reinickendorf sagt: „Wir wollen, dass alle Kneipen gleich behandelt werden. Ich habe drei Hygienestützpunkte, ich habe einen großen Sommergarten, jeder darf draußen sitzen, nur meine Gäste nicht. Es gibt viele ältere Kneipenwirte, die Selbstmordgedanken haben, die wissen nicht mehr, was sie machen sollen.“
Christof Blaesius vom Altberliner Ballhaus schreibt: „Noch können wir uns aufgrund von Rücklagen über Wasser halten, die unmittelbare und konsequente Reaktion auf die behördlichen Anordnungen hat zur maximalen Einsparung von Kosten beigetragen. Bei allem Verständnis zu den anfänglichen Maßnahmen, kann ich die noch immer geltenden Bestimmungen nach rationaler Betrachtungsweise in keiner Weise mehr nachvollziehen. Ich stehe für die unmittelbare Öffnung und das Vertrauen in mündige und verantwortungsvolle Kollegen und Gäste.“

In die heutige Sitzung des Senats sollten die Kneipenwirte nicht allzu große Hoffnung setzen. Zwar sind weitere Lockerungen denkbar, offenbar geht es dabei aber um Fitness-Studios, Freiluftkinos und kleinere Kongresse. Außerdem soll es ab dem 4. Juni wieder volles Recht auf Demonstrations- und Versammlungsfreiheit geben. Verschärft wird dagegen laut internem Protokoll der Staatssekretärskonferenz das Hygienekonzept für Gastronomen. Demnach sollen Gäste verpflichtend einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie sich im Restaurant bewegen. Außerdem soll es Desinfektionspflichten für Tische beim Gästewechsel geben.
Bereits gelockert sind die Regeln für Hotels in Berlin. Seit gestern dürfen sie wieder für Touristen öffnen und Tourismus-Chef Burkhard Kieker sieht bereits positive Tendenzen. „Erstmals sind mehr Buchungen reingekommen, als alte storniert wurden“, sagte er dem Checkpoint. Nach zuletzt sechs bis zehn Prozent Auslastung hofft er für Pfingsten auf eine „schöne Anzahl Touristen“ in der Stadt.
Seine Prognose: „Momentan verhalten sich die Touristen wie eine Herde Zebras“, sagt er. Laufen die Leittiere los, würden alle anderen folgen. Nach den nationalen Gästen rechnet Kieker damit, dass im Juli Besucher aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden kommen könnten. Und: „Wir haben reges Interesse aus China.“ Ob das auf Gegenseitigkeit beruht?
Wohin die Touristen in die Stadt strömen, zeigt die Antwort der Kulturverwaltung auf die parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Sibylle Meister. Demnach ist das Haus der Wannsee-Konferenz bei Amerikanern, Briten und Israelis sehr beliebt, das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen besuchen dagegen viele Dänen, Belgier und Franzosen. Bleiben noch die Niederländer, von denen „überproportional viele“ die Schlösser und Gärten in Charlottenburg und Glienicke besuchten. Klar, dort wachsen ja auch viele Tulpen.
Wohin die Touristen in die Stadt strömen, zeigt die Antwort der Kulturverwaltung auf die parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Sibylle Meister. Demnach ist das Haus der Wannsee-Konferenz bei Amerikanern, Briten und Israelis sehr beliebt, das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen besuchen dagegen viele Dänen, Belgier und Franzosen. Bleiben noch die Niederländer, von denen „überproportional viele“ die Schlösser und Gärten in Charlottenburg und Glienicke besuchten. Klar, dort wachsen ja auch viele Tulpen.
In Kreuzberg ist in der Nacht auf Montag ein Nachbarschaftsstreit eskaliert, am Ende schoss der eine dem anderen mit einem Luftgewehr ins Gesicht. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht, teilte die Polizei mit. Offenbar ein Härte-, aber kein Einzelfall. Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft nehmen zu, meint Henrik Solf, Fachanwalt für Mietrecht. „Man merkt, dass die Menschen gereizter sind“, sagte er meiner Kollegin Nina Dworschak. Sein Tipp: Beweise statt Ballern. „Betroffene sollten Beweise sichern, etwa durch ein Protokoll und möglichst viele Zeugen. Das können alle Menschen sein, die nicht im Mietvertrag stehen.“
Wer nicht gleich aus der Wohnung in den Gerichtssaal will, sollte sich fragen, ob man „zu sensibel“ oder zu „wenig tolerant“ ist, regt Wibke Werner an, stellvertretende Geschäftsführerin im Berliner Mietenverein. Sie empfiehlt Kompromisse und die Methode „Flasche Wein“ – allerdings nicht über den Kopf, sondern in den Bauch. Nachbarschaftsliebe geht scheinbar auch durch den Magen.
Der heutige Beitrag zur Schulserie „Berlins kreativsten KrisenlehrerInnen“ kommt von Cornelia Flader (CDU), selbst Schulleiterin und aktuell Schulstadträtin in Treptow-Köpenick. Sie hat diverse Einrichtungen im Bezirk besucht und zieht ihren „Hut vor der Arbeit vor Ort“. Was es aber noch bräuchte: „Ein System für alle Schüler. (…) Dadurch, dass jede Schule oder auch jeder Lehrer mit den Eltern bzw. den Schülern eine Art der Aufgabenerledigung ‚verabredet‘ hat und Eltern hier oft zu Lehrern mutieren, die Unterrichtsstoff so nebenbei ihren Schützlingen beibringen oder auch nicht, wird die Leistungsschere derart auseinandergehen, dass mir als Lehrerin Angst und Bange wird, wenn ich nur an die Bewertung denke. Wie kann ich den enormen Wissensverlust wieder kompensieren? Dies alles wird Schulen und Lehrkräfte enorm belasten. Und das Schlimmste ist, jede Schule kann ‚eigenverantwortlich‘ selbst entscheiden, wie und was bewertet wird. Ich behaupte: So viel Eigenverantwortung überfordert die Schulen.“ Und die Kinder erst recht.
Zwei Schritte vor und drei zurück… so läuft Berlins E-Akte. Bereits am 13. März hatte die Vergabekammer das Land dazu verpflichtet, das Ausschreibungsverfahren auf Neuanfang zurückzusetzen. Jetzt gibt’s die entsprechende Begründung: „Die – gegebenenfalls auch mehrfache – Heranziehung von an beliebiger Stelle in den Vergabeunterlagen untergebrachten Anforderungen zur Wertung in bestimmten Kriterien führte zu einer völlig intransparenten und damit auch willkürlichen Wertung“, heißt es in dem Beschluss. Konkreter: Das Land hat „bei seiner finalen Wertung (…) ‚Antworterwartungen‘ herangezogen. (…) Die Kammer hat jedoch nicht feststellen können, dass diese ‚Antworterwartungen‘ vor Öffnung der Angebote festgelegt worden wären“. Einziger vom Land vorgebrachter „Beweis“: Die Vorlage eines Screenshots einer E-Mail einer Mitarbeiterin der Innenverwaltung an eine Mitarbeiterin des ITDZ, in der zwar zu sehen ist, dass eine Datei „181105 Bewertungskatalog_Digitale Akte Berlin v.0.13.xlsx“ angefügt worden war, der Inhalt der Datei jedoch nicht zu entnehmen ist. Merken Sie selbst, ne? Aktuell erwarte Verzögerung: Zwei Jahre. Läuft nicht!
Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute in einer anderen Welt hätte der Spendenlauf (drei, fünf oder sieben Kilometer) der Füchse Berlin für das Charity-Projekt „Rote Nasen“ im Jahn-Sportpark stattgefunden. Heute in dieser Welt können Sie auf dem Sofa sitzen bleiben und – sofern Sie ein Sky-Abo haben – das Bundesliga-Spitzengeisterspiel zwischen Dortmund und Bayern (18:30 Uhr) verfolgen.
Das Coronavirus schützt Leben – zumindest auf der Straße. Die Zahl der Verkehrsunfälle und Verunglückten ist in der Pandemie stark gesunken – in Berlin und bundesweit. In Deutschland gab es im März 23 Prozent weniger Unfälle als im Vorjahresmonat. Und die Zahl der Toten sank auf den niedrigsten Monatswert seit der Wiedervereinigung.
1999 verblutete im brandenburgischen Guben ein Flüchtling nach einer rassistischen Hetzjagd durch die Stadt. 21 Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Zweimal in nur einer Woche wurden mehrere Geflüchtete verfolgt, bedroht, beleidigt und attackiert. „Dafür gab es keine Anzeichen“, sagt der Bürgermeister.
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Kein Bock mehr auf APO? Aktivisten von Fridays for Future, Extinction Rebellion und Scientists for Future wollen in Berlin eine neue Partei gründen. Eine Homepage von „radikal:klima“ gibt es bereits, aber der Gründungsparteitag wurde verschoben. In der „taz“ hat Sprecher Antonio Rohrßen bereits drei Ziele formuliert: Energiegewinnung komplett aus erneuerbaren Quellen, Verkehrsmittel ohne fossile Brennstoffe innerhalb von zehn Jahren und eine grünere Wirtschaft. Fraglich, ob sich Grüne und der neue politischen Mitbewerber grün sind.
Einmal zum Meer und zurück? Mit Eurowings kein Problem. Von Düsseldorf startete am Samstag zur Saison-Premiere eine A320 in Richtung Sardinien. Da der Flughafen Olbia jedoch noch für internationale Flüge gesperrt war, drehte die Maschine über der Insel noch vier Kreise, ehe es zurück nach Düsseldorf (Reiseverlauf im Flugradar) ging. Immerhin in Sachen Abstand nahm es die Airline genau. In der A320-Maschine waren von 180 Plätzen nur zwei belegt.
Wie nach einer Bruchlandung fühlen sich die 1.500 Reisebüros in Brandenburg. Weil Sommerreisen storniert werden und Grenzen weiter geschlossen sind, wollen sie am Mittwoch vor dem Wirtschaftsministerium für Solidarität demonstrieren. „Bund und Länder haben Banken gerettet, die an ihrer Krise selbst schuld waren und zu hoch gepokert haben! (…) Wir haben immer pünktlich unsere Steuern gezahlt, Arbeitsplätze geschaffen (...) Jetzt brauchen wir Hilfe“, heißt es in einer Mitteilung. Ihre Forderungen sind all inclusive: Ein „bedingungsloses Unternehmereinkommen“ von 1000 Euro für zwölf Monate, einen Tourismusfonds, rückzahlungsfreie Zuschüsse und höheres Kurzarbeitergeld.
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„Auf nach Afrika“, schreibt die Pressestelle des Tierparks Berlin. Nein, keine Unterstützung für die Tourismusbranche, sondern die Eröffnung des ersten Teils der Afrikalandschaft. Geparden, Geier und Pinguine (gibt’s nicht nur in der Antarktis!) residieren nun in größeren Gehegen. Zum Einzug gab es von Zoo-Direktor Andreas Knieriem und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) statt Brot und Salz frischen Fisch.
Unter dem Motto „we scream for ice cream“ wollen Unterstützer der Kreuzberger Eisdiele „tanne B“ heute (17 Uhr) gegen die Kündigung des Ladens in der Marheineke Markthalle protestieren. Nach 13 Jahren war Inhaberin Tanja Buchwald von der BGM (landeseigenes Unternehmen) gekündigt worden, weil sie über einen Untermieter in den Wintermonaten nachgedacht hatte. Im Juni soll sie raus. Ein Missverständnis, sagt Buchwald, der wegen Corona schon jetzt Kundschaft fehlt. Katrin Schmidberger (MdA Grüne) wollte schlichten, doch ein Gespräch mit der BGM-Geschäftsführung blieb erfolglos: „Ich kann das nicht nachvollziehen, als landeseigener Betrieb gibt es eigentlich eine besondere Verantwortung.“ Das richtet sich auch an ihre Parteifreundin Barbro Dreher. Die Wirtschafts-Staatssekretärin sitzt im BGM-Aufsichtsrat.
Habemus Kruzifix! Wenn Wind und Wetter günstig sind, wird am Freitag ein Kreuz auf das Schloss gehoben. Strittig ist, ob es als christliches Symbol oder historisches Zitat bewertet wird. Eine Christusfigur ist nicht angebracht. Also doch kein Kruzifix, nur ein Kreuz. Amen.
Habemus Mittendeckel-Klage! Nach dem Bundesverfassungsgericht wird sich nun auch der Verfassungsgerichtshof des Landes mit dem Prestige-Projekt von R2G beschäftigen. CDU und FDP haben am Montag ihre Klage, nun ja, abgegeben. Einreichen konnten sie die 140-seitige Klageschrift nicht, der Briefschlitz war zu schmal. Burkard Dregger (CDU) betonte die „große Verunsicherung“ bei Vermietern und Mietern, ob das Gesetz nun gelte oder nicht. Daran ist er freilich nicht ganz unschuldig.
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In der neuen Folge des Tagesspiegel Checkpoint-Podcasts spricht Redakteurin Ann-Kathrin Hipp mit Matthias Rohde, Frontmann der Berliner Indie-Pop-Band „Von Wegen Lisbeth“, übers Musikmachen, Verliebtsein und Corona. Und darüber, was er als Regierender Bürgermeister als erstes umsetzen würde. Jetzt hören: Tagesspiegel.de, Spotify, Apple Podcasts.
Habemus Kanzler-Podcast! Gerhard Schröder, SPD-Bundeskanzler a. D. und russischer Öl-Botschafter, ist unter die Influencer gegangen. Acht Folgen à 30 Minuten soll es von „Agenda“ geben, in Folge 1 erfahren wir, dass Schröder Golf und Restaurants im Lockdown gefehlt haben, die SPD-Minister Olaf Scholz und Hubertus Heil in der Coronakrise herausgeragt hätten und nennt den ukrainischen Botschafter einen „Zwerg“. So viel zur Konkurrenz – wir erinnern lieber nochmal an den Ringbahn-Podcast von CP-Kollegin Ann-Kathrin Hipp, in der aktuellen Folge mit Matthias Rohde.
Näher, als die Polizei erlaubt: 16 Polizisten haben das Distanz-Derby am Freitag genutzt, um ein Erinnerungsfoto vor dem verwaisten Olympiastadion zu knipsen. (Q. „B.Z.“) Dabei kamen sie sich näher, als Unions Abwehr später den Herthanern. Die Ermittlungen hat nach CP-Info Salomon Kalou übernommen.
Heute ist übrigens Tag des Papierfliegers. Eine gute Sache, hebt er doch ganz Corona-konform ab, ist umweltfreundlich und dürfe sogar in Tegel, Tempelhof, Schönefeld und am BER landen. Juten Flug!
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„An deutschen Krankenhäusern hat man oft das Gefühl – ich sag’s, wie’s ist – für Arschabputzen der Leute zuständig zu sein und sonst für nicht viel.“
Maik Rech ist Krankenpfleger, der nach Luxemburg abgewandert ist. Dort verdient er – trotz 85-Prozent-Stelle – doppelt so viel wie in Deutschland. Und er bekommt Anerkennung, 35 Tage Urlaub und eine jährliche Prämie. Marius Buhl hat ihn für die Seite Drei im Tagesspiegel portraitiert.
Tweet des Tages
Der Moment, wenn man 600km nach Berlin reist, um mit seiner Demonstrationsfreiheit dagegen zu protestieren, dass eine 'Corona-Diktatur' einem die Bewegungsfreiheit genommen hat.
Stadtleben
Essen & Trinken – Zur Wiedereröffnung hat Dunja Funke den Schließtag für ihr alpenländisches Restaurant Obermaier in Kreuzberg gekippt. Fortan können die beliebten Schnitzel (vom Linumer Wiesenkalb) mit Kartoffelsalat oder die Spinatknödel täglich von 15 bis 21.30 Uhr bestellt werden – to go oder to stay. Zum Lokal am Erkelenzdamm 17 gehört ein kleiner Biergarten, der die 20 Plätze drinnen um weitere 30 coronakonforme Sitzgelegenheiten draußen ergänzt. Gekocht und serviert wird mit Visier statt Mundschutz, ein Tisch sollte unbedingt online reserviert werden – auch, weil die aktuelle Spargelkarte viele Gäste anzieht. Wer lieber ausziehen möchte, raus ins Grüne, für den stellt das Obermaier auch Picknickkörbe (30-65 Euro) zusammen. Eine Auswahl, wo es sich sonst noch gut auf Abstand speisen lässt, finden Sie hier.
Und für alle, denen Bio-Saftgulasch mit Spätzle zu deftig ist, hat die Genuss-Redaktion eine Rezeptidee aus dem Kochbuch eines Filmstars gefunden: „Penne alla Vodka“.Ersetzt den Wein zur Pasta.

Bücher im Kiez kaufen – Seit 47 Jahren betreiben die Brüder Riewert Quedens und Harboe mini Tode am Rande des Kreuzbergs ihr Buch- und Kunstantiquariat (Foto) für literarischen, politischen und geschichtlichen Lesestoff sowie für Kunst aus allen Epochen. Insgesamt rund 60.000 Titel, darunter viele Erstausgaben, signierte und illustrierte Bücher, Autographen und auch fremdpsrachige Literatur. Nur ein kleiner Teil davon wird über das Internet vertrieben, das urige „Bücherparadies“ lebt vor allem von der Leipziger Antiquariatsmesse und Veranstaltungen wie den Frühjahrsweinproben im Laden – beides musste in diesem Jahr ausfallen. „Wobei die mangelnde Ökonomie nur das eine Übel war, die fehlenden Kontakte zu KundInnen, KollegInnen und FreundInnen eigentlich das viel größere“, berichtet Riewert Tode. Die Brüder hoffen, mehr Laufkundschaft durch ein „Sonderfenster zum Kriegsende“ anzuziehen. Die ausgelegten Bücher spiegeln einen Querschnitt durch antiquarische Holocaust-Literatur und zum Kriegsende in Berlin wider, bevor es im Juni mit einem Schaufenster zur Foto-Avantgarde weitergeht. Die Inhaber geben sich optimistisch: „Es mutet so an, als würden die verbliebenen BuchliebhaberInnen langsam aus der Erstarrung erwachen. Wir können nur hoffen, unsere Stammkundschaft durch eine länger anhaltende Wirtschaftskrise nicht zu verlieren und vielleicht noch einige neue KundenInnen für unser ‚wunderbares Riesenreich‘ zu gewinnen.“ Zu finden in der Dudenstraße 36 (U-Bhf Platz der Luftbrücke), geöffnet ist Mo-Fr 14-19.30 Uhr, Sa 13-18 Uhr. (Foto: Michael Roggemann)
Weitere Läden aus dem Kiez, die Unterstützung brauchen, finden Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. Wenn auch ihr Laden Hilfe braucht: Schreiben Sie uns an checkpoint@tagesspiegel.de. Das ganze Stadtleben gibt's mit Checkpoint-Abo.
Briefe aus dem Krisengebiet – Seit 2017 bringt dasBerliner Literaturprojekt „Weiter Schreiben“ deutsche AutorInnen mit AutorInnen aus Krisengebieten in Tandems zusammen, mit dem Ziel, die ausländischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Literaturbetrieb zu etablieren. Weil durch Corona Lesungen nicht stattfinden können, werden die (W)Ortwechsel seit Ende April als digitale Briefe veröffentlicht. Im Herbst soll ein Podcast folgen.
Geschenk – In den vergangenen Wochen haben wohl alle die Erfahrung eines Geburtstags ohne Geburtstag gemacht, zumindest wer das alljährliche Get-Togehter dem Alleinsein vorzieht. Und wer gern eingeladen worden wäre, stand auch ohne Einladung vor der Frage: Was schenken, wenn die Unmittelbarkeit fehlt? Wir empfehlen Musik. Sie verbindet Beschenkten und Schenkenden, denn die im Raum steht die Frage: Warum diese? Und führt so zu zwischenmenschlicher Auseinandersetzung. Dazu passt das neue Album der Berliner Rockband Shirley Holmes mit den programmatischen Titel „Die Krone der Erschöpfung“. Darauf der Song „Wiedersehen“, der „wie eine perfekte Sehnsuchtshymne für die Zeit der Kontaktreduzierung klingt.“
Musiktheater im Stream (Ein Tipp von Ticket-Kollegin Sandra Luzina) – Die Proben zu ihrem Beethoven-Projekt „Force & Freedom“, das am 1. Mai bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt werden sollte, mussten Nico and the Navigators schon nach zwei Wochen abbrechen. Das Motto, das auf das Spannungsfeld von äußerem Zwang und innerer Freiheit abzielt, hat durch die Pandemie aber eine ungeahnte Aktualität gewonnen. Und so haben die Regisseurin Nicola Hümpel und ihre Sänger, Schauspieler und Tänzer ein digitales Krisen-Tagebuch geschrieben. Begleitet werden sie von den Musikern des Kuss-Quartetts, die die späten Streichquartette Beethovens spielen. 29 Clips sind entstanden, alles Momentaufnahmen aus der Zeit der Vereinzelung. Da sieht man etwa Yui Kawaguchi, die nach 14 Tagen Quarantäne auf dem Dach tanzt – just in dem Moment, wo ein paar Schneeflocken fallen. Beethovens „Heiliger Dankgesang“ erzählt von neuer Zuversicht nach überstandener Krankheit.
Noch hingehen – (Ein Kunst-Tipp von Birgit Rieger) Kann man Zoos heute noch gut finden? Einerseits ja: die süßen Tierbabys! Andererseits: Ein Käfig bleibt ein Käfig. Eine Ausstellung im Museum Tempelhof zieht tief in diesen Zwiespalt hinein. Die Fotografinnen Sabine Wild und Hildegard Ochse haben sich unabhängig voneinander und in unterschiedlichen Jahrzehnten mit der Architektur von Tiergehegen auseinandergesetzt. Da gibt es Neoklassizismus, Bauhausstil, abgefahrene Palmwedel-Deko und sogar Stararchitektur, wie das Elefantenhaus im Kopenhagener Zoo, das Sir Norman Foster entworfen hat. Und doch sind es Gefängnisse mit Gittern, Panzerglas, Wassergräben, die Sabine Wild unter anderem aus der Tierperspektive fotografiert hat (bis 28. Juni). Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf, Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr, So 11-15 Uhr, Eintritt frei.
Karten gewinnen – Ein Ausflug nach Potsdam lohnt nicht erst, seit es den neuen Potsdam-Newsletter der PNN gibt. Seit drei Jahren zieht das Museum Barberini (noch) mehr BesucherInnen in die schöne Havelstadt, die so nah bei Berlin liegt, das viele sie als Vorort Berlins wahrnehmen. Noch bis zum 19. Juli können hier Landschaftsbilder von Claude Monet betrachtet werden, für die der französische Maler immer wieder die gleichen Orte aufsuchte oder an einer Stelle umfangreiche Serien anfertigte. Wer länger nicht dort war: Für den Besuch der impressionistischen Naturwelten haben wir 3x2 Freikarten organisiert – bei Interesse bitte bis 12 Ur beim Checkpoint melden.
Mit diesen Stadtlebentipps wünscht Stefanie Golla einen inspirierenden Dienstag.
Berlin heute
Verkehr – Müggelheimer Straße (Köpenick): Aufgrund von Gehwegarbeiten ist die Fahrbahn bis Anfang Juli stadtauswärts zwischen Wendenschloßstraße und Grüne Trift auf eine Spur verengt.
Sachsendamm (Schöneberg): Von ca. 10 Uhr an stehen in Richtung Hauptstraße auf Höhe der Anschlussstelle zur A103 nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Die Zufahrt auf die A103 ist nicht möglich (bis Mitte Juni).
Berliner Allee (Weißensee): Stadteinwärts ist bis Mitte Juni in Höhe Wegenerstraße nur eine Spur frei.
Groß-Berliner-Damm (Johannisthal): Zwischen Pietschkerstraße/ Greifstraße und Pilotenstraße auf jeweils einen Fahrstreifen verengt und verschwenkt (bis Ende September).
Tiergarten-Tunnel: In den folgenden drei Nächten (bis 28./29. Mai) in beiden Richtungen wegen Wartungsarbeiten gesperrt (jeweils 21-5 Uhr).
S-Bahn: In den folgenden beiden Nächten (bis 27./28. Mai) sind die Linien S3, S5 und S9 in der Zeit von 22 Uhr bis ca. 1:30 Uhr streckenweise unterbrochen. Die S3 zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten, die S5 zwischen Warschauer Straße und Westkreuz, die S9 zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten. Umfahrung jeweils mit der S7.
Demonstration – Angemeldet von GreenGymBerlin, versammeln sich in den Morgenstunden 100 Fitness- und GesundheitsenthusiastInnen in der Jüdenstraße in Mitte mit der Forderung: „Öffnet Sport-Gesundheits-Yogastudios in Berlin!“ (9-11 Uhr). Am Pariser Platz meditieren zwischen 18 und 20 Uhr hundert Menschen „Für den Frieden“. Zum Sonnenuntergang findet am Platz der Republik eine Kundgebung unter dem Motto „Leave No One Behind“ statt (20-23:30 Uhr). Angemeldet sind 20 TeilnehmerInnen.
Gericht – Der Prozess wegen Mordes an dem Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker gegen einen 57-Jährigen wird fortgesetzt. Er hatte den Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor sechs Monaten während eines Vortrags in der Schlossparkklinik erstochen. Am zweiten Prozesstag wird eine Aussage des Angeklagten erwartet (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 501).
Heimuniversität – Die kostenlose Online-Leseplattform des Kulturwerks Berlin öffnet heute zum zweiten Mal zwischen 18 und 19 Uhr ihre virtuellen Türen unter dem Motto „Lies los!“. Per WebEx können studentische AutorInnen ihre Geschichten vorlesen und sich danach mit den ZuhörerInnen austauschen. Zum Anmeldeformular als VorleserIn geht es hier. Der Link zum Zuhören wird vor der Liveschaltung hier veröffentlicht. Lesung verpasst? Kein Problem! Ein Link zum Nachhören erscheint nach der Veranstaltung ebenfalls dort.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Marianne Buggenhagen (67), Leichtathletin im Behindertensport / Marian Gold (66), Musiker (Alphaville) / Jörg Heiser (52), Professor und Dekan an der Universität der Künste / Andreas Jonas „Beste Geburtstagsgrüße für den besten Schwiegersohn der Welt“ / Jorinde Langenheim (50-x) „Meiner tollen Impf- und Genussmittelberaterin, alles Liebe und Gute zum weiter fortschreitenden Alterungsprozess, von Harry.“ / Lukas Klünter (24), Fußballspieler bei Hertha BSC / Magdalena Kožená (47), Mezzosopranistin / Rainer Merkel (56), Schriftsteller / Jörn Oltmann (54), Bezirksstadtrat in Tempelhof-Schöneberg (Grüne) / Jonas Reckermann (41), ehemaliger Beachvolleyballspieler
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Friedrich Becker, * 29. März 1940 / Stefan Gardziella, * 2. Juli 1968, Pathologe / Erika Kühn, * 26. August 1926
Stolperstein – An Hertha Milke (Jg. 1893) erinnert der Stolperstein in Alt-Müggelheim 17 in Treptow-Köpenick. Am 26. Mai 1943 – vor 77 Jahren – wurde sie in Auschwitz ermordet.
Encore
Neues aus der Reihe unerwartete Profiteure der Pandemie: Nach Klopapier- und Sexspielzeug-Herstellern freuen sich jetzt auch die Erdbeben-Forscher. Durch den wochenlangen Stillstand vieler gesellschaftlicher Bereiche sei es auch auf der Erdoberfläche ruhiger geworden. Die Folge: Erdbeben-Signale waren besser zu erkennen als vor dem Corona-Lockdown. Und noch mehr Gewinner gibt es dem Verbraucherportal „Vergleich.org“ zufolge: Die Nachfrage nach Trampolinen stieg um 380 Prozent, nach Fieberthermometern um 280 Prozent und Akku-Rasenmäher waren um 135 Prozent gefragter. Zu den Virus-Verlieren gehören dagegen die Hersteller von elektrischen und Schallzahnbürsten (-30,5% bzw. -28,5%). Sieht ganz so aus, als könnten als nächstes die Zahnärzte profitieren.
Mit einem strahlenden Lächeln erwartet Sie hier morgen wieder Lorenz Maroldt! Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch den Tag,
