Damit Ihnen dieser Morgen nicht spanisch vorkommt, starten wir heute mit einem Rätsel: Ordnen Sie die folgenden Sätze drei Politikern zu: „Wir haben unsere Eingemeindung bis zum letzten Tag nicht akzeptiert." „Wir wollen nichts mehr, das uns halb drinnen und halb draußen lässt.“ „Wir möchten den Weg der Unabhängigkeit gehen.“ Zur Wahl stehen a) der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont, b) die britische Premierministerin Theresa May und c) Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank. Die Lösung gibt’s unten. Und oben im Himmel über Spanien steht die Zukunft Europas in den Sternen. Der Abspaltungsprozess Kataloniens hat am Dienstagabend begonnen, wurde aber umgehend ausgesetzt. So wie der Zugverkehr nach Spandau.
Nach dem überwältigenden Erfolg des G-20-Gipfels in der „Hauptstadt Hamburg“ („Der Spiegel“) werden immer neue Details der perfekten Organisation der Sicherheitsbehörden bekannt. So konnte die Hamburger Polizei endlich glaubwürdig Gerüchten entgegentreten, sie habe sich wegen auf Dächern postierter Steinewerfer nicht ins brennende Schanzenviertel getraut - dafür gibt es nun gar keine Beweise (via „Spiegel online“). Dumm nur, dass die Polizei selbst diese Gerüchte gestreut hatte. Auch Berlins Landeskriminalamt leistet Aufklärung in bester Schreddertradition. Wurde ja auch Zeit, dass angeblich belastende Informationen über Journalisten und Fotografen aus deren Jugendtagen jetzt aus den Akten gelöscht wurden - wegen dieser waren die Reporter beim G-20-Gipfel auf einer schwarzen Liste gelandet und ausgeschlossen worden (via ARD; Hintergründe dazu hier). Dumm nur, dass die Journalisten mit Hilfe dieser dokumentierten Behördenvorgänge gerade die Behörden verklagen wollten. Ja, selbst das Aufräumen nach dem Gipfel läuft perfekt. Oder um es mit Hamburgs Hauptstadt-Bürgermeister Olaf Scholz zu sagen: „Die Polizei hat alles richtig gemacht.“
Alles kann, nicht muss? Berlins Motto ist längst ein anderes: Nicht jeder muss, wenn er kann. Was also sollte man hier lieber nicht tun: Bei „Hit the road Jack“ in der S-Bahn mitklatschen? Zwei Schrippen mit Kreditkarte bezahlen? Sich zu acht am Berghain anstellen? Einen BER-Witz reißen? Falls Sie all das können, wollen und nicht lassen, sind Sie gern gesehener Berlin-Tourist - schon aus spottlichen Gründen. Nur sollten Sie wissen: Sie tun eines von #100Dingen, die Touristen in Berlin lieber lassen sollten - und Berliner erst recht. Die ganze Liste gibt’s am Wochenende im Tagesspiegel, Sie können gerne noch mitsammeln - per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de oder auf Twitter unter #100Dinge. Und wehe, da ist ein BER-Witz dabei! Außer der von den zwei Arbeitern, die bei der Räumung der Baustelle wegen Sturm „Xavier“ nach Hause geschickt worden sind.
Bäume sind Schäume. Zumindest im grünen Friedrichshagen. Hier hat ein Unbekannter eine Kastanie auf offener Straße erwürgt. Eine starke Haltewurzel des 100 Jahre alten Baumriesen an der Bölschestraße wurde offenbar mit einem Stahlseil durchtrennt, die Polizei ermittelt gegen Unbekannt. Nach der Wurzelbehandlung wurden dem Baum nun vorsorglich sämtliche Kronen gezogen - vom Bezirksamt Treptow-Köpenick. Die kriegs- und sturmerprobte Kastanie ist dadurch ziemlich abgestumpft und absolut abrissreif. Welch ein zufälliger Zufall, dass das Bezirksamt den Baum sowieso fällen wollte, weil er einer neuen Straßenbahnhaltestelle im Wege steht - was eine Bürgerinitiative bisher erfolgreich verhindert hatte. Astrein ist das alles nicht.
Lesen, lesen, seid’s gewesen. In Frankfurt am Main gibt es seit gestern Buchstabensuppe französischer Art. Zur Buchmesse werden aus dem Nachbarland mehr als 1200 frische Titel serviert - unsere Literaturredaktion hat sie fast alle verschlungen und tischt die besten zehn gut verdaulich im heutigen Tagesspiegel auf. Seitenweise träumt es sich eben am schönsten - mit Sätzen wie diesen: „Wir hatten die Sonne und das Meer, das Lachen und die Liebe. Würden wir sie jemals so wiederfinden wie in diesem Sommer?“ Moment mal: In welchem Sommer?
Telegramm
Zunächst die Leserbriefe: Nicht nur Kunden der Post leiden unter traumatischen Störungen bei der Zustellung. Nach unserem Bericht gestern erreichte uns per Fax die Nachricht, dass auch der Konkurrent Pin AG die Briefe mit der Schnecke austrägt. Dumm nur, wenn im Umschlag die amtliche Warnung vor einem hochgradig ansteckenden Keuchhusten steckt. Anruf beim Gesundheitsamt Pankow: Sollte, hüstel, so ein Befund nicht schneller verschickt werden? Antwort: Nö, so ist‘s am billigsten. Gesundheit!
Raider heißt jetzt Twix, Obergrenze nennt sich Richtwert - und Schule wird zum Kindergarten. Zumindest in Marzahn-Hellersdorf, wo der Bezirksschulbeirat zum geplanten Neubau in Mahlsdorf erklärt: „Die Schule wird quasi als ‚Lego-Bausatz‘ entstehen. Auf der Baustelle kommen die einzelnen vorgefertigten Module (WC-Modul mit kompletter Keramik) an und werden neben- und aufeinander gestellt.“ Und die Schulkinder staunen Bauklötze.
Grün, ja grün, sind alle meine Freunde. Grün, ja grün, ist nicht alles, was ich sag. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel kann ein Lied davon singen, seit er sein ungrünes Lamento über den von Obdachlosen bevölkerten Tiergarten angestimmt hat. Immerhin bleibt er kein Solokünstler: Neuköllns rote Bürgermeisterin Franziska Giffey spendiert einigen in Parks campierenden Wohnungslosen nun Bustickets zur freiwilligen Heimreise, etwa nach Polen. Viele dürften allerdings wiederkehren - wie ein Refrain.
Da wir gerade beim Singen sind: Ohne Holland fahr’n wir zur WM…
Falls Ihnen in Berlin mancher Witz oder manches Haus zu flach vorkommt, hier noch einmal die amtliche Definition für ein Hochhaus in unserer Stadt: Laut parlamentarischer Mitteilung der Bauverwaltung handelt es sich dabei um ein Gebäude, „bei dem die Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses, in dem ein Aufenthaltsraum möglich ist, im Mittel 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt“. Ist Ihnen das auch zu hoch?
Spitzenzitat von unserer Tagesspiegel-Agendakonferenz am Dienstag zum Spitzensteuersatz: Der Linke Klaus Ernst wünschte sich Steuerklassen wie zu Zeiten von Helmut Kohl. „Und Kohl stand ja nicht gerade für Sozialismus.“ Alles Weitere zur Konferenz finden Sie hier, alles zum Sozialismus in jedem Kreuzberger Buchladen.
Schnell noch eine Zwischenlandung auf dem einzigen funktionierenden Flughafen in Berlin und Brandenburg: Auf den Feldern von Linum starten und landen derzeit täglich 50.000 Kraniche auf ihrer Fernreise in den Süden. Der Flugplatz soll nun zum touristischen Drehkreuz ausgebaut werden, das Nachtflugverbot ist bereits aufgehoben. Und nach dem BER kräht hier kein Hahn.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Für Maximilian ist es viel wichtiger, was es zum Abendessen gibt.“
Vater Michael Korok, der gemeinsam mit seinem Mann Klaus in Berlin das Pflegekind Maximilian adoptiert hat - als erstes schwules Ehepaar in Deutschland.
Tweet des Tages
„Haben Gespenster eigentlich eine To-Buh-Liste?“
Stadtleben
Neu in Prenzlauer Berg ist das Hotel Oderberger zwar nicht mehr, aber das hoteleigene Restaurant. Auf drei Ebenen mit insgesamt 15 Meter Raumhöhe werden seit letzter Woche im ehemaligen Heizkraftwerk des Stadtbads verfeinerte Spezialitäten aus Berlin und Brandenburg angeboten, darunter auch Binnenfische aus der Region. Es gibt zwei Speisekarten: Einmal mit Gerichten à la „Dit is Berlin“ (u.a. mit Eisbein und Blutwurst) und eine je nach Saison (im Herbst u.a. mit pochiertes Rinderfilet und Graupen-Risotto). Oderberger Straße 57 (U-Bhf Eberswalder Straße), Di-Sa 18-14 Uhr, Frühstück tgl. 7-10.30 Uhr.
Ein Abstecher ins Oderberger lohnt nicht nur zum Essen: In der Kaminbar im Erdgeschoss kommt der fiese Herbst erst richtig zur Geltung, denn zu Wind und Regen schmeckt der Dark & Stormy (Dunkler Rum, Limette, Ingwerlimonade, 8 Euro) noch besser. Auch sehr zu empfehlen: Willys Brand (Birnenbrand, Jasmintee, Zitrone, Honig, Rosmarin, 9,50 Euro). tgl. ab 17 Uhr.
Berlinbesuch kann im Stadtbad Oderberger Straße sogar schwimmen. Auch wenn Sie kein Hotelgast sind, können Sie das Bad an durchschnittlich fünf Tagen in der Woche nutzen. Die genauen Öffnungszeiten variieren, je nachdem, ob eine Veranstaltung stattfindet (typisch Berlin: hier fallen Feste buchstäblich ins Wasser). Nichtschwimmer und interessierte Besucher werden jeden Dienstag durch die historischen Hallen der ehem. Volksbadeanstalt geführt (Treffpunkt 17 Uhr an der Rezeption, keine Anmeldung erforderlich).