Ein Zeichen setzen müsse man jetzt, sagte Michael Müller gestern Vormittag, als hinter verschlossenen Senatstüren erneut heftig gestritten wurde. „Wir können jetzt nicht hier rausgehen und sagen: Wir warten noch mal drei Tage ab“, soll der Regierende wütend vor allem in Richtung des Grünen-Justizsenators gesagt haben, der sich die rasant steigenden Corona-Zahlen gern noch ein wenig länger angeschaut hätte. Es musste auf Chefebene beraten und vertagt werden, bis das Zeichen ganz von selbst kam: Zwanzig Minuten vor der anberaumten Sondersitzung am Nachmittag sprang die zweite Corona-Ampel auf Rot und auch dem Letzten wurde klar: Der Sommer ist vorbei, Berlin hat seine Freiheit verspielt.
All das Zusehen, Wegsehen, Hoffen, dass wir vielleicht besser durchkommen als Madrid und Paris, wo schon wieder Lockdown ist – es hat nichts geholfen. Die Realität kommt mit all ihrer Härte zurück und die sieht ab Samstag, 0 Uhr, bis mindestens 31. Oktober, so aus: Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens müssen Gaststätten, Bars, Supermärkte und Spätis schließen, Tankstellen dürfen nur noch Fahrzeuge betanken. Treffen dürfen sich in dieser Zeit nur fünf Personen auf einmal oder Personen aus zwei Haushalten. „Ausschank, Abgabe oder Verkauf von alkoholischen Getränken zwischen 23 Uhr und 6 Uhr des Folgetages“ sind laut Bußgeldkatalog mit einer Strafe von 5000 bis 10 000 Euro zu ahnden und Lokalitäten bei Renitenz zu schließen, sagte Behrendt. „Wir bringen die Stadt zur Ruhe.“
Beruhigen musste sich zunächst allerdings erst einmal Müller selbst, der leicht rotbackig am frühen Abend zurückkeilte in Richtung der Spahns und Söders, die ihm zuletzt in seine Stadt hineingepoltert hatten (Söder gestern: „Ich befürchte, das ist am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“). „Unerträglich“ sei es, „wie einige hier Haltungsnoten vergeben. Diejenigen, die sich eigentlich sonst nicht für Berlin interessieren und auf einmal ganz genau wissen, wie die Situation in Berlin ist und was hier zu tun ist.“ Müller führte die lange Liste der Großstädte auf, in denen die Zahlen ähnlich infektiös sind wie hier (München, Köln, Frankfurt/Main, Essen, Bremen). „Wer kann eigentlich mit dieser Grundlage mit dem Finger auf wen zeigen?“
Kurz mal umgesehen: Alle aufeinander. Denn an der Ausbreitung der Pandemie sind die Unvernünftigen ebenso schuld wie jene, die sie den Sommer über durch mangelnde Kontrollen und zu viel (Nach)Lässigkeit haben gewähren lassen. Dass nun Gastronomiebetriebe und Bars eingeschränkt werden, erscheint auf den ersten Blick ungerecht, da doch vor allem private Feiern in geschlossenen Räumen das Infektionsgeschehen zu treiben scheinen – Treffen mit Freunden, Hochzeiten, Geburtstage: Auch sie dürfen ab Sonnabend drinnen nur noch mit maximal zehn Leuten stattfinden. Den symbolischen Effekt der Sperrstunde sollte man aber nicht unterschätzen: Den Lockdown ins Gefühl zurückrufen. War da nicht etwas?
Die Gastronomen trifft es nun vor allem, weil wirklich niemand kontrollieren kann, ob drinnen nur Schnitzel serviert werden oder auch Shots. Werden nicht noch heute in vielen Raucherkneipen die Buletten unterm Tresen gereicht? Mit der Freiheit, das haben die letzten Wochen gezeigt, kann Berlin nicht umgehen. Es gehört zur Folklore dieser Stadt, dass sie sich nicht an die Regeln hält. Und wenn niemand kontrolliert, wird Ansteckung serviert. Nun heißt es: Den Aufwand minimieren. Licht aus? Weiterfahren.
Damit sich Barbetreiber nicht zwischen Konkurs und Illegalität entscheiden müssten, kündigte Kultursenator Lederer (Linke) finanzielle Hilfe an. Behrendt allerdings konkretisierte: Für Bars, aber nicht für Restaurants. Die hätten ihr Geschäft um 23 Uhr schließlich bereits gemacht. Die gebeutelten Gastronomen würden ihm dafür vermutlich gern ein liegengebliebenes Steak um die Ohren hauen. Nicht nur, dass viele im Normal-Berlin bis weit nach Mitternacht brutzeln, sie haben aufgrund von Abstandsregeln, fehlenden Touristen und allgemeiner Zurückhaltung bei Genuss und Geld in den vergangenen Monaten große Verluste erlitten. Und gestern kündigte nun auch noch Berlins oberste Touristenwerber von Visit Berlin an, bis auf Weiteres keine Touristen mehr werben zu wollen. Wenn die Herren Regiermeister und Senatoren auch im nächsten Jahr nach der Senatssitzung noch gepflegt speisen wollen, vegetarisch oder nicht, dann sollten sie hier noch mal über einen zweiten Gang nachdenken. Lauwarm schmeckt nur Kartoffelsalat, und den leckersten gibt’s leider in Bayern.

Die dritte Corona-Ampel ist übrigens noch grün, allerdings berichtet die Charité, dass immer mehr Patienten intensiv betreut werden müssen. In diesem Zusammenhang eine kleine Erinnerung: Der Vertrag für die Corona-Klinik auf dem Messegelände läuft Ende des Jahres aus. Die Wirtschaftsverwaltung plant, die Messehallen dann wieder für das zu nutzen, wofür sie eigentlich vorgesehen sind. „Oberste Priorität bleibt der Gesundheitsschutz“, aber: „Wir tun alles, um das gebeutelte Messegeschäft unter Bedingungen der Pandemie wieder stattfinden zu lassen“, hieß es gestern aus Pops Verwaltung. „Über den weiteren Umgang wird der Senat zu gegebener Zeit beraten.“ Die Gesundheitsverwaltung kommentierte knapp: Der Senat werde „im Laufe des Winters entscheiden“. Na, hoffentlich checken da alle rechtzeitig ihre Kalender.
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In den Gesundheitsämtern wissen die Mitarbeiter inzwischen weder ein noch aus – und einige offenbar auch nicht, was Sache ist, wie das Beispiel von Stephan und Anne L. aus Wilmersdorf zeigt. Als er vor zwei Wochen von der Corona-Infektion eines engen Kollegen erfuhr, war ihm sofort klar, dass er als Erstkontakt in Quarantäne musste. Doch wie sollten sich seine Frau und der vierjährige Sohn verhalten?
Auskunft vom Gesundheitsamt: Kein Problem, sie soll zur Arbeit gehen. Anne L. ist Erzieherin. Weil ihr das komisch vorkam, fragte sie in ihrer Kita nach: Nein, sie könne nur zu Hause bleiben, wenn das Gesundheitsamt eine Quarantäne-Pflicht anordne. „Sonst könnte ja jeder jederzeit zu Hause bleiben“, habe die Kitaleitung gesagt. Es folgte ein Pingpong zwischen Gesundheitsamt und Kitaleitung: Kein Erstkontakt, keine Quarantäne. Ihrem Mann ging es am nächsten Tag nicht gut, trockener Husten, Hitze, Schläfrigkeit, das Innere des Körpers fühle sich gruselig an, sagt Stephan L., der in seiner Quarantäne auf einen Test wartete.
Anne L. wollte in dieser Unsicherheit keinesfalls in die Kita, also nahm sie zwei Tage frei, ließ sich krankschreiben. Als Erzieherin bekam zumindest sie schnell einen Test und zwei Tage später das Ergebnis: negativ. „Aber wegen der Inkubationszeit sei das kein sicheres Ergebnis, sagte man mir.“ Vier Tage später bekam auch Stephan L. endlich sein Ergebnis: positiv. Anne L. und der kleine Sohn waren zu diesem Zeitpunkt schon wieder in der Kita.
Sie rief beim Gesundheitsamt an, mehrfach, immer dieselbe Antwort: Das passt schon, gehen Sie zur Arbeit. War sie denn nun nicht auch ein Erstkontakt? Erst am nächsten Tag erreichte sie eine Mitarbeiterin, die sofortige Quarantäne anordnete. Sie entschuldigte sich: Es gebe so wenig Personal, dass inzwischen Hinz und Kunz eingestellt würden. „Für Schulungen bleibt keine Zeit.“
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Ganz anders gehandhabt hat eine ähnliche Situation das Biesdorfer Otto-Nagel-Gymnasium. Als die Schulleitung von der Infektion eines Kindes erfuhr, reichte es ihr nicht, eine Klasse in Quarantäne zu schicken – sie stellte gleich den ganzen Unterricht auf Homeschooling um. Weil sie es kann. Die Schule ist seit Jahren vorbildlich in Sachen Digitalisierung und profitiert nun davon, den Unterricht über Videokonferenzen durchführen zu können. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagt die Schulleitung. Wenn das mal Schule machen würde.
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Davon allerdings ist Berlin weit entfernt, das ist ebenso bekannt wie die fehlenden Knöllchenschreiber und Bürgeramtstermine. Wie schlimm die Lage wirklich ist, bekommt die Schulverwaltung nun auf eigenen Wunsch als dickes Paket präsentiert: Die vor einem Jahr von Senatorin Scheeres eilig einberufene Qualitätskommission um den Kieler Bildungsforscher Olaf Köller stellte heute ihren Bericht vor. Spoileralarm: Es bleibt kein maroder Backstein auf dem anderen.
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Nach ein paar iPads, versprochenen Laptops und allerei anderer Planlosigkeiten hat meine Kollegin Susanne Vieth-Entus ein besonders schönes Beispiel für sinnlos ausgegebene Millionen aus dem Märkischen Sand gebuddelt: Im Rahmen des Zehn-Millionen-Programms „Berlin Challenge“ sollten (auf Wunsch der SPD-Fraktion) 20 Schulen jeweils 470 000 Euro bekommen – in zwei Tranchen auf dieses und nächstes Jahr verteilt. Als diffuses Ziel wurde „Unterrichtsentwicklung“ benannt. Allerdings haben die Schulen überhaupt erst in den Sommerferien erfahren, dass sie ausgewählt wurden. Nun haben sie nur noch drei Monate Zeit, um die ersten 235 000 Euro auszugeben, ansonsten verfällt das Geld. Wenn sie wenigstens googeln könnten...
Berliner Schnuppen
Telegramm
Einen Tag nach dem Kandidaten-Knall-Effekt (Bettina Jarasch steigt strahlend aus der Kiste, in der Ramona Pop und Antje Kapek sich gegenseitig zersägt haben) waren die Grünen sichtlich bemüht, die Reihen geschlossen zu halten. Pop verabschiedete sich in den geplanten Urlaub, Behrendt, Kapek & Co. kamen zwar ohne Entschuldigung 15 Minuten zu spät zur Senatssitzung, taten sonst aber, als wäre nichts gewesen.
Derweil legte Jarasch gleich mächtig los, um die These zu stützen, dass sie mit möglichst wenig Aussage möglichst wenig auffallen möchte, damit niemandem auffällt, dass die Berliner Öko-Bilanz der letzten Jahre (Erfolgsliste der SenatorInnen Günther, Behrendt und Pop muss noch gesucht und nachgereicht werden) doch nicht so dolle ist wie die Umfragewerte. Aber nun kommt ja endlich frische Windenergie: „Eine Stadt. Viele Themen. Alle im Blick“, twittert Jarasch seit Montag unermüdlich. „Ich will Berlin mit @gruene_berlin & allen Zukunftskräfte der Gesellschaft gestalten. Wir wollen Berlin zu einer Stadt der Zukunftskräfte machen: ein Berlin, in dem es egal ist, woher Du kommst & nur zählt, wohin Du willst. #GrünesRathaus“
Was „Zukunftskräfte“ eigentlich sein sollen, konnte eine Redaktionsumfrage bis Redaktionsschluss (5 Uhr) nicht klären, aber Hauptsache, das Ziel weist den Weg: Rotes Rathaus. Vorschlag: Wer während der Sperrstunde fünf Mal hintereinander den Satz „Jarasch stärkt Zukunftskräfte“ fehlerfrei aufsagen kann, bekommt einen Eierlikör. Abzuholen beim Tagesspiegel-Pförtner morgens um 6 Uhr zum alleinigen Verzehr am Anhalter Bahnhof.
Brisantere Dinge werden vermutlich auch nicht mehr auftauchen: Gestern hat Jarasch ihre Facebookseite in eine professionelle überführt. Alles, was vor der Kandidatur dort zu lesen war, ist nun verschwunden (noch ein Zaubertrick!). Schade, wir waren doch gerade auf der Suche nach Profil.
Apropos Erfolgsliste der Senatorinnen. „Das Oberverwaltungsgericht hat in dem Verfahren gegen die Einrichtung temporärer Radfahrstreifen im Berliner Stadtgebiet den Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin vom 4. September 2020 bis zur Entscheidung über die Beschwerde des Landes Berlin im vorliegenden Eilverfahren vorläufig außer Vollzug gesetzt.“ Heißt übersetzt: Die Pop-up-Radwege dürfen erstmal bleiben, bis das Hauptverfahren entschieden ist. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz habe nun „erstmals die für die erforderliche Gefahrenprognose erforderlichen Tatsachen durch Nachreichung von Verkehrszählungen, Unfallstatistiken u.ä. belegt“. Gilt wie bei der Verkehrswende insgesamt: Besser spät als nie.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Apropos Erfolge: Senatorin Scheeres hat gestern ihren Plan vorgestellt, wie sie die Kitaplätze dem gestiegenen Bedarf (von 264 000 auf 280 000 Kinder) bis 2025 anpassen will. Zum Gerücht, die Planungen für die nächsten Jahre stimmten nicht, sagte Scheeres: „Das ist Quatsch. Die Weichen sind gestellt.“ Hoffentlich nicht nur die der Modelleisenbahn.
Auf der offiziellen Seite berlin.de, Unterseite „Politische Bildung“, wird übrigens Katrin Lompscher (Linke) noch immer als Senatorin für Stadtentwicklung geführt (Beweis). Die Weichen sind gestellt.
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Ein Tag. Ein großes Nachrichtenthema. Und was sonst noch wichtig ist. Zwei Inforadio-Redakteur*innen im Gespräch – hintergründig, differenziert und persönlich. Sie ordnen ein, decken Widersprüche auf und sind nicht immer einer Meinung. Im neuen Podcast NEWSJUNKIES vom Inforadio.
Montags bis freitags ab 17 Uhr fast überall, wo es Podcasts gibt.
Auch in Sachsen sind Berliner nicht mehr so gern gesehen. An einer Hoteltür in der Sächsischen Schweiz hat CP-Leserin Selma Tuzlali große Stoppschilder mit Postleitzahlen aus Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln entdeckt (Zutritt nur mit negativem Covid-19-Test) – allerdings hat da jemand beim Zusammengoogeln der Postleitzahlen die Bezirksreform übersehen: Lediglich der Ortsteil Mitte ist aufgeführt, nicht der Bezirk (Dank an Robert Vief für den Hinweis), es fehlen also Moabit, Wedding und Gesundbrunnen, Tiergarten und Hansaviertel. CP-Tipp für Fortgeschrittene (und Kauperts-Leser): Bleiben Sie trotzdem zu Hause.
Damit das Virus kurz vorm nächtlichen Lockdown noch mal freie Fahrt hat, bestreikt Verdi am Freitag erneut die BVG: 24 Stunden lang sollen keine U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen fahren. Die S-Bahn fährt, allerdings mit Einschränkungen...
... denn nach dem Brandanschlag ist die Ringbahn noch bis Ende der Woche unterbrochen. Es wird ein Zusammenhang mit der Räumung des linken Hausprojekts Liebig 34 vermutet. Müssen die Aktivisten wohl Fahrrad fahren (die Polizei kommt mit Wannen).
Nina Stahr, Landesvorsitzende der Grünen, ist am Abend in Steglitz-Zehlendorf zur Direktkandidatin für den Bundestag gewählt worden. Keine besonderen Vorkommnisse (was ja dieser Tage durchaus eine Meldung ist).
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Mit spitzem Stift kommentiert der Berliner Zeichner Klaus Stuttmann seit fast zwei Jahrzehnten das Weltgeschehen im Großen und Kleinen auf der Meinungsseite des Tagesspiegels. Die Sonderausgabe ist ab sofort im Tagesspiegel-Shop erhältlich.
Wir sind einer großen Sache auf der Spur, denn nachdem wir das geheime Gutachten über Frau Giffeys Doktorarbeit entdeckt haben, ist uns auch ihr geheimes Guthaben in die Hände gefallen (1000 Treueherzen bei Kaiser's). Wir bitten den Fehler aus dem gestrigen Checkpoint zu entschuldigen und danken CP-Leser Sebastian Thienel, der uns IN GROSSBUCHSTABEN bat, unsere PERFORMANCE zu korrigieren. SEHR GERNE! <3
Okay, ich gebe zu, an dieser Stelle sind schon ein oder zwei Bier den Checkpoint heruntergeflossen (alleine trinken ist schließlich auch nachts noch erlaubt), da fällt uns gerade auf: 31. Oktober... da war doch was? Ah, richtig, da können wir jetzt ganz nüchtern den BER eröffnen (feiern will das ohnehin niemand mehr) und das Duo Giffey/Saleh zu SPD-Landesvorsitzenden wählen. Es sei denn, jemand findet noch geheime Guthaben unterm Terminal, dann machen wir vielleicht doch noch ‘nen Freizeitpark draus.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die heute beschlossene nächtliche Sperrstunde für Restaurants, Bars und Geschäfte ist beim Blick auf die Infektionszahlen absolut nachvollziehbar. Wir müssen aber auch ganz ehrlich sein. Meine Kolleginnen und Kollegen reißen momentan eine Überstunde nach der anderen ab. Wir werden derartige Verstöße eigentlich nur bei Einrichtungen rund um die Liebig34 kontrollieren können.“
Norbert Cioma, Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, unmittelbar nachdem der Senat über die neuen Maßnahmen informiert hatte.
Tweet des Tages
Große Angst nun in #Leipzig, dass allzu viele Berliner schon mal vom ‚neuen Berlin‘ gehört haben könnten #Sperrstunde #Berlin
Stadtleben
Essen – Sie mögen Warten auf Godot? Dann sind Sie hier richtig, denn wenn man eins hier tut, ist es Warten. Aber es lohnt sich. Und Godot kommt sogar. Die frischen, handgemachten japanischen Nudelsuppen sind im Buya (Reichenberger Straße 36) so gut, dass die Erfahrung lehrt: Selbst Ramen-Skeptiker gehen hier nur als Ramen-Liebhaber wieder weg. Natürlich ist es einer dieser Orte mit hellen Holztischen, englischsprachigen Kellnern und im Hinterhof gelegen – Kreuzberg eben. Trotzdem: Genuss und eine Welt unbekannter Geschmäcker kommen hier nicht zu kurz. Tgl. 12 – 23 Uhr, sonntags geschlossen. U-Bhf Kottbusser Tor
Trinken – Im Greens Café in Neukölln (Weserstraße 44) gibt es nicht nur frisch gebackenen Kuchen, sondern auch ungewöhnliche Limonaden. Wilde Geschmackskombinationen, wie Salbei-Maracuja oder Orange-Lavendel sind hier angesagt. Für ganz experimentierfreudige gibt es auch die Überraschungs-Limonade der Woche. Mo, Di, Do, Fr 9 - 17 Uhr; Sa + So 10 - 18 Uhr. U-Bhf Rathhaus Neukölln
Das ganze Stadtleben – mit verschiedenen fotografischen Perspektiven auf Berlin – gibt´s mit Tagesspiegel-Plus-Abo.
Berlinbesuch – Berlin ist ihnen zu schnell? Dann passt Ihnen vielleicht, dass die kleinen Augenblicke hier festgehalten werden. Denn analoge Fotografien halten nur einen Moment fest, fern also von dem üblichen Großstadt-Gerase. Die schönsten werden von Berlin on Film gesammelt, teilweise gibt es sogar eine Printausgabe. Vielleicht inspiriert das ja dazu, selbst mal loszugehen und für die innere Ruhe zu knipsen. Wer braucht denn dann noch Yoga?
Geschenk – Sie wissen noch nicht, was Sie beim ersten Besuch des bald öffnenden BER tragen wollen? Wir haben die Lösung: Zumindest Ihre Finger oder Fußnägel werden im passenden Glanz erstrahlen. Denn die Kosmetikfirma Uslu Airlines, die einzige Fluggesellschaft, die den BER schon lange anfliegt, hat eine eigene Nagellack-Farbefür den Flughafen. Wir verlosen 5 Fläschchen BER-Lack, aber es lohnt sich, auch mal die anderen ungewöhnlichen Nagellacke und Lippenstifte, die alle nach Flughäfen benannt wurden anzuschauen.
Noch hingehen – Die Augen sind beim Fotografieren offen? Eigentlich klar, aber die Fotografie-Absolvent*innen des Lette Vereins geben dem ganzen noch eine neue Bedeutung. Heute ist der letzte Tag, an dem man die Abschluss-Projekte der Austellung „Eyes Wide Open“ im Kühlhaus (Kreuzberg) anschauen kann. Es wird der Blick der Fotograf*innen auf die Welt gezeigt, in Form von fotografischer Dokumentation, Konzeption und Inszenierungen. 16 - 19 Uhr, U-Bhf Gleisdrieckpark
Karten sichern – Luther hätte es definitiv einfacher gehabt, hätte er damals seine Thesen via Twitter teilen können. Hatte er eben nun einmal nicht. Umso spannender, sich mit Geschichte der Medienentwicklung zu beschäftigen und der damit einhergehenden Veränderung der Gesellschaft. Genau diese wird in der Ausstellung „Von Luther zu Twitter“ im Deutschen Historischen Museum beleuchtet. Fr - Mi von 10 -18 Uhr, Do bis 20 Uhr
Last-Minute-Tickets – (Ein Tipp von Ingolf Patz) Als der Bergbauernsohn Emanuel Gyger ein Auge verlor, sah er die Welt dauerhaft wie durch den Sucher einer Kamera. Er ergab sich seinem Schicksal und wurde bald einer der „Pioniere der Skifotografie“. In einer Welt aus Fels und Schnee verhalf ihm der Verlust des räumlichen Sehens zu einer besonderen Sensibilität für Licht und Schatten. Mit künstlerisch überhöhten und emotional aufgeladenen Bildern schufen Emanuel Gyger und sein Geschäftspartner Arnold Klopfenstein in den 1920er und 1930er Jahren Ikonen der frühen Freeride-Bewegung. Die spektakulären Fotografien sind im Rahmen des European Month of Photography Berlin (EMOP) erstmals in einer Ausstellung zu sehen. Nollendorfstraße 35 (U-Bhf Nollendorfplatz), zu sehen bis zum 1. November, Di-So 14-19 Uhr, Eintritt: 5/3 €
Berlin heute
Verkehr – Rudower Chaussee (Adlershof): Ab 8 Uhr Fahrstreifenreduzierung zwischen Franz-Ehrlich-Straße und S-Bahnhof Adlershof.
Sachsendamm (Schöneberg): Auf dem Sachsendamm werden Brückeninspektionen durchgeführt. Am Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 7 bis 16 Uhr, steht in Richtung Dominicusstraße nur ein Fahrstreifen in Höhe S-Bahnhof Schöneberg zur Verfügung.
Tiergartenstraße (Tiergarten): In Richtung Ebertstraße zwischen Klingelhöferstraße/ Hofjägerallee und Hiroshimastraße gesperrt.
Stadtring: Auf der A100 Richtung Neukölln laufen zwischen 22 und 5 Uhr Bauwerksprüfungen. In Höhe Kreuz Schöneberg steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
A113 (Schönefeld-Zubringer): Wegen Wartungsarbeiten wird die Autobahn stadteinwärts zwischen AS Schönefeld-Nord und AS Adlershof in der Zeit von 21 bis 5 Uhr gesperrt. Ab 24 Uhr wird die Sperrung bis zur AS Späthstraße ausgeweitet.
Demonstration – Von 15.30 – 20.00 werden insgesamt 1000 Teilnehmer*innen unter dem Motto „Oceans are rising – so are we“ auf die Straße gehen. Ein Teil des Aufzugs startet in der Klingelhöferstraße, der andere Zweig läuft in der Wilhelmstraße los. Anschließend treffen beide am Potsdamer Platz zusammen. „Wegen der verheerenden Klima Politik der Bundesregierung“ findet von 16 – 18.05 Uhr ein Aufzug vom Alexanderplatz bis zum Washingtonplatz mit 200 Demonstrant*innen statt. „Für einen solidarischen Kiez und den Erhalt des Hausprojektes 34“ ziehen ca. 200 Unterstützer*innen von 18 – 22 Uhr auf einem Rundweg durch die Rigaer Straße und Liebigstraße in Friedrichshain, angemeldet als „Nachbar*innen Demonstration gegen Verdrängung“. Zum erneuten „Protest gegen die Verdrängung der Buchhandlung Kisch und Co“ versammeln sich von 18.30 bis 20.30 ca. 200 Teilnehmer*innen in der Oranienstraße in Kreuzberg.
Gericht – Der spektakuläre Prozess um den mutmaßlichen Auftragsmord im Kleinen Tiergarten beginnt. Der Angeklagte Vadim K. (55) soll im August 2019 einen 40-jährigen Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit aus nächster Nähe von einem Fahrrad aus erschossen haben. Er soll dabei im Auftrag von staatlichen Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation gehandelt haben. Der Fall hatte im vergangenen Jahr eine Krise in den deutsch-russischen Beziehungen ausgelöst (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Peter Arntz (70), Notar in Potsdam / Matthias Brandt (59), Theater- und Fernsehschauspieler / Albert Koch (58), Musikjournalist, Chefredakteur von Musikexpress / „Liebe Geburtstags-Yvonne, alles Liebe zum
Geburtstag und eine große Portion Gesundheit zum neuen Lebensjahr wüschen Dir von ganzen Herzen Dein
Papi und Deine Mama.“ / Jürgen Metzger (84) „Alles erdenklich Gute von Marion, Nadeshda und Sigurd“ / „dem Literaturfreak und Windsurfer Hans-Dieter Schabram viele liebe Grüsse zum 75. von seiner Familie“ / Rona Tietje (39), Stadträtin in Pankow (SPD) / Daniel Weber (49), Aufsichtsratsvorsitzender der Fairmondo eG / Bernd Wollschlaeger (71), „Wir wünschen ihm viele glückliche Momente bei allerbester Gesundheit.“ / Ulli Zabel (72), „Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe und Gute, bleib gesund und so, wie du bist! Deine Regine" / Hubert Hirschfeld, „Nachträglich alles Gute. Auch zukünftig immer viel Wasser unterm Kiel. H“ / nachträglich: Peter Lange, Kanzler a. D. der Freien Universität Berlin und Vorstandsvorsitzender der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Reinhard Ganßauge, * 14. Mai 1935 / Denada Prifti, verstorben am 9. September 2020, Referatsleiterin beim Einheitlichen Abwicklungsausschuss (SRB) in Brüssel / Ingrid Rost, * 14. November 1933 / Prof. Dr. Hans-Jürgen Sinell, * 7. Dezember 1926, ehem. Professor und Direktor des Instituts für Lebensmittelhygiene der FU / Dietmar Vogt, * 21. Dezember 1940
Stolperstein – Am 10. April 1942 wurde der Sozialdemokrat und Journalist Erich Kuttner verhaftet und ein paar Monate später in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Dort wurde er am 6. Oktober 1942 „auf der Flucht“ erschossen, wie es offiziell hieß. Sein Stolperstein liegt in der Burgherrenstraße 4 in Tempelhof.
Encore
Um etwas Hoffnung in die düsteren Aussichten zu bringen, knipsen wir zum Abschluss noch das Licht in Erichs Lampenladen an. Einen Beitrag zur Westaufklärung lieferte gestern Abend eine Twitter-Kunstfigur namens lawen4cer – er postete ein Foto des Palasts der Republik mit der Frage: Welches Gebäude ist das?
Bitteschön (kleiner Auszug der Antworten):
Marie-Antoinettes Kuchenlager
Theater des Westens
Treuhand-Arena
Dachverband der Solariumbetreiber
Verbandsgebäude der Vereinigten Glasindustrie
Größter McDonald’s der Welt
Karstadt am Hermannplatz
Karstadt Hamm
Bezirkssparkasse Heppenheim
Zalando Retourenabteilung
Der Braunschweiger Hauptbahnhof mit Instagram-Filter
Mein Elternhaus
Berghain
Pop-up-Mittagstisch der Prinzessinnengärten am Moritzplatz
Berliner Schloss. Nur ohne Kreuz.
Präsidentensuite im Walter-Reed-Militärhospital
Nicht sicher, aber denke Venedig.
Planungsbüro BER – Antwort: Ist das schon fertig?
Morgen überprüfen wir das gleich nochmal, dann übernimmt hier wieder Chef-Planer Lorenz Maroldt. Heute hat Ihnen Carlotta Cölln das Stadtleben serviert und Kathrin Maurer in der Früh alles mundgerecht angerichtet.
Bis nächste Woche,