keine Termine und leicht einen sitzen – das könnte auch das perfekte Berlin-Motto sein. Der Mann, der diesen Satz als seine Definition von Glück geprägt hat, ist heute vor 20 Jahren gestorben. Zum Todestag wollte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Harald Juhnke mit einem eigenen Platz ehren, Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) freute sich gestern bereits, dass „ab morgen“ ein Zeichen für die enge Verbundenheit der Stadt mit dem Entertainer gesetzt werde.
Doch halt, nicht so voreilig: Der Termin zur Umbenennung am 1. April kann nicht realisiert werden, teilte das Bezirksamt auf Checkpoint-Nachfrage mit. Und nur wenige Minuten später verwandelte sich das „ab morgen“ in Wegners Statement online zu „bald“.
Warum? Stifte raus: Es folgt eine Anleitung zum Umbenennen des Platzes in sechs Schritten (Q: Bezirksamt Cha-Wi):
+ „Da es sich um eine Teil-Umbenennung des Kurfürstendammes handelt, muss zunächst die genaue Fläche festgelegt werden.“
+ „Daraufhin muss ein entsprechender Beschluss im Bezirksamt gefasst werden.“
+ „Weiterhin müssten die anderen Bezirke angehört werden, um Doppelbenennungen zu vermeiden.“
+ „Sollten die anderen Bezirke keine Einwände erheben, wird die Teil-Umbenennung im Amtsblatt für Berlin veröffentlicht.“
+ „Die Teil-Umbenennung kann frühestens drei Monate nach der Bekanntmachung im Amtsblatt wirksam werden, wenn keine Widersprüche erhoben werden.“
+ „Daher kann von der Beschlussfassung bis zum Wirksamwerden der Teil-Umbenennung ein Zeitraum von fünf Monaten vergehen.“
Es kommentiert Juhnke selbst: „Mein Publikum verzeiht mir alles.“
Juhnke wird heute Abend übrigens mit einer Hommage im Wintergarten geehrt, mit dabei sind nicht nur Ben Becker, Klaus Wowereit, Johannes Hallervorden und viele andere, sondern auch sein langjähriger Manager Peter Wolf. Nach einem Besuch am Friedhof erwischten wir ihn gestern am Telefon. „Leider wird der Platz nicht rechtzeitig fertig, die Mühlen in Berlin mahlen eben etwas langsamer“, sagte Wolf. Juhnke hätte das aber bestimmt nicht gestört: „Er sitzt auf einer Wolke und freut sich, da bin ich ganz sicher“, sagt Wolf. „Gerade an dieser Stelle, am Kurfürstendamm, wo wir oft gemeinsam langgelaufen sind, noch schnell eine Currywurst gegessen haben, wo gleich um die Ecke sein Friseur Udo Walz war.“ Ein kleines Stück Berlin – irgendwann.
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Berlin ist übrigens wirklich mal wieder auf der Suche nach einem neuen Lebensmotto. Der offizielle Slogan lautet derzeit „Wir sind ein Berlin“ – hätten Sie's gewusst? Fast so aufregend wie das 2019 aufwendig gesuchte Leitbild „Berlin bleibt anders“. Ebenfalls schön: „Jeder einmal in Berlin“, „Berlin erwartet Sie wieder“, „Berlin ist eine Reise wert“, „Berlin tut gut“, „Mir geht’s Berlin“ …
Aufwachen! Konzentration jetzt. Wir haben einen heißen Kandidaten für das neue Motto bereits gehört, so viel können wir schon verraten: Es wird auch diesmal philosophisch international. Das hat uns Berlins oberster Tourismuswerber Burkard Kieker vergangene Woche beim Kulturfrühstück im Tagesspiegel-Verlagsgebäude erzählt. Mehr dürfen wir leider noch nicht verraten. Be Berlin doch, was es wolle.
Haben Sie vielleicht eine innovative Idee, abseits der bekannten Worthülsen? Schicken Sie Ihren Slogan an checkpoint@tagesspiegel.de.
Arm-aber-sexy-Meister Klaus Wowereit ist übrigens unser Gast am Sonntag zur Weltpremiere der Checkpoint-Revue in den Stachelschweinen. Die Veranstaltung ist längst ausverkauft, notieren Sie sich aber schon mal den 6. Juli, dann gibt’s die nächste Show – und ab September dann monatlich. Für Berlinkenner und alle, die es werden wollen (Guter Spruch, oder?).
Apropos Party: Die Vertreter der Mitarbeiter in den Berliner Verwaltungen möchten es gern weniger krachen lassen.
Der Hauptpersonalrat forderte den Regierenden Bürgermeister in einem Schreiben auf, „den Empfang hinsichtlich der Verköstigung der Gäste auf ein Mindestmaß zurückzufahren“. Bei den Mitgliedern habe es „intensives Unbehagen ausgelöst, angesichts des Spardrucks und der Überlastung des Berliner Landeshaushalts ein Fest zu feiern, wenn andererseits für die Ausstattung der Beschäftigten zum Beispiel mit Arbeitsmitteln zunehmend die Mittel gestrichen werden“. Hoffentlich streicht da zumindest noch jemand Butter auf die Schrippen.

Drei Fraktionen der Bezirksverordneten Charlottenburg-Wilmersdorf wollen heute beantragen, den Stellvertretenden Bezirksbürgermeister Detlef Wagner (CDU) abzuwählen. Hintergrund ist die Vergabe von Fördergeldern für das Projekt „Kawod“ vom Träger „Jehi ‘Or“ Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus gUG (CP vom 21.2.).
Wagner ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer, habe dies jedoch nie als Nebentätigkeit angezeigt, heißt es in einem Schreiben, das dem Checkpoint exklusiv vorliegt. Nach Akteneinsicht sei klar geworden, dass Wagner am Fördermittel-Vergabeverfahren für das Projekt (seit 2020 jährlich 60.000 Euro) nicht nur mitgewirkt habe, sondern es „sowohl seitens des Trägers als auch seitens des Bezirksamts maßgeblich aktiv initiiert, angeleitet und gesteuert hat“. Die Fraktionsvorsitzenden von SPD, Linke und FDP schreiben in der gemeinsamen Erklärung: „Diese dreiste Kollision von Amtsmacht und Eigeninteresse stellt eine klare Pflichtverletzung dar. Detlef Wagner hat das politische Recht verwirkt, weiterhin im Amt zu bleiben.“
In Berlin werden Brücken nicht nur abgerissen, sondern auch gebaut: Zwischen der Europacity und dem Kiez um die Lehrter Straße liegen Welten – und die Bahntrasse, die hier aus dem Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs kommend nordwärts auftaucht. Allein in der nahen Umgebung könnten rund 15.000 Anwohner von einer Brücke profitieren, die beide Seiten verbindet.
Wie die Verkehrsverwaltung auf Anfrage von Silke Gebel (Grüne) mitteilt, hat die Vorplanung bereits begonnen. Geplant sei eine 83 Meter lange „Bogenfachwerkbrücke“ mit 4,5 Meter breitem Gehweg für voraussichtlich knapp sieben Millionen Euro. 2027 könnten die Bauleistungen ausgeschrieben werden – „unter dem Vorbehalt der haushälterischen Grundlagen“, also, sofern Schwarz-Rot das Geld nicht doch lieber woanders investiert (oder gar nicht).
Die Senatsverwaltung für Verkehr sucht jetzt übrigens einen Brücken-Statiker. Kein Witz: Im Jobportal des Landes wurde die Stelle am 25. April ausgeschrieben, fünf Tage nach Vollsperrung der Ringbahnbrücke auf der A100. Bei LinkedIn kommentiert jemand: Ist das Satire? In Berlin nennen wir das: Realsatire.
Und noch ein paar Leseempfehlungen:
600 Euro pro WG-Platz: Wie der Berliner Remmo-Clan an indischen Fahrrad-Kurieren verdient
Balance zwischen Bond und Behörde: Wie man es in den Bundesnachrichtendienst schafft
Kampf um Konzentration: Sollte Schach in Berlin zum Schulfach werden?

Machen statt Meckern: Für unsere neue Serie „Berlin 2030“ haben wir 50 Ideengeber nach ihrer Vision für die Hauptstadt gefragt. Den Beitrag von Yehuda Teichtal lesen Sie hier. Alle Folgen und kreative Konzepte finden Sie täglich online unter tagesspiegel.de/berlin2030.
Vielen Dank für dutzende Mails mit spannenden Ideen! Leser Stefan Glunz schlägt vor „Lost Places“ wie z.B. das Stasi- und Regierungskrankenhaus in Buch, das Sporthotel und Kongresszentrum am Sportforum, das Kinderkrankenhaus Weißensee oder das Waldhaus Buch an der Zepernicker Straße in Wohnraum umzuwandeln.
Machen Sie gerne mit, wir sind gespannt: Schicken Sie uns Ihre Lösungen für Berlins Probleme an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die beste Schulleiterin Deutschlands kommt aus Berlin: Andrea Franke verwandelte die Willy-Brandt-Schule in Gesundbrunnen von einer unbeliebten „Resteschule“ zu einem Leuchtturm im Kiez. Wie macht man das? „Frau Franke glaubt an gute Ideen, unterstützt spontan und tatkräftig, begeistert bei der Umsetzung und setzt die Visionen von Kolleginnen und Kollegen um“, zitiert die Jury eines ihrer Teammitglieder.
Herzliche Glückwünsche auch an Nicole Verdenhalven, Leiterin der Rahel-Hirsch-Schule in Marzahn-Hellersdorf, die den dritten Platz belegte, sowie an Jotam Felmy, der als „Ausgezeichnete Lehrkraft“ an der Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde geehrt wurde.
Apropos Schule: Mindestens 16 Familien wollen durchsetzen, dass ihr Kind trotz des Scheiterns beim Probeunterricht ein Gymnasium besuchen kann. Es könnten allerdings noch mehr werden, da die Frist noch nicht abgelaufen ist (ein Monat nach Ablehnungsbescheid). Das Gericht will „möglichst vor Ostern“ entscheiden.
Wird’s noch was mit der Verwaltungsreform? Der Senat will den Anfang vom Ende des Behördenpingpongs heute beschließen, Grüne und Linke sind dagegen (den Weg, nicht das Ziel).
Berlin will als Arbeitgeber besser und attraktiver werden: Die Finanzverwaltung startet die erste landesweite Beschäftigtenbefragung. Mehr als 150.000 Personen können im April anonym ihre Meinung zu Arbeitsklima, Belastung, Führungs- und Feedbackkultur sowie Digitalisierung abgeben. Ziel ist, ein aktuelles Stimmungsbild aus den Behörden zu erhalten. Es kommentiert Oma Kasupke „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.“
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Apropos Belastung: Auch in Mitte warten Wahlhelfende noch auf ihr Erfrischungsgeld (CP von gestern). Grund: Zu viele – und zu viele krank, schreibt das Bezirksamt (sinngemäß) auf Checkpoint-Anfrage. Bis 12. April soll alles überwiesen werden. Erfrischend.
Dass in Behörden hin und wieder ein Dienstsiegel verloren geht, kennen wir. Aber jetzt wurde eines gestohlen: ein Gummistempel mit 3,5 cm Durchmesser und der Umschrift „Bezirksamt Neukölln Berlin“ plus Landeswappen und der Kennziffer 85. „Bei Auftauchen des für ungültig erklärten Dienstsiegels bitte ich, sofort die oben genannte Dienststelle (BA Neukölln, Anm. d. Red.) fernmündlich in Kenntnis zu setzen.“ Hoffentlich klaut da niemand die Telefonschnur.
Der Alltag in Berlin wird zwar weiter teurer, aber langsamer. Im März stiegen die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent, die Inflationsrate sank damit leicht (Vorjahr: 2 Prozent), teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit. Besonders verteuert haben sich Paprika (+48 Prozent), Schokolade (+29 Prozent) und Butter (+27 Prozent). Günstiger geworden sind dagegen Zucker (-25 Prozent), Kartoffeln (-14 Prozent) und Möhren (-18 Prozent). Empfehlung von ChatGPT: „Man könnte Möhrenmarmelade oder eine Zucker-Kartoffel-Torte ausprobieren.“ Schmeckt auch ohne Paprika.
Trainings-Endspurt für Läufer und Sportler im Rolli, auf dem Handbike oder mit Inlinern: Am Sonntag startet der Halbmarathon. Unsere Beilage mit allen Zeiten und Teilnehmenden erscheint wie gewohnt am Montag im Tagesspiegel (ePaper und Print).
Und der Ausrichter SCC bittet wegen der Verkehrssituation rund um den Funkturm, zur Expo (inkl. Startnummernausgabe) auf dem Messegelände (!) mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
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Apropos: S-Bahnverkehr unterbrochen, lange Staus und Sperrungen… Das Verkehrschaos rund um die Ringbahnbrücke auf der A100 bremst täglich Tausende aus und belastet Anwohner mit Lärm und Abgasen. Wir suchen Betroffene, vor allem Berufspendler, die täglich Zeit verlieren. Schreiben Sie sich Ihren aufgestauten Ärger vom Lenkrad – und eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Und schon geht es weiter mit der Checkpoint-Schwarmintelligenz:
+ Das Kulturamt Steglitz-Zehlendorf sammelt Erinnerungen an das „Pop Inn“. Ein Theaterprojekt will die legendäre Teenie-Disko wieder aufleben lassen. Haben Sie dort die große Liebe gefunden, zum ersten Mal geknutscht oder das Silvesterkonzert der „Ärzte“ 1984 erlebt? Geschichten, Anekdoten und Playlists können Sie per Mail schicken an kultur@ba-sz.berlin.de.
+ Völlig losgelöst vom Bahnverkehr ist Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern ab dem 1. August. Wegen Bauarbeiten hält dort für acht Monate kein Zug. Sind Sie als Exil-Berliner von der Sperrung betroffen? Melden Sie sich: checkpoint@tagesspiegel.de.
Die S-Bahn Richtung Spandau fuhr in der vergangenen Woche – aber falsch: Wie Checkpoint-Leser Jürgen Technau berichtet, hielt der Zug außerplanmäßig am Bahnhof Grunewald. Durchsage: „Alle aussteigen, Zugführer hat sich verfahren.“ Kommt ins Betriebsstörungsbingo.
Das wäre in Metropolis und Gotham City wohl nicht passiert. Der Zoll versteigert fast 200 Superman- und Batman-Comic-Hefte aus den 80er- und 90er-Jahren (Paket 1, Paket 2, Paket 3 und Paket 4). Sie haben leichte Gebrauchsspuren wie Kratzer, Knicke und abgestoßene Kanten. Aber das haben Clark Kent und Bruce Wayne ja auch.
Zitat
„Ich nehme eine Kopie der Freiheitsglocke mit, die im Rathaus Schöneberg hängt, um Berlin als meine Heimatstadt zu würdigen.“
Als erste deutsche Frau überhaupt schwebt Rabea Rogge aus Berlin jetzt bereits im Weltraum. Im All nimmt sie unter anderem an einem Experiment zum Hormonhaushalt in weiblichen Körper teil.
Stadtleben
Verlosung – Dazugelernt: Auch in der neuen Fassung ist die Stadt am Ende ihre Rattenplage los, aber die Kinder sind noch da. „Die Rattenfängerin von Hameln“ hat am Sonntag Premiere in der Philharmonie, wir verlosen drei Familienkarten (je vier Personen) für das Kindermusical! In der Adaption der Legende spielt das Kammerorchester Unter den Linden (15 Uhr), Kinder einer Willkommensklasse sowie der Knabenchor Berlin singen (empfohlen ab 5 Jahren). Regulär gibt es leider nur noch Restkarten, das nächste Konzert in der Reihe findet dann im Mai mit Katharina Thalbach statt, Herbert-von-Karajan-Straße 1, U-/S-Bhf Potsdamer Platz
Essen & Trinken – Sake made im Wedding: Vier Macher:innen (Japan, Italien, 2x Berlin) vergären in einer ehemaligen Weddinger Kegelbahn Risotto-Reis zu einem alkoholischen Getränk, um damit auf den Tischen der Sterne-Gastronomie zu landen. Und während in Japan, zumindest für das Premium-Zeug, nur der innerste Stärkekern des Reiskorns verwendet wird (bis zu 70 Prozent der Masse werden wegpoliert), verliert in Berlin der Reis nur seine äußerste Schale. „Das Ergebnis ist komplexer und manchmal auch wilder“, erklärt Sebastian Mrohs aus dem Quartett. Testen kann man in den Restaurants „Kanal 61“ und „Tim Raue“, die jeweils eigene, speziell gebraute Abfüllungen von „Reigen Fermentation“ bekommen. Hier kann man das Gebräu aber auch für den Hausgebrauch bestellen.
Noch hingehen – Die Dietrich wird wirklich nicht zum ersten Mal verkörpert, aber Sven Ratzke hat für seine Neu-Interpretation im Renaissance Theater viel Lob bekommen. Er spielt Marlene Dietrich als eine Frau, die mit dem selbstgeschaffenen Image ringt – verdammt zur ewigen Diva. Eine Künstlerin, die keinen Weg findet, in Würde und öffentlich zu altern, sondern sich in ihrer Pariser Wohnung verschanzt. Er singt und spielt die Stilikone nur noch in fünf Vorstellungen – heute bis Sonnabend, je 19.30 Uhr. Karten kosten 17-45 Euro (am 4./5. April auf allen Plätzen 15 Euro), Knesebeckstraße 100, U-Bhf Ernst-Reuter-Platz
Berlinbesuch – Wann haben Sie zuletzt in einem Buchladen in der Lyrikecke gestöbert? Ist ein bisschen her, oder? Lust auf diese chronisch vernachlässigte Gattung macht eine neue (Online-)Zeitschrift, die, na klar, in Berlin gegründet wurde. „zæsur. poesiekritik“ hat noch viel vor, etwa Workshops an Berliner Schulen, liefert aber jetzt schon Kritiken zu zeitgenössischen Lyrikbänden, etwa zu „Einst werden wir Endlinge sein“ von Elvira Steppacher. Da geht es unter anderem darum, was eine ohne Nachwuchs gebliebene Pandabärin im Zoo mit dem Siegeszug der Antibabypille in den 1960ern zu tun hat. Lyrik live gibt es heute im Haus der Poesie bei „Verse vom himmlischen Drucksatz“ mit Gedichten des 2018 gestorbenen Oleg Jurjew (19.30 Uhr), 8/5 Euro, Knaackstraße 97, U-Bhf Eberswalder Str.
Grübelstoff – Dass ein schwäbisches Dorf im Jahre 2025 immer noch ohne Döner über die Runden kommen muss, beschäftigt die Republik. Was wäre für Sie der entscheidende Faktor, dessen Fehlen ein Leben an einem Ort möglich, aber mehr oder weniger sinnlos erscheinen ließe? Ein paar Vorschläge, also neben einem okayen Dönerladen: Programmkino, Schwimmbad, Supermarkt bis mindestens 22 Uhr ... oder leben Sie auch ohne all das ganz wunderbar?
Kiekste
Ein Hauch von Aprilscherz am Gehege auf der Pfaueninsel. Leserin Dorothee Lennert hat genau hingeschaut – und uns ihr Foto dankenswerterweise an checkpoint@tagesspiegel.de gemailt. Auch Sie können uns so mit Ihren Bildern beglücken.Mit Ihrer Zusendung nehmen Sie aktuell an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.
Berlin heute
Verkehr – Friedrichsfelde: Im Tunnel Alt-Friedrichsfelde ist stadtauswärts die Fahrbahn für ca. drei Wochen auf einen Fahrstreifen verengt. Auch auf der Parallelfahrbahn zum Tunnel steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Oranienburger Straße (Mitte): Bis Mitte Juli steht in Richtung Friedrichstraße zwischen Tucholskystraße und Auguststraße nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Wichertstraße (Prenzlauer Berg): Von 9 bis 16 Uhr ist, in Richtung Storkower Straße, die Straße zwischen Schönhauser Allee und Greifenhagener Straße für den Kfz-Verkehr gesperrt.
Schulstraße (Wedding): In Richtung Luxemburger Straße steht hinter der Reinickendorfer Straße (bis ca. 18 Uhr) nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Demonstration – Für heute sind neun Demos angemeldet (Stand 31.3., 13.45 Uhr), u.a. „Jedes Jahr aufs Neue: Siebente Winter-Mahnwache gegen Obdachlosigkeit, Zwangsräumungen!“: 80 Menschen, Bündnis Gemeinsam gegen Obdachlosigkeit, Rathausstraße 15 (0-12 Uhr)
„Gegen Machtmissbrauch in Film, Fernsehen und Theater. Me too Germany“: 15 Protestierende, Magdeburger Platz 1 (10-11 Uhr)
„Verhandlungsbegleitung“: 120 Teilnehmende, IG Metall, Ullsteinstraße 140, Mariendorfer Damm (10.30-12 Uhr)
„Wir wollen sicheren Verkehr auf der Marienfelder Allee“: 50 Demonstrierende, ADFC Berlin, Marienfelder Allee/ Stegerwaldstraße, Hildburghauser Straße, Daimlerstraße, Marienfelder Allee/Stegerwaldstraße (17-18.30 Uhr)
„Wir pfeifen auf Stuttgart 21“: fünf Teilnehmende, Potsdamer Platz (18.40-19.15 Uhr)
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Asa Butterfield (28), Schauspieler, „Der Junge im gestreiften Pyjama“, in der Serie „Sex Education“ spielte er den Otis Milburn, zur Filmpremiere von „Ender’s Game“ war er in Berlin / Peter A. Frensch (69), Psychologe, war Vizepräsident der Humboldt-Universität für den Bereich Forschung, kommissarisch deren Interimspräsident / „Ein Geburtstagsgruß zum 1. April 2025 an Martin. Auch er wird älter und danke für seinen Beistand. Besonders in den letzte Wochen. P.“ / Tessa Mittelstaedt (51), Schauspielerin, spielte u.a. jahrelang im Kölner „Tatort“ an der Seite von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, auf der Bühne u.a. in der Komödie am Kurfürstendamm / Anne Rabe (39), Autorin („Die Möglichkeit von Glück“), Dramatikerin, für ihr Stück „Achtzehn Einhundertneun – Lichtenhagen“ Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker, den u.a. die Stadt Frankfurt (Oder) vergibt / „Unser lieber Freund RUTTE feiert heute – kein Aprilscherz – seinen 7. runden Geburtstag. Bleibe weiter so stark, wünschen Becki, Horst und die vielen Freunde.“ / Christian Thielemann (66), Dirigent, Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, war bis 2004 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin / Ireen Wüst (39), niederländische Eisschnellläuferin, u.a. sechs olympische Goldmedaillen, gewann 2016 bei den Weltmeisterschaften in Berlin Silber im Mehrkampf
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Sieglinde Duscheleit (geb. Kornhuber), * 30. Juli 1930, verstorben am 26. März 2025 / Matthäus Haberl, * 13. Oktober 1934, verstorben am 15. März 2025 / Dr. Gisela Kürer (geb. Herrmann), * 25. Juli 1936, verstorben am 16. März 2025
Stolperstein – Alice David (*1892) gab als Beruf „Arbeiterin“ an, über Ihren Werdegang und ihre Lebensumstände gibt es ansonsten nur wenige Informationen. Sie lebte zuletzt als Untermieterin in einem möblierten Zimmer. Um der drohenden Deportation zu entgehen, nahm sie sich am 1. April 1942 das Leben. Ihre Vermieterin, Alice Bremer, wurde am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. An Alice David erinnert ein Stolperstein in der Ludwigkirchstraße 10 in Wilmersdorf.
Encore
Im Westen bröckelt Beton, im Osten fliegen Fliesen: Von einem der Zuckerbäckerbauten am Strausberger Platz lösen sich seit Jahren Kacheln und segeln Richtung Karl-Marx-Allee. Die Eigentümergemeinschaft wollte sie nun mit Schrauben befestigen. Doch das ist aus Denkmalschutzgründen tabu, teilte das Berliner Verwaltungsgericht gestern mit, die Entscheidung fiel bereits Mitte März.
Bei der Sanierung der historischen Fassade vor rund 25 Jahren wurden die Original-Kacheln aus Meißner-Keramik durch neue ersetzt, diese wurden allerdings nur aufgeklebt – ein Verarbeitungsfehler. Der stete Fliesenregen wird aktuell von einem Netz über dem Erdgeschoss aufgefangen, dabei bleibt es wohl auch vorerst. Ästhetisch hat Berlin mal wieder eine Schraube locker.
Ohne Netz und doppelten Boden hat Co-Autorin Jessica Gummersbach geschrieben, Recherche und Texte kamen von Stefan Jacobs, Isabella Klose und Teresa Roelcke. Das Stadtleben hat Antje Scherer kuratiert, Jaqueline Frank hat am frühen Morgen alles zusammengeklebt. Morgen lesen wir uns wieder, dann mit Unterstützung von Stefan Jacobs. Bis dahin!