die beste Nachricht wird sein, wenn wir diese Betten nicht brauchen, sagte Michael Müller in seiner Regierungserklärung am 26. März. Da war die Covid-19-Klinik in Messehalle 26 noch nicht einmal fertig. Zu Beginn der Pandemie rechneten alle mit italienischen Verhältnissen, von Überbelegung bis Triage – lieber vorbereitet sein. Bekommt noch jemand the Glory for Prevention? Wer wird sich noch daran erinnern, dass Gesundheitssenatorin Kalayci (SPD) in dieser Phase eine ziemlich gute Krisenmanagerin war? Davon ist zuletzt wenig übrig – und italienische Verhältnisse gibt es nicht mal in unsern halbleeren Lieblingsrestaurants (dazu gleich mehr). Kaum haben wir die erste Phase der sommerlichen Lockerheit recht unbeschadet überstanden (alle Ampeln grün), beginnt das Geschacher um die Messehalle: Wirtschaftssenatorin Pop (Grüne) möchte dort im Frühjahr Züge aus aller Welt abstellen (Innotrans), und endlich wieder große Messe machen. Messesprecher Höger erinnert schon mal daran, dass die Verträge für die Klinik Ende des Jahres auslaufen. Ob das auch für Viren gilt, konnte gestern bedauerlicherweise niemand beantworten.
Draußen auf den Straßen jedenfalls macht sich der Eindruck breit, dass nicht alle Branchen gleich wichtig sind. Was die neuen Vorschriften für Barbetreiber bedeuten, hat Susanne Baró Fernández nun in einem offenen Brief an den Senat formuliert, Titel: „Diese Öffnung ist eine Farce.“ Darin beklagt die Betreiberin des Timber Doodle in der Wühlischstraße 37 in Friedrichshain vor allem schlechte Kommunikation und unverständliche Regeln. Sie habe trotz genauer Lektüre aller Verordnungen erst mit vier Wochen Verzögerung überhaupt verstanden, dass die Abstandsregel auch am Tisch gilt. „Was für Tische, geschätzter Senat, sollen wir denn haben? Standardtische der Gastronomie sind 60x60cm oder 120x60cm. Nicht einmal eine Standardbierzeltgarnitur mit 220x50cm würde in der Diagonale 1,5m bringen, wenn wir die je obligatorische 43cm Sitzfläche abziehen.“ So sei diese Öffnung faktisch eine Teilschließung.
„Warum also verfügt man eine Verordnung, die so offenkundig gebrochen wird, und aufgrund ihrer Unklarheit gebrochen werden musste?“, schreibt Baró Fernández. „Man fühlt sich als Gastronom von der Stadt nicht gewollt und ein Stück weit zum Narren gehalten. Hätten sie unsere Läden länger geschlossen, und die Soforthilfen verlängert, wir hätten es verstanden. Wir hätten weiter versucht, durchzuhalten. Aber so ist die Öffnung eine Farce und ein grob unverständlicher Versuch, die Gastronomie wieder hochzufahren. Was wir uns stattdessen gewünscht hätten, wären klare, ehrliche Worte und verständlich kommunizierte Regeln gewesen.“ Der Zug ist abgefahren.
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Bis 2030 stellen wir die Busflotte der BVG komplett auf moderne Elektro-Busse um – so wird Berlin deutlich leiser und klimafreundlicher. Darum: Umdenken und umlenken.
Mehr zu den Projekten der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unter: berlin.de/mobilitaetswende
Der rettende Tresen ist für viele Eltern allerdings ganz schön weit weg, denn auch das mit den Hilfen funktioniert nicht immer so, wie erhofft. Wie viele Berliner Anträge auf Zahlung von Entschädigungsleistungen nach § 56 Abs. 1a Infektionsschutzgesetz gestellt hätten, wollte der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse vom Senat wissen. Denn im Gesetz steht: „Werden Einrichtungen zur Betreuung von Kindern oder Schulen von der zuständigen Behörde zur Verhinderung der Verbreitung von Infektionen oder übertragbaren Krankheiten auf Grund dieses Gesetzes vorübergehend geschlossen oder deren Betreten untersagt und müssen erwerbstätige Sorgeberechtigte von Kindern, (...) in diesem Zeitraum die Kinder selbst betreuen, weil sie keine anderweitige zumutbare Betreuungsmöglichkeit sicherstellen können, und erleiden sie dadurch einen Verdienstausfall, erhalten sie eine Entschädigung in Geld.“
Nun haben wir allerdings in den vergangenen Wochen gelernt, dass die Grenzen des Zumutbaren deutlich unterschiedlich wahrgenommen werden von Politik und Proletariat und Homeoffice eine durchaus zumutbare Betreuung ist. Die Anträge auf Entschädigung konnten laut Finanzverwaltung ab dem 30. März (Brief und Mail) und seit dem 4. Juni sogar online gestellt werden. In der Antwort an Grasse ist nur der Zeitraum bis zum 22. Juni enthalten, Fazit: nur vier von 351 Anträgen wurden bewilligt. Auf Nachfrage bei der Finanzverwaltung ergibt sich allerdings ein viel größeres Bild: Bis zum 2. Juli haben 6547 Berlinerinnen und Berliner einen Antrag gestellt, bewilligt davon wurden 308. Und nein, wir haben diesmal nicht von hinten gekürzt.
Den Grund dafür erläutert Eva Henkel, Sprecherin der Finanzverwaltung: Allein 2800 Anträge seinen abgelehnt worden, weil sie ausschließlich mit Hinweis auf die SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung gestellt wurden. „Hier bestand bei den Antragstellerinnen und Antragstellern weder ein angeordnetes Tätigkeitsverbot, eine angeordnete Quarantäne noch eine notwendige Kinderbetreuung.“ In 700 Fällen bestand ein anderer vorrangiger Anspruch, zum Beispiel gegenüber dem Arbeitgeber. Und bei 230 Anträgen hieß es: nicht zuständig, weil: falsches (Bundes-)Land. Kaum Grund zur Hoffnung für die offenen 1856 Fälle, bei denen fehlende Unterlagen angefordert wurden. Ob ein Foto von Fingerfarbe auf dem Laptop reicht?
Apropos Finger – Sie brauchen nun alle zehn, um folgende Aufgabe zu lösen: Wenn ein Schulkamerad ihres Kindes positiv auf Covid-19 getestet wurde, wann würden Sie als Elternteil gern darüber informiert werden? Mindestens eine Woche hat es in der Grundschule am Falkplatz in Prenzlauer Berg gedauert. Schul- und Gesundheitsstadtrat Thorsten Kühne (CDU) bestätigte gestern meinem Kollegen Christian Hönicke für den Pankow-Newsletter die Infektion. Auf CP-Nachfrage sagte Kühne am Abend, das Kind sei bereits in der vergangenen Woche positiv getestet worden. Etwa 20 Kinder aus der Lerngruppe des Kindes seien in häusliche Quarantäne geschickt und getestet worden. „Bisher liegen hier keine weiteren positiven Testergebnisse vor.“ Eltern zufolge ist die Infektion allerdings bereits seit dem 23. Juni bekannt – also seit zwei Wochen. Betroffene Eltern (selbst solche von Kontaktkindern) seien erst Mitte dieser Woche über den Fall informiert worden. Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes sagte den Eltern, das liege nicht allein an der Schule, im Amt fehle es an Personal. Die Gesamtelternvertretung informierte schließlich erst gestern die Elternvertreter. Als Begründung für die weitere Verzögerung hieß es: Die entsprechende Mail sei im Spam-Ordner gelandet. Technisch alles einwandfrei.
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Offenbar ist Berlin (wer hätte es gedacht) der Coldspot der abgefahrendsten Abkühlungsvarianten. Auf der Suche nach den verrücktesten Eissorten der Stadt haben uns gleich zwei Checkpoint-Leser (Jan Fantl und Barbara Grabner) die Sorte Ziegenkäse mit Kürbiskernöl im Viktoria Eis am Viktoria-Luise-Platz (Motzstraße 58) empfohlen. Konrad Spremberg empfiehlt eigentlich alles von Jones Ice Cream, ebenfalls in Schöneberg (Goltzstraße 3), very britisch findet er Earl Grey Shortbread Lemon Curd. Highlight ist hier allerdings (vor allem geruchlich fürs gesamte Viertel): Die im Waffeleisen frisch gemachten Waffeln, „die sind die besten der Stadt“. Gleich mehrere Sorten hat Leserin Ina Jurga probiert: Bei der Gelateria Mos Eisley in Neukölln (Herrfurthplatz 6) gibt es Biereis Tannenzäpfle (Urteil: „schmeckt nach semi-kaltem Bierschaum, leider nicht so geil“), noch ein bisschen heißer ist ihr Tipp aus Kreuzberg: Die sizilianische Eisdiele Duo in der Skalitzer Straße 82 hat nicht nur Avocado im Angebot, sondern auch die Sorte ETNA: Mandel-Eis mit Pistazien-Creme und etwas Asche aus Etna. Jurgas Fazit: Leicht grau, aber nicht staubig.
Ich habe gestern bei einem meiner Lieblingseisläden, Fräulein Frost in der Beckerstraße 4 in Schöneberg (weitere Filialen in Tempelhof und Neukölln) auch mal was anderes als immer nur GuZiMi (Gurke-Zitrone-Minze) probiert: Schoko-Wasabi. Schmeckt wie eine Mischung aus dunkler Schokolade und Sushi. Beides nicht jedermanns Sache (auch in der Kombination).
Mehr abgefahrene Eissorten gibt es hier (Abo) und wenn Sie immer noch nicht genug haben, schicken Sie gern weitere coole Tipps an checkpoint@tagesspiegel.de.
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„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Die erste beendet heute Wladimir Kaminer (die vorherigen Parts lesen Sie hier).
Das verlorene Haus
Von Thomas Kletschke, Lu D. Milla, Ilse Köhl und (heute) Wladimir Kaminer
„Ich werde es tun!“ So, nun war es raus, es war gesagt. „Sie meinen, Sie werden mit mir ins Kino gehen?“ „Ja, das tue ich. Die Filmhäuser schließen ja nacheinander, vielleicht wird es bald keine Kinos mehr geben.“ „Was wollen wir uns denn anschauen?“ fragte der Förster. „Ich habe keine Ahnung“, sagte K. „Ich habe eine tolle Idee, wir gehen ins Freiluftkino, dort zeigen sie jeden Montag einen Überraschungsfilm!“ Sie gingen hin. K. hoffte, es werde keine deutsche Komödie sein, er mochte die deutschen Komödien nicht. Es war „The Doors“ mit Val Kilmer in der Hauptrolle. „Den habe ich vor 30 Jahren schon gesehen“, sagte der Förster. „Im Colosseum 1991.“
Damals hatte er gerade die Försterlehre begonnen, einen anstrengenden Job und musste täglich sehr früh aus dem Haus. Jeden Morgen um 6 Uhr 30 stand er schlecht gelaunt und unausgeschlafen auf dem Bahnhof der U-Bahn-Station Schönhauser Allee, direkt gegenüber an der Hausfassade des Colosseums hing ein übergroßes Plakat mit Morrisons Kopf, der ihm mit seinem abwertenden schmaläugigen Blick Löcher in die Jacke bohrte. Als wollte er sagen, was machst Du bloß, Junge, alles falsch, dein Studium wird nichts bringen, deine Arbeit ist pure Ausbeutung, schmeiße alles hin, lebe schnell, hab Spaß, Sex, Drugs und Rock-n-Roll und sterbe früh. Er wollte aber ein anderes, ein neues, ordentliches Leben haben. „Leck mich am Arsch Jim, leck mich am Arsch“, dachte er und stieg in die U-Bahn.
Am 10. August erscheint Wladimir Kaminers neues Buch „Rotkäppchen raucht auf dem Balkon“. Bis dahin können Sie noch in seinen „Liebeserklärungen“ schmökern... Hier geht es kommende Woche mit der nächsten Geschichte weiter – dann mit Annett Gröschner.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Drei Corona-Teststellen sind seit Mittwoch geschlossen: an zwei Vivantes-Standorten (Prenzlauer Berg und Tempelhof) und am evangelischen Krankenhaus in Lichtenberg. Wegen der niedrigen Infektionszahlen hatte die Kassenärztliche Vereinigung dort Ärzte abgezogen, weil kaum noch jemand zum Test kam. Catharina Pieroth von den Grünen (die mit dem Knoblauch) stellte gestern via Twitter klar: „Zu einem Zeitpunkt, an dem sich weitere #Corona-Hotspots entwickeln können und wir noch nicht genug über ein mögliches Infektionsgeschehen nach den Öffnungen wissen, dürfen die drei Standorte nicht geschlossen werden!“ Wissenschaftstaatssekretär Steffen Krach (SPD) konterte am Abend: „Liebe @GrueneFraktionB, an den 3 Teststellen gab es zum Ende der Woche nicht mehr ausreichend Knoblauch und Ingwer. Daher vorübergehend geschlossen. Aber ab kommender Woche wird an allen Standorten wieder getestet.“ Hilft wohl nur noch ein gemeinsamer Vampirfilm (Kinos sind wieder offen!).
Und noch eine Teststelle war in den vergangenen beiden Tagen geschlossen: die Drive-in-Teststelle auf dem Zentralen Festplatz (dessen erster Namensteil eine ziemliche Verschaukelung ist). Die Schausteller haben sich ihre alte Wirkstätte quasi über Nacht zurückerobert und dort laut Polizei geschlafen, bevor sie gestern mit Hupen und Trompeten durch die Stadt gezogen sind. In anderen Städten gibt es bereits Pop-up-Freizeitparks, in Berlin heißt es (Wirtschaftsverwaltung): Wir prüfen das. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Frage für unsere Sportexperten (meine Zeit als Sportreporterin liegt schon einige Zeit zurück): Wie nennt man eigentlich Pingpong im Wasser? Schwingschwong? Wingwong? Wasserball? Jedenfalls entwickelt sich unsere einfache Frage, warum der Brunnen am Lehniner Platz nicht funktioniert, zum sprudelnden Behördenpingpong. Nachdem uns das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf geantwortet hatte, die Zuständigkeit liege bei der BVG, antwortete deren Sprecherin Petra Nelken gestern früh ungefragt, „Ich sehe schon im 5-Minuten-Takt (natürlich nur in der Hauptverkehrszeit, welche das bei Brunnen auch immer sein mag) gelbes Wasser sprudeln. Also, gleich rumtelefoniert, um meinen geniale Idee unter die BVG-Menschen zu bringen und, was muss ich erfahren? Ist gar nicht unser Brunnen. Die BVG besitzt gar keine Brunnen – wer hätte das gedacht?“ Ihre Kolleginnen und Kollegen hätten ihr allerdings noch einen hilfreichen Tipp mit in den Tag gegeben: „Frag doch mal im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf nach.“ Das machen wir dann gleich heute wieder. Pong. Oder vielmehr: Schwong.
Wo wir gerade bei wilden Ideen für die BVG sind, hier eine von Leserin Jutta Freitag (die sich sehr über T+ freut, danke dafür!). Weniger gefreut hat sie sich über zwei Kontrolleure, die sie am Mittwoch in der U7 kontrollierend zwischen Jakob-Kaiser-Platz und Mierendorfplatz beobachtet hat – mit hängender Maske unter der Nase. „Fahrgäste könnten das als saloppe Aufforderung nehmen. Da sollte die BVG vielleicht erst einmal ihre Angestellten richtig schulen?“ Könnte vielleicht im Gegenzug das Bezirksamt übernehmen?
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Nach zweieinhalb Jahren im Superschneckentempo hat die Verkehrsverwaltung jetzt den Turboknopf gefunden – ob sie auch weiß, wie man ihn drückt? Es klingt jedenfalls nach etwas mehr: E-Busflotte im nächsten Jahr auf 200 verdoppeln und bis 2030 alle Diesel ersetzen; 15 Kilometer neue Busspuren; Parken verteuern; 26 Kilometer Pop-up-Radwege dauerhaft umwandeln... und die Friedrichstraße soll von August bis Dezember Flaniermeile werden. Mailfach auf, Sebastian Czaja (FDP): „Das Verhalten des Senats ist an Zynismus kaum zu überbieten....“ Mailfach zu.
Wie man sich wunderschön ohne Auto fortbewegen kann, macht Skaterin Oumi Janta vor. Lässiger hat noch nie jemand das Tempelhofer Feld betanzt.
Das ist der Stoff, aus dem Großstadtnachrichten gemacht sind. „Kurz nach Mitternacht steht ein Kamel mitten in Luckow bei Ueckermünde und grast. Besorgte Anwohner rufen die Polizei.“ Was soll man auch machen mit 17, 18 in Mecklenburg...
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Zur gestrigen Meldung „Berlin pinkelt seine Bäume kaputt“ („Urinschäden“ zu den häufigsten Ursachen des Stadtwaldsterbens. Aber sagen Sie das mal Ihrem Hund… ) schreibt uns Leserin Christiana Steinitz-Pfeiffer: „Wie sage ich es meinem Hund? Leider gibt es viel mehr Menschen, die in die Umwelt pinkeln, Männer besonders gerne. Das gehört in Deutschland zum normalen Leben dazu. Ich wohne am Olympiastadion. In Corona-Zeiten sind es die Spaziergänger und S-Bahnnutzer, die sich ohne Scheu erleichtern. In Veranstaltungszeiten sind es tausende von Besuchern, die rechts und links von Waldbühne und Stadion in Reihen pinkeln. In warmen Sommernächten stank es zum Himmel. Aber auch in Straßen steht Mann schnell mal am Baum. Sehr oft sind nicht die Tiere schuld.“ Merke: Der Mensch (Mann) ist auch nur ein Tier. (Mehr zu normalen Menschen heute im Zitat.)
Aus der Reihe analog, aber glücklich meldet sich heute CP-Leser Philipp Berens. „Nach vielen Versuchen, einen Termin beim Bürgeramt über das beinahe dysfunktionale Terminverweigerungssystem...“ (danke, den merken wir uns!) „... eine nicht erreichbare Telefon-Hotline (Bürgertelefon 115) und den peinlichen Chatbot (künstliche Dummheit erster Güte) zu vereinbaren, schrieb ich eine E-Mail an das Amt. Antwort mit dem Angebot einer Terminvereinbarung per Telefon kam schnell. Die angegebene Nummer des Kreuzberger Bürgeramtes gewählt, den sehr netten Mitarbeiter Herrn Kühle am Apparat und innerhalb von drei Minuten einen Termin vereinbart. Am gewünschten Tag, zur optimalen Uhrzeit und das im Amt meiner Wahl. Klasse! Wieder einmal wurde meine Erfahrung bestätigt, dass das größte Problem bei der Terminvereinbarung der erste Schritt ist. Sobald ich mit einem Mitarbeiter persönlich Kontakt hatte, traf ich immer auf kompetente und hilfsbereite Mitarbeiter. Berlin kann Amt – aber nur persönlich.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Für normale Menschen sind 10.000 Euro viel Geld. Aber in der Branche ist das kein besonders hoher Betrag. Ich bin kein Politiker mehr.“
Sigmar Gabriel, SPD, Ex-Außenminister und -Vizekanzler, über seine Beratertätigkeit beim Fleischkonzern Tönnies. CP-Beratung (gratis): Für normale Menschen eine ziemlich blöde Aussage.
Tweet des Tages
„Ich erhoffe mir sehr, dass Menschen, die ihre gesamte Karriere nur der SPD verdanken, unserer Partei jetzt auch was zurückgeben.“ (S.G., 13.07.19, BamS) Hat ja eher so mittel geklappt.
Stadtleben
Lesereise – Unser heutiger Buchtipp kommt aus der Buchhandlung Paul und Paula in Lichtenberg und lässt tief blicken in „Das Flüssige Land“ (Raphaela Edelbauer, 2019, Klett-Cotta): „Nach dem Unfalltod ihrer Eltern kehrt die Wiener Physikerin Ruth Schwarz zurück an den Ort ihrer Kindheit, einem kleinen Nest namens Groß-Einland. Dort steht sie vor buchstäblichen Abgründen: Durch einstigen Bergbau komplett unterhöhlt, bricht der Ort von Tag zu Tag unvermittelt an unterschiedlichen Stellen ein. Die Bewohner schütten tonnenweise Beton in die entstandenen Löcher, hübschen die an den Gebäuden entstandenen Risse auf – bis zum nächsten Einbruch. Ruth fühlt sich berufen, den Bewohnern die Augen zu öffnen. Der super spannende Roman vermittelt, wie viel Irrsinn entstehen kann, wenn immer nur an Symptomen herumgedoktert wird und die Katastrophen auslösenden Momente unter den Teppich kehrt.“
Urlaub ganz nah – Was braucht es mehr, als ein wenig Wiener-Kaffeehaus-Flair und ein schattiges Plätzchen, um ein gutes Buch wegzuschmökern? Beides finden Sie im Literaturhaus Berlin, in dessen Café (mit Garten!) es sich wunderbar aushalten lässt (Fasanenstraße 23, Charlottenburg, tgl. 9-24 Uhr). Das Literaturhaus selbst verabschiedet sich heute Abend mit einem Livestream zu Isabelle Graws Buch „In einer anderen Welt. Notizen 2014-2017“ in die Sommerpause. Die Professorin und Herausgeberin („Texte zur Kunst“) untersucht darin „Aspekte des täglichen Lebens mit der gleichen scharfen Intelligenz, mit der sie sich auch der bildenden Kunst und der kritischen Theorie widmet”, heißt es in der Programmankündigung. Los geht es um 18 Uhr hier.
Mehr Ideen für den Urlaub vor der Haustür finden Sie auf tagesspiegel.de.
Essen – „Mitho Cha“ heißt so viel wie „Es ist lecker“ auf nepalesisch – ein passender Name für das Restaurant in der Rykestraße 40 in Prenzlauer Berg. Dort gibt es das wohl beliebteste Essen in Nepal und Tibet: „Momo“-Dumplings. Die gedämpften Teigtaschen gibt es mit Gemüse oder regionalem Lammfleisch. Dazu wird ein Erdnuss- und Tomaten-Koriander-Chutney serviert (6 Stück etwa 8,50 Euro). Neben traditionellen Fleischgerichten aus der buddhistischen Küche finden sich auch viele vegane und vegetarische Optionen auf der Speisekarte. Zum Nachtisch empfehlen wir das Kokos-Panna-Cotta mit Mangotopping (4,90 Euro). U-Bhf Eberswalder Straße, tgl. 12-22 Uhr
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Sie möchten sich sinnvoll engagieren, aber wissen nicht wo? Unser Newsletter „Ehrensache“ informiert Sie jeden Monat über die vielfältigen Möglichkeiten des Engagements, Charity und Ehrenamt in der Hauptstadt. Außerdem: Nachrichten rund um alles, was Ehrenamtler in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Anmeldung unter: ehrensache.tagesspiegel.de
Trinken – Wie wäre es mit einem kleinen Ausflug nach Potsdam? Dann unbedingt auf dem Weinmarkt auf dem Luisenplatz vorbeischauen. Dort bekommen Sie bei Winzern aus ganz Deutschland einen edlen Tropfen unter die Zunge. Verkostet werden Weiß-, Rosé- und Rotweine, aber auch Schaumweine, Sekt, Obst- und Trester-Brände. Um den Gaumenschmaus abzurunden gibt es allerlei Leckereien vom Grill sowie Flamm- und Zwiebelkuchen. Der Weinmarkt ist noch bis Sonntag geöffnet (12-22 Uhr). Mehr Tipps für den Potsdambesuch gibt es täglich im kostenlosen Newsletter der PNN.
Karten sichern – Falls Sie sich noch nicht wieder in die geschlossenen Kinosäle trauen, empfehlen wir einen Besuch im Open-Air-Gartenkino in den Prinzessinnengärten in Neukölln. Dort steht heute der Film „2040 –
Wir retten die Welt“ des preisgekrönten Regisseurs Damon Gameau auf dem „Freiluftmenü“. Darin versucht Gameau eine Vision der Zukunft zu zeigen, wie er sie sich nicht nur für sein eigenes Kind wünscht – mit mehr Grün in den Städten, weniger Verkehr, sauberen Meeren, nachhaltigerer Landwirtschaft. Das Kino befindet sich auf dem St. Jacobi Friedhof (Hermannstaße 99, U-Bhf Leinestraße), Filmbeginn ist um 21.45 Uhr (keine Werbung!). Tickets kosten 6 Euro und gibt es hier.
Last-Minute-Tickets – (ein Tipp von Ticket-Kollege Ingolf Patz) Wer hat eigentlich noch Lust, zu Hause Streams zu schauen, wenn draußen wieder das Leben pulsiert? Doch die noch raren Angebote unter dem freien Himmel sind schnell ausverkauft. Da heißt es sich heute entscheiden: Auf nach Potsdam und mit viel Platz vor dem historischen Waschhaus Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“ lauschen, den die Kammerakademie Potsdam in einem Arrangement für Bläsernonett spielt (19 Uhr, Tickets kosten 25/15 Euro)? Oder doch zu Hause bleiben und sich von Polina Semionova und Daniil Simkin in einer digitalen Gala vortanzen lassen, was das Staatsballett im August und September vorhat (19 Uhr, 0 Euro)?
Rausfahren und Beeren ernten – Wer kennt es nicht: In der Heidelbeer-Plastikverpackung im Supermarkt sieht die Hälfte der Beeren eigentlich ganz gut aus, die anderen sind aber schon etwas schrumplig und haben Druckstellen. Wenn Sie sich nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen wollen, ob Sie sie nun trotzdem kaufen sollen oder nicht, wir haben die Lösung: Machen Sie einen kleinen Sommerausflug in einen Berliner Beerengärten und pflücken Erd-, Himm-, Johannis- und Heidelbeeren selbst. Im Oranienburger Beerengartenin der Tiergartenstraße 254 (mit dem Bus 824 bis Haltestelle Oranienburg, Umspannwerk) kann derzeit täglich von 9 bis 18 Uhr geerntet werden (ein Kilo kostet etwa fünf Euro). Aber Achtung: Es kann natürlich nur so lange gepflückt werden, wie reife Früchte vorhanden sind – den aktuellen Erntestatus erfahren Sie am Infotelefon (03301 575 100).
Mit diesem Stadtleben wünscht Vivien Krüger einen aufregenden Freitag.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Auf Dommelwall, der mittleren des direkt an der Stadtgrenze im Seddinsee gelegenen Insel-Trios, brütet seit einigen Jahren ein Schwarzmilan, berichtet Wildtierexperte Derk Ehlert. „Das ist was ganz Besonderes“. Besonders schön ist auch die mit Seerosen bewachsene Umgebung der dschungelartig bewachsenen Insel, die zu Berlins größtem Naturschutzgebiet gehört, und ungewöhnlich ihre Geschichte: In den 30er Jahren schuf der Landschaftsarchitekt Leberecht Migge hier eine Selbstversorger-Kolonie für Künstler und Kreative, quasi den ersten Schrebergarten Berlins. Damals wurde die Insel auch erweitert, indem Migge den nördlichen Teil mit Müll aufschütten ließ. Neukölln lässt grüßen – sieht aber völlig anders aus.
Text: Stefan Jacobs/Nadine Voß
Berlin heute
Verkehr – A114 (Pankow-Zubringer): Aufgrund von Brückenarbeiten ist die Autobahn von 22 Uhr bis Sonntagmorgen, ca.5 Uhr, in beiden Richtungen zwischen Pasewalker Straße und Schönerlinder Straße gesperrt.
Friedenstraße (Friedrichshain): Aufgrund von Fahrbahnsanierungen ist bis Montagmorgen in Richtung der Greifswalder Straße in Höhe der Einmündung Am Friedrichshain nur ein Fahrstreifen frei.
Pilgramer Straße (Marzahn): Bis Anfang 2021 gesperrt in Richtung Rahnsdorfer Straße zwischen B1/5 (Alt-Mahlsdorf) und Am Theodorpark, Fuß- und Radverkehr frei.
Wilhelmstraße (Mitte): Wegen der „Fridays for Future“-Demo von 14 bis 16 Uhr (siehe unten) kommt es im Bereich Wilhelmstraße, Stresemannstraße, Potsdamer Platz, Ebertstraße bis zum Platz der Republik zu Verkehrseinschränkungen.
Lückstraße (Lichtenberg): Auf Höhe der Einmündung Schlichtallee regelt eine Baustellenampel für etwa zwei den Verkehr.
Hügelschanze (Spandau): Hier beginnen morgens Rohrleitungsarbeiten, weswegen die Straße bis Ende August in beiden Richtungen zwischen Mittelstraße und Falkenhagener Straße gesperrt ist.
S-Bahn: Die Linie S7 ist von 22 Uhr bis Montagmorgen, ab ca. 1:30 Uhr, zwischen Babelsberg und Potsdam Hauptbahnhof unterbrochen. Es fahren Ersatzbusse.
Demonstration – Vor dem Reichstag wird „gegen die Annexion palästinensischen Landes durch Isreal entgegen des internationalen Rechts“ demonstriert (18-20.30 Uhr, 250 Teilnehmende). Klimaaktivist*innen von „Fridays for Future“ planen einen Demonstrationszug unter dem Motto „Abgef*cktes Kohlenausstiegsgesetz, wir sind hier und wir sind laut, um das Klima zu retten (und nicht die Geldbörse der Politik)“ von der Wilhelmstraße 140 bis zum Platz der Republik (14-16 Uhr, 150 Teilnehmende). Am Sonnabend fordern 5000 Menschen „Nein zu Rassismus“ bei einem Demonstrationszug von der Mohrenstraße/Markgrafenstraße bis zum Brandenburger Tor (13-16.30 Uhr). Ab 14 Uhr ziehen 1500 Personen bei der „Demo gegen ein generelles Fahrverbot für Motorräder an Sonn- und Feiertagen“ (bis 16 Uhr) vom Platz des 4. Juli in Zehlendorf über den Großen Stern und wieder zurück. Ebenfalls um ab 14 Uhr ist die Kundgebung „Frieden, Freiheit, Wahrheit“ mit 1000 Personen auf dem Alexanderplatz angemeldet (bis 22 Uhr). Am Sonntag findet der Fahrradkorso „Wir fordern einen Pop-Up-Radweg für die Hermannstraße“ mit 150 Demonstrierenden vom Anita-Berber-Park, über die Hermannstraße und den Britzer Damm und wieder zurück, statt (15-16.20 Uhr).
Gericht – Der Prozess wegen Mordes an dem Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker gegen einen 57-Jährigen wird fortgesetzt. Der geständige Angeklagte hatte den Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gegen Ende eines Vortrages in der Schlossparkklinik erstochen – laut Anklage aus langjährigem Hass auf die Familie Weizsäcker. Die Verhandlung könnte in die Schlussphase gehen (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Gedeon Burkhard (51), Schauspieler / Canan Kilic, „Die Veteranen der AIDA Crew senden herzliche Glückwünsche zum Jubeltag“ / Thomas Flierl (63), ehem. Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur, ehem. für die Linke im AGH / Oliver Friederici (50), für die CDU im AGH / Jana Hensel (45), Journalistin / Gideon Joffe (48), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin / Hella Jonas (50), „Die allerherzlichsten Glückwünsche aus dem Garten am See! Auf deinem Abenteuerpfad noch viele beglückende Überraschungen.“ / Natascha Keller (43), Spielerin beim Berliner Hockey-Club / Joochen Laabs (83), Schriftsteller / Peter Mussbach (71), Regisseur / Peter Ruzicka (72), Komponist und Dirigent /
Sonnabend – Angelika, genannt „Angeli“, Bolenius (83) – „Es gratuliert ganz herzlich die Familienfreundin Jutta“ / Alpa Gun (40), Rapper / Brigitte Maria Bertele (46), Regisseurin und Schauspielerin / Christa (75), „Wat mutt, dat mutt! Die lauschigsten Glückwünsche und allerliebsten Drücke von Bete & Gete“ / Nadine Keddi / David Kross (30), Schauspieler / Wolf von Lojewski (83), Fernsehjournalist / Birgit Meineke (56), Schwimmerin in der DDR / Cornelia Schleime (67), Künstlerin / „F.J. Schumann, genannt „Saronni“, ehem. Sparkassenpräsident zum 72. Geburtstag alles Gute und noch viele Kilometer auf dem Rennrad – wünscht Teamkamerad Laszlo F.“ / Sebastian Turner, Medienunternehmer, Herausgeber und Mitgesellschafter des Tagesspiegel
Sonntag – Ahzumjot (31), Rapper und Produzent / Susanna Balzer-Göpfert, „Unserer langjährigen Freundin und Kinobegleiterin Suse alles Beste von deinen Dienstag-Frauen!“ / Andreas Baum (42), Politiker, ehem. Fraktionsvorsitzender der Piraten im AGH / Dennis Bernert (40) / „Helga Helsper (71), pensionierte Schulleiterin, Seglerin und vieles andere mehr. Gruß Jutta" / Burkhard Kieker (60), CEO von „Visit Berlin“ / Vera Oelschlegel (82), Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin / Velimir Petkovic (64), ehem. Cheftrainer der Füchse Berlin / Magda Szukalski, „Die Veteranen der AIDA Crew senden herzliche Glückwünsche zum Jubeltag“ / Wiebke, „Unterschätztester Superschatz südlich vom Nordpol!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Gertrud Connor, * 6. Juni 1932 / Waldo Ross Manterola, * 7. Januar 1926 / Prof. Dr. Hans Westmeyer, * 26. Juli 1946, Professor für Psychologie und ehem. Erster Vizepräsident der FU / Ilse Naumann, * 19. Mai 1956
Stolperstein – Therese Türk wurde als Therese Kantorowicz am 17. September 1864 in Posen (Poznan) geboren. Sie hatte zwei Töchter: Alice und Ruth. 1939 soll sie in der Schöneberger Motzstraße 81 gelebt haben – dort ist auch ihr Stolperstein. Ihr Mann arbeitete als Staatsanwalt, er starb jedoch in den 1920er Jahren. Zusammen mit ihrer behinderten Tochter Alice wurde Therese Türk am 3. Oktober 1942 über die Sammelstelle Gerlachstraße 18 mit 995 Menschen vom Güterbahnhof Moabit nach Theresienstadt deportiert und dort am 3. Juli 1944, kurz vor ihrem 80. Geburtstag, ermordet.
Encore
Die Suche nach einem Ventil für die Hühnersuppe (CP von Mittwoch) hat einige unserer Leser (ja: ausschließlich Männer) ganz schön zum Kochen gebracht. Eine Twitternutzerin hatte gefragt, ob sie den vor etwa dreieinhalb Jahren auf ihrem Balkon vergessenen Schnellkochtopf anfassen oder gar öffnen dürfe. Die Antworten, die wir hier stellvertretend entgegengenommen haben, sind alles andere als wässrig. Beginnen wir mit den reinen Beschimpfungen:
„Sehr geehrter Herr Maroldt, bei allem Respekt: finden Sie es angemessen, als Chefredakteur des Tagesspiegels solchen Quatsch zu veröffentlichen?
Wenn es ein Schülerpraktikant auf der Jugendseite oder unter Vermischtes geschrieben hätte, hätte ich vielleicht kurz geschmunzelt und geantwortet: Auch nach drei Jahren hat sich eine vielleicht ja ehemals sehr scharfe Hühnersuppe (noch) nicht zu TNT verwandelt. Im Übrigen hat der Topf ja ein Ventil, damit Druck entweichen kann. Man kann ihn gefahrlos bewegen. Sollte sich noch Flüssigkeit darin befinden, empfehle ich, beim Öffnen eine Corona-Maske zu tragen. Der Inhalt macht sich gut auf den Geranien.
Hochachtungsvoll
J. Maßmann“
Etwas freundlicher belehrt uns Peter Hubschmid: „Erstmal das Ventil öffnen, um etwaigen Druck abzulassen, der durch Fäulnisgase entstanden sein könnte. Das ist aber nicht zwingend. Wenn der Topf ungeöffnet in heißem Zustand rausgestellt wurde, kann es sein, dass der Inhalt – wie beim Einmachen – sterilisiert und damit konserviert wurde. Explosionsgefahr besteht also nicht. Dann Deckel öffnen, Inhalt entsorgen – oder vielleicht sogar genießen. Nur Mut!“
Auch Rüdiger Zittel grüßt freundlich und weiß viel:
„1. Moderne Schnellkochtöpfe schließen nur dicht unter Druck. Wenn es da langsam anfängt zu gähren, dann entweichen die Gase bei ihrer Entstehung.
2. Ab einem Druck von maximal 1 Atmosphäre öffnet sich das Sicherheitsventil. Egal was also in dem Topf passiert ist, der Druck kann nicht zur Explosion des Topfes führen.
3. Es gibt die Dampfablassfunktion: einfach mal sanft drücken (und wenn was zischt nicht einatmen!)
4. Nach drei Jahren bei zwischenzeitlichen hochsommerlichen Temperaturen dürfte der Inhalt ziemlich in seine Urbestandteile zersetzt sein.
5. Ein wenig technisches Wissen ist im Haushalt ziemlich nützlich, Kochen ist eben auch nur Physik und Chemie.“
Wir lernen: ohne Druck läuft hier gar nichts. Und Schnellkochtöpfe sind offenbar Männersache.
Wir Frauen halten derweil den Laden am Laufen, morgen erhöht hier Ann-Kathrin Hipp den Druck auf Senat & Co, hoffentlich gibt’s bei Ihnen was frisch Gekochtes.
Bis bald