Weiß jemand, ob die S-Bahn auch bei Schnee fährt? Oder ärgern Sie sich schwarz, weil die nächste U-Bahn erst in 56 Minuten kommt? (Beweisfoto von Checkpoint-Leser Bernd Szeczepanski hier) Ach, nehmen wir heute einfach ein Flugtaxi und reisen mit Dorothee Bär zurück in die Zukunft. „Mein Thema ist nicht, funktioniert jetzt hier die neue Straße oder funktioniert da die digitale Anbindung“, ließ die künftige Digital-Staatsministerin im ZDF wissen. „Das Thema muss sein: Kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, autonom fahren? Habe ich auch die Möglichkeit, mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu kommen?“ Schon klar, Dorothee Stoiber: Und dann starten Sie direkt am Hauptbahnhof. Tatsächlich gehen Taxis schon jetzt testweise in die Luft (Hintergründe hier) und versprühen ihre Schadstoffe Uber den Wolken. Und im Winter dieselt leise der Schnee.
Im Osten geht die Sonne auf, und die große Koalition langsam unter. Händeringend sucht die SPD nach einer Ministerin aus Ostdeutschland, nachdem sich West-CDU und Süd-CSU mit allen Füßen dagegen gewehrt hatten. Die nach Berlin verlegte Bonner Republik mag offenbar keine Brüche in Biografien – dabei könnten Experten für Umbrüche jetzt nötige Aufbrüche organisieren. Aber woher soll die Neugier plötzlich kommen? Von den 196 Vorständen der deutschen Dax-Konzerne kommen gerade fünf aus dem Osten, wie eine Tagesspiegel-Umfrage ergab – der mit zwei Jahren aus Sachsen ausgewanderte Matthias Müller von VW ist da schon mitgezählt. Wie wäre es mal mit ein paar Importquoten für den Export-Weltmeister?
Schiedsrichter, Telekom! Das möchte man ausrufen, wenn Günter Baaske vom längsten Anruf seines Lebens erzählt. Fast die Dauer eines Fußballspiels hing der frühere Brandenburger Arbeitsminister in der Warteschleife der Telekom fest. „Ich habe dabei aufgeräumt, Sachen bearbeitet, E-Mails beantwortet“, erzählt Baaske im Interview, „ich hatte in den Kopfhörern dauernd dieses Bimble, Bimble, Bimble, zwischendurch war ich mit dem Auto unterwegs, immer den Knopf im Ohr.“ Erst nach 74 Minuten erledigte sich das Problem: Baaske flog aus der Leitung. Das tutet weh.
Würde ist wichtig, wenn es um obdachlose Menschen geht. Was das heißt, wissen die Helferinnen von „Evas Haltestelle“. Der Treffpunkt in Wedding bietet täglich 40 bis 50 obdachlosen Frauen einen Raum zum Reden und Zuhören, zum Aufwärmen und Duschen, vor allem aber: um respektiert zu werden. Nun sucht „Evas Haltestelle“ selbst nach Halt, im Kiez muss man Ausschau nach neuen Räumen halten (ab Juni braucht es etwa 150 Quadratmeter in einem Erdgeschoss). Nachdem unsere Leserinnen und Leser hier schon mithilfe der Spendenaktion „Menschen helfen“ etwas helfen konnten, vermitteln wie gerne hilfreiche Hinweise für ein neues Obdach weiter - bitte einfach per Mail an checkpoint@tagespiegel.de. Danke, es wäre eine Hilfe.
Angst vor der Angst sollte man nicht haben. Aber Angst machen vielen Berlinerinnen und Berlinern doch Einzelfälle von Beschimpfungen, Belästigungen und Verrohungen auf offener Straße oder in öffentlichen Einrichtungen; auch durch arabischstämmige Flüchtlinge, die selbst wenig Perspektiven haben. Nachdem mein Kollege Frank Bachner diese Gefühlslage differenziert beschrieben hat (den Artikel zum Nachlesen gibt‘s hier, unseren Podcast dazu hier), meldet sich nun Innensenator Andreas Geisel zu Wort. „Es gibt tatsächlich das Problem der Verwahrlosung des öffentlichen Raumes in bestimmten Kiezen“, sagt der SPD-Politiker im Interview. Und: „Wir dürfen keine Verfestigung sozialer Milieus zulassen, in denen Frauen ganz selbstverständlich weniger Rechte haben, in denen Gewalt legitimes Mittel ist und in denen völlig andere Regeln des Zusammenlebens gelten.“ Gerade weil sich viele Flüchtlinge integrieren wollen und nicht für Einzelne in Mithaftung genommen werden sollten, braucht es wohl diese klaren Worte. Und nun Taten.
Diese Frage geht ins Mark: „Einfach: Wann haben wir eigentlich ‚Einfach‘ verlernt?“ Gar nicht so einfach, das zu beantworten. Brandenburgs neuer Imagefilm, der Berlins Hibbelhektik mit einem nacktbadenden Brandenburger im Sonnenuntergang kontrastiert (hier der ganze Spot), macht sich die Schwere des Lebens ganz schön leicht. „Einfach machen, was man will“, säuselt da eine Stimme zu Vogelgezwitscher. „Oder einfach mal gar nichts machen.“ Und tschüss, damit bin ich hier weg – ganz einfach per: Kurzstrecke.
Telegramm
Die beste deutsche Serie geht in Serie. „Bad Banks“ mit seiner grandios-grenzwahnsinnigen Heldin, die sich als Investmentbankerin durch Finanz- und Lebenskrisen kämpft, bekommt bald eine zweite Staffel (hier die ersten Folgen in der Mediathek). Unser Checkpoint-Realitätscheck mit Finanzreporterin Carla Neuhaus hat allerdings ergeben: zu viel Koks, zu viel Sex, zu viele Schlägereien. Das kennt man eben in Frankfurt am Main nicht.
Zum Ersten, zum Zweiten – und zum dritten Mal wird in Berlin ein Untersuchungsausschuss zum BER eingesetzt. CDU und FDP wollen sich noch einmal durch alle abgesagten Eröffnungstermine wühlen. Das sind mehr als drei. Und knapp drei Jahre Zeit bis zum nächsten Terminversuch bleiben ja noch.
Drei Meldungen aus Syrien: Seit Jahresbeginn sind mindestens 1000 Kinder getötet oder schwer verletzt worden im Krieg von Diktator Baschar al-Assad gegen sein Volk (laut Unicef; via Reuters). Am Dienstag wurden Hilfskonvois der UN mit Medikamenten und Lebensmitteln in der eingekesselten Stadt Ost-Ghouta bombardiert (via Zeit.de). Gleichzeitig sind mehrere AfD-Abgeordnete nach Syrien gereist, um sich dort mit dem regimetreuen Großmufti ablichten zu lassen und für Syrien als sicheres Herkunftsland für Flüchtlinge zu werben. Man weiß gar nicht, was von all dem sprachloser macht.
Traurig-tröstliche Nachricht aus Berlin: Nach 26 Jahren Suche ist ein mutmaßlicher Kindermörder und Vergewaltiger festgenommen worden. Der 65-jährige Lkw-Fahrer aus Reinickendorf wird beschuldigt, 1991 in Thüringen ein zehnjähriges Mädchen verschleppt, vergewaltigt, getötet und von einer Brücke geworfen zu haben; bei seiner Festnahme am Dienstag legte er ein Teilgeständnis ab.
Berlins schrumpfende Verwaltung gefährdet das Wachstum. Der Wirtschaftsverband VBKI drängt den Senat deshalb jetzt zum Handeln. „Die latente Überforderung des Verwaltungsapparats führt dazu, dass notwendige Planungsprozesse ausgebremst und Genehmigungsverfahren immer wieder in die Länge gezogen werden“, heißt es in einem neuen Positionspapier. Mehr dazu steht heute auf unserer Seite „Berliner Wirtschaft“ – ganz unbürokratisch zu haben am Kiosk oder hier im E-Paper.
Übrigens, falls Sie noch ein Paket erwarten: Die DHL-Boten streiken mal wieder. Diesmal wirklich wegen eines Streiks (via RBB). Die Sendungen kommen posthum.
So, noch flink diese Meldung von Flixbus: Künftig schickt die Firma einen Flixtrain auf Schienen von Berlin nach Stuttgart. Fahrkarten kosten allerdings stolze 9,99 Euro. Da ist ein AB-Ticket nach Prenzlauer Berg günstiger. Und Berliner Luft gibt’s hier in Kiezhausen gratis (Beweisfoto hier).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Lassen Sie bei Ihrem Berlin-Aufenthalt auch mal die Krawatte zu Hause und gehen Sie einmal ganz ungezwungen aus.“
Zitat aus Frank Weimerts Touristenführer „Berlin kennen und lieben“ von 1975, passend zur Eröffnung der Reisemesse ITB herausgekramt von Senatswirtschaftssprecher Matthias Borowski.
Tweet des Tages
„Wettervorhersage: Der Hütchenspieler am Alex hat keine Handschuhe mehr an.“
Stadtleben
Essen Hawaiianische Poké Bowls gibt es nicht nur im Bikini-Haus (CP von gestern): Die trendigen Schüsseln voller frischer Zutaten auf der Basis von rohem Fisch und Reis oder Gemüsenudeln sind auch in Mitte bei Ma‘loa Hawaiian Poké Bowl zu haben. In der Oranienburger Straße 7 (S-Bhf Hackescher Markt) kann sich jeder selbst zusammenstellen, worauf er Lust hat. Wer keinen Fisch mag, kann Hähnchen oder Tofu wählen, dazu Gemüse wie Edamame oder Zuckerschoten, Avocado oder Kimchi, außerdem stehen zahlreiche Saucen zur Auswahl (Erdnuss, Wasabi, Soja…) – das kommt natürlich an in Mitte. Mo-Fr 11-21.45 Uhr, Sa ab 12, So ab 13 Uhr
Trinken (via Julian Goldmann) Optisch begeistert die sich direkt am U-Bhf Eberswalder Straße versteckende Kneipe Doctor Pong weder von außen noch von innen, aber die sich hier täglich abspielenden Matches lassen nicht nur Ping-Pong-Bälle, sondern auch tischtennisbegeisterte Herzen höherschlagen. Mit einem preisgünstigen Getränk (Bier 2,50 Euro, Wodka Quit 4,50 Euro) von der Bar in der Linken, der Kelle in der Rechten, kann man sich hier bis zum Morgengrauen um die Platte jagen lassen. DJ-Musik undabgerocktes Retro-Prenzlauer-Berg-Feeling inklusive. Eberswalder Straße 21, Mo-Sa 20-5 Uhr, So 19-0 Uhr
Um in der Genuss-Kategorie zu bleiben: Ausgefallene Leckerlis für Vierbeiner finden Sie bei Königsplätzchen in Wilmersdorf. Die vegetarischen Hundekekse aus hauseigener Produktion gibt es in zahlreichen Geschmacksvarianten von Banane bis Tofu, zu Ostern auch „Kracheier“ (mit Vanille), und falls ihr Hund lesen kann, freut er sich zum Geburtstag sicher über einen Keksknochen oder eine Kekskrone (je 22,95 Euro) mit eingebackenem Namen. Zu finden in der Landauer Straße 16 (U-Bhf Rüdesheimer Platz), geöffnet Di-Fr 15-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr, mit Online-Shop.