Das Lotterleben ist vorbei, Jogginghose aus und raus. Auch ohne Fashion Week müssen Sie Ihre Kinder nun wieder einigermaßen adäquat gekleidet dauernd durch die Öffentlichkeit kutschieren, sogar zum Bus für die Klassenfahrt und zur Einschulungsfeier im August (Kaffeetrinken aber bitte weiterhin mit Abstand zur Oma). Wie viele Leute kommen dürfen, klärt der Senat gerade noch, die Eindämmungsverordnung wird erneut „gründlich überarbeitet“, hieß es gestern, wahrscheinlich irgendwann nächste Woche. Vielleicht zieht bis dahin ja auch noch jemand die „umfangreiche und ambitionierte Teststrategie“ für Lehrerinnen und Erzieher aus der Schublade, von der die Bildungssenatorin gestern sprach. „Es werden keine Wandertage zur Charité organisiert“, hatte uns der Regierende vor zwei Wochen gesagt. Ob das noch gilt? Am Ende einer fast einstündigen Pressekonferenz mit der Bildungssenatorin wussten wir gestern jedenfalls nicht viel mehr als: Alle kehren zum Regelbetrieb zurück, Kitas am 22. Juni („Sechs Wochen früher als geplant!“) und Schulen nach den Sommerferien (10. August).
„Kinder haben ein Recht auf Bildung“, sagte Sandra Scheeres. Ein richtiger, wichtiger Satz, der allerdings vor drei Monaten genauso galt. Was hat sich seither verändert? Was haben wir gelernt?
Zumindest eines: Die Abstandsregel von 1,5 Metern kann in Schulen nicht eingehalten werden. Also schaffen wir sie ab. Was vor drei Monaten noch mit einer recht plötzlichen Pandemie plausibel begründet werden konnte, liest sich heute eher als hilfloses Stochern nach Lösungen, die ein Recht auf Bildung mit der Infektionsgefahr abwägen. Außer Apellen (Lüften! Hände waschen! Nicht zu zweit auf die Toilette!) bleibt wenig übrig. Und die werden in Schulen bekanntlich schon dann ignoriert, wenn es um schnöde Dinge wie Hausaufgaben und Stillsitzen geht.
Die Verantwortung wird einmal mehr auf die Kitas und Schulen übertragen. So konnten gestern auch auf zweifache Nachfrage weder Scheeres noch ihre Sprecherin die Frage beantworten, wie groß die Gruppen in den Kitas denn nun sein dürfen. Für die Regelbetreuung sei keine maximale Gruppengröße vorgesehen, sagte Scheeres, allerdings solle es in den Gruppen so wenig wie möglich Wechsel geben. Auf die Frage, ob ein offenes Konzept mit einer begrenzten Zahl dann auch möglich sei, hieß es: Detailfragen sollen die Kitas mit der Kita-Aufsicht klären. Das ließe sich eben nicht pauschal klären.
Pauschale Lösungen (z.B. Hilfe) wünschten sich allerdings viele Eltern in den vergangenen Wochen, einige von ihnen demonstrierten gestern bunt plakatiert vorm Roten Rathaus. Scheeres betonte, dass sie die Sorgen gehört habe. Vielen reicht das allerdings nicht aus – zumal weiterhin unklar ist, wie der angekündigte Plan B bei einer zweiten Infektionswelle konkret aussehen soll. Deswegen wollen Eltern heute einen Stau verursachen – in Scheeres’ E-Mail-Postfach. „Die Senatsverwaltung verweigert die Abstimmung mit den Trägern und Eltern? Wir fluten das Senatspostfach mit der Darstellung der Elternperspektive.“ Der Brief mit den Forderungen zu mehr Dialog kursiert Beginn der Woche. „Am Mittwoch, den 10. Juni 2020, startet am Morgen die Lawine. Je mehr E-Mails Frau Scheeres bekommt, desto besser.“
Auszüge gibt es hier (ein bisschen Überraschung soll schließlich bleiben):
„Die politischen Entscheidungen zu Familien und Kindern lesen sich als eine lange Kette der Verlagerung von Verantwortung, die bei den Eltern endet und sie damit allein lässt. Viele Kitas mühen sich derzeit unter Aufbietung all ihrer Kraft, möglichst vielen Kindern einen Ort zu bieten, der sie nicht als wandelnde Infektionsherde fürchtet, sondern ihre Rechte wahrt und ihre Entwicklung fördert. Unterstützung und Gehör finden sie darin auf politischer Führungsebene nicht. (...) Wir sind sicher, Sie wissen um die Relevanz der Förderung unserer Kinder für die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir sind sicher, Sie geben Ihr Bestes. Und deshalb wollten wir sichergehen, dass Sie die Innenansicht der Familien kennen. Dass Sie uns nicht länger vergessen.“
Die Bäder sind wieder geöffnet, willkommene Abwechslung für gestresste Eltern, dachte sich Tagesspiegel-Leser Martin G. – und bekam: noch mehr Stress. Bevor er mit seinem dreijährigen Sohn ins Freibad aufbrach, fragte er lieber noch mal nach bei den Bäderbetrieben: Alle brauchen Online-Tickets, aber Kinder sind weiterhin gratis? Am 28. Mai erhielt er eine freundliche Antwort aus dem Kundenzentrum: „Pro erwachsener Aufsichtsperson (mind. 18 Jahre) können in den Sommerbädern in dieser Saison zwei Kinder bis fünf Jahre unentgeltlich mit ins Bad genommen werden. Für diese Kinder sind keine Eintrittskarten notwendig.“ Praxistest vorige Woche im Olympiabad: kein Problem. Gestern im Sommerbad Pankow: Ohne Ticket kommt das Kind nicht rein. Und die gibt es derzeit nur online, Einheitspreis: 3,80 Euro.
Nachfrage bei Chefschwimmer Matthias Oloew (Sprecher BBB): Stimmt. Auch Kinder brauchten eigentlich schon seit der Öffnung am 25. Mai ein Ticket, weil man alle Namen brauche, um bei einer Coronavirus-Infektion Kontaktwege nachverfolgen zu können. Die Zeitfenster für kleine Kinder waren anfangs kostenlos – was nun allerdings geändert wurde. Es seien nämlich flotte 80 Prozent der Nulltarif-Schwimmer (samt Eltern) nicht aufgetaucht (im Schwimmbad, nicht aus dem Wasser), sagt Oloew. Weil die Tickets nicht neu vergeben werden können (es gibt schließlich keine Abendkasse), waren die Berliner Bäder noch viel leerer, als sie sein müssten. Zeigt einmal mehr: Was nichts kostet, ist offenbar nichts wert. Gilt leider auch in Krisenzeiten.
Anzeige
Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Doch was hilft wirklich gegen die Wohnungsnot?
Wohnen Weiter Denken richtet sich an alle, die mehr erfahren wollen und eine Meinung haben. Offen und fair möchten wir diskutieren. Nicht nur über neue Gesetze, sondern über innovative Lösungen für den angespannten Immobilienmarkt. Die Debatte ist eröffnet!
Wenigstens dürfen wir uns jetzt auch wieder eigenverantwortlich und mit offenem Ausgang betrinken. Die Sperrstunde ist ab heute aufgehoben, wenn auch das nicht ganz freiwillig geschieht, sondern um einer Niederlage vor Gericht vorzugreifen. Dass Alkohol und Abstand sich nicht aushalten, hat man in den vergangenen Wochen an vielen Orten der Stadt beobachten können. Und wird der Wirt wirklich den lallenden Lutz nachts um drei freundlich darauf hinweisen, dass er bitte am Tisch sitzen bleiben muss und nicht am Tresen immer tiefer in Tinas Tasche wühlen soll? Es wird heiß.
Vor allem am Wochenende. Deswegen wäre es auch schön gewesen, wenn die 300 willigen Wirte in Friedrichshain-Kreuzberg ihre Tische schon am Wochenende auf Parkplätzen hätten aufstellen dürfen. Die Genehmigungen dafür sollen zwar heute verschickt werden (Q: Mopo). Allerdings müssen dann erst noch Schilder aufgestellt werden. Und was das heißt, muss Ihnen hier ja wohl niemand mehr erklären.
Anzeige
Neue E-Mobilität erfahren.
Unabhängig. Staufrei. Entspannt. Vielseitig.
auftragsrad® Store ist Ihr kompetenter
Ansprechpartner in Sachen neuer
Mobilität im Herzen Berlins,
direkt am Checkpoint Charlie.
Jetzt Probefahren! Hier vereinbaren:
www.auftragsrad.store
Zwei Mal in Folge hat Fritz Felgentreu in Neukölln ein Bundestagsdirektmandat für die SPD geholt, zuvor war er lange im Abgeordnetenhaus – nach 20 Jahren will er nun Schluss machen: Gestern veröffentlichte Felgentreu ein Video, gefilmt vor seinem Bürgerbüro am Lipschitzplatz. Er habe Politik immer als Bürgerpflicht angesehen, aber: „Ich sehe auch, dass die Demokratie vom Wandel lebt und davon, dass Mandate auf Zeit vergeben werden. Und in der Abwägung, in der Rückschau und in der Vorausschau habe ich für mich entschieden, dass es genug ist. Und dass es Zeit wird, ein neues Kapitel aufzuschlagen.“
Welches das sein wird, verrät Felgentreu nicht und auch nicht, ob es noch andere Gründe für seinen Abritt am Ende der Legislatur gibt. Bisher war ausgemacht, dass Felgentreu den Wahlkreis behält, es sei denn...
... Franziska Giffey will doch in den Bundestag. Dann hätte die Königin von Neukölln den ersten Zugriff. SPD-intern gilt das als sehr unwahrscheinlich – aber das galt ja bis vor kurzem auch für eine weitere Amtszeit Michael Müllers. Während der sich derzeit so richtig warmregiert, werden die Stimmen in der SPD hinter vorgehaltener Hand lauter, dass man von der Bundesfamilienministerin in der Krise viel zu wenig höre.
Anzeige
Diskutieren Sie mit uns über den „Real Green Deal“, der die Chance bietet, in ein klimaneutrales, sozial gerechtes und wirtschaftlich erfolgreiches Europa zu investieren, das Gesundheit und Ressourcen schützt und zukunftsträchtige Jobs schafft.
Mit dabei: Dr. Eva Kracht (Umweltministerium), Holger Lösch (BDI), Dr. Anton Hofreiter MdB u.v.a.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Also ich persönlich finde es ganz grandios, dass Sie mit uns so weit gefahren sind...
... wenn auch ein wenig langsamer, als Sie es womöglich gewohnt sind. Auf 61 Abschnitten an 59 Straßen hat der Senat im vergangenen Jahr Tempo 30 eingeführt. Als die CDU noch Autofahrerpartei war (Mai 2020), wollte ihr Abgeordneter Jürn Jakob Schultze-Berndt von der grünen Verkehrsverwaltung wissen, wie sich die Pünktlichkeit von Buslinien durch die Einführung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen entwickelt hat (bis Februar 2020 = vor Corona). Antwort der BVG (via Staatssekretär Streese): Die Pünktlichkeit der betroffenen Linien hat sich auf Grund der Einrichtung von Tempo 30 nicht verschlechtert. Die Konsequenzen der Geschwindigkeitsreduzierung wurden durch die Zugabe von Fahrzeit kompensiert.“ Heißt übersetzt: Sie warten nicht länger auf den Bus, weil er unpünktlicher geworden ist, sondern weil er langsamer ist. Alles klar? (Anfrage 18/23493)
Falls Sie sich fragen, worum es bei Corona wirklich geht, referiert hier Chef-Verschwörungstheoretiker Attila H.: „Eurer Ego soll in eine Cloud hochgeladen werden, die Leitung in euren Körper wird gelegt durch eine Impfung und die darin enthaltene Nanotechnologie stellt die Verbindung her zur Cloud! Ihr sollt ungefragt unsterblich werden, damit ihr in dieser materiellen Welt verfangen bleibt und niemals euren Seelenfrieden bekommen könnt, niemals zu Gott kommen könnt! Das ist Satans Plan!“ Es kommentiert Comedy-Künstler Shahak Shapira: „lol als ob mein Ego in die Cloud passt“.
Aus Gründen wollte der CDU-Abgeordnete Danny Freymark wissen: „Welche Verschwörungstheorien und -ideologien sind dem Berliner Senat bekannt, woher stammen diese und wie bewertet er die jeweiligen Gefahren, die daraus resultieren (mit der Bitte um Auflistung der dokumentierten Themen aus der Verschwörungsszene)?“ Antwort: „Verschwörungstheorien existieren seit Jahrhunderten. Explosionsartig beschleunigt wurden Produktion, Verbreitung und Rezeption solcher Theorien durch das Internet. Eine quantitative und qualitative Erfassung sämtlicher veröffentlichter Verschwörungsinhalte ist schlicht unmöglich und auch nicht Aufgabe des Senats.“ (Anfrage 18/23359)
Anzeige
Die Akademie für Ganzheitliche Gesundheitsbildung
Wir bilden aus: praxisorientiert + zertifiziert + mit Herz
Unsere Kurse haben die Schwerpunkte: Prävention, kreative + systemische Therapie, Pädagogik.
Bei uns finden Sie auch
geförderte Weiterbildungen.
Jetzt anmelden für einen kostenlosen Online-Schnupper-Workshop
www.campusnaturalis.de
Haben Sie Fragen? 0800 322 44 99
Was passieren kann, wenn die Dinge individuell geklärt werden, hat man am Wochenende gesehen, wo Tausende Berliner gegen Rassismus demonstriert haben. Aber gut gemeint ist leider nicht immer gut gemacht. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, den Demonstrierenden vorzuschreiben, wie sie zu demonstrieren haben“, teilte die Senatsinnenverwaltung gestern mit. Die Verantwortung liege bei den Teilenehmern und Veranstaltern. Man appelliere daher an die Vernunft und Eigenverantwortung der Menschen. Im Senat sei das gestern kein Thema gewesen, hieß es am Nachmittag, was allerdings nicht ganz stimmt. Der Regierende merkte stichelnd an, dass es nicht zielführend sei, wenn Parteispitzen (möge das Anliegen noch so sympathisch sein), Demo-Selfies ohne Mindestabstand twitterten. Augenrollen allerseits, vor allem in der grünen Ecke. Merke: Die Pandemie macht keinen Halt vor politischer Gesinnung.
Ach, in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch noch wichtig zu erwähnen: Malle ist wieder offen. Deutsche dürfen wieder nach Mallorca. Und dort ist die Eigenverantwortung bekanntlich besonders weit verbreitet.
Haben Sie den Fashion-Week-Schock verarbeitet? Gut, dann schauen Sie mal, wie das Ganze in Frankfurt aussehen könnte.
Anzeige
Genießen Sie mit uns den Sommer und entdecken Sie jetzt unser großes Sortiment für Garten und Balkon im Tagesspiegel-Shop.
In der Corona-Krise wurde die Arbeit der Berliner Tafel quasi neu erfunden, weil 43 Ausgabestellen schließen mussten. Um die Bedürftigen weiterhin mit Lebensmitteln zu versorgen, wurden stattdessen bislang mehr als 35 000 Lebensmitteltüten an Wohnungstüren gebracht, mehr als 300 Tonnen Lebensmittel wurden verteilt, gut 1600 Menschen haben freiwillig geholfen. Ein Gespräch mit Sabine Werth lesen Sie heute im Newsletter „Ehrensache“ meines Kollegen Gerd Nowakowski. Hier geht’s zur Anmeldung – freiwillig und kostenlos.
Christian Gräff (CDU) wollte wissen, wie die Abfertigungskapazitäten des BER unter Coronabedingungen aussehen. Antwort für alle Flughäfen: Etwa ein Drittel. (Anfrage 18/23429) Mal eben eins und eins zusammengezählt: Da ist noch Luft.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Frau Lompscher strahlt eine große Ruhe aus. Das ist nicht immer typisch für Politiker.“
Die neue Co-Vorsitzende der Linksfraktion im AGH, Anne Helm, auf die Frage, welchen Politikern sie als ausgebildete Synchronsprecherin gern mal ihre Stimme leihen würde.
Tweet des Tages
Die Karre gehört einem Rapper. Ich wollte nur mal ’ne Runde angeben.
Antwort d. Red.: Antwort eines 28-Jährigen, der viel zu schnell mit mehreren U-Turns, aufheulendem Motor, durchdrehenden Reifen und mehreren Aufforderungen zu Rennen unterwegs war. Drogentest: positiv, Fahrerlaubnis: negativ. Den Schlüssel hatte er an der Rezeption eines Hotels gegriffen, um anschließend „mit der Karre anzugeben“.
Stadtleben

Essen & Trinken im Kame (Foto) ist wie eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne: Matcha Cheesecake und Onigirazu, einer etwas poppigen Variante der Onigiri, locken Japanfans, Nachbarn und Touristen gleichermaßen in die beiden Cafés in Charlottenburg und Mitte. Während der Laden in der Linienstraße 113 über Wochen komplett geschlossen bleib, konnten sie süßen und herzhaften Leckerbissen in der Leibnizstraße 45 wenigsten zum Mitnehmen angeboten werden. Dank japanisch-typischer Backwaren wie Anpan (Brötchen mit Azuki-Bohnen-Paste gefüllt) und Melonpan (süßes Brötchen mit Keksteig), stabilisiert sich die Lage an beiden Standorten nun langsam wieder. Um den „krassen Bruch“ der Coronazeit aufzufangen, haben die Betreiber über Startnext eine Kampagne gestartet: Kame-Fans können mit dem Erwerb von Designerteilen und Antiquitäten aus den Dekobeständen der Cafés helfen, dass der Matcha Latte auch zukünftig in Strömen fließen kann. Öffnungszeiten Charlottenburg: Mo-So 11-18 Uhr, Mitte: Mo-Sa 11-17 Uhr (Foto: Magnus Aspelin / GAMERA GmbH)
Weitere Lieblingsläden, die ihren Kiez bereichern und dringend Umsatz brauchen, um zu überleben, finden Sie auf der Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite.
Einchecken & Trinken –Im Flughafen Tempelhof geht wieder was: Seit Pfingsten bietet das erst im Februar neu eröffnete Besucherzentrum „Check In“ erneut Führungen durch das Flughafengebäude an (Mo-Fr 13-17 Uhr, Sa-So 10-16 Uhr). Aufgrund der Hygienemaßnahmen bleiben enge Räume wie der Luftschutzbunker allerdings verschlossen, was Sie dennoch nicht abhalten sollte, den „Mythos Tempelhof“ ein mal von innen zu durchdringen. Tickets kosten 15 Euro.
Und noch ein mythischer Ort befindet sich in unmittelbarer Nähe: das Orville‘s. Das Café im ehemaligen Offizierscasino des Flughafens ist mit seiner Mischung aus Historie (Stichpunkt Denkmalschutz) und Moderne (mediterrane Snacks und Mittagstisch to stay und to go) eine wirkliche Bereicherung am Platz der Luftbrücke. Die coronabedingte Schließung hat das charmante Team um Emanuele Benincasa genutzt, das Angebot um Weine, Aperitifs und Biere zu erweitern. Um die bis in den Abend hinein genießen zu können, hat das Orville´s seine Öffnungszeiten verlängert: Mi+So 11-17 Uhr, Do-Sa 11-22 Uhr.
Neu in Charlottenburg – In der Giesebrechtstraße 3 werkeln Tim Hansen, Vitali Müller und Küchenchef Kamel Haddad gerade an einem neuen Restaurant, das jeden Monat seine Karte inklusive Weinbegleitung wechseln will. Das 12seasons treibt die Saisonalität somit auf die Spitze, Hauptgerichte in der „Fine Dining Bar“ sollen zwischen 19 und 30 Euro kosten, im Mittelpunkt steht ein großer Bartresen um die offene Küche (noch sieht es dort allerdings sehr „rustikal“ aus). Die Macher sind keine Unbekannten, betrieben zusammen das Neumond in Mitte, das allerdings dauerhaft geschlossen bleiben wird, wie das Team mitteilte. Bevor die zwölf kulinarischen Jahreszeiten in Charlottenburg anbrechen (eröffnete werden soll „im September“) wird bereits ein Amuse-Bouche gereicht: Als „Esspapiere“ getarnte Gutscheine im Wert von 250-1000 Euro versprechen „besondere Überraschungen“, die „man sich für Geld nicht kaufen kann.“ Jeweils der letzte Sonntag im Monat soll „für Foodies, Gourmets und Genussmenschen“ reserviert sein. Wer das ambitionierte Projekt vorab unterstützen möchte: Hier geht´s zum Gutscheinverkauf.
Neu in Hohenschönhausen – (Ein Kunst-Tipp von Birgit Rieger) 2021 soll die Neue Nationalgalerie nach der Sanierung wiedereröffnen. Die Berliner Fotografin Veronika Kellndorfer hat den berühmten Glaspavillon Mies van der Rohes kurz vor dem Umbau nochmal im leergeräumten Zustand dokumentiert. Die Bilder sind jetzt im Mies van der Rohe Haus in Hohenschönhausen in ungewöhnlicher Weise ausgestellt: als Siebdrucke auf großen Glasscheiben in Schwarz-Weiß. Ein Spiel mit Offenheit und blinden Flecken und nicht zuletzt ein Ritt durch die Architekturgeschichte, vom europäischen zum amerikanischen Mies. Oberseestraße 60, Di-So 11-17 Uhr, bis 20. Dezember, Eintritt frei
Karten sichern – Ab sofort sind wieder ermäßigter und freier Eintritt in den Botanischen Garten möglich. Weiterhin gilt: Alle Tickets inklusive Zeitfenster müssen online gebucht werden.
Kritischer Last-Minute-Stream – (ein Tipp von Ticket-Kollegin Sandra Luzina) Im Onlineprogramm der Volksbühne spricht der Verleger des Wiener Passagen Verlags, Peter Engelmann, mit Philosophen und Politikwissenschaftlern über die möglichen Folgen der Pandemie und darüber, welchen Beitrag das kritische Denken zu ihrer Bewältigung leisten kann. Zum Auftakt der „Passagen Streams“ um 19 Uhrdiskutiert er mit dem französischen Philosophen Jean-Luc Nancy über „Die dunklen Seiten des Fortschritts“. Für Nancy ist die Coronakrise eine der Folgen des kapitalistischen Fortschrittsglaubens. Um einen Kurswechsel einzuleiten, sei ein geistiger Wandel notwendig. In der zweiten Folge (morgen) räsoniert der britische Soziologe Colin Crouch über einen „Ausweg aus dem Neoliberalimus“. Die Woche endet mit einem Gespräch über die „Demokratie im Lockdown“ mit der belgischen Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe.
Spazierengehen mit Thomas Mann – Wieder einmal schafft die Kunst, was der Wissenschaft nicht gelingen will: der Sprung in andere Zeitebenen. Das Theaterkollektiv Raum+Zeit hat aus Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ eine coronainspirierte Gegenwartsbetrachtung geschaffen, die ohne Bühne auskommt. Das Hörformat ist als Stadtspaziergang konzipiert, der am Georgsdenkmal im Nikolaiviertel startet und garantiert keine gesellschaftliche Untiefe auslässt. Der 35-minütige Audiodatei finden Sie auf der Seite des Theaterdiscounters, ebenso alle Infos, wie Sie an ein – freiwilliges – Ticket to go kommen.
Verreisen, ohne wegzufahren – das wird auch unser Motto in den Sommerferien sein. Egal, aus welchen Gründen Ihr Sommerurlaub in diesem Jahr nicht wie gewohnt ausfällt: Wir sind trotzdem unterwegs! Wer in Berlin wohnt, ist ja schließlich auf der ganzen Welt zu Hause. Wir werden daher nahe Orte besuchen, die Urlaubsfeeling aufkommen lassen und uns dabei an ferne Orte lesen. Wenn Sie Tipps für uns haben, welche Bücher und Geschichten eine Reise wert sind (egal, ob nach Brandenburg oder einmal um die Welt): Hinweise für bemerkenswerte „Verreiseliteratur“ nehmen wir ab sofort unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen.
Mit diesem Stadtleben wünscht Stefanie Golla einen ereignisreichen Mittwoch.
Berlin heute
Verkehr – Lewishamstraße (Charlottenburg): Heute und morgen ist die Fahrbahn in beiden Richtungen zwischen Stuttgarter Platz und Gervinusstraße auf jeweils eine Spur verengt (8-16 Uhr).
Tiergartentunnel: Richtung Kreuzberg (Süd) ist wegen Vermessungsarbeiten nur ein Fahrstreifen frei (8-15 Uhr).
Heerstraßenbrücke (Westend): Um 18 Uhr beginnt der zweite Bauabschnitt, d. h. stadteinwärts zwischen Teufelsseestraße und Jafféstraße sind nur zwei Fahrstreifen verschwenkte befahrbar (bis Freitag, jeweils 18-6.30 Uhr).
A100 (Stadtring), Richtung Neukölln: Wegen nächtlichen Wartungsarbeiten zwischen AS Jakob-Kaiser-Platz bzw. Heckerdamm (A111) bis zur AS Hohenzollerndamm gesperrt (heute und morgen 20.30-5 Uhr).
Westfälische Straße (Wilmersdorf): Ab ca. 14 Uhr in beiden Richtungen zwischen Konstanzer Straße und Bielefelder Straße gesperrt (bis Freitag ca. 18 Uhr).
S-Bahn: Bis zum 11./12. Juni fährt die S8 in der Zeit zwischen 22 und 1.30 Uhr nicht zwischen Baumschulenweg und Bornholmer Straße. Die Züge fahren ab Baumschulenweg weiter bis/ab Hermannstraße, zwischen Baumschulenweg und Treptower Park hilft die S9 aus, zwischen Treptower Park und Gesundbrunnen die Ringbahnen, zwischen Gesundbrunnen und Bornholmer Straße die S1, S2 und S25.
Demonstration – Vor dem Amtsgericht Tiergarten fordern ca. Demonstrierende: „Rheinmetall entwaffnen!“ (9-14 Uhr, Turmstraße 91). Der geplante „Abriss des studentischen Cafés Cafete“ ist Anlass für Protest in der Königin-Luise-Straße 12 unter dem Motto „Erhalt von studentisch selbstverwalteten Freiräumen“ (12-16 Uhr, ca. 50 Teilnehmende). Die Kinderschutzbewegung Berlin fordert auf einem Demonstrationszug vom Platz der Republik zum Bundesfamilienministerium in der Glinkastraße: „Kinderschutz in Deutschland verbessern – Stoppt die ungerechten Inobhutnahmen“ (13-16 Uhr, ca. 75 Teilnehmende). „Mehr Platz und Sicherheit für Radfahrer und Radfahrerinnen in Reinickendorf – Popup Bikelanes jetzt“ ist das Motto einer Kundgebung am Eichborndamm 215, die der Kreisverband der Grünen mit 6 Teilnehmenden in der Zeit von 16.30 bis 17 Uhr angemeldet hat.
Gericht – Drei Fußball-Fans müssen sich verantworten, weil sie einen gegnerischen Fan nach einem Spiel im Oktober 2017 in einem S-Bahnzug geschlagen und beleidigt haben sollen. Der mutmaßliche Haupttäter sei bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (9.20 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 671).
Heimuniversität – Er ist der Bösewicht in allen Märchen: der Wolf. Auch hierzulande ist er wieder anzutreffen, theoretisch sind in Deutschland 700-1400 potenzielle Wolfsreviere denkbar, wie eine Studie der TU, HU und IZW Berlin nun herausfand. Aber ist eine Ausbreitung auch in dieser Zahl zu erwarten? Antworten finden Sie hier.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Dettl Finkelmann, herzlichen Glückwunsch zum 77.“ / Ute Frevert (66), Historikerin, Geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Direktorin des Forschungsbereiches „Geschichte der Gefühle“ / André Hofschneider (50), bis Mai 2018 Fußballtrainer bei Union / Rob Krier (82), Architekt, Stadtplaner und Bildhauer (u.a. das Viktoria Quartier) / „Endlich 18! Lieber Max, herzlichen Glückwunsch zum lange herbei gesehnten großen Geburtstag! Alles Liebe, Mama“ / Lisa Meister, „Einen wunderschönen Geburtstag an der Ostsee wünscht Dir Mama :-x Kommt gesund zurück!“ / Ülker Radziwill (54), sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im AGH / Raed Saleh (43), Fraktionsvorsitzender der SPD im AGH / Alexander von Stahl (82), Jurist, ehem. Generalbundesanwalt (1990-93), ehem. FDP-Staatssekretär der Senatsverwaltung für Justiz (1975-89)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Franz Wilhelm Bohr, verstorben am 29. Mai 2020 / Jutta Karow, * 28. April 1930 / Dr. Bernhard Seidel, * 01. Oktober 1944, Deutsches Institut für Wissenschaftsforschung
Stolperstein – Eleonore Schayer (Jg. 1862) wohnte in der Ludwigkirchstraße 8 in Wilmersdorf, bis sie 1939 zur Aufgabe der Wohnung gezwungen wurde. Die Witwe des Bankdirektors Hermann Schayer zog zu Freunden in die Lietzenburger Straße, nach dem Freitod des Ehepaares zu ihrer Schwiegertochter Theda Stückgold, Witwe ihres Sohnes Fritz. Die angedrohte Deportation nach Polen trieb sie am 10. Juni 1942 – heute vor 78 Jahren – in den Freitod. Eleonore Schayer wurde neben ihrem Ehemann auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt.
Encore
Nerven wieder klar? Gut, dann haben wir noch diese Nachricht für Sie: Der Dalai Lama hat sein Debüt-Album gedroppt. Kein Witz: Bei der Ankündigung handelt es sich nicht um irgendeine Psych-Band (wobei das ein ziemlich guter Bandname wäre), sondern um den ECHTEN Dalai Lama. Titel: „Inner World“. Klar, was sonst. Das Album mit Chants und Mantras erscheint am 6. Juli – dem 85. Geburtstag des Dalai Lama.
Exklusiver Auszug (nur für CP-Abonnenten):
„Was auch immer kommen mag
Wir bleiben für euch immer wach
Wir lassen niemand hier allein
Corona kriegt uns niemals klein“
Übrigens: Das Comeback der Checkpoint-Band steht unmittelbar bevor. Und während wir noch über eine Namensänderung nachdenken, übernimmt die kulturelle Bildung hier morgen erst einmal Lorenz Maroldt (am Bass).
Bis bald,