langsam wird’s eng, oder? Während nicht nur Berlin um den richtigen Abstand zu sich selbst ringt, wollen sich immer mehr Menschen wieder aus nächster Nähe umringen. Eng umschlungen ist Berlin zur Tangometropole geworden, doch nun droht auch dieser Szene der Abschiedswalzer. Deshalb fand am Mittwoch ein besonderer Demonstrationstanz vor dem Kanzleramt statt: Acht Tänzerinnen und Tänzer lauschten dem Bandoneon eines Musikers: bei seinem ersten Lied bewegte sich niemand, beim zweiten tanzte ein Pärchen, das sich berühren durfte, weil es das sonst als Lebenspartner auch tut. Beim dritten Lied tanzten alle mit imaginären Partnern, mit jeweils drei Metern Abstand. Umarmt wurde nur die Luft, obwohl sie gerade so gefährlich sein kann.
Haste Mango, kannste Tango, rief einst der legendäre Obstverkäufer auf dem Winterfeldtmarkt in Schöneberg – doch langsam braucht es zur Befruchtung der Szene mehr als ein paar symbolische Umarmungen. „Es geht uns darum, dass es den Tango nach der Pandemie überhaupt noch in der Hauptstadt gibt“, sagt Thomas Rieser, einer der Demonstrierenden, auf Checkpoint-Nachfrage. Mit seinen Mitstreitern hofft er auf eine Steuerbefreiung für Spenden und die Aufnahme in die Künstlersozialkasse. Erst an diesem Dienstag durfte Riesers Tangoschule in Mitte wieder öffnen, zuerst probte hier ein Pärchen das fröhliche Beisammendrehen. „Die beiden haben miteinander getanzt und ich habe Abstand gehalten“, erzählt Rieser. Singles dagegen bleiben allein auf der Tanzfläche Stehende. Auch Rieger selbst hat seit Mitte März nicht mehr zu zweit getanzt. Das Virus ist ein Begleiter, der einsam machen kann. Und viele Leben aus dem Takt bringt.
Taktlos war die als Club-Demo getarnte Schlauchboot-Party auf dem Landwehrkanal; der Ärger darüber schwappt jetzt in die Bundespolitik. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte mit einer Erkenntnis, die Berlin in seiner gerne berauschten Seele heftige Kopfschmerzen bereiten dürfte: „Beim Feiern verbreitet sich das Virus besonders leicht.“ Schwer zu verstehen ist, warum der Rave mit 400 roten Gummibooten unbedingt vor dem Urban-Krankenhaus reinknallen musste, in dem Patienten und Pfleger um Leben kämpfen. „Die Leute brauchen Ruhe“, schreibt der Intensivpfleger Ricardo Lange in seiner wöchentlichen Tagesspiegel-Kolumne. „Schon ganz ohne Corona und die möglichen Folgen dieses Raves frage ich mich: Kann man unsere Arbeit noch deutlicher verhöhnen?“
Auf der anderen Seite des Ufers kämpft auch Berlins legendäre Clubkultur ums Überleben. „Natürlich war die Demo auf diese Art keine so gute Idee“, sagt Heide Rabe, in Berlins Clubs bekannt als DJane Clärchen, am Checkpoint-Telefon. „Aber in den Clubs brodelt es, weil viele nicht wissen, was aus ihnen werden soll.“ Natürlich gehe Gesundheit vor, „aber auch wir brauchen irgendwann in diesem Jahr einen kleinen Hoffnungsschimmer“. Rabe selbst hatte schon vor der Corona-Krise mit der vorläufigen Schließung von Clärchens Ballhaus in Mitte zu kämpfen; nach dem Umzug mit Combo ins Ballhaus Berlin hangelt sich die Soloselbstständige nun mit Zuschüssen, dem Ersparten und der Hoffnung auf vielleicht kleinere Tanzevents im Herbst durch. Insgeheim wünscht sie sich die Wiederauferstehung des alten Berlins ohne Sperrstunde und sonstige Sperrigkeiten, „so richtig dran glauben kann ich aber nicht“. Als DJane in Berlin hatte sie sich eigentlich in einem krisensicheren Job gewähnt: „Tanzen geht hier eigentlich immer.“ Nun liegen die Träume fahl auf dem Pflaster der hochgeklappten Bürgersteige.
Pssst, hören Sie das? In den stillen Stadien der Bundesliga, in denen derzeit pro Spiel 90 Schweigeminuten für den ursprünglichen Fußball abgehalten werden, geistert eine neue Idee herum. Erste Politiker von SPD und FDP fordern die Verwandlung des geistlosen Gekickes in ein Stadionerlebnis mit Fast-Fan-Folklore (via ARD). Nach Informationen des immer gut informierten früheren Morgenpost-Reporters Uwe Bremer wird bei Hertha BSC bereits intern darüber nachgedacht, wie man ab Herbst vielleicht Sitzplätze mit je einer Reihe Abstand nach vorn und hinten sowie zwei freien Plätzen rechts und links vergeben kann (via Fanpodcast „Damenwahl“). So könnten immerhin gut 15.000 Menschen ins Olympiastadion passen; mehr kämen bei plötzlich wieder möglichen Erstrundenspielen im Europapokal sowieso nicht. Stehplätze wären in dem Szenario allerdings nicht drin; auch An- und Abfahrt dürften ultra-schwierig zu organisieren sein. Die Deutsche Fußball-Liga will sich zum Thema lieber nicht äußern; auch Hertha-Sprecher Marcus Jung würde „gerne zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten“. Beim 1. FC Union, der in der Alten Försterei im Zweifel seine drei Stehplatztribünen umbauen müsste, gibt es noch keine konkreten Überlegungen, lässt Sprecher Christian Arbeit wissen. „Aber natürlich hoffen wir, so bald wie möglich wieder vor und für Menschen im Stadion spielen zu können.“
Die Menschen, die das sein könnten, bringt dieser Gedanke bei einer Checkpoint-Umfrage nicht gerade zum Rasen. Hertha-Fan Henriette van der Linden kann sich zwar nichts Schöneres vorstellen, als endlich wieder ins Olympiastadion zu gehen. Andererseits sei die Atmosphäre in einer viertelvollen Stadionschüssel sicher schwer auszulöffeln: „Wenn, dann richtig und keine halben Sachen.“ Nina Trolldenier dagegen schöpft aus der Idee durchaus Hoffnung für die Fans und für Hertha; hofft allerdings, dass mit weniger verkauften Plätzen nicht die Ticketpreise steigen. Union-Fan Domenika Ahlrichs will vor allem einen Fußball ohne Stehplätze nicht stehen lassen. „So stark und laut wir unsere Liebe besingen, müssten in der Alten Försterei vermutlich sechs Meter Abstand zwischen allen gelassen werden – wie in Orchestern bei den Blechbläsern.“ Wäre sie denn gerne Solistin eines Fanchors auf vereinzelten Sitzplätzen? „Verkümmern würde ich, da wäre das Spiel dann auch fast egal.“ Das ist es bei Unions Formtief allerdings ohne Fans gerade auch.
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Auch bei der anderen Union Berlin, der Jungen Union, spielen sie plötzlich auf das entgegengesetzte Tor. Der Landesvorstand beschloss kurz vor Pfingsten eine neue, für die CDU fast schon revolutionäre Verkehrswende: den Umstieg auf mehr Nah-, Fuß- und Radverkehr bis hinein in die glatt geteerten Schichten des Berliner Speckgürtels. „Ziel ist es, die Berliner von anderen Verkehrsmitteln als dem Auto zu überzeugen“, heißt es in dem Beschluss, der am Sonnabend vom digitalen CDU-Parteitag beraten werden soll. „Die autogerechte Stadt fordert in der Union schon lange keiner mehr“, glaubt JU-Landeschef Christopher Lawniczak sagen zu können. „Berlin wird in zehn Jahren knapp vier Millionen Einwohner zählen. Wenn jeder Einzelne mit dem Auto zur Arbeit fährt, erwartet uns ein großes Chaos.“ Mal sehen, wie lange diese Erkenntnis im politischen Stau stecken bleibt.
Dazu diese aktuelle Meldung aus der betonharten Realität des Berliner Straßenverkehrs: In der Petersburger Straße im Friedrichshain wurde am Mittwochmittag eine Radfahrerin von einem rechts abbiegenden Betonmischer überrollt; die 62-Jährige erlag ihren Verletzungen. Hinten trägt der Laster das Schild „Gefahrenbereich – Vorsicht beim Rechtsabbiegen des Fahrzeugs“.
Schlimmer Verdacht am späten Abend: Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des damals dreijährigen britischen Mädchens Madeleine Beth McCann vor 13 Jahren aus einer Appartementanlage in Portugal ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun gegen einen 43 Jahre alten Deutschen wegen des Verdachts des Mordes. Laut Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt handelt es sich bei dem Mann um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter, der auch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden ist. Die Entführung des bald weltweit „Maddie“ genannten Mädchens hatte Entsetzen und bei Scotland Yard die größte Polizeioperation der Geschichte ausgelöst. Zwischenzeitlich waren auch die Eltern, die sich mit dramatischen Apellen an die Öffentlichkeit gewandt hatten, selbst unter Verdacht geraten. Nun ließen sie verlauten: „Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen.“
Schweres Paket am späten Abend: Die Große Koalition hat sich nach zähen Verhandlungen in der Nacht auf ein 130 Milliarden Euro teures Konjunkturprogramm geeinigt, mit Finanzhilfen für Kitas, Künstliche-Intelligenz-Firmen und Kein-Benzin-Autos. Überraschend verabredeten Union und SPD auch noch „mutig, aber nicht tollkühn“ (Bayerns Ministerpräsident Markus Söder) die Absenkung der Mehrwertsteuer zwischen Juli und Silvester von derzeit 19 auf dann 16 Prozent sowie ermäßigt von 7 auf 5 Prozent. Die Einsparungen davon dürften allerdings vor allem die Händler verballern. Außerdem wird Eltern ein Kinderbonus von einmalig 300 Euro pro Kind ausgezahlt. Und damit gebar die Krise auch noch ein Köpfchengeld.
is ufs lut streiten möchte sich niem nd um d s, w s jeder zum Le en r ucht: lut. Denn uch ußerh l der P ndemie r ucht lle sie en Sekunden ein Mensch in Deutschl nd eine lutkonserve. Trotz dieser oft le ens edrohlichen L ge verlieren die lutspendedienste jedes J hr 100.000 Spender. Gen uso viele sucht nun d s Rote Kreuz mit der K mp gne #missingtype. D mit jeder merkt, w s uns ohne gegenseitige Hilfe fehlt, fehlen ei der ktion die kürzungen der lutgruppen A und B. Wie in diesem rtikel uch. F lls Sie Ihr A oder B spenden wollen (gerne uch eine 0), d nn melden Sie sich itte hier. D mit wir niem nden vermissen müssen, den wir hätten retten können.
Einmal Tegel und zurück: Berlin kann Flughäfen weder öffnen noch schließen – und ausgeschlossen ist hier auch über den Wolken nichts. Deshalb bleibt Tegel erst mal das, was Schönefeld schon lange ist: nicht ganz fertig zum Abflug. Noch bis zum 8. November dürfen nicht nur westalgische Nostalgiker mitten in der Stadt landen; für ein vorzeitiges TXL-Aus schon fast morgen kam gestern der Garaus – pünktlich am achten Nicht-Geburtstag des BER. Trösten wir uns heute zum Start der letzten Tegel-Schneise mit den Worten von Google-Rezensent Nicolas Langer: „Klein aber fein. Hätte mir irgendwie mehr von einem Flughafen der Hauptstadt erwartet.“ Wir ehrlich gesagt nicht mehr.

Berliner Schnuppen
Telegramm
So, erst mal eine Reisewarnung für Mecklenburg-Vorpommern: Hier machen Menschen Käse. Zum Beispiel der Berliner, der im Rostocker Hauptbahnhof eine Schimmelpackung im Wert von 2,39 Euro erschummeln wollte. Die gerufene Bundespolizei stellte fest, dass nicht nur der Käse zum Himmel stank: Gegen den Dieb liegt ein Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung vor. Nach der Tat in Berlin war er geflohen und hatte trotz Einreisesperre im Nordosten einsam im Wald in Markgrafenheide sein Zelt aufgeschlagen. Seinen darin befindlichen „bescheidenen Hausstand“ (Bundespolizei) wurde ihm hinterhergebracht – ins Gefängnis. Hier isst er jetzt Gitterschokolade.
Wehe, wehe wenn ich in die Ferne sehe: In diese Länder dürfen Sie spätestens ab dem 15. Juni wieder reisen: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Frankreich, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Liechtenstein, Montenegro, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern (Service hier). Ab 21. Juni kommt wohl Spanien dazu. Und Spandau.
In Amerika fliegt das Land weiter auseinander; gespalten in seinem Kern vom eigenen Präsidenten, der sich dafür auf Twitter bei sich selbst bedankt (aktuelle Reportage hier). Doch auch in Deutschland gehört Rassismus für viele Menschen zum Alltag, wie Autorin Alice Hasters eindrucksvoll beschreibt. Ihre Erkenntnis: „Weiße Menschen haben wenig Übung darin, mit ihrem eigenen Rassismus konfrontiert zu werden.“
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Gerade heute noch diese wichtige Meldung von den dunklen Mächten einer Supermacht: Hongkong darf heute zum ersten Mal nicht des Jahrestags des Massakers auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens gedenken. Am 4. Juni 1989 waren bei Freiheitsprotesten mehrere hundert Menschen von Panzern niedergewalzt und getötet worden – und mit ihnen die Hoffnung auf ein demokratisches China, dessen undemokratische Führung nun auch der Enklave Hongkong die freie Rede verbieten will. Dass die Revolution auf den Plätzen von Berlin und Leipzig damals friedlich verlief, ist übrigens einem Mann nicht zu verdanken, der am Horizont historischer Vergesslichkeit inzwischen zur ostdeutschen Friedenstaube verzaubert wird: Egon Krenz. Der damalige SED-Spitzengenosse erfand das Wort Wende, konnte sich aber nicht ausmalen, dass das Volk das ganze Blatt wenden wollte. Im Herbst 1989 reiste er nach Peking und sagte dort – eigentlich gerichtet an die Opposition im eigenen Land –, Klassensolidarität sei für die Kommunisten der DDR „eine Sache der Klassenehre und Klassenpflicht“. Man stehe „auf der Barrikade der sozialistischen Revolution“ dem gleichen Gegner gegenüber. Einem Gegner, den alle Diktaturen haben: friedlich demonstrierende Menschen.
Alle Kinder sind bald da: Auch Berlins Kitas sollen noch im Juni wieder voll und ganz öffnen. Dummerweise fehlen 5000 vollumfänglich tätige Erzieherinnen und Erzieher. Nun muss für jede Kita ausgehandelt werden, wie groß die Gruppen, die Räume und die Nöte der Eltern sind. Auf jeden Fall kein Kinderkram.
Ganz von den Socken ist man manchmal bei den parlamentarischen Anfragen im Abgeordnetenhaus. So will der FDP-Politiker Stefan Förster von der Landesregierung wissen: „Ist dem Senat bekannt, dass es gerade viele ältere Menschen sind, die alle drei bis vier Wochen einen Besuch bei einer Fußpflege dringend nötig haben, da sie Problem-Füße haben und sonst ein schmerzfreies Laufen nicht möglich wäre?“ – Antwort der Gesundheitsverwaltung: „Ja.“ So läuft das hier.
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Zum Weglaufen ist für viele Anwohnerinnen und Anwohner die militante linke Szene, die sich im Friedrichshainer Nordkiez gesammelt hat. Nun darf das dortige Hausprojekt Liebig34 nach einem Beschluss des Landgerichts geräumt werden. Hauseigentümer Gijora Padovicz, kein Unbekannter auf dem Berliner Immobilienmarkt, hatte gegen die Bewohnerinnen und Bewohner geklagt, die nicht ausziehen wollen. Der Linken-Abgeordnete Hakan Tas bedauert das Urteil: „Berlin hat sich mit der Immobilienmafia angelegt, doch es ist noch ein weiter Weg, bis wir die Stadt aus den Fängen intransparenter Multikonzerne befreien werden.“ Für die Befreiung des Rechts muss nun allerdings Berlins Polizei einstehen; am Mittwochabend gab es bei Protesten bereits 160 Festnahmen. Mit links wird sich die linke Szene hier nicht vertreiben lassen.
Mit uns zieht der neue Wind: Der Friedrichstadt-Palast lüftet ordentlich aus (im eigenen Namen hat sich die Friedrichstadt schon fast verflüchtigt). Nun wird die Klimaanlage umgebaut, auf der größten Showbühne der Welt, wo in der DDR das Wasserballett für Kinder und später der Wanderzirkus für Berliner Bustouristen planschten, tanzen nur noch die Erinnerungen. Erst im nächsten Jahr geht’s hier weiter – hoffentlich mit der zweiten Luft.
Ach so, und dann noch dieser Goldstaub-Dialog vom Grunewaldsee (via @TspSonntag): Eine Frau spricht einen Handwerker mit Laubbläser an, der Staub und Blätter aufwirbelt: „Junger Mann! Schon mal was von Feinstaub gehört?“ – „Klar, hab ick. Aba dit is Grobstaub.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wenn es den Leuten weder an Zeit noch Geld mangelt – das ist meine Vorstellung von Utopie.“
Liv Boeree, eine der erfolgreichsten Pokerspielerinnen der Welt, im Interview über Hollywoods Hinterzimmer und unsere Matheschwäche in der Pandemie.
Tweet des Tages
Das einzige, was mich noch hier hält, ist die Gravitation.
Stadtleben
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Essen – Einen Ausflug machen nach Italien, das geht, zumindest kulinarisch, in der Trattoria Libau in Friedrichshain. Schon das Zuschauen wie die Pizza zubereitet wird, ist einen Besuch wert: Hinter der Restauranttheke wird mit bloßen Händen frischer Hefeteig ausgerollt bis ein hauchdünner Pizzaboden (Ø 33 cm) entsteht, der anschließend im Steinofen für eine Minute ausgebacken wird. Besonders gut schmecken Pizza Margherita (8,10 Euro) und die Pizza L. Einaudi (12,90 Euro). Dazu passender Wein steht ebenfalls auf der Speisekarte. Wer auf Restaurantbesuche lieber verzichtet, kann sich Pizza, Pasta, Fleischgerichte und Antipastiauch auch bequem nach Hause liefern lassen. Täglich 12-22 Uhr, Libauerstraße 10, S-Bhf Warschauer Straße

Trinkkultur unterstützen – Das Café Dachkammer in Friedrichshain gibt es seit 1996, in der – damals noch dünn mit Kneipen und Restaurants besiedelten – Simon-Dach-Straße 39. Wohnzimmergefühle kommen auf, wenn man auf einer der zahlreichen Ledercouches sitzt, die sich über zwei Stockwerke verteilen. Die Limonade (4,50 Euro) bereiten die Mitarbeiter*innen mit frischen Zutaten zu. Zur Auswahl stehen unter anderem: „Himbeer-Minze“, „Blaubeer-Salbei“ und „Gurke-Melone“. Außerdem gibt es ein wechselndes Kuchenangebot (3,50 Euro das Stück). Seit Mittwoch vergangener Woche sind die Türen der Dachkammer wieder regulär geöffnet. Zuvor mussten die Besitzer Rainer Frank und Jan Stage ihre 20 Mitarbeiter*innen kurzzeitig entlassen, ein Außer-Haus-Verkauf hätte sich nicht gelohnt. Mittlerweile sind alle wieder eingestellt, aber ganz wie früher ist es doch nicht: Vor Coronazeiten wurde hier geraucht – und zwar richtig! Nun dient die moderne Belüftungsanlage und die große Fensterfront nur noch zum Wegwehen von Viren. „Ein bisschen erinnert die Dachkammer jetzt an ein Sanitätshaus“, sagt Rainer Frank. Lassen Sie sich davon aber nicht abhalten: Selbst als „Sanitätshaus“ ist die Dachkammer eine der gemütlichsten und kiezigsten Bars, die man in Friedrichshain finden kann. Täglich 13-22 Uhr, S-Bhf. Warschauer Straße
Geschenk – Toilettenpapier hat in Deutschland Tradition – und seit Corona eine enorme Beliebtheit. Bevor es die begehrten Tücher gab, benutzte man Lumpen oder sogar lebendes Federvieh, um sich nach dem Toilettengang zu reinigen. Doch was tun, wenn die Supermarktregale wie noch vor Kurzem leer gekauft sind? Ganz intuitiv: sich mit Wasser waschen. Das Unternehmen HappyPo hat diese Form des Waschens perfektioniert – in Form eines portablen Bidets (19,99 Euro). Den Gründern geht dabei nicht darum, Klopapier aus der Welt zu verbannen, sondern seinen Verbrauch zu reduzieren. Sie wollen das mal ausprobieren? Wir verlosen bis 12 Uhr ein „Rundum-Happy“-Paket, das drei Bidets und einen „HappyPo Toilettenhocker“ enthält, und freuen uns über Erfahrungsberichte.
Wieder Hingehen – (ein Kunst-Tipp von Birgit Rieger) In der Betonhalle im Silent Green gibt es wieder Filme, und zwar aus dem Bestand des Arsenal-Filminstituts. Dessen Archiv befindet sich nämlich auf dem Gelände, des ehemaligen Krematoriums in Wedding. Gezeigt wird „2026“, ein Film der ägyptischen Künstlerin Maha Maamoun, in dem ein Zeitreisender seine Visionen für das Jahr 2026 erzählt. Außerdem wird alle 14 Tage ein Film aus dem Berlinale-Programm „Forum Expanded“ gezeigt. Ab heute ist es eine Videoinstallation der koreanischen Künstlerin Ayoung Kim. Der Plot: Petra Genetrix, ein waberndes Mineralien-Cluster, muss sich einem Einbürgerungstest unterziehen und wird behandelt wie ein feindliches Virus. Eigentlich geht es hier um Migration, jetzt liest man das sicher noch mal neu. Gerichtstraße 35, Do-So, 14-18 Uhr, Eintritt frei
Noch hingehen – Die Ausstellung im Schaufenster der Kunstbibliothek „Tüte? Na, Logo! Plastiktragetaschen der 1960er- bis 1980er-Jahre“ in Tiergarten lässt noch bis zum 28. Juni in die Geschichte des Kultobjekts blicken. Unter den 40 ausgestellten Tüten findet such Günter Fruhtrunks ikonische ALDI-Tüte im Original und die älteste 1961 für das Kaufhaus Horten produzierte Tragetasche. Kulturforum, Matthäikirchplatz, Tiergarten, 9-20 Uhr, Eintritt frei
Fußballfilm-Tipp – (von Ticket-Kollege Jörg Wunder) Vor genau 70 Jahren wurde ein Fußballmythos geboren: Am 4. Juni 1950 gewann die ungarische Nationalmannschaft in Warschau gegen Polen mit 5:2. In den folgenden Jahren überrollte die „Goldene Elf“ um den genialen Spielmacher Ferenc Puskás ihre Gegner mit schwindelerregendem Angriffsfußball, gewann 1952 Gold bei den Olympischen Spielen und fegte sogar die bis dahin ungeschlagenen Engländer mit 6:3 aus dem Wembley-Stadion. Der Lauf der Zauberfüßler endete zum ungünstigsten Zeitpunkt: Im Finale der WM 1954 unterlag Ungarn der deutschen Mannschaft unglücklich mit 2:3. Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“ aus dem Jahr 2003 schildert das Sportdrama ziemlich parteiisch aus deutscher Perspektive. Doch selbst in diesem Pathosgemälde blitzt die Magie jener Elf auf, die viele für die beste Fußballmannschaft aller Zeiten halten.
Last-Minute-Lesung – „Nelly B’s Herz“ ist krank. Deswegen muss sie auf ihre größte Leidenschaft, das Fliegen, verzichten. Der neue Roman des schwedischen Autors Aris Fioretos ist an die Biografie der ersten Pilotin Deutschlands, Mellie Beese, angelehnt. Sie verkörpert das neugewonnene Selbstbewusstsein der Frauen in der Weimarer Republik, welches Kulturwissenschaftlerin und Gendertheoretikerin Christina von Braun beschäftigt. In ihrem Buch „Stille Post“ thematisiert sie zum Beispiel die Vergangenheit ihrer Großmutter, die nach dem Verlust ihres Mannes durch den ersten Weltkrieg eine Zeitschrift gründete, um ihre Kinder zu ernähren. Um 18 Uhr sind beide Autor*innen im Livestream des Literaturhaus Berlin „Gegen die Norm: Frauen in der Weimarer Republik“ anzutreffen.
Noch mehr Literatur wird bereits am Vormittag in der Sendung „Leseart“ auf Deutschlandfunk Kultur gewürdigt, wenn die Gewinner*innen des Internationalen Literaturpreises für übersetze Gegenwartsliteratur bekanntgegeben werden (Beginn: 10.05 Uhr). Ein guter Tag also, um die Literaturwelt zu feiern!
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Masha Slawinski einen abwechslungsreichen Donnerstag.
Berlin heute
Verkehr – Brunsbütteler Damm (Spandau): In Höhe der Egelpfuhlstraße werden Fahrbahnschäden beseitigt. Zwischen 7 und 16 Uhr steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Magistratsweg (Spandau): In Höhe des Brunsbüttler Damms ist ebenfalls ein Fahrstreifen aufgrund von Fahrbahnausbesserungsarbeiten zwischen 7 und 16 Uhr gesperrt.
S-Bahn: Zwischen 22 und 1:30 Uhr gibt es auf den Linien S3, S5, S7, S75 und S9 zwischen Zoologischer Garten und Lichtenberg, Rummelsburg bzw. Treptower Park Ersatzverkehr mit Bussen.
Demonstration – „Nein zur Pauschalkriminalisierung der Polizei“ sagen 50 Demonstrierende an der Niederkirchner Straße in Mitte (10 bis 14 Uhr). „Gegen das Vorgehen der VR China gegen Hongkong und die Demokratiebewegung. Insbesondere Protest gegen das Sicherheitsgesetz“, hat die Junge Liberale an der Jannowitzbrücke, gegenüber der Chinesischen Botschaft, mit 55 Teilnehmenden angemeldet (9:30-10:30Uhr). Am gleichen Ort findet nachmittags die Demonstration „Erinnerung und Protest wegen des Tian’anmen-Massakers am 4. Juni 1989 in China“ statt (20 Teilnehmende, angemeldet von Amnesty International, 10-14 Uhr). Am Pariser Platz vor der US-Botschaft findet die Kundgebung „Freiheit für Julian Assange“ mit 50 Teilnehmenden statt (17:30-19:30 Uhr, angemeldet von Free Assange Berlin).
Gericht – Der Prozess wegen Mordes an dem Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker gegen einen 57-Jährigen wird fortgesetzt. Er hatte den Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker während eines Vortrags in der Schlossparkklinik erstochen. Am dritten Verhandlungstag werden Zeugen befragt (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 501).
Heimuniversität – Bewusstes Networking, wirkungsvolle Selbstpräsentation und Kommunikation sind wichtige Tools, um im Berufsleben erfolgreich zu sein. Zusammengefasst unter dem Titel „Aquisengespräche“ spricht die Dozentin Tamara Trautner in ihrem Webinar von 10-18 Uhr darüber, wie man im beruflichen Umfeld sicher auftritt. Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an alle Studierenden der Universität der Künste Berlin und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Um teilzunehmen müssen sich Studierende vorher hier anmelden.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Yaak Karsunke (86), Schriftsteller, Lyriker und Schauspieler / Marie NDiaye (53), Schriftstellerin / Nele Jensch, "Tagesspiegel Leute"-Autorin für Friedrichshain-Kreuzberg / Sonsee Neu (47), Schauspielerin / Denis Kilic, „Von der Spree: merhaba Deniz Kilic, dogun günün kutlu olsun!“ / Kathrin Passig (50), Journalistin und Schriftstellerin
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Gestorben – Dr. med. Renate Jacobi, * 8. August 1940 / Markus Klaer, * 6. Juni 1968, ehemals für die CDU im Abgeordnetenhaus / Dr. Peter Neubart, verstorben am 12. Mai 2020 / Erika Odelga, * 10. November 1921 / Dr. Hans Wendt, * 14. Februar 1941
Stolperstein – Hannah Karminski (Jg. 1897) lebte in der Oranienburger Straße 22 in Mitte. Die ausgebildete Sozialarbeiterin leitete in Frankfurt den Jüdischen Mädchenclub. Später setzte sie sich als Mitglied des Jüdischen Frauenbunds für das Recht auf Selbstbestimmung und Berufstätigkeit jüdischer Frauen ein. Nachdem 1938 alle jüdischen Organisation verboten waren, schloss sich Hannah Karminski der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland an und half von Berlin aus beim Organisieren der Kinder- und Jugenstransporte, bei denen 10.000 Kinder gerettet wurden. Sie selbst brachte sich nicht in Sicherheit. Obwohl sie für die Transporte mehrfach ausreiste, kehrte sie immer wieder nach Deutschland zurück. Am 4. Juni 1943 – vor 77 Jahren – wurde sie in Auschwitz ermordet.
Encore
So, Tiere gehen ja immer zum Schluss – die Frage ist nur: wohin? Im Möwensee im Volkspark Rehberge gehen wilde Schildkröten erst mal ins Wasser des milden Weddings (entdeckt von Alexander Hüsing; Fotos hier). Und auch außerhalb von Tümpeln und Portemonnaies fühlen sich Kröten gerade ziemlich wohl. „Sicherlich haben die wandernden Amphibienpopulationen vom abnehmenden Straßenverkehr profitiert“, sagt Sascha Schleich vom Naturschutzbund Deutschland. Es kreucht und fleucht also, wenn es seucht. Und heute Abend wird’s draußen feucht.
Lassen Sie sich nicht nass machen. Und bleiben Sie beim Humor wenigstens halbtrocken. Morgen wäscht hier Lorenz Maroldt wieder Berlin den Pelz. Und ich? Grüße Sie!
