in einer Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung hieß es Anfang des Jahres: „Generell ist man sich heute in den Organen der EU, vor allem auch im Parlament, zweier zentraler Problematiken der bisherigen EU-Politik – des Mangels an Transparenz und Bürgernähe – stärker bewusst als früher.“ Wenige Monate, eine Wahl und eine konstituierende Sitzung des Europäischen Parlaments später sagt CSU-Chef Markus Söder: „Es ist bitter, dass die Demokratie verloren und das Hinterzimmer gewonnen hat“ – und spricht damit wohl (ausnahmsweise) sehr vielen aus dem Herzen.
Wie soll man das auch erklären? Da werben monatelang SpitzenkandidatInnen für ihre Vorstellung von Europa – und am Ende soll eine Frau die Spitze übernehmen, die im gesamten Wahlkampf nie aufgetaucht ist: Ursula von der Leyen. Die Regierungschefs der EU-Länder haben die Bundesverteidigungsministerin am gestrigen Abend (Enthaltung Merkel, sonst einstimmig) als Präsidentin der Europäischen Kommission nominiert. Das Parlament soll die Entscheidung Mitte Juli bestätigen. Ob das klappt, ist unklar. Grüne wie Sozialdemokraten sind wenig begeistert.
Auf Bundesebene scheint derweil Groko-Krach vorprogrammiert: Dass mit der bisherigen Verteidigungsministerin eine Politikerin zum Zuge komme, die „überhaupt nicht zur Wahl gestanden hat, kann nicht überzeugen“, teilten die kommissarischen SPD-Vorsitzenden mit. Bleibt zu klären, ob mehr oder weniger als die Groko selbst.
Heute jedenfalls wählt das Europäische Parlament zunächst einmal seinen Präsidenten bzw. seine Präsidentin. Alle aktuellen Entwicklungen verfolgen Sie in unserem Liveblog.
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Die EM-Stars kehren zurück ins Olympiastadion – zur Leichtathletik-DM 2019 in Berlin! Nach der fantastischen Heim-EM 2018 dürfen sich die Berliner Sport-Fans auch in diesem Jahr auf ein Event der Superlative freuen, bei der die Leichtathleten um die DM-Titel und die WM-Quali für Doha kämpfen. Seien Sie live dabei! Tickets unter der Ticketmaster-Hotline: 01806 – 999 0000. Zum DM-Trailer.
Jottwede (Janz weit draußen) – Draisinen-Touren in Fürstenberg/Templin und Zossen: Schonmal was vom Schienenfahrrad gehört? Auf umgebauten Draisinen (das sind diese Gefährte, die man eigentlich nur noch aus Filmen kennt) zockeln Sie per Tretkraft z.B. durch den Naturpark Uckermärkische Seen und genießen die Landschaft in selbstbestimmtem Tempo – ganz ohne Falschparker! Für mehr Action kann man die original handbetriebenen Hebelexemplare ausleihen, für etwas gemächlichere Ansprüche Modelle mit elektronischer Unterstützung. Ausleihstationen gibt's sowohl im Norden Berlins in Fürstenberg/Templin, als auch südlich in Zossen, Touren sind ab 18 Euro pro Person online buchbar.
In Berlin um die Welt – Kanada: Indigene Kultur aus Kanada – dafür geht’s ins Berghain. Berlins berühmtester Club gilt immerhin seit drei Jahren als Hochkultur und ein entsprechendes Angebot gibt es heute Abend. Tanya Tagaq, Inuk-Gutturalsängerin, Avantgarde-Komponistin und Autorin, liest aus ihrem Debütroman „Split Tooth“, der in einer arktischen Siedlung spielt, und steigert sich zu einer fulminanten Live-Performance mit traditionellem Kehlgesang (in Kombination mit Industrial, Techno und Metal). Tickets kosten im VVK 20 Euro, los geht’s um19 Uhr. Einwohner Kanadas in Berlin: 3832 (Stand Ende Dezember 2018).
Sommerspaß – Fotoausstellung „Ruhrkohle“: Im Dezember 2018 schloss die Zeche Prosper Haniel in Bottrop – das letzte von mehr als 100 Steinkohlebergwerken im Ruhrgebiet. Ende eine Ära, die Zeit des Schwarzen Goldes, das dem Westen seinen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte und bis heute das Identitätsgefühl im Revier prägt, war damit passé. Heute sind Bilder des Bergbaus bei der Kuratorenführung „Ruhrkohle – Vom Schacht in den heimischen Ofen“ zu sehen, die zugleich ein Appetizer auf die Retrospektive des Fotografen Ludwig Windstosser sind (ab Oktober zu sehen). 18-19.30 Uhr im Museum für Fotografie in der Jebensstraße 2, die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.
Sommersport – Headis: Weil der Fußballplatz belegt und nur die Tischtennisplatte frei war, begann der Saarbrücker Sportstudent René Wegner im Jahr 2006 in einem Freibad den Ball nur mit dem Kopf über das Netz zu spielen – die Geburtsstunde von Kopfballtischtennis. Heute wird ein 100 Gramm schwerer Gummiball (der Headis Match Ball) genutzt, beim Ballwechsel darf die Platte mit jedem Körperteil berührt werden und gewonnen hat, wer zuerst 11 Punkte erreicht. Der Hochschulsport der TU bietet Headis an. Freitags von 19.30 bis 21 Uhr, TU Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135.
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28. adidas Runners City Night am 3. August 2019
Auf der superschnellen Strecke über den Kudamm fallen die Bestzeiten über 10 und 5 km. Die City West wird zur rauschenden Party Zone. Hot Spots, Sambabands, internationale Läufer und das hippe Bühnenprogramm auf dem Breitscheidplatz sorgen für die Lauf-Party des Jahres. Lass dir das nicht entgehen und melde dich an unter www.berlin-citynight.de
Berlin, aber Sommerloch: Die KollegInnen vom RBB haben im Rathaus Schönefeld einen ungewöhnlichen Fund gemacht: ein großes Gemälde, darauf das BER-Hauptterminal, 25 zuversichtlich dreinblickende Menschen und zwei Flugzeuge – am Himmel. Zukunftsvision? Illusion? Träumerei? Die Recherche hat ergeben: Das Bild wurde 2008 gemalt und hängt seitdem im großen Brandenburg-Saal, wo bis heute die Sitzungen der Gemeindevertretungen stattfinden. Es zeigt „die erste Schönefelder Gemeindevertretung, die für die 2003 neu gegründete Gemeinde zwischen 2001 und 2008 zahlreiche Beschlüsse fasste und für die Zukunft der Flughafengemeinde die entscheidenden Weichen stellte“, informiert ein Täfelchen links daneben. Das Gemälde war ein Abschiedsgeschenk für die scheidenden Schönefelder Ortsteilbürgermeister Joachim Wolff und Landrat Martin Wille. Zur langen Bauzeit befragt, sagen die Künstler Michael, Eugen und Semjon Posin heute: „Wenn man früher Kirchen baute, hat das manchmal 200 Jahre gedauert, wie bei Notre Dame. Solange wird der Flughafen hoffentlich nicht brauchen.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Good News first: Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist wieder frei. Via Twitter verkündet ihre Organisation Sea-Watch: „Wir sind erleichtert (…). Es gab keinen Grund, sie festnehmen zu lassen, da sie sich lediglich für Menschenrechte im Mittelmeerraum eingesetzt und Verantwortung übernommen hat, wo keine europäische Regierung es tat.“
Erste Teamkandidatur für den SPD-Parteivorsitz: Christina Kampmann (MdL NRW) und Michael Roth (MdB aus Hessen) wollen sich bewerben. Ihr Slogan: „Mit Herz und Haltung. Gemeinsam den Aufbruch wagen.“ Die SPD sei es wert.
Neues aus dem Senat: Das „Solidarische Grundeinkommen“ kommt. Der Streit über den Stadtentwicklungsplan Wohnen ist offiziell beigelegt. Das grundsätzliche Anliegen von „Volksentscheid für Gesunde Krankenhäuser“ findet man gut, hält das Volksbegehren aber für rechtlich unzulässig.
Kultur, aber nicht divers I: Die Schauspielerin Maya Alban-Zapata soll im Theater an der Parkaue vor gut einem Jahr übel beleidigt und diskriminiert worden sein – und die Produktion daraufhin verlassen haben. Die Aufarbeitung läuft nach Recherchen der Taz schleppend.
Kultur, aber nicht divers II: In einem offenen Brief an Kultursenator Klaus Lederer (Linke) kritisiert der Berliner Migrationsrat die Neuausschreibung der Werkstatt der Kulturen – einem, wie es heißt, einzigartigen Projekt, bei dem „marginalisierte und rassistisch markierte Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft einen Raum für Empowerment geboten bekommen“. Zwar wurde die Ausschreibung bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Unklar allerdings bleiben die Gründe und wie es in Zukunft weitergehen soll. „Wir sind enttäuscht darüber, dass Sie (…) kein Interesse daran haben, die bisherige transkulturelle und dekoloniale Arbeit der Werkstatt der Kulturen zu würdigen (…). Mit dieser Art von ‚Kulturpolitik‘ machen Sie sich mitverantwortlich für die Marginalisierung und Unsichtbarmachung der migrantischen und postmigrantischen Stadtgeschichte“, heißt es in dem Brief. Gefordert werden: Transparenz, die Einbeziehung der bisherigen AkteurInnen und die Neuaufstellung des Trägervereins in anderer Rechtsform mit klarer Perspektive für eine institutionelle Förderung, statt einer befristeten Projektförderung.
„Mir ist auch nicht bekannt, was da wann, wie, durch wen verhandelt wurde“, sagt Philippa Ebéné auf Nachfrage. Seit 2008 leitet sie die landeseigene Kulturstätte, ihr Arbeitgeber, der Verein „Brauerei Wissmannstraße“ wurde eigens zum Zweck der Trägerschaft gegründet. Im Mai dieses Jahres sei sie über die anstehende Ausschreibung informiert worden, ein Angebot habe es nicht gegeben. Ein Angebot „bei dem die finanziellen Mittel stimmen, würde vermutlich niemand ausschlagen“, sagt sie, auch sie nicht. Und ergänzt: „Berlin ist eine Stadt, die sich drei Opernhäuser leistet. Just, wenn es um Kulturproduktionen zur Repräsentanz von migrantischen und diasporischen Perspektiven bzw. Diversity in der Kulturlandschaft geht, stehen keine Programmmittel zur Verfügung.“
Die Senatsverwaltung für Kultur (die wir ehrlicherweise erst am späten Nachmittag kontaktiert haben) verweist spontan auf den Koalitionsvertrag und betont, dass sich „selbstverständlich auch gegenwärtige Akteure bewerben können“. Man sei nicht „für oder gegen jemanden“, der Prozess offen und dass man nach der Vergabe „eine Planungssicherheit finden muss“, liege auf der Hand.
Die Humboldt-Universität wird künftig das Palais am Festungsgraben nutzen. Wechselnde Themen sollen eine Rolle spielen – von Flucht und Vertreibung bis hin zu Klimawandel.
Rechtsextremer zieht zurück: Der Verdächtige Stephan E. widerruft sein Geständnis im Mordfall Lübcke. Aus Ermittlungskreisen heißt es, das Ganze sei „taktischer Natur“ (Q: SWR).
Kein Bier für Nazis: Vor einem geplanten Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar hat die Polizei eine Tankstelle in der Nähe des Festivalgeländes angemietet. Dazu Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD): „Die Tankstelle ist das Hauptquartier der Polizei und zur Getränkeversorgung von Neonazis nicht zugänglich.“
Deutschland, deine Brandstifter: Das Feuer bei Lübtheen ist mit großer Wahrscheinlichkeit gelegt worden. Von insgesamt 277 Waldbränden in Brandenburg wurden in diesem Jahr 49 absichtlich gezündet.
Berlin rüstet ab: Wegen anstehender Bauarbeiten im Zoo Berlin sind die Panzernashörner Jhansi und Narayani am Montagnachmittag nach Mierlo in die Niederlande gezogen.
Zwei Wochen nach dem Start der Elektroroller zieht die Polizei eine erste Bilanz: Acht Strafftaten (5 x Alkoholeinfluss und 3 x nicht versichert) sowie fünf Verkehrsunfälle wurden registriert. Helme sind nicht vorgeschrieben, die Polizei rät aber dringend dazu.
Neues aus der Digitalhauptstadt Berlin: Paul Fresdorf (FDP) wollte vom Senat wissen, welche Maßnahmen getroffen werden, um an allgemeinbildenden Schulen eine curriculare Einbindung von „Kompetenzen für die digitale Welt“ sicherzustellen. Beschlossen wurde jene bei der Kultusministerkonferenz 2016. Zum Beschluss soll ein Link in der Anfrage führen. „Die gewünschte Seite wurde nicht gefunden.“ Symptomatisch.
Weiter geht’s mit Informatikunterricht. Von den in Berlin gehaltenen Unterrichtstunden waren 2018 an Gymnasien 98,3 % „fachgerecht“, an Förderschulen 45,5 %. Der Checkpoint rät ins Blaue: „nicht fachgerecht“ bedeutet HTML-Befehle werden mit dem Overhead-Projektor an die Wand geworfen?
Die Fangfrage des Tages kommt von MdA Torsten Hofer (SPD), der sich für die Verkehrssituation in der Buchhorster Straße in Wilhelmsruh interessiert – „eine verkehrsberuhigte Nebenstraße (Tempo 30), die besonders in den Morgenstunden und am Nachmittag sowohl von Lkw als auch von Pkw als Durchfahrtsstraße zur Kastanienallee benutzt wird“. Seine Frage: „Inwieweit ist die Fahrbahn, die nur 4,30 Meter breit ist und bei der links und rechts unbefestigte Gehwege existieren, die zum Teil mit Bäumen bepflanzt sind, geeignet, um von zwei Lkw, die sich entgegenkommen, sicher passiert zu werden, ohne dass einer der beiden Lkw zwangsweise auf dem Gehweg ausweicht?“ Rhetorischen Fragen bedürfen eigentlich keiner Antwort, das Bezirksamt Pankow probiert’s trotzdem: „Das BA Pk verweist auf § 1 StVO, welche die Grundregel für alle am Verkehr Teilnehmenden beinhaltet. Dementsprechend hat sich jeder einzelne Verkehrsteilnehmende so zu verhalten, dass kein anderer am Verkehr Teilnehmender geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“
Aus der Reihe „Aktionskunst der Berliner Straßenverwaltung“, heute das Prachtstück „Barrieren in Augmentation“ auf der Mühlendammbrücke in Mitte (Foto hier).
Für das frei gewordene Amt der Berliner Finanz-Staatssekretärin sind zwei Frauen im Gespräch. Als Favoritin gilt Anja Naujokat, SPD-Pankow und Referatsleiterin für das öffentliche Beteiligungsmanagement, einschließlich der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg. Es wird zudem die Ex-Bezirksstadträtin in Mitte, Dagmar Hänisch, genannt. Der frühere SPD-Landeschef Jan Stöß wird es also nicht.
Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg sucht seit dem 14.6. „Sachbearbeiter (m/w/d) Kanäle - Social Media“ und schaltet die Anzeige als Ad auf Twitter – scheint, als würde sich niemand zutrauen, glaubwürdig PR für unsere Flughäfen zu machen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Drogenpolitik ist CSU-Politik.“
20 namenhafte Suchtforscher fordern, dass ein Experte zum Bundesdrogenbeauftragten ernannt wird – und nicht wie bislang ein Politiker. Berlins Drug-Checking halten sie für eine gute Idee.
Tweet des Tages
Vorm Eisladen in Neukölln (Kugel 1,60) unterhalten sich Kinder mit Eltern über ihre Wochenendhäuser und die Wasserqualität der angrenzenden Badeseen und ich frage mich, wie lange ich hier noch so tun kann, als würde ich dazu gehören.
Tweet des Tages
Vorm Eisladen in Neukölln (Kugel 1,60) verkauft eine obdachlose Frau die Strassenzeitung Karuna Kompass (1,50). Niemand will eine. 'Ihr seid doch alle bescheuert', ruft die Frau. Niemand widerspricht.
Stadtleben
Essen – Rindfleisch gepökelt in einer Knoblauch-Koriander-Pfeffer-Marinade, mit Zwiebelchutney und einer Portion Sauerkraut, serviert in getoastetem Ciabatta: Das ist das Markenzeichen-Sandwich von „Kater & Goldfisch“ in Wedding. Sie bezeichnen sich selbst als „Deli“, kleine Delikatessenshops mit Imbiss, wie es sie in New York gibt. Auch für Pastrami-Sandwiches ist die US-Metropole bekannt. Und der Wedding jetzt eben auch. Elegant essen kann man das Ding allerdings nicht, also einfach genießen und kleckern. Exerzierstraße 1, U-Bhf Osloer Straße, Mo-So 10-0 Uhr
Trinken – Nur langsamer Kaffee ist guter Kaffee - so lautet zumindest die Philosophie im Café Pakolat, einem Laden mit viel Holz, mehr alten Schildern und noch mehr Kaffee-Auswahl in Prenzlauer Berg. Hier steht eine monströs große Maschine, die frisch vor Ort die Bohnen röstet. Daneben stapeln sich Säcke mit Kaffeebohnen und der Gast guckt dem ganzen Prozess zu, wenn er mag. Besonders langsam und in kleinen Mengen röste man hier, sagen die Betreiber - da komme das Aroma so gut heraus. Muss stimmen, denn der Kaffee schmeckt unbestreitbar gut. Wer nicht beim Rösten zugucken mag, kann durch ein Fenster in die Backstube schauen. Zeit sollte man haben, wenn man hier hinkommt, und eine Reservierung. Was übrigens neben dem Kaffee besonders in Erinnerung bleibt: Die riesige, metallene, uralte Registrierkasse mit den vielen Knöpfen und dem großen Hebel an der Seite. Raumerstraße 40, U-Bhf Eberswalder Straße, Mo-So 10-18 Uhr
Berlinbesuch – Romantisch rudern, oder platonisch paddeln. Jetzt wo sich der Sommer wieder beruhigt hat, muss man dem Wasser nicht fernbleiben, nur weil es zu kalt zum Baden ist. Am Plötzensee in Wedding, weit weg vom Strandbad-Trubel, gibt es einen kleinen Bootsverleih mit Ruder- und Tret-Optionen. Kann schon mal passieren, dass alle ausgeliehen sind und man etwas warten muss, dabei hilft aber ein Kaltgetränk, denn ein Café gibt's auch. Ist das Boot dann da: Besuch, Snacks und Getränke drauf packen und die Zeit am Wasser genießen. Die Adresse ist Nordufer 23 (etwas versteckt hinterm Grün, aber das Suchen lohnt sich!) Mo-Fr 13-21 Uhr, Sa-So 10-21 Uhr, Bootsverleih bis 19 Uhr, Tramstation Virchow-Klinikum
Geschenk – Auf dem einen ist eine weibliche Brust, auf dem anderen Punkte. Auf dem dritten zeigen Finger das Peace-Zeichen. Die einen sind bunt, die anderen schlicht. Da steht etwa nur „KPM Berlin lab“ auf weißem Untergrund. Für Pflanzenliebhaber und Freunde des schicken Dekors finden sich bei „The Botanical Room“ in Kreuzberg viele unterschiedliche Übertöpfe (zwischen 15 und 82 Euro). Wer nicht mit Topf, sondern Kanne überzeugen will, findet auch was. Persönliches Highlight: Ein Wasserzerstäuber aus Kupfer (23,50 Euro). Di/ Do-Sa 13-19 Uhr, Manteuffelstraße 73, U-Bhf Görlitzer Bahnhof
Last-Minute-Tickets – Ein grummeliger Kellner, ein wankender Start-Up-Angestellter, ein gescheiterter Künstler, eine Frau im Brautkleid, die „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen singt. Sie treffen sich in einer Strandbar unweit des Kanzleramtes. Was sie verbindet: Irgendwie ist Berlin nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben. Ein Abend, wie es ihn in dieser Stadt – wenn auch vielleicht nicht in genau dieser Konstellation – sicher immer mal wieder gibt. „Spreeperlen. Eine Berlin Revue“ heißt das Stück der Charlottenburger Vaganten Bühne, das sich mit Enttäuschung, Lebenszwängen und Normen befasst, und damit, wie man sich vielleicht davon befreien kann. Los geht’s heute um 20 Uhr, Tickets kosten 25/ 16 Euro, Kantstraße 12a, S/ U-Bhf Zoologischer Garten
Noch Hingehen – Menschen lieben Listen und Rankings. Isso. Buzzfeed hat ein ganzes Geschäftsmodell daraus gemacht. „18 Beweise, dass Finnland im Jahr 3019 lebt“, „37 Dinge, die Menschen gerne im Sexualkundeunterricht gelernt hätten“, um zwei aktuelle Auszüge zu nennen. Aber was Buzzfeed kann, kann auch das Kulturforum! Hier werden nämlich noch bis Sonntag die 100 besten Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Eine Jury hat aus 2.353 Einreichungen die besten Grafikdesign-Plakate gewählt. Eine schöne Abwechslung zu den Aufzählungen, die das Internet sonst so ausspuckt. Der Eintritt ist frei. Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr, Matthäikirchplatz, S/ U-Bhf Potsdamer Platz
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Melanie Berger einen wunderbaren Mittwoch!
Prominent verraten
Genreübergreifend beschäftigt sich der Berliner der Woche mit Dokumentationen und Spielfilmen - wobei Science Fiction weniger dazu gehört. Seinen Durchbruch feierte er vor fast 20 Jahren mit einem Roadmovie, in der Hauptrolle Sabine Timoteo.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt?
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Berlin heute
Verkehr – Auf der Marthin-Luther-Straße (Schöneberg) ist zwischen Barbarossastraße und Freisinger Straße bis Mitte Juli in beiden Richtungen jeweils nur eine Spur frei. Wegen eines Konzerts von Neil Young und Promise of the Real um 20 Uhr in der Waldbühne (Westend) wird ab ca. 17.30 Uhr ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Bereich der Heerstraße erwartet.
Demonstration – Ungefähr 150 Menschen nehmen an der von der Kindertagespflege Kükennest organisierten Demo unter dem Motto „Kindertagespflege vor dem Aus?“ von 9.30 bis 12.30 Uhr am Schlossplatz Köpenick teil. Um die Tarifauseinandersetzung im Bankgewerbe geht es ver.di und ca. 40 Teilnehmenden von 9.30 bis 11 Uhr an der Budapester Straße. Von 15 bis 17.30 Uhr gibt es eine Mahnwache für Carola Rackete vor der italienischen Botschaft in der Hiroshimastraße, mit etwa 20 Teilnehmern. Gegen den Mietenwahnsinn in Berlin demonstrieren ca. 100 Menschen in der Charlottenstraße zwischen 17 und 18 Uhr. „Free Julian Assange“ fordern ungefähr 30 Menschen von 18 bis 20 Uhr auf dem Pariser Platz. Etwa 20 Teilnehmer hat die „Videoaktion zur Aufklärung über die Tierindustrie“ von Anonymous for the Voiceless am Ausgang des Bahnhofs Friedrichstraße/ Georgenstraße von 18 bis 20 Uhr.
Zu Gast ist heute Michael D. Higgins, Präsident der Republik Irland.
Gericht – Weil er mit Komplizen eine Cannabisplantage in einer Kreuzberger Wohnung betrieben haben soll, muss sich ein 34-Jähriger verantworten. Als sie 49 Pflanzen auf einen Pritschenwagen verladen wollten, hätten aufmerksame Nachbarn die Polizei alarmiert (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537)
Universität – Was wollen Daten? Das versucht der Medienwissenschaftler Lev Manovich im gleichnamigen Vortrag „What Does Data Want?“ an der TU zu erklären. Es steht uns so viel Information zur Verfügung, wie nie zuvor. Wie gehen wir damit um und wie durchdringen wir diese Informationsmasse? Manovich lehrt an der City University in New York und beschäftigt sich mit Digitalisierung, Neuen Medien und deren Auswirkung auf Kultur und Gesellschaft. Der Eintritt ist frei, es geht um 19 Uhr los., Hauptgebäude der TU Berlin, Sitzungssaal H 3005, Straße des 17. Juni 135, U-Bhf Ernst-Reuter-Platz
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Thomas Beutelschmidt (66), Kulturschaffender, „Herzliche Grüße von der anderen Schnaps-Zahl!“ / Doris Bildstein (68), „von Deiner Tennismannschaft herzlichen Glückwunsch“ / Gedeon Burkhard (50), Schauspieler / Thomas Flierl (62), ehem. Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur, ehem. für die Linke im AGH / Oliver Friederici (49), für die CDU im AGH / Jana Hensel (43), Journalistin / Gideon Joffe (47), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin / Natascha Keller (42), Spielerin beim Berliner Hockey-Club / Joochen Laabs (82), Schriftsteller / Derrick Luckassen (24), Spieler bei Hertha BSC / Peter Mussbach (70), Regisseur / Peter Ruzicka (71), Komponist und Dirigent / Nachträglich: Max Burda (30), „Schiedsrichter beim Fußball“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Wolfgang Bunge, * 1. Oktober 1944 / Ursula Büschlen, * 14. Januar 1937 / Ursula Schneider, * 5. November 1931
Stolperstein – Fritz Jacob Heine (Jhg 1884) war Arzt. 1938 entzogen ihm die Nazis die Approbation. Mit seiner Frau lebte er in der Eichenallee 3 in Westend, bevor sie beide 1941 ins Ghetto Lodz deportiert wurden. Fritz Jacob Heine musste dort als Lagerarzt arbeiten und wurde heute vor 75 Jahren ermordet.
Im Tagesspiegel
Gesetz oder Moral? Als Kapitän, sagt ihr Ausbilder, müsse man manchmal wählen. Carola Rackete hat ihre Entscheidung getroffen - mit allen Konsequenzen. Lesen Sie das Portrait von Andrea Dernbach, Torsten Hampel, Sebastian Leber, Kai Müller und Lars Spannager heute auf Seite 2 und 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Checkpoint-Leserin Christine Deutinger hatte neulich ihre Enkelin aus Bayern zu Besuch. Was die so gemacht hat? Müll gesammelt (Foto hier), in Kreuzberg die Heimstraße, Jüteburgerstraße und Golßener Straße aufgeräumt, weil sie es zu dreckig fand. Danach hat sie einen Brief an alle Berliner verfasst, den wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen: „Hallo ich heiße Lea, bin 9 Jahre alt und will dafür sorgen, dass hier in Berlin kein MÜLL mehr rum liegt. Deswegen bitte ich euch mitzuhelfen und euren MÜLL nicht auf die Straßen, Parks und Baumscheiben zu werfen, besonders keine Zigarettenkippen, da diese giftig sind und unsere Umwelt vergiften.“
In diesem Sinne – packen Sie mit an! Morgen übernimmt Björn Seeling an dieser Stelle und bringt Ordnung in Berlins neueste Irrungen und Wirrungen. Wir lesen uns am Samstag wieder.