Der BER ist noch nicht gebaut, da kommt schon der erste Rieseninvestor. Tesla will seine europäische Gigafabrik für Elektroautos und Batterien in der Hauptstadtregion ansiedeln. In Berlin soll ein Design- und Entwicklungszentrum entstehen, in Brandenburg (laut Tagesspiegel-Information in Grünheide) das entsprechende Werk. Das hat Konzernchef Elon Musk am Dienstagabend bei der der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ im Axel-Springer-Haus verkündet. Es geht um nicht weniger als eine Milliardeninvestition, rund 7000 Jobs und 150.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr. Die Dimension: „Großfabrik 3 in Shanghai“. Gebaut wurde die übrigens in weniger als einem Jahr.
Die Berlin-Brandenburg-Baustellen mehren sich noch früh genug. Jetzt sind erstmal alle stolz & glücklich. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagt: „Die Gigafabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub geben und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben.“ Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte dem Checkpoint: „Das ist sensationell und wird der E-Mobilität und der Entwicklung des autonomen Fahrens in Berlin einen riesigen Schub geben.“ Für Tesla sei die Hauptstadt der beste Platz, um das „Brain“ anzusiedeln. Mögliche Grundstücke soll Berlin Partner schon gesucht und erste Gespräche geführt haben.
Bereits im Sommer 2018 hatte Ramona Pop beim Tesla-Chef für Berlin geworben (nachdem er via Twitter eine deutsche Fabrik in Aussicht gestellt hatte). In dem Brief vom 16. August schreibt die Wirtschaftssenatorin: „Tesla ist uns als Pionier der Mobilitätswende bekannt. Die Stadt Berlin teilt Ihre Vision einer klimagerechteren Mobilität. Persönlich bewundere ich Ihre Tatkraft und das hervorragende Engagement (…). Gerne möchten wir Ihnen anbieten, Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei allen kommenden Aktivitäten zu unterstützen.“ Geeignet seien laut Pop mehrere Standorte, „etwa im neuen Cleantech-Business-Park in Marzahn oder in Buch mit mehreren Quadratkilometern bestens erschlossener Gewerbeflache. Perspektivisch werden auch mit der Urban Tech Republik in Tegel weitere Flächen zur Verfügung stehen.“
Dass Tesla nun lieber in die Nähe des BER zieht, ist insbesondere für den Cleantech-Business-Park in Marzahn bitter. Denn Tesla hätte perfekt zum Profil des Industriegebietes gepasst. Der Park im Osten Berlins bietet ausschließlich grünen Industrieunternehmen Flächen an. Hier sollen Produkte entstehen, die für einen nachhaltigen Energie- und Rohstoffverbrauch oder für eine umweltschonende Mobilität gebraucht werden. Doch das Areal steht seit Jahren fast vollständig leer. In dem 2015 eröffneten Park siedelte sich bisher erst eine Firma an. Von 90 Hektarn sind momentan gerade einmal zwei belegt.
Glaubt man der Statistik, werden im Jahr 2030 340.000 Menschen mehr in Berlin wohnen als im Jahr 2015. Macht bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,8 Personen einen Bedarf von knapp 19.000 Wohnungen mehr pro Jahr. Wer Interesse hat mitzumischen: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sucht ab Februar 2020 einen Tarifbeschäftigten im Referat II C: Bauplanungsrecht, verbindliche Bauleitplanung, planungsrechtliche Einzelangelegenheiten. Zu den Aufgaben gehört neben der „Unterstützung bei Bebauungsplänen“ u.a. die „Mitwirkung bei Eingriffen zur Wahrung des dringenden Gesamtinteresses Berlins insbesondere bei Bebauungsplänen für die wachsende Stadt Berlin“. Und vielleicht wäre an dieser Stelle eine Grundsatzdebatte über das „dringendste Gesamtinteresse Berlins“ angebracht.
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Die „Berliner Meisterköche“ des Jahres 2019 stehen fest.
Die unabhängige Meisterköche-Jury hat die Preisträger in sechs Kategorien gewählt. Die Auszeichnung wird zum 23. Mal von Berlin Partner vergeben. Der Tagesspiegel stellt Ihnen die sechs Gewinner vor – heute Sophia Rudolph. Seien Sie dabei auf der Aftershowparty am 23.11.!
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Instagram: @berlinermeisterkoeche
Senat sucht… demnächst auch eine ganze Menge Personal für die Umsetzung des Mietendeckels. 48 befristete Stellen muss die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Bezirksämter ausschreiben und pünktlich besetzen (Kontrolle Einhaltung Mietenstopp). Weitere 140 Stellen entstehen im Herbst nächsten Jahres in der Senatsverwaltung selbst (Anträge zur „Mietenkappung“). Fünf Stellen gibt es für die „ministerielle Umsetzung“. Und für die IT setzt man auf sparsame Lösungen. Ein bereits genutztes EDV-Fachverfahren soll „kurzfristig modifiziert“ werden.
Bereits vor seiner Umsetzung zeigt der Mietendeckel eine erste Nebenwirkung. Zwei Genossenschaften haben ihre Teilnahme am Konzeptverfahren zum Bau von Wohnungen auf den Buckower Feldern abgesagt. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ begründet den Ausstieg wie folgt: „Nach unseren Berechnungen werden beiden Genossenschaften zusammen allein in den nächsten fünf Jahren rund 9 Millionen Euro Mieteinnahmen und damit Eigenmittel fehlen.“ „Was sind das für Zusammenhänge?!“, fragt Katalin Gennburg (MdA Linke) via Twitter. Grundlagen der Marktwirtschaft.
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Gesellschaftswandel hautnah
Wie und warum verwandelt sich eine Musterstadt in einen Ort der Gewalt? In Mariano Pensottis Gesamtkunstwerk „Diamante“ bewegen sich die Besucher*innen frei durch eine ins Festspielhaus gebaute Stadt, verknüpfen die parallel ablaufenden Szenen zu ihrem eigenen Stück und erleben in einer Parabel die Entwicklung der argentinischen Gesellschaft.
Infos und Tickets
Blick hinter die Politkulissen I: In der SPD-Fraktionssitzung ging's am Dienstag u.a. um die Vorbereitung der Klausurtagung im Januar. „Wissenschaft“ brachte die Abgeordnete Ines Czyborra als mögliches Thema ein und fand dabei lobende Worte für Müller. Czyborra: „Ich weiß nicht, ob Du jemals so gelobt worden bist.“ Darauf Zwischenruf Müller: „Nur von Dir!“ Gelächter und Heiterkeit. Die SPD kann auch Humor.
Blick hinter die Politkulissen II: Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat sich in der Senatssitzung für seinen peinlichen Auftritt in der Justizministerkonferenz am vergangenen Wochenende (mit dem Rechtsstaat sei es ja wohl auch „in Hessen nicht weit her“) entschuldigt. Anders als bisher durchgeklungen, habe er noch während der Konferenz mit seiner Amtskollegin gesprochen. Besser ist’s. Immerhin kam am Montag im Berliner Innenausschuss genau das zutage, was Behrendt an Hessen kritisiert hatte: staatliches Ermittlungsversagen bei Rechtsextremisten.
„Wie konnte ich so wenig davon wissen?“, fragt Kollege Julius Betschka. Aufgewachsen in Magdeburg hat er die „Baseballschlägerjahre“ nicht wahrgenommen und den Rechtsextremismus lange unterschätzt: „Einzelfälle, verirrte Seelen, dumme Jungs.“ Heute schreibt er, könnte aus den Erfahrungen dieser Zeit und den Lehren, die daraus gezogen werden, „eine eigene ostdeutsche Erzählung werden“ (zum Essay).
Berlin zeigt Haltung: In einem Schreiben an den Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung beklagt Frau Z. eine „permanente massive Ruhestörung“ neuer Nachbarn und fragt, warum „Flüchtlinge / Araber alles tun und machen“ dürfen und ob Berlin „nichts aus dem Anschlag am Breitscheidplatz gelernt“ habe. Sie fordert: „Bitte nehmen Sie keine weiteren Flüchtlinge / Araber mehr auf“ und der Ausschussvorsitzende Peter Trapp (CDU) antwortet: „Mit Ihrem Schreiben hat sich der Innenausschuss nicht befasst.“ Der Grund: Es enthalte „zum Teil beleidigende Äußerungen“. Und weiter: „Sie nehmen einen Vorfall zum Anlass, um pauschal eine Gruppe vom Menschen – Flüchtlinge – zu diskreditieren und stellen pauschale, despektierliche Behauptungen auf, die unzutreffend sind. Überdies vermischen Sie den von Ihnen geschilderten Vorfall mit einem der schlimmsten Terroranschläge in Deutschland (…).“ Parlamentarier (auch die, an die sich Frau Z. da richtet) seien allesamt „der freiheitlich demokratischen Grundordnung unserer Verfassung verpflichtet“. Dazu gehöre, „dass jede/r von uns den anderen Menschen achtet“.
Berlin ist Schnauze. Zum heutigen Weltnettigkeitstag haben wir trotzdem nach den guten Geschichten gesucht – und sie gefunden. Berlin, aber freundlich. Fünf Anekdoten.
Der Spätimann: „Ein älterer Späti-Besitzer hat mich mal hinter der Theke sitzen und warten lassen, weil ich Zeit totschlagen musste. Haben uns sehr nett unterhalten.“ (Alexandra Stanić)
Die Herzensnachbarn: „Mein ca. 70-jähriger Nachbar, der mir von ihm angenommene Pakete in den 5. Stock brachte, nachdem ich gerade ein Baby hatte. Und die Nachbarin im selben Haus, die selbstgemachte Pralinen vorbeibrachte noch bevor wir uns kannten“ (Teresa Bücker)
Die Mitfahrfamilie: „Es regnet in Strömen, bis zum Bus/U-Bahn ist es weit und ich bin ohne Schirm. Da hält ein dickes Auto, drin sitzt eine Berlin-Türkei-Familie auf dem Weg zu einem großem Fest. Sie laden mich, triefendnass, ein, einzusteigen und fahren mich fast bis nach Hause.“ (Frau Kulli)
Die Sonderfahrt: „Wenn du als Letzte plötzlich die Erste bist: Die Waggontüren der S1 waren schon zugegangen - als der Fahrer mich Ranhetzende in die letzte noch offene reingewunken hat; nämlich in die vom Führerstand. Bis zur nächsten Station stand ich vorne - was ne Perspektive!“ (Anne Roggensack)
Die unheimlich Fröhlichen: „Es gibt eine Kassiererin bei Rewe in der Revaler Straße, die ist eine Berühmtheit im Kiez, weil sie so unfassbar fröhlich, freundlich und liebenswürdig ist. Ich bin übrigens auch nett, weil ich den Touris, obwohl sie mich nerven, immer Hilfe anbiete, wenn sie nicht wissen wohin.“ (Honeycakehorse)
Berliner Schnuppen
Telegramm
„Aufgrund technischer Mängel teurer als geplant“ – nein, die Rede ist nicht vom BER, sondern vom Humboldt Forum im Neuen Berliner Schloss. Laut „Berliner Zeitung“ steigen die Baukosten „voraussichtlich von offiziell 595 Millionen Euro um knapp 50 Millionen Euro auf nunmehr 644,2 Millionen Euro“. Probleme soll es unter anderem bei Heizung und Kühlanlagen geben.
„Berlins geplantes Museum der Moderne ist städtebaulich fatal, unökologisch – und wird niemals für nur 450 Millionen Euro gebaut werden können“, schreibt Nikolaus Bernau in der FAZ. „Vor allem aber müssen gigantische Mengen von Stahlbeton eingesetzt werden, also jenes Baustoffs, dessen Verwendung inzwischen weltweit mehr CO2-Belastung verursacht als die Volkswirtschaften Großbritanniens und der Niederlande zusammen.“ Berliner Museum mit schuld am Weltuntergang.
Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat die Berliner CDU am Dienstagabend auf ihrem kleinen Parteitag den Leitantrag „Berlin 2040 – auf dem Weg zur nachhaltigen Metropole“ (CP von gestern) beschlossen. Auf die Grünfrage stellte Landeschef Kai Wegner gleich bei der Eröffnungsrede prophylaktisch fest: „Nein, wir bleiben schwarz!“ Das Thema Nachhaltigkeit sei ur-konservativ. Schließlich gehe es darum, die Schöpfung zu bewahren. Demnächst dann: politische Nächstenliebe.
Der Nächste ist Michael Müller (SPD): Mit einem Antrag im Abgeordnetenhaus unterstützt die CDU am Donnerstag offiziell „die Bemühungen des Regierenden Bürgermeisters, die IAA in unsere Stadt zu holen“. Seitenhieb: Damit grenze er (der Regierende) „sich von der bisherigen Verkehrspolitik seiner Koalition ab“.
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Für den klaren Durchblick:
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Modernste Laserchirurgie: Das von Dr. Christoph Wiemer und Dr. Dr. Peter Kaulen gegründete Augenzentrum vereint alles für die Gesundheit Ihrer Augen: Moderne Untersuchungsmethoden, aktuelle Therapieverfahren und ambulante Operationen. Bestens umsorgt vom ersten Gespräch bis zur Nachuntersuchung.
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Der Senat will, dass künftig mehrere Unternehmen für Erwerb, Instandhaltung und Betrieb des Fuhrparks der S-Bahn verantwortlich sind. Das bestehende Monopol der S-Bahn-Berlin, einer Tochter der Deutschen Bahn, soll gebrochen, die Qualität verbessert und Geld gespart werden. Die Gewerkschaft warnt vor „deutlichen Verschlechterungen bis hin zum völligen Chaos“. Und wir rufen schonmal Bingo!
Gekonnt geparkt: Oder wie im Bergmannkiez ein Ex-Parkletplatz zum Auto-Streichelzoo umfunktioniert wird (Foto hier). Bingo extended!
Fast jeder zweite 18- bis 25-Jährige aus Berlin, Hamburg, München, Köln oder Frankfurt ist einer aktuellen Umfrage zufolge schonmal E-Scooter gefahren. (Q: „The Nunatak Group“) Nur 3,9 Prozent der 56- bis 65-Jährigen. Auf die Frage, wie die NutzerInnen rollerlos ans Ziel gekommen wären, wurden öffentliche Verkehrsmittel am häufigsten (64,5 Prozent) genannt.
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Eine Frauenfigur im Mittelpunkt, die aus Sehnsucht, Angst und Liebe ihrem Unglück, gar ihrem Tod entgegentritt:
TOSCA von Giacomo Puccini zum 400. Mal in der Inszenierung Boleslaw Barlogs mit u.a. Nina Stemme, Fabio Sartori und Ambrogio Maestri.
Am 16., 20. und 23. November 2019 in der Deutschen Oper Berlin.
Bild: Sasha Arutyunova
Schrecklicher Verdacht in Kladow: Ein Mann soll in seinem Wohnwagen vier Kinder 136 Mal sexuell missbraucht haben. Der 50-Jährige war Jugendwart im ortsansässigen Anglerverein. Aktuell sitzt er in Untersuchungshaft. Jetzt wurden weitere Details bekannt.
Im juristischen Streit um den Rauswurf des früheren Vize-Direktors der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Helmuth Frauendorfer will das Arbeitsgericht am heutigen Mittwoch eine Entscheidung verkünden. Verhandelt wurde die Klage gegen seine Kündigung, die 2018 nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung erfolgt war.
Man sieht sich immer zweimal im Leben: Klaus Kandt, Berlins ehemaliger Polizeipräsident, soll nach rbb-Informationen Staatssekretär im Brandenburger Innenministerium werden.
Berlin ausgezeichnet I: 10 der 32 beim Wettbewerb Kreativpiloten von der Bundesregierung ausgezeichneten Start-ups haben in diesem Jahr ihren Sitz in Berlin.
Berlin ausgezeichnet II: Die „Berliner Lesepaten“ haben den 1. Preis der Stiftung Lesen in der Kategorie „kommunales Engagement“ erhalten.
Berlin ausgezeichnet III: Die BVG und ihr BerlKönig belegen beim „German Federal Inclusion Awards“ den zweiten Platz in der Kategorie „Mobilität“.
Berlin zeichnet sich selbst aus: Udo Wolf (MdA Linke) hat Bausenatorin Katrin Lompscher (ebenfalls Linke) den Wanderpokal „Senatorin des Quartals“ verliehen. Viermal pro Jahr wird der von den Berliner Linken ausgerufene Preis an Berliner Linke verliehen.
Noch sechs Wochen bis Heiligabend und schon werden in Berlin und Brandenburg die Weihnachtsmänner knapp. „Single-Männer, die Lust auf den Job haben, sind wie die Nadel im Heuhaufen“, sagt Vermittler Ronny Schröter. Immerhin: Wie im Datingleben gibt’s auch dafür jetzt eine App.
Dazu ein schönes „Oh Tannenbaum!“ Am heutigen Mittwoch wird der Weihnachtsbaum an der Gedächtnis-Kirche aufgestellt. Der Markt eröffnet am 25. November.
Endlich fertig: Herthas neues Fußballstadion. Der 11-jährige Joe Bryant hat das Olympiastadion aus Lego gebaut. Seine „bisher größte Lego-Herausforderung“. Immerhin: Er hat sie gemeistert.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir bitten, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“
Aktueller Aushang im FitX am Alexanderplatz. Die Rolltreppe zum Fitnessstudio ist kaputt.
Tweet des Tages
Heute mal Ringbahn statt @BVG_Ubahn am Morgen. Statt aufs Smartphone starrender Gesichter liest hier ein Mann seiner Frau aus einem Buch vor. Trotzt voller Netzabdeckung. Wie romantisch. #ditisberlin
Stadtleben
Essen – Abseits des Champs-Élysées ist die Suche nach zart zergehenden, fluffigen Macarons gar nicht so einfach. Stéphane bringt jedoch ein Stück Paris an den Boxhagener Platz: Das winzige Café mit noch kleinerer Küche besticht mit Rose-Litschi-, Schokolade-Lavendel- oder Blaumohn-Cranberry-Macarons, die die Gäste in bunten Boxen mit nach Hause nehmen - wer etwas mehr Zeit mitbringt, bleibt auf einen Aperol Spritz und ein Stück Avocado-Gateau. Sämtliche Macarons sind glutenfrei, viele gibt’s sogar vegan. Macarons de Stéphane, Mo-So 12-18 Uhr, Gärtnerstraße 19, U-Bhf Samariterstraße
Trinken – „Dream Baby Dream“ prangt in blauen Neonlettern an der Wand der gleichnamigen Bar im Winsviertel in Prenzlauer Berg. Im gedimmten Licht eines Art-Deco-Kronleuchters trinken die Gäste hier aufwendige Cocktails (Den Kiti Tiki Titi mit Rum, Rosé und Citrus gibt’s für 10 Euro) und hören Musik von Livebands und internationalen DJs. Wer es etwas intimer mag, folgt einer Treppe hoch auf die kleine Galerie. Di-Do bis 2 Uhr, Fr-Sa bis 4 Uhr, Greifswalder Straße 218, S-Bhf Greifswalder Straße
Berlinbesuch – Kein Konzert, sondern Diskurs gibt es heute Abend im Ausstellungsfoyer des Kammermusiksaals der Philharmonie. Moderiert von Theo Koll diskutieren Kevin Kühnert (SPD) und Marianne Birthler, ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, über Deutschland nach dem Mauerfall-Jubiläum: Was trennt Ost und West? Wie wächst zusammen, „was zusammen gehört“? Musikalisch untermalt wird die Diskussion von Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Los geht’s um 20 Uhr, Karten gibt’s ab 13 Euro hier.
Geschenk – Auch wenn Weihnachten noch in weiter Ferne scheint, gibt es im Buchladen Knesebeck Elf bereits jetzt aufwendige nostalgische Adventskalender, die Spaziergänger am Schaufenster verweilen lassen: Auch Erwachsene werden hier neugierig, was sich hinter den Türchen auf venezianischen Palazzi, hanseatischen Häuschen oder winterlichen Karussells wohl verbergen mag. Wir empfehlen einen zeitnahen Besuch – die Kalender sind begehrt. Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa bis 18 Uhr, Knesebeckstraße 11, U-Bhf Ernst-Reuter-Platz
Karten sichern für die Tagesspiegel-Kochakademie: Zwischen dunklen Containerwänden und Neonlicht servieren die Köche des Brlo Brwhouse raffiniert zubereitetes Gemüse und hauseigenes Craft Bier – Nicht-Vegetarier bestellen das passende Stück Fleisch dazu. Am 18. und 25. November lässt sich Chef Ben Pommer über die Schulter schauen: In zwei Workshops werden Karotte mit Malzcrumble, glasierte Entenbrust mit confierten Zwiebeln oder auch süß-saure Schalotten mit Tapioka-Sud gekocht und verkostet. Zum Abschluss gibt’s am 1. Adventssonntag einen gemeinsamen Lunch aller Kochkursteilnehmer – Gäste willkommen. 140 Euro pro Person, Anmeldung unter Tel. 29021-520
Last Minute – „Geschichten in Geschichten in Geschichten“: Daniel Kehlmanns „Ruhm“ spielt mit Schein und Wirklichkeit, verwebt die Identitäten seiner Protagonisten, lässt Figuren verschwinden, rebellieren, ausbrechen. Zum letzten Mal in dieser Spielzeit bringt das Vaganten-Theater den erfolgreichen Episodenroman auf die Bühne. In minimalistischer, scharfzüngiger Inszenierung lässt Hajo Förster Schauspieler sich selbst imitieren, Abteilungsleiter mit Doppelleben jonglieren und eine Romanfigur ihrem Autor trotzen – Denn „nur in Büchern sind Geschichten säuberlich getrennt.“ Los geht es um 20 Uhr, Tickets gibt’s ab 24 Euro hier.
Verlosung – Eros, 42, fragt: „Steckt die Sünde in Fleisch oder Geist?“ In einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, sucht der Berliner nach einer Strategie, nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Zwischen Klimakatastrophe, Trump-Kapriolen und dem Wunsch nach Liebe stellt sich Roberto Guerra als „Eros“ Angst und Begehren, schüchtert ein, provoziert. Was soll ich glauben, wer bestimmt was? In einer freizügigen, herausfordernden Inszenierung konfrontiert das Columbia Theater seine Zuschauer mit riskanten Fragen unserer Zeit. Wir verlosen 5x2 Freikarten für die Premiere von „Immaculate akt I out of the box“ morgen Abend um 20 Uhr – mit Aftershowparty.
Einen spannenden Mittwoch wünscht: Lotte Buschenhagen.
Berlin heute
Verkehr – Wegen Munitionssprengungen ist die Avus in der Zeit von 9:45 Uhr bis ca. 10:15 Uhr kurzzeitig in beiden Richtungen zwischen AS Hüttenweg und AS Spanische Allee gesperrt, der Kronprinzessinnenweg bereits ab ca. 9:30 Uhr. Auf der Grünauer Straße (Altglienicke) ist in beiden Richtungen auf Höhe Glienicker Straße abwechselnd nur ein Fahrstreifen frei (6.30-18 Uhr). An der Kreuzung Mahsldorfer Straße/ Gehsener Straße in Köpenick beginnen am Mittag Leitungsarbeiten – bis Ende November kommt es deswegen zu „Fahrstreifenreduzierungen und Abbiegebeschränkungen“. Ab 7.30 Uhr steht auf der Kantstraße (Charlottenburg) Richtung Budapester Straße zwischen Weimarer Straße und Leibnizstraße nur eine Spur zur Verfügung (bis Ende Juli 2020). Wegen Sicherungsmaßnahmen für den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz sind der Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße in der Zeit von 21 bis 5 Uhr zwischen Joachimsthaler Straße und Nürnberger Straße in beiden Richtungen gesperrt. Bis zum 19. Januar bleiben die Tauentzienstraße und der Kurfürstendamm Richtung Halensee zwischen Nürnberger Straße und Joachimsthaler Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt (BVG frei).
Demonstration – Auf dem Pariser Platz machen heute ca. 200 Personen mit einer Kundgebung anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt gegen Frauen „auf die Situation von Frauen in Deutschland aufmerksam“ (11:30-14:30 Uhr, angemeldet vom Verein „Change“). Am gleichen Ort demonstrieren ca. 50 Teilnehmende im Rahmen einer „Informationsveranstaltung über die Gefahren der Bevölkerung – Neuerliche Angriffe durch freigelassene Dschihadisten gegen Jesiden aus Shengal und Rojava“ (14-15 Uhr). Auf der Spree setzt die Deutsche Binnenreederei AG ein „Warnsignal der Interessengemeinschaft Binnenschifffahrt der Region Nord-Ost“ (9-13 Uhr, ca. 100 Personen). Ca. 30 Teilnehmende protestieren auf der Kurfürstenstraße unter dem Motto „Zwangsräumungen dürfen keine Normalität werden“ (15-17 Uhr).
Gericht – Weil er einen „Kokainlieferservice“ betrieben haben soll, muss sich ein 41-Jähriger verantworten. Über Monate hinweg seien Drogen nach Bestellung per Telefon mit dem Auto ausgeliefert worden. Mitangeklagt ist ein 37-Jähriger (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 219).
Universität – „Denken jenseits von Eindeutigkeit, Einfachheit und Beharrung“ ist der Titel einer gemeinsamen Ringvorlesung von TU, HU und UdK, die immer mittwochs von 18-20 Uhr stattfindet und öffentlich ist. Von „Denker*innen aller Disziplinen“ sollen „Denk-Ordnungen“ erlernt und interdisziplinär nutzbar gemacht werden. Heute referiert Derviş Hızarcı, Antidiskriminierungsbeauftragter der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, unter dem Motto „Mehrdeutigkeiten zulassen“. Hauptgebäude der UdK, Hardenbergstraße 33, Raum HAR 102
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Karl Pfaff (27) – „Viele Grüße aus Stuttgart“ und „Alles Liebe aus Prenzlauer Berg“ / Martin Klesmann (50), Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres / Achim von Borries (51), Filmregisseur und Drehbuchautor, u.a. "Babylon Berlin" / Eberhard Diepgen (78), CDU-Politiker, ehem. Regierender Bürgermeister (1991-2001) / Annemone Haase (89), Schauspielerin / Nils Körber (23), Torwart bei Hertha, derzeit ausgeliehen an der VfL Osnabrück / Rebecca Immanuel (49), Schauspielerin / „all the best für Jochen Pause, cooler Junge, wird heute ein Jahr älter“ / Anna Schneider (34), „Heute Abend koche ich für Dich, Kuss.“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hans-Jürgen Reißiger, * 9. Mai 941 / Reinhold Klasen, * 20. April 1937 / Prof. Dr. Johannes Hierholzer, * 2. Dezember 1961 / Margot Hoffmann, * 21. Juli 1929
Stolperstein – Alice Cohn (Jg. 1876) floh 1936 vor den Nazis nach Holland. Sie wurde im Lager Westernbork interniert und nach Auschwitz deportiert, wo sie heute vor 77 Jahren ermordet wurde. In der Conradstraße 5 in Wannsee erinnert ein Stolperstein an sie.
Encore
Genervt von Schnittfehlern, dummen Klischees, schlechten Stadtbildern? In unserer neuen Rubrik „Im falschen Film“ sammeln wir – egal ob Serie, Arthousefilm oder Blockbuster – die größten Berlin-Verfehlungen. Den Anfang macht Rüdiger Becker mit dem am Wochenende wiederholten ZDF-Krimi „Der letzte Kronzeuge – Flucht in die Alpen“: „Da spielt eine dramatische Verfolgungsjagd auf einem Berliner Flughafen. Über eine Rolltreppe enteilt die Protagonistin dem Killer – und findet sich auf dem Berliner Hauptbahnhof wieder! Dort wurde auch schon ein Teil der Flughafenszenen gedreht, der Rest mit airporttypischen Szenen entstand wohl im Studio. Später steigt die Heldin in einen ICE nach Hamburg, den sie aber, um ihre Verfolger zu täuschen, schon am nächsten Bahnhof wieder verlässt. Und der entpuppt sich als der Bahnhof Wannsee!“ Wer bietet schlimmer? checkpoint@tagesspiegel.de
In die Berliner Realität holt Sie hier morgen früh wieder Lorenz Maroldt. Kommen Sie gut durch den Tag!