Berlin hat’s mal wieder auf einen beunruhigenden ersten Platz geschafft. Mit 23 Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen in sieben Tagen ist die Hauptstadt unter den Bundesländern Corona-Spitzenreiter. Zwei der drei Alarm-Ampeln zeigen erstmals Gelb. Viren-Hotspot ist Friedrichshain-Kreuzberg und der Prototyp des Virus-Trägers U-30, feierwütig und verantwortungslos. Es sind vor allem die jungen Menschen, die sich derzeit anstecken (weshalb die Zahl der Infizierten, nicht aber die der Toten steigt). Neben Kontakten im eigenen Haushalt wird „nachlässiges Freizeitverhalten“ als zweithäufigste Übertragungsursache geführt. Von Corona-Fällen mit bis zu 300 Kontaktpersonen ist in Xhain die Rede. „Davon sind dann aber nur noch 200 ermittelbar“, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Der Rest bleibt ein unberechenbares Risiko.
„Das Tempo der Neuinfektionen gewinnt an Fahrt“, sagte auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss. „Das ist ein Grund zur Sorge.“ Von internationalen Reisen in den Herbstferien (12. bis 26. Oktober) rät sie ab. Über eine berlininterne Verschärfung von Maßnahmen berät der Senat heute. Aus Koalitionskreisen heißt es allerdings, neue Auflagen seien zunächst nicht geplant. Es kommentiert Chef-Virologe Christian Drosten: „Wir müssen vordenken, sonst sind wir irgendwann zu spät. (…) Natürlich kann nicht jeder Einzelne immer das Ganze beeinflussen. Aber wer schon früh gewarnt wird, dass sich in 80 Kilometern Entfernung ein Stau aufbaut, kann jetzt schon mal überlegen, ob er einen Umweg nimmt.“ (Das gesamte doppelseitige Drosten-Tagesspiegel-Interview lesen Sie hier.)
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Während Berlins Elternvertreter dem weiteren Pandemieverlauf mit Sorge entgegensehen (LEA-Vorsitzender Norman Heise: „Die Schulen sind nicht besser vorbereitet als im März.“) fällt der Schwimmunterricht an der Carl-Sonnenschein-Grundschule in Mariendorf bereits ins Wasser. Weil das Nichtschwimmerbecken im Ankogelbad gesperrt ist, hat man beschlossen, DrittklässlerInnen mit wenig oder keiner Schwimmerfahrung bis auf Weiteres vom Unterricht auszuschließen. Via Mail sei man über die Maßnahme informiert worden, sagt Matthias Bothe, Vater eines betroffenen Kindes. „Dort stand im ersten Absatz etwas von Handtuch mitbringen und den Mundschutz nicht vergessen, und dann ganz beiläufig im zweiten Absatz: Folgende Kinder können jedoch nicht teilnehmen. Und die wurden auch noch namentlich aufgezählt.“ Seine Tochter (& rund 20 andere) hätten dann frei. Das ist wie, „wenn einige Kinder der Klasse noch kein Englisch können und einige schon, und plötzlich sagen die Lehrer, ich arbeite aber lieber mit denen, die es schon können“. Von Seiten der Schulleitung heißt es auf Checkpoint-Anfrage: „Die Gefahr des Ertrinkens ist zu hoch. Ein sicherer Schwimmunterricht muss über allem stehen. Wie lange das geht, werden wir sehen.“
Sehr lange läuft schon das folgende Unendlichkeitsprojekt: Gregor Kijora (SPD) wollte deshalb vom Bezirksamt Pankow wissen, was die Gründe für die starken Verzögerungen beim Bau der Sporthalle an der Rheinhold-Burger-Oberschule sind (Vorbemerkung: „Das gesamte Projekt startete bereits vor über 10 Jahren. Aktuell ist dort eine Brachfläche zu sehen.“) Stadtrat Torsten Kühne (CDU) stellt fest, dass Bedarf und Wunsch „noch wesentlich älter“ sind und zählt dann die unendlichen Unwägbarkeiten auf: Zusätzlich zur Planungs- und Genehmigungsphase (fünf bis sechs Jahre) gab’s leider: schwere Bodenverhältnisse, unvollständige Leitungspläne, die Kündigung des Auftragnehmers, die Aufhebungsvereinbarung des Generalplanervertrages, keine Angebote für die Leistung „Wasserhaltung“, die Nachprüfungsverfahren bei der Leistung „Erd- und Verbauarbeiten /Gründung“ und die Erstellung einer neuen „Ausführungsplanung“ (weil die alte aufgrund „massiver Änderungen“ nicht mehr gültig war). Fazit: Derzeit kann „noch kein konkretes Fertigstellungsdatum“ benannt werden. Mini-BER.
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Radical Mutation: On the Ruins of Rising Suns
23.9.– 4.10. / HAU1, HAU2, HAU4
Das Eröffnungsprogramm für den neugestalteten Raum des HAU1 entwickeln die Gast-Kurator*innen Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Saskia Köbschall und Tmnit Zere. “Radical Mutation” schlägt Brücken zwischen historischen Kämpfen für Gleichberechtigung, Antirassismus und Diversität in Kultur und aktuellen Bestrebungen für radikale Veränderungen. Dabei gibt es Performances, Konzerte, Diskusveranstaltungen und ein eigenes Radioprogramm. hebbel-am-ufer.de
Die Meldung „Lufthansa stellt Airbus A380 ein“ hat Checkpoint-Leser Christian Lüdtke zum Anlass genommen, um nachzufragen, ob das nicht „die Chance für den BER“ wäre, „die Eröffnung nochmals zu verschieben, damit das A380-passende Terminal wieder zurückgebaut werden kann?“ Flughafen-Sprecher Daniel Tolksdorf kann beruhigen: „Die Gates können trotzdem genutzt werden. Wir haben zwei Gates, wo der A380 besonders gut abgefertigt werden kann, mit zwei sogenannten ‚Fingern‘, von denen einer höher gefahren werden kann. An diese Gates passt aber auch jedes andere Flugzeug. Wir müssen nicht umbauen.“ Good News.
Time to say Goodfly: Zum Tegel-Abschied bietet die Agentur „Airevents“ am 07. November 2020 (voraussichtlich letzter Betriebstag) innerstädtische Sonderflüge an und damit „die einzigartige Möglichkeit, sich in würdiger Form vom ehrwürdigen Flughafen Berlin-Tegel zu verabschieden“. Viermal wird der von Eurowings gecharterte Airbus A319 abheben. Die einfache Strecke (BER-TXL) ist ab 88 Euro zu haben, den 45-minütige Rundflug (TXL-TXL) gibt’s ab 144 Euro, einen der allerletzten Abflüge (TXL-BER) ab 177 Euro. Fensterplatz und Sitzplatzreservierung kosten extra. „Light Catering“ (= Wasser) und ein Handgepäckstück bis 8 Kilo sind inklusive. Die Mindestteilnehmerzahl „ist bereits auf allen Flügen erreicht“. Ob die FDP-Fraktion gereicht hat?
Berliner Schnuppen
Telegramm
Kremlkritiker Alexej Nawalny meldet sich mit seinem ersten Blogbeitrag zurück. „Zwei unabhängige Labore in Frankreich und Schweden und ein Speziallabor der Bundeswehr haben Spuren von Nowitschok in und auf meinem Körper bestätigt“, schreibt er und fordert von den russischen Behörden die Rückgabe seiner Kleidung, die ihm vor dem Flug nach Deutschland abgenommen worden sei.
Erneute Schlappe für Rot-Rot-Grün: Nach den Pop-up-Radwegen ist die zweite Eilentscheidung gegen einen Senatsbeschluss gefallen. Das Verwaltungsgericht verbietet die geplanten verkaufsoffenen Sonntage am 4. Oktober und 8. November.
Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will die durch die Corona-Krise gebeutelten Gastronomen in der kalten Jahreszeit unterstützen und denkt dabei auch über die (seit längerem) von der FDP geforderten Heizmöglichkeiten im Freien nach. Der zusätzliche Kohlendioxid-Ausstoß solle dann allerdings anderweitig ausgeglichen werden. Wir sollten „uns alle solidarisch mit der Gastronomie zeigen und beispielsweise mit einem autofreien Sonntag das CO2 wieder einsparen“.
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Berlins Verkehrswende könnte aufs Wasser fallen. Die SPD Köpenick will Stau künftig mit Schiffen umgehen und fordert Linienboote von Wendenschloß/Grünau bis nach Mitte und Charlottenburg. Man spare nicht nur Nerven, sondern (Personenschiffe fahren 20-35 km/h) auch Zeit.
Am 1. Oktober übernimmt Eva Kreienkamp die BVG-Leitung und damit einen „kaputtgesparten Betrieb“, wie die Zeitung „nd“ schreibt. Aus Problemen mache die BVG meist ein Geheimnis. „Die ‚technische Störung‘,weswegen vom vergangenen Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen zwischen Kottbusser und Halleschem Tor keine Züge fuhren, war eine Entgleisung. Am Samstag fuhr ein Zug am Kottbusser Tor im Wendegleis auf den Prellbock auf, der zweite Wagen sprang aus den Schienen.“ Wir spielen weiter. (Betriebsstörungs)-Bingo!
Die Checkpoint-Laufgruppe (garantiert betriebsstörungsfrei) geht auf Weltrekordjagd! Da der Berlin-Marathon in diesem Jahr ausfällt, laufen wir am kommenden Sonntag alternativ 2:01:39 Stunden um den Volkspark Friedrichshain und versuchen mehr Kilometer als Weltrekordhalter und Wunderläufer Eliud Kipchoge zu sammeln. Klingt unmöglich? Nicht als Team! Los geht’s um 10 Uhr am Märchenbrunnen, für Verpflegung sorgt SCC Events und der rbb schaut wohl auch vorbei.
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Der norwegische Milliardär und Abenteurer Ivar Tollefsen steigt über den von ihm kontrollierten schwedischen Wohnungskonzern Heimstaden Bostad groß auf dem Berliner Immobilienmarkt ein. In „zentralen Lagen Berlins“ will er Euro 3.902 Wohnungen für insgesamt 830 Millionen Euro kaufen (wahrscheinlich Eigenbedarf).
Grüne Dächer, keine Barrieren, Holzbauweise: Kollege Ralf Schönball hat aufgeschrieben, wie Berlins Bauordnung für Wohnungen künftig aussehen könnte – und wo der Senat noch streitet.
Ein zeitgenössisches „architektonisches Highlight“ hat die Berliner Wohnungsmarktwundertüte gestern wieder ausgespuckt. 778,73 Euro warm für 37 Quadratmeter (zu sehen hier).
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58 Euro kostet in Berlin eine Grundbuchauskunft – normalerweise. Seit gut einem Jahr wird allerdings nicht abgerechnet. Schuld ist ein Computervirus. Ursachen unklar. Mehr als 1,6 Millionen Euro fehlen.
Dafür gibt’s extra Ausgaben und zwar 4 Millionen. So hoch sind (Stand jetzt) an Berlins Schulen die Stornokosten für diesjährige Klassenfahrten, die das Land pandemiebedingt übernehmen will. (Q: Paul Fresdorf, MdA FDP)
Keine Hochzeit für Hochzeiten: Die Corona-Pandemie hat die Zahl der Eheschließungen in Berlin deutlich sinken lassen. Heirateten im ersten Halbjahr 2019 noch 6.088 Paare, waren es 2020 nur 5.147 Paare. Ganz Deutschland zählte 139.900. (Q: Statistische Bundesamt)

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Politisch motivierte Gewalt: Die Geschäftsstelleneingangstür der Grünen Marzahn-Hellersdorf ist am Montagmorgen eingeschlagen und mit weißer Farbe beschmiert worden. Die Kriminalpolizei ermittelt. Der Kreisverband teilt mit: „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen.“
Ebenfalls am Montagmorgen hat ein derzeit unbekannter Mann gegen 4.45 Uhr zwei sechs bis acht Meter hohe Bäume in Weißensee ab- und zwei weitere so tief angesägt, dass die Berliner Feuerwehr sie fällen musste. Sägenmassaker Berliner Art. Die Frage bleibt: Warum?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Vor fast 60 Jahren bekam ich im Kurs Verwaltungsrecht für Rechtsreferendare vom Kursleiter folgenden Rat mit auf den Weg: ‚Ein guter Beamter prüft zuerst seine Zuständigkeit und verneint sie.‘‘‘
Checkpoint-Leser Rainer Müller-Hannemann ergründet die Ursprünge des Behörden-Ping-Pongs.
Tweet des Tages
Friedrich Merz ist heute Morgen mit Christian Lindner aufgewacht. Aber nicht, was ihr jetzt denkt.
Stadtleben
Essen & Trinken – Unterhalb des Suhrkamp-Verlagshauses können Sie seit Anfang August im Remi schlemmen. Die beiden jungen Niederländer Lode van Zuylen und Stijn Remi eröffneten damit ihr zweites Restaurant in Berlin. Es steht für moderne europäische und saisonale Küche – zum schnellen Lunch, einem spontanen Glas Wein auf der Terrasse oder einem ausgedehnten Abendessen à la carte. Walk-ins sind jederzeit willkommen, für eine Reservierung geht es hier entlang. Di-Sa Lunch 12-15 Uhr, Abendessen 18-22 Uhr, Drinks 12-22 Uhr, Torstraße 48, Mitte, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
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Potsdam HEUTE – der neue kostenlose Newsletter von der Redaktion der Potsdamer Neueste Nachrichten rund um die Landeshauptstadt. Von Montag bis Samstag morgens in Ihrem E-Mail-Postfach. Melden Sie sich einfach hier an: potsdamheute.pnn.de
Berlinbesuch – Die Nähe zum Berliner Ensemble und der Blick auf den Dorotheenstädtischen Friedhof veranlassten das Künstlerpaar Bertolt Brecht und Helene Weigel dazu, in der Chausseestraße 125 zwei Wohnungen zu mieten. Seit fast einem Monat ist dort das jetzige Brecht-Weigel-Museum der AdK wieder geöffnet. Die original erhaltenen Räume sind seit 1978 Gedenkstätte und im Rahmen einer Führung zu durchstöbern. Zusätzlich werden Rundgänge über den Friedhof angeboten. Der Museumseintritt kostet 2,50/5 Euro, zur Anmeldung zu den Führungen geht es hier. Die genauen Öffnungszeiten finden Sie unter diesem Link. U-Bhf Naturkundemuseum
Geschenk – Brände, Geiste, Liköre, Gin – Die Deutsche Spirituosen Manufaktur hat seit diesem Herbst Neuankömmlinge und Altbewährtes im Repertoire. Neben dem Likör aus dreierlei Ingwer, dem Tropfen aus hauseigenem Himbeerdestillat und dem unfiltrierten Geist der spanischen Zitrusfrucht Yuzu mit balsamisch-süßen und floralen Aromen ist der 2019 in kürzester Zeit ausverkaufte Geist vom deutschen Herbstlaub mit seinen herbstlich-fruchtigen Noten zurück.
Plätze sichern – Die goldenen Zwanziger schmücken inhaltlich nicht nur das Brecht-Haus, sondern auch das Wintergarten Varietétheater – vom Eingang über Foyer und Toiletten bis hin zur Bühne, zum Personal und Publikum. In 160 Minuten schlagen Zirkusartist*innen den Bogen in die Gegenwart. Die 20er-Jahre Varieté Revue No. 2 findet ab morgen bis zum 27. Februar 2021 statt. Regisseur Rodrigue Funke hat dabei ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl starker Frauen gelegt. Ihr damaliger Kampf um Gleichberechtigung ist auch heute noch relevant und spiegelt sich in den Künstlerinnen wider. Di-Sa 20 Uhr, So 18 Uhr, ab 32 Euro, Potsdamer Straße 96, U-Bhf Kurfürstenstraße
Verlosung – Voll abgefahren! Heute wird europaweit der autofreie Tag gefeiert. Hunderte Städte und Kommunen schaffen autofreie Zonen in der Innenstadt – perfekt, das mit dem Fahrrad zu zelebrieren. Dafür verlosen wir drei dreimonatige Abonnements bei Swapfiets: Das Rad können Sie sich in einem der Läden abholen und drei Monate kostenlos rumradeln.
Last-Minute-Tickets I – Noch nicht genug vom Brecht-Haus? Um 19 Uhr präsentiert Peter Kamber im Literaturforum sein Buch „Fritz und Alfred Rotter. Ein Leben zwischen Theaterglanz und Tod im Exil“ – eine Biografie über die „Bühnenkönige der Goldenen Zwanziger“ im Gespräch mit Wolfgang Benz. Tickets ausschließlich online für 3/5 Euro. Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125, Mitte, U-Bhf Naturkundemuseum
Last-Minute-Tickets II – (Ein Tipp von Ingolf Patz) Wer träumt als musikalisches Wunderkind nicht davon, einmal ganz vorne an der Rampe zu stehen. Würden alle Träume in Erfüllung gehen, wäre es dort brechend voll, der Orchester-Sound aber schmal. Inzwischen ist es selbstverständlich, dass große, renommierte Orchester es der kommenden Künstler*innen-Generation ermöglichen, sich an der Seite erfahrener Berufsmusiker*innen zu erproben. Die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker beschließt heute um 20 Uhr mit Werken von Rebecca Saunders und Milica Djordjević das Musikfest 2020 und liefert damit einen Ausblick auf die Musikszene der nächsten Jahre. Tickets kosten 8-26 Euro. Berliner Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, S-Bhf Potsdamer Platz
Berlin heute
Verkehr – Ganze Stadt: Aufgrund des autofreien Tages werden auf 24 Straßen in Berlin von 14-18 Uhr temporäre Spielstraßen eingerichtet. Weitere Informationen hier.
Straßentunnel Alexanderplatz (Mitte): Von 9-12 Uhr ist die Fahrbahn in Richtung Otto-Braun-Straße (stadtauswärts) auf einen Fahrstreifen verengt. Von 12-15 Uhr wird die Einschränkung in der Gegenrichtung eingerichtet.
Katzbachstraße (Kreuzberg): Im Einmündungsbereich Monumentenstraße kommt es von 16.30 bis ca. 18.15 Uhr zu Sperrungen und Verkehrseinschränkungen.
A100 (Stadtring): Die Autobahn ist in Richtung Wedding zwischen AS Schmargendorf und AS Heckerdamm/AS Jacob-Kaiser-Platz von 22-5 Uhr gesperrt. Die Ein- und Ausfahrten sind bereits ab 21 Uhr gesperrt.
Demonstrationen – In Tempelhof treten Eltern, Schüler*innen, Lehrer*innen und Nachbarn von 7-8.30 Uhr gemeinsam „für mehr Schulwegsicherheit“ ein (ca. 60 Teilnehmende, zwischen Schulenburgring, Wolffring und Bayernring). Vor der Botschaft der Republik Kamerun demonstrieren ca. 100 Teilnehmende von 13-15 Uhr „gegen den Bürgerkrieg in Kamerun“. Von 15.30-17 Uhr wird die Demonstration am Pariser Platz nahe der Französischen Botschaft weitergeführt. Unter dem Motto „Lagerevakuierung sofort – Tage der Empörung“ protestieren ca. 50 Personen vor dem Roten Rathaus (14-18 Uhr). Für eine „Spielstraße für Treptow-Köpenick“ kommen ca. 100 Teilnehmende von 14-18 Uhr auf der Krüllsstraße zusammen. In der Katzbachstraße 1 veranstalten ca. 100 Demonstrierende ein Protestpicknick für eine „Verkehrsberuhigung und Einrichtung einer Fahrradstraße – Durchfahrverbot für schwere LKWs“, angemeldet durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Berlin e.V (16.30-18.15 Uhr). Bei einem Protest am Pariser Platz 2 demonstrieren ca. 60 Teilnehmende von 17.30-19.30 Uhr „gegen die bulgarische Regierung“. Ein kleines öffentliches Parteien-Hearing zu den Forderungen des „Bündnisses Berliner Straßen für alle“ findet mit ca. 30 Teilnehmenden von 18-19 Uhr in der Friedrichstraße 182 statt, angemeldet durch den Verein PowerShift.
Gericht – Weil er eine 37-jährige Radfahrerin beim Rechtsabbiegen übersehen und überrollt haben soll, muss sich ein 50-jähriger Lkw-Fahrer verantworten. Ihm wird fahrlässige Tötung zur Last gelegt (9.15 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Saal 2108). Außerdem kommt ein Raser auf die Anklagebank. Er soll mit einem Mitfahrzeug auf der Flucht vor der Polizei auf bis zu 117 km/h beschleunigt und mehrere Fahrzeuge beschädigt haben. Es sei zu einer 28-minütigen Verfolgungsjagd gekommen (9.00 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal 4002).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Robert Andrich (26), Fußballspieler beim 1. FC Union / Gerrit Behrens, „Endlich darf unser Lieblingssohn legal radioeins hören - Herzlichen Glückwunsch!“ / Klaas Heufer-Umlauf (37), Moderator, Schauspieler, Sänger, Fernsehproduzent / René Koch, „Alles Liebe und Gute dem großen Visagisten dieser Stadt und Frauenversteher für die Zukunft. Bleiben Sie weiter so aktiv und lebendig für die Schönheit. Herzlichst Eveline Harder“ / Christopher Lenz (26), Fußballspieler beim 1. FC Union / Sabine Lisicki (31), Tennisspielerin / Barnaby Metschurat (46), Schauspieler / Christian Ulmen (45), Schauspieler, Fernsehmoderator und Produzent / Friederike Unverzagt v. Ravenstein (53), „eine der besten Pyrotechnikerinnen Deutschlands, alles Gute zum Geburtstag, wünscht ihr großer Bruder Harald Unverzagt“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hathumar Drost, verstorben am 7. September 2020 / Gertrud Köhler, * 18. April 1923 / Georgios Passadakis, * 19. November 1959 / Karlheinz Wuthe, * 16. Februar 1927, Senatsdirigent i.R., Dipl.-Ing. Architekt
Stolperstein – Isidor Weissbart wurde am 25. Februar 1870 im heutigen Kępno in Polen geboren. Am 31. August 1942 wurde er vom Anhalter Bahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde er heute vor 78 Jahren ermordet. Zu seinem Gedenken liegt ein Stolperstein in der Karl-Marx-Straße 118 in Neukölln.
Encore
Happy autofreier Tag! Berlin beteiligt sich in diesem Jahr mit temporären Spielstraßen. Insgesamt drei Kilometer werden an zwei Dutzend Orten von 14 bis 18 Uhr gesperrt. Via Twitter kommentiert taz-Kollege Felix Zimmermann: „Das ist mindestens so fragwürdig wie am Muttertag 1mal Müll rausbringen. Lieber Regierende, liebe Verkehrssenatorin, lieber Verkehrsverwaltungssprecher, da geht mehr. Verkehrsampelphasen für Fußgänger verlängern & für rechtsabbiegende Sattelschlepper getrennt schalten... Für die Verkehrsverwaltung 1 kleiner Schritt, für alle ein Gewinn.“ Dazu Verkehrsverwaltungssprecher Jan Thomsen: „Ampelschaltungen ändern ‚1 kleiner Schritt‘. Ich lache hart.“
Mit harter Arbeit unterstützt wurde dieser Checkpoint von Vivien Krüger (Recherche), Sophie Rosenfeld (Stadtleben) und Florenz Gilly (Produktion). Morgen übernimmt Lorenz Maroldt und serviert Ihnen die Lacher des Tages. Machen Sie’s gut.