Berlin verliert durch „das größte Konjunkturpaket in der Geschichte der Bundesrepublik“ (Tagespiegel) 700 Millionen Euro an Einnahmen wegen diverser Steueränderungen (u.a. MwSt) – gewinnt aber auch in dreistelliger Millionenhöhe dazu (u.a. wegen höherer Kostenübernahmen des Bundes). Es wird also umverteilt. Aber wohin? Finanzsenator Kollatz rechnet noch, Wirtschaftssenatorin Pop weiß schon Bescheid: „Weniger Bauchladen und mehr Fokussierung hätte dem Konjunkturpaket gutgetan.“
Es gibt also jede Menge Kohle. Fragt sich nur, wo sie ankommt – und wie man an sie rankommt. Wir haben dazu unseren Checkpoint-Konjunkturexperten Hazy Osterwald befragt – hier seine Analyse: „Geh’n Sie mit der Konjunktur, geh’n Sie mit auf diese Tour. Nehm’n Sie sich Ihr Teil sonst schäm’ Sie sich, und später geh’n Sie nicht zum großen Festbankett. Geh’n Sie mit der Konjunktur, geh’n Sie mit auf diese Tour. Seh’n Sie doch die andern steh’n schon dort, und nehm’n die Creme schon fort beim großen Festbankett.“ (Q: „Konjunktur Cha-Cha“, 1961)
Was ist der Unterschied zwischen Attila Hildmann und den Berliner Grünen? Richtig: Der eine meldet seine Kundgebungen an – die anderen nicht. Und so beendete gestern die Polizei eine Versammlung von Koalitionsabgeordneten in der Bannmeile direkt vor dem Parlament. Es ging ums Antidiskriminierungsgesetz, das Stunden später drinnen verbabschiedet wurde. Strittigster Punkt: dass es künftig reicht, eine Diskriminierung durch staatliche Stellen nur soweit „glaubhaft“ machen zu müssen, dass die Vorwürfe „überwiegend wahrscheinlich“ erscheinen – dann ist die Behörde in der Gegenbeweispflicht (die genauso schwer zu erbringen sein dürfte wie es zuvor das Gegenteil durch Betroffene war).
Das goldene Kreuz auf dem Schloss huldigt nicht nur dem Kaiser, sondern auch einem Versandhauskönig – die Inschrift lautet: „Im Gedenken an meinen Mann Werner A. Otto 1909 – 2011. Inga Maren Otto“. Eine Million Euro war das der Frau Otto wert, ihren Herrn Otto da zu verewigen (jedenfalls bis zur nächsten Sprengung). Prägend fürs Stadtbild ist das aber eher nicht – in der „SZ“ stellt Jörg Häntzschel fest: „Die Inschrift wird niemand lesen, außer Gott und den Fassadenreinigern.“
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Der Spitzengastronomie fällt ein Zacken aus der Corona – es wird abgerüstet, und das schmeckt den Köchen gar nicht. Beispiel „Golvet“ im „40 Seconds“ (Potsdamer Straße): Auf der Website werden noch die 7-Gang-Künste von Björn Swanson gepriesen („Sucuk trifft Petersilienwurzel, Jakobsmuschel auf Erdnuss, Rotkohl auf PX-Sorbet“), in Wirklichkeit hat der „Berliner Meisterkoch“ längst den Ausgang gewählt: „Ich stehe mit meinen Namen für ein Höchstmaß an Qualität, Zuverlässigkeit und Gastronomieverständnis“ – aber nicht für das neue, abgespeckte Konzept.
Auch Arne Anker, der für den Pauly Saal einen Stern geholt hat, kocht ganz für sich allein – der Gourmet-Tüftler ist ohne Job in einer Zeit, in der „casual“ als (Über-)Lebensart gilt.
Die Affäre Borchardt (CP vom 3.6.) ist inzwischen ein Fall für die Rubrik Behördenpingpong: Der Bezirk Mitte wartet auf die Anzeige der Polizei, die Polizei verweist an die Gesundheitsverwaltung, die Gesundheitsverwaltung reagiert aber nicht und auch die Innverwaltung stellt alles auf Durchzug. Die angekündigte Ahndung der Verstöße gegen die Corona-Verordnung beim Promimassenauflauf (zu voll, zu nah, zu lang) fällt in sich zusammen wie ein schlecht gemachtes Soufflé.
So bleibt von der Sause einstweilen nur das Bild von FDP-Chef Christian Lindner in Erinnerung (maskenlose Umarmung des Konsuls von Weißrussland) – neu koloriert durch eine kleine Anfrage der eigenen Bundestagsfraktion, die von der Bundesregierung wissen will, „welche Menge an Alkohol von Januar bis Mai 2020 konsumiert worden ist“ (19/19693).
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„Purzelchen gehören zu Union“ heißt eine Petition, die 1.924 Fans unterschrieben haben – Ende der Saison muss „Omas“ Kaffeebude an der Alten Försterei dichtmachen. Kaum viel mehr als diese 1.924 Fans dürften überhaupt ins Stadion, wenn unter Corona-Bedingungen wieder Spiele mit Publikum ausgetragen würden (nur Sitzplätze, je eine Reihe und einen Sitz Abstand). Dazu Union-Podcasterin Stefanie Fiebrig: „Ob es sich mit Mund-Nase-Bedeckung gut singen lässt? Ich zweifle daran. Ob sich mit 1,50 m Abstand zu Nebenmann und Nebenfrau überhaupt eine Art von Dynamik entwickelt? Ich fürchte nicht. Ob es möglich ist, mit 1000 Leuten die Alte Försterei zum Beben zu bringen? Wohl kaum. Es bleibt geisterhaft.“
Einen Vorteil haben Geisterspiele in der Bundesliga ja: Es gibt weniger Rassismus im Stadion. Anfang Februar wurde Hertha-Profi Jordan Torunarigha auf Schalke von Zuschauern so lange gereizt und beleidigt, bis er die Nerven verlor und vom Platz flog. Die Täter konnten sich in Ruhe das Spiel zu Ende anschauen – und jetzt wurde auch noch das Ermittlungsverfahren eingestellt. Dem Fußball-Podcast „Doppelspitze“ teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass „keine weiteren Ermittlungsansätze zu erkennen sind“. Solange nicht mehr Leute dagegen aufstehen, wenn ihr Nachbar sich mit rassistischen Sprüchen strafbar macht, wird sich das auch anderswo kaum ändern.
Zu diesem Thema auch heute unsere Umfrage:

Berliner Schnuppen
Telegramm
Aus einem Brief an den Regierenden Bürgermeister, verfasst von Anton Huttenlocher, Ältester an der Evangeliums-Christengemeinde Berlin-Lichtenberg:
„‚Sollt ich meinem Gott nicht singen?‘ – diese rhetorische Frage stellt der berühmte deutsche Dichter und evangelische Theologe Paul Gerhardt (1607-1676) in einer der bekanntesten Hymnen aus seiner Feder. ‚Nein, sollst du nicht!‘ – meint der Berliner Senat.“
Huttenlocher fordert, das Singverbot in den Gottesdiensten aufzuheben. Er wird sich gedulden müssen – und mag sich mit einem Blick in die Bibel trösten: „In dem Augenblick, in dem sie anfingen zu singen und Gott zu loben, ließ der Herr die Heere von Ammon, Moab und aus dem Gebirge Seïr, die Juda angriffen, in einen Hinterhalt laufen, und sie wurden geschlagen.“ Nur können Viren leider nicht lesen. (2.Chronik 20,21)
Frage für Berlinkenner: Wie bewirbt man sich beim IT-Dienstleistungszentrum für die Stelle als Volljurist in der Abteilung Unternehmenssteuerung (Kennziffer 44/2020)? Na? Klaro: Auf gar keinen Fall per E-Mail – solche Bewerbungen können laut Ausschreibung der Digitalzentrale des Landes Berlin „leider nicht für den Auswahlprozess berücksichtigt werden“.
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„Betreff: Vorsicht bei der Tagespost“ steht in einer Mail des SPD-Landesvorstands von gestern, 14:49 Uhr – in Hannover war am Vormittag in einem Parteibüro ein Brief mit braunem Pulver eingegangen, Absender: ein Hakenkreuz.
Aus der Spambox – Eine Art Ganzkörperaluhut bietet ein Modelabel an: „Alle Produkte von Safily werden auf neuartige Weise aus einem Stoff hergestellt, der elektromagnetische Strahlung abschirmt“, heißt es. Tja, da kommt nicht mal mehr Bill Gates durch – und vielleicht sehen wir Ken Jebsen und Xavier Naidoo bei der nächsten Reichsbürger-Demo ja in Safily-Socken herumlaufen.
Kleines Berlinquiz: Eine Frau entdeckt ihr geklautes Rad auf einem Internetportal – und nimmt zum Date mit dem Inserenten die Polizei mit. Frage: Wie viele Fahrräder hat der Verkäufer noch in seiner Garage? a) keins; b) seins; c) 38? Hm… nehmen wir mal den Publikumsjoker: Bei einer Twitter-Umfrage der Polizei wählten immerhin 5 % die Antwortmöglichkeiten a) und b)…
Die Bundesregierung tappte im Dunkeln,was die Zahlen häuslicher Gewalt während des Lockdowns betrifft (CP v. 23.5.) – die TU München gibt jetzt nach einer repräsentativen Umfrage bekannt: Mehr als drei Prozent aller Frauen wurden geschlagen, in 6,5 Prozent der Haushalte waren Kinder die Opfer. Was ebenfalls herauskam: Der soziale Kontakt vieler Frauen wird von Männern kontrolliert – womit auch die Grenzen einer repräsentativen Umfrage benannt sind (es sei denn, sie findet per Gedankenübertragung statt).
Zum „hässlichsten Platz Berlins“ hat gestern unsere Kollegin Tanja Buntrock den Ernst-Reuter-Platz ausgerufen – und damit eine hübsche Debatte ausgelöst.
Die Konkurrentenliste im Kampf um den Titel wird immer länger: Innsbrucker Platz, Europaplatz, Washingtonplatz, Alexanderplatz Potsdamer Platz, Navarraplatz, Kottbusser Tor, Kurt-Schumacher-Platz, Jakob-Kaiser-Platz, Schlossplatz, Walter-Benjamin-Platz, Walter-Schreiber-Platz, Mercedes Platz, Kranoldplatz, Helmholtzplatz, Bernhard-Lichtenberg-Platz, Hermannplatz, Scharounplatz… Oje, da bleibt ja fast nichts mehr übrig. War Ihr Lieblingshässlichplatz dabei?
Ok. Dann fragen wir doch mal andersherum: Welcher Platz ist der schönste? Und kommen Sie uns bitte nicht mit dem Gendarmenmarkt, sonst nehmen wir Ihnen den Reiseführer weg. Nur ernstgemeinte Mails bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.
Genannt wurde übrigens auch „Neukölln“, aber das gilt nicht, denn: „Neukölln ist überall“ (Heinz Buschkowsky) und natürlich kein Platz, sondern irgendwie anders, grundsätzlich und sowieso. Zumindest anders, als es in unserem Buch „100 Kapitel über Berlin…“ steht (hier zu bestellen) – das meint jedenfalls Gert Stürzebacher. Er schreibt:
„Jaja, die gepflegten Vorurteile! In Wirklichkeit ist der Bezirk doch erheblich heterogener und in vielen Ecken ganz anders, als es der halbgebildete Outsider vermutet. In unserem Haus in der Donaustraße (in ‚Kreuzkölln‘) wohnen zum Beispiel folgende Mietparteien: Schwule Ärzte-WG, Kameramann, adeliger Französischlehrer, Goldschmiedin, Galeristen, promovierte Juristen, Künstler-WG, italienisch-türkische Kleinfamilie, Psychatrie-Krankenschwester, syrische Flüchtlingsfamilie, Psychologe, Maurerpolier im Ruhestand. Im Alter von 2 Jahren bis 75 Jahren. In Wohnungen zwischen 66m2 und 130m2. Eine tolle Berliner Mischung, multikulturell und viel facettenreicher, als es der sich wohlig gruselnde Westberliner Altbaubewohner, wenn er Neukölln hört, vorzustellen vermag.“
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Und wie sieht’s mit Charlottenburg-Wilmersorf aus? Hier leben sie ja schließlich, die „sich wohlig gruselnden Westberliner Altbaubewohner“ (pflegt halt jeder so seine Vorurteile – nicht wahr, Herr Stürzebacher?). Die Debatte darüber beginnt jedenfalls heute, wenn der neue „Leute“-Newsletter von Cay Dobberke erscheint – mit Auszügen aus „Berlin in 100 Kapiteln…“. Und dann sind Sie wieder dran.
Bei „zibb“ im RBB wird „Berlin in 100 Kapiteln…“ übrigens heute auch vorgestellt (18:27 Uhr) – vom Wahnsinn umjubelt, ins Scheitern verliebt.
Fünf bis zehn Euro „Corona-Zuschlag“ nehmen die Friseure – dazu unser Finanztipp: Lassen Sie sich einfach die Haare fünf bis zehn Zentimeter kürzer schneiden. (Ihre Bilder schicken Sie bitte an checkpoint@tagesspiegel.de)
„Feuerwehr mit Wasserstoff im Einsatz“ klingt als Meldung ja eigentlich logisch. Na was denn sonst? Mit Cola, Limo, Bier? Ach so… Bisher war die Feuerwehr mit Verbrennungsmotor im Einsatz, und komisch ist, dass das bisher fast niemand komisch fand.
Und hier noch ein Hinweis der Feuerwehr, damit Sie die vier (!) Wägelchen auch erkennen: „Alle Fahrzeuge sind mit Blaulicht und akustischer Sondersignalanlage ausgerüstet sowie mit dem Schriftzug ‚Feuerwehr‘ beklebt.“ Lalü lalü lalü…
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Kleine Freibad-Zwischenbilanz nach den warmen Tagen: Es geht auch spontan, aber nicht überall. Tickets müssen online gebucht werden. Die längste Wartezeit auf einen Slot hat das Sommerbad Olympiastadion (frühestmöglicher Termin 8. Juni, 11 Uhr. Auch im Prinzenbad kann es zwei Tage dauern, im Lochow in Wilmersdorf einen Tag. Sofort freie Slots hatten gestern das Sommerbad Neukölln, das Kombibad Spandau Süd und das Kombibad Gropiusstadt. Im Strandbad Lübars geht’s ohne Vorbuchung direkt an die Kasse fürs Tagesticket – und im Strandbad Wannsee funktioniert der Link zum Ticketshop nicht.
Wir schalten kurz um für eine wichtige Rundfunknachricht: „JAM FM zahlt Dir 6 x täglich Deine Lippenunterspritzung“. Boah… what? Sechsmal täglich! Puh… Aber wer hat schon so viel Zeit? Ich leider nicht. Es kommentiert Peter Fox: „Guten Morgen Berlin, du kannst so schön hässlich sein…“
Tegel bleibt offen (jedenfalls bis November) – und wir blättern weiter in den TXL-Google-Rezensionen… heute schreibt Doris Wagner: „Extrem kurze Wege. Könnte auch vom Konzept her eine Bushaltestelle sein.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
Bettina Schausten vom ZDF gestern Abend beim Kanzlerin-Interview:
„Dass Markus Söder inzwischen von vielen als Kanzlerkandidat gesehen wird...“
Satzvervollständigung von Angela Merkel:
„…lese ich in der Zeitung“.
Tweet des Tages
‚Wo kommst du her?‘ ‚Aus Berlin.‘ ‚Kennst du Malte?‘
Antwort d. Red.: Tja, gute Frage. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Malte zu kennen? Könnten wir ausrechen, aber weil der Leiter unseres Kurses „Mathe mit dem Checkpoint“ gerade Urlaub hat, habe ich schon mal schnell durchgezählt, wie viele Neugeborene im vergangenen Jahr in Berlin Malte genannt wurden: Es sind 39 (also nicht sehr viele). Pankow liegt mit 12 an der Spitze, in Xhain und MaHe gab es gar keinen Treffer.
Immerhin, ich kenne einen Malte, „meinen“ Malte: Früher haben wir uns beim Tagessspiegel ein Büro geteilt, täglich gemeinsam die „Dritte Seite“ erdacht und gemacht – und uns gegenseitig mit überlebenswichtiger Nahrung versorgt (Cola und Mars). Heute schreibt Malte Lehming kluge Kommentare für den Tagesspiegel und Beiträge für unseren USA-Newsletter „Twenty/Twenty“ (zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier).
Und hier gleich noch ein Malte: Malte Welding schreibt auf Twitter: „Unser einjähriger Sohn hat Fieber, wir sagen bei der Kita Bescheid, die Kita informiert das Gesundheitsamt, das sagt: Kind braucht einen Corona-Test, vor Ergebnis keine Betreuung. Anruf beim Arzt: Kein Test ohne Kontakt zu Infizierten. Geniales Berlin.“
Stadtleben
Neu in Neukölln –Eigentlich wollte die kleine Schwester von Katie’s Blue Cat schon längst seine gläsernen Türen aufstoßen. Nun lädt das Kitten Deli ein ins frisch eröffnete Café – trotz Corona-Verspätung. Zwischen hohen Wänden und dunklen Holzvertäfelungen nippen die Gäste am Aperol, knabbern am Zopfbrot und verputzen bunte israelische Mezze. Unser Favorit: Das edle Sabich, gebratene Aubergine mit Mango und Tahin. Eilige ergattern ein Tabouleh to go, wer Zeit mitbringt, bleibt auf Mojito und Smoothie – oder spaziert samt Hummus das Maybachufer entlang. Fr-Di 11-20 Uhr, Friedelstraße 30, U-Bhf Schönleinstraße
Nachtisch? Nachtisch! Zum Zuckerschock sausen Hungrige flugs zwei Blocks weiter ans Maybachufer 8: Pünktlich zum Internationalen Donut-Tag taucht Brammibal’s sein Gebäck in Schokoladen-Ganache. Obendrauf gibt’s Buttercreme und einen kleinen Mini-Donut (ca. 3 Euro) – nichts wie hin!

Kiezkunst retten – Bunte Figuren klettern durch das Schaufenster der Frankfurter Allee, trinken Wein und tanzen nackt um den Fernsehturm: In den vergangenen Wochen ist die Glasfront der Studio Galerie Berlin zum Kieztreffpunkt geworden. Das Fenster ist eine Botschaft in der Krise – es geht weiter. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass man nicht den Kopf in den Sand steckt“, erzählt Inhaber Jan Linkersdorff. „Man muss weiter für die Kultur kämpfen, Projekte entwickeln.“ Obwohl die Galerie für einen Monat schließen musste, ist er zuversichtlich: Linkersdorff freut sich über die Unterstützung seiner Nachbarn und Stammkunden, die nun erst recht zu ihm strömen, um Skulpturen zu bewundern und über Kunst zu streiten. Trotzdem bleibt die Zukunft des Studios unklar. „Wir wissen nicht, wie sich das Kaufverhalten durch die Krise verändern wird.“ Mehr als 60 Kunstschaffende sind auf den Vertrieb in der Galerie angewiesen, auch deshalb hat das Studio seit einigen Wochen wieder geöffnet. Vorsichtig optimistisch verschickt das Team Einladungen für eine Vernissage im Herbst. „Wir werden uns weiter entlang hangeln“, sagt Linkersdorff. Und: „Wir kriegen das hin.“
Wer Kunsthandwerk retten möchte, der begibt sich flink in die Frankfurter Allee 36a (Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr, U-Bhf Samariterstraße). Auch im Netz freut sich das Team über Unterstützung: Gutscheine für die Studio Galerie Berlin Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. (Foto: Promo)
Auch Ihr Lieblingsladen braucht Hilfe? Schreiben Sie uns an checkpoint@tagesspiegel.de.
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Sie möchten sich sinnvoll engagieren, aber wissen nicht wo? Unser Newsletter „Ehrensache“ informiert Sie jeden Monat über die vielfältigen Möglichkeiten des Engagements, Charity und Ehrenamt in der Hauptstadt. Außerdem: Nachrichten rund um alles, was Ehrenamtler in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Anmeldung unter: ehrensache.tagesspiegel.de
Draußenkultur – Frischluft-Klassik: Weil die Bühne zu ist, zieht die Deutsche Oper ins Freie. Wotan, Fricka und Alberich lässt das Haus künftig auf dem Parkplatz flanieren, Fluten besingen und Ringe rauben – Wagner al Fresco, sozusagen. In 90 Minuten jagt das Ensemble durchs pompöse „Rheingold“, das in Virus-Zeiten mit nur zwölf Sängern auskommen muss. Kurz vor Beginn der Dämmerung erklingen ab Freitag die ersten Töne der Rheintöchter: In halbszenischer Aufführung auf dem Asphalt trotzen die Künstler der Zwangspause. Neugierig? Tickets (fünf Euro) gibt’s ab 12 Uhr im Netz – pro Vorstellung nehmen 200 Zuschauer auf dem Parkdeck Platz. Also: losgeklickt und Karten gesichert.
Last-Minute-Lyrik – Das Poesiefestival entführt Virus-Leidige in die Fernen der Galaxis – ganz virtuell. Unter dem Motto „Planet P“ startet heute die erste digitale Ausgabe des Fests der Dichter: In Performances, Konzerten und Poetry Slams erforschen die Poeten die Beben der Welt. Mit Texten zu Krieg, Pandemie und Klimakrise rütteln die Künstler auf, erschaffen Nähe trotz physischer Distanz. Heute im Stream: die lange Nacht der Poesie – per Livestream aus den Wohnzimmern der Welt. In satten sieben Muttersprachen erzählen Dichter den Ausnahmezustand und lesen bis spät in den Abend hinein. Keine Angst, wer nun panisch das Wörterbuch sucht: Die deutsche Übersetzung steht zum Mitlesen bereit. Rezitiert wird ab 19.30 Uhr, direkt zum Stream geht‘s hier.
Last-Minute-Stream – (ein Tipp von Ticket-Kollegin Sandra Luzina) „Was steckt hinter der Maske, die ich meinen Körper nenne?“ lautet die corona-konforme Ausgangsfrage der Performance „KörperWetter“. Da die für den 3. Juni geplante Premiere nicht stattfinden konnte, hat sich die Tanzcompagnie Rubato für ein Streamingformat entschieden. Von heute bis Sonntag ist jeden Tag eine neue Episode von 20-25 Minuten online zu sehen. Das Besondere: Es wird nur eine Kamera geben, die sich gemeinsam mit den drei Tanzenden auf der Bühne bewegt. Die Choreografie wird hier „von innen“ gefilmt – der Zuschauer wird direkt hineingezogen in das tänzerische Geschehen und vergisst mal kurz die Körperdefinitionen der Epidemiologen.
Wieder hingehen – (ein Kunsttipp von Birgit Rieger) Max Kaus war rund zehn Jahre jünger als die anderen Brücke-Künstler. Eines der Brücke-Mitglieder, Erich Heckel, traf er im Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung „Max Kaus. Unter Freunden“ handelt von Unterstützung und Freundschaft. In Gemälden, Druckgrafiken und Aquarellen aus allen Schaffensphasen Kaus‘ ist zu sehen, wer den Lebensweg des Malers beeinflusst hat. Eine wichtige Rolle spielte auch seine zweite Frau Sigrid Kaus: Sie ist es, die dem Brücke-Museum in den vergangenen zwei Jahren 20 Bilder ihres Ehemannes schenkte (bis 30. August). Karten gibt's für 6/4 Euro, geöffnet ist das Museum am Bussardsteig 9 Mi-Mo von 11-17 Uhr. Für Checkpoint-Lesende haben wir 2x2 Freikarten organisiert – wer möchte?
Wieder hoch hinaus – Die Dächer der Hauptstadt zählen, Spionen auf der Spur sein und Street Art bewundern: Seit kurzem ist auch die ehemalige Radarstation des Teufelsbergs wieder zur Entdeckung freigegeben. Zwar bleiben die Kuppeln derzeit geschlossen, doch klettern Besucher fleißig über das weite Gelände – dort oben bestaunen sie ein Grafitti nach dem nächsten. Neuestes Werk: Meterhohe ägyptische Götter auf psychedelisch-grellen Wänden. Noch sind normale historische Touren nicht möglich, doch wer neugierig ist, klickt sich einen Privat-Rundgang – seit Juni führt das Team bis zu zehn Personen über das gesamte Areal (200 Euro). Zeit für einen Familienausflug? Normale Tickets gibt’s für ca. fünf Euro, zur Buchung geht es hier entlang. Checkpoint-Tipp: Wein mitnehmen und Sonnenuntergang gucken! Geöffnet Mi-So von 11 Uhr bis zur Dämmerung, Teufelsseechaussee 10, S-Bhf Grunewald
Mit diesem Stadtleben wünscht Lotte Buschenhagen ein aufregendes Wochenende!
Berlin heute
Verkehr – Gesamte Innenstadt: Zwischen 10.20 und 14 Uhr kann es aufgrund von Fahrraddemonstrationen (s.u.) in der ganzen Innenstadt zu Verkehrseinschränkungen kommen. Besonders betroffen sind die Bezirke Mitte, Kreuzberg, Charlottenburg und Pankow. Die Protestzüge treffen in der Scharnhorststraße in Mitte zusammen.
Uhlandstraße (Charlottenburg): Sperrung zwischen Lietzenburger Straße und Ludwigkirchstraße, Fuß- und Radverkehr frei (bis Sonntag).
A10 Nördlicher Berliner Ring: Im Rahmen des Ausbaus der A10 wird die Autobahnunterführung (L21) im Bereich AS Mühlenbeck ab 22 Uhr in beiden Richtungen gesperrt. Weiträumige Umleitungen sind ausgeschildert (bis Montag).
S-Bahn: Wegen Bauarbeiten sind die Linien S41, S42 und S46 ab 22 Uhr zwischen Westend und Wedding unterbrochen, es fährt Ersatzverkehr (bis Montag).
Regionalverkehr: Wegen Kanalarbeiten fallen die Züge des RE7 zwischen Berlin-Schönefeld Flughafen und Wünsdorf-Waldstadt ab 22 Uhr aus, zwischen Berlin-Schönefeld Flughafen und Blankenfelde fahren zum Ersatz Busse (ebenfalls bis Montag).
Demonstration – Fridays for Future ruft im Invalidenpark zum Klimastreik: Von 12-14 Uhr treffen sich dort ca. 300 Protestierende. 50 Teilnehmende rücken umweltgerecht per Fahrrad an (s.o.). An der Kreuzung Leipziger Straße / Wilhelmstraße demonstriert die Bauförderung Landwirtschaft unter dem Motto „Regionale Lebensmittel ermöglichen – Tierhaltung in Deutschland erhalten“, erwartet werden ca. 200 Personen (8.30-12 Uhr). Vor dem Kultusministerium in Mitte fordern ca. 100 Teilnehmende ein „Faires Abi 2020“ (15-17 Uhr). Am Bundesrat protestiert die Organisation „Vier Pfoten“ gegen die „Kastenstandhaltung von Sauen“, hier sind ebenfalls ca. 100 Personen angemeldet (8-14.30 Uhr). Am Jungfernstieg 4b in Lichterfelde treffen sich ca. 50 Teilnehmende zum abendlichen „Tanz in den Juni gegen die AfD“ (18-23.30 Uhr).
Gericht – Weil er in seiner Berliner Firma ein Drogen-Labor betrieben und kiloweise Rauschgift verkauft haben soll, wird einem 32-Jährigen der Prozess gemacht. Ein 63-Jähriger, der im Auftrag des mutmaßlichen Dealers mehr als eine halbe Million Ecstasy-Pillen hergestellt haben soll, ist wegen Beihilfe mitangeklagt (12.40 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 504).
Heimuniversität – #BlackoutTuesday: Mit schwarzem Profilbild gegen den Rassismus? Im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur spricht FU-Professor Martin Lüthe über die Proteste in den USA, Diskriminierung in Deutschland und den Wert des Online-Aktivismus. Was bewirken Bilder, wo beginnt Veränderung? Hören, weil es wichtig ist.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Monika Fleischmann (70), „Medienkünstlerin - Happy Birthday! Deinen großen Tag feiern wir mit einem kleinen Fest und holen das große nach. ;-)“ / Hansjörg Göritz (61), Architekt / Sebastian Krumbiegel (54), Sänger bei „Die Prinzen“ / Nicole Ludwig (49), für die Grünen im AGH / „Herzliche Geburtstagsgrüße an Burckhard und Dirk Meister von Christine aus dem 7. Stock in Moabit“ / Maike Mette Thaben, „Herzlichen Glückwunsch aus Schweden und viel Glück bei der Eröffnung von beadmaker's bench“
Samstag – D-Bo (42), Rapper und Produzent / Alexander Demandt (83), Historiker / Fritzi Haberlandt (45), Schauspielerin / Peter Lenk (73), Künstler und Bildhauer / Ulrike Ottinger (78), Regisseurin, Fotografin und Drehbuchautorin / Jasenka „Senka“ Villbrandt (69), Pädagogin und ehem. für die Grünen im AGH (2004-16)
Sonntag – Andora, bürgerlich Andreas Hoge (62), Künstler und Maler / Burkard Dregger (56), Politiker (CDU), Mitglied des AGH und Vorsitzender der CDU-Fraktion / Hubertus Erlen (77), Industriemanager / Claus Peymann (83). Theaterregisseur, ehem. Intendant des Berliner Ensembles / Hans-Christian Ströbele (81), Rechtsanwalt und Politiker (Die Grünen)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Thomas Flick, * 11. März 1955, Tierarzt / Gert Olaf Linke, * 25. August 1956, Wirt / Frerk Müller, * 08. März 1936 / Bernd Schmelzer, * 26. Februar 1949 / Sebastian Ueberschaer, verstorben im Mai 2020
Stolperstein – In der Dortmunder Straße 13 in Moabit erinnert ein Stolperstein an Heinz Eugen Almus (Jg. 1925). Er wurde im Frühjahr 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er wenige Monate später – heute vor 77 Jahren – ermordet wurde. Zu seinem Todeszeitpunkt war Heinz Eugen gerade einmal 17 Jahre alt.
Encore
Beim Gedanken daran, dass bald schon wieder die Tage kürzer werden,fliegt mich eine leichte Panik an: Ist die schönste Zeit des Jahres in Berlin diesmal schon beendet, bevor sie überhaupt angefangen hat? Aber dann kommt gerade noch diese Nachricht rein, während es draußen schon hell geworden ist und die Amseln im Hof eine Anzeige wegen Ruhestörung riskieren: „Heute ist die letzte Mondfinsternis des Jahres.“ Und irgendwie hat das was von: Jetzt kann es nur noch besser werden. Und das wird’s – schon morgen früh, wenn hier Anke Myrrhe die Reste des heutigen Tages und der darauffolgenden Frühsommernacht zusammenkehrt.
Bis dahin,
