Noch keine Anzeige nach Promi-Auflauf im Borchardt
Zu voll, zu wenig Abstand, zu lange geöffnet: Das VIP-Treffen in der Edel-Gaststätte vor zwei Wochen ist eigentlich ein klarer Bußgeldfall – warum passiert da nichts? Von Lorenz Maroldt
Gibt’s im „Borchardt“ die Spezialität „Promi-Bonus“ zum Nachtisch? Mehr als zwei Wochen nach der Schampus-Sause, die von der Polizei wegen überschäumender Fülle beendet wurde, hat jedenfalls noch immer niemand dem Wirt die Rechnung serviert – dabei stand auf der Speisekarte ein mehrfacher Verstoß gegen die Corona-Verordnung: zu voll, zu wenig Abstand, zu lange geöffnet. Der Zuckerguss bestand aus einem Bruderkuss: FDP-Chef Lindner umarmte den Honorarkonsul von Weißrussland (letzte lupenreine Diktatur in Europa) – Trauer trugen nur die Masken (sie waren auf Halbmast gesetzt).
Eigentlich ein klarer Bußgeldfall – aber warum passiert da nichts? Na, dann begeben wir uns doch mal auf die Schnitzeljagd… Am heißesten ist es in der Küche von Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel, sein Ordnungsamt müsste das Bußgeld kassieren. „Saftig“ sollte die Strafe sein, so wurde es am nächsten Tag von Koalitionsmitgliedern beim Bezirksamt bestellt – ihre Hoffnung: So lässt sich Lindner nochmal in die Pfanne hauen. Doch so, wie der Borchardt-Koch ein Kalb fürs Schnitzel braucht, braucht der Bürgermeister eine Anzeige der Polizei. Doch die fehlt bis heute – oder gibt’s vielleicht gar keine?
Wir bleiben beim Thema „Corona-Verstöße“ und schauen zwei Abgeordneten bei der Feindbildpflege zu. Stefan Förster (FDP) will wissen, warum alle Abstand halten müssen – „nur nicht die Chaoten am 1. Mai?“ Und Hanno Bachmann (AfD) interessiert sich besonders für Verstöße am 3. April rund um die Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee. In beiden Fällen hat Innenstaatssekretär Torsten Akmann genau nachgezählt. Auf der Borchardt-Sache kaut er seit mindestens einer Woche rum (immerhin – er hat sich’s notiert). Vielleicht checkt er aber auch noch auf der Gästeliste, wer da was genossen hat.
Kneipen, die wegen Corona pleite gehen oder auf der Kippe stehen: Giraffe, Zwiebelfisch, Kreuz+Kümmel, WAU, Schlawinchen, Lentz, Leonhardt… Berlin fällt trocken.