Berlin rast weiter. Die aktuelle Wochenendbilanz: In TXL-Nähe haben Beamte am Samstag Motorräder und Führerscheine von fünf Männern und einer Frau beschlagnahmt, die sich ein Rennen über die A 111 geliefert haben sollen. In Friedrichshain haben Polizisten in der Nacht zu Sonntag ein mutmaßliches Drogentaxi angehalten, das zuvor in ein illegales Autorennen verwickelt gewesen war. In Gesundbrunnen wurde gegen 1.30 Uhr ein Mercedes gestoppt, der mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein soll. Als die beiden Polizisten sich dem Wagen näherten, gab der Fahrer Gas und fuhr direkt auf einen der beiden Beamten zu. Der Beamte gab mehrere Schüsse auf das Fahrzeug ab, das sich daraufhin entfernte. In Kreuzberg mussten Polizisten am Sonntagmorgen die Verfolgung eines Rasers aufnehmen und prallten dabei gegen einen Stromkasten, ein geparktes Mofa und einen Baum. Dass bei all dem keiner schwer verletzt wurde: pures Glück. Acht mögliche Maßnahmen gegen die Raserei hat Checkpoint-Kollege Stefan Jacobs realitätsgecheckt (seinen Text lesen Sie als T+-AbonnentIn hier). Mit besonderen Grüßen an den Senat.
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Wir bleiben bei der Verkehrsunsicherheit und kommen zur Giesensdorfer Grundschule in Steglitz-Zehlendorf. „WIR FINDEN: ES REICHT! WIR FORDERN DIE SOFORTIGE AUSWEITUNG DES TEMPO 30“, heißt es in einem von der Schulleitung und Elternvertretung unterstützten Antrag, der dem Checkpoint vorliegt. „Der Ostpreußendamm rund um die T-Kreuzung Osdorfer Straße/Ostpreußendamm ist für Fußgänger sehr gefährlich. Täglich gibt es brenzlige Situationen. Dabei sind eine Grundschule, drei Kindergärten sowie das Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf in unmittelbarer Nähe. Ein Schüler der Giesensdorfer Grundschule wurde beim Überqueren der Ampel – er hatte grün! – von einem Auto angefahren und schwer verletzt.“ Mit dem Neubaugebiet „Neu-Lichterfelde“ könnte sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschlimmern. Mehr Autos, mehr Gefahr – so die Befürchtung. Ein Einwohnerantrag soll deshalb die Bezirksverordnetenversammlung auffordern, sich bei der Senatsverwaltung für eine Geschwindigkeitsbeschränkung einzusetzen. Tausend Unterschriften werden dafür jetzt gesammelt.
In Krisenzeiten haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Das Potenzial, sich die komplizierte Welt durch einfache Spinnereien zu erklären, ist allerdings schon vorher da. Das zeigt eine repräsentative Erhebung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 durchgeführt wurde. Demnach gaben 30 Prozent der 3.250 Befragten an, die Welt werde „wahrscheinlich“ oder „sicher“ von einer geheimen Macht gesteuert (weitere Antwortmöglichkeiten waren „wahrscheinlich falsch“, „sicher falsch“ und „keine Angabe“). Wer die geheime Macht sein könnte, konnte wiederum ein Sechstel nicht beantworten. Die anderen nannten Wirtschaftsunternehmen, Banken und „das Finanzkapital“ am häufigsten, gefolgt von Geheimdiensten und „reichen Menschen“. Vereinzelt war von „Außerirdischen“ die Rede. In Berlin wähltenStudienleiter Jochen Roose zufolge übrigens – im Vergleich zum Rest der Republik – mehr Menschen die Antwortmöglichkeit „sicher falsch“. Während es in Westdeutschland 35 Prozent waren, die diese Angabe machten, waren es in Ostdeutschland (ohne Berlin) 32 und in Berlin 42 Prozent.
Die nächste Verschwörer-Demo kündigt sich gleich an: Die Gruppe „Demokratischer Widerstand“, die im Frühjahr wochenlang die sogenannten Hygienedemos organisiert hatte, plant unter dem Titel „Verfassungsproblematik in der Bundesrepublik Deutschland in der Gegenwart – Unsere Grundrechte laut Grundgesetz“ eine Neuauflage für den zweiten Oktober. Internen Mails zufolge werden auch Teile der „Querdenken 711“-Initiative sowie dessen Gründer Michael Ballweg erwartet.
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Ein linkes Spektakel spielte sich am Samstag im Grunewald ab. Bei der angemeldeten Kundgebung „Grunewald Dämmerung“ luden Enteignungs-Befürworter zur „satirischen Protest-Oper“ ein. Das Lachen dürfte vielen allerdings bereits bei der Vorrede vergangen sein. Ein Mann forderte alle Grunewalder auf, „aus ihren Häusern zu kommen und sich zu stellen. Man wisse aus der Geschichte, was mit Menschen wie Marie-Antoinette passiert sei. Die Königin von Frankreich war auf dem Schafott hingerichtet worden. Man wolle ja nicht, dass sich Geschichte wiederhole“. (Q: Berliner Morgenpost). Dazu ein Anwohner: „Wahnsinn, was unsere Demokratie alles aushalten muss.“
Fünf Jahre ist es her, dass täglich bis zu tausend Geflüchtete in Berlin ankamen, die registriert, erstversorgt, untergebracht werden und teils bis zur vollkommenen Erschöpfung vor einem überforderten Lageso ausharren mussten. „Wir schaffen das“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) damals gesagt. „Wir haben nicht alles, aber vieles geschafft“, sagt Lageso-Chef Franz Allert heute im Tagesspiegel-Interview (T+). Seine MitarbeiterInnen, die „Unglaubliches geleistet haben“, möchte er rückblickend „in Schutz nehmen“ und sich „für deren Einsatz bedanken“. Das Ausrufen eines Katastrophenfalls hätte er für richtig gehalten, um auf die „Unterstützung der Bundeswehr und Hilfsdienste zugreifen können“. Außerdem ist er davon überzeugt, dass Politik und Lageso „die Dimension und das professionelle Potenzial gesellschaftlichen Engagements völlig unterschätzt“ haben. „Wir hätten gemeinsam besser zum Erfolg kommen können.“
Knapp einen Monat ist es her, dass Innenminister Horst Seehofer (CSU) den Ländern Berlin und Thüringen untersagt hat, auf eigene Faust weitere Geflüchtete aus Lesbos aufzunehmen. Aktuell leben dort in dem für 2.757 Personen ausgelegten Lager – das aufgrund eines ersten Covid-19-Falls seit einigen Tagen unter Massenquarantäne steht – noch immer rund 13.000 Geflüchtete. „Die Bundesregierung trägt eine besondere Mitverantwortung für die desaströsen Verhältnisse und muss nun dringend auf EU-Ebene dafür sorgen, dass die Menschen in den EU-Hotspots auf den griechischen Inseln wirksam vor Covid-19 geschützt werden“, sagt Marie von Manteuffel von Ärzte ohne Grenzen. Mehr als 200 Personen, die aufgrund ihres Alters und ihres Gesundheitszustands ernsthaft von dem Virus bedroht sind, seien namentlich benannt. Seit Monaten fordert die Organisation gemeinsam mit anderen Akteuren, sie in sichere Unterkünfte auf Lesbos, dem Festland oder in anderen EU-Staaten zu bringen. Jetzt drängt die Zeit umso mehr.
Noch eine Meldung in eigener Sache: Der Tagesspiegel feiert dieses Jahr seinen 75. Geburtstag, und weil wir die nächsten 75 Jahre ebenso gut gestalten wollen, interessiert uns besonders, was die jüngeren LeserInnen denken. Was soll sich ändern –und wie derJournalismus der Zukunft aussehen? Welche Themen sind wichtig – und was fehlt? Um all das herauszufinden, verschenken wir 7.500 Tagesspiegel-Plus-Abos an junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren. Mit der Anmeldung gibt es Zugriff auf alle Plus-Inhalte von Tagesspiegel.de und den Checkpoint in der Vollversion. Unsere einzige Bitte: Ehrliches Feedback (die KollegInnen melden sich mit kurzen Fragen, die Teilnahme ist natürlich freiwillig). Zur kostenlosen Anmeldung geht’s unter www.tagesspiegel.de/7500.
Berliner Schnuppen
Telegramm
„Wie könnte Berlin im Jahr 2037 aussehen?“ – unter diesem Titel veranstaltet der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller am morgigen Dienstag ein Symposium. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird auch dabei sein. Wir stellen die Frage einfach schon mal vorab: Schicken Sie uns Ihre Ideen und Visionen an checkpoint@tagesspiegel.de.
Es ist Zahltag! Von heute an erhalten Eltern von rund 18 Millionen Kindern in Deutschland den coronabedingten Kinder-Bonus von 300 Euro. Geplant ist die Auszahlung schrittweise. 200 Euro soll es im September geben, weitere 100 im Oktober.
Gute Finanzen: Bis Ende August musste das Land Berlin noch keine neuen Schulden machen. Die Ermächtigung im ersten Nachtragshaushalt, aufgrund einer „außergewöhnlichen Notsituation“ in diesem Jahr bis zu sechs Milliarden Euro Kredit aufzunehmen, wurde bisher nicht in Anspruch genommen.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Schlechte Finanzen (und ein klarer Fall für Mathe mit dem Checkpoint): Das landeseigene Programm für „Modulare Kitabauten für Berlin“ gerät zu einem Luxusvorhaben. Die Kosten pro Platz sind von ursprünglich angenommenen 35.000 Euro auf 60.500 Euro (und nicht 50.700 Euro wie verrechneterweise von SPD-Bildungsstaatssekretärin Sigrid Klebba angegeben) gestiegen.
Am Wochenende gab’s 15 Minuten Ruhm für die Britzer Fritz-Karsen-Schule! Und zwar in einer Sonderausgabe der heute-show. Hauptsendungsthema waren die Corona-Regeln an Schulen und wie Deutschland die Digitalisierung hier vernachlässigt hat. Da kann Berlin natürlich brillieren! Die Karsen-Schule soll mehr als 80 Tablets für bedürftige Schüler aus einem Sonderprogramm beantragt haben. Bekommen hat sie – eins. Hier der ganze Beitrag.
Weiter geht’s mit der 2020 besonders beliebten Kategorie „Schlagzeilen, die nur dieses Jahr macht“. Heute: „Polizeihubschrauber verjagt Strandurlauber auf Mallorca.“ Die Luftkontrollen dienen der Durchsetzung von Corona-Maßnahmen gegen renitente Badegäste. „Ist nur einmal im Jahr“ zählt nicht.
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Hitlergruß, antisemitische Videos und Reichsbürgersymbole: In mindestens 170 Fällen sind PolizistInnen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren mit rassistischem und/oder rechtsextremem Gedankengut aufgefallen. Das zeigt eine Tagesspiegel-Umfrage in den Innenministerien und Polizeipräsidien der 16 Bundesländer. Nur ein einziges hat keine Auskunft gegeben. Sie ahnen es: Hessen.
Die Ermittlungen im Zusammenhang mit den „NSU 2.0“-Drohschreiben gehen derweil weiter. WDR und SZ zufolge wurden mittlerweile auch vier Polizisten aus Berlin und Hamburg befragt. Die beiden Berliner Beamten sollen Daten der Kabarettistin Idil Baydar abgefragt und „keine stichhaltigen Gründe“ für ihr Tun geliefert haben. Von Seiten der (hessischen) Ermittler heißt es, sie hätten nicht allzu viele private Informationen über die Künstlerin erhalten. Es sei nur eine „sehr oberflächliche Abfrage erfolgt“. Nicht weniger beunruhigend.
Neues aus der umstrittensten Grünanlage Berlins: Laut „Berliner Morgenpost“ hat die Zahl schwerer Gewalttaten im „Görli“ und dem benachbarten Wrangelkiez wieder zugenommen. Bis Ende August soll die Polizei zehn Prozent mehr gefährliche Körperverletzungen registriert haben als bis zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Insider“ gehen von Revierkämpfen zwischen den Dealern aus. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann fordert Kontaktbereichsbeamte, die vor Ort als feste Ansprechpartner unterwegs sind. GGG – Gegen den Gewaltanstieg im Görli.
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Neues aus Müllhausen: Checkpoint-Leser Volker H. meldet eine zerlegte Couch, die bereits seit einigen Wochen in der Essener Straße/ Ecke Stromstraße in Moabit rumgammelt. „Auch wenn dieser ‚Fall‘ noch nicht die charmant-morbide Wachstumsdramatik von Neukölln aufweisen kann, zeigt er doch ziemlich drastisch die mangelnde Sensibilität und die zunehmende Rücksichtslosigkeit der Berliner im Umgang mit dem eigenen Müll auf“, schreibt er. Und ergänzt: „Touristen bringen ja eher nicht ihr eigenes Sofa mit und lassen dies mal eben auf dem Bürgersteig stehen...“ Wahrscheinlich.
Michael Efler (Linke) interessiert sich für den Berliner Bioabfall und hat sich beim Senat nach den Mengen erkundigt. Die Antwort: Die BSR erwartet für 2020 rund 118.000 Mg = Megagramm (1 Mg = 1 t = 1.000 kg) Abfälle aus der Biotonne. „Während in der Innenstadt nahezu alle Haushalte an die Biotonne angeschlossen sind, sind es in den Außenbezirken aufgrund der Eigenkompostierer rund 60 Prozent.“
Tempelhof-Schöneberg ist Hochzeits-Hochburg. 2.059 Ehen wurden hier im Jahr 2019 geschlossen. Knapp dahinter liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (1.966) und Neukölln (1.639). Am seltensten wurde die lebenslange Liebe in Spandau (682) institutionalisiert. Ein Scheidungsverfahren (insgesamt gab’s berlinweit 6.058) dauerte im Schnitt zehn Monate. (Q: Anfrage Sebastian Schlüsselburg, MdA Linke)
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Support gesucht! „Unsere Kleiderkammer scheint wie leergefegt“, schreibt die Berliner Stadtmission via Facebook. „Täglich kommen zwischen 90-100 wohnungslose Menschen, um neue Kleidung zu erhalten. Langsam wird es in unseren Lagern knapp.“ Besonders dringend gebraucht werden Männerkleidung, Schlafsäcke, Rucksäcke und Unterhosen. Wer hat noch was, wer braucht’s nicht mehr?
Last but not least: Der Problem-BER braucht bis Oktober dringend Geld. 300 Millionen Euro sollen noch bis Ende des Jahres von Berlin, Brandenburg und Bund überwiesen werden. Andernfalls wäre der Flughafen bereits bei seiner Eröffnung pleite. Der Countdown läuft. Noch 53 Tage.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Nachbarn haben schon Eimer mit allerlei Flüssigkeiten auf die Feiernden gekippt. Das finde ich nicht gut. Sind doch junge Leute, vielleicht kommen sie aus Rudow wie ich damals – man muss doch feiern, wenn man jung ist.“
Mona Barthelmeß lebt seit 1977 dort, wo andere möglichst schnell durcheilen: im Zentrum Kreuzberg am Kottbusser Tor
Tweet des Tages
Zu Weihnachten wünsche ich mir einen freien Termin in einem Berliner Bürgeramt zur Ummeldung.
Stadtleben
Essen – Im Aleppo Supper Club in der Rigaer Straße 58 (Friedrichshain) will man gar nicht mehr aufhören zu essen. Am besten bestellt man deswegen gleich alles von der eher kleinen Karte. Zum Beispiel ein paar gefüllte Wienblätter, Hummus oder andere syrische Spezialitäten, wie Kibbeh (Lammhackfleischbällchen mit Mandeln, Bulgur und Jogurt). Obwohl der Laden winzig ist, hat der Besitzer Samer Hafez dafür eine Lösung gefunden: Die Gäste können das Essen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf einem angemieteten Parkplatz genießen. Am Anfang, nach dem Lockdown, sei das mit dem Genuss gar nicht so einfach gewesen, erzählt Hafez, „aber mittlerweile haben sich meine Gäste daran gewöhnt, so wie wahrscheinlich alle.“ S-/U-Bhf Frankfurter Allee, tgl. 10-20 Uhr
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Tagesspiegel-Podcast "Gyncast"
Folge 10: "Von Porno und Pink Viagra - Was uns anturnt und was uns anturnen soll"
Wie verändern Pornos und Sexspielzeug unser Begehren? Was, wenn in einer langen Beziehung der Sex abhandenkommt? Der neue „Gyncast“ widmet sich den gesellschaftlichen Aspekten von weiblicher Lust. Und Dr. Mandy Mangler verrät einen Master*inplan zum Orgasmus.
Trinken – Wer mal wieder ein richtiges Feierabendbier braucht, ist im Wirtshaus Wuppke genau richtig, eine echte Charlottenburger Institution, Berliner Urgestein sozusagen. An einem Montagabend kann es eigentlich keinen besseren Ausklang geben. S-Bhf Savignyplatz, tgl. ab 13 Uhr
Das ganze Stadtleben gibt's mit Tagesspiegel-Plus-Abo.
Berlinbesuch – Berlin ist eine Stadt, die die Gegensätze gerade so anzieht. So ist es auch kaum überraschend, dass diese auch in der Streetart-Szene zu finden sind. Rocco und seine Brüder, ein Streetartkollektiv, ist knallhart, politisch und meist eher illegal unterwegs. Die mitunter von ihrer Größe verblüffenden Projekte, die mehr als Graffiti sind, kann man digital auf der Website oder auf Instagram verfolgen. Wer die Szene von seiner bürgernahen Seite bestaunen will, kann aber auch verschiedenste Streetart-Touren in Berlin machen, manch eine Tour führt sogar bis hinter die Kulissen, in die Ateliers der Künstler*innen oder lädt zum Mitmachen ein.

Doch noch hingehen – Gute Nachrichten! Die Gruppenausstellung „WATERPROOF“ in der Galerie Deschler Berlin wurde verlängert, und zwar bis zum 26. September. Die verschiedenen Künstler*innen setzen sich mit den Auswirkungen der Corona Pandemie auseinander. Diese sind vielseitig interpretierbar, allein der Name „WATERPROOF“ spiegelt dies schon wider. Auguststraße 61 (Mitte), U-Bhf Rosenthaler Platz, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr, und nach Vereinbarung – während der Art Week (bis 13. September) gelten verlägerte Öffnungszeiten: Mi-Sa 12-20 Uhr, Sa 12-18 Uhr (Foto: Galerie Deschler Berlin)
Plätze sichern – In der KINDL-Brauerei in Berlin Neukölln gibt es schon lange kein Bier mehr. Stadtessen aber zeitgenössische Kunst – im ehemaligen, 20 Meter hohen Kesselhaus kann man ab kommenden Sonntag Klangskulpturen des Künstlers Nik Novak bewundern. Aber die nicht nur Ohren und Augen kommen auf ihre Kosten, auch Tast- und Geruchsinn werden bei dem im Maschinenhaus gezeigten Film „Passage“ der Künstlerin Ann Oren gefordert. Wer schon vor dem Ausstellungsbeginn die insgesamt vier hochpolitischen Ausstellungen bewundern und bei der Vernissage dabei sein möchte, hat dazu schon am Sonnabend zur Vernissage die Möglichkeit. Der Eintritt ist frei, Timeslots reservieren Sie hier.
Karten sichern – Es ist wieder da! Das Prime Time Theater öffnet in der Weddinger Müllerstraße nach der coronabedingten Schließung am Mittwoch wieder seine Türen. Den Anfang macht „Miss Wedding Undercover“, das seit März pausieren musste. Danach kann sich das Publikum auf vier Premieren bis Jahresende freuen, darunter eine weitere Folge von „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“. Tickets gibt's hier.
Last-Minute-Tickets – (Ein Tipp von Sandra Luzina) Offiziell wird das Internationale Literaturfestival Berlin erst am Mittwoch eröffnet. Der israelische Schriftsteller David Grossman liest aber heute schon aus seinem neuen Buch „Was Nina wusste“. Der Roman erzählt von drei Frauen: Vera, ihre Tochter Nina und ihre Enkelin Gili reisen auf den Spuren eines Familiengeheimnisses nach Kroatien, auf die frühere Gefängnisinsel Goli Otok. Historisches Vorbild für die Großmutter ist die jüdische Kommunistin Eva Panić-Nahir. Der Autor wird um 19.30 Uhr per Video zugeschaltet. Die deutsche Übersetzung wird Nina Hoss im silent green Kulturquartier vortragen. Die Veranstaltung wird live gestreamt auf literaturfestival.com. Tickets 18 € /erm. 15 €
Montagsstress loswerden – Den Anfang der Woche finden viele gar nicht lustig. Gut, dass da mal wieder die innovativen Isländer eine Lösung parat haben. Eventuellen Montagsfrust kann man jetzt nämlich lässig zu Hause loswerden: Online einfach sein Leid dem Computer entgegenbrüllen, den befreienden Schrei dann direkt danach über Lautsprecher in die Weiten Islands abspielen lassen, den Ort kann man sich aussuchen. Einmal Freischreien gibt’s hier. Wer will, kann sich dort auch die Schreie seine Mitleidenden live anhören. Auch eine Art von Konzert.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Eine Insel mit zwei Zwergen… und leicht erregbaren Bewohnern: „Fahrt mal noch ‘n bisschen dichta ran!“, kräht ein Laubenpieper, als Team Checkpoint im Solarboot gut 20 Meter vor dem Ufer vorbeigleitet. Im Verhältnis zur Fläche hat der vor Karolinenhof in der Dahme gelegene Kleine Rohrwall die höchste Verbotsschilderdichte. Hinter der Laubenreihe, zur Wetterseite hin, ist Dickicht, dessen Existenz mit Buhnen und angepflanztem Schilf gegen Wind und Wellen verteidigt wird. Hier lassen sich gern Reiher das Gefieder föhnen.
Text: Stefan Jacobs
Berlin heute
Verkehr – U2: Für „Stopfarbeiten“ ist die Linie bis Mittwoch täglich in der Zeit von 8 bis 15 Uhr zwischen Ruhleben und Neu-Westend unterbrochen, ersatzweise fahren Busse.
Karl-Marx-Allee (Mitte): Stadtauswärts zwischen Otto-Braun-Straße und Strausberger Platz gesperrt (bis zum 14. September). Ab dem 21. September erfolgt vsl. die Sperrung in der Gegenrichtung.
Residenzstraße (Reinickendorf): Stadteinwärts steht in Höhe des U-Bahnhofs für ca. eine Woche nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Neuköllner Straße (Rudow): Stadteinwärts ist zwischen Am Hanffgraben und Bildhauerweg für ca. eine Woche nur eine Spur frei.
Bergstraße (Steglitz): Wegen Baumpflegearbeiten kommt es bis vsl. 18. September in beiden Richtungen tagsüber zu Verkehrseinschränkungen und kurzzeitigen Sperrungen.
Tempelhof: Um 16:30 Uhr beginnt eine Fahrraddemonstration auf dem Platz der Luftbrücke (s. u.). Die Demonstrierenden fahren bis ca. 18 Uhr über Mehringdamm und Bergmannstraße durch Kreuzberg zum Hermannplatz, weiter zum Kottbusser Tor und über Skalitzer Straße zur Oranienstraße. Von dort geht es über u.a. Lindenstraße, Friedrichstraße und Unter den Linden zum Alexanderplatz.
Demonstrationen – Vor dem Bundeskanzleramt versammelt sich die Jugend im BUND für Umwelt und Naturschutz in Deutschland als „Zukunftskommission Landwirtschaft, Agrarwende“ (9-10 Uhr), angemeldet sind 25 Teilnehmer*innen. Für das „Ende des Billigfleisch-Systems (erste Sitzung der Zukunftskommission LaWi)" ist eine Kundgebung mit 50 Teilnehmenden vor dem Bundeskanzleramt von Camapct e.V. angemeldet (9-10 Uhr). Am Pariser Platz vor der U.S.-Botschaft findet eine Kundgebung für „Julian Assange Pressefreiheit- Schutz für Journalisten“ statt, es werden 50 Bürger*innen erwartet (10-18.30). Von 8 Uhr morgens an werden sich 24 Stunden lang auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude, um die 1000 Menschen aufhalten, unter dem Motto: „Aktionstag - Kunstaktion: Wir haben Platz #leavenoonebehind“. „Mit einer Fahrraddemonstration werden wir auf die unzureichende Klimapolitik der Bundesregierung, die Dringlichkeit des Klimaschutzes und die verheerenden Konsequenzen dieser Politik aufmerksam machen“,es werden ungefähr 100 Teilnehmer*innen vom Platz der Luftbrücke bis zum Alexander Platz radeln (16.30 - 18 Uhr). Nach der Fahrraddemonstration unterstreichen die von BERLIN4FUTURE aufgeforderten 300 Menschen ihre „Aufforderung an Regierung und Parlament für eine konsequente Klimaschutzpolitik, beziehungsweise Protes gegen die aktuelle völlig unzureichende Klimaschutzpolitik“ mit einer Kundgebung direkt am Alexander Platz (18-20 Uhr). Unter dem Motto „Einen Monat nach der Räumung“ versammeln sich rund 100 Bürger*innen in der Weisestraße 56 (19-22.30). Unter den Linden werden rund 15 Menschen an einer Kundgebung „Tagesschau, ARD und ZDF: auf dem linksextremen Auge blind?!“ teilnehmen (10.30-14 Uhr).
Gericht – Der Prozess gegen Clan-Chef Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder um mutmaßliche Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido geht weiter. Der 44-jährige Clan-Chef soll die Trennung der Geschäftsbeziehung zu dem Rapper nicht akzeptiert und unberechtigte Zahlungen gefordert haben. Bushido ist seit drei Prozesstagen im Zeugenstand (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500). Verhandelt wird außerdem gegen zwei Männer und eine Frau, weil sie eine junge Rumänin zur Prostitution gezwungen haben sollen. Ein 23-Jähriger gilt als Haupttäter (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Cristof, „Möge es ein fabelhaftes neues Lebensjahr werden mit ausreichend Wind! Rocky“ / Emine Demirbürken, Aus dem Bürgerbüro R-West die herzlichsten Glückwünsche für das neue Lebensjahr / Gerd Graus, Sportjournalist / Klaus-Dieter Heinken (72), „Hauptsponsor Christiane-Herzog-Stiftung und sehr engagiertes Lions-Mitglied. Alles Gute zum Geburtstag wünscht Heinz Trautvetter“ / Hannah Herzsprung (39), Schauspielerin / Olaf Höhn, „der Mann der aus SONNENSCHEIHN das FLORIDA EIS in Spandau zaubert. Herzliche gesunde Glückwünsche von Udo Lauer“ / Bülent Karasahin (45), „Wir gratulieren der „guten Seele des Stadtplatzes in Moabit“ ganz herzlich mit einem Aperol-Spritzzee!“ / Dagmar Pohle (66), Bezirksbürgermeisterin (Die Linke) und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Gesundheit, Personal und Finanzen in MaHe / Moana Schaich (30), „flinke Haute-Couture-Schneiderin – Du Süessi, mer verschmützle dech vo Härze zu diim Geburri, dis Tiim Schwiiz“ / nachträglich: Bernd Titze (nachträglich), „Viel Glück und alles Gute zur Schnapszahl vom ‚Spielmacher‘" / Dr. Ulrich Janetzki (72), Herausgeber, 27 Jahre lang Geschäftsleiter des LCB (bis 2014)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Prof. Dr.Dr. h.c. Franz Simmler * 22. März 1942 / Uli Stein, * 26. Dezember 1946, Cartoonist und Fototgraf / Johannes Maximilian Tuszewski * 30. Juni 1938
Stolperstein – Uhlandstraße 182: Hier lebte Ernst Lippmann, der vor 78 Jahren nach Auschwitz deportiert und dort 23 Tage später ermordet zu werden. Zuvor floh er nach Belgien, wurde dennoch im Mai 1940 in Saint-Cyphen (Frankreich) interniert. In der Zeit kurz vor seiner Deportation war er in einem Sammellager in Dancy interniert.
Encore
Zum Schluss noch ein Berlin-Blick auf die verkaufsoffenen Sonntage, die für das restliche Jahr jetzt offiziell bestätigt sind (Q: Amtsblatt). Geshoppt werden kann am 4.Oktober (nach dem Tag der Deutschen Einheit und zum Abschluss von „Berlin leuchtet“), am 8. November (Abschiedsfest für den Flughafen Tegel, JazzFest Berlin und Berlin Science Week) und am 6. und 20. Dezember „zu zahlreichen Weihnachtsmärkten in der ganzen Stadt“. Bedingung ist, dass „die Veranstaltung wie geplant und im analogen Veranstaltungsformat an diesem Termin stattfindet“. Also alles unter Corona- (und in einem Fall BER-)Vorbehalt.
Den Berliner Informationsgemischtwarenladen haben für Sie heute Carlotta Cölln (Stadtleben), Sophie Rosenfeld (Recherche) und Kathrin Maurer (Frühschicht) mitdurchstöbert. Morgen übernimmt Robert Ide! Machen Sie's gut.