„es fühlt sich auch merkwürdig an, muss ich sagen“, sagte Schauspielerin Iris Berben gestern Abend auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast. Das Rot wirkte deutlich blasser, Gala-Gäste auf Abstand, ein mutiger Maskenball. Vor lauter Appellen gerät das Kino fast aus dem Blick, schreibt Tagesspiegel-Kritikerin Christiane Peitz. Der reale Film drehte seine eigene Geschichte: Mitten im Eröffnungsfilm stürzte der Server im Vorführraum ab. Die Spannung der minutenlangen Pause war kaum auszuhalten (großes Kino!), dann das kollektive Aufatmen: Der Film lief weiter, erst an der falschen, dann an der richtigen Stelle. Berlin, ein Kurzfilm.
Passt das nun alles in diese Zeit? Gibt es dieses Leben in Wirklichkeit wieder? Diese Frage stellte sich nicht nur Iris Berben. Die meisten fanden versöhnliche, hoffende Worte:
+ „Ich finde es richtig, dass wir die sonst vielleicht sterbende Kunst des Kinofilms hier feiern und alle Menschen daran erinnern, dass es noch etwas anderes gibt als die Couch und Streaming-Angebote“. (Schauspielerin Heike Makatsch)
+ „Ich glaube, wir haben alle so angeschlagene Seelen nach dieser Zeit, dass wir es auch dringend brauchen, dass wir uns endlich mal wieder Geschichten angucken, die unsere Herzen berühren.“ (Regisseur Andreas Dresen)
+ „Ohne Kunst, ohne Kino fehlt der Demokratie die Stimme.“ (Kulturstaatsministerin Claudia Roth)
Und was denken Sie? Ist es richtig, dass die Berlinale jetzt stattfindet?

Die Pandemie war ohnehin omikronpräsent, spätestens als Claudia Roth die Ehrengäste begrüßte: Menschen, die in Berliner Kliniken arbeiten. Und wieder bekamen sie nur (wenn auch heftigen): Applaus.
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Wir leben ohnehin in Parallelwelten. Während die Stars über den Roten Teppich liefen, bereiteten sich andere darauf vor, heute früh wieder ihre nackten Hände auf Autobahnauffahrten zu kleben. Sie waren in den vergangenen knapp drei Wochen ganz sicher die meistbeachteten Protagonisten dieser Stadt, die Newcomer der Protestszene. Kritikerlieblinge sind sie deswegen noch lange nicht. Aber immerhin haben sie es geschafft, dass das Land über kaum etwas anderes redet, und sich sowohl die Berliner als auch die Ampel-Koalition über die Proteste zerlegt. Aufmerksamkeit maximal, ansonsten bislang eher ein Flop. Selbst die Grünen gehen langsam auf Distanz, immer mehr Trotz ist zu hören. Man will sich schließlich nicht erpressen lassen – sonst wird womöglich noch „Gelbwesten, Teil II“ gedreht.
Wobei die Proteste eher was fürs Nischenprogramm sind. Eine Liste der Berliner Polizei, die dem Checkpoint exklusiv vorliegt, listet 36 Protestorte in den vergangenen 19 Tagen auf. Eine bis 50 Personen (Tag 1, 24.1.) waren daran jeweils beteiligt, zuletzt waren es selten mehr als zehn.
Dafür stieg die Zahl der Strafanzeigen: Notiert sind Nötigung, Widerstand, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, gemeinschaftliche Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, schwerer Widerstand, Körperverletzung, Zuwiderhandlung gegen Verfügung und das Ganze wieder von vorn. Zuletzt wurden Einzelne auch bis zum nächsten Tag um 22 Uhr festgenommen, um weitere Proteste zu verhindern. Das passt zur Ankündigung der Innensenatorin gestern im Abgeordnetenhaus, dass man nun härter durchgreifen werde. Der Protest sei „völlig inakzeptabel“, „diese Blockaden gefährden Menschenleben“, sagte Iris Spranger (SPD), „der Zweck heiligt nicht jedes Mittel.“
Hilfreich für die positive PR war es sicher auch nicht, dass gestern eine Schwangere mit Wehen aus dem Stau in die Klinik gebracht werden musste. Es kommentiert Rainer Lentz, Rentner, 68 Jahre: „Der Verkehrskollaps wird in Berlin sicher nicht durch die Protestierenden erzeugt – der ist eh schon da.“ Aber für den Staugrund „zu viele Autos“ kann schließlich niemand etwas – oder?
Apropos Parallelwelten: Frankreich baut 14 neue Atomkraftwerke.
Aber zurück in unsere kleine Stadt und den wirklich wichtigen Problemen:
„In anderen Städten habe ich gesehen, dass die Ausgänge der U-Bahnhöfe nummeriert waren. Das hat mir gut gefallen“, schreibt uns Checkpoint-Leser Jürgen Viezens. „Ich würde z.B. den Bahnhof Mehringdamm sehr viel mehr lieben, wenn ich wüsste, ich muss Ausgang 3 wählen. Ich erwische immer einen falschen Ausgang.“ Was wohl Jörg Dräger dazu sagen würde?
Das Problem ist zumindest erkannt: Die BVG hat bereits im Jahr 2018 ein Pilotprojekt getestet. Laut eines Sprechers sind mittlerweile 49 Bahnhöfe mit 2500 Schildern ausgestattet, 16 Bahnhöfe mit 1500 Schildern seien derzeit „in Vorbereitung oder Umsetzung“. „Ziel ist, dass alle 175 Bahnhöfe mit 8800 Schildern die Wegeleitung mit Ausgangskennzeichnung erhalten. Nach aktuellem Stand wollen wir voraussichtlich Ende 2025 mit allen Bahnhöfen fertig sein.“ Solange sich niemand verläuft.
Ach so, und sorry: Der Bahnhof Mehringdamm steht leider erst für nächstes Jahr auf der Liste.
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Auf der Streichliste des Senats stehen hingegen die Impfzentren Messe, Trabrennbahn Karlshorst, Freizeitforum Marzahn, Ikea Tempelhof und Spandauer Arkaden (Q: rbb). Vielleicht finden da ja dann mal wieder Trabrennen statt. Oder Messen. Bleiben sollen demnach: Tegel, ICC, Ring Center und Lichtenberg (Ikea & Drive in). Statt 17.000 gibt es dann nur noch 3600 Impfungen täglich. Aber Schlange steht hier schon lange niemand mehr.
Die weiteren Corona-Meldungen:
+ Weil Sie im Neuköllner Gesundheitsamt seit zwei Wochen niemanden mehr erreichen (Begründung: die Lage), veranstaltet der Bezirk heute die wahrscheinlich längste Sprechstunde der Welt (Q: Eigen-PR des Bezirksamts). Auf Instagram beantworten Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Amtsarzt Nicolai Savaskan, externe Kinderärztinnen, Sozialarbeiter und viele mehr von 10 bis 22 Uhr Bürgerfragen.
+ In der nächsten Woche berät der Senat über Lockerungen. 2G im Einzelhandel wird durch FFP2-Maskenpflicht ersetzt. Die Gastronomie muss noch warten, sagte Berlins Regierende Franziska Giffey (SPD) gestern im Abgeordnetenhaus. „Hier gibt es keine vergleichbare Situation.“ An der Sitzung in der nächsten Woche nimmt nach Tagesspiegel-Informationen auch Charité-Virologe Christian Drosten teil.
+ Keine vergleichbare Situation gibt es offenbar auch in den Schulen: Auf unsere Frage, ob die Präsenzpflicht wie geplant bis Ende Februar ausgesetzt bleibt, teilte die Bildungsverwaltung gestern Abend mit: „Über die Präsenzpflicht wird zeitnah entschieden.“ Wie im Unterricht: Müssen Sie jetzt selbst Ihre Schlüsse draus ziehen.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Kommen wir jetzt zu den versagenden Bäumen von Treptow-Köpenick. Richtig gelesen. Der Bezirk hat 44.556 „aktive Straßenbäume“, in Grünanlagen sind es 42.619 „aktive Bäume“. (AGH-Anfrage Nr. 19/10679 von Stefan Evers, CDU). Regelmäßig scheiden jedoch Bäume aus dem aktiven Baumdienst aus – sehr zum Bedauern der Senatsverwaltung für Umwelt und Klimaschutz. Hauptgrund: Zu wenig Regen bzw. „baumunfreundliche Temperaturverläufe“. „Trotz Bewässerung der Bäume bis mittlerweile zum 10. Standjahr (mit einem Auftragsvolumen von 352.079,00 € für 3.771 zu bewässernden Bäumen) haben dennoch Bäume wegen Trockenschäden versagt“. Oder wie wir Schöneberger sagen: Treptow-Köpenick, ein hartes Pflaster.
Wenn man schon nicht aufs Auto verzichten kann (siehe oben), dann ist es doch äußerst sinnvoll, wenigstens Fahrgemeinschaften zu bilden. Mit gutem Beispiel vorangehen wollen offenbar Iris Spranger und ihr Mann Jörg Stroedter (beide SPD): Die Innensenatorin nahm den Abgeordneten gestern aus dem Häuschen in Reinickendorf in ihrem „Dienstkraftfahrzeug“ mit zur Plenarsitzung. Da „Privatfahrten innerhalb der Bundesrepublik“… „in Begleitung von Familienmitgliedern“ laut Richtlinie ihres eigenen Hauses nicht zu beanstanden sind, wünschen wir einfach mal: gute Reise.
Nachtrag zum Vollpfosten-Vorgang (CP von gestern): Die Bezeichnung für den geschützten Radstreifen am Dahlemer Weg sei auch sachlich falsch, schreibt uns CP-Leserin Elen T.: „Auf beiden Seiten fehlen zahlreiche Pfosten. Er ist damit nicht voll Pfosten.“ Hätten wir das auch geklärt.
Apropos Vollpfosten: 2020 wurde das Grab des im Dienst getöteten Polizisten Uwe Lieschied auf einem Friedhof in Buckow geschändet. Jetzt hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen, wie mein Kollege Alexander Fröhlich aus Polizeikreisen erfuhr: In einem Hostel in der Saalestraße in Neukölln verhafteten sie einen 34 Jahre alten Deutschen. Der Mann ist polizeibekannt wegen Diebstahl, Einbruch und Rauschgiftdelikten – seine Fingerabdrücke auch.
Apropos CP von gestern: Schulsenatorin Busse geht es gut, sie wird am Montag wieder voll im Dienst sein, teilte die Bildungsverwaltung mit. Am Mittwochabend habe sie plötzlich Schmerzen gehabt, eine Vorsichtsmaßnahme. „Das war ein kleiner Schreck für mich, aber mir geht es wieder gut“, sagte sie dem Checkpoint. Wir wünschen gute Genesung.
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Noch mehr Verwirrung stiftet übrigens der Bezirk Steglitz-Zehlendorf – und das seit 16 Jahren. In der Internet-Suchmaske heißen die schriftlichen Anfragen an die BVV „Kleine Anfragen“, obwohl „Kleine Anfragen“ eigentlich mündliche Anfragen in der BVV sind. Alles klar? Vermutlich dürfen schriftliche Anfragen nur mündlich gestellt werden. Bezirksverordnetenvorsteher René Rögner-Francke weiß zwar auch nicht genau, warum das so ist, versicherte uns aber gestern (mündlich), dass wir „mit dieser Nachfrage die ersten waren“.
Am heutigen 11.2.2022 fällt uns auf, dass es nur noch 11 Tage bis zum nächsten Super-Datum sind. Eine Umfrage unter den Standesämtern ergab allerdings: Keine Termine mehr nirgends für den 22.2.22. „Wollen Sie auch heiraten?“, wurde mein Kollege Thomas Lippold mehrfach gefragt. Passend dazu hat das Charlottenburger Bezirksamt gerade eine neue Folge des Podcasts „Flurfunk – der Rathaus-Talk“ mit der Leiterin des Standesamtes veröffentlicht. „Schnapszahlendaten sind immer ein großes Thema im Standesamt“, sagt Sylvia Brenke. „Wir haben dort oftmals einen Vorlauf von ein bis zwei Jahren.“ Da geht’s ja zu wie im Bürgeramt.
Liebe scheint irgendwie in der Luft zu liegen: Zum 14.2. hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg „eine Valentinstags-Playlist mit den Lieblingsliebesliedern der Beschäftigten erstellt“, sagt Bezirksamtssprecherin Sara Lühmann, „sehr schön und wunderbar vielfältig“.Mitarbeitende konnten per Mail oder über einen anonymen Zetteleinwurf an der Bürotür der Pressestelle ihre Lieblingsliebeslieder mitteilen. Die Playlist #Behördenromantik gibt’s auf Spotify. Neil Young und Joni Mitchell sind vermutlich nicht dabei.
Weitere liebevolle Recherchen aus Friedrichshain-Kreuzberg (und den elf anderen Bezirken) finden Sie täglich in unseren Bezirksnewslettern unter leute.tagesspiegel.de.
Apropos Hören: Ganz ohne Behördenromantik werden wir sicher auch nicht auskommen. Der Checkpoint startet bald einen täglichen Berlin-Podcast. Ideen haben wir viele, nur ein Name fehlt uns noch. Wer uns die beste Idee schickt, wird mit einer Flasche Checkpoint-Wein (im Beutel) belohnt. Beutelweise Vorschläge bitte an: checkpoint@tagesspiegel.de.
Eine Berliner Grundregel lautet bekanntlich: Wenn Berlinale ist, ist das Wetter schlecht. Gestern hat sich Berlinale-Berlin von seiner schönsten Seite gezeigt (scheußlich). Doch diesmal ist sowieso alles anders: „Am Sonnabend häufig sonnig, gelegentlich Durchzug von Schleierwolken, trocken.“ (Q: DWD). Klingt schon fast wie Liebe in der Luft – glauben wir aber erst, wenn wir es sehen.
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Eine stark zugerichtete Leiche. Eine Prostituierte, die sich ständig widerspricht. Und ein Verbrechen, das erst nach 13 Jahren gelöst wird. Die fünfte Folge von „Tatort Berlin“, dem True-Crime-Podcast des Tagesspiegels, führt die Ermittler auf den Kurfürstenstrich. Jetzt kostenlos auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Zitat
„Ich bin auch gleich durch, dann können Sie weiterschreien.“
Ferat Koçak (Linke) während seiner Rede im Abgeordnetenhaus, als Präsident Dennis Buchner den Saal zu etwas mehr Ruhe aufforderte.
Tweet des Tages
Zum Geburtstag wünsche ich mir die Noreply-Adresse meines Arbeitgebers.
Stadtleben
Essen – Vor nicht ganz einem Jahr berichtete Kollegin Juliane Reichert an dieser Stelle, dass sich Fritten-Experte Goldies (Oranienstraße 6) mit einigen wenigen Burgern auf der Speisekarte – und gar Trüffeln – von seinem Kerngeschäft, den Fritten, entferne. Burger in Berlin im Jahr 2021? Wie einfallsreich! So hätte man schon im letzten Jahr spotten können. Seit sich rumgesprochen hat, dass Kund:innen für Burger viel mehr als für Döner locker zu machen bereit sind, gibt es die mit Bouletten nach amerikanischer Art belegten Brötchen schließlich wie Sand am Meer. Wie dem auch sei. Seit November 2021 heißt die Goldies-Dependence in der Graefestraße 93 „Goldies Smash Burger“. Und die ist auf Burger spezialisiert. Der Grund ist keine lange Trendleitung, sondern angeblich die überwältigend hohe Nachfrage nach den letztjährigen Boulettenbrötchen. Vegetarisch bis vegan gibt es die allerdings nicht. Im Gegensatz zu den Fritten. Di-So 12.30-20 Uhr, Graefestraße 93, U-Bhf Schönleinstraße
Geschenk – Die Lockdowns haben bekanntlich zum Anstieg von Haustier-Haushalten geführt – und anschließend zu Frust, überfüllten Tierheimen und traumatisierten Tieren. War doch klar, Mensch! Hätte man sich doch denken können, dass man, nur zum Beispiel, den kleinen, süßen Laden taubenblau in der Bouchéstraße 77 in Alt-Treptow nicht besuchen kann, wenn man gerade seinen Elefanten Gassi führt. Das taubenblau führt nämlich mit Vorliebe feines, schlichtes und ausgefallenes Porzellan, etwa von der Berliner Keramik- und Papierkünstlerin Angela Haese. Tja, und da darf der Elefant eben nicht ran. Hätte man sich vorher überlegen müssen. Pff. Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 10-18 Uhr, Bouchéstraße 77, S-Bhf Treptower Park
Plätze sichern – Wer schon mal an einem Marathon teilgenommen hat, kann natürlich gut protzen und sich, als Bonus, wahrscheinlich guter Gesundheit erfreuen. Wer dem Prinzip Marathon eher theoretisch zugetan ist – vielleicht aus Liebe zur Antike – aber weder auf die Angeberei Wert legt, noch auf die Mühsal Lust hat, holt sich einfach ein Ticket für den Marathon im Kino Babylon. Muskulatur wird, sobald man im Kinosessel versunken ist, nur in soweit beansprucht, wie es zur Lebenserhaltung unvermeidbar ist. Lassen Sie sich aber keine Faulheit nachsagen: Der Herzmuskel schlägt bei einem Ruhepuls von 70 etwa 100.000 Mal am Tag, 23.000 Mal atmen Sie währenddessen ein und aus und bewegen stolze 12,5 Kubikmeter Luft. Ach ja, was heißt Kinomarathon? Das Babylon zeigt 24 Stunden Harry Potter am Stück, in chronologischer Reihenfolge. Los geht es um 18 Uhr, der Eintritt beträgt 40 Euro, Rosa-Luxemburg-Straße 30, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Last-Minute-Tickets – Das dritte Coronajahr, um Himmels Willen, wie sollen wir das nur durchstehen! Fragen wir doch mal Heinrich Heine: Der Dichter verbrachte nicht drei, sondern dreimal drei, also neun Jahre nicht nur zu Hause, sondern im Bett. In seiner, wie er es nannte, Matratzengruft. In dieser sonderbaren Zeit und Atmosphäre entstanden einige seine besten Texte, Gesprächsprotokolle und Gedichte, die nun den Stoff für eine szenische Collage liefern, die Anette Daugardt und Uwe Neumann um 19.30 Uhr im Gastspiel auf die Bühne des Theater im Palais bringen. Am Festungsgraben 1, U-Bhf Museumsinsel
Grübelstoff – „It‘s better to burn out than to fade away“ zitiert Kurt Cobain 1994 sein Idol Neil Young in seinem Abschiedsbrief kurz vor dem Suizid. „Live fast, die young“ etwas poetischer ausgedrückt. Wie treffend diese Worte auch ein bürgerliches Arbeitsethos beschreiben, wird erst im Nachhinein deutlich. Offenbar ist die in dem Spruch angelegte Rebellion gegen gesellschaftliche Normen, die ihren Höhepunkt in der öffentlich zur Schau gestellten Selbstzerstörung findet, über die Jahre Arbeitsmoral geworden – und gesellschaftliche Norm. Zur Vergegenwertigung: Das Burnout-Syndrom soll in Europa und Nordamerika jährlich über 120 Milliarden Dollar an Folgekosten verursachen. Welche anderen Lebensinhalte taugen eigentlich zur Bestimmung des Selbst in der Welt? Welche wichtigen Beiträge zur Gemeinschaft kann man leisten, die nicht als Beruf gelten? Elternschaft mal ausgenommen, das wäre zu leicht. Und was bleibt vom Selbst, wenn es ohne Arbeit ist? Apropos Burnout: Ein „Leben am Rande der Erschöpfung“ ist auch das Thema der Gruppenausstellung im Haus am Lützowplatz, die heute um 19 Uhr eröffnet. Never mind the burnout. Lützowplatz 9, U-Bhf Nollendorfplatz
„Wir sind die Neuen“
60 der insgesamt 147 Parlamentarier sind in dieser Legislaturperiode neu im Berliner Abgeordnetenhaus. Im Checkpoint stellen wir sie vor.
Name: Tamara Lüdke (SPD)
Beruf: Sozialwissenschaftlerin
Alter: 30 Jahre
Wahlkreis: Lichtenberg (WK 4)
Berliner Lieblingsort: „Einer meiner Lieblingsorte ist der ehemalige Friedhof in der Gotlindestraße, wo unter anderem Oskar Ziethen und seine Frau beigesetzt wurden.“
Eine Sache, auf die ich mich 2022 in Berlin freue: „Im Jahr 2022 freue ich mich besonders auf das Beatsteaks-Konzert in der Wuhlheide, für das ich auch schon Tickets habe.“
Foto: SPD Fraktion Berlin
Berlin heute
Verkehr – Reinickendorf bis Mitte: Zwischen 11 und 16 Uhr sorgt ein Aufzug für Verkehrseinschränkungen im Bereich Franz-Neumann-Platz, Residenzstraße, Schwedenstraße, Badstraße, Brunnenstraße, Torstraße, Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderstraße und Alexanderplatz.
Regionalverkehr – FEX: Bis 21.2, jeweils von 5 bis 6.15 Uhr und von 22-24 Uhr, fallen die Züge zwischen Berlin Hbf und Gesundbrunnen aus. Als Ersatz bitte die S-Bahnen nutzen. In Berlin Friedrichstraße ist ein Umstieg zwischen den S-Bahn-Linien notwendig. Beachten Sie die vom Zugverkehr abweichenden Fahrzeiten der S-Bahnen.
Demonstration – Am Pariser Platz werden von 10 bis 17 Uhr etwa 100 Teilnehmende zur Kundgebung unter dem Motto „Menschenrechtsverletzungen und Hinrichtungen im Iran stoppen. Jahrestag der Revolution“ erwartet. 150 Teilnehmende erwartet der e.V. „Freie Kurdische Gemeinde“ zum Aufzug vom U-Bhf Franz-Neumann-Platz zum Alexanderplatz, 11 bis 16 Uhr, um „Gesundheit und Sicherheit für Abdullah Öcalan“ zu fordern. In der Podbielskiallee 67 (Iranische Botschaft) erwartet die Organisation „Iranische Parlamentarische Monarchie“ 50 Teilnehmende zwischen 13 und 15.30 Uhr unter dem Motto „Gegen Diktatoren – Freiheit für Iran am Jubiläumstag des Regimes.
Sonnabend – 1000 Teilnehmende erwartet der e.V. „Freie Kurdische Gemeinde“ zum Aufzug vom Alexanderplatz zum Hermannplatz über Heinrich-Heine-Straße und Kottbusser Tor zwischen 11 bis 16 Uhr, um „Gesundheit und Sicherheit für Abdullah Öcalan“ zu fordern. Vom Platz des 18. März sollen 3000 Teilnehmende zwischen 14 und 18 Uhr einen Rundweg über Friedrich- und Wilhelmstraße gehen, um „Gegen eine Impfpflicht fürs Pflegepersonal“ zu protestieren. 150 Fahrzeuge erwartet der Autokorso Berlin e.V. von 12 bis 18 Uhr zum „Autokorso-Berlin, das Original“ – die Strecke hier.
Sonntag – 300 Teilnehmende erwarten „staatenlos.info/Comedian e.V.“ zur Kundgebung unter dem Motto „Gemäß der geistigen Auffassung unserer Minderheit für Freiheit und Volksherrschaft – für Heimat und Welt-Frieden“ von 11 bis 22 Uhr am Platz der Republik. Mit jeweils 250 erwarteten Teilnehmenden ist der „Protest gegen Politik über die Kriegsanlage in der Ukraine – Danke für die Helme“ dreifach angemeldet, und zwar: Von 15 bis 15.45 am Platz der Republik, von 16 bis 16.30 Uhr am Potsdamer Platz und von 16.45 bis 17 Uhr Unter den Linden 63 (Russische Botschaft).
Gericht – Nach einem tödlichen Streit auf dem Alexanderplatz muss sich ein 22-Jähriger verantworten. Er soll einen 27 Jahre alten Mann mit einem Holzbalken erschlagen haben (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 501).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Canan Bayram (56), Politikerin und MdB (Die Grünen) / Nina(bcdefghi) Breher, Redakteurin im Tagesspiegel Innovation Lab und Checkpoint-Schreiberin, „Wir erheben die Tassen und wünschen nur das Beste zum Feste“ / Wolfgang Condrus (81), „Schauspieler und Synchronsprecher, mit den besten Grüssen und Wünschen aus Frankreich von Monika, einer Berliner Verehrerin aus der Jugendzeit.“ / Andreas Krautscheid (61), Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands Bundesverband deutscher Banken e. V. und ehem. CDU-Politiker / Gerhard Kunz (80), ehem. CDU-Finanzsenator (1981-85) / Alexandra Neldel (46), Schauspielerin / Kirill Petrenko (50), Chefdirigent der Berliner Philharmoniker
Sonnabend – Rainer Eppelmann (79), Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ehem. CDU-Politiker und DDR-Oppositioneller / Barbara Honigmann (73), Schauspielerin und Malerin / „Ines, zum halben Jahrhundert alles Liebe und Gute von Deinem Mann Mark“ / Ina Jurga, „Einen dicken Kuss zum Geburtstag vom Daniel“ / Marko Kopljar (36), Handballspieler bei den Füchsen Berlin / Stephan Machulik (50), SPD-Stadtrat in Spandau / Ulrich Pietzsch (85), Maler und Schriftsteller / Ulla Plener (89), Historikerin / Fritz W. Scharpf (87), Politik- und Verwaltungswissenschaftler
Sonntag – Friedrich Christian Delius (79), deutscher Schriftsteller / Heikko Deutschmann (60), österreichischer Schauspieler / Irene Dische (70), deutsch-amerikanische Schriftstellerin / Beate Klarsfeld (83), deutsch-französische Journalistin / Sieke Krönke aka BerlinGazza (72), Künstler und Fotograf / Mona (44), „Hoffe, Berlin sieht Dich bald wieder. Bleib wie Du bist! Deine Ramona“ / Katja Lange-Müller (71), deutsche Schriftstellerin / Götz Schubert (59), deutscher Schauspieler / Florian Schwabe, Team Checkpoint wünscht alles Gute!
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Gestorben – Helga Krüger, * 5. Mai 1927 / Dipl. Ing. Norbert Schauer, * 3. Juni 1945 / Dr. med. Michael Schonack, * 7. Juli 1947, Arzt für Innere Medizin / Wolf-Dieter Tuchel, * 6. Februar 1931, Senatsdirigent a.D.
Stolperstein – In Gedenken an Betty Nossen (Jhg. 1871, geb. Landsberger) wurde in der Caspar-Theyß-Straße 3 in Charlottenburg-Wilmersdorf / Grunewald, am 12. Juni 2009 ein Stolperstein verlegt. Die Eigentümerin teilte sich das Haus mit der Malerin G. Liskow und dem Reichsarbeitsdienst. Amtlichen Angaben zufolge wohnte sie in den Vierzigerjahren zeitweise auch in der Regensburger Straße 19 und zuletzt, kurz vor ihrer Verschleppung, in der Sächsischen Straße 2. Am 25. September 1942 verschleppten sie die Nazis nach Theresienstadt, wo sie die Verhätlnisse, die Unterernährung, den Hygienemangel und die fehlende ärztliche Versorgung nicht überlebte. Sie starb heute vor 79 Jahren im Ghetto.
Encore
Zum Schluss, wie es sich gehört, noch ein ordentlicher Plottwist.
„Südbaden-Twitter-Bubble, ihr wisst, ich hab euch lieb ABER eine Sache muss mal gesagt werden: die Menschen in #Berlin sind 30x herzlicher und freundlicher“, schriebt die (offenbar zugezogene) Journalistin Tamara Keller gestern auf Twitter. Ha! Damit hätten Sie jetzt an dieser Stelle nicht gerechnet, was? Berlin ist auch nicht mehr das, was es mal war (oder Südbaden echt unfreundlich).
30 Mal besser als sowieso alle war gestern mal wieder das Team Checkpoint: Alexander Fröhlich und Thomas Lippold (Recherche), Thomas Wochnik (Stadtleben) und Cristina Marina (Produktion). Morgen grüßt hier wie immer besonders freundlich Lorenz Maroldt.
Bis bald,