Berlin ist ja auf Sand gebaut. Schön im Sand liegen manche derweil am Strand von Griechenland. Unser Leser Alexander Legowski kredenzt ein „Checkpoint-Frühstück mit Blick auf Agios Prokopios“ auf der Insel Naxos und preist außerdem „herrliche Wanderwege im Inselinneren“. Na, das läuft ja.

Beach, Berge oder Balkonien – nehmen Sie uns mit! An dieser Stelle zeigen wir während der Sommerferien, wo Sie gerade den Checkpoint lesen. Schicken Sie uns ein Foto mit einem Satz zum Urlaubsort an checkpoint@tagesspiegel.de.
Deutschland läuft mit Regen über, und das ist lebensgefährlich. Mindestens 80 Menschen starben durch Wassermassen und einstürzende Häuser nach den Starkregenfällen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, darunter auch neun Bewohner einer Behinderteneinrichtung. Laut einer Eilmeldung am frühen Freitagmorgen beläuft sich die Zahl der Toten nur in Rheinland-Pfalz bereits auf 50 Menschen. Allein im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler werden noch 1300 Menschen vermisst. In den betroffenen Regionen ist das Handynetz zusammengebrochen. Die Rurtalsperre läuft seit Mitternacht langsam über (alle aktuellen Informationen hier im Liveblog). Rettungskräfte sowie Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr setzen ihr eigenes Leben ein für die Rettung anderer, zwei Feuerwehrleute starben bei Hilfseinsätzen in den Katastrophengebieten. Berlins Feuerwehren sind deshalb mit Trauerflor unterwegs.
Der rasch in die Krisenregion gereisten Politik muss nun endlich gewahr werden, dass Naturgewalten auch menschlich gemacht sind. Versiegelte Flächen und eingeengte Flüsse machen das Wasser schneller und treiben die Pegelstände hoch – so steigen die Gefahren für Gut, Leib und Leben. Die Natur, auch die fließende, braucht ihren natürlichen Platz. Nach den Oder-Fluten 1997 und 2010 hat man in Brandenburg schon dazu gelernt: Flächen rund um den Fluss wurden renaturiert, bei Ratzdorf wurde ein 1500 Hektar großes Überflutungsgebiet auf Ackerland geschaffen. Und 30 Naturschutzorganisationen aus Deutschland, Polen und Tschechien bilden ein Aktionsbündnis „Zeit für die Oder“.
Darüber hinaus wird es Zeit, dem Klima endlich Atempausen zu geben, stärker und schneller gegen die Erderwärmung zu kämpfen – damit irgendwann wieder nicht mehr jeder Sommer tropisch extrem ausfällt. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der beim Oder-Hochwasser als Krisenmanager berühmt wurde, stellt dazu die einzig wichtige Frage: „Wann fangen wir endlich an, das ernst zu nehmen?“ Flächen für die Natur und Atempausen für das Klima: Wir Menschen müssen sie uns selbst auferlegen.
Berlins zu wenig bekannte Helfer arbeiten ehrenamtlich. Das Technische Hilfswerk etwa baut mit ihren und seinen Freiwilligen wochenendweise Impfzentren in Kiezen auf, in denen Menschen ohne Anmeldung und Termin behandelt werden können. „Das THW war in Berlin an zwölf Einsätzen mit 200 Einsatzkräften beteiligt und hat hierbei die Schwerpunktimpfaktionen begleitet“, teilt das Hilfswerk auf Checkpoint-Anfrage mit. Los ging es Anfang Juni in Marzahn, wo am Otto-Rosenberg-Platz an drei Tagen in einem in Stunden hochgezogenen Zentrum insgesamt 2.670 Impfdosen verabreicht wurden. Der Andrang war so groß, dass für den letzten Tag schnell noch Vakzine nachgeordert wurden.
„Ich möchte allen Beteiligten danken, die in kürzester Zeit so ein gut funktionierendes Impfzentrum förmlich aus dem Boden gestampft haben“, sagte hinterher Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke). Am nächsten Wochenende steht schon die nächste Aktion im östlichen Neubaubezirk an. Das THW packt wieder mit an und schickt seine Ortsverbände Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. In Krisenzeiten kann sich Berlin aufeinander verlassen – und auf sein Hilfswerk der helfenden Hände.
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So, langsam wird’s Zeit für ein paar Regierungsbilanzen. Die Amtszeit von Bundesverkehrtminister Andreas Scheuer (CSU) könnte allein wegen seiner mit Vollgas verunfallten Pkw-Maut die Steuerzahler mehr als 500 Millionen Euro an Schadenersatz kosten. Nerven kostet bis heute auch der neue Bußgeldkatalog für Raser, der wegen Formfehlern aus Scheuers Haus vorerst zurückgezogen werden musste (und nun vielleicht im Herbst in Kraft treten soll – via dpa). Zudem wartet sein Ministerium den EU-weiten Einbau von Abbiegeassistenten für alle Lkws bis 2024 ab, obwohl deren Fehlen und das fehlende politische Handeln radfahrenden Menschen in Berlin ihr Leben kostet (zum Beispiel das von Cindy Bohnwagner – Nachruf hier).
Zu schlechter Letzt kommt jetzt noch durch eine Anfrage des Pankower Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar heraus, dass im letzten Jahr bundesweit nur 103 Kilometer neue Radwege entlang von Bundesstraßen gebaut wurden – der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt. Andreas Scheuer will trotz seiner Pannenserie politisch weiterrasen: „Ich habe noch viel vor.“ Hoffentlich außerhalb des deutschen Straßenverkehrs.
„Dein Lachen auf Spanisch, dein Lachen auf Englisch, das kann einen fertig machen“, sagt Bruno zu Daniel. „Ich halte einfach dein Lachen nicht mehr aus.“ Ja, es darf viel gelacht werden beim Duell in einer Berliner Eckkneipe zwischen Sülze und Schnaps, bei dem der Ost-Berliner Ur-Einwohner Bruno (der wieder grandiose Peter Kurth) den polyglotten Schauspieler Daniel (Daniel Brühl) seine Rolle als eingekaufter Berliner nicht abkauft. Der Film „Nebenan“, der schon bei der Berlinale begeisterte (Trailer hier), läuft ab jetzt im Kino. Und die Gentrifizierung in Berlin spielt gleich nebenan (meine Kolumne hier).
Daneben geht mit „Minari“ ein mit vielen Oscar-Nominierungen prämiertes Drama über eine koreanische Familie, die in Amerika eine Farm aufbaut, von der Filmrolle (Trailer hier). Und in den Multiplexen spielt der Spionage-Actionthriller „Black Widow“ (Vorschau hier), der auch gestreamt werden kann, frisches Geld in die Kinokassen. Die können das nach acht Monaten Filmriss und bei einer vorgeschriebenen Auslastung von einem Drittel gut gebrauchen.
Und ja, es haut einen wirklich anders vom Hocker, mal wieder vor einer großen Leinwand zu sitzen und sich im Kinosessel gemeinsam mit anderen mitreißen zu lassen. „Die Nachfrage ist ausgezeichnet“, berichtet Sven Loose vom neu eröffneten Friedrichshainer Kiezkino „Intimes“ (Interview hier). „Einen Publikumsansturm in den Kinos“ registriert auch Katja Schubert von der Yorck-Gruppe nach den ersten beiden Filmwochen. Ingrid Breul-Husar von Cinemaxx preist in der Checkpoint-Umfrage „den Duft des Popcorns“. Und Robert Taeger von Cine-Star erzählt: „Die Wiedersehensfreude ist bei Gästen wie Mitarbeitern gleichermaßen groß.“ Wir sehen uns also vor der Leinwand – bevor es dunkel wird in Berlins leuchtenden Kinosälen.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Hit me baby one more time. Falls Sie auch mal einen Hit landen wollen: Es gibt jetzt eine App, die mit künstlicher Intelligenz die Zukunft eines Musikstücks vorhersehen kann. Vielleicht fliegt damit auch endlich die noch völlig unterschätzte Berliner Stadthymne der Schlagerjungs von „Fantasy“ an die Spitze der Siegessäule (Video hier). Und jetzt alle mitschunkeln:
„Ich brenn durch mit Dir / Ja wir zieh’n bei Nacht und Nebel nach Berlin / Da wollt ich schon immer hin / mittendrin / Ein kleines Zimmer und wir zwei darin / in Berlin.“
Ruhig aus luftiger Höhe auf dem Boden ankommen kann nicht jede, erst recht nicht jeder. Angela Merkel verriet am Donnerstagabend bei ihrem letzten USA-Besuch, was sie nach 16 Jahren Kanzlerinschaft so die lieben langen Tage anstellen will: „Dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen. Dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin. Und dann werde ich schlafen. Und dann schauen wir mal, wo ich auftauche.“ Termine wie die Annahme einer Ehrendoktorwürde mit all ihren Turbulenzen (Video hier) wird es dann nicht mehr geben. Merkel macht das wohl so wenig aus wie wenigen Mächtigen. „Wahrscheinlich werden mir verschiedene Gedanken in den Kopf kommen, was ich jetzt eigentlich machen müsste. Und dann wird mir ganz schnell einfallen, dass das jetzt ein anderer macht. Und ich glaube, das wird mir sehr gut gefallen.“ Anflug zur Landung.
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Irgendwo über dem Regenbogen geht es auch für die Musik weiter. Das Technofestival „Nation“ im brandenburgischen Grünefeld will mit doppelten Corona-Tests und dreifachen Sicherheits-Clustern eine „postpandemische Selbstenthemmung“ ermöglichen (Details hier). Kontrolliert die Kontrolle verlieren – ist das unser neues Normal?
Wie nennt man Menschen mit schwarzer Hautfarbe? Auf jeden Fall nicht mit N – denn das wertet sie ab, was politisch abseitige Diskussionen darüber trotzdem nicht beendet (Checkpoint von gestern). Bemerkenswert, dass sich im Großen Duden selbst noch 1994 kein Hinweis auf eine negative Wertung des Wortes fand, wie meine Kollegin Sigrid Kneist herausfand. Im in der DDR erschienenen „Wörterbuch der Gegenwart“ wurde schon im Jahr 1974 dazu angeführt: „veraltet, heute oft abwertend“. Dafür gibt‘s einen Schaumkuss.
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Seit über 20 Jahren erzählt die Nachrufe-Kolumne jeden Sonntag im Tagesspiegel die Lebensgeschichten verstorbener Berlinerinnen und Berliner. Sie gehen ans Herz, erheitern aber auch mit Anekdoten und geben spannende Einblicke in viele bewegte Leben. „46 Berliner Leben“ vereint Nachrufe aus den Jahren 2010 bis 2021. Jetzt im Tagesspiegel-Shop erhältlich!
Weiter geht’s mit den illegalen Bauten zu Berlin. Hierzu gibt das Bezirksamt Neukölln auf Nachfrage des CDU-Verordneten Gerrit Kringel bekannt: „Es ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen.“ Sind eben keine Hellbauten.
Das hellste Kinderlachen weht über den Räuberspielplatz in Alt-Kladow. Das Abenteuerland auf drei Ebenen in einem Park an Spandaus Hafenpromenade wurde von der Tagesspiegel-Redaktion zu Berlins schönstem Kinderspielplatz gekürt. Von Mitte bis Marzahn kann man sich gut austoben (Liste hier) – aber das weiß in Berlin ja jedes Kind.
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Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“, Folge 28: Blasenentzündung, Pilz und Co: Wenn die Vagina aus dem Gleichgewicht gerät. Kommt die Zystitis vom kalten Steinboden und der Pilz von mangelnder Hygiene? Helfen Cranberries wirklich, kann zu viel Trinken schaden und warum kriegen Männer diese lästigen Krankheiten nicht? Dr. Mandy Manglers unzensierte Sprechstunde klärt auf. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Falls Sie sich lieber auf die Lauer legen wollen: Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz sucht ab sofort und unbefristet „mehrere Mitarbeitende in der mobilen Observationsgruppe“. Das Arbeitsgebiet ist leicht zu umschreiben, aber umständlich beschrieben: „die Durchführung von Maßnahmen zur Erkenntnisgewinnung im Rahmen der zugewiesenen Aufgaben mit Schwerpunkt auf der mobilen Observation von Personen, Objekten und Ereignissen.“ Wir sind der Meinung: Das ist Spitzel!
Berlin dreht sich gerne im Kreis, mit der Ringbahn schon seit 150 Jahren. Der SPD-Politiker Sven Heinemann hat deshalb Archive gewühlt, 5.000 historische Fotos gefunden und 6.000 aktuelle Fotos selbst gemacht. Im Ringbahn-Jubiläums-Podcast spricht der Buchautor mit Ann-Kathrin Hipp über die ersten Gleise irgendwo im Nirgendwo, die Deportationszüge in der NS-Zeit sowie Stasi-Spitzel, Streiks und Stillstand im geteilten Berlin. Abgefahren – jetzt überall, wo es Podcasts gibt (also zum Beispiel Apple Podcasts, Spotify oder Deezer).
Huch, den hier hätten wir fast übersehen: Berlins kürzester ausgebauter Radweg ist ganze sechs Meter lang. Gut beschildert und doppelt ausgewiesen führt er am Neuköllner Kiehlufer von einem Kopfsteinpflaster aufs andere (Foto hier). Radelnde am Lohmühlenplatz nutzen lieber den engen Uferfußgängerweg als diese Auto-Einbahnstraße mit beidseitig zugelassenem Radverkehr, hat Checkpoint-Leser Karl-Leontin Beger beobachtet: „Verkehrswende vom Feinsten.“ Unvollendet wie der Dom von Neukölle.
Zitat
„Wenn ich du wäre, wäre ich gerne ich.“
T-Shirt eines Ostsee-Urlaubers, gesehen in Göhren auf Rügen
Tweet des Tages
Ich hoffe, die Außerirdischen kommen etwas später. Ist grade etwas peinlich jetzt.
Stadtleben
Stadt – Und weiter geht‘s mit dem „I“ wie Interferenz. Bei Funkwellen, Schallwellen und Sprachen tritt das Phänomen nämlich gleichermaßen auf. An der Schnittstelle dieser Welten bewegt sich der Electrical Walk der Berliner Klangkünstlerin und Komponistin Christina Kubisch. Um 17 Uhr führt sie einen Soundwalk durch die Umgebung der Galerie Mazzoli. Teilnehmende tragen dabei spezielle Kopfhörer, die die normalerweise unmerklichen elektromagnetischen Felder der Umgebung verstärken und damit eine ganz eigene Perspektive auf die Stadt ermöglichen.
Land – Irgendwo an einem bloß als Provinz bezeichneten Ort entdeckte Peter Lund die wichtigsten Trends des Wahljahres: In seiner Oper Eine Stimme für Deutschland zieht der Regisseur und Autor alles von der Neuen Rechten bis zur Öko-Diktatur durch den operesquen Fleischwolf – die Musik stammt von Thomas Zaufke – und argumentiert jede im Stück vorkommende Haltung mit lustvoll unsachlichen und offen manipulativen Fake-News. Dieser Wahlkrimi soll die musikalische Quittung sein, die das gespaltene Deutschland verdient. Apropos Quittung: Tickets kosten 26 Euro, die Show wird tgl. außer Mo & Di um 20 Uhr in der Neuköllner Oper aufgeführt.
See – Introspektion verspricht dagegen der Japanische Bonsaigarten in Ferch am Schwielowsee wo gerade die Hortensien in voller Blüte stehen. Von 11 bis 18 Uhr können hier Reisefreudige mittwochs bis sonntags in den inneren Japanurlaub fliegen, den Blick für Details schulen und den ein oder anderen Grüntee kosten. Da der durchaus anregend wirkt, empfiehlt sich im Anschluss etwas Bewegung. Zum Beispiel eine Fahrradtour ums Wasser mit Zwischenstopp am Museum der Havelländischen Malerkolonie (nur Sa + So, 12 bis 16 Uhr) und, um gänzlich aus der schnöden Gegenwart zu fallen, zum Barockschlösschen in Caputh (Di bis So 10 bis 17.30 Uhr).
Familie – Von einer dramatischen Familienzusammenführung handelt der Film Im Feuer – Zwei Schwestern. Darin reist die Bundeswehrsoldatin Rojda in den Irak, um ihre Schwester bei den Peschmerga zu finden und zurück nach Deutschland zu holen. So richtig uraufgeführt wurde der Film zwar schon auf der Berlinale, dafür kommen heute zum feierlichen Kinostart auch Regisseurin Daphne Charizani und Schauspielerin Zübeyde Bulut, um ihr Werk selbst vorzustellen. Der Kinostart im Babylon beginnt um 19.30 Uhr und wir verlosen 5 x 2 Tickets.
Tier – Iltis, Igel, Impala – Irregulär öffnet zurzeit der Berliner Zoo. Um einen Zugang zur Abendsonne abseits von Raves in anderen Grünanlagen der Stadt zu ermöglichen und die ein oder andere Fütterung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten mitzubekommen, gibt es jetzt Abendtickets für die Stunden zwischen 17 und 21 Uhr zu 16/8 Euro, letzter Einlass ist um 19 Uhr.
Genuss – Wer seinen Besuch im Barockschlösschen (siehe oben) mit einem entsprechenden Abendessen abschmecken möchte, muss ganz klar Zur letzten Instanz. Welches andere Restaurant kann schon von sich behaupten, seit nunmehr 400 Jahren am immer selben Ort für Gaumenfreuden zu sorgen oder mit so illustren Gästen wie Charlie Chaplin oder Clara Zetkin angeben? Eben. Kameraschwenk von der Marketingfassade zu essbaren Tatsachen: hier entlang zur aktuellen Wochenkarte. Die stammt nämlich ebenso wenig von 1621 wie die Zutaten oder die Belegschaft – hoffen wir zumindest inständig.
Soundtrack des Tages – Auf Indie insistiert heute Abend die „Indie Garten Party“ im Festsaal Kreuzberg, die, obwohl sie so heißt, ausdrücklich keine „Party“, sondern ein Biergarten-Event sein möchte. Und weil das doch verdächtig nach Erregung öffentlicher Erregung klingt, liefert die gleichnamige Hamburg-Berliner Formation mit ihrem Debütalbum auch den Sound des Tages. Deutschsprachige Texte mit einer guten Portion Riot-Girl-Attitüde und Anleihen bei Nina Hagen, Ideal oder Palais Schaumburg – was gäbe einen besseren Kontrapunkt zum barocken Lustwandeln ab?
Berlins Spitzenkandidat:innen-Check
5 x 1: Bis zur Abgeordnetenhauswahl stellen wir den Spitzenkandidat:innen von CDU, FDP, Grüne, Linke und SPD jede Woche eine Frage, die sie mit nur einem Foto beantworten dürfen. Diese Woche: Worauf könnten Sie in Berlin gut verzichten? Zum Ende der Woche: Kai Wegner (CDU).
Foto: Ansgar Koreng (CC BY 3.0 |DE), Bildausschnitt
Berlin heute
Verkehr – A10 (Nördlicher Berliner Ring): Sperrung in beiden Richtungen zwischen Autobahnkreuz AD Oranienburg und der Anschlussstelle Birkenwerder ab 22 Uhr bis Montagmorgen.
A10 (Nördlicher Berliner Ring):Sperrung der Anschlussstelle Mühlenbeck in Fahrtrichtung Dreieck Havelland (Hamburg) ab 22 Uhr bis Montagmorgen.
Oranienburger Chaussee (Frohnau): Vollsperrung ab 18 Uhr bis Montagmorgen zwischen Hubertusweg und Landesgrenze.
Hellersdorf – Prenzlauer Berg: In der Zeit von 17.30 bis 22 Uhr fährt ein Fahrzeugkorso von der Hellersdorfer Straße über Alte Hellersdorfer Straße, Gothaer Straße, Eisenacher Straße, Blumberger Damm, Landsberger Allee, Allee der Kosmonauten, Poelchaustraße, Märkische Allee, Landsberger Allee, Siegfriedstraße, Am Wasserwerk, Herzbergstraße, Weißenseer Weg, Landsberger Allee, Storkower Straße, Thaerstraße, Ebertystraße, Mühsamstraße, Petersburger Straße, Danziger Straße, Kniprodestraße, Am Friedrichshain, Greifswalder Straße, Marienburger Straße, Winsstraße, Christburger Straße, Prenzlauer Allee, Grellstraße und Hosemannstraße zur Ostseestraße.
Kreuzberg: Von 17 bis 18.30 Uhr kann es zu Verkehrseinschränkungen aufgrund einer Demonstration entlang der Strecke Mittenwalder Straße, Gneisenaustraße und Solmsstraße bis zur Riemannstraße kommen.
Mitte: Am Invalidenpark versammeln sich bis 13.15 Uhr die Teilnehmenden einer Demonstration. Bis 14.45 Uhr geht es über die Luisenstraße, Marschallbrücke, Reichtagufer, Neustädtische Kirchstraße und Georgenstraße zum Bahnhof Friedrichstraße.
Gehrenseestraße / Bitterfelder Straße (Neu-Hohenschönhausen): Vollsperrung zwischen S-Bahnhof Gehrenseestraße und Clara-Immerwahr-Straße.
Hauptstraße (Rosenthal): Sperrung ab 6 Uhr stadteinwärts zwischen Wilhelmsruher Damm und Wördenweg.
Sellerstraße (Wedding): Verengung in beiden Richtungen zwischen Heidestraße und Müllerstraße auf einen Fahrstreifen.
Demonstration – Von 16 bis 22 Uhr wollen etwa 200 Teilnehmende der Initiative KiezConnect und Fridays for Future am Reuterplatz für „Klimagerechtigkeit, Kiezgestaltung, Antirassismus und -feminismus“ demonstrieren. Von 17.30 bis 22 Uhr will die Initiative Autokorso Berlin mit 100 Teilnehmenden „gegen Maskenpflicht, Mindestabstand, Kontaktbeschränkungen, Reiseverbote, Berufsverbote, Ausgangssperren, Lockdowns, Testzwang und verdeckten Impfdruck“ von der Hellersdorfer Straße zur Ostseestraße ziehen. Der Verein Falun Dafa Berlin hat 100 Teilnehmende für eine Demonstration von 10.30 bis 13 Uhr unter dem Motto „Stoppt die Verfolgung von Falun Dafa / Falun-Gong Praktizierenden- und anderen unschuldigen Menschen in China. Beendet die Diktatur der Kommunistischen Partei“ auf der Jannowitzbrücke angemeldet.
Samstag – Unter demselben Motto demonstriert der Verein Falun Dafa Berlin mit etwa 400 Teilnehmenden erneut von 11 bis 19 Uhr am Pariser Platz. Von 12 bis 17 Uhr zieht die Marzahn Pride 2021 vom Helene-Weigel-Platz über die Allee der Kosmonauten, Raul-Wallenberg-Straße und die Marzahner Promenade zum Victor-Klemperer-Platz. Anmelder ist der Quarteera e.V. Um 16 Uhr will das Kollektiv Geradedenken einen „Clean-up-Demo-Rave gegen Verschwörungsideologien und rechtsoffene Rave-Events“ mit 600 Teilnehmenden in der Hasenheide veranstalten. Von 16.30 bis 19 Uhr will der Verein Falun Dafa Berlin weitere 300 Demonstrierende in der Schlossstraße versammeln. Auf dem Platz des 18. März demonstriert der Berliner VVN BDA e.V. mit rund 100 Teilnehmenden unter dem Motto „Stoppt die Abschiebungen nach Afghanistan! Stoppt den Rassismus!“. Unter dem Motto „Demonstration für Menschenrechte und das Ende der Gewalt in Kuba“ wollen von 15 bis 19 Uhr etwa 100 Teilnehmende auf dem Platz der Republik demonstrieren. „Zum 87. Todestag von Erich Mühsam“ erwartet der Anmelder Hufeisen Gegen Rechts etwa 100 Teilnehmende von 15 bis 19 Uhr in der Fritz-Reuter-Allee 46.
Sonntag – Von 14 bis 17 Uhr werden etwa 30 Teilnehmende zur „Video-Aktion zur Aufklärung über die Tierindustrie“ am Pariser Platz erwartet. Von 14 bis 18 Uhr wollen 20 Teilnehmende, angemeldet von der Basisdemiókratischen Partei Deutschland, unter dem Motto „Die große Umverteilung im Fahrwasser der Pandemie“ in der Kreuzbergstraße demonstrieren.
Gericht – Der Prozess gegen eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin wird fortgesetzt. Sie soll 2014 mit ihrer damals dreijährigen Tochter von Berlin aus nach Syrien gereist sein, um sich dort der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. In Syrien habe sie nacheinander mehrere IS-Kämpfer geheiratet und ihnen den Haushalt geführt. Die Tochter sei Zeugin von Gewalthandlungen mit Todesopfern geworden (9.30 Uhr, Kammergericht Berlin, Elßholzstraße 30 – 33, Saal 145a).
Berliner Gesellschaft
Geburtstage – Bibiana Beglau (50), Schauspielerin / Michael Günther (86), Regisseur und Schauspieler / Thomas Heilmann (57), CDU-Politiker, MdB / „Heute ist dein Geburtstag, Frank Millert, und ich gratuliere dir von Herzen, verbunden mit den schönsten Wünschen. Ich küsse dich, Berit.“ / „Feliz cumpleanos, chica Maria Perez del veterano de AIDA“ wünscht Hartmut Bekemeier / Katherina Reiche (48), Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats / Mica Scherreiks, „Herzliche Glückwünsche zum 54. meiner allerbesten Freundin, Mannschaftskameradin und Reisebegleitung von Chrissi“
Sonnabend – Angelika Aust (70), herzlichen Glückwunsch zum diesem besonderen Geburtstag wünscht der Weberbank ALUMNI CLUB e.V. / „Liebe Ange, vielen Dank für deine stets bedingungslose Unterstützung und auf ein schönes Geburtstagswochenende“ wünscht Nikolas Kröhn / Frank Castorf (70), Regisseur und ehem. Intendant der Berliner Volksbühne / Jürgen Flimm (80), Regisseur und Intendant / Lisa Hrdina (32), Schauspielerin / Michael Maar (61), Schriftsteller und Literaturkritiker / Wolfgang „Potti“ Matthies (68), ehem. Fußball-Torwart beim 1. FC Union Berlin / Angela Merkel (67), Bundeskanzlerin / Marie-Luise Neunecker (66), Hornistin und Professorin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin / Katie Pfleghar (37), Schauspielerin / Lisa Pinnow (38), „Starköchin, Organisationtalent, Krisenberaterin und Superheldin. Alles Liebe zum Geburtstag und für das neue Lebensjahr viele wunderbare neue Horizonte v. Carola und Sarah“ / Lisa Pinnow, „Happy birthday! Ein überwiegend wonniges neues Lebensjahr, gegen Ermüdendes oriental flavour! Johanna“ / Holger Rogall (67), Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht / Andreas Troge (71), ehem. Präsident des Umweltbundesamtes
Sonntag – Anna Fischer (35), Schauspielerin und Sängerin / Thomas Isenberg (54), für die SPD im AGH / Stefan Jacobs, Verkehrsexperte und Checkpointer, „Viel Glück und viel Segen auf allen (Rad-)Wegen wünscht das Checkpoint-Team!" / Miriam Meckel (54), Kommunikationswissenschaftlerin / Melbeatz (44), HipHop-Produzentin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Renate Charlotte Grünbaum, * 19. Oktober 1936 / Prof. Dr. Dr. h.c. Franz-Joseph Peine, * 18. August 1946, Staats- und Verwaltungsrechtler / Karl Schwarz, * 23. Juni 1938, Universitätsverwaltungsdirektor a.D.
Stolperstein – Selma Latte (*1878) wohnte mit ihrem Mann Paul Latte in der Falkentaler Straße 16 in Reinickendorf, hier erinnert heute ein Stolperstein an ihre Geschichte. Paul Latte führte einen Flaschenhandel in Pankow, wo er junge jüdische Menschen ausbildete und dabei unterstützte, in die USA oder nach Palästina zu fliehen. 1938 wurde der Betrieb enteignet. Die Familie Latte wurde anschließend in das sogenannte Hermsdorfer Judenhaus eingewiesen und am 13. Januar 1943 nach Theresienstadt verschleppt. Paul Latte wurde dort am 24. Januar 1943 ermordet, Selma Latte am 16. Juli 1943 – heute vor 78 Jahren.
Encore
So, erst mal ‘ne Currywurst am Ku’damm. Und dann am Potsdamer Platz ein paar frische Eier von glücklichen Hühnern holen. Kein Problem in Berlin in Schleswig-Holstein. Das 800-Seelen-Dorf ist mit mehr als 800 Jahren das älteste Berlin der Welt, hier lebt man schon seit 1215 am See statt an der Spree (Fotos hier). „Uns werden natürlich öfter die Ortsschilder geklaut“, erzählt Bürgermeister Philipp Frank am Checkpoint-Telefon; also besorgt er ständig neue: „Dat is wie’s is.“ Ansonsten is nich viel in Berlin: außer viel hügelige Natur.
Zur Stärkung nach der Radtour gibt’s Pommes im Imbiss „Berliner Eck“ – „die schmecken wie bei Curry 36“, ist sich Frank sicher, „also schnell hin, schnell ran, schnell weg.“ Der Jahreshaushalt der Gemeinde Seedorf, zu der Berlin gehört, fällt mit drei Millionen Euro eher bescheiden aus. Dafür ist der 39 Jahre junge Bürgermeister für alle im Ort rund um die Uhr erreichbar. „Alle haben meine Handynummer, jeder ist für jeden da. Wir sind ein Kiez – nur ohne Späti.“ Kindergarten und Grundschule sowie drei Feuerwehren haben sie auch noch. Und einen Berliner Sportclub mit Bär im Wappen – „unser BSC ist aber nicht ganz so groß wie Hertha“.
Schon Franks Opa war Bürgermeister im Ort, traf sich hier mit Willy Brandt 1972 zum Gipfeltreffen. Ein Ehrenmal wurde eingeweiht für den Groß-Berliner Polizeibeamten Wilhelm Krützfeld – der hatte den Beamten Otto Bellgardt beim Polizeipräsidium gedeckt, der die Neue Synagoge in der Pogromnacht vom 9. November 1938 vor Brandstiftern gerettet hatte. Nächstes Jahr will Bürgermeister Franz an seinem beschaulichen Potsdamer Platz nun selbst Geschichte schreiben. Zwei Mauerstücke sollen aus der Hauptstadt, in der er schon zur Love Parade durch den Tiergarten getanzt ist, hierher gelotst werden. „Die können die Kinder unserer Schule jedes Jahr neu gestalten.“
So hat das kleine Berlin immer seine größere Schwester gut im Blick. Die ist schließlich nur 357 Kilometer entfernt. Der Nachbarort des kleinen, älteren Bruders heißt übrigens Weite Welt. „Von Berlin in die weite Welt in zwei Kilometern – wo hat man das schon?“, fragt Franz und lacht. Nie lag in Berlin das Ferne so nah.
Bleiben sie heute nah dran am Leben! Mit mir näherten sich diesmal Thomas Lippold (Recherche), Florian Schwabe (Produktion) und Thomas Wochnik (Stadtleben) unserer Stadt, letzterer bringt Ihnen morgen das Wochenende nahe. Ich verabschiede mich in den sommerlichen Einheitsurlaub an die Wostsee. Und ich grüße Sie,
