die Zeit heilt alle Wunden, heißt es immer. Aber manche Wunden heilen nie. Drei Jahre ist es her, dass Anis Amri, bewaffnet mit einem LKW, in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz raste und elf Besucher tötete. Zuvor hatte er bereits den polnischen Fahrer des LKW getötet. Hundert Menschen wurden verletzt, Hunderte traumatisiert. Das Attentat hat verunsichert, Sicherheitsdebatten ausgelöst und Fragen aufgeworfen, die bis heute nicht beantwortet sind. Am heutigen Abend findet in der Gedächtniskirche um 19 Uhr eine Andacht statt. Die Namen aller Opfer werden verlesen, die Lichter auf dem Markt ausgehen und um 20.02 Uhr zwölf einzelne Glockenschläge erklingen. Stilles Gedenken an: Anna und Georgiy Bagratuni, Nada Cizmar, Fabrizia di Lorenzo, Dalia Elyakim, Lukasz Urban, Sebastian Berlin, Christoph Herrlich, Klaus Jacob, Angelika Kösters, Dorit Krebs und Peter Völker.
Kurze Pause und – so schwer es ist – zurück in den Berliner Alltag.
Neues von der „Diese eG“: Die Investitionsbank Berlin, die das Landesdarlehen an die in Not geratene Genossenschaft ausreicht (min. 50 Millionen Euro), hat sich auf besondere Weise abgesichert: Der Vorstand ließ sich nach Checkpoint-Informationen vom Senat das Einverständnis geben, dass bei der Abwicklung des Programms von den Förderrichtlinien abgewichen werden kann – also eine Art Haftungsfreistellung der Manager durch den Eigentümer. Die IBB – zuständig für die Kontrolle der Auflagen – rechnet offenbar mit der Möglichkeit politischer Eingriffe. Die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg hatten ihr Verkaufsrecht genutzt, damit die Diese eG insgesamt sieben Wohnhäuser erwerben kann. So sollte Spekulation verhindert werden. Allerdings hat sich die Genossenschaft damit finanziell überhoben. Der Senat entschloss sich deshalb, der „Diese eG“ ein Darlehen zu gewähren. Bereits jetzt gibt es zwischen den Beteiligten (neben IBB und „Diese eG“ die Verwaltungen für Finanzen, Wirtschaft und Stadtentwicklung) aber „unterschiedliche Wahrnehmungen“ über die Auszahlungsvoraussetzungen im Rahmen des Genossenschaftsförderprogramms. Fortsetzung folgt.
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2020 ist Beethoven Jahr: Packende Interpretationen bekannter Werke des Komponisten sowie eine von Beethoven inspirierte Uraufführung gibt es beim Musikfest 2020 zu erleben! Orchester aus Paris, London, Frankfurt und Rom sind zu Gast in der Berliner Philharmonie. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für aktuelle und zukünftige Klassik-Liebhaber*innen!
Es folgt eine Mitteilung des Informationssicherheitsbeauftragten der Berliner Polizei. Eine in seinem Auftrag verfasste Rundmail („Priorität: Hoch“) warnt vor der aktuellen „Spammailwelle mit Schad- und Verschlüsselungssoftware“ (aka Emotet). Die Mails erweckten den Eindruck, dass sie „von realen Absendern stammen“. Inhaltlich werde „auf tatsächliche Sachverhalte der Empfänger Bezug genommen, so dass sie sehr realistisch erscheinen“. Gleiches teilt der IT-Sicherheitsbeauftragte der HU mit. Berlin verhackt.
Abgesehen von offenkundiger Nachlässigkeit war auch von „softwarebedingten Defiziten“ die Rede, als die Polizei im November dem Innenausschuss ihr Versagen beim Schutz des von Rechtsradikalen bedrohten Neuköllner Linken-Politikers Ferat Koçak erklären sollte: Ein Beamter habe aus einem abgehörten Telefonat von Neonazis den Namen „Kotschak“ notiert, und die Polizei-Datenbanken seien technisch nicht in der Lage zu einem phonetischen Abgleich. Die Polizei-Software kann Namen bei falscher Schreibweise sehr wohl verstehen, lautete dann die überraschende Antwort auf eine Anfrage des Linken-MdA Niklas Schrader. Darüber hatte zuerst die „taz“ berichtet.
Jein, erklärt nun aber wiederum die Innenverwaltung. „Lediglich“ in dem gesonderten Programm, das für Telekommunikationsüberwachung genutzt wird, sei die Suche nicht möglich. Zumindest bis jetzt: Die Absurdität wurde erkannt und behoben.
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Neuköllner Müll: Nach der Meldung am Montag („Bezirksamt sucht Projektassistenz für die Kampagne „Schön wie wir“) schickt uns Checkpoint-Leserin Susanne Saygin ein Bild von einem mit alten Matratzen und Stühlen vollgestopften Anhänger und schreibt: „Ach, das ist Kunst? Hätte ich das gewusst, hätte ich die Installation, die seit gut sechs Monaten vor meiner Haustür steht, nicht immer wieder und immer nörgeliger per Ordnungsamt-App gemeldet, sondern wäre dankbar für die Chance, mich täglich mit diesem subtilen Kommentar auf unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft auseinandersetzen zu dürfen. (…) Im nächsten Schritt könnte der Bezirk diese site specific participative street art in dynamischer Dauerperformance dann als Weltkulturerbe anmelden.“ Das Ordnungsamt meldet derweil: „Es handelt sich hierbei um keine Verkehrsbehinderung, sondern um eine Ordnungswidrigkeit in Höhe von 15 Euro. Diese Anzeige hat der Halter erhalten, des Weiteren sieht der Gesetzgeber keinen weiteren Handlungsbedarf vor.“ Status: Erledigt.
Mit einem Brief hat sich Checkpoint-Leser Jan Schöllhammer an Familienministerin Franziska Giffey (SPD) gewandt. Der Grund: Seine fünfjährige Tochter wurde vom Ministerium zu einer Veranstaltung geladen – und in der Einverständniserklärung für Eltern vermerkt, dass Presseaufnahmen u.a. auch auf Social-Media-Kanälen diverser US-amerikanischer Anbieter verwendet werden. Dazu fragt er: „Was würden Sie von der Idee halten, auf den Aufnahmen, die über Social-Media-Kanäle vom BMFSFJ publiziert werden, künftig alle Gesichter aller Kinder im Kita-Alter zu verpixeln?“ Das Referat Öffentlichkeitsarbeit antwortet: „Ganz auf Bild- und Videomaterial von Kindern zu verzichten, ist für uns leider keine Option“. Jedes Kind zu verpixeln wäre „aufgrund der hohen Termindichte der Ministerin und der Fülle an Bild- und Videomaterial mit Kindern (…) schon aus Zeitgründen nicht möglich“.
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Die Expertenkommission der Berliner Bildungsverwaltung hat erste Empfehlung für die Verbesserung der Kitas abgegeben. Zentrale Botschaft: Die Förderung muss sich stärker an dem orientieren, was den Kindern den Schulstart erleichtert. Das Schlüsselwort: „Schoolready“. Die ehrliche Ausgangslange: „eklatant schlechten Leistungen der Grundschüler“ und fehlende Verbindlichkeit bei der Absicherung der Personalqualität „auf allen Ebenen“ – von ErzieherInnen über SeiteneinsteigerInnen bis zu DozentInnen an der Erzieherfachschule. Scheint als seien die Beschäftigten nicht mal Kitaready.
Wenn nichts hilft, hilft vielleicht Social Media. Um Berlins Fachkräftemangel Frau zu werden, plant die Bildungsverwaltung unter Senatorin Sandra Scheeres (SPD) eine neue Internetstrategie. Man habe sich „das Ziel gesetzt, kurz-, mittel- und langfristig ausreichend Lehrkräfte sowie sozialpädagogische Fachkräfte (Erzieherinnen und Erzieher) für Kitas und Schulen im Land Berlin zu rekrutieren“, heißt es in der Ausschreibung. Ausgespielt werden sollen die Inhalte „primär auf der Facebook-Seite sowie sekundär auf dem Twitter-Kanal“. Instagram, Snapchat und TikTok bleiben Neuland.
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Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Was hilft gegen die Wohnungsnot in den Städten?
Wohnen Weiter Denken richtet sich an alle, die mehr erfahren wollen und eine Meinung haben. Offen und fair möchten wir diskutieren. Nicht nur über neue Gesetze, sondern über innovative Lösungen für den angespannten Immobilienmarkt. Die Debatte ist eröffnet!
„Der rot-rot-grüne Senat spaltet Berlin und die Berliner“, schreibt der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner im Vorwort der neuen Berliner Rundschau („Das Magazin der CDU Berlin“). „Es scheint kaum ein Thema zu geben, bei dem die Linkskoalition nicht verschiedene Gruppen gegeneinander ausspielt und eine parteiische Klientelpolitik betreibt.“ Im Magazin selbst scheint es dafür kaum einen Platz zu geben, auf dem Berlins CDU-Chef nicht freundlich lächelt oder Hände schüttelt: 16 Fotos auf 15 Seiten. Dazu noch ein Interview – und der freundliche Checkpoint-Hinweis: Viel hilft nicht immer viel. Gilt auch für die Weihnachtszeit.
Hertha-Cheftrainer Jürgen Klinsmann war im Podcast von SPD-Fraktionschef Raed Saleh zu Gast. Die Folge erscheint am Freitag, wir haben schon mal reingehört und erste Erkenntnisse: Saleh findet, dass Klinsmann Deutschland mit der WM 2006 geeint hat und hätte ihm gerne den Integrationspreis verliehen, „wenn nicht sogar den Friedensnobelpreis auf Berlin und auf Deutschland bezogen“. Jürgen Klinsmann findet „es enorm, enorm wichtig ist, dass wir in unserer Gesellschaft wirklich diese Werte leben – Integration, Offenheit, Toleranz“. Ein neues Hertha-Stadion hält Klinsi für „dringend“ notwendig (bringt 8 bis 10 Punkte mehr pro Jahr!). Und Currywurst isst er lieber als Döner.
„Aus diversen Gründen haben wir uns in diesem Jahr entschieden, unsere beliebte Weihnachtswurst zukünftig als Winterwurst zu bezeichnen“, schreibt Curry 36 via Facebook. 4.400 Kommentare, 3.100 Reaktionen, 952 Mal geteilt. Warn’n Guter!
Berliner Schnuppen
Telegramm
Was soll / darf / muss sich 2020 in Berlin ändern? Wir freuen uns über Wünsche und gute Vorsätze unter checkpoint@tagesspiegel.de. Die Antworten veröffentlichen wir am Samstag.
Brandenburgs Wald ist durch die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre in einem so schlechten Zustand, wie seit 1991 nicht mehr. Mehr als ein Drittel der Bäume weist „deutliche Schäden“ auf. Klimawandel vor der Haustür.
Um Berlins Natur zu schützen, sucht die Umweltverwaltung eine Marketing- und Kommunikationsagentur zur „Durchführung einer Wertschätzungskampagne für das Berliner Stadtgrün“. Checkpoint-Analyse: Weil Wertschätzung Pflanzen eher selten gerettet hat, könnte man das Geld auch in Erhalt und Pflege investieren.
Grün oder grau? Im Streit um die Parkplätze in der Karl-Marx-Allee hat Kollege Robert Klages alte Dokumentedes Stadtentwicklungsamtes ausgebuddelt. Abstimmungsergebnisse der AnwohnerInnen waren nicht dabei. Dafür aber Infos über Infoveranstaltungen aus dem Jahr 2016. Notiert sind geteilte Meinungen – und die Aussage: „Die Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz:das ist zurzeit eine unerträgliche Asphaltpiste. Ein breiter Mittelstreifen müsste begrünt und möglichst auch bepflanzt werden. Parkraum für Anwohner gibt es meist hinter den Häusern.“
Der Stand der Berliner Verkehrswende anhand von Jobausschreibungen: Das Bezirksamt Mitte sucht jemanden für die Lieferung und den Aufbau von Parkscheinautomaten.
Fortfahrlicher ist man in Neukölln. Der Bezirk weiht am Freitag die bundesweit ersten vier Lastenradparkplätze ein. Wer den historischen Moment festhalten will: Bürgermeister Martin Hikel (SPD) lädt um 13 Uhr zur Eröffnung in die Weichselstraße.
Kleine Korrektur: Die Mahnwache für den getöteten Fußgänger findet heute statt und zwar um 17.30 Uhr in der Landsberger Allee Ecke Ferdinand-Schultze-Straße. Eine zweite Mahnwache wird es im Anschluss (18.15 Uhr) in der Landsberger Allee Höhe Weißenseer Weg geben.
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Like you! Freundschaft digital & analog
Wo und wie finden wir heute Freund*innen? Wie haben soziale Netzwerke Freundschaft verändert? Die revolutionäre Entwicklung der Kommunikationsmittel macht es uns leichter, in Kontakt zu bleiben, aber die virtuelle Vernetzung führt auch zu Beliebigkeit. Die Ausstellung fragt die Besucher*innen auch nach ihren ganz eigenen Erfahrungen mit Freundschaft - damals und heute.
27.9.19 bis 5.7.2020
im Museum für Kommunikation Berlin
Die Berliner Frauenärztin Bettina G., die wegen unzulässiger Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verurteilt wurde, zieht vor das Bundesverfassungsgericht. Eine für alle. Bis zur letzten Instanz.
Es gibt auch gute Brexit-Meldungen: Den 13 im Berliner Landesdienst beschäftigten britischen BeamtInnen wurde die erforderliche Ausnahmeentscheidung (Zulassung einer Ausnahme vom Staatsangehörigkeitserfordernis gemäß § 22 Absatz 1 Nr. 1 i.V.m. § 7 Absatz 3 BeamtStG) erteilt. Heißt: Sie behalten ihren Job, egal was passiert. (Q: Anfrage Hugh Bronson / MdA AfD).
Es gibt eindeutig zu viele Nazi-Meldungen. In Berlin wurden jetzt die Spiegeldenkmäler, die am Murellenberg an die Ermordung durch die NS-Militärjustiz erinnern sollen, zerkratzt und teilweise mit Hakenkreuzen besprüht. Der Staatsschutz ermittelt.
Nach dem Tagesspiegel-Bericht über die dubiose Mitgliedschaft eines Dozenten der Brandenburger Polizeihochschule hat dieser Konsequenzen gezogen: Der bisherige Regionalchef Ost verlässt den unter Rechtsextremismus-Verdacht stehenden Verein Uniter.
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Beim Schenken mit LINDNER Präsenten einfach alles richtigmachen! Auch das klingt wie Weihnachten: Lauter tolle Geschenkpakete, liebevoll verpackt und sofort versandbereit. Aussuchen, statt Kopfzerbrechen, Freude bereiten, statt danebenliegen. Drin steckt nämlich, was immer ankommt: viel Fantasie und Genuss.
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Wer entscheidet, was als Sehenswürdigkeit gilt? In den neuen Stadtführern des E-Scooteranbieter „Voi“ sind es anonymisierte Bewegungsdaten von Fahrten. Das Ergebnis gibt’s via Pressemitteilung: „Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es die Berliner Voi-Fahrer 2019 nicht nur zu Hotspots wie dem Alexanderplatz sondern besonders häufig auch zur Arminiusmarkthalle im Stadtteil Moabit gezogen hat?“ Fragt sich nur, welcher Ort mehr überrascht.
Gibt es mittlerweile ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf? Nein. Wird es in Zukunft eins geben? Bleibt abzuwarten. Laut Bezirksamt ist ein externes Büro mit der Erarbeitung von Machbarkeitsstudien beauftragt. Mit einem inhaltlichen Abschluss ist „voraussichtlich bis Ende des Jahres zu rechnen“. (Q: Anfrage Mario Czaja / MdA CDU)
Meckern kann jeder, mitgestalten können jetzt zumindest ein paar: Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg sucht BürgerInnen, die sich ehrenamtlich im VBB FAHRGAST-Dialog für die Weiterentwicklung des Nahverkehrs engagieren wollen. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2020 (Infos hier).
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An dieser Stelle dankt Checkpoint-Leserin Marianne Heitmann dem netten Taxifahrer, der ihr (nach einem 50. Geburtstag / Mottoparty) den Fahrpreis erlassen hat (Portemonnaie vergessen). „Vielleicht meldet er sich doch noch, dann gibt es Kekse und natürlich die 6 Euro.“
Und zuletzt: Weihnachtszeit ist Reisezeit. Rund 1,29 Millionen Passagiere werden in Berlin während der Ferien erwartet – die Flughafengesellschaft warnt entsprechend vor Warteschlangen am Check-in sowie an den Pass- und Sicherheitskontrollen. Die beliebtesten Ziele: Mallorca, Barcelona, Istanbul, Rom und Venedig. Feliz navidad, mutlu noeller und buon natale!
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Aus aktuellem Anlass: Das Mauerwerk steht schon immer für Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Bei uns ist jeder willkommen – egal wie ihr ausseht und woher ihr kommt, wen ihr liebt oder an wen ihr glaubt. Eure Sache! Nur für eins ist bei uns kein Platz: Arschlöcher, die diese Vielfalt zerstören wollen. Deshalb liebe Freunde und Gäste wünschen wir uns für’s nächste Jahr: Seht hin und steht auf. Wir geben Rassismus und Sexismus keine Chance.“
Ein Weihnachtspost aus der Serie „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ (Folge 6912). Der Kampf gegen Rechts ist jetzt auch in den Berlin-Soaps angekommen.
Tweet des Tages
Für alle, die sich das Hauptstadt-Leben irrsinnig aufregend vorstellen: jetzt noch Kaffee kaufen, 40-Grad-Wäsche, früh ins Bett.
Stadtleben
Essen & Trinken – Nicht ganz am kürzeren Ende der Sonnenallee, dafür am unaufgeregten Ende der Weserstraße belebt die Element Ristobar den Kiez mit hausgemachter Pasta und Drinks à la Tonca Gin und Hibiskus Tonic. Das Konzept ist so simpel wie gut: Ehrliche italienische Küche mit Aperitif und Après für lange Abende in gemütlicher Atmosphäre (viel Holz, viel Herz = hygge). Bei dem ein oder anderen Glas Prosecco (2,80 Euro) zu Lammkotelett mit Minzpesto, Rindertartar mit Grünkohlsalat oder schwarzen Spaghetti con Vongole schmieden sich die Pläne fürs neue Jahr fast von selbst. Weserstraße 91 (S-Bhf Sonnenallee), geöffnet Mi-So ab 18 Uhr, auch zwischen den Jahren (27.–30. Dezember)
Noch hingehen in die Markhalle Tegel, die am 6. Januar endgültig schließt. Zwar können einige Händler in ca. sechs Monaten andernorts ihre Stände wieder öffnen, aber für andere bedeutet die Schließung das endgültige Aus. Was das für das Markttreiben im Kiez bedeutet, berichtet Gerd Appenzeller in seinem Bezirksnewsletter für Reinickendorf.
Berlinbesuch ins Märkische Museum lotsen, wo noch bis zum 5. Januar „Fontanes Berlin” zu erleben ist. Gezeigt werden nicht nur Fotos aus den Tagen des Dichters, sondern auch seine Romanzeilen mit heutigen Stadtansichten verbunden. Sehenswert! Am Köllnischen Park 5 (U-Bhf Märkisches Museum), Di–So 10–18 Uhr, am 24. Und 31. Dezember geschlossen
Geschenk – Apropos Fontane: Die Schweizer haben ihn ebenfalls entdeckt (wenn auch nicht erfunden!) und sein Werk aufgefächert – wortwörtlich. Und zusammengetackert, zu einem Wortfächer, der den Dichter durch Begriffe wie „Kaffeekuchenpyramide“, „Pseudokonservativismus“ oder „Zeitungsleserstandpunkt“ in die Gegenwart holt (es ist immer noch Fontane-Jahr!). Der „vatter&vatter”-Verlag hat aber noch mehr zu bieten für BerlinerInnen: Einen Komplimentefächer – wenn sie zum Beispiel mal wieder einem Busfahrer was entgegnen müssen. Flüche und Schimpfworte gibt es auch – aber nur auf Berndeutsch (heißt dann Flüech und Schlämperlige). Bestellbar für je 14 Euro (plus Versand) hier.
Last-Minute-Tickets – Und nach Feierabend noch eine bisschen Zivilisationskritik: Im Gorki, dessen Intendantin Shermin Langhoff gerade ihren Vertrag bis 2023 verlängert hat, steht „Ein Bericht für eine Akademie“ auf dem Programm, den Oliver Frljićs als„bestürmend offene, undogmatische Kafka-Version“ inszeniert hat, wie Patrick Wildermann im Tagesspiegel schreibt. Durchweg präsent sei das Motiv von Zurichtung und Selbstdressur – womit wir wieder beim Feierabend-Topos wären. Los geht´s um 20 Uhr geht´s los,Karten ab 10 Euro.
Verlosung –Am Samstag geben Chor und Orchester der Berliner Bach Akademie das Weihnachtsoratorium (BWV 244 Teile IV-VI) im Kammermusiksaal der Philharmonie (es dirigiert Heribert Breuer). Mit dabei: Catakina Bertucci (Sopran), Britta Schwarz (Alt), André Khamasmie (Tenor) und Philipp Jekal (Bass). Wir hätten zwei Freikarten im Angebot – wer möchte?
Das Stadtleben heute von: Stefanie Golla
Ein Türchen Berlin
Noch 5 Tage bis Weihnachten und alles dreht sich um Geschenke und Gänsebraten. Unser Tipp: Steigen Sie aus dem Weihnachtswahnsinn aus und besinnen sich auf das, was Weihnachten ausmacht: Zeit mit den Liebsten zu verbringen. Zum Beispiel beim Kleinen Prinzen im Pfefferberg Theater. Ein Evergreen, nicht nur zur Weihnachtszeit, der vom Drehbühnen-Ensemble als Mischung aus Theater und Film bis 12. Januar auf die Bühne in der Schönhauser Allee 176 gebracht wird. Wer den kleinen Mann vom Planten B612 auf seiner wunderlichen Reise begleiten möchte: Wir verlosen vier Freikarten für die Vorstellung am kommenden Samstag um 16 Uhr (gilt für zwei Erwachsene und zwei Kinder).
Bild: Naomi Fearn
Berlin heute
Verkehr – Mitte/ Fischerinsel: Wegen Sanierungsarbeiten ist die Roßstraßenbrücke langfristig für Autoverkehr gesperrt, Umleitungen führen über Jannowitzbrücke und die Mühlendammbrücke. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke vsl. noch bis Januar 2020 nutzen.
Tiergartentunnel: Zwischen 8.30 und 15 Uhr ist in Richtung Kreuzberg zwischen Einfahrt Heidestraße und Zufahrt Invalidenstraße nur eine Spur frei.
Nürnberger Straße (Charlottenburg): Von 6 Uhr an bis Freitagabend, 20 Uhr, ist die Straße in Richtung Lietzenburger Straße zwischen Budapester Straße und Tauentzienstraße gesperrt.
Karow: Ab ca. 15 Uhr öffnet die Eisenbahnunterführung Neustädter Straße/ Schräger Weg wieder in beiden Richtungen, dafür ist bis vsl. Ende August 2020 die Unterführung Am Danewend/ Loebschützer Straße für Auto-, Rad- und Fußverkehr gesperrt.
Landsberger Allee (Lichtenberg): Mahnwachen in Höhe Ferdinand-Schultze-Straße (17.30 Uhr) sowie zwischen Weißenseer Weg und Vulkanstraße (18.15 Uhr).
Max-Schmeling-Halle (Prenzlauer Berg): Wegen eines Handballspiels (Beginn:19.30 Uhr) kann es im Umkreis zu Staus kommen.
Demonstration – Auf dem Pariser Platz protestieren von 10.45 bis 3 Uhr ca. 70 Menschen „against the violence on students in New Dehli and Aligarh“. „Für besseren Umweltschutz in Australien“ ziehen rund 30 AktivistenInnen von Extinction Rebellion von 13 bis 15 Uhr vom U-Bahnhof Adenauerplatz bis zur
Botschaft von Australien in der Wallstraße 76 in Mitte. Die Exiliranische Gemeinde Berlin protestiert in der Hiroshimastraße in Tiergarten gegenüber der japanischen Botschaft mit ca. 50 Teilnehmenden gegen den „geplanten Besuch der Mullahdiktaturvertreter in Tokio“. Außerdem regt sich Protest am Potsdamer Platz vor dem Bahn-Tower, wo ca. 80 Demonstranten die Deutsche Bahn dazu auffordern, „Leder aus ihren Waggons zu verbannen“ und auf „nachhaltige Alternativen auszuweichen“ (16-17 Uhr).
Gericht – Sechs Männer, die Pakete geplündert und Gegenstände im Wert von über 30 000 Euro erbeutet haben sollen, müssen sich wegen Bandendiebstahls verantworten. Drei der 25- bis 33-Jährigen hätten als damalige Mitarbeiter in einem Verteilerzentrum in Spandau generell Zugriff auf die Sendungen gehabt (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 572).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Dietmar Arnold, Gründer der Berliner Unterwelten – Herzliche Grüße aus Kassel von Peter / Ben Becker (55), Schauspieler und Sänger / Thomas Brussig (55), Schriftsteller und Dramatiker /„Ganz herzliche Geburtstagsgrüße von Sissi an Chrissy Masurat, die am 19. Dezember 49 Jahre alt wird!“ / Rebecca Saunders (52), Komponistin / Berkan Taz (21), Mittelfeldspieler bei Union / Heinrich August Winkler (81), Historiker / nachträglich: Gemma Grandjot, „ein 19-Jähriger immer lächelnder Edelstein auf dem Weg in die weite Welt! Alles Gute von Theda & Peter”
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Prof. Dr. Ing. Klaus Affeld, * 22. Juli 1935 / Gabriele Kloas, * 1936 / Annemarie Roth, * 10. Juni 1926 /
Trauerfeier – Am Montag verstarb im Alter von 95 Jahren Herbert Shenkman, der die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Birkenau überlebte und zu den letzten Zeitzeugen des Nazi-Regimes gehörte. Am morgigen Freitag – es wäre sein Geburtstag gewesen – wird er um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße/ Scholzplatz in Charlottenburg beigesetzt. Seine Frau freut sich über Jeden und Jede, der / die an der Trauerfeier teilnehmen möchte. Mützen sind ebenso zur Kopfbedeckung geeignet wie eine Kippa.
Stolperstein – Martha Aron, geb. Seligmann (Jhg. 1864) wohnte in der Charlottenburger Schloßstraße 56. Am 15. Dezember 1942 wurde sie vom Martha Aron vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Der Transport von insgesamt 100 überwiegend älteren Menschen war an den fahrplanmäßigen Zug Berlin-Dresden-Prag angeschlossen. Vier Tage später, heute vor 77 Jahren, starb Martha Aron infolge der menschenunwürdigen Transportbedingungen und der Belastungen im Ghetto Theresienstadt.
Encore
Weihnachten ist man weniger allein – zumindest im Yaam. Der Beachclub lädt an Heiligabend von 12 bis 23:30 Uhr zum „größten offenen Weihnachten 2019 für Obdachlose, Bedürftige, Freiwillige und alle, die nicht alleine oder herkömmlich feiern wollen!“ Geboten werden: ein großes Showprogramm, Essen, Getränke, ein Friseursalon, ein Massagebereich, ein Glühweinstand, Grill by Grisch, Tabak, eine überdimensionale Kleiderecke und Geschenke. Alles kostenlos und für jeden verfügbar. Wer als freiwillige/r Helfer/in dabei sein möchte, kann sich bis spätestens 24.12 direkt in der Halle beim Info-Point melden oder eine Mail an info@mitherz.berlin schreiben. Für alle anderen gilt: spread the word. Sprecht es rum.
Morgen übernimmt Laura Hofmann mit Weihnachtscontent aus der Hauptstadt. Ich verabschiede mich für dieses Jahr, wünsche eine schöne Zeit und einen guten Rutsch. Herzlichst!
