8.000 der 20.000 Berliner Klinikbetten sind gerade frei, dazu kommen 500 Plätze im Zusatzkrankenhaus Messe – der Regierende Bürgermeister offeriert deshalb Partnerstädten, Covid-19-Patienten bei uns aufzunehmen. „Auch Moskau habe ich ein Angebot übermittelt“, sagt Michael Müller im Tagesspiegel-Interview, und: „Andere Städte hätten gerne eine solche Reserve.“
In einer Videoschalte will der Regierende diese Woche gemeinsam mit dem Charité-Virologen Christian Drosten anderen Bürgermeistern des Metropolis-Städtenetzwerks die Berliner Teststrategie erläutern. Vergangene Woche hatte Müller sich mit 14 internationalen Kollegen (u.a. dabei: die Bürgermeister aus Istanbul und London) über Krisenerfahrungen ausgetauscht.
Das Ziel von Müller: Berlin soll zur international anerkannten Medizinmetropole aufsteigen, und zwar „jetzt erst recht“ (hier das komplette Interview). Um die nötigen Investitionen (Infrastruktur, Digitalisierung, Forschungseinrichtungen) wird er kämpfen müssen – der Finanzsenator möchte zwar auch „angewandte Forschung verstärken“, hält es ansonsten aber grundsätzlich für falsch, so zu tun, „als könne man noch drauflegen“. Stattdessen will Matthias Kollatz die Ausgaben „an die neuen Realitäten“ anpassen (Q: „Mopo“). Wir sehen: Im Senat gibt’s auch hier mehr als nur eine Realität. Es geht eben doch nichts über die einzig wahre Wirklichkeit – im Gegensatz zur einzig wirklichen Wahrheit (die kennt sowieso nur Attila Hildmann).
Wie viele Schutzmasken (unter Corona-Leugnern auch als Maulkörbe verschrieben) hat eigentlich Michael Müller? Na, da fragen wir ihn doch gleich noch schnell – hier seine Antwort: „Eine habe ich immer dabei, zwei sind im Schreibtisch. Mindestens fünf Masken habe ich zu Hause. Ich kriege immer wieder welche geschenkt, die letzte vom Finanzsenator.“ Hoffentlich geht’s in Berlin nicht bald wieder ums letzte Hemd.
Und damit zur Aufgabe für Berlinkenner: Unser Regiermeister bietet Berlins Partnerstädten Hilfe in der Corona-Krise an – aber wie heißen die gleich nochmal? Na, bekommen Sie alle zusammen? Kleiner Tipp: Es sind 17 (ohne Bezirkspartnerschaften) – die Auflösung finden Sie weiter unten, aber jetzt erstmal weiter mit den Corona-News.
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Kraut und Rüben ist in der Krise das politische Regelmenü, aber auch hier bietet Berlin etwas Besonderes – zur Wiedereröffnung der Restaurants gibt’s zum Nachgang ein fades Dessert: Erst zehn Tage nach der Wiedereröffnung der Gastronomie berät der Senat am Dienstag einen dazugehörigen Hygieneplan – da hat wohl jemand ziemlich lange drauf herumgekaut. Acht Punkte wurden zuletzt diskutiert, u.a. soll verhindert werden, dass jemand ins Essen hustet (oder in die Suppe spuckt).
Was ab heute wieder erlaubt ist:
+ Die ersten Bäder öffnen
+ Ausflugsdampfer legen ab
+ Hotels empfangen Touristen
Was weiterhin verboten ist:
+ Treffen von mehr als zwei Haushalten
+ Abstand unter 5 Meter zu anderen Gruppen
+ Private Partys
Was außerdem gilt:
+ Nicht alles, was Sie dürfen, müssen Sie auch tun.
Andreas Behm soll neuer Generalstaatsanwalt in Brandenburg werden (Q: PNN) – Tagesspiegel-Kollege Alexander Fröhlich fasst hier nochmal die bemerkenswertesten Referenzen und Qualifikationen aus Behms Zeit als Leitendem Oberstaatsanwalt in Berlin zusammen:
+ Grandios gescheitert im Bordellverfahren „Artemis“
+ Peinliche Pannen bei Ermittlung gegen CDU-MdA Braun
+ Homophober Soloflopp mit Anklage gegen Bushido
+ Verschwiegene Kontakte zu Wowereit-Anwalt
+ Disziplinarverfahren wegen falscher Angaben vor Gericht
Es kommentiert Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Brandenburg – es kann so einfach sein.“ Tja, hier hat eben jeder seine sechste Chance verdient.
Apropos Brandenburg – die Polizei meldet: In Strausberg retteten sich vier Personen vor einem reißenden Wolf auf ein Dach – bis das Herrchen sein entlaufenes Schäferhündchen gefunden hatte. Und in Kolpin gingen Anwohner vor einem tobenden Stier in Deckung – bis der Bauer seine harmlose Highlander-Kuh wieder einfangen konnte. Ach, Brandenburg – es könnte so einfach sein… Bei mir im Hinterhof ist übrigens gerade ein fleischfressender Flugsaurier gelandet (könnte aber auch eine Taube gewesen sein).
Eine Ortsnachricht aus Berlin-Schilda: Seit einem halben Jahr parken an der Köpenicker Landstraße verbotener Weise Autos in einer Grünanlage. Dem Amt ist das lange bekannt, andauernd gibt’s Beschwerden. Warum geschieht also nichts? Lehnen sie sich zurück, schnallen Sie sich an – genießen Sie jetzt mit uns die einmalige Gelegenheit, einem hilflosen Stadtrat (hier: Rainer Hölmer) bei seinem verunglückten politischen Ausparkmanöver zuzuhören:
„Eine Möglichkeit wäre wegen der Besitzstörung/verbotenen Eigenmacht privatrechtlich einzuschreiten, dies ist aber kaum praktikabel. Vorzugsweise könnten jedoch Verfahren gegen die KFZ-Halter gemäß § 7 (1) Nr. 6 in Verbindung mit §7 (3) Grünanlagengesetz eingeleitet werden, da die betroffene Fläche nur über einen Weg, welcher sich innerhalb einer öffentlichen Grünanlage befindet, erreicht werden kann. Dieser Weg ist mit einer Schranke inkl. Schloss für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die Schlösser (…) werden leider jedoch regelmäßig zerstört und die Schranke wird von den KFZ-Führern geöffnet. (…) Die Ahndung erfordert eine eindeutige Kennzeichnung des Weges als Bestandteil der öffentlichen Grünanlage. Insofern wurde am betroffenen Weg bereits ein zusätzliches Schild aufgestellt, eine Optimierung der Beschilderung wird geprüft.“ (Q: Anfrage BVO Jacob Zellmer)
Es kommentiert Gilbert Becaud: „Je älter man wird, desto mehr Freunde verwandeln sich in Straßenschilder.“ An der Antwort waren übrigens nach Angaben des BA sieben Beamte aus dem mittleren, höheren und gehobenen Dienst beteiligt. Sie wendeten dafür exakt vier Arbeitsstunden auf, die Kosten dafür belaufen sich auf 321,08 Euro (inkl. 30 Euro Bürgermeisterpauschale). Beim „Verkehrsschild-Discounter“ hätte das BA dafür exakt 13,9 Durchfahrtsverbotsschilder bekommen (das Brett vorm Kopf wird kostenlos entsorgt).
Seit Corona die Verwaltung lähmt, rollt’s in Berlin: Unbürokratisch entstehen „Pop-up“-Radstreifen, am Sonnabend demonstrierten Aktivisten für mehr davon (denn nicht überall geht’s voran). Unter den radelnden Demonstranten in der Müllerstraße: Stephan von Dassel, von Covid-19 genesener Bürgermeister von Mitte. Es kommentiert SPD-Vize und Mietendeckel-Miterfinder Julian Zado: „Schon arg haarsträubend, wenn Politiker demonstrieren, anstatt das in der Verwaltung umzusetzen.“ Checkpoint-Tipp: Zu dieser Meldung bekommen wir heute sicher noch einen schönen Beitrag für unser beliebtes Behördenpingpong.

Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute in einer anderen Welt wäre Ulrich Tukurab 20 Uhr in der Berliner Philharmonie als Sprecher mit dem Salzburger Mozarteumorchester aufgetreten. In dieser Welt ist der Schauspieler stattdessen ab 20.15 Uhr bei Arte im großartigen Film „Das weiße Band“ von Michael Haneke zu sehen.
Die Reproduktionszahl ist in Berlin zum zweiten Mal in Folge zu hoch (1,23 nach 1,22, Grenzwert 1,20, Zielwert unter 1,00), mit der dritten Überschreitung springt die erste der drei Senatsampeln auf Rot. Bei den Neuinfektionen und den mit Covid-19 belegten Betten ist dagegen alles im grünen Bereich, und die Zahl der aktiven Fälle von 396 auf 390 gesunken.
Öffentlich bisher unbekannt blieb ein Corona-Fall an der Kurt-Schwitters-Schule in Prenzlauer Berg. Am 15 Mai war hier ein Lehrer positiv getestet und registriert worden, fünf Tage später informierte die Schulleiterin in einem Brief alle Eltern (liegt dem Checkpoint vor). Die betroffene Lerngruppe wurde aus der Schule genommen und befindet sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt bis zum 30. Mai in häuslicher Quarantäne. In ihrem Schreiben erinnert die Schulleiterin an „das Gebot, auch außerschulisch auf eine Kontaktminimierung zu achten“ – es ist das erste und wichtigste.
Gute Idee von Ex-Senator Mario Czaja: Ärzte, die sich für einen Einsatz in der noch nicht gebrauchten Notklinik gemeldet haben, könnten bis auf Weiteres (2. Welle) bei den Schuleingangsuntersuchungen helfen – hier ist jede Unterstützung willkommen.
Zum Berlin-Quiz: Vor einem Jahr forderte die BVV Mitte das Bezirksamt auf, die personalintensive, aber ineffektive Arbeit in der Schuldnerberatung der Jugendberufsagentur aufzugeben (400 Präsenzstunden, 7 Erstberatungsgespräche, 0 Erfolge). Unsere Frage: Was ist seitdem geschehen? Na? Richtig, das war leicht: Das BA beauftragt für 100.000 Euro (Mittel der Sozialverwaltung) einen freien Träger damit, so weiterzumachen – und bestätigt damit eine Kernkompetenz Berlins: Schulden machen. (Q: DS 851/V).
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Und hier ein Job für Tom Cruise („Fallout“): Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg sucht einen „Koordinator Abfall“ (Kennzahl 3810-42801) – klingt nach Mission Impossible VII. Gefährlichster Stunt: Tütenaufheben im Görli. Der Job ist laut Ausschreibung natürlich unbefristet.
Die Rubrik „Behördenpingpong“ wird Ihnen heute präsentiert von ChaWi-Stadtrat Oliver Schruoffeneger – seine Worte im Umweltausschuss sind der bisher heißeste Kandidat für eine neue Berlin-Hymne: „Es gibt eine ständige Auseinandersetzung darüber, wer was machen muss“ (und im Refrain: „SchubidubiDu...“).
Aus der Spambox: „Fruchtsaft ist das Getränk der Coronakrise“, schreibt der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie – hm, das muss ein Undercover-Phänomen sein, aus meinem Supermarkt schleppen die Leute jedenfalls kistenweise etwas Anderes. Es kommentiert Heinrich Heine: „Ich weiß, sie tranken heimlich Saft / Und predigten öffentlich Wasser.“
„Um aufkommende Langeweile zu verhindern“, fährt ein Polizist vom LKA-Referat 222 (Betrugsermittlung) regelmäßig in seinem Privatwagen Streife und kontrolliert Autofahrer – mit Dienstwaffe und Blaulicht. Die Kollegen finden das „skurril“ und ermitteln in eigener Sache – und Berlins Betrüger dürfen sich um eine angemessene Beschäftigung mit ihnen betrogen fühlen.
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Ein „illegales Alleinrennen“ auf der Stadtautobahn endete für einen Ferrari-Fahrer am Tempelhofer Damm – die Polizei beschlagnahmte den Wagen, der es nur auf 160 Sachen gebracht hatte (offenbar Motorschaden).
An Langeweile leidet offenbar auch FDP-MdA Stefan Förster – dass Anne Will aus dem „Bund der Steuerzahler“ den „Steuerzahler_Innen-Bund“ gemacht hat, geht ihm nicht nur „gehörig auf den Keks“, nein: Der Medienpolitiker sieht darin sogar einen „Fall für den Rundfunkrat – Frau Wills üppiges Gehalt zahlen wir schließlich alle mit“. Ach ja, oje. Herrn Försters Diäten zahlen wir übrigens auch alle mit, ganz egal, was er sagt. Aber daraus wollen wir jetzt mal keinen Fall machen, die FDP hat auch so schon Probleme genug.
Zur Rubrik „Berlin, aber Schnauze“: Ein Wochenmarkt in Mitte, am Grillstand. Kunde: „Ein Nackensteak mit viel Liebe, bitte!“ – Verkäufer: „Dit kost‘ extra. Wollense nich lieber mit Senf?“
Zur Auflösung unserer Frage für Berlinkenner: Berlins Partnerstädte sind Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Istanbul, Jakarta, London, Los Angeles, Madrid, Mexiko-Stadt, Moskau, Paris, Peking, Prag, Taschkent, Tokio, Warschau und Windhuk. Auf wie viele sind Sie gekommen?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Bücher sind genauso Lebensmittel wie Obst, Käse und Nudeln.“
Weise Worte von Bundeskulturlebensmittelministerin Monika Grütters (Q: „RP“) – lesen Sie hier morgen aus der Reihe „Literaturrezepte für Prosa-Gourmets“:
Früchte des Zorns mit Nougat-Mousse und gebrannter Birne
Elementarteilchen in kühlem Erbsen-Minz-Süppchen
Feine Entenbrust mit Feigen-Cassis-Soße zum Gesang der Flusskrebse
Schaum der Tage in Lavendel-Panna-Cotta.
Rinderfilet vom Connaisseur mit Dattel-Relish
Seewolf zu gebratenen Jakobsmuscheln an Avocado-Raukesalat
Fänger im Roggen an Kartoffel-Trüffelbutter-Püree mit gebratener Salsicce
Der Butt zu Austern-Beeftatar mit Petersilien-Mayonnaise
Schellfisch an Mairübchen auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Wir wünschen guten Appetit!
(Ein ganz leckeres Buch erscheint übrigens am 2. Juni: „Berlin in 100 Kapiteln, von denen leider nur 13 fertig wurden“ heißt es, und die Autoren könnten Sie kennen – mehr dazu in den nächsten Tagen hier im Checkpoint).
Tweet des Tages
Danke Checkpoint für die schöne Erwähnung. Wenn ihr mich nächstes Mal als Pfarrer zitiert, lasse ich Euch von Petrus auf die Gästeliste setzen.
Antwort d. Red.: Unser Spandauer Lieblingspfarrer Viktor Weber weist zurecht darauf hin, dass wir ihn am Sonntag im Tagesspiegel bei unserer Checkpoint-Aktion nicht nur als Leser, sondern eben auch als unseren Spandauer Lieblingspfarrer hätten vorstellen können. Wie er und andere sich 100 Jahre nach der Gründung Groß-Berlins die Stadt der Zukunft vorstellen, haben wir unten im Encore zusammengefasst. Und ja, mich bitte auf die Gästeliste setzen – plus das ganze Checkpoint-Team.
Stadtleben
Draußenfrühstück – Pariser Flair und „vie en rose“ finden Kanal-Flaneure im tiefsten Kreuzberg. Direkt am Paul-Lincke-Ufer lockt La Maison mit Baguette, Brioches und Granola-Schalen: Die schnabulieren die Gäste auf der Kopfsteinterrasse und sehen dem Alltag beim Vorbeiziehen zu – bei Minzcocktail und Aperol. Eilige knabbern am Croissant to go, Quarantäne-Geplagte lassen sich ihr Frühstück nach Hause kutschieren. Bestellt wird zeitgeistgemäß per Instagram, von 8 bis 12 Uhr wird in Kreuzberg geliefert. Nicht verpassen: die mächtig-weichen Schokoladen-Moelleux – vegan, glutenfrei und schnellstens verputzt. J’adore! Täglich 7-18 Uhr, Paul-Lincke-Ufer 17, U-Bhf Schönleinstraße
Checkpoint-Tipp: Zum amerikanischen Frühstück geht es hier – Wie ein saftiges Bananenbrot gelingt, verrät meine Kollegin Elisabeth Binder in ihrer Rezept-Kolumne.

Filmkultur retten – Die Plüschsessel leer, der Vorhang gefallen: Seit Mitte März bleibt die Leinwand des Kinos in der Königstadt weiß. Eigentlich wollte das Studio in der alten Pankower Brauerei längst Festivals spielen, Produzenten anziehen und Kiezkino werden – doch nach nur vier Monaten Spielzeit musste die Filmstätte schließen. Seine Streifen zu streamen, kommt für Inhaber Harald Siebler nicht in Frage: Er will die Kinokultur erhalten. „Die wahre Emotionalität entwickelt sich erst auf der Leinwand, das gemeinschaftliche Erlebnis ist nicht zu ersetzen.“ Für Siebler gibt es keine Alternative. Entweder, das Kino öffnet, selbst für nur eine Person – oder es bleibt ganz geschlossen. „Wir versuchen nicht, ein Kino ins Netz zu stellen.“ Daher setzt Siebler fürs Erste auf Einnahmen aus der Vermietung an Produktionsfirmen, die ihre Filme in seinen Räumen sichten. Er vermisst die Solidarität von Politik und Gesellschaft, den Schutz der Kulturbranche. Es ärgert ihn, dass die großen Konzerne gerettet werden, während Kinos und Theater schließen: „Ich würde gerne mal sehen, was passierte, wenn plötzlich alle selbstständigen Kulturschaffenden wegbrächen. Nur als Horrorszenario.“
Für alle, die Kinokultur unterstützen möchten: Gutscheine für die Kunststätte „Kino & Bar in der Königstadt“ finden Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. Zur gemeinsamen Spendenaktion der Berliner Programmkinos geht es hier entlang. (Foto: Harald Siebler)
Ihr Lieblingsladen braucht Hilfe? Schreiben Sie uns an checkpoint@tagesspiegel.de. Das ganze Stadtleben gibt's mit Checkpoint-Abo.
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Last-Minute-Stream – Was ist ein Mensch? In der Reihe „Making Sense of Digital Society” sucht das HAU Hebbel am Ufer die Grenzen zwischen Mensch und Maschine. Wie viel Chance steckt in der KI? Heute am Redepult: Ethikprofessorin Joanna Bryson. Sie rüttelt auf, lenkt den Blick auf Macht und Ungleichheit. Bryson ist überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Kämpfe der Verteilung lösen kann – wie? Das finden Sie selbst heraus: Ab 19 Uhr gibt’s den Talk im Stream.
Livestream-Diskussion – (ein Tipp von Ticket-Kollege Jörg Wunder) Der Abriss von Oswald Matthias Ungers' Wohnanlage am Lützowplatz im Jahr 2013 war ein Weckruf: Die Gebäude der Internationalen Bauausstellung 1987 sind nur wenige Jahrzehnte später durch den Investitionsdruck der sich verdichtenden Metropole gefährdet. Inzwischen stehen zum Glück viele der von international renommierten Architekten errichteten Bauten unter Denkmalschutz. In der Urania-Gesprächsreihe „Jung, aber Denkmal“ diskutieren ab 20 Uhr Denkmalpfleger, Stadtplaner und Verantwortliche aus der Politik, inwiefern die durch die IBA gewonnenen Erkenntnisse für die künftige Berliner Stadtentwicklung genutzt werden können.
Plätze sichern fürs akustische Blind Date – Hauskonzert statt Opernrang: Berliner Musiker spielen Klassik mit Abstand. Im 1-zu-1-Konzert treffen sich Hörer und Künstler zum virengemäßen Corona-Auftritt – in Bars, Hallen und Altbauwohnungen. In sicherer Entfernung sitzen Gäste Gastgebern gegenüber und lauschen einem Privatkonzert. Damit es richtig intim wird, halten beide zuvor eine Minute Blickkontakt, ohne Blinzeln, ohne Sprechen. Erst, wenn der letzte Ton verklungen ist, erfährt der Zuhörer Interpret und Stück, denn die bleiben bei der Anmeldung geheim: Klassik per Zufall, sozusagen. Die Konzerte sind umsonst, nur ein Zeitfenster muss gebucht werden. Über Spenden freuen sich die Musiker trotzdem – zum Nothilfefonds geht es hier entlang.
Kunst jagen – Lagerkoller? Bilder suchen! Ein Porträt an der Tür, ein nackter Rücken am Baum und eine Dogge, die grimmig von der Wand starrt: Das Kunstkollektiv Claude lädt zur Jagd durch die Stadt. 160 Kunstwerke hat das Projekt in Berlin versteckt, die nun gefunden werden wollen. Ob an Telefonzelle, Clubtür oder weit unten an der grauen Laterne – wer sucht, dem blitzen Augen, Körper und Farbexplosionen entgegen. Claude lässt Grenzen zwischen Stadt und Kunst verschwimmen: Ein Stück Berliner Ausflucht im fahlen Pandemie-Alltag. Kein Glück? Eine kleine Bildauswahl gibt es hier zu bestaunen – ansonsten: weitersuchen!
Kunst finden – Wer statt zu suchen lieber findet, der klickt sich fix hier entlang: Die grellste Berliner Straßenkunst gibt es bald in Papierform. Auf 100 Seiten blättern sich Neugierige quer durch die Fassaden der Stadt: vom Elefanten zum Panther, vom Fischer zum Prinzen und von Spandau bis nach Friedrichshain. Thomas Grötschings Street Art Guide (15 Euro) ist offiziell noch nicht erschienen, derzeit sammelt das Projekt für den Druck – vorbestellt werden kann jedoch hier.
Nachtleben gucken – (ein Kunsttipp von Birgit Rieger) Wer nicht zu Wehmut neigt, dem sei ein Besuch im Schwulen Museum empfohlen. Dort ist aktuell die Fotoserie „Queens“ des bosnischen Künstlers Nihad Nino Pušija zu sehen. Der hat das queere Nachtleben der Berliner 90er Jahre fotografiert: Tolle Aufnahmen von feiernden Menschen im Glitzer- und Glamlook, von schillernden Dragqueens bei den legendären „Gayhane“-Parties oder den „Black Gay Nights“ im Kreuzberger Club SO36. Zeitgleich läuft die Ausstellung „Love at First Fight“, die Bilder des queeren Widerstands in BRD, DDR und dem wiedervereinigten Deutschland zeigt. Tickets gibt's für 9/3 Euro hier – oder bei uns: Wir verlosen 2x2 Karten. So, Mo, Mi 14-18 Uhr, Do-Sa 14-20 Uhr, Lützowstraße 73, U-Bhf Nollendorfplatz
Lotte Buschenhagen wünscht Ihnen einen erfolgreichen Start in die Woche!
Berlin heute
Verkehr – A115 (Kreuz Zehlendorf): Sperrung der Einfahrt von der Potsdamer Chaussee in Fahrtrichtung Steglitz (9-16 Uhr, bis Donnerstag).
A103 (Steglitz-Zubringer): Ab der AS Saarstraße ist die Fahrbahn in Richtung Kreuz Schöneberg auf eine Spur verengt, die Einfahrt Saarstraße ist gesperrt (bis Ende Mai).
Oberfeldstraße (Biesdorf): Sperrung zwischen Elisabethstraße und Charlottenstraße in Richtung S-Bahnhof Biesdorf, Fuß- und Radverkehr frei (bis Anfang Juni).
Otto-Suhr-Allee (Charlottenburg): Die Kaiser-Friedrich-Straße ist ab der Lohmeyerstraße in der Zufahrt zur Otto-Suhr-Allee gesperrt. In Richtung Ernst-Reuter-Platz steht zudem zwischen Kaiser-Friedrich-Straße und Lohmeyerstraße nur eine Spur zur Verfügung (bis Ende Juli).
Bahnübergang Bahnhofstraße (Lichtenrade): Sperrung in beiden Richtungen für ca. 3 Jahre, ein Notweg wird eingerichtet. Eine Umleitung ist ausgeschildert.
Prenzlauer Allee (Prenzlauer Berg): Zwischen Wichertstraße und Stargarder Straße steht in beiden Richtungen nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis Mitte Juni).
Blumberger Damm (Biesdorf): Zwischen Frankenholzer Weg und Eisenbahnbrücke ist in Richtung Landsberger Allee nur eine Fahrbahn verfügbar (bis Anfang Juni).
Frankfurter Allee (Friedrichshain): An der Eisenbahnüberführung Nähe Kreuzung Gürtelstraße/Möllendorffstraße kommt es zu Fahrbahnverengungen (9-15 Uhr, bis Mittwoch).
Hallesches Ufer/Schöneberger Ufer (Kreuzberg): Im Bereich Köthener Straße ist nur eine Fahrbahn frei (bis Mitte Juni).
A100: Bis Donnerstagmorgen Sperrungen zwischen AS Messedamm und AS Spandauer Damm in Richtung Wedding (22-5 Uhr).
Tunnel Tiergarten Spreebogen (Tiergarten): Nächtliche Sperrung in beiden Richtungen (21-5 Uhr, bis Donnerstagmorgen).
S-Bahn: Zwischen 22 und 1.30 Uhr kommt es zu Unterbrechungen: Die S3 fährt nicht zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten, die S7 steht zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße still und auch die S5 ist zwischen Alexanderplatz und Westkreuz unterbrochen. Bitte steigen Sie auf die S9 um.
Demonstration – In ganz Berlin finden zwischen 14-16 Uhr mehr als 20 Demos für die Wiedereröffnung der Bars statt: So treffen sich ca. zwölf Personen zur „Kneipendemo“ in der Nauener Straße in Spandau, in der Schönwalder Allee 74 werden 50 Teilnehmende erwartet. Für den Kohleausstieg paddelt der Kanuclub Naturfreunde Berlin die Spandauer Havel entlang, 40 Boote schippern mit (9.45-13 Uhr). Auf dem Pariser Platz demonstrieren die Students for Future mit einer Kundgebung im Rahmen der „Public Climate School“ (s.u.), angemeldet sind 50 Protestierende (10-10.40 Uhr).
Gericht – Weil sie einem zehn Monate alten Säugling eine tödliche Dosis Methadon verabreicht haben soll, wird einer Babysitterin der Prozess gemacht. Die 39-Jährige soll dem Kind die Ersatzdroge gegeben haben, um es ruhig zu stellen. Ihr wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Heimuniversität – Studieren und Klima retten: Heute startet die bundesweite Public Climate School der Students for Future. Eine Woche lang wird über Zukunft debattiert und nach Lösungen geforscht: Die Berliner TU startet mit einer Diskussion zur Landwirtschaft in Krisenzeiten – mit dabei sind Lasse van Aken (Greenpeace), Kirsten Tackmann (Linke), Harald Ebner (Grüne) und Alois Gerig (CDU). Los geht’s um 11 Uhr, zum Livestream geht’s hier.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Friedrich Dieckmann (83), Schriftsteller und Publizist / Prof. Dr. Friederike Fless (56), Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts / Ursula Heiser (93), „Unserer lieben Freundin die besten Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag von Hildegard, Cordula, Sabine und Gregor“ / Sandra Nasić (44), Sängerin / Andrea Pohl / Oliver Seidel (58), „Süßki, herzlichen Glückwunsch! Bleib gesund und immer mein Schmulik. Deine Süße“ / Zafer Şenocak (59), deutsch-türkischer Schriftsteller und Publizist
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Rolf Hochhuth, * 1. April 1931, Dramatiker / Jutta Klein, * 24. April 1939 / Manfred Sollich, * 13. November 1943
Stolperstein – Martha Kuhn (Jg. 1891) lebte in der Dorotheastraße 28 in Karlshorst. Am 19. April 1943 wurde Martha mit dem 86. Alterstransport ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie ein Jahr später, heute vor 76 Jahren, ermordet wurde.
Encore
100 Jahre nach der Gründung von Groß-Berlin haben wir Prominente und Checkpoint-LeserInnen gefragt, was Berlin heute für sie ist – und was die Zukunft bringt. Hier eine kleine Auswahl Ihrer Antworten:
Florian Westphal sieht „tageweise Pop-Up Spuren für Dieselnostalgiker“ voraus – den Treibstoff müssen sie allerdings im Keller selbst raffinieren.
Burkard Dregger wünscht Berlin „ein Update, um Kiez und Weltstadt zugleich zu verkörpern, modern und als Magnet für die besten Köpfe, eine Schaubühne der Weltkulturen.“
Udo Walz meint: „Verbessern kann man hier nichts.“
Syvia Petzold möchte ein neues Pflaster am Alex – „ohne Kaugummiflecken“.
Martin Hikel sagt: „Berlin bedeutet Veränderung. Das kann man lieben oder hassen, aber akzeptieren müssen wir es.“
Paul Führung sieht eine Vereinigung von Berlin und Brandenburg voraus – „mit Potsdam als Landeshauptstadt und einer Erweiterung Berlins bis zum Autobahnring“.
Jutta Christmann wünscht sich, „dass die verschnarchte öffentliche Verwaltung die Corona-Chance ergreift und einen Haufen neuer MitarbeiterInnen aus dem Pool der arbeitslosen EventmanagerInnen, GastronomInnen und anderen Dienstleistungsdenkenden einstellt, um kreativ und innovativ den Öffentlichen Dienst aufzumöbeln.“
Viktor Weber (siehe oben) betet für „mehr Car-Sharing und mehr Fahrradwege“.
Nanna Kuckuck liebt Berlin, „die schönste Stadt auf der Welt! Lebendig, weltoffen, frech, frisch, kreativ, spannend, aufstrebend, vielseitig, bunt und frei – das soll sie auch immer bleiben. Was aber fehlt: ein bisschen mehr Höflichkeit im Straßenverkehr.“
Herzlichen Dank allen, die sich beteiligt haben! Mehr Stimmen gibt’s hier.
Ich wünsche Ihnen einen lebendigen, weltoffenen, frechen, frischen, kreativen, spannenden, aufstrebenden, vielseitigen, bunten und freien Start in die Woche – morgen früh begrüßt Sie hier Felix Hackenbruch, wir sehen uns hier wieder am Mittwoch. Bis dahin,
