Willkommen zu einer neuen Berlin-Folge von „mieten, bauen, wohnen“.
Die gute Nachricht zuerst: Im europäischen Wettbewerb um das mieseste Einkommen-/ Wohnkostenverhältnis landet Berlin nur auf Platz 40 (Q: dpa).
Die schlechte Nachricht: Es wird immer „schwieriger in Berlin“ – Zitat des Regierenden Michael Müller (SPD) in der rbb-Abendschau (nachdem ihm die Preview der heutigen „Berliner Schnuppen“ präsentiert wurde). Den Stadtentwicklungsplan Wohnen hat er gestoppt, weil er – so scheint es – die aktuelle Fassung für altbacken hält. „Wir haben jetzt Flächenpotentiale für Zigtausende Wohnungen für die nächsten Jahre, aber das sind Dinge, die wir vor schon vor Jahren, teilweise aus meiner Zeit als Bausenator, festgeschrieben haben“, sagt er. Neue Möglichkeiten, wie das Dragoner-Areal, Siemensstadt und Bürgerstadt Buch müssten aufgegriffen werden. Neue Möglichkeiten hätten, wenn sich, wie Müller sagt, alle einig sind, längst aufgegriffen werden können.
Was die Auswirkungen des diskutierbeliebten Mietendeckels angeht, bleibt Berlin uneins: Nach diversen Negativszenarien liefert jetzt auch die Plattform ImmobilienScout24 auf Basis ihrer eigenen Daten eine Prognose zur Einführung. Das Papier, das dem Checkpoint exklusiv vorliegt, kommt zu folgendem Ergebnis: Für die Vermieter hätte das Einfrieren der Mieten für die Dauer von fünf Jahren einen Ausfall von knapp einer halben Milliarde Euro zur Folge (genau genommen 499.081.437 Euro). Mieter würden im Durchschnitt rund 60 Euro pro Monat sparen. Und eine unter mehr als 1.000 privaten Vermietern durchgeführten Kundenumfrage zeigt: 47 Prozent stimmen der Aussage zu „Ich würde alle Investitionen stoppen und keine Mittel mehr in die Instandhaltung meiner Objekte stecken“. Weitere 28 Prozent sagen „Ich würde sofort die Mieten erhöhen, solange es noch geht“.
Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmobilienScout24, prognostiziert: „Der Mietendeckel wird dazu führen, dass der Markt Schlupflöcher findet, um die Regelungen zu umgehen, z.B. in Form von Zusatzkosten für möbliertes Wohnen, Wohnen auf Zeit und Abstandszahlungen für Kücheneinrichtungen.“ Berlins strukturelles Problem bleibe ungelöst.
Zum weiteren Stand des Wohnungsmarkts:
1) Mittlerweile wird selbst Luxus in Berlin weggentrifiziert. Einem Bericht der „Berliner Zeitung“ zufolge will die Galeries Lafayette die Friedrichstraßen in Richtung Hamburg verlassen. Der Grund: mögliche Mieterhöhungen.
2) Mittlerweile werden selbst die Zimmer auf der Plattform „WG-Gesucht“ zum Luxusgut: Für satte 1.100 Euro gibt es eine „bewusste LUXUS VILLA: 37 m^2 Zimmer in 300 m^2 neusanierter Altbau VILLA + 40 m^2 Wohnzimmer + 2 luxus Bäder + größter Innenhof Kreuzbergs“. Auf Nachfrage, ob es sich um ein Fake-Inserat handelt, heißt es: „Das nehmen wir als Kompliment. Ja die Anzeige ist real und existiert.“ Das angegebene Zimmer sei leider vergeben, Alternativen – gleiche Größe, nur etwas teurer – seien noch verfügbar. Die Anfrage, ob ich vorbeikommen kann, läuft.
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Mit einer Neuinszenierung von Tannhäuser eröffnen heute die Bayreuther Festspiele. Im Rahmen des ARD Radiofestivals überträgt rbbKultur Wagners romantische Oper ab 16 Uhr live vom Grünen Hügel. Unter der musikalischen Leitung von Valery Gergiev sind die norwegische Sopranistin Lise Davidsen als Elisabeth und der US-amerikanische Tenor Stephen Gould in der Titelrolle zu erleben.
Hitzig weiter geht‘s mit dem Sommer:
In Berlin um die Welt – Brasilien: Zum Schluss der Trainingsstunde stellen sich alle Teilnehmenden im Kreis auf und bilden die „Roda“. Wer mutig und ist, tritt mit einem Radschlag in die Mitte. Haben sich zwei Gegner gefunden, beginnen sie zu „spielen“. So nennt man im Capoeira den Kampf zwischen zwei Athleten, bei dem sie Tritte und Kicks mit Drehungen und Saltos verbinden – immer im Takt der klatschenden Zuschauer, die sie umringen. Die Kombination aus Kampfsporttechnik und Tanzelementen macht den brasilianischen Nationalsport aus. Seinen Ursprung hat er als heimlichen Protest: Die Sklaven, die während der Kolonialzeit aus Afrika nach Brasilien verschleppt wurden, durften die Kampfsporttechniken aus ihrer Heimat nicht mehr praktizieren. Tanz war Tarnung. Mittlerweile ist der Sport weit über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt und beliebt. Sogar am Hermannplatz. Dort befindet sich die Capoeira Akademie Berlin, wo Sie zum Beispiel heute um 17.30 Uhr Gingas und Armadas lernen können.
Sommerspaß – Feldkino: Kein Geheimtipp ist das Tempelhofer Feld. Ein Geheimtipp ist das kostenlose Open-Air-Kino im Sommer. Noch diesen und kommenden Mittwoch zeigt das FeldKino nahe dem Eingang Oderstraße / Herrfurthstraße ab ca. 21 Uhr – Sonnenuntergang – Werke Berliner FilmemacherInnen. Programminfos gibt‘s hier.
Sommersport – Lachyoga: Lachen ist Leben und umgekehrt. Das hatte schon Oskar Wilde gesagt.Wieso also nicht mal Lachyoga ausprobieren? Begründet vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria, der 1995 in Mumbai den ersten Lachclub eröffnete, besteht das Training abwechselnd aus Dehn-, Klatsch-, Atem- und Lachübungen. Jede Übung hat einen medizinischen Hintergrund. Die Schwingung in der Luftröhre und die Bewegung des Zwerchfells etwa können mit einer „inneren Massage“ verglichen werden . Weil Lachen nicht nur Leben ist, sondern auch gesund. Kurse gibt es unter anderem jeden Dienstag und Donnerstag im Kreativhaus, Fischerinsel 3.
Jottwede – Radtour zum Ellbogensee: Wie ein gekrümmter Arm liegt der Ellbogensee dicht hinter der mecklenburg-brandenburgischen Grenze an der Havel. Ein gemütlicher Ort für Großstadtflüchtende – der glücklicherweise schnell zu erreichen ist. Mit dem RE 5 geht’s nach Fürstenberg/ Havel. Nach eineinhalb Stunden im Zug (kühles Bier und Fahrrad nicht vergessen!), schwingt man sich auf den Sattel und radelt die knapp zehn Kilometer stadtauswärts bis zum See (gut beschildert). Kurz hinter Großmenow liegt dann nicht nur der See, sondern auch ein Naturcampingplatz. Der perfekte Ort für den Sonnenuntergang – und wer will, bleibt einfach über Nacht und schaut sich auch den Aufgang an.
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Exklusives Konzert im Zoo Berlin
Anlässlich seines 175-jährigen Jubiläums präsentiert der Zoo Berlin den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns in einzigartiger Kulisse. Freuen Sie sich am 3. & 4. August ab 19.30 Uhr auf eine fantastische, musikalische Reise im exotischen Herzen der Stadt! Sichern Sie sich jetzt die streng limitierten Tickets.
Berlin, aber Sommerloch – teure Turnschuhe: Sneaker der Firma Nike haben bei einer Auktion in New York alle Rekorde gebrochen. Für 437.500 Dollar wurde eins von zwölf „Moon Shoe“-Paaren versteigert. Laut Auktionshaus der höchste Preis, der jemals bei einer Auktion für Turnschuhe bezahlt wurde. Der Clou: Die Schuhe wurden 1972 von Bill Berman, einem der Nike-Gründer, handgemacht. Um das Profil zu formen, soll er damals ein Waffeleisen benutzt haben. Und jetzt seid ihr dran, liebe BVG.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Deutschland im Juli 2019, sieben Wochen nach dem rassistischen Mord an Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke: Im hessischen Wächtersbach wird ein Eritreer angeschossen – und überlebt nur, weil Passanten blitzschnell reagieren. Im sächsischen Zittau zünden Unbekannte vor der Wohnung der linken Kommunalpolitikerin Ramona Gehring Sprengkörper – und nur mit Glück wird niemand verletzt. Der Staat muss entschiedener gegen rechten Terror vorgehen, kommentiert mein Kollege Frank Jansen. Waffen sind zu leicht zu beschaffen, die Solidarität mit den Opfern ist zu gering.
Verdacht unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung: Nachdem eine hochschwangeren Frau in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft ihr Baby verloren hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft – derzeit gegen Unbekannt.
Hetze auf dem Pausenhof: Die Diskriminierung an Berlins Schulen nimmt zu. Insgesamt 258 Beschwerden wurden im Schuljahr 2018/19 gemeldet (rund 190 und 150 waren es in den Jahren zuvor). Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Bettina Jarasch und Sebastian Walter (MdA) hervor, die dem Checkpoint vorliegt (zuerst berichtete die „Berliner Morgenpost“). In den meisten Fällen beklagten die Betroffenen rassistische Herabwürdigungen oder Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Nationalität (171). Verdoppelt hat sich seit 2016/17 die Zahl der Beschwerden über das Verhalten der Lehrer (96). Wie viele Diskriminierungsfälle außerdem von „zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen“ dokumentiert wurden, konnte „aufgrund einer fehlenden wissenschaftlich belastbaren“ Systematik nicht erfasst werden.
Vor drei Jahren angetreten um gegen die Diskriminierung an Berliner Schulen vorzugehen, war Deutschlands erste und einzige Antidiskriminierungsbeauftragte Saraya Gomis. Gründe dafür, dass sie ihren Posten in diesem Jahr aufgegeben hat, hat die Journalistin Judith Luig für „Zeit Online“ gesucht – und Antworten in Rassismus und fehlender Rückendeckung gefunden.
Vier Stunden dauerte am Mittwoch das Gespräch über die horrenden Forderungen des Preußenprinzen im Streit um Tausende Kunstwerke in Berlin und Brandenburg. Das Haus Hohenzollern stellte klar, dass es keinen inhaltlich-kuratorischen Einfluss auf Ausstellungen nehmen will, Bund und Länder, dass ein Wohnungsrecht nicht verhandelbar ist. Verhandlung wird fortgesetzt.
Regenbogen ahoi: Am heutigen Donnerstagabend queeren 18 bunt-beflaggte Schiffe die Spree. Die vierzehnte Berlin-Canal-Pride führt vom Kanzleramt über die Museums- und Fischerinsel bis zum Osthafen.
Regenbogen übertrumpft Trump: US-Botschafter Richard Grenell hat sich der expliziten Anweisung des Präsidenten widersetzt, dass US-Botschaften keine Regenbogenfahnen hissen dürfen – und ein entsprechendes Regenbogenflaggenbeweisfoto veröffentlicht. „It’s Berlin Pride this weekend. And we are proud to have two flagpoles. #solutions #usa #equality“, kommentiert er. Dazu ein bunter Banner mit den Worten „Unsere Botschaft heißt Liebe“. Gerne die Botschaftsbotschaft an den Präsidenten weiterleiten.
Regenbogen am Abgeordnetenhaus: Ja, die bunte Flagge kommt auch hier und zwar am kommenden Samstag. Pünktlich zum CSD.
Der Breitscheidplatz soll umgebaut werden und ein zwei Meter großer „Berlin“-Schriftzug aus Beton zur Terror-Abwehr an der Stelle stehen, wo der Attentäter Anis Amri 2016 in die Menschenmenge raste (Q: Berliner Morgenpost).
Todesgefahr durch Selfies: Weltweit sindzwischen Oktober 2011 und November 2017 mindestens 259 Menschen bei Selfie-Aufnahmen gestorben (Q: AFP). In Indien wurden Selfie-Verbotszonen eingerichtet, in Russland hat die Polizei den Ratgeber „Selfies ohne Gefahr“ herausgegeben. In Berlin bestätigen die Behörden auf Nachfrage: Keine Fälle, kein Thema.
Aus der Kategorie gut gedacht, schlecht gemacht: Das Gemeinschaftsprojekt „Sommerflotte 2019“ (an dem auch das Bezirksamt beteiligt ist) will AutobesitzerInnen in Charlottenburg-Wilmersdorf dazu bewegen, ihren Privatwagen einen Monat lang stehen zu lassen. Im Gegenzug bekommen 50 Auserwählte ein Heft mit Gutscheinen für 19 Mobilitätsanbieter (von BVG bis Drive Now). Vom Deal ausgeschlossen wurde jetzt jemand, der 365 Tage im Jahr aufs Auto verzichtet (Spoiler: weil er keins hat). Die Begründung: Das Besitzen eines privaten PKWs gehört „zu den Teilnahmebedingungen“.
Weil kaum noch Freiflächen vorhanden sind, soll bei der (Vielleicht-) Errichtung von Verrichtungsboxen in der Kurfürstenstraße „eher die Aufstellung kleinerer Boxen für Fußgänger und Radfahrende als die Aufstellung von mit dem Auto befahrbaren Boxen im Fokus stehen“ (Q: Anfrage Katrin Vogel / MdA CDU). So viel zum Thema Verkehrswende.
Wenn Uber nicht mehr weiß, wohin mit all den uberschüssigen Leihrädern, stellt das Unternehmen sie wohl in die Lessingstraße im Hansaviertel. 40 (!) Räder wurden im Umkreis weniger Meter gesichtet (Twitterbeweis hier). Einziger Trost: Mit viel Fantasie sehen sie ein bisschen aus wie Geranien.
Berlin ist schöner für Döner(-Macher): Nach Einschätzung des Landesamts für Gesundheit und Soziales gibt es hier mehr Döner-Produzenten als in jeder anderen deutschen Stadt. „Offensichtlich sogar mehr als in türkischen Städten“, sagt Präsident Franz Allert. Berliner exportierten die Spieße tonnenweise in die Türkei.
Noch nie war es in Deutschland so heiß wie am gestrigen Mittwoch: 40,5 Grad wurden in Geilenkirchen gemessen. Hitzegeplagte, die Abkühlung suchen, müssen sich laut Deutschem Wetterdienst „in den Bergen bei mindestens 1.500m Höhe aufhalten“. Als praktikable Berlin-Alternative haben unsere Tagesspiegel-Korrespondenten aufgeschrieben, welche Tipps andere Metropolen gegen die Hitze haben.
Zum Schluss noch ein Hinweis vom offiziellen Hauptstadtportal „berlin.de“: Sich unbekleidet im mitvermieteten Garten zu sonnen, ist nicht ohne Weiteres ein Kündigungsgrund (Amtsgericht Merzig / Aktenzeichen 23 C 1282/04). Sex auf dem Balkon hingegen stört den Hausfrieden und kann zu einer Abmahnung des Vermieters führen (Amtsgericht Bonn / Aktenzeichen 8 C 209/05).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Im Wedding gibt’s 7 Hektar See, 3 Freibäder, 2 Kinderplanschen und mehrere Dutzend Hektar Parks. Wenn der Wedding nicht kommt, kommt lieber in den Wedding.“
Der Weddingweiser wirbt für einen Sommer im Berliner Nordosten.
Tweet des Tages
Berliner Wohnungsmarkt, 2019: Man holt drei Kisten aus dem Keller, um sie zum Sperrmüll zu bringen, und sofort kommen Leute und fragen, ob man umzieht und eine Wohnung frei wird.
Stadtleben
Essen – „Gehen wir ins Eiscafé Diggi.“ Gar nicht so unwahrscheinlich, dass man das hört, wenn man auf der Hermannstraße unterwegs ist. Bei „Diggi“ handelt es sich aber nicht nur um einen gängigen, liebevoll verwendeten Kosenamen im Neuköllner Straßenslang, sondern auch um eine Eisdiele (Hermannstraße 42-43, U-Bhf Boddinstraße, 10-22 Uhr). Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen des Wortwitzpotenzials, sondern vor allem wegen der bunten Toppings, die aufs Stracciatella- oder Mangoeis gestreut werden können: Aus der Vitrine lachen einen Oreokekse, Blaubeeren, Weintrauben und Krokant an. Wer richtig Hunger hat, bestellt eine der üppigen Waffeln mit Bananen, Erdbeeren, Schokostückchen und Haselnusscreme. Ganz nach dem Motto: „Gönn' dir, Diggi!" Noch mehr Eis-Tipps – und zwar die besten aus den Bezirken – haben die Leute-Autor*innen hier für Sie aufgeschrieben.
Trinken – Arbeitsplätzchen in Spandau klingt irgendwie sympathischer als Co-Working-Café in Mitte. Ist es irgendwie auch. Eingerichtet ist das Café in der Spandauer Neustadt nämlich wie ein Tante-Emma-Laden aus den 50ern und bei Bedarf kann für Berufstätige eine Kinderbetreuung organisiert werden, wie Leute-Autor Robert Klages berichtet. Natürlich gibt's in der Jagowstraße 18 das klassische Kaffee-Sortiment – und auch Eis. Wer bei diesen Temperaturen arbeitet, wird es den Betreibern danken. Mo, Di, Do-Sa bis 19 Uhr
Karten gewinnen für das 1. Berliner Cocktail Festival diesen Freitag und Samstag, das die Kollegen vom digitalen Stadtmagazin MitVergnügen ausrichten. In der Gastro-Welt der Hauptstadt kennen sie sich bestens aus, weshalb die erste Edition des Cocktailfestivals (warum gab's das eigentlich nicht schon früher?) bei ihnen in besten Händen ist. Bartender-Expertise bringen Fatzo und Jakob von Vision Ragazzi mit. Zusammen haben sie die 25 besten Bars aus Deutschland eingeladen, um im Sommergarten des Hotels Oderberger kräftig draufloszumixen. Natürlich gibt's auch Livemusik und Streetfood: Vor Ort sind u.a. Mama Burrito & sons, Prawnporn und Fo-am. Für das feuchtfröhliche Festival verlosen wir 2 Tickets (bis 12 Uhr) - wer möchte? Fr-Sa 16-22 Uhr, Oderberger Straße 57
Berlinbesuch – Wenn es heiß wird, einfach mal abtauchen, schlägt Leute-Newsletter-Autorin Corinna von Bodisco vor (zum Abo hier). Zum Beispiel in Kreuzberger Stadtgeschichte. Am Südstern steht ein ganz gutes Beispiel dafür, der Fichtebunker nämlich. Er wurde als Gasometer für die Straßenbeleuchtung errichtet, ab 1941 von den Nazis als Luftschutzbunker für Frauen und Kinder genutzt. 8.000 Quadratmeter harter Geschichtsstoff, die sich da in der Fichtestraße 6 befinden und durch den der Verein Berliner Unterwelten bis August täglich Führungen anbietet – auch mit der Zeitzeugin Regina Schwenke, die als Kind während der Bombennächte im Zweiten Weltkrieg Zuflucht in dem Bunker suchte. Die Führung dauert 90 Minuten, kostet 12 Euro. 12, 14 und 15 Uhr, Do zusätzlich 18 Uhr
Geschenk – Es ist alles eine Sache des Marketings: „Kleiderspende" klingt erst mal ein wenig schäbig, „Second Hand" hingegen assoziiert man mit Nachhaltigkeit, neuem Konsumverhalten und Kiezkultur. Letzteres sind auch die Kleiderkammern der Berliner Stadtmission. Und wohltätig obendrein. Komm und Sieh heißen die Läden, wo jeder Kleidung abgeben und kaufen kann. Die Erlöse gehen an die Projekte der Stadtmission. Seit Juni hat der neue Standort in der Storkower Straße 139d eröffnet: Der Textilhafen soll mehr als ein gemeinnütziger Second-Hand-Shop sein. Dort finden auch regelmäßig Workshops rund um Kleidung und Textilien statt, und auch als Ausstellungsort für Kiezkunst steht der Textilhafen zur Verfügung. Weitere Kiezläden der Stadtmission befinden sich in Charlottenburg, Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg (Karte hier). Do,Fr 16-20 Uhr, Sa 12-20 Uhr
Last-Minute-Tickets ergattern Sie noch für die Klavier-Darbietung von Jean Muller im Piano Salon Christophori in der Uferstraße 8-11. Muller kommt aus Luxemburg, ist in der Klassik-Szene aber weit über die Grenzen des Landes bekannt. Ab 20 Uhr präsentiert er im Rahmen der Reihe „Der Olymp des Klavierspiels" sein neues Album. Es ist das erste aus einer Reihe von fünf Platten, die in ihrer Gänze sämtliche Sonaten Mozarts umfassen sollen. Um Anmeldung wird gebeten, der Eintritt ist auf Spendenbasis. U-Bhf Nauener Platz
Noch hingehen – Berlins kulturelles Angebot ist so breit und vielseitig, dass man nie alles sehen kann. Nicht einmal nur das, was einen auch tatsächlich interessiert. Sollte moghulindische Miniaturmalerei aber in Ihr Interessensgebiet fallen, dann ist bis zum 11. August im Pergamonmuseum die letzte Chance – denn dieses Thema ist nun wirklich eine Nische. Wer beim Lesen gerade gestolpert ist: Moghulindische Miniaturmalerei ist ebenjene, die im 17. Jahrhundert in Auftrag der Herrscher des Moghul-Reichs auf dem indischen Subkontinent entstand. Im Mittelpunkt der Ausstellung: „Elefantengeschichten". Die Dickhäuter dienten damals der Unterhaltung bei Hofe und waren Statussymbol zugleich. Also spiegeln sich die Tiere auch in den Auftragsarbeiten in höchst künstlerischer und – wie es bei Miniaturarbeiten in der Natur der Sache liegt – akribischer Form wieder. Der Eintritt kostet 19 Euro. Eingang über Bodestraße 1-3, Mo-Mi & Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr
Das Stadtleben heute von: Maria Kotsev
Prominent verraten
Für seine erste Hauptrolle wurde unser Berliner direkt als bester Nachwuchsschauspieler nominiert. Seine Kamera nimmt er (fast) überall hin mit, besonders wenn er ans Set fährt. Da knipst er immer ein paar Bilder von Kollegen oder der Crew.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags mit einem Selfie.
Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt?
Gewinnen Sie eine „Checkpott“-Kaffeetasse.
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Berlin heute
Verkehr – Die S25 wird von 9-15 Uhr zwischen den Stationen Tegel und Hennigsdorf unterbrochen – es gibt Ersatzverkehr mit Bussen. In Schmargendorf auf dem Hohenzollerndamm ist der linke Fahrstreifen vor der Auffahrt zur A100 bis Anfang August gesperrt. Und auf der Waldowallee (Karlshorst) steht ab 7 Uhr in Höhe Kiefernallee nur ein gemeinsamer Fahrstreifen zur Verfügung.
Demonstration – Von 14-21 Uhr fragt der Verein Run the Race mit 50 Personen auf dem Alexanderplatz: „Werte unserer Verfassung, wo sind sie geblieben?". Und in der Oranienstraße protestieren ebenfalls 50 Teilnehmende von 19-20.30 Uhr gegen die „Räumung des Spätis Ora35".
Gericht – Der Prozess gegen zwei 29- und 40-Jährige, die aus Mordlust eine Frau erschossen haben sollen, geht erneut an den Start. Bei der 25-Jährigen habe es sich um die Freundin des jüngeren Angeklagten gehandelt. Die erste Verhandlung musste kürzlich wegen einer nicht ordnungsgemäßen Besetzung der Kammer ausgesetzt werden (9.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Shalin-Tanita Rogall (29), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Moritz von Uslar (49), Journalist, Theaterautor und Schriftsteller / Santiago Ziesmer (66), Schauspieler und Synchronsprecher (u.a. als Stimme der Zeichentrickfigur Spongebob Schwammkopf bekannt)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Uwe Nehne, * 3. März 1947 / Dietrich Albert Friedrich Kogge, * 16. Oktober 1923 / Michael Militz / Werner Niklewski, * 7. Dezember 1946 / Manfred Kruska, * 23. Juli 1936 / Tanja Czech, * 20. Juni 1967
Stolperstein – Heute vor 77 Jahren wurde Ernst Rosenthal (Jhg. 1901) in Buchenwald von den Nazis ermordet. Vor seiner Deportation dorthin am 30. April 1942 hielt ihn die Gestapo ca. zwei Monate lang in Haft. Als Grund seiner Verhaftung wurde notiert: „Wollte nicht als Jude gelten“. Der Bilanzbuchhalter Rosenthal lebte zuvor in der Matternstraße 5 in Friedrichshain.
Im Tagesspiegel
Die große Mehrheit der Ostdeutschen wünscht sich eine Annäherung an Russland. Obwohl man es miteinander nicht immer leicht hatte. Aber man teilt ein zentrale Erfahrung. Lesen Sie die Reportage von Kerstin Decker heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Sollten Sie den Nachmittag in Berlin sinnlos nostalgisch verbringen wollen, hat mein Kollege Christian Vooren den passenden Tipp: Nutzen Sie das Internet. Denn während Apple eine Alternative zu Google Street View ankündigt, zeigen die aktuell nichtaktuellen Aufnahmen der Straßen noch immer eine Stadt aus einer anderen Zeit. Das Spätzle-Restaurant ist noch eine Cocktailbar, der Burgerladen ein Bäcker und die schicke Boutique eine Zoohandlung: „Hoppel & Co“. Nur drei Beispiele aus 100 Metern Friedrichshain. „2008, da wurde im Pergamonmuseum noch die Ausstellung ‚Babylon‘ gezeigt und die James-Simon-Galerie war nicht mehr als eine Baugrube. Die Mercedes-Benz-Arena hieß noch O2 World und wurde von keiner Mall flankiert. Und die beste Currywurst der Stadt gab es noch bei ‚Bier’s‘ in der Friedrichstraße.“ Das alles kann man noch heute sehen, mehr als zehn Jahre später – bei einem Stadtspaziergang im Internet.
Zurück in der Gegenwart begrüßt Sie hier morgen mein Kollege Björn Seeling. Machen Sie's gut.