Stellen Sie sich vor, kurz vor der Europawahl („Schicksalswahl“) gibt es ein großes Europafest und keiner geht hin! Zumindest keine Partei. Zumindest nicht in Berlin. Am 11. Mai veranstaltet die Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Kooperation mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und der Berliner Landeszentrale für politische Bildung auf dem Steinplatz und der Hardenbergstraße ein Event. „Das Europafest ist die perfekte Einstimmung auf die Europawahl am 26. Mai! Deshalb sind Interessierte und Akteure herzlich eingeladen, sich (…) aktiv in das Programm einzubringen“, hatten die Organisatoren in einer Anfang Februar veröffentlichten Ankündigung geschrieben. Und einbringen sollten sich, so zumindest die Idee, auch die Berliner Parteien. Zweimal wurde nachgefragt und ein kostenloser Stand, inklusive Strom und Aufbau, angeboten. Zweimal hatte keiner Interesse – außer die CDU. Die wiederum darf nicht, weil die andern nicht wollen.
In einer Mail an den CDU-Landesgeschäftsführer Dirk Reitze schreibt Projektleiterin Susanne Muehr (22.03.): „Sehr geehrter Herr Reitze, im Namen der Senatsverwaltung bedanken wir uns für Ihr Interesse, müssen Ihnen aber leider eine Absage schicken. Da lediglich Sie sich beworben haben, ist eine ausgewogene Parteienvertretung nicht gegeben. Daher möchten die Veranstalter gern auf Infostände von Parteien verzichten.“ Dem gegenüber stellen wir gerne folgendes Zitat vom zuständigen Linken-Senator Klaus Lederer (28.02.): Es ist „dringend notwendig, alle Kräfte zu mobilisieren, die Wahlbeteiligung an der Europawahl 2019 zu erhöhen.“
Heute im buntgemischten Phrasenbingo (Europaversion): „Wir brauchen jetzt vor allem Europäerinnen und Europäer mit Herzblut.“ (Andrea Nahles, SPD) „Du hast Bock auf Wahlkampf und willst helfen, dass grüne Ideen in der Europäischen Union eine größere Rolle spielen? Dann mach mit und geh während des Wahlkampfs mit uns auf die Straße!“ (Grüne Berlin) „Wir dürfen nicht darauf warten, dass Europa etwas für uns tun kann, wir müssen jetzt bei dieser entscheidenden Wahl etwas für Europa tun.“ (Nicola Beer, FDP)
Stattfinden wird das Europafest natürlich auch ohne die Parteien. Gerechnet wird mit 60 bis 80 Ständen. Das Highlight am Abend: Eine Abba-Revival-Band (ausgerechnet!). Die können dann ja Waterloo spielen. Und SOS. Mamma Mia. Oder auch: Take A Chance On Me: „If you change your mind, I'm the first in line / Honey I'm still free / Take a chance on me!” (Anmerkung der Redaktion: Bitte gehen Sie trotzdem wählen!)
Anzeige
Wer nur die Hälfte zahlen will, geht irgendwann leer aus.
Krankenkassen und Kliniken fordern hohe Rabatte auf versorgungskritische Arzneimittel. Damit steigt der Kostendruck. Die Anzahl der Hersteller sinkt, Versorgungsengpässe drohen. Deshalb: Schluss mit dem Rabattdruck für unverzichtbare Medikamente. Lesen Sie mehr.
Impfen – oder soll man es lassen? Während die Bundespolitik über eine Impfpflicht gegen Masern diskutiert, haben wir nochmal die aktuelle Landesstatistik rausgesucht: Berlins offizielle Impfverweigerer-Hochburg ist Pankow. Nur 62,8 Prozent der 4.129 Schulanfänger haben laut Senatsgesundheitsverwaltung 2017 die „zeitgerechte zweite Masernimpfung“ erhalten (Berlin-Schnitt: 68,5 Prozent). Interessanter Fakt: Der Bezirk ist gleichzeitig auch Hochburg der Bildungselite. An dieser Stelle verweisen wir die gebildeten Eltern nochmal auf folgende Weisheit aus einer Praxis in Prenzlauer Berg: „Sie müssen Ihre Kinder nicht alle impfen lassen - nur die, die Sie behalten wollen.“
Enteignen – oder soll man es lassen? Der Aktivist Rouzbeh Taheri ist für die Verstaatlichung von Wohnungen, Volkswirt Michael Voigtländer warnt davor. Ein Streitgespräch.
Voigtländer: „Wir müssen besser mal darüber reden, ob jemand, der auszieht, ein Recht darauf hat, im gleichen Stadtviertel wie bisher wohnen zu bleiben.“
Taheri: „Vielleicht nicht im gleichen Viertel, aber in der gleichen Stadt.“
Voigtländer: „Aber diese Möglichkeit gibt es ja weiterhin. Es ist ja nicht so, dass die Preise in Berlin überall so massiv gestiegen sind.“
Taheri: „Aber ich kann einer 80-jährigen Oma doch nicht sagen, sie soll in Schöneberg ausziehen und in Marzahn einziehen und damit ihre sozialen Beziehungen aufgeben. Die Menschen sind keine Masse, die man beliebig durch die Stadt verschieben kann.“
Voigtländer: „Ich sage auch nicht, dass man eine 80-Jährige aus ihrem Haus schmeißen soll. Aber wer eine neue Wohnung haben will, ist normaler Marktteilnehmer und muss sich mit den anderen anstellen. Da kann der Staat nicht jemanden begünstigen, nur weil er in Kreuzberg wohnt. Wir können doch kein Recht auf Wohnen in Berlin schaffen.“ (Fortsetzung hier)
Anzeige
Kartoffelschalen und andere organische Abfälle werden durch die BSR zu Kompost für die Landwirtschaft und ökologischem Treibstoff für Müllfahrzeuge verarbeitet. Das gewonnene Biogas spart 2,5 Millionen Liter Diesel und mehr als 9.000 Tonnen CO₂ jährlich ein. Abfalltrennung ist damit ein wertvoller Beitrag für den Umweltschutz.
So trennt man richtig.
Kein Camping: Die Idee, einen Zeltplatz für Obdachlose zu errichten, wird wohl wieder ad acta gelegt. Vergangenen Freitag hatte die Verwaltung von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) alle zwölf Bezirke zu einem Gespräch geladen. Nicht erschienen sind: Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Reinickendorf. Wäre ja auch zu einfach gewesen, die Obdachlosen von der Rummelsburger Bucht so zu verteilen, dass Lichtenbergs Linker Bürgermeister weniger Probleme hat und der Grüne in Mitte den Schwarzen Peter als Berlins Boris Palmer behält.
Anzeige
„Tele-Visions“ – so heißt ein zentrales Projekt von MaerzMusik, in dem Mediengeschichte der Neuen Musik präsentiert & zugleich hinterfragt wird. Über 200 Fernsehfilme aus der Zeit zwischen 1950 & 1990 zeichnen ein Bild des Neue Musik-Betriebs, in dem stets bestimmte Komponisten im Vordergrund stehen, Frauen unterrepräsentiert sind & Musiken wie Musiker*innen anderer Kulturen nur am Rande vorkommen. Eintritt frei. 23.-31.3., silent green, Betonhalle
Teures Heim: Ein junger Syrer, IT-Techniker, seit drei Jahren in Deutschland, lebt in Köpenick in einer Flüchtlingsunterkunft auf 7,5 Quadratmetern. Container, zwei Personen, Toilette draußen, Küche geteilt – dafür zahlt er monatlich 344 Euro. Der Höchstsatz von 45 Euro pro Quadratmeter fällt an, weil er 1200 Euro netto verdient (Q: MDR). Viel Geld für wenig Comfort. Nachgefragt bei Peter Hermanns, Leiter der Unterkunft (Kollege Thomas Loy war bereits im Dezember vor Ort: Text hier): Von rund 330 Bewohnern sind zehn bis zwölf vom Höchstsatz betroffen. Die „Gebühr“ sei eine Mischkalkulation aus den Wohnkosten (inkl. Nebenkosten) aller Berliner Flüchtlingsheime, unabhängig von der Größe und Ausstattung der Zimmer. Hermanns findet das „schon auch absurd“. Einziger Trost: Im letzten Jahr war’s noch schlimmer. Da lag der Höchstsatz bei 500 Euro.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Wenn schon auf die Politik kein Verlass ist, dann immerhin auf den Buddy Bär. Der reist aktuell als Botschafter durch Europa. Wer ihn findet darf ein Foto machen, es unter #BearforEU posten und den Bären weiterschicken. Die Botschaft: „United in diversity. Vote #EP2019.“
Grüße aus Dubai: Seit Januar 2016 wartet eine Familie hier auf die Geburtsurkunde ihrer Kinder (beantragt beim Standesamt I in Berlin). Auskunft der Innenverwaltung: „Momentan befinden sich Anträge auf Nachbeurkundung einer Geburt in Bearbeitung, die im Januar 2016 eingereicht wurden. Dementsprechend müsste der Antrag der Familie aus Dubai in Kürze bearbeitet werden oder bereits in Bearbeitung sein.“ Berlin-Wartezeit, nächstes Level.
Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu: Wie schwer sich CDU-Landeschefin Monika Grütters derzeit mit ihrer Partei tut, hat sich am Montagabend bei einer Veranstaltung mit Friedrich Merz gezeigt. Grütters stellte sich den Fragen der Parteimitglieder – und erklärte den Ansehensverlust der einstigen Volksparteien (= CDU) dadurch, dass es in der politischen Mitte mittlerweile „gute Angebote wie beispielsweise die Grünen“ gebe. Missmutiges Raunen, einzelne Buhrufe. Es wird schwer.
Friedrich Merz ist jetzt übrigens auch im Topf der potenziellen Berlin-Spitzenkandidaten für 2021 (Q: B.Z.). Als Aufsichtsrat bei Blackrock zumindest das perfekte Feindbild gegen jegliche Enteignungsideen von R2G.
Anzeige
Das Czech-German Innovation Festival am 9. April präsentiert Innovationen, Wissenschaft und die Startup-Szene aus Tschechien und bietet eine Plattform für deutsch-tschechische Kooperationen. Diesjähriger Fokus: innovative Strategien, Space & Aerospace. Für die Festivalteilnehmer geht es am 10. April weiter beim hub.berlin!
Jetzt kostenlos anmelden
In Sachen Monbijou-Theater soll der Akt „Streithähne“ am Mittwoch ein Ende finden. Die Humboldt Universität, der das Grundstück gehört, will, dass sich die Beteiligten bis dahin auf einen Deal einigen.
Warum werden 2500 Litfaßsäulen in Berlin verschrottet? Die Antwort gibt der Senat (Anfrage Stefan Förster, FDP): „Da die Firma Wall eine Weiternutzung ihrer Säulen durch die Fa. Ilg nicht ermöglicht hat, bleibt nur ein Abbau.“ Immerhin: Zwölf Litfaßsäulen fallen unter Denkmalschutz, 33 weitere werden geprüft. Ein bisschen Geschichte bleibt Berlin erhalten.
Gerissene Bauteile, kaputte Fugen, Moos und Algen: Der Berliner Dom sucht Geldgeber für seine Restaurierung. Insgesamt 1,6 Millionen Euro werden gebraucht. Mit 30 Euro kann ein Teil des Zahnfrieses erhalten werden. Für 100 Euro bringen Sie einen Rundbogen durch die Restaurierung seines Schlusssteins wieder zum Tragen. Ein ganzes Säulenkapitell kann für 1500 Euro saniert werden.
„Arm, aber sexy“ war einmal, jetzt kommt das „Start-up-Zentrum”, schreibt die Financial Times. In ihrer Liste der tausend am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas sind 24 in Berlin ansässig. Allein London, Paris und Mailand zählen mehr.
Kein Scherz: Der Berliner Fernsehturm ist am ersten April für Besucher geschlossen. Grund sind Wartungsarbeiten.
„Aus Scheiße Gold machen“ wird in Neukölln wörtlich genommen. Am Rand des Tempelhofer Fels hat jemand am Wochenende sämtliche Hundehäufchen mit Glitzer bestäubt.
Anzeige
Musikalische Spitzenklasse beim Internationalen Max-Rostal-Wettbewerb an der Universität der Künste Berlin! Gewinnen Sie Tickets für die Finalkonzerte Violine und Viola am 30. und 31.03.2019, erleben Sie die besten Teilnehmenden mit der Hamburger Camerata und entscheiden Sie, wer die begehrten Publikumspreise erhält!
Zur Verlosung
144.325 Verkehrsunfälle hat die Berliner Polizei im vergangenen Jahr registriert. In 34.204 Fällen wurde Unfallflucht begangen (Q: Anfrage: Peter Trapp, CDU).
Topmeldung der Berliner Morgenpost im Berlinteil: „Chefredakteure ziehen Bilanz.“ Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller lädt Christine Richter, Jochen Arntz (Berliner Zeitung) und Checkpoint-Chef Lorenz Maroldt am Mittwoch zur Bewertung von R2G. Tickets gibt’s hier.
Triple in eigener Sache: Die Tagesspiegel-Sportredaktion, Redakteur Lars Spannagel sowie Anne Armbrecht wurden gestern Abend jeweils mit einem Preis für ihre Arbeit ausgezeichnet. Glückwunsch vom Team Checkpoint!
Im Team Checkpoint sowie bei unseren „Leute“-Bezirksnewslettern sind wieder Praktikumsplätze frei (bezahlt natürlich). Voraussetzung: Leidenschaft für unseren Berlin-Journalismus, landes- und bezirkspolitisches Interesse, Neugier und (überwiegend) gute Laune. Bewerbungen mit kurzer Textprobe bitte per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Die Rettung der insolventen Berliner Fluggesellschaft Germania ist gescheitert. Alle seriösen Bieter sind abgesprungen. Der Absturz der Airline ist damit endgültig.
Am Montag eine Nachricht in Berlin: „Keine Störung im Berliner Flugbetrieb nach Software-Problem.“ (Q: ntv)
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Versuch's doch mal mit Liebe, LIEBE!“
Aus der Reihe „Checkpoint Charmy“: Der M29 fährt los und hält nur wenige Meter später an. Der Fahrer öffnet die Tür und ruft den Satz einem älteren Mann zu, der ein kleines Kind ausschimpft. Daraufhin nimmt der Mann das Kind auf den Arm. (Danke an CP-Leserin Ulrike Schenk)
Tweet des Tages
Wenns nicht so traurig wäre, läge ich vor Lachen am Boden, Berlin: ‚Nein, das müssen Sie online (!) in SPANDAU (!!) nicht in Charlottenburg (!!!) bestellen.‘ Srsly, die haben DAS GLEICHE FORMULAR an einem anderen ‚ONLINE-ORT‘ als für Spandau und Charlottenburg. #kopftisch
Antwort d. Red.: Beantragt werden sollte ein Auszug aus dem Geburtenregister – nur möglich im Standesamt des Geburtsbezirks.
Stadtleben
Trinken zu klassischer Musik: Im Pianosalon Christophori ist das längst etabliertes Programm. Im Eintrittspreis (25 Euro) sind Bier und Wein bereits inbegriffen – allein das angeregte Gespräch, wie man es mit alkoholischem Getränk in der Hand sonst zu führen pflegt, muss zunächst etwas warten. Nämlich bis von Beethoven, Sibelius, Ravel und Bartók je eine Violinsonate dargeboten ist. Dann aber dürfte es umso angeregter ausfallen. An der Violine Clémence de Forceville und Benedek Horvath am Klavier, zu hören ab 20 Uhr in der Uferstraße 8 (Uferhallen), U-Bhf Pankstraße.
Anzeige
Um den Kita-Bau in Berlin voranzutreiben, unterstützen wir besonders gerne Stellenausschreibungen von Berliner Ingenieurbüros! Heute gesucht: Bauingenieure (m/w/d). Mehr Infos auf jobs.tagesspiegel.de - die Jobbörse für alle, die mehr wollen.
Berlinbesuch Wer Berlin besucht und schon denkt, dass sei alles völlig abgefahren hier, sollte sich den kleinen Abstecher nach Tokio nicht entgehen lassen: In der Neuköllner Mainzerstraße (ungefähr die Gegend mit angestrebtem Modellcharakter in Sachen Glasfasernetzwerkausbau) haben sich mehrere japanische und japanstämmige Künstler*innen zu einer Ausstellung zusammengetan. Im weitesten Sinne Thema sind Japans Tradion und Moderne, die an wenigen Orten der Welt historisch so nahe beieinander, formal-inhaltlich aber zugleich so weit auseinander klaffen dürften. Gezeichnet, gemalt, gebaut und erzählt wird hier auch aus Berliner Perspektive. Japanese Graphic Popart läuft noch bis 29. März im Kulturraum Mainzer 7, Mainzer Straße 7, U-Bhf Hermannplatz
Geschenk Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Kunst solle man für sich sprechen lassen oder manches einfach mit Blumen sagen – Ausreden für die Sprachlosigkeit gibt es zuhauf und aus jeder erdenklichen Retorte. Laut einer nichtrepräsentativen Umfrage soll die Summe der ungesagten Dinge die der Blumen und Bilder jedoch bei Weitem übersteigen, was langfristig zu einem gesamtgesellschaftlichen Sprachstau führen müsste, der auf Dauer nicht gesund sein kann. Wer etwas sagen möchte, wem es auf den Nägeln brennt – eine Ansprache, mit der die Welt längst hätte beschenkt werden müssen, eine Geschichte, die nicht unerzählt bleiben sollte oder eine Liebeserklärung kurz bevor der Zug abgefahren ist – könnte einen professionellen Rhetorik- oder Sprechkurs besuchen, wie diesen oder einen dieser hier. Oder sich gleich für einen anmelden, in dem man seine Geschichte und sich selbst vortrags- und bühnenreif bekommt, wie diesen, über den sich vor allem Potsdamer*innen freuen dürfen. Oder hier gleich auf der Bühne üben. Kollwitzstraße 53, U-Bhf Senefelderplatz
Anzeige
Exklusiv für Checkpoint-Leser: Wenn Sie den Tagesspiegel als digitale Zeitung (E-Paper) lesen, schenken wir Ihnen das neue iPad Air oder iPad mini gratis dazu. Für nur 39,99 EUR pro Monat.
Jetzt entdecken.
Last-Minute-Tickets András Schiff wird nicht nur als Pianist bewundert, sondern auch für seine manchmal eigenwillige Art, die Musik, die er auf das Innigste kennt, zu erklären. Im Pierre Boulez Saal gibt er am Mittwoch ein längst ausverkauftes Konzert, dem er heute Abend eine Erklärstunde voranstellt, die nicht nur für Besucher*innen des Konzertes interessant sein dürfte. Thema ist Bachs Wohltemperiertes Klavier, in dessen Details hier durchaus erhellende Einblicke zu erwarten sind, die sich auch nach abermaligem bloßen Hören nicht erschließen würden. 19.30 Uhr für 10/8 Euro, Französische Straße 33D, U-Bhf Hausvogteiplatz
Noch hingehen ins Abgeordnetenhaus. Nicht das Parlament, aber die Ausstellung „Anders als gedacht – Leben mit pflegebedürftigen Kindern“ neigt sich ihrem Ende am 5. April. Menschenrechtliche Standards und verbriefte Rechte auf der einen und die tatsächliche Versorgungspraxis auf der anderen Seite müssen zwischen Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit diskutiert werden. In diesem Zusammenhang soll diese Ausstellung die vielen verschiedenen Facetten des Lebens und Alltags von Familien mit pflegebedürftigen Kindern darstellen und zum Gedankenaustausch anregen. Mo-Fr 9-18 Uhr in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses, Niederkirchnerstraße 5, U-Bhf Potsdamer Platz, Eintritt frei
Verlosung Wer noch an Rimbauds „Je est un autre“ (Ich ist ein anderer) verzweifelt oder meint, nie über das Spiegelstadium hinausgelangt zu sein, der könnte hier einige Klärung erfahren – oder den Meister vor unlösbare Probleme stellen: Am Samstag, 30. März steht Nicolai Friedrich, der größte Mentalmagier der Gegenwart ohne eigenen Wikipedia-Eintrag, auf der Bühne des Admiralspalastes, um seinen Gästen tief in die Gedanken zu blicken. Wir verlosen 2 Tickets unter allen, die bis 12 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de schreiben.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen ausgezeichneten Tag.
Prominent verraten
Berlin hat sich zu einer tollen Kaffeestadt entwickelt, findet unser Promi der Woche. Latte Macchiato und Croissant genießt die gebürtige Brandenburgerin mit dem wasserstoffblonden Haar also gerne zum Frühstück.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Erraten Sie, wer sich diesmal hinter den Bildern versteckt? Senden Sie uns bis Donnerstag eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de mit dem richtigen Namen und gewinnen Sie zwei "Checkpott"-Kaffeetassen. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie. Alle bisherigen Fotos und Hinweise finden Sie hier.
Berlin heute
Verkehr Auf der Gneisenaustraße in Richtung Yorckstraße in Kreuzberg stehen ab 7 Uhr bis Anfang Juni nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung. In Mitte sind wegen eines Protestmarsches Verkehrsbehinderungen möglich (siehe Demos). Der Marsch startet um 18 Uhr auf der Torstraße und zieht über Chausseestraße, Invalidenstraße, Clara-Jaschke-Straße und Agnes-Zahn-Harnack-Straße zur Ella-Trebe-Straße am Hauptbahnhof. Außerdem ist der Tunnel Tiergarten-Spreebogen zwischen 21 Uhr und 5 Uhr in beide Richtungen gesperrt. In Charlottenburg ist wegen Brückenarbeiten bis Freitagmorgen täglich von 20.30 Uhr bis 6 Uhr morgens eine Vollsperrung in beiden Richtungen zwischen Gervinusstraße und Stuttgarter Platz eingerichtet.
Demonstration Von 18 bis 22 Uhr wollen ca. 70 Personen von der Torstraße 164 zum Hauptbahnhof marschieren, um gegen ein Treffen des Verfassungsschutzes mit Konzernen wie RWE und BASF zu protestieren. Das soll am Mittwoch unter dem Motto "Extremismus: Eine steigende Gefahr für Sicherheit und Reputation von Unternehmen" im Regierungsviertel stattfinden.
Gericht Mit Spannung wird das Urteil im neu aufgelegten Prozess gegen die beiden Ku’damm-Raser um den tödlichen Unfall bei einem illegalen Autorennen erwartet. Die Ankläger haben auf lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mordes plädiert. Die Verteidiger gehen von Fahrlässigkeit aus (12.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700). Und ein 75-Jähriger, der seine 84 Jahre alte Ehefrau mit einem metallenen Lampenfuß attackiert und schwer verletzt haben soll, muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten (9.30 Uhr, Kriminalgericht, Saal 501).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag - Reinhold Andert (75), Liedermacher / Maximilian Arland (38), Sänger und Moderator / Sandra Friedrich, geschätzte Kollegin / Klaus Hoffmann (68), Sänger / Heike Koster (50) / Christoph Löffler, "toller Sänger, Organisator und unser begnadeter Kulissenbastler wird 50. Tonikum gratuliert!" / Maja Maneiro (37), Schauspielerin / Axel Prahl (59), Schauspieler / Jens Reich (80), Molekularbiologe und Bürgerrechtler
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben - Robert Dwořak, * 13. August 1936 / Sabine Schuhknecht-Kantowski / Lothar Alexander Siegel, * 14. November 1928 / Gerd Sprenger, * 9. September 1944 / Evelyn Uhlemann
Stolperstein - Siegfried Robinski (Jhg.1905) lebte in der Naunystraße 46, direkt am Kreuzberger Oranienplatz, wo sich bereits damals das Café Kuchen Kaiser befand. Nachdem er bereits seit zwei Jahren Zwangsarbeit leisten musste, wurde er verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort heute vor 76 Jahren ermordet.
Im Tagesspiegel
Die Chemotherapie. Die Brustamputation. Die Angst vor dem Tod. Seit der Krebs bei ihr entdeckt wurde, hat Kathrin Lubig viel durchlitten. Im Internet findet sie Mut und Trost – und ist dafür bereit, alles über sich und ihre Krankheit preiszugeben. Lesen Sie das Portrait von Karl Grünberg heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Let’s play Schule – 18 Studierende übernehmen eine Woche lang das Schulzentrum am Stern in Potsdam. Einer von ihnen, Karl Pfaff, führt Tagebuch: „Tag 1 – es geht um Mann und Frau, es geht um Rollenbilder. Erstmal ausloten, was die SchülerInnen denken. Dafür gibt’s ein Positionierungsspiel. „Ja“ in einem Eck, „Nein“ im anderen, dazu ein paar Thesen, zu denen sich alle positionieren sollen. Gute Idee, dachten wir während der Planung. Halb gut, merken wir während der Umsetzung, als fast alle in der Mitte des Raums stehen bleiben. Keine Meinung? Angst vor einer falschen Antwort? Als Lehramtsstudent aus der ‚Berlin Blase‘ wünscht man sich ja einen, der sich demonstrativ positioniert und ruft: „Natürlich ist es für Jungen in Ordnung mit Puppen zu spielen!“ Passiert nicht. Also bei null anfangen, gemeinsam diskutieren und hoffen, dass Eltern keine wütenden Briefe schreiben, weil eine Projektwoche feministische Themen behandelt. Soll schon vorgekommen sein.“
In diesem Sinne: Hoffen wir mal, dass auch im Checkpoint-Postfach mehr freundliche als wütende Briefe eintrudeln. Mit Frauenpower geht’s hier morgen weiter. Dann übernimmt Anke Myrrhe. Bis bald!