Samstags Regen und kräftiger Wind bei 10°C, sonntags trocken, verhangen und nicht minder windig bei 11°C

Eigene Impfstatistik ist der Berliner Polizei unbekanntGeschützte Grünanlage wird zum illegalen DauerparkplatzWas sich das Kanzleramt so schenken lässt

wir beginnen heute mal nicht mit Corona, sondern zur Feier des Wochenendes mit einer Partie Behörden-Pingpong – es geht diesmal um Autos, die auf Wurzeln parken und Bäume zerstören (wie hier zu sehen). Es sagt dazu eine Ordnungsamts-Mitarbeiterin in der Nassauischen Straße: „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Es schreibt dazu Stadtrat Arne Herz: „Natürlich Ordnungswidrigkeit, aber keine Zuständigkeit Ordnungsamt, sondern Naturschutzrecht. Damit können Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht ahnden.“ Hm, aber wer könnte denn ahnden – vielleicht das Umweltamt? Dazu nochmal Arne Herz: „Weiterleitung brächte nichts, da die sich personell nicht in der Lage sehen.“ Status Berlin: Da kannste nix machen.

Kleine Pingpong-Verlängerung gefällig? Bitte sehr: In der Kynaststraße wird eine Grünanlage („geschützt“ steht auf dem dazugehörigen Schild) als illegaler Dauerparkplatz missbraucht (hier zu sehen). Ein Checkpoint-Leser wandte sich ans Ordnungsamt – und bekam bald darauf eine Mitteilung über die „Statusänderung“ des Vorgangs: „Erledigt“ stand da, und: „Vielen Dank für Ihren Hinweis. Das Anliegen wird an das Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg weitergeleitet, mit der Bitte, die Grünanlage abzusperren, sodass zukünftig kein Befahren/Beparken möglich ist.“

Ist das nicht toll? Nein, ist es leider nicht – denn zur „Rückmeldung“ gibt es noch eine „folgende Rückmeldung“, und in der heißt es dann: „Dem Straßen- und Grünflächenamt stehen in 2021 keine Mittel für die Sicherung und/oder den Umbau dieser Grünanlage zur Verfügung.“ Erst „mittelfristig“ sollen hier Poller aufgestellt werden – da aber niemand weiß, wann das Holozän endet… Und so singen wir wieder alle im Chor: Tja, da kannste nix machen.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Mit dem Satz „mach mal nicht so ein Theater hier“ gibt man sich heute eindeutig als Kulturbanaus:in zu erkennen, es ist nämlich Welttheatertag. Schon 1961 rief das Internationale Theaterinstitut erstmals Theatergruppen und -Häuser dazu auf, das Drama als alle Menschheit verbindende Kunstform zu zelebrieren. Zum zweiten Mal findet der Tag nun unter Coronabedingungen statt. Abgesehen von einem Stream der Feierlichkeiten und einer Botschaft der britischen Schauspielerin Helen Mirren gibt es nur wenig offizielles Programm. Mirren fasst sich mit nur sechs Sätzen kurz, die darauf abzielen, dass es bald weitergehen möge. Sie könne es kaum erwarten. In Berlin liefert der Heimathafen Neukölln ein alternatives Motto: Unter dem Titel „Let's Panic“ wird hier mit Licht-, Video und Audio-Installationen im eigenen Hof an die ohrenbeteubend tickende Uhr des Klimawandels erinnert.

Samstagmittag – Ein Theater, das nie Saison- oder Pandemiepause macht, ist der öffentliche Raum. Der Kybernetiker Paul Watzlawick hat entsprechend schon 1969 festgestellt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Denn alles, was der Mensch nach außen trägt, baut oder tut, sagt etwas aus. Ein Spaziergang mit einem in den Dingen zu lesen bereiten Blick empfiehlt sich daher sowieso immer. Wer sich auch für die Bühnenkulissen des Alltagstheaters, sprich, die Architektur interessiert, findet in der Tschechischen Botschaft (Wilhelmstraße 44, Mitte) eine besondere. Des brutalistischen Baus haben sich die beiden Maler Vladimir Houdek und Markus Huemer angenommen, deren Bilder ebenda ab sofort bis 5. Juni zu sehen sind, Di–Sa 14–18 Uhr. Der Zutritt ist frei, die Anmeldung Pflicht, telefonisch unter 030 31011340 oder per E-Mail.

Samstagabend ist Lesezeit. Nur weil die Bühnen geschlossen sind, macht das Drama selbst nicht Pause. Ulrike Haß rollt die Geschichte des Theaters in ihrem Buch Kraftfeld Chor auf, von der griechischen Antike und der ersten Einrichtung der Demokratie bis zu heutigen (auch politischen) Bühnen. Ebenfalls mit dem Ursprung des Theaters beschäftigt sich der französische Dekonstruktivist Jean-Luc Nancy in seinem kurzen, aber sehr dichten Aufsatz „Nach der Tragödie“ (Legueil, 2008), in dem er unter anderem mit Brecht fragt, was es bedeutet, Theater eben nach der Tragödie zu machen. Es bedarf keiner allzu großen Fantasie, die Überlegungen auf die Gegenwart zu übertragen. Im Vergleich dazu leichte, aber dennoch geistreiche Kost liefert Regisseur Barrie Kosky mit seinem anekdotenreichen Band On Ecstasy, in dem er auch so manchen Einblick hinter die Kulissen von Berliner Häusern gibt.

Sonntagmorgen – Eine der traditionsreichsten, hierzulande wenig bekannten Theaterkulturen ist übrigens die Indiens. Die unzähligen Formen der übers Land verteilten Traditionen, von Bharata Natyam über Kathakali zu Odissi erinnern an die Vielfalt der dortigen Esskultur. Ab und an weist die Indische Botschaft auf ihrer Website auf hierzulande stattfindende Veranstaltungen hin. Wegen des Lockdowns begnügen wir uns ersatzweise mit den Gaumenfreuden: Wer schon mal ein Masala Dosa irgendwo in Südindien gegessen hat, meidet die hiesigen Varianten, die selten nach dem Original schmecken. Anders im Café Pappelreihe (Kienitzer Straße 109, Neukölln). Auch wenn das allerletzte Quäntchen noch fehlen mag, kommt das Gericht (6 Euro) nahe genug ans Original ran, um bei geschlossenen Augen innerlich Kathakali zu tanzen. Täglich von 9 – 20 Uhr, Kienitzer Straße 109

Sonntagmittag – Osterferien verheißen einen Ausbruch aus dem Alltag, ein Dasein im Ausnahmezustand oder zumindest irgendeinen Unterschied zum Schulprogramm. Richtiges Ferienfeeling in Zeiten des Homeschooling zu erzeugen ist daher nicht ganz einfach. Unterstützung will das FEZ mit seinem Online-Ferienprogramm bieten. Damit es keine Ferientragödien gibt, können sich Kinder ab sechs Jahren täglich von 17 bis 20 Uhr mit dem Osterhasen persönlich austauschen, über die Eiersuche beraten, Spiele spielen, DIY-Handwerkszeug lernen und am Hasenyoga teilnehmen.

Sonntagabend – Auch für den Ausbruch aus den eigenen vier Wänden ist das Theater schon immer gut – begonnen hat es schließlich auf antiken Freilichtbühnen. Im Gorki Stream gibt es heute die Möglichkeit, einen Blick in die vier Wände anderer Leute zu werfen, die dort vor allem eines tun: tanzend aus denselben ausbrechen. Und wenn man nun durch das Zuschauen beim für das Zuschauen inszenierten Ausbruch anderer selber innerlich ausbricht, ergibt das einen nicht nur sprachlich komplizierten Zirkelschluss, der ungemütlich werden könnte. Eben das soll er auch, was wäre das sonst für ein Ausbruch, ohne die Wohlfühlzone zu verlassen? Die Performance „4 WËNDE“ ist das ganze Wochenende über bis 19.30 Uhr kostenlos verfügbar.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. In diesen Zeiten bleibt er jedoch lieber im heimischen Bau und kocht, aus Gründen der Selbsterhaltung, feine vegetarische Gerichte.

„Habe ich eigentlich schon einmal aus meiner Schauspielzeit berichtet? Vor meiner Zeit als Landschaftsarchitekt habe ich mir die Hauer auf Theaterbühnen abgestoßen. Besonders Hamlet schien mir geradezu auf den Leib geschrieben. Ein, wie ich gestehen muss, allerdings heikles Thema für mich. Denn allzu lang ging das nicht gut. Ich hätte die Vorstellung versaut, hieß es, und Backstage einen Saustall hinterlassen. Auch meine Vorliebe für schweinischen Ausdruck traf auf wenig Gegenliebe. Nun gut, mangelndes Talent hat mir immerhin noch niemand unterstellt, und das aus gutem Grund. Darum studiere ich zurzeit wieder eine Rolle ein. Am Montag beginnen ja die Osterferien, in den Wäldern ist folglich mit erhöhtem Kinderaufkommen zu rechnen. Und zu deren Bespaßung werfe ich mich in Hasenschale. Chantal, die Sau von Nebenan, sagt, das Kostüm bringe meine Figur vorteilhaft zur Geltung, sie wolle mich zur Belohnung sogar bekochen. Natürlich kommt ein falscher Hase auf den Tisch, und zwar ein wirklich ganz falscher Hase, denn der ist vegetarisch. Schon beim Blick ins Rezept wird klar, dass diesmal die Küche zum absoluten Saustall werden wird, ein wenig wie früher, hinter der Bühne. Wie ich mich freue!“

Lese­empfehlungen

Bedenkt man, dass noch vor kurzem neolithisch anmutende Findlinge auf Berliner Straßen herumlagen, scheint die Vorstellung eines Berlins, das in puncto Verkehr seiner Zeit voraus, weitgehend autofrei und selbst im Stadtzentrum zum erholsamen Spaziergang geeignet ist, weit hergeholt. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Das meint auch Michael Knoll (Abo) und legt einen Entwurf für 2037 vor.
 
Die Neuköllner Rütlischule dürfte nach wie vor in den meisten Köpfen Synonym für alles sein, was im deutschen Schulsystem nicht funktioniert. Nur will sie nicht mehr so recht dafür taugen. Am verschlissenen Straßenschild „Rütlistraße“ hängt ein neu und gepflegt aussehender Zusatz, auf dem „Rütlicampus“ steht. Susanne Vieth-Entus (Abo) sprach mit der Schulleiterin Cordula Heckman.

Wie es ist, sich als Kreuzberger Expat über andere Kreuzberger Expats zu empören, die sich nur zu gerne über Kreuzberger Expats empören, weiß der Comedian Daniel Ryan Spaulding, bekannt aus Jan Böhmermanns ZDF Royale, zu gut. Jana Weiss (Abo) hat ihn einige Schritte durch Kreuzberg begleitet. 

Wochen­rätsel

Mit wievielen Corona-Tests wollen die Veranstalter:innen der Fusion das Festival diesen Sommer trotz Pandemie möglich machen?

a) keinen
b) 70.000
c) 180.000

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Zum Schluss noch zwei tierische Nachrichten:

1) Unser Panda Pit ist wegen seiner Zuckungen in der Charité unter Vollnarkose per MRT durchgecheckt worden – der Befund: Keine Anzeichen für eine Erkrankung, aber: „So eine ausgeprägte Kiefer-Muskulatur haben wir wirklich noch nie zu sehen bekommen“, sagt der Radiologe Prof. Fiebach. CP-Prognose: Der beißt sich schon durch

2) Die ÖDP hängt heute in der Hasenheide Nistkästen auf – verziert mit der Parole „Wohnraum für alle“. Und falls Sie jetzt denken, „die haben doch einen Vogel“: Freuen Sie sich lieber über jeden, den es hier noch gibt.

Thomas Lippold hat sich heute durch die Recherche genagt, Kathrin Maurer ist noch mal drüber geflogen, und wir sehen uns hier am Montagmorgen wieder. Genießen Sie das Wochenende und passen Sie gut auf sich auf. Ach, und falls bei Ihnen in der Nachbarschaft heute um 20:30 Uhr das Licht ausgeht: Könnte sein, dass die sich an der energiesparenden „Earth Hour“ beteiligen. Bis dahin,

Lorenz Maroldt