auch zerknautscht aufgewacht? Dann sollten sie mal die Couch wechseln. Früher war das federleicht; in Neukölln lag an jeder Straßenecke eine sorglos entsorgt herum. Doch seit die Ordnungsämter aufgeweckter sind und Matratzen nicht mehr auf Bürgersteigen rumliegen lassen (da liegen ja jetzt E-Roller), träumen Bezirkspolitiker von viel mehr: von Ordnungsämtern, die Tag und Nacht hellwach sind. Doch eines Morgens fällt dann dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf auf: Es bekommt zwar Geld vom Land für mehr Ordnungshüter, doch die versprochenen mitternächtlichen Jäger falsch parkender Autos und frei laufender Kampfhunde entpuppen sich nur als amtliche Müllsammler, so genannte „Waste Watcher“. „Im Zuge der Ausweitung der Arbeitszeiten sind bisher keine Stellen zur Verfügung gestellt worden“, lässt Stadtrat Arne Herz (CDU) die Bezirksverordnetenversammlung schriftlich wissen (mehr dazu heute im kostenlosen Bezirksnewsletter meines Kollegen Cay Dobberke). Aber hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) nicht gerade verkündet, dass Berlins Ordnungsämter „ab sofort“ täglich von 6 bis 24 Uhr im Einsatz… – ach was, ruft Herz dazwischen: „Der Senat hat sich hier zum wiederholten Male zu Lasten der Bezirke in der Öffentlichkeit geäußert.“ Womit klar ist: Eine Seite redet hier Müll.
Jede Stimme zählt. Für die SPD, auch angesichts von Jan Böhmermanns gestriger Internet-Kandidatur für den Parteivorsitz der Satirischen Partei Deutschlands, kann das Motto in Brandenburg sowieso ein anderes werden: Eine Stimme fehlt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (Porträt hier im E-Paper) könnte sich am Sonntag gegen die in Umfragen gleichauf liegende AfD noch in den märkischen Sand setzen. Und seine eigene Bildungsministerin Britta Ernst streut ihren Teil dazu bei. Denn die in Potsdam lebende Hamburgerin hat es versäumt, ihren neuen Hauptwohnsitz rechtzeitig umzumelden. Nun ist die Landesministerin bei der Landtagswahl nicht stimmberechtigt (via PNN). Wem das noch nicht genug Satire ist: Britta Ernst lebt mit ihrem Mann, Vizekanzler Olaf Scholz, in Potsdam und manchmal auch in Hamburg. Der wiederum bewirbt sich gemeinsam mit der Brandenburgerin Klara Geywitz um den SPD-Vorsitz. Die wiederum muss in ihrem Potsdamer Wahlkreis um jede Stimme fürs Direktmandat bangen. Und hier wiederum könnte Britta Ernst sie wählen. Wenn sie denn wählen könnte.
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Die Tagesklinik Waldfriede hat ihren Schwerpunkt in der Behandlung psychiatrisch-psychosomatischer Erkrankungen. Patienten können in ruhiger und familiärer Atmosphäre Erholung und Entspannung erleben und neue Kraft schöpfen. Dabei bietet sie eine deutlich intensivere Therapie als bei ambulanter Behandlung und kommt doch ohne Übernachtung aus. Wir beraten Sie gern.
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Komm Karlineken, komm Karlineken komm, wir woll‘n nach Pankow jehn. Nun ja, fahren jeht ja ooch nich‘ angesichts der täglichen Torheiten im Pankower Verkehr. Und hierherziehen tut es viele, doch hienziehen können nur wenige. Denn Pankows größtes Eigentor – das Pankower Tor – verwaist auf grünem Rasen. Draußen hängt gerade Werbung für eine Eigenheimmesse, drinnen wuchert die Brache zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf zu. Ein Stadtviertel soll hier seit Ewigkeiten entstehen mit Geschäften, Möbelmarkt, Schule und 2000 Wohnungen. Doch noch einmal viele Ewigkeiten dürfte das Workshopverfahren für ein Masterplanverfahren für ein Bürgerbeteiligungsverfahren für ein Bebauungsplanverfahren für ein Flächennutzungsplanänderungsverfahren in Anspruch nehmen. Eigentlich sollte der erste Schritt in diesem Sommer abgeschlossen sein, hieß es noch im Frühjahr. Und jetzt? „Derzeit wird weiterhin an der Aufgabenstellung gearbeitet und werden notwendige Untersuchungen bzw. Konzepte als Grundlage erarbeitet“, lässt Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) auf Checkpoint-Anfrage wissen. Um auch Neu-Berlinern zu erklären, was das in dieser Stadt konkret bedeutet, schreibt Kuhn: „Der genaue Zeitplan befindet sich derzeit noch in der internen Abstimmung. Ein belastbarer Termin für den Baubeginn kann daher derzeit noch nicht benannt werden.“ Alles andere wäre sicher auch belastend gewesen.
Kann das weg? Und wenn ja, wie viele? Deutsche Verkehrspolitik guckt ja immer noch wie ein Auto. Doch immer mehr Menschen satteln um, zumindest in den Innenstädten, zumindest test-, leih- oder streckenweise. Wie lange wir noch das Auto brauchen, debattieren Experten und Betroffene gerade bei unserer Aktion „Eine Stadt, ein Land, viele Meinungen“, mit der Tagesspiegel, Berliner Zeitung und die Bundeszentrale für politische Bildung gerade gemeinsam 30 Jahre Meinungsfreiheit feiern. „Wenn die Berliner auf ihr Auto verzichten sollen, braucht es Alternativen nicht nur in Mitte und Friedrichshain, sondern auch in Spandau und Köpenick“, schreibt Mobilitätsberater Axel Quanz im heutigen Debattenbeitrag. Bleibt die Frage: Würden Sie Ihr Blech verschrotten? Und wenn ja, wann? Schreiben Sie Ihre Ideen an meinungsvielfalt@tagesspiegel.de – die besten veröffentlichen wir am Sonnabend. Aber bitte nicht beim Fahren lesen.
Ruinen schaffen ohne Waffen. Mit diesem Spruch hat man sich zu DDR-Zeiten über die Kommunale Wohnungsverwaltung lustig gemacht, bei der die Balkone von den Brüstungen bröckelten. Heute nun fürchtet die private Immobilienlobby die Rekommunalisierung der restaurierten Loggias – und ruft in Richtung der politischen Mietendeckel-Besetzer: Das ist unser Haus! CDU-Eigenwahlkämpfer Friedrich Merz fürchtet bereits die „Staatsbewirtschaftung des Wohnungsmarktes“, im Abgeordnetenhaus schlug die Opposition gestern lauthals aber folgenlos auf den Mietendeckel, der dank rot-rot-grüner Mehrheit aber noch nicht vom Topf schepperte. Dass auch Genossenschaften und soziale Unternehmen gegen geplante Mietkürzungen klappern, weil sie die Pleite fürchten, müsste der Linken jedoch in den Ohren dröhnen. Sogar die Betriebsratschefs der landeseigenen Wohnungsunternehmen Gesobau, Gewobag, Stadt und Land sowie der WBM hinterlegten gestern in einem offenen Brief an den Senat ihre „Sorge und Irritation“. Die wirtschaftlichen Spielräume „auch hinsichtlich des dringend erforderlichen Baus von bezahlbarem Wohnraum“ würden derart gedeckelt „auf ein Minimum, wenn nicht sogar gen Null, schrumpfen“. In diesem Fall hätte Berlin null gewonnen.
Und damit passen wir rüber zur Ekligkommission des Deutschen Fußball-Bundes. Die hat festgestellt, dass sich der derzeit Kurzzeit-beurlaubte Schalke-Boss Clemens Tönnies bei seiner abfälligen Afrika-Rede tatsächlich „rassistisch“ geäußert habe. Bei einer Anhörung habe er aber vermitteln können, dass er „kein Rassist“ sei; daher müsse er kein Verfahren fürchten. Der Videobeweis wurde nicht hinzugezogen, wird aber demnächst sowieso abgeschafft. Denn künftig gilt auch bei jedem Foul auf freiem Feld: Natürlich hat ein Spieler gefoult, ist aber eigentlich kein Foulspieler. Deshalb wird er nicht bestraft. Nur um die Verletzten kümmert sich dummerweise keiner, auch nicht um die von Tönnies‘ verletzenden Worten.
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Sinnliche Energie und klangliche Komplexität: Das Festival »Klang der Dinge« verbindet vom 5. bis 8. Sept. experimentelle Musik und musikalisches Objekttheater in der Schaubude Berlin. Einer der Höhepunkte ist am 6. Sept. die performative Installation »Sensuous Matter« der Komponistin Marisol Jiménez mit ihrem Cybernetic Ensemble und »Noise Harp«.
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Kreuzberg ist sich selbst genug – zumindest solange Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) lieber alte Wohnungen ankaufen lässt, anstatt neue zu bauen. Einkaufen darf allerdings hier auch keiner, zumindest nicht im neu geplanten Karstadt-Haus im Glanz der Goldenen Zwanziger am ansonsten zu Neukölln gehörenden Hermannplatz. Schmidt teilte der Firma Signa nun glanzlos mit, dass ein historisch neuer Einkaufstempel hier fehl am Platze sei: aufgrund von Dimension und Wirkung sei er „wie ein Fremdkörper“ und sowieso „nicht authentisch“. Eine Baugenehmigung gibt es dafür – im Gegensatz zur authentischen Stadtschloss-Kulisse – also nicht, aber die sind in Kreuzberg sowieso längst ausverkauft.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Zunächst schalten wir um zum heutigen Fernsehabend von Sat 1: 20:15 Uhr: Das große Promi-Flaschendrehen – 22:45: Knallerkerle (Show) – 23:20 Knallerkerle (Show) – 23:50: Knallerkerle (Show). Man kann nur hoffen, dass dieses Programm weder die Wahrheit noch irgendeine Pflicht ist.
Wenn die S-Bahn schon keine Schnell-Bahn ist und sowieso gerade eine Schwitz-Bahn, dann soll sie wenigstens keine Schmier-Bahn bleiben, sondern eine Sauber-Bahn werden. Also schützen bald graffitiresistente Oberflächen die Bahnhöfe; Schmierereien sollen sich ohne chemische Reinigung vom neuen Bodenbelag abkratzen lassen (via „Berliner Morgenpost“). Drei Bahnhöfe wurden schon neu beschichtet, bis Jahresende kommen noch 20 dazu. Fragt sich nur: Wenn die S-Bahn zur Schönbahn wird – darf sie dann in Berlin noch fahren?
Gute Nachricht fürs Klima, schlechte für die Region: Der Tagebau Jänschwalde in der Lausitz muss seine Arbeit ab Sonntag stoppen. Das verfügte das Oberverwaltungsgericht, weil Betreiber Leag über keine ausreichende Umweltschutzprüfung verfügt. Statt Braunkohle könnte es am Sonntag in der Region mehr braune Proteststimmen geben.
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Gut fürs Parlament, schlecht fürs Parlament: Berlins Abgeordnete sollen künftig nahezu Vollzeit arbeiten können und nicht mehr halbtags Demokratie jobben müssen. Dafür verdienen sie künftig deutlich mehr – was sie angesichts der vielen Aufgaben durchaus verdienen. Nicht verdient hat das Abgeordnetenhaus die permanenten Zwischenrufe der AfD. Der Grüne Georg Kössler zählte bei seiner Rede zum Klimanotstand gestern 26 Unterbrechungen, davon sechs durch AfD-Fraktionschef Georg Pazderski. Eine Partei, die immer wieder suggeriert, man dürfe nicht laut sagen, was man denke, brüllt andauernd dazwischen.
So, bevor wir hier wieder schlechte Hitze machen, noch schnell ein cooler Spruch aus Rosenthal. Da rief ein älterer Mann im Biergarten: „So kühl, wie der Kellner uns hier bedient, kann er uns auch ein Eis bringen.“
Mut gegen Wut ist immer gut. Deshalb wurde das Bündnis „Cottbus ist bunt“ gestern mit dem Steh-auf-Preis für Toleranz der F.C. Flick Stiftung geehrt. „Respekt ist keine kleine Münze – es ist die Währung für Veränderung“, sagte Tagesspiegel-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff in der Laudatio. Geehrt wurden auch Berlins Staatssekretärin Sawsan Chebli und Benjamin Steinitz, Gründer der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin, für ihr Engagement gegen Antisemitismus.
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Alles kann, nichts Bus? Von wegen. Am Donnerstagmorgen um 7.40 Uhr machte ein Busfahrer in seiner Pause an der Endhaltestelle Scharfenberg das Rad einer kleinen Schülerin wieder flott, berichtet unser Leser Andreas Bode. Großtat im Kleinen.
Und damit hier auch alles korrekt läuft, noch schnell diese Korrektur: Die gestern hier aufgelisteten Mietpreise aus den Ortsteilen beziehen sich auf die Angebotsmieten, nicht auf die Bestandsmieten. Was aber Bestand hat: Diese Mieten würden mit dem neuen Deckel auch gesenkt.
Das wird ja immer Poller: Für eine steinharte Geschichte sucht unsere Berlin-Redaktion noch Orte, die in unserer Stadt gerade verpollert worden sind. Schreiben Sie einfach an checkpoint@tagesspiegel.de und berichten Sie von der Unerträglichkeit des Steins. Eines muss aber noch erfunden werden: der E-Poller.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Unser Krieg gegen die Natur muss aufhören“
Greta Thunberg, segelnde Klimaktivistin, nach ihrer Ankunft in New York
„Wir müssen sofort alles, was wir haben, in die Waagschale werfen. Sonst gehen wir unter.“
Antonio Nobre, brasilianischer Amazonas-Experte, über die Waldbrände und den Klimawandel
Tweet des Tages
Bin jetzt wieder zurück in meinem bodenständigen Berliner Kiez Gesundbrunnen, wo sich zwei Männer auch manchmal einfach noch so unterhalten, ohne das gleich als Podcast herauszubringen.
Stadtleben
Essen – Geht man beim Fast Food nach dem Verhältnis von Zubereitungszeit und Geschmack, dann steht die Pizza ganz oben auf der Rangliste. Auch im Stranero nahe dem Nauener Platz in Wedding geht dank 450-Grad-Ofen alles ganz fix - für Wartezeit sorgt hier höchstens der stete Andrang an Gästen. Bevor Pizza-Perfektionisten aufschreien: Der Teig ist am Rand zwar etwas dicker, ruht dafür aber streng nach neapolitanischem Rezept für 24 Stunden und schmeckt umso leckerer. Für Pizza aus Handarbeit und frischen Zutaten stimmt hier übrigens auch das Verhältnis von Preis und Leistung: Die Margherita kostet 7,50 Euro, die hauseigene Pizza Stranero (mit Scamorza und Salami) 9,50 Euro, à la carte landet man bei maximal 10,50 Euro, beispielsweise mit der Pizza Kartoffel Salsiccia. Den halben Liter Rotwein gibt es zu 7,50 Euro. Di-Do und So 17-23 Uhr, Fr/Sa 17-0 Uhr, Liebenwalder Straße 11, U-Bhf Nauener Platz
Trinken – Dass die Brauerei Lemke Berlins erste Craft-Brauerei war, ist angesichts des diesjährigen Jubiläums schon zu glauben: Vor 20 Jahren fing man im S-Bahnbogen unter den Schienen an, eigenes Bier zu brauen. Heute wird das Bier hier nur noch getrunken, hergestellt wird es nebenan. Beispielsweise das „030 Berlin Pale Ale“, oder, traditioneller, die „Budike Weisse“. An diesem Wochenende wird in der jetzigen Brauerei der 20. Geburtstag mit Live-Musik und 17 handwerklich gebrauten Bieren gefeiert. Das Fest findet statt heute 17-22 Uhr, Sa 14-22 Uhr, So 14-20 Uhr, der Eintritt ist frei, Zugang zur Brauerei durch den Biergarten des Brauhauses am S-Bhf Hackescher Markt; das Brauhaus ist ansonsten geöffnet immer Mo-So 12-0 Uhr. Dircksenstraße, S-Bahnbögen 137-143
Berlinbesuch einen authentischen Eindruck des Berlinerischen vermitteln? Das gelingt zwar auch beim BVG-Fahren, unterhaltsamer geht es aber wohl im Berliner-Mundart- und Comedy-Theater „Berliner Schnauze“ zu. Die Schauspielerin Marga Bach und ihre Berliner Jören halten den Hauptstadt-Dialekt mit einem wechselnden Programm in Wort, Witz und Gesang am Leben. Anlässlich des einjährigen Bestehens, das an diesem Sonntag gefeiert wird, hat Kollegin Nele Jensch Marga Bach getroffen und im Friedrichshainer Leute-Newsletter über das Projekt erzählen lassen. Karten kosten 24 Euro, Vorstellungen finden Mi-Sa um 20 Uhr, So um 19 Uhr statt. Karl-Marx-Allee 133, U-Bhf Frankfurter Tor
Neu auf der Museumsinsel ist die James-Simon-Galerie, wo ab heute die erste Ausstellung im Sonderausstellungsraum zu sehen ist. „Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“ zollt der ältesten Institution der Berliner Museen Tribut: Der Gipsformerei, die seit zwei Jahrhunderten Reproduktionen von Kunstwerken auf wissenschaftlicher Basis herstellt. Diese landen, beispielsweise als Leihgaben, in Museen auf der ganzen Welt. Die neue Ausstellung stellt die Abformung als lebensechteste Kunstform dar, zeigt ihre Bedeutung für die Bildhauerei auf und zeichnet die Geschichte der Berliner Gipsformerei von 1819 bis heute nach. Der Eintritt zur Sonderausstellung wird mit allen gültigen Tickets für das Neue Museum und das Pergamonmuseum gewährt. Fr-Mi 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Bodestraße, S+U-Bhf Friedrichstraße
Geschenk – In Sachen geschenktüchtigem Programm macht man dem eigenen Namen hier glücklicherweise nicht alle Ehre: Denn in dem kleinen Laden Kitchen Impossible in Schöneberg, der eigentlich ein Geschäft für Küchenmöbel ist, machen verschiedene Küchenchefs per Kochkurs am Herd einiges möglich: So zum Beispiel Kaoru Iriyama, die in der kommenden Woche Beihilfe zur Zubereitung von japanischer Ramen-Nudelsuppe und süßen Mochi leistet (75 Euro pro Person). Im Anschluss wird natürlich gegessen - dazu gibt es Aperitif und ausgewählte Weinbegleitung. Im Zentrum steht bei den ca. vierstündigen Kursen die nachhaltige Ernährung, es wird also fast ausschließlich mit regionalen Produkten gekocht. Grunewaldstraße 9, U-Bhf Kleistpark
Last-Minute-Tickets – Wie kommen Alpendohle und Mäusebussard in die Philharmonie? Bei der Langen Nacht in der Philharmonie erweckt Pierre-Laurent Aimard heute Abend, am 30. August 2019, zehn Vögel aus dem „Catalogue d’Oiseaux“ am Klavier zum Leben. Mit dieser Komposition suchte der Franzose Olivier Messiaen in den späten 1950er-Jahren den musikalischen Weg zurück zur Natur. Laut dem Komponisten steht der Gesang der Vögel am Anfang aller Musik - passend also, dass die Veranstaltung das Musikfest Berlin und gleichzeitig die neue Spielzeit in Philharmonie, Kammermusiksaal und Konzerthaus eröffnet. Beginn ist um 21 Uhr, Karten gibt es ab 12 Euro (ermäßigt 10 Euro).
Noch hingehen – Wie lange das gute Wetter andauert, steht noch in den Sternen, eine Institution des Berliner Sommers zieht sich jedenfalls schon kommende Woche in den Winterschlaf zurück: Das Freiluftkino Friedrichshain bringt heute Abend den Kletter-Dokumentarfilm „Free Solo“ auf die Leinwand, am Sonntag den Klassiker „The Big Lebowski“ und beendet die Saison eine Woche später mit Hitchcocks Klassiker „Ein Cocktail für eine Leiche“. In Rehberge sind bis zum 7. September beispielsweise noch „Der Himmel über Berlin“ und Steven Spielbergs Weltkriegsfilm „Das Reich der Sonne“ zu sehen. In Kreuzberg ist mit Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ sogar schon an diesem Sonntag Schluss. Heute Abend läuft dort das Elton-John-Musical-Biopic „Rocketman“. Tickets kosten zwischen 7,50 und 8,50 Euro.
Einen entspannten Start ins Wochenende wünscht Julian Goldmann.
Berlin heute
Verkehr – Die Critical Mass startet um 20 Uhr in Kreuzberg am Heinrichplatz und sorgt bis Mitternacht in der gesamten Innenstadt für Verkehrseinschränkungen. Auf der Yorckstraße sind Fahrbahnsanierungen der Grund dafür, dass bis Montagmorgen nicht in die Katzbachstraße eingebogen werden kann. In Köpenick führt ein Wasserrohrbruch dazu, dass die Seelenbinderstraße zwischen Bahnhofstraße und Puchanstraße für Autos und Fahrräder in beiden Richtungen gesperrt ist - vsl. für vier bis sechs Wochen. An der Kreuzung Martin-Luther-Straße / Hohenstaufenstraße in Schöneberg wird die Ampelanlage erneuert. Bis Mitte Oktober kommt es hier zu Einschränkungen. Die S5 verkehrt von heute Abend, 22 Uhr, bis Samstag 15 Uhr nicht zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg. Busse befahren die Strecke ersatzweise. Ebenfalls ab 22 Uhr ist die S26 zwischen Teltow Stadt und Lichterfelde Süd unterbrochen. Ab Montag, 1.30 Uhr, fahren die Züge wieder. Die S75 ist bis zum 2. Oktober von Montag bis Freitag (jeweils 10.30 bis 13 Uhr) zwischen Ahrensfelde und Springfuhl unterbrochen.
Demonstration – In Neukölln machen sich das Café K-Fetisch und die Hausgemeinschaft Wilde Weser mit einem Proteststraßenfest gegen den Verkauf ihres Hauses stark (17-20.30 Uhr). Mit einer Kleidertauschparty protestiert Greenpeace am Alexanderplatz gegen die Fast-Fashion-Industrie (10-19 Uhr, etwa 1500 Teilnehmer). Am Samstag findet mit 5000 Teilnehmern die 23. Fuckparade statt. Von 12 bis 22 Uhr wollen die Demonstranten von der Hermannstraße durch Kreuzberg über die Rigaer Straße bis zur Künaststraße ziehen. Am Simsonweg Ecke Scheidemannstraße gedenken 300 Menschen zum Jahrestag der Vertreibung der Deutschen in Russland der Opfer unter den Deutschen in der ehemaligen UDSSR (12-18 Uhr). Von 13 bis 18 Uhr findet eine Kundgebung mit 1000 Teilnehmern zur Verkehrsberuhigung der Berliner Mitte in der Rathausstraße statt.
Gericht – Nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 19 Jahre alten Fußball-Fan auf einem Supermarkt-Parkplatz in Prenzlauer Berg kommt der mutmaßliche Mörder auf die Anklagebank. Dem 29-Jährigen, der das Opfer nicht kannte, sei es einzig darum gegangen, seine aufgestaute Wut abzureagieren (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Stefan Bollinger (65), Politikwissenschaftler am Otto-Suhr-Institut der FU / Susanne Ficht (37), „Medizinpädagogin und tolle Mutter von drei Kindern“ / Jens Homann (48), „Für den besten Jens der Welt. Und mindestens noch drei Wochen gutes Wetter“ / Barbara König (50), seit 2016 Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung (SPD) / Siegfried Lorenz (74), Opernsänger, seit 2003 Professor für Gesang an der UdK / Christoph Meyer (44), MdB seit 2017 (FDP) / André Niklaus (38), ehem. Leichtathlet / Wolf Roth (75), Schauspieler, ehem. u.a. am Berliner Theater und der Schaubühne / Marcus Weichert (44), ehem. Mitglied des AGH (CDU)
Samstag – Hannah Carina (29), „te quiero“ / Ante Čović (44), seit dieser Saison Cheftrainer bei Hertha BSC / Juliane Kellerer (44), „tüchtige Tochter und Münchner Hertha-Fan“ / Vollrad Kuhn (63), seit 2017 Pankower Bezirksstadtrat für Stadtentwickling und Bürgerdienste (Grüne) / Marcel Luthe (42), seit 2016 Mitglied des AGH (FDP) / Ngcala Ono (45), Sänger und Rapper
Sonntag – Katja Bienert (53), Schauspielerin / Fritz Felgentreu (51), MdB seit 2013 (SPD) / Ralf Fröhlich (53), „großartiger Vater und Ehemann, leidenschaftlicher CDU-Bezirksverordneter im Südwesten und ein treuer Freund“ / Peter Gaehtgens (82), ehem. Präsident der FU / Dagmar Manzel (61), Schauspielerin, ehem. u.a. am BE und DT / Luci van Org (48), Sängerin und Schriftstellerin / Hubertus Primus (64), seit 2012 Vorstand der Stiftung Warentest Berlin / Sabine (71), „viele Grüße nach Estoril von Regina“ / Tim Schneider (22), Basketballspieler bei Alba Berlin / Sabine Scho (49), Schriftstellerin / Julia Varady (78), Opern- und Konzertsängerin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Elvira Katharina Budras, * 7. März 1941 / Prof. Dr. Jürgen Großer, * 18. Oktober 1933 / Reimar Krause / Dr. med. Vera Londong, * 13. Juni 1933
Bredowstraße 14 – Hier lebte Ridia Lewy (geb. Kaul, Jhg. 1872), Kontoristin und Mutter eines Sohnes, zuerst mit Familie und nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1939 alleine. Im Juli 1942 wurde sie mit dem „28. Alterstransport“ ins Ghetto Theresienstadt deportiert und dort wenig später, am 30. August 1942, im Alter von 70 Jahren ermordet.
Encore
So, zum Schluss noch ein Ausflug in das neue Spandau von Berlin: Köpenick. Stromausfall, Brückensperrung, Ersatzverkehr: Bald ist Berlins Südosten wohl nur noch über den Wasserweg erreichbar. Vielleicht deshalb ist jetzt auf der Seelenbinderstraße auch noch ein Wasserrohr geplatzt (via „Berliner Zeitung“); die Straßenbahngleise der Linien 60 und 61 wurden unterspült – schon hat sich die nächste Sperrung gewaschen. Bloß gut, dass die Alte Försterei zu Fuß erreichbar bleibt. So gerät Union nicht auch noch ins Schwimmen.
Reißen Sie sich nicht die Zähne aus. Denn heute ist Frankenstein-Tag. Und morgen beißen hier Stefan Jacobs und Thomas Wochnik ins Wochenende. Ich grüße Sie,
